hâ – haber- haberlîte – hachelen hachelwërc – hage hage- – 2hagen hagen- – halbe halbe – hallergëlt hallergülte – halphimel halp|hunt – halpvaste halpvierteil – halser halsgebeine – halsveste halsvlinken – hamerslac hamerslahen – hanef hanef|âkambe – 1hansen 2hansen – hantgiften hantgiftphenninc – hantsalbe hantschmänt – hantvestlich hantvestunge – hârbendelîn hârblôʒ – hârlouf harm – harnaffe harnasch, harnas – 1harre 2harre – hartruore hartsinnic – haselbir haselbluome – hasenvleisch hasenwint – havendierne havengazzer – haʒʒiclich haʒ|zorn – heberînmelwer hebesal – 3hecken heckenjeger – hegelîn hegeln – heidenisch heidenischheit – heilalle heilant – heilige heiligeistlîcheit – heilvuorlich heilwâc – heime suochen hei|metze – heimvart heimvartlich – heitber, heidelber heiter – heiʒmuot heiʒsühtic – hëlfebære hëlfebërnde – hëlkleit helle – helleglocke hellegluot – hellemunt hellemünzer – hellerigel hellerîs – helle- hellesun – hellevreisærin hellevunke – hëllunge helm – hëlmschîn hëlmschirbe – helwërtwitze hely – hendewinden hendewringen – hennenvuoʒ hentschuocher – herbërgen herbërgerîe – hêre herebërge – hergesidele hêrgesidele – hêrischheit hërkêre – Herodære Herodiane – hêrrennôt hêrrenphruonde – herschrîære hêrschunge – hertes hërtgëlt – hërverloufen herverten – hërzeblüete hërzebluot – hërzekrachen hërzekranc (?) – hërze|nabele (?) hërzenandâht – hërzenvride hërzenvrô – hërzestôʒ hërzesüeʒe – hërzevrouwelîn hërzewaʒʒer – heselîn heselîn – hîbære hichela – hierunder hiesch – himelbalsem himelbære – himelgesanc himelgesinde – himelknabe himelknolle – himelpalas himelphat – himelschheit himelschlich – himelstîge himelstîgunge – himelval himelvane – himelvürste himelvürstin – hinde hinden – hindergêunge hindergrîfen – hindernisse hinderrât – hinderstelle hinderstellic – hinderwërtlingen hinder wîchen – hinker hinkêre – hinnëben hin nëmen – hînt hintber – hinwërt hinwësunge – hirngupfe hirnhût – hirtelîn hirtelôs – hirʒmilch hirʒ- – hiu hiubelhuot – hiuten hiutezucker – hôchgebirge hôchgebluomet – hôchgenant hôchgenende – hôchgewaltic hôchgewîht – hôchmeister hôchmësse – hôchvart hôchvart – hôchzîtkleit hôchzîtlich – hœhe hôheclich – holde hölde – hol|loch hol|louch – holzapfelîn holzban – holzheit holzhërre – holzschuoherin holzstîc – honec honec|bluome (?) – honec|tranc honec|triefende – hônheit honic – hopfenziech hopferebe – horgen horgewat – hornicsprenget (?) hornîn – horten hortgadem – hospitâl hossen – houbeten houbet|êre – houbetkleit houbetklôster – houbetman houbetman|ambet – houbetsachwaltære houbetschande – houbetsünde houbetsündic – houbetwaʒʒer houbetwëgen – höuptinc höurëht – höuwezëhende houwic – hovegeselle hovegesinde – hovelich hovelîche – hovephenninc hovephliht – hoveschar höveschære – hovestatzins hove|stetære – hovezins hovezorn – 1hûchen 2hûchen – hüenerhirne hüenerhûs – hûfeht hufel – hügenisse hügenumft – hüllenwëbære hüllenwëbærinne – humerâl hummen – hundertweide hundesber – hungergîtic hungerhâr – hunt huntaffe – huobdinc huobe – huof huofblat – huorgelust huorgelustic – huotelôs huote|strëbe (?) – hurmelen hurnaʒ
– hurticlich hurtieren – hûs|êre hûsgëlt – hûslode hûslôs – hûsvrouwe hûswer – hûwen hûwen – hy
|
halfter
F.
‘Halfter’ (bes. von Pferden):
succinctorium vel brachiale: halftra SummHeinr
1:332,238;
capistrum: quo equi capiuntur: halftra ebd.
2:236,406.
2:36,117;
capulum: halfter VocOpt
26.011;
‘hettestu den zoum vermiden / und weres mit der halfter geriten / da
heim, so enwerestu nicht besenget [...]’
Brandan
610;
ein bästîn halfter Parz
256,21;
die halftern lôster vome pfert ebd.
