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ABCDEF s.VGHIJKL
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hâ – haber-
haberlîte – hachelen
hachelwërc – hage
hage- – 2hagen
hagen- – halbe
halbe – hallergëlt
hallergülte – halphimel
halp|hunt – halpvaste
halpvierteil – halser
halsgebeine – halsveste
halsvlinken – hamerslac
hamerslahen – hanef
hanef|âkambe – 1hansen
2hansen – hantgiften
hantgiftphenninc – hantsalbe
hantschmänt – hantvestlich
hantvestunge – hârbendelîn
hârblôʒ – hârlouf
harm – harnaffe
harnasch, harnas – 1harre
2harre – hartruore
hartsinnic – haselbir
haselbluome – hasenvleisch
hasenwint – havendierne
havengazzer – haʒʒiclich
haʒ|zorn – heberînmelwer
hebesal – 3hecken
heckenjeger – hegelîn
hegeln – heidenisch
heidenischheit – heilalle
heilant – heilige
heiligeistlîcheit – heilvuorlich
heilwâc – heime suochen
hei|metze – heimvart
heimvartlich – heitber, heidelber
heiter – heiʒmuot
heiʒsühtic – hëlfebære
hëlfebërnde – hëlkleit
helle – helleglocke
hellegluot – hellemunt
hellemünzer – hellerigel
hellerîs – helle-
hellesun – hellevreisærin
hellevunke – hëllunge
helm – hëlmschîn
hëlmschirbe – helwërtwitze
hely – hendewinden
hendewringen – hennenvuoʒ
hentschuocher – herbërgen
herbërgerîe – hêre
herebërge – hergesidele
hêrgesidele – hêrischheit
hërkêre – Herodære
Herodiane – hêrrennôt
hêrrenphruonde – herschrîære
hêrschunge – hertes
hërtgëlt – hërverloufen
herverten – hërzeblüete
hërzebluot – hërzekrachen
hërzekranc (?) – hërze|nabele (?)
hërzenandâht – hërzenvride
hërzenvrô – hërzestôʒ
hërzesüeʒe – hërzevrouwelîn
hërzewaʒʒer – heselîn
heselîn – hîbære
hichela – hierunder
hiesch – himelbalsem
himelbære – himelgesanc
himelgesinde – himelknabe
himelknolle – himelpalas
himelphat – himelschheit
himelschlich – himelstîge
himelstîgunge – himelval
himelvane – himelvürste
himelvürstin – hinde
hinden – hindergêunge
hindergrîfen – hindernisse
hinderrât – hinderstelle
hinderstellic – hinderwërtlingen
hinder wîchen – hinker
hinkêre – hinnëben
hin nëmen – hînt
hintber – hinwërt
hinwësunge – hirngupfe
hirnhût – hirtelîn
hirtelôs – hirʒmilch
hirʒ- – hiu
hiubelhuot – hiuten
hiutezucker – hôchgebirge
hôchgebluomet – hôchgenant
hôchgenende – hôchgewaltic
hôchgewîht – hôchmeister
hôchmësse – hôchvart
hôchvart – hôchzîtkleit
hôchzîtlich – hœhe
hôheclich – holde
hölde – hol|loch
hol|louch – holzapfelîn
holzban – holzheit
holzhërre – holzschuoherin
holzstîc – honec
honec|bluome (?) – honec|tranc
honec|triefende – hônheit
honic – hopfenziech
hopferebe – horgen
horgewat – hornicsprenget (?)
hornîn – horten
hortgadem – hospitâl
hossen – houbeten
houbet|êre – houbetkleit
houbetklôster – houbetman
houbetman|ambet – houbetsachwaltære
houbetschande – houbetsünde
houbetsündic – houbetwaʒʒer
houbetwëgen – höuptinc
höurëht – höuwezëhende
houwic – hovegeselle
hovegesinde – hovelich
hovelîche – hovephenninc
hovephliht – hoveschar
höveschære – hovestatzins
hove|stetære – hovezins
hovezorn – 1hûchen
2hûchen – hüenerhirne
hüenerhûs – hûfeht
hufel – hügenisse
hügenumft – hüllenwëbære
hüllenwëbærinne – humerâl
hummen – hundertweide
hundesber – hungergîtic
hungerhâr – hunt
huntaffe – huobdinc
huobe – huof
huofblat – huorgelust
huorgelustic – huotelôs
huote|strëbe (?) – hurmelen
hurnaʒ – hurticlich
hurtieren – hûs|êre
hûsgëlt – hûslode
hûslôs – hûsvrouwe
hûswer – hûwen
hûwen – hy

   halfter - halpbruoder    


halfter F. ‘Halfter’ (bes. von Pferden): succinctorium vel brachiale: halftra SummHeinr 1:332,238; capistrum: quo equi capiuntur: halftra ebd. 2:236,406. 2:36,117; capulum: halfter VocOpt 26.011; ‘hettestu den zoum vermiden / und weres mit der halfter geriten / da heim, so enwerestu nicht besenget [...]’ Brandan 610; ein bästîn halfter Parz 256,21; die halftern lôster vome pfert ebd. 514,12; der brûder von dem satelhûs sal den brûderen geben riemen zu stegereifen, zugele, halfteren, darmgurtelen [...] StatDtOrd 110,12. 118,1; MarcoPolo 21,6

MWB 2 1112,30; Bearbeiter: Gärtner

halgrâve swM. ‘Hallgraf’, Vorsteher oder Richter in Sachen des Salzwesens(?): a domino Dieterico quondam halgravio UrkEnns 1,259 (a. 1182). Weitere Belege DRW 4,1478.