514,12;
der brûder von dem satelhûs sal den brûderen geben riemen zu
stegereifen, zugele, halfteren, darmgurtelen [...]
StatDtOrd
110,12.
118,1;
MarcoPolo
21,6
MWB 2 1112,30; Bearbeiter: Gärtner
halgrâve
swM.
‘Hallgraf’, Vorsteher oder Richter in Sachen des Salzwesens(?):
a domino Dieterico quondam halgravio UrkEnns
1,259
(a. 1182).
Weitere Belege DRW 4,1478.
MWB 2 1112,41; Bearbeiter: Gärtner
hælinc
Adj. , hælinge(n)
Adv.
‘heimlich, im Geheimen’
1 Adj. 2 Adv.
1
Adj.:
der selbe hât betwungen mich / gar âne hælingen slich
Parz
222,4
2
Adv.:
dem andern sô enbiute dâ, / daz er ze mitter naht nu sâ / kome hart hælinge /
und ouch sîn silber bringe Niemand
173;
si gie helingen in daz gadem HlReg
34,7.
– etw. ~
sagen:
‘[...] dû salt ir daz vingerlîn / zu einem
wortzeichen bringen / und salt gar hêlingen / dîn zûkunft dîner tochtir sagin /
[...]’ Eilh (L)
9300.
9324;
~
sprechen
ebd.
1426
MWB 2 1112,45; Bearbeiter: Gärtner
hælinc
stM.
‘Geheimnis’
der gotes hælinc / selben wart offenbære KvFuss
270;
WhvÖst
15995;
sîn tougen was vermæret, / sîn hælinc goffenbæret
Tr
13636;
si verswigen ouch ir dinc / und hâlen ir hælinc ebd.
13084
u.ö.;
ein heling riche, den solte ich dir sagen WolfdD
116,3;
WolfdB
111,3;
vernim den helinc uber lut / aller der geschihte Elis
5288;
KvWTroj
15756.
4946;
ich wil [...] en nemen sonder heling
MinneR 481
573
MWB 2 1112,55; Bearbeiter: Gärtner
halle
stswF.
1
‘Halle’
1.1
‘Verkaufshalle’
1.2
‘Vorhalle des Tempels’
2
‘Siedehaus’
1
‘Halle’
1.1
‘Verkaufshalle’
cum obumbraculis que vulgo hallen appellantur UrkKölnSchr
1,16
(a. 1135–1142);
ouch sollen si nicht vinnecht [mit Finnen
behaftete] suͤwen adder wandelbar fleichs vorkoffen, si
en vorkouffen eß dan puͤßen den hallen StRHeiligenst
69.
67;
von den [den
burgærn
] si in der hal / kouften ir gewant
Ottok
76346
1.2
‘Vorhalle des Tempels’
in der tur des templis des herren zwuschen der hallen des templis und dem
altir [
inter vestibulum et altare
]
Cranc
Ez 8,16
u.ö.
2
‘Siedehaus’
vendidi [...] quartam partem unius domuncule dicte
teutonice halle, que vocatur Struvelle halle UrkWürtt
8,109
(a. 1278)
MWB 2 1113,1; Bearbeiter: Gärtner
hallekirche
stF.
(s.a. halle 1.2 )
‘Kirche mit Vorhalle’
der tempil hatte dry teyl: das ist dy vorloube adir dy
halle, daz heilige und daz heyligiste, daz man etzlichir maze nennen mag als mit uns
hallekirche Cranc
Uzl 259,35
MWB 2 1113,15; Bearbeiter: Gärtner
hallen
(?) swV.
‘hallen, tönen’
strich an genaden hitze, / so daz min sin nu scheftig
[‘geschäftig, tätig wirkend’] / halle in
gotlicher gerde, / wan sie uns rechte riset Frl
12:1,13
(vgl. Komm. z.St.)
MWB 2 1113,20; Bearbeiter: Gärtner
haller
Adj.
‘hallisch, aus Hall’
vmme zwene schillinge haller mv́nse UrkCorp (WMU)
2148,25.
– subst. als Bestandteil von Personennamen:
her Cuͦnr. der Haller UrkCorp (WMU)
2822AB,37
MWB 2 1113,24; Bearbeiter: Gärtner
Haller, Heller
stM.
1
‘Heller’ , nach der Reichsstadt Schwäbisch Hall benannte
Pfennigmünze (vgl. LexMA 4,2122; DRW 5,704) 1.1 allg. 1.2 rechtsspr. in Festlegungen über Abgaben, Bußen usw. (s. Belege WMU 1,787; DRW 5, 704-707) 1.3 mit Adj.-Attr. zur Bezeichnung der Münzqualität oder Münzsorte 2
‘Hellergewicht’
3 übertr. für etwas Kleines, Geringes, Wertloses
1
‘Heller’, nach der Reichsstadt Schwäbisch Hall benannte
Pfennigmünze (vgl. LexMA 4,2122; DRW 5,704)
1.1
allg.:
mit bîgurteln
[Geldbeuteln] swæren / und mit hellæren, / mit silber
und mit golde Ottok
94111;
gent [gebt] armen verzerten
krancken kinder vier haller oder sehsse Tauler
67,24;
gent mir ain haller umb ain brot, / wann ich bin nach von hunger tot!
MinneR 439
913;
FrSchw
2383.
6601.
– im Vergleich:
swer in disen grunt ie geluogete einen ougenblik, dem menschen sint tûsent
mark rôtes geslagenen goldes als ein valscher haller Eckh
1:90,11;
Tauler
68,5
1.2
rechtsspr. in Festlegungen über Abgaben, Bußen usw. (s. Belege
WMU 1,787; DRW 5, 704-707):
daz er von sime gesinde und huzgenoͤzzen die vor
geschriben heller vorder und neme WüP
97,17;
der sol 2 h [=
haller
] zuͦ buͦzze geben ebd.
97,9
u.ö.;
[sie] gabent nit me durch recht / denn zwen ain
gantzen haller Bauernh
441.
– meist in Verbindung mit übergeordneten Münzeinheiten:
hundert phund haller StRAugsb
44,9;
UrkWittelsb
2,387
(a. 1347);
der sol geben [...] einen
schilling heller WüP
66,3
u.ö.
– in Relation zu anderen Münzsorten:
tusent mark [...] koͤlnischer phenninge,
dri haller vor einen phennik UrkCorp (WMU)
2070,39
1.3
mit Adj.-Attr. zur Bezeichnung der Münzqualität oder
Münzsorte:
breite haller [...] die heten ein kriuze, daz
stuont enbor / und ein hant gar gelîche geslagen [Kreuz und Hand:
die auf den beiden Seiten aufgeprägten Symbole der Stadt Hall]
Renner
18632f.;
wertvolle silberhaltige alte haller
ebd.
18565;
minderwertige kupferne niuwe haller
ebd.
18571;
daz kein kieser [amtlich bestellter
Schätzer] keinen
boͤsen [minderwertigen] heller wehseln sol
oder kauffen WüP
63,3
u.ö.
2
‘Hellergewicht’
tweyer heller gewychte scamonee OvBaierl
125,18
u.ö.;
3
übertr. für etwas Kleines, Geringes, Wertloses:
diz wesen ist alsô edel und alsô gemeine, daz dû ez niht endarft koufen umbe
einen haller noch umbe einen helbelinc Eckh
2:80,6.
5: 304,4.
– phras. (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 191): niht eines ~
wërt sîn
‘nichts wert sein’
der mvnch oder div nvnne, div eines helblinges wert hat an
vrlavp, div ist vor got eines hallers niht wert PrBerthKl
4,94;
der ritter mit den roten wapen,
[...] der was nit eins hellers wert gegen dißem
Lanc
272,2
MWB 2 1113,28; Bearbeiter: Gärtner
hallergëlt
stN.
‘Grundrente in Hellern’
(vgl. DRW 5,707):
so sol man sie ie fuͤr ein pfunt herrengelcz anderhalb pfunt
hallergelcz an bereitschaft beweysen UrkHohenz
3,98
(a. 1342)
MWB 2 1114,12; Bearbeiter: Gärtner
hallergülte
stF.
‘Grundrente in Heller’
(wie hallergëlt):
daz wir vnsers rechten eigens haben uͦf gegeben dem erberen fursten
[...] drizzec phunt heller gulte UrkWürzb
39,143
(a. 1319).
41,245
(a. 1346).
41,253
(a. 1346)
MWB 2 1114,16; Bearbeiter: Gärtner
hallermünze
stF.
Heller als Münzsorte:
wir [...] veriehen offenbar mit diesem brieff, das
wir [...] erlaubt haben [...]
heller müntz ze schlagen DRW 5,708
(Böhmer-Ficker; a. 1329)
MWB 2 1114,21; Bearbeiter: Gärtner
hallerwërt
stNM.
kontrahiert auch helwërt, helbërt.
1
‘Gegenwert für einen Heller’
2
‘Brot(-laib) im Wert eines Hellers’
1
‘Gegenwert für einen Heller’
zwei haller wert was [Wachs]
UrkCorp (WMU)
1391,23;
ieglich hucker [Kleinkrämer]
[
sol geben
] alle wochen ein helbert des er vor
im hat StRAugsb
200,37.
– übertr.:
swaz got durch sîner güete êre gnaden gît, die stilt im unser hôhvart unde
verkoufen sie umbe ein helwert valscher êren DvASchr
322,34.