MWB 2 1112,41; Bearbeiter: Gärtner

hælinc Adj. , hælinge(n) Adv. ‘heimlich, im Geheimen’ 1 Adj.
2 Adv.
   1 Adj.: der selbe hât betwungen mich / gar âne hælingen slich Parz 222,4    2 Adv.: dem andern sô enbiute dâ, / daz er ze mitter naht nu sâ / kome hart hælinge / und ouch sîn silber bringe Niemand 173; si gie helingen in daz gadem HlReg 34,7. – etw. ~ sagen: ‘[...] dû salt ir daz vingerlîn / zu einem wortzeichen bringen / und salt gar hêlingen / dîn zûkunft dîner tochtir sagin / [...]’ Eilh (L) 9300. 9324; ~ sprechen ebd. 1426

MWB 2 1112,45; Bearbeiter: Gärtner

hælinc stM. ‘Geheimnis’ der gotes hælinc / selben wart offenbære KvFuss 270; WhvÖst 15995; sîn tougen was vermæret, / sîn hælinc goffenbæret Tr 13636; si verswigen ouch ir dinc / und hâlen ir hælinc ebd. 13084 u.ö.; ein heling riche, den solte ich dir sagen WolfdD 116,3; WolfdB 111,3; vernim den helinc uber lut / aller der geschihte Elis 5288; KvWTroj 15756. 4946; ich wil [...] en nemen sonder heling MinneR 481 573

MWB 2 1112,55; Bearbeiter: Gärtner

halle stswF. 1 ‘Halle’
1.1 ‘Verkaufshalle’
1.2 ‘Vorhalle des Tempels’
2 ‘Siedehaus’
   1 ‘Halle’    1.1 ‘Verkaufshalle’ cum obumbraculis que vulgo hallen appellantur UrkKölnSchr 1,16 (a. 1135–1142); ouch sollen si nicht vinnecht [mit Finnen behaftete] suͤwen adder wandelbar fleichs vorkoffen, si en vorkouffen eß dan puͤßen den hallen StRHeiligenst 69. 67; von den [den burgærn ] si in der hal / kouften ir gewant Ottok 76346    1.2 ‘Vorhalle des Tempels’ in der tur des templis des herren zwuschen der hallen des templis und dem altir [ inter vestibulum et altare ] Cranc Ez 8,16 u.ö.    2 ‘Siedehaus’ vendidi [...] quartam partem unius domuncule dicte teutonice halle, que vocatur Struvelle halle UrkWürtt 8,109 (a. 1278)

MWB 2 1113,1; Bearbeiter: Gärtner

hallekirche stF. (s.a. halle 1.2 ) ‘Kirche mit Vorhalle’ der tempil hatte dry teyl: das ist dy vorloube adir dy halle, daz heilige und daz heyligiste, daz man etzlichir maze nennen mag als mit uns hallekirche Cranc Uzl 259,35

MWB 2 1113,15; Bearbeiter: Gärtner

hallen (?) swV. ‘hallen, tönen’ strich an genaden hitze, / so daz min sin nu scheftig [‘geschäftig, tätig wirkend’] / halle in gotlicher gerde, / wan sie uns rechte riset Frl 12:1,13 (vgl. Komm. z.St.)

MWB 2 1113,20; Bearbeiter: Gärtner

haller Adj. ‘hallisch, aus Hall’ vmme zwene schillinge haller mv́nse UrkCorp (WMU) 2148,25. – subst. als Bestandteil von Personennamen: her Cuͦnr. der Haller UrkCorp (WMU) 2822AB,37

MWB 2 1113,24; Bearbeiter: Gärtner

Haller, Heller stM. 1 ‘Heller’ , nach der Reichsstadt Schwäbisch Hall benannte Pfennigmünze (vgl. LexMA 4,2122; DRW 5,704)
1.1 allg.
1.2 rechtsspr. in Festlegungen über Abgaben, Bußen usw. (s. Belege WMU 1,787; DRW 5, 704-707)
1.3 mit Adj.-Attr. zur Bezeichnung der Münzqualität oder Münzsorte
2 ‘Hellergewicht’
3 übertr. für etwas Kleines, Geringes, Wertloses
   1 ‘Heller’, nach der Reichsstadt Schwäbisch Hall benannte Pfennigmünze (vgl. LexMA 4,2122; DRW 5,704)    1.1 allg.: mit bîgurteln [Geldbeuteln] swæren / und mit hellæren, / mit silber und mit golde Ottok 94111; gent [gebt] armen verzerten krancken kinder vier haller oder sehsse Tauler 67,24; gent mir ain haller umb ain brot, / wann ich bin nach von hunger tot! MinneR 439 913; FrSchw 2383. 6601. – im Vergleich: swer in disen grunt ie geluogete einen ougenblik, dem menschen sint tûsent mark rôtes geslagenen goldes als ein valscher haller Eckh 1:90,11; Tauler 68,5    1.2 rechtsspr. in Festlegungen über Abgaben, Bußen usw. (s. Belege WMU 1,787; DRW 5, 704-707): daz er von sime gesinde und huzgenoͤzzen die vor geschriben heller vorder und neme WüP 97,17; der sol 2 h [= haller ] zuͦ buͦzze geben ebd. 97,9 u.ö.; [sie] gabent nit me durch recht / denn zwen ain gantzen haller Bauernh 441. – meist in Verbindung mit übergeordneten Münzeinheiten: hundert phund haller StRAugsb 44,9; UrkWittelsb 2,387 (a. 1347); der sol geben [...] einen schilling heller WüP 66,3 u.ö. – in Relation zu anderen Münzsorten: tusent mark [...] koͤlnischer phenninge, dri haller vor einen phennik UrkCorp (WMU) 2070,39    1.3 mit Adj.-Attr. zur Bezeichnung der Münzqualität oder Münzsorte: breite haller [...] die heten ein kriuze, daz stuont enbor / und ein hant gar gelîche geslagen [Kreuz und Hand: die auf den beiden Seiten aufgeprägten Symbole der Stadt Hall] Renner 18632f.; wertvolle silberhaltige alte haller ebd. 18565; minderwertige kupferne niuwe haller ebd. 18571; daz kein kieser [amtlich bestellter Schätzer] keinen boͤsen [minderwertigen] heller wehseln sol oder kauffen WüP 63,3 u.ö.    2 ‘Hellergewicht’ tweyer heller gewychte scamonee OvBaierl 125,18 u.ö.;    3 übertr. für etwas Kleines, Geringes, Wertloses: diz wesen ist alsô edel und alsô gemeine, daz dû ez niht endarft koufen umbe einen haller noch umbe einen helbelinc Eckh 2:80,6. 5: 304,4. – phras. (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 191): niht eines ~ wërt sîn ‘nichts wert sein’ der mvnch oder div nvnne, div eines helblinges wert hat an vrlavp, div ist vor got eines hallers niht wert PrBerthKl 4,94; der ritter mit den roten wapen, [...] der was nit eins hellers wert gegen dißem Lanc 272,2