–
ein helwert witze
‘ein Hellerwert an Verstand’, daraus ein zur Verfremdung gebildetes Kompositum
diu helwertwitze:
nim hin an dirre frist / einen helblinc und niht mêr / unde kouf mir, als ich
ger, / dar umb ein helwertwitze! [sagt die Ehefrau zu ihrem törichten
Mann, der das Wort auf seiner Kaufreise lange nicht durchschaut und für eine
Sache hält, bis er nach vielen Prüfungen schließlich zu Verstand
kommt]
Fressant
235
u.ö.
2
‘Brot(-laib) im Wert eines Hellers’
[ein fremder Bäcker] sol driu helbert umbe einen phennink
geben StRAugsb
195,29
MWB 2 1114,25; Bearbeiter: Gärtner
hællîche
Adv.
vgl. auch hëllîche.
‘heimlich’
sô underwîlen daz geschiht / daz er sîne frouwen siht / unde er des sol vâren
/ unt sô hællich gebâren, / daz er gefuoge unt tougen / aller liute ougen / triege
Bîspel (Pf)
35,38
MWB 2 1114,45; Bearbeiter: Gärtner
halm
stM.
auch swM. ( HeslNic ), Pl. auch helmer (
HvNstGZ ).
1
‘Gras- oder Getreidehalm’
2
‘Schreibrohr’ (s.a. schrîbehalm ) 3 rechtssprachl., der Halm als Rechtssymbol bei Liegenschaftsübertragungen in der
Formel mit halme
‘Halmwurf’
und mit hande
‘Handschlag’
und mit munde
‘mündliche Entsagung’ (weitere Belege DRW 4,1480-1484) 4 in Sprichwörtern und Redewendungen (vgl. TPMA 5,356-358; Friedrich, PhrasWB, S. 191f.) 5 phras. für etwas Schmales, Geringes, Wertloses ‘nicht(s), in keiner
Weise’
1
‘Gras- oder Getreidehalm’
culmus: halm SummHeinr
1:207,466;
VocOpt
13.164;
ein halm ist creftec unde guot, / waz er uns allen liebes tuot! / er fröit vil
manigem sînen muot. / wie danne umbe sînen sâmen? / von grase wirdet halm ze strô, /
er machet manic herze vrô [bezogen auf das Halmorakel 66,5ff.,
s.u.] , / er ist guot nider unde hô Walth
17,31;
daz [
ros
] lief so wol von
rehter art / berge, velt an allen pfat, / und doch nit helmer nider trat
HvNstGZ
916;
ich sâhe [Joseph in seinem Traum] ,
dâ ûzze an der sâte, / in dem twalme, wahsen an einem halme / siben eher scôniu unde
volliu Gen
2035;
RvEWchr
7341;
EnikWchr
5539.
5648;
da si [die Ameise] den weizze
uindet. so uert si ûf den halm. unt nimet daz chorn. unt tregit iz zeloche
JPhys
17,34;
[wenn die Gerste reif ist] hat der halm herwe
grete [scharfe Grannen]
Daniel
2311;
dú breiti eins geschlichten
[geglätteten] halmes Seuse
16,25.
–
‘Stoppel’
der [Zorn Gottes] besovfte siv als den halem: que
deuorauit eos sicut stipulam PsM
C 4,7;
stipula: halm SummHeinr
2:487,01.7;
Parz
379,16.
–
uf hevet er den armen, / den suntigen von der erde, / sam der
stain [
Calcedonius
] tut di halme
HimmlJer
208;
Ottok
22344.
–
‘Trinkhalm’
gif et eme drynken myt twen halmen OvBaierl
116,43;
ez sint auch läut, die sô klain münd habent, daz si neur mit
aim klainen halm saufendz dinch in sich ziehent und anders niht ezzent
BdN
490,10.
– als pars pro toto ‘Getreidefeld’
ich bin ze disem strîte komen / so der schûr an die halme
Wh
390,27;
als ein wolkendonre wilde / den halm âhtet, niderslât / mit
craft, wie ofte er uns hât / zuströut menlîcher vare! Kreuzf
7671;
UvEtzAlex
24542.
– als Bezeichnung von Heilpflanzen:
calamus aromaticus haizt der wolsmeckend halm und haizt nâch
aim gemainen halm, wan dem ist er geleich. der halm ist ain staud und wechset in dem
land India BdN
365,3.
419,14.
– in Zeitangaben:
nach halme nach howe [nach der Getreide- und
Heuernte]
UrkCorp (WMU)
N109AB,7;
WeistGr
1,673
(a. 1320).
– im Halmorakel:
mich hât ein halm gemachet frô. / ich wæne, ich sül genâde vinden: / swie
dicke ich maz daz selbe strô, / als ich gewon was her von kinden Walth
66,5;
ich tuon, ich entuon. ich mezze ein halm zuo lange Meissner
14:4,3
2
‘Schreibrohr’ (s.a. schrîbehalm):
got gab Johanne den halm [um das Evangelium
aufzuschreiben] / glich einer gerten gestalt
HeslApk
15440.
15429;
Davit / [...] schribet mit sinem halmen / an dem
zwenzigisten psalmen HeslNic
2037;
swaz ich húte predigen pflege, / daz vergêt mit dem galme. / swaz aber
ich mit dem halme / – mit der vederen maine ich – schribe, / daz hoffe
ich ie ez blibe / nútze úber manigen tac Pass I/II(HSW)
42302
3
rechtssprachl., der Halm als Rechtssymbol bei Liegenschaftsübertragungen in der
Formel mit halme
‘Halmwurf’
und mit hande
‘Handschlag’
und mit munde
‘mündliche Entsagung’ (weitere Belege DRW 4,1480-1484):
auch hat sich vnser svn [...] des vorgenanten
gvͦtes verzigen vnde verschozzen mit hanten vnde mit halmen UrkCorp
(WMU)
1764,38;
also haben wir vns verschossen vnd verschisent vns des mitt hant vnd halm
UrkWürzb
39,14
(a. 1315);
mit munde mit hande vnd mit halm ebd.
39,352
(a. 1328)
u.ö.;
UrkFrauensee
107
(a. 1342);
UrkWorms
2:154,18
(a. 1327);
UrkDOKobl
2,360
(a. 1322)
4
in Sprichwörtern und Redewendungen (vgl. TPMA 5,356-358; Friedrich, PhrasWB, S.
191f.):
jmdm. den ~ vür rücken/ ziehen
‘jmdn. täuschen’ (s.a. halmel 2):
ir [der Welt] lon ist ein kazzen
spil: / si zeiget vnd zvkket / gelich als swer den halm rvkket / dvrch schimpf den
ivngen katzen vor TürlArabel
*A 69,14;
ir ist der halm vor gezogen / als einer jungen katzen Renner
12158;
RvMunre
1257;
werlt, dú zuhes dén halm vur dem giefe [dem
Toren] / unde spíles mit im Meissner
2:2,9.
–
von einem halme kumt ein viur, der niht sîn zünden understât, / dâ von ein hûs
enbrinnet gar und an die schiuren gât WernhSpr
35,13
5
phras. für etwas Schmales, Geringes, Wertloses ‘nicht(s), in keiner
Weise’
si ahten nvͥt vmbe einen halm / zages tat
TürlArabel
F 836;
daz [Schläge auf das Haupt] was im
unnütze / und was im als mære, / sam ez ein halm wære Eracl
1322;
eines halmes vürbaz StrAmis
145;
halmes breit WvRh
14989;
Pass III
246,96;
MinneR 272
24.
– ein ~ fällt/ liegt entwerhes
‘wenn eine Kleinigkeit in die Quere kommt’
[Helena zu Paris] geviele ein halm entwerhes, / mir würde
manic bœse hût / von iu stille und überlût / gesprochen und gemezzen
KvWTroj
22222;
sô in iendert ein halm entwerhes lît, sô scheltent, sô fluochent, sô roufent,
sô slahent, sô lüejent sie [die dem Zorn nicht widerstehen
können] rehte als die tiuvele in der helle mit den sêlen
PrBerth
2:179,31;
die beiden Belege hierher oder zu #/-1#/+ (Halmorakel)?
MWB 2 1114,50; Bearbeiter: Gärtner
halme
swM.
→
helm
stNM.
MWB 2 1116,21;
halmel, helmel
stN.
auch helmelîn.
Dimin. zu halm. ‘Hälmchen’
1 eigentl. 2 in Sprichwörtern und Redewendungen: jmdm. daz ~ vür
ziehen
‘jmdn. täuschen, betrügen’ (s.a. halm 4 )
1
eigentl.:
dâ sach er siben halm stân, / [...]
ûz ieslîchem helmelîn / mit grôzen kreften schôz / siben eher, diu wârn grôz
EnikWchr
5542;
er [der luhsstain
] ist
den gelsühtigen guot und zeucht diu hälmel an sich, sam der aitstain tuot
BdN
451,14
u.ö.
2
in Sprichwörtern und Redewendungen: jmdm. daz ~ vür
ziehen
‘jmdn. täuschen, betrügen’ (s.a. halm 4):
den der tiuvel so betriuget, / daz er iz dar gesciubet, / dem
hat er daz halmel vor gezogen, / unz er in gar hat betrogen SüklV
396;
den [Riwalin] dû
[Welt] betrüge / und im daz helmel vür züge, / unz daz
er leit des tôdes nôt HvFreibTr
6644;
Fridrich was nit ain tot: / Jerome zoch er das helmlin vor / staͤtz mit
wortten unnd wercken FrSchw
3064;
SalMor
154,5;
Schlegel
1189
MWB 2 1116,22; Bearbeiter: Gärtner
halmen
swV.