MWB 2 1113,28; Bearbeiter: Gärtner

hallergëlt stN. ‘Grundrente in Hellern’ (vgl. DRW 5,707): so sol man sie ie fuͤr ein pfunt herrengelcz anderhalb pfunt hallergelcz an bereitschaft beweysen UrkHohenz 3,98 (a. 1342)

MWB 2 1114,12; Bearbeiter: Gärtner

hallergülte stF. ‘Grundrente in Heller’ (wie hallergëlt): daz wir vnsers rechten eigens haben uͦf gegeben dem erberen fursten [...] drizzec phunt heller gulte UrkWürzb 39,143 (a. 1319). 41,245 (a. 1346). 41,253 (a. 1346)

MWB 2 1114,16; Bearbeiter: Gärtner

hallermünze stF. Heller als Münzsorte: wir [...] veriehen offenbar mit diesem brieff, das wir [...] erlaubt haben [...] heller müntz ze schlagen DRW 5,708 (Böhmer-Ficker; a. 1329)

MWB 2 1114,21; Bearbeiter: Gärtner

hallerwërt stNM. kontrahiert auch helwërt, helbërt. 1 ‘Gegenwert für einen Heller’
2 ‘Brot(-laib) im Wert eines Hellers’
   1 ‘Gegenwert für einen Heller’ zwei haller wert was [Wachs] UrkCorp (WMU) 1391,23; ieglich hucker [Kleinkrämer] [ sol geben ] alle wochen ein helbert des er vor im hat StRAugsb 200,37. – übertr.: swaz got durch sîner güete êre gnaden gît, die stilt im unser hôhvart unde verkoufen sie umbe ein helwert valscher êren DvASchr 322,34. ein helwert witze ‘ein Hellerwert an Verstand’, daraus ein zur Verfremdung gebildetes Kompositum diu helwertwitze: nim hin an dirre frist / einen helblinc und niht mêr / unde kouf mir, als ich ger, / dar umb ein helwertwitze! [sagt die Ehefrau zu ihrem törichten Mann, der das Wort auf seiner Kaufreise lange nicht durchschaut und für eine Sache hält, bis er nach vielen Prüfungen schließlich zu Verstand kommt] Fressant 235 u.ö.    2 ‘Brot(-laib) im Wert eines Hellers’ [ein fremder Bäcker] sol driu helbert umbe einen phennink geben StRAugsb 195,29

MWB 2 1114,25; Bearbeiter: Gärtner

hællîche Adv. vgl. auch hëllîche. ‘heimlich’ sô underwîlen daz geschiht / daz er sîne frouwen siht / unde er des sol vâren / unt sô hællich gebâren, / daz er gefuoge unt tougen / aller liute ougen / triege Bîspel (Pf) 35,38

MWB 2 1114,45; Bearbeiter: Gärtner

halm stM. auch swM. ( HeslNic ), Pl. auch helmer ( HvNstGZ ). 1 ‘Gras- oder Getreidehalm’
2 ‘Schreibrohr’ (s.a. schrîbehalm )
3 rechtssprachl., der Halm als Rechtssymbol bei Liegenschaftsübertragungen in der Formel mit halme ‘Halmwurf’ und mit hande ‘Handschlag’ und mit munde ‘mündliche Entsagung’ (weitere Belege DRW 4,1480-1484)
4 in Sprichwörtern und Redewendungen (vgl. TPMA 5,356-358; Friedrich, PhrasWB, S. 191f.)
5 phras. für etwas Schmales, Geringes, Wertloses ‘nicht(s), in keiner Weise’
   1 ‘Gras- oder Getreidehalm’ culmus: halm SummHeinr 1:207,466; VocOpt 13.164; ein halm ist creftec unde guot, / waz er uns allen liebes tuot! / er fröit vil manigem sînen muot. / wie danne umbe sînen sâmen? / von grase wirdet halm ze strô, / er machet manic herze vrô [bezogen auf das Halmorakel 66,5ff., s.u.] , / er ist guot nider unde hô Walth 17,31; daz [ ros ] lief so wol von rehter art / berge, velt an allen pfat, / und doch nit helmer nider trat HvNstGZ 916; ich sâhe [Joseph in seinem Traum] , dâ ûzze an der sâte, / in dem twalme, wahsen an einem halme / siben eher scôniu unde volliu Gen 2035; RvEWchr 7341; EnikWchr 5539. 5648; da si [die Ameise] den weizze uindet. so uert si ûf den halm. unt nimet daz chorn. unt tregit iz zeloche JPhys 17,34; [wenn die Gerste reif ist] hat der halm herwe grete [scharfe Grannen] Daniel 2311; dú breiti eins geschlichten [geglätteten] halmes Seuse 16,25. – ‘Stoppel’ der [Zorn Gottes] besovfte siv als den halem: que deuorauit eos sicut stipulam PsM C 4,7; stipula: halm SummHeinr 2:487,01.7; Parz 379,16. uf hevet er den armen, / den suntigen von der erde, / sam der stain [ Calcedonius ] tut di halme HimmlJer 208; Ottok 22344. – ‘Trinkhalm’ gif et eme drynken myt twen halmen OvBaierl 116,43; ez sint auch läut, die sô klain münd habent, daz si neur mit aim klainen halm saufendz dinch in sich ziehent und anders niht ezzent BdN 490,10. – als pars pro toto ‘Getreidefeld’ ich bin ze disem strîte komen / so der schûr an die halme Wh 390,27; als ein wolkendonre wilde / den halm âhtet, niderslât / mit craft, wie ofte er uns hât / zuströut menlîcher vare! Kreuzf 7671; UvEtzAlex 24542. – als Bezeichnung von Heilpflanzen: calamus aromaticus haizt der wolsmeckend halm und haizt nâch aim gemainen halm, wan dem ist er geleich. der halm ist ain staud und wechset in dem land India BdN 365,3. 419,14. – in Zeitangaben: nach halme nach howe [nach der Getreide- und Heuernte] UrkCorp (WMU) N109AB,7; WeistGr 1,673 (a. 1320). – im Halmorakel: mich hât ein halm gemachet frô. / ich wæne, ich sül genâde vinden: / swie dicke ich maz daz selbe strô, / als ich gewon was her von kinden Walth 66,5; ich tuon, ich entuon. ich mezze ein halm zuo lange Meissner 14:4,3    2 ‘Schreibrohr’ (s.a. schrîbehalm): got gab Johanne den halm [um das Evangelium aufzuschreiben] / glich einer gerten gestalt HeslApk 15440. 15429; Davit / [...] schribet mit sinem halmen / an dem zwenzigisten psalmen HeslNic 2037; swaz ich húte predigen pflege, / daz vergêt mit dem galme. / swaz aber ich mit dem halme / – mit der vederen maine ich – schribe, / daz hoffe ich ie ez blibe / nútze úber manigen tac Pass I/II(HSW) 42302    3 rechtssprachl., der Halm als Rechtssymbol bei Liegenschaftsübertragungen in der Formel mit halme ‘Halmwurf’ und mit hande ‘Handschlag’ und mit munde ‘mündliche Entsagung’ (weitere Belege DRW 4,1480-1484): auch hat sich vnser svn [...] des vorgenanten gvͦtes verzigen vnde verschozzen mit hanten vnde mit halmen UrkCorp (WMU) 1764,38; also haben wir vns verschossen vnd verschisent vns des mitt hant vnd halm UrkWürzb 39,14 (a. 1315); mit munde mit hande vnd mit halm ebd. 39,352 (a. 1328) u.ö.; UrkFrauensee 107 (a. 1342); UrkWorms 2:154,18 (a. 1327); UrkDOKobl 2,360 (a. 1322)    4 in Sprichwörtern und Redewendungen (vgl. TPMA 5,356-358; Friedrich, PhrasWB, S. 191f.): jmdm. den ~ vür rücken/  ziehen ‘jmdn. täuschen’ (s.a. halmel 2): ir [der Welt] lon ist ein kazzen spil: / si zeiget vnd zvkket / gelich als swer den halm rvkket / dvrch schimpf den ivngen katzen vor TürlArabel *A 69,14; ir ist der halm vor gezogen / als einer jungen katzen Renner 12158; RvMunre 1257; werlt, dú zuhes dén halm vur dem giefe [dem Toren] / unde spíles mit im Meissner 2:2,9. von einem halme kumt ein viur, der niht sîn zünden understât, / dâ von ein hûs enbrinnet gar und an die schiuren gât WernhSpr 35,13    5 phras. für etwas Schmales, Geringes, Wertloses ‘nicht(s), in keiner Weise’ si ahten nvͥt vmbe einen halm / zages tat TürlArabel F 836; daz [Schläge auf das Haupt] was im unnütze / und was im als mære, / sam ez ein halm wære Eracl 1322; eines halmes vürbaz StrAmis 145; halmes breit WvRh 14989; Pass III 246,96; MinneR 272 24. – ein ~ fällt/ liegt entwerhes ‘wenn eine Kleinigkeit in die Quere kommt’ [Helena zu Paris] geviele ein halm entwerhes, / mir würde manic bœse hût / von iu stille und überlût / gesprochen und gemezzen KvWTroj 22222; sô in iendert ein halm entwerhes lît, sô scheltent, sô fluochent, sô roufent, sô slahent, sô lüejent sie [die dem Zorn nicht widerstehen können] rehte als die tiuvele in der helle mit den sêlen PrBerth 2:179,31; die beiden Belege hierher oder zu #/-1#/+ (Halmorakel)?