‘abernten’
und were es, das iemant auf das gut führe hauwen oder halmen, also dick er das
thete, so bricht er 30 schil. pfenn. WeistGr
1,744;5,461 Anm. 2
(a. 1307)
MWB 2 1116,39; Bearbeiter: Gärtner
halmstücke
stN.
‘Halmstück’
[sie] steckent si [
ain
nadeln
] dan übertwerch an ain halmstuck oder in ain spænel
von holz BdN
433,27
MWB 2 1116,43; Bearbeiter: Gärtner
halmvrischinc
stM.
im Herbst als Abgabe fälliges Jungschwein, vgl. Schmeller, BWB 1,828 (s.a.
grasvrischinc):
2 pascuales (qui dicuntur halmfriskinge) UrbTegernsee
251
MWB 2 1116,46; Bearbeiter: Gärtner
halp
Adj., Adv. , halbe
Adv.
selten steht attr. halp in der Nominalphrase vor dem unbest. Art. oder
Poss.-Pron. (zu dieser Wortstellung vgl. Behaghel, Dt. Syntax 4,204-207):
daz wert niht halp ein wochen Loheng
6976;
halbes mines riches AvaJo
27,3;
Walth
7,13.
46,5
(s.u. 4.1);
EvBeh
Lc 19,8;
SHort
2879.
1
‘halb’ ; halbprädikativ und adv.: ‘zur Hälfte’
1.1 allg. 1.2 in wiederholter Stellung, halp ... halp 1.3 im Pl. auch kollektiv, 1.4 zum Ausdruck des Kleinsten, Geringsten, zur Verstärkung der Negation 1.5 in besonderen Ausdrücken 1.5.1
halbez brôt
‘Brot von der Hälfte eines best. Gewichtes, halbgewichtiges
Brot’
1.5.2
halbez pfert/ ros
‘(ein Tier, von dem nur ein Elternteil ein Pferd ist:) Maultier’
1.5.3
halber/ halbez teil , halbez
zil
‘Hälfte’
1.5.4
halber wec
‘halbe Wegstrecke’ , im adv. Akk. oder mit Präp. 1.5.5
halber wint
‘Wind, der die erwünschte Stärke nur zur Hälfte erreicht’
1.5.6 in der adv. Verbindung über halp
‘mehr als zur Hälfte’
1.5.7 ein Hof wird umbe halp
‘für die Hälfte, um den halben Ertrag’ , der als Pachtzins zu entrichten ist, bewirtschaftet 2
‘halb, -einhalb’ , in Zahlbestimmungen (s.a. Boeters,
halb -Zahlwörter, S. 24-29 und 39-73 mit zahlreichen mhd.
Belegen); 3
‘nicht ganz, nicht völlig; unvollständig, unvollkommen’
4
‘fast (ganz), beinahe’
4.1 allg. 4.2 in Verbindung mit tôt .
1
‘halb’; halbprädikativ und adv.: ‘zur Hälfte’
1.1
allg.
– von Lebewesen:
er slûch Jubal von oberest sîner zende / al nider
durch die lende / unde machet zwêne halbe man VAlex
1289;
ein halber adelar [als
Wappentier]
KvWTurn
407;
die vunden [...] / daz ros
halbez abe geslagen Iw
1261;
swelh kristen kristentuomes pfliht / an worten [nur mit
Worten] und an werken niht, der ist wol halp ein heiden
Walth
7,13;
wære daz mügelich, daz der hunt sînem herren halber [mit
der einen Hälfte seines Wesens] ungetriuwe wære, er
hazzete sich selben halber [mit der anderen
Hälfte]
Eckh
1:272,4;
Parz
68,9;
BdN
468,3.
470,9.
– von Gegenständen:
daz [Gewand] was halbez
plîalt Parz
235,10;
der zuhte ûz halbez sîn swert StrKarl
4585;
daz halbtayl, daz wir haben gehabt an den zwaien heuseren
[...], diu helbiu [je zur
Hälfte] unser rehtes aygen sint gewesen
[...], haben wir verkauft UrkUlrich
2,85
(a. 1332);
En
12449;
EnikWchr
15757.
– von Ländern, Herrschaften, Eigentum:
ich lihe ime halbe Yspaniam
[...], / Roͮlande daz ander teil
Rol
1508;
Friderich ze Salzburch mir [...] hat gelihen
ze rechtem lehen di halb veste ze Wolfsekk UrkEnns
5,282
(a. 1321);
ich gip diͤr min rich halbes
Konr
14,77;
halp mîn gût [...] gebe ich den armen
EvBeh
Lc 19,8;
nemet [...] halbez, daz ich
hân Tr
16231;
AvaJo
27,3;
VAlex
800;
Mai
127,5;
SchwSp
12a.