MWB 2 1114,50; Bearbeiter: Gärtner

halme swM. helm stNM.

MWB 2 1116,21;

halmel, helmel stN. auch helmelîn. Dimin. zu halm. ‘Hälmchen’ 1 eigentl.
2 in Sprichwörtern und Redewendungen: jmdm. daz ~ vür ziehen ‘jmdn. täuschen, betrügen’ (s.a. halm 4 )
   1 eigentl.: dâ sach er siben halm stân, / [...] ûz ieslîchem helmelîn / mit grôzen kreften schôz / siben eher, diu wârn grôz EnikWchr 5542; er [der luhsstain ] ist den gelsühtigen guot und zeucht diu hälmel an sich, sam der aitstain tuot BdN 451,14 u.ö.    2 in Sprichwörtern und Redewendungen: jmdm. daz ~ vür ziehen ‘jmdn. täuschen, betrügen’ (s.a. halm 4): den der tiuvel so betriuget, / daz er iz dar gesciubet, / dem hat er daz halmel vor gezogen, / unz er in gar hat betrogen SüklV 396; den [Riwalin] dû [Welt] betrüge / und im daz helmel vür züge, / unz daz er leit des tôdes nôt HvFreibTr 6644; Fridrich was nit ain tot: / Jerome zoch er das helmlin vor / staͤtz mit wortten unnd wercken FrSchw 3064; SalMor 154,5; Schlegel 1189

MWB 2 1116,22; Bearbeiter: Gärtner

halmen swV. ‘abernten’ und were es, das iemant auf das gut führe hauwen oder halmen, also dick er das thete, so bricht er 30 schil. pfenn. WeistGr 1,744;5,461 Anm. 2 (a. 1307)

MWB 2 1116,39; Bearbeiter: Gärtner

halmstücke stN. ‘Halmstück’ [sie] steckent si [ ain nadeln ] dan übertwerch an ain halmstuck oder in ain spænel von holz BdN 433,27

MWB 2 1116,43; Bearbeiter: Gärtner

halmvrischinc stM. im Herbst als Abgabe fälliges Jungschwein, vgl. Schmeller, BWB 1,828 (s.a. grasvrischinc): 2 pascuales (qui dicuntur halmfriskinge) UrbTegernsee 251