– von Maßbezeichnungen:
eine halbe unce Ipocr
223;
ein halbez phunt Wienner phenning UrkCorp
3539,33.
864,20;
einen halben pecher guthes wines
SalArz
116,27;
halber mîle breit Parz
681,17;
einer halben ellen lanc Ottok
96180;
ein halb aker reben UrkCorp (WMU)
1107,39;
En
12377;
Barth
133,27;
BdN
313,2.
– bei Zeitangaben:
halben tac Walth
42,7;
diu naht was wol halbiu hin Wig
2056;
daz wert niht halp ein wochen Loheng
6976;
ze halveme ouiste [Mitte August]
UrkCorp (WMU)
74,22;
ein halbez jâr Parz
103,15;
suln wir leben halbez jâr [auch nur ein halbes
Jahr]
Er
1358;
eine halbe stunde Pass I/II(HSW)
24294;
ein halbe wile Lucid
6,12;
daz der guote mensche an halber zît [d.h. die Hälfte
seines Lebens] ist [...] einez
mit dem sünder, daz ist an dem slâfe Eckh
3:44,1;
Iw
2828;
Parz
81,6;
RvEBarl
628;
SprAlbert
217.
– Sonstiges:
man siht mich dicke wol gemuot, / sô trûret manic ander man, / der
mînen schaden halben nie gewan Walth
120,29;
diu [Ehefrau eines Kreuzritters] koufet
halben lôn dar an, / obe sî sich heime alsô bewart, / daz sî verdienet
kiuschiu wort. / sî bete vür siu beidiu hie, / sô vert er vür siu beidiu
dort MF:Hartm
6,3;
unde ist diu schulde halbiu sîn SchwSp (W)
262,6;
ZwBüchl
341;
MF:Reinm
60: 4,7.
– Adv., in der Verbindung halp sô manic/
vil:
niht halp sô manegiu bîe / möhten tœten einen
starken bern Wh
117,20;
hete ich nâch gote ie halp sô vil
gerungen [wie ich mich um die Geliebte bemüht
habe]
MF:Mor
17: 3,7;
ReinFu
K,1412;
auch attr. Auffassung möglich:
der eynen fladen woͤlle machen von fleische,
der nem fleisch [...] vnd hackez cleyne. vnd ribe
halb als vil keses drunder BvgSp
86
1.2
in wiederholter Stellung, halp ... halp:
dû sach her vure sich vlîzin / manigin visc grôzin, / half visc, half man
Anno
14,19;
daz daz ængerlin [...] halbez des spitals eigen
was vnd was halbez min eigen UrkCorp
1358,28;
daz gemischte broͤt [...]
sol halb weizzin und halb ruckin sin WüP
90,3;
Lucid
108,2;
RvZw
129,4;
StrKD
7,36;
BdN
471,26.
–
[Eva] gâz
iz [
obez
] halbez, halbez tet siz
gehalten, / si [...] gab ez ir mane Adame
Gen
355;
ein hertez tuoch, hærîn / halp und halbez wüllîn
RvEBarl
6476;
Krone
14464.
– mit Ersparung des zweiten halp, ‘je zur
Hälfte, zu je gleichen Teilen’
ein zeichen vurte her an der hant, / das was halb gehl und rot
En (FSch)
7315;
nû waldes halb reht / unde gelucke unde frome, / daz dirre schilt heim
kome / ganz und âne wunde! En
8774;
[ein Zentaur ist] halb rosse unde man
GTroj
14973;
Renner
12422.
– in den Wendungen halp ein halp ander und
halp unde halp gelîch
‘je zur Hälfte’
von deme guͦte ze Jnnenheim, das da giltet viercig vnd hvndert
vierteil vnd drie sestere, halb ein halb andere, gersten vnd rocken
UrkCorp (WMU)
N156,27.
N131,30;
UrbEls
206
(a. 1341);
der walt [...] den sol man teilen vnder die
zwei huser Rapolzsten vnd Altenkasten halp vnd halp gelich UrkCorp
(WMU)
3055A,18,26.
– auch attr.:
den halben cins sol men geben zen sv́negihten, den andern
halben zen wîhnehten UrkCorp (WMU)
N781,8;
UrkCorp
3207,40
1.3
im Pl. auch kollektiv,
d.h. nicht auf die einzelnen Mitglieder/ Teile einer Gruppe/
Menge (vgl.
VAlex
1289;
UrkUlrich
2,85
unter 1.1), sondern auf das Gesamt bezogen,
teilw. korrespondierend mit einem folgenden halp oder
ander.