MWB 2 1116,46; Bearbeiter: Gärtner

halp Adj., Adv. , halbe Adv. selten steht attr. halp in der Nominalphrase vor dem unbest. Art. oder Poss.-Pron. (zu dieser Wortstellung vgl. Behaghel, Dt. Syntax 4,204-207): daz wert niht halp ein wochen Loheng 6976; halbes mines riches AvaJo 27,3; Walth 7,13. 46,5 (s.u. 4.1); EvBeh Lc 19,8; SHort 2879. 1 ‘halb’ ; halbprädikativ und adv.: ‘zur Hälfte’
1.1 allg.
1.2 in wiederholter Stellung, halp ... halp
1.3 im Pl. auch kollektiv,
1.4 zum Ausdruck des Kleinsten, Geringsten, zur Verstärkung der Negation
1.5 in besonderen Ausdrücken
1.5.1 halbez brôt ‘Brot von der Hälfte eines best. Gewichtes, halbgewichtiges Brot’
1.5.2 halbez pfert/  ros ‘(ein Tier, von dem nur ein Elternteil ein Pferd ist:) Maultier’
1.5.3 halber/  halbez teil , halbez zil ‘Hälfte’
1.5.4 halber wec ‘halbe Wegstrecke’ , im adv. Akk. oder mit Präp.
1.5.5 halber wint ‘Wind, der die erwünschte Stärke nur zur Hälfte erreicht’
1.5.6 in der adv. Verbindung über halp ‘mehr als zur Hälfte’
1.5.7 ein Hof wird umbe halp ‘für die Hälfte, um den halben Ertrag’ , der als Pachtzins zu entrichten ist, bewirtschaftet
2 ‘halb, -einhalb’ , in Zahlbestimmungen (s.a. Boeters, halb -Zahlwörter, S. 24-29 und 39-73 mit zahlreichen mhd. Belegen);
3 ‘nicht ganz, nicht völlig; unvollständig, unvollkommen’
4 ‘fast (ganz), beinahe’
4.1 allg.
4.2 in Verbindung mit tôt .
   1 ‘halb’; halbprädikativ und adv.: ‘zur Hälfte’    1.1 allg. – von Lebewesen: er slûch Jubal von oberest sîner zende / al nider durch die lende / unde machet zwêne halbe man VAlex 1289; ein halber adelar [als Wappentier] KvWTurn 407; die vunden [...] / daz ros halbez abe geslagen Iw 1261; swelh kristen kristentuomes pfliht / an worten [nur mit Worten] und an werken niht, der ist wol halp ein heiden Walth 7,13; wære daz mügelich, daz der hunt sînem herren halber [mit der einen Hälfte seines Wesens] ungetriuwe wære, er hazzete sich selben halber [mit der anderen Hälfte] Eckh 1:272,4; Parz 68,9; BdN 468,3. 470,9. – von Gegenständen: daz [Gewand] was halbez plîalt Parz 235,10; der zuhte ûz halbez sîn swert StrKarl 4585; daz halbtayl, daz wir haben gehabt an den zwaien heuseren [...], diu helbiu [je zur Hälfte] unser rehtes aygen sint gewesen [...], haben wir verkauft UrkUlrich 2,85 (a. 1332); En 12449; EnikWchr 15757. – von Ländern, Herrschaften, Eigentum: ich lihe ime halbe Yspaniam [...], / Roͮlande daz ander teil Rol 1508; Friderich ze Salzburch mir [...] hat gelihen ze rechtem lehen di halb veste ze Wolfsekk UrkEnns 5,282 (a. 1321); ich gip diͤr min rich halbes Konr 14,77; halp mîn gût [...] gebe ich den armen EvBeh Lc 19,8; nemet [...] halbez, daz ich hân Tr 16231; AvaJo 27,3; VAlex 800; Mai 127,5; SchwSp 12a. – von Maßbezeichnungen: eine halbe unce Ipocr 223; ein halbez phunt Wienner phenning UrkCorp 3539,33. 864,20; einen halben pecher guthes wines SalArz 116,27; halber mîle breit Parz 681,17; einer halben ellen lanc Ottok 96180; ein halb aker reben UrkCorp (WMU) 1107,39; En 12377; Barth 133,27; BdN 313,2. – bei Zeitangaben: halben tac Walth 42,7; diu naht was wol halbiu hin Wig 2056; daz wert niht halp ein wochen Loheng 6976; ze halveme ouiste [Mitte August] UrkCorp (WMU) 74,22; ein halbez jâr Parz 103,15; suln wir leben halbez jâr [auch nur ein halbes Jahr] Er 1358; eine halbe stunde Pass I/II(HSW) 24294; ein halbe wile Lucid 6,12; daz der guote mensche an halber zît [d.h. die Hälfte seines Lebens] ist [...] einez mit dem sünder, daz ist an dem slâfe Eckh 3:44,1; Iw 2828; Parz 81,6; RvEBarl 628; SprAlbert 217. – Sonstiges: man siht mich dicke wol gemuot, / sô trûret manic ander man, / der mînen schaden halben nie gewan Walth 120,29; diu [Ehefrau eines Kreuzritters] koufet halben lôn dar an, / obe sî sich heime alsô bewart, / daz sî verdienet kiuschiu wort. / sî bete vür siu beidiu hie, / sô vert er vür siu beidiu dort MF:Hartm 6,3; unde ist diu schulde halbiu sîn SchwSp (W) 262,6; ZwBüchl 341; MF:Reinm 60: 4,7. – Adv., in der Verbindung halp sô manic/  vil: niht halp sô manegiu bîe / möhten tœten einen starken bern Wh 117,20; hete ich nâch gote ie halp sô vil gerungen [wie ich mich um die Geliebte bemüht habe] MF:Mor 17: 3,7; ReinFu K,1412; auch attr. Auffassung möglich: der eynen fladen woͤlle machen von fleische, der nem fleisch [...] vnd hackez cleyne. vnd ribe halb als vil keses drunder BvgSp 86    1.2 in wiederholter Stellung, halp ... halp: dû sach her vure sich vlîzin / manigin visc grôzin, / half visc, half man Anno 14,19; daz daz ængerlin [...] halbez des spitals eigen was vnd was halbez min eigen UrkCorp 1358,28; daz gemischte broͤt [...] sol halb weizzin und halb ruckin sin WüP 90,3; Lucid 108,2; RvZw 129,4; StrKD 7,36; BdN 471,26. [Eva] gâz iz [ obez ] halbez, halbez tet siz gehalten, / si [...] gab ez ir mane Adame Gen 355; ein hertez tuoch, hærîn / halp und halbez wüllîn RvEBarl 6476; Krone 14464. – mit Ersparung des zweiten halp, ‘je zur Hälfte, zu je gleichen Teilen’ ein zeichen vurte her an der hant, / das was halb gehl und rot En (FSch) 7315; nû waldes halb reht / unde gelucke unde frome, / daz dirre schilt heim kome / ganz und âne wunde! En 8774; [ein Zentaur ist] halb rosse unde man GTroj 14973; Renner 12422. – in den Wendungen halp ein halp ander und halp unde halp gelîch ‘je zur Hälfte’ von deme guͦte ze Jnnenheim, das da giltet viercig vnd hvndert vierteil vnd drie sestere, halb ein halb andere, gersten vnd rocken UrkCorp (WMU) N156,27. N131,30; UrbEls 206 (a. 1341); der walt [...] den sol man teilen vnder die zwei huser Rapolzsten vnd Altenkasten halp vnd halp gelich UrkCorp (WMU) 3055A,18,26. – auch attr.: den halben cins sol men geben zen sv́negihten, den andern halben zen wîhnehten UrkCorp (WMU) N781,8; UrkCorp 3207,40    1.3 im Pl. auch kollektiv, d.h. nicht auf die einzelnen Mitglieder/  Teile einer Gruppe/  Menge (vgl. VAlex 1289; UrkUlrich 2,85 unter 1.1), sondern auf das Gesamt bezogen, teilw. korrespondierend mit einem folgenden halp oder ander. – attr.: der [zehn Jungfrauen (Mt 25,1ff.)] wâren âne wîsen sin / die halben vünfe [die einen fünf] under in. / den andern vünfen was bereit / hôher sin bî wîsheit RvEBarl 3544; und sol in da von elluͥ iar zwelf schillinge Tuͥwinger geben, die halben ze sante Walpurge tac und die andern halben ze sante Martinz mez da nach UrkCorp 2524,1.2. 699,31; unde sol men die [Fronarbeiter] in zvei teilen und iewerre [ = ieweder jeder der beiden Grundbesitzer] han die halben ebd. N306,21; Tr 18801 (s.a. → halbe swstF. unter 1.1). – halbpräd.: die [Lehen] solen halbe weesen des graven und die ander halbe des an deme der brech geschiit UrkCorp 904,3 (das zweite halbe steht entweder durch Angleichung an das erste statt eines zu erwartenden halben, oder es handelt sich, mit Wechsel der Konstr., um → halbe swstF. 1.1); daz wir [zwei Freunde] halbe [zur Hälfte, d.h. einer von uns] hin ûz giengen / und halbe beliben hie inne En 6604; die sint erstorben [...] / halp oderz mêrre teil Parz 194,25; drû hundert [Feinde] [...], / tôt mêr dan halp slûc er sie Kreuzf 6633 u.ö.; UrkWürzb 39,120.312 (a. 1319/1327)    1.4 zum Ausdruck des Kleinsten, Geringsten, zur Verstärkung der Negation: daz enist niht halbez [nicht einmal zur Hälfte, nicht im Geringsten] guot Iw 1506; iwer krône und iwer lant / wærn derfür [für ein kostbares Zelt] niht halbez phant [d.h. sind nicht halb soviel wert] Parz 62,20; wie vil ein mensche guotes tuot, / ez dunkt die welt nicht halbes [= halbez ] guot Boner 52,96; Parz 637,1; Mechth 5: 31,23. mir ist diu kraft benomen, / daz ich einen halben schrit / niht [nicht den kleinsten, kaum einen Schritt] mac getuon KvWPart 11007; [ein Hund] wolte niender von mir dâ / komen einen halben fuoz ebd. 17861; Tr 11813; RvEBarl 11273; KvWTroj 36550. by allen minen tagen / kunde ich din [...] / nie halbe stund vergessen GTroj 11006. – phras., einem Hungrigen (niht) ein halbez brôt geben: ob du von hunger sturbest, / ich gebe dir niht ein halbes brôt StrKD 6,329; [einen wildfremden Menschen] behielt ich unz an mînen tôt, / ê ich iu [dem eigenen Sohn] gæbe ein halbez brôt Helmbr 1796; Parz 142,22; JTit 318,4. – in formelh. Verbindung mit bône, brôt, ei, hâr, vinger: nun vürhte ich / dîne stange unde dich / niht eine halbe bône [nicht im Geringsten] Tr 15991; ern gæbe niht ein halbez brôt / umb uns noch umb sîn selbes tôt ebd. 8669; daz man für sîn erweltez leben / genomen hæte ein halbez ei KvWSchwanr 1167. 1553; unprîs [...] entruoger nie [...] / halbes vingers lanc Parz 678,27; StrDan 7887    1.5 in besonderen Ausdrücken    1.5.1 halbez brôt ‘Brot von der Hälfte eines best. Gewichtes, halbgewichtiges Brot’ [Mischbrot] sol man [...] backen uf daz wastelgewihte [...]. und wer des 1 malter becket, der sol des ein ahteil zuͦ halben broͤte backen, also daz ir 2 ein wastelgewihte haben WüP 90,5; hierher oder zu 1.1: do vant her ein halp brot, / daz man da heizet gastel – / iz ist alumme sinuwel GrRud H 30 (s.a. Anm. z.St.)    1.5.2 halbez pfert/  ros ‘(ein Tier, von dem nur ein Elternteil ein Pferd ist:) Maultier’ mit attimhalbe rhuͦsse, daz sulent siben phert sin unt ein muͦl WeistGr 1,763 (a. 1310); zue helbú pherit UrkCorp N151,33; drittehalb pferit ebd. N109A,2,38. 244A,18,43,48; UrkEls 2,155 (a. 1336). – ähnlich, vereinzelt: [Mischlingshunde sind] von der halben art StrKD 7,38    1.5.3 halber/  halbez teil, halbez zil ‘Hälfte’ alles mines goͮtes halben teil gibe ich den armen Spec 132,13; mir ist mîn rede nû enmitten zwei geslagen: / daz eine halbe teil ist mir verboten gar Walth 61,34; der welte unstætekeit ist vil. / niemen kan an halbez zil / genennen ir unstæte grôz RvEBarl 382; Iw 7207; Parz 278,15. 758,20; KvWTurn 402; UrkCorp (WMU) 1453C,44    1.5.4 halber wec ‘halbe Wegstrecke’, im adv. Akk. oder mit Präp.: alsô kômens halben wec / unz enmitten ûf den stec Tund 825; als einer [...] ein guot an ein goteshûs gît, sô wil er wænen, er sî halben wec [habe den halben Weg (zum Himmelreich) schon zurückgelegt, sei halbwegs am Ziel] PrBerth 1:3,19; ich wil im guot geleite tuon: / Bêâkurs mîner swester suon / nimt [empfängt] in dort an halbem wege [auf halber Strecke] Parz 720,17; sô solde der turnei sîn / zwischen Tarebrôn und Prûrîn: / daz was in gelîche gelegen, / in beiden ze halben wegen Er 2243; Parz 721,22; Bit 9625; Freudenl 252. – übertr., ‘zur Hälfte’ ein reine selic wib / ist halben wec eins mannes lib Elis 1434; (in wiederholter Stellung:) etwenne wert si [in Versuchung geführte Seele] sich halben wec unde volget halben wec DvASchr 312,22; diz ist di histôrje wol zu halbeme wege von dem heiligen krûze HvFritzlHl 129,3    1.5.5 halber wint ‘Wind, der die erwünschte Stärke nur zur Hälfte erreicht’ etlîche liute [...] varnt über sê mit halbem winde und koment ouch über Eckh 1:195,9    1.5.6 in der adv. Verbindung über halp ‘mehr als zur Hälfte’ er zuchte daz swert uͦber halp Rol 2070. 3732; [wer mit schadhaftem Netz fischt] , dem mac der nutz wol uberhalp entwischen JTit 3412,4; uber halp und mere ebd. 1578,4; Loheng 5707; UrkStraßb 5,1:61,21.23 (a. 1335). – rechtsspr., formelh., jmd. ist bei einem Verkauf über halp betrogen und daher berechtigt, diesen rückgängig zu machen, wenn er eine Sache für weniger als die Hälfte ihres Wertes verkauft hat (deceptio ultra dimidium iusti pretii, vgl. Schlosser, Rechtsformeln S. 57f.): sv veriahent ouch daz sv an disem kouffe niht betrogen werent vber halb oder mit dehainre geuerde UrkCorp 1687,27. 2862,24 u.ö.; UrkHohenb 243 (a. 1324); mit attr. Gen.: und verzihe mich [...] des rehtes, ob ich an dem koͮfe betrogen wurde u̍ber halb des, des daz guͦt wert ist UrkOrtenau 289 (a. 1321). – ein Adj. bestimmend: bi swem man vindet golt oder silber daz uber halp valsch ist StRAugsb 107,14; uberhalp zorn [recht zornig] er sprach Kchr 798    1.5.7 ein Hof wird umbe halp ‘für die Hälfte, um den halben Ertrag’, der als Pachtzins zu entrichten ist, bewirtschaftet: den hóf [...], den wir erbeiten vnd buwen umbe halb UrkCorp (WMU) N798AB,5    2 ‘halb, -einhalb’, in Zahlbestimmungen (s.a. Boeters, halb-Zahlwörter, S. 24-29 und 39-73 mit zahlreichen mhd. Belegen); das Bezugswort steht gewöhnlich im Sg. (außer UrkCorp 222AB,16,12. 2007,41 ): [die Toten] ligin dri dage / unt ein halbin [ per tres dies et dimidium Apc 11,9] obe der erde LAntichr 612; vii mark vnd ein halbe mark UrkCorp 202,9; ein halbv vnd drisseg marche silbers ebd. 2007,41; drissig und druͤ ein halbs jar HvNstGZ 5913; SalArz 65,48; PrBerth 2:15,21; PKchr 134,54. – in Verbindung mit Ordinalzahlwort, ander ~ ‘eineinhalb’, dritte ~ ‘zweieinhalb’ usw.: andernhalben ager UrkCorp N150,44; mit drittem halbem schillinge ebd. N675,4; daz brot daz von vierdemehalben sester weizen gebachen wirt ebd. 244A,45. N392,34; FüssSpr 52. – als Zweitglied in Komposita mit Ordinalzahlwort, ander(t)halp, drithalp usw. (s. die betr. Artikel), z.B.: anderhalben acker UrkCorp N101,32; vierdehalbez jâr NibB 1106,2; vierdhalp jâr NibA 1046,2; sehsthalps vnd zweinzig pfunt pfeninge UrkCorp 502,29. 80,36; das Bezugswort kann durch ein Rel.-Pron. im Pl. wiederaufgenommen werden: [jmd.] hat anderhalben morgen, die da liegent bi herren Rudolphe ebd. 13,1. N109A,38; vereinzelt im Pl.: [jmd. gibt Zins] von eynem hofe vnde von andirhalbin lehen ebd. 222AB,16,12; vereinzelt substantivisch mit Gen. Pl. (vgl. Boeters S. 41): da dinoten si im [...] sibentehalp jare AvaLJ 35,5    3 ‘nicht ganz, nicht völlig; unvollständig, unvollkommen’ mit ofnen ougen halben [mit halboffenen Augen] HeslApk 7149; ich wil iu sagen ein halbez mære [es folgt eine unvollständig wiedergegebene bibl. Erzählung] Eckh 1:214,13; ich liuge ungerne und wil der wârheit halber niht verjehen Walth 84,16; ‘herre min, wa suln wir hin?’ / do sagete er ir wol halben sin [nur die halbe Wahrheit] Pass I/II (HSW) 15336; daz si [...] / ir nâhe gênde swære / ze halber senfte bringe Tr 75. – in Verbindung mit rede, wort: eine stille [...] / daz nieman wort noch halbez sprach Tr 11224; von Helenen war da gehort / halbe rede, halbe wort. / als ez ir in den mvnt quam, / daz sufzen ez ir halp abe nam Herb 10628; mit halben worten [mit gebrochener Stimme] er sprach ebd. 11666; KLD:HvSw 16:3,2; WvRh 4898. – Adv.: sere gesoten unde gessen minnert her [der Kohl] dez buches vlissen. unde halp gesoten unde gessen machet her di ruͦre Macer 50,7; welheu hüenr man ätzt mit halbgekochter gersten, diu legent vil air BdN 196,15; gar unde nicht halb getan ist wol zuͦ danke Meissner 2:15,1.5; HvFritzlHl 244,4    4 ‘fast (ganz), beinahe’    4.1 allg.: waz wunne mac sich dâ genôzen zuo? / ez ist wol halb [attr. oder halbpräd.] ein himelrîche Walth 46,5 wöllen si [die Herren] halp [La. halbe ] göte sîn ûf erden, / sô hüeten daz si dem tiufel iht werden! Renner 1053; mîner sinne ich halber dâ vergaz KLD:RvR 12:3,1. – Adv.: [Leiden der Liebenden:] sin lip ist halb erstorben, / ir kraft oͮch halb verdorben RvEWh 9777; und sluc in an sînen kopf, daz ime daz houbit halbe fûle wart und starp an deme dritten tage HvFritzlHl 105,7    4.2 in Verbindung mit tôt. – attr.: dú kúnegin [...] / fant in [...] / ligent als er waͤre tot. [...] / als die halben toten tuͦnt, / er lac als ob er slieffe RvEWh 4824; KvWPart 9685; den halben toten man Krone 6594. – halbpräd.: daz er gelac wol halber tot Pass III 43,72; sam si tôt hälbiu wære WvRh 9735; du bist doch mê wan halber tôt Virg 86,13; UvZLanz (K) 5533; SM:UvS 17: 1,10; übertr.: der gelaub ist halber tot HeinzelJoh 12,5. – Adv.: si het ûz sender nôt gezogen / einen halbe tôten man Ottok 17897; wenn das Bezugswort im Nom. Sg. steht, ist auch attr. Auffassung möglich: der halptôte [La. halbe tot ] man Wig 5181. 8002(La.)

MWB 2 1116,50; Bearbeiter: Bohnert

halp, halbe Präp. mit vorangestelltem Gen. aus ahd. halb Präp. (vgl. AWB 4,614f. und Etymol.Wb.d.Ahd. 4,757 s.v. halb4 ); die Form halbe ist erstarrter Akk. Sg. von → halbe swstF. – Verbindungen von halp, halbe mit artikellosem oder pronominalem Gen. können als Kompos. gelten und erhalten eigene Wortartikel. 1 mit Gen.d.P.
1.1 räuml., ‘an jmds. Seite, neben jmdn./jmdm.’
1.2 auf eine Partei eines Kampfes, einer rechtl. Vereinbarung bezogen, ‘auf jmds. Seite, seitens jmds.’
1.3 Einzelnes
1.4 in Kompos. mit pron. Erstglied, s. mîn-, dîn-, sîn-, unser-, irhalp ;
2 mit Gen.d.S.
2.1 ‘von/  auf der Seite von etw.’ , nur in Kompos.;
2.2 ‘betreffs einer Sache, mit Bezug, im Hinblick auf etw.’ ,
2.3 ‘wegen/  infolge einer Sache’
   1 mit Gen.d.P.    1.1 räuml., ‘an jmds. Seite, neben jmdn./jmdm.’ [ ein suntigez wip ] brahte ir salbe, si gie Christes halbe. / [...] mit trahenen si si [seine Füße] badete, mit der salben salbete [vgl. Lc 7,37f.] AvaLJ 79,1; daz kunic Gwîdô / mit den Walhen zwischen in, / des keisers halp unde sîn, / zogte Kreuzf 7186    1.2 auf eine Partei eines Kampfes, einer rechtl. Vereinbarung bezogen, ‘auf jmds. Seite, seitens jmds.’ wie ez [in der Schlacht] der Walhe halp ergie, / ouch der Beier, der Swâbe geschiht / kumt von mir nu zu worten niht / verrer Kreuzf 2994. daz dvͥ ansprache [...] ist an die lv́te uerlan [d.h. ihrer Entscheidung überlassen] , herren Ludewiges halb an den von Morswilre vnd an den Koler, der burger halb von Friburg an hern Otten von Krotzingen UrkCorp (WMU) 452,16; vnd svn die zehen, an sveler sache dirre schidvnge der burgerhalp gebrochen wirt, sich entwͤrten ze rehter giselschaft ebd. 254,44; vnd moht oͮch der vorgesait Vͦlrich der Harzer des abtes vnd des conuentes halp niht bi der sache [Gerichtsverhandlung] gesîn ebd. 2285,27. 688,31 u.ö.    1.3 Einzelnes: der got der sich lammeswis bot [...] / in den tot mit gedult, / der obertrat menschliche craft, / wen iz waz goteshalb [von Seiten Gottes, auf göttliche Weise] geschaft HeslApk 10124; der manne halp [im Hinblick auf die Männer, um der M. willen; La. mannes halp ] die wip sint wazzers riche [reich an Tränen, zum Weinen bereit] JTit 5150,3    1.4 in Kompos. mit pron. Erstglied, s. → mîn-, dîn-, sîn-, unser-, irhalp; auch -halbe: daz er hine get, / und daz hus sinhalbe [La. von im ] ode stet StrKD 122,124    2 mit Gen.d.S.    2.1 ‘von/  auf der Seite von etw.’, nur in Kompos.; räuml., s. → heftes-, hërzen-, hoves-, menschen-, mers-, rückes-, schildes-, stete-, vëldes-, waldes-, wazzers-, windes-, zëswenhalp und zëswenhalbe. – übertr., s. → siges-, swërteshalp    2.2 ‘betreffs einer Sache, mit Bezug, im Hinblick auf etw.’, nur in den Kompos. → gerihtes-, gewandes-, lîbes-, mæres-, muotes-, rostes-, sëhens-, sinnes-, vröuden-, wunden-, zadels-, zolleshalp und adels-, kunstehalbe    2.3 ‘wegen/  infolge einer Sache’ der mensch [...] wandelt sich in kurtzer stunt. / im ist der selen halb [aufgrund der Seelenregungen] also: / nu ist sy trurek und nu vro Hiob 5279; der stryt wert so lang das der herre [...] nyme geliden mocht der großen wunden halb die er enpfangen hett, derhalb [derentwegen] er sich sterbens versah Lanc II 791,13. – in den Kompos. → dës-, sünden-, tîches-, zadelshalp

MWB 2 1121,30; Bearbeiter: Bohnert

halp stF. halbe swstF.

MWB 2 1122,23;

halp stM. , helbe stN. ‘Stiel, Griff (einer Axt)’ einem manne braste ein axsstil, / do bat er alle bovm vil / vmbe einen halp, der wær veste FabelCorp 20,3; es fiel ein ysin von einre ackes in ein wasser. do warf Helyseus das heilbe och in das wasser: do flos das ysin uf dem wasser zuͦ sime heilbe ElsLA 773,28; Glossenbelege des 12./13. Jh.s s. AWB 4,612 s.v. halb stM. und 4,903 s.v. helbi stN. – bildl.: die aks ist allis an gesazt an die wuͦrzele des boumis [Mt 3,10] . dise aks ist der almechtige got. vnd ist mit dem ysne bezeichinit die gotheit, mit dem helbe sine menscheit PrLeys 135,42

MWB 2 1122,24; Bearbeiter: Bohnert

halpbruoder stM. ‘Laienbruder’ [die Sudauer] irslûgin [...] / zwên und einen halbbrûdir / unde wêpenêre gnûc NvJer 14840

MWB 2 1122,37; Bearbeiterin: Herbers