– attr.:
der [zehn Jungfrauen (Mt
25,1ff.)] wâren âne wîsen sin / die halben vünfe
[die einen fünf] under in. / den andern vünfen
was bereit / hôher sin bî wîsheit RvEBarl
3544;
und sol in da von elluͥ iar zwelf schillinge Tuͥwinger
geben, die halben ze sante Walpurge tac und die andern halben ze sante
Martinz mez da nach UrkCorp
2524,1.2.
699,31;
unde sol men die [Fronarbeiter] in zvei
teilen und iewerre [
= ieweder jeder der beiden
Grundbesitzer] han die halben ebd.
N306,21;
Tr
18801
(s.a. →
halbe swstF. unter
1.1).
– halbpräd.:
die [Lehen] solen halbe weesen des graven
und die ander halbe des an deme der brech geschiit UrkCorp
904,3
(das zweite halbe steht entweder durch Angleichung an das
erste statt eines zu erwartenden halben, oder es handelt sich,
mit Wechsel der Konstr., um →
halbe swstF. 1.1);
daz wir [zwei Freunde] halbe
[zur Hälfte, d.h. einer von uns] hin ûz
giengen / und halbe beliben hie inne En
6604;
die sint erstorben [...] /
halp oderz mêrre teil Parz
194,25;
drû
hundert [Feinde]
[...],
/ tôt mêr dan halp slûc er sie Kreuzf
6633
u.ö.;
UrkWürzb
39,120.312
(a.
1319/1327)
1.4
zum Ausdruck des Kleinsten, Geringsten, zur Verstärkung der
Negation:
daz enist niht halbez [nicht einmal zur
Hälfte, nicht im Geringsten] guot Iw
1506;
iwer krône und iwer lant / wærn derfür [für
ein kostbares Zelt] niht halbez phant [d.h. sind
nicht halb soviel wert]
Parz
62,20;
wie vil ein mensche guotes tuot, / ez dunkt die welt nicht halbes
[= halbez
] guot Boner
52,96;
Parz
637,1;
Mechth
5: 31,23.
–
mir ist diu kraft benomen, / daz ich einen halben schrit / niht
[nicht den kleinsten, kaum einen Schritt] mac
getuon KvWPart
11007;
[ein Hund] wolte niender von mir dâ / komen einen
halben fuoz ebd.
17861;
Tr
11813;
RvEBarl
11273;
KvWTroj
36550.
–
by allen minen tagen / kunde ich din
[...] / nie halbe stund vergessen
GTroj
11006.
– phras., einem Hungrigen (niht) ein halbez brôt
geben:
ob du von hunger sturbest, / ich gebe dir niht ein
halbes brôt StrKD
6,329;
[einen wildfremden Menschen] behielt ich unz an
mînen tôt, / ê ich iu [dem eigenen Sohn] gæbe ein
halbez brôt Helmbr
1796;
Parz
142,22;
JTit
318,4.
– in formelh. Verbindung mit bône, brôt, ei, hâr,
vinger:
nun vürhte ich / dîne stange unde dich / niht eine
halbe bône [nicht im Geringsten]
Tr
15991;
ern gæbe niht ein halbez brôt / umb uns noch umb sîn
selbes tôt ebd.
8669;
daz man für sîn erweltez leben / genomen hæte ein
halbez ei KvWSchwanr
1167.
1553;
unprîs [...] entruoger nie
[...] / halbes vingers lanc Parz
678,27;
StrDan
7887
1.5
in besonderen Ausdrücken
1.5.1
halbez brôt
‘Brot von der Hälfte eines best. Gewichtes, halbgewichtiges
Brot’
[Mischbrot] sol man [...]
backen uf daz wastelgewihte [...]. und wer des 1
malter becket, der sol des ein ahteil zuͦ halben broͤte
backen, also daz ir 2 ein wastelgewihte haben WüP
90,5;
hierher oder zu 1.1:
do vant her ein halp brot, / daz man da heizet gastel
– / iz ist alumme sinuwel GrRud
H 30
(s.a. Anm. z.St.)
1.5.2
halbez pfert/ ros
‘(ein Tier, von dem nur ein Elternteil ein Pferd ist:) Maultier’
mit attimhalbe rhuͦsse, daz sulent siben phert sin unt ein
muͦl WeistGr
1,763
(a. 1310);
zue helbú pherit UrkCorp
N151,33;
drittehalb pferit ebd.
N109A,2,38.
244A,18,43,48;
UrkEls
2,155
(a. 1336).
– ähnlich, vereinzelt:
[Mischlingshunde sind] von der halben art
StrKD
7,38
1.5.3
halber/ halbez teil, halbez
zil
‘Hälfte’
alles mines goͮtes halben teil gibe ich den
armen Spec
132,13;
mir ist mîn rede nû enmitten zwei geslagen: / daz eine halbe teil ist
mir verboten gar Walth
61,34;
der welte unstætekeit ist vil. / niemen kan an halbez
zil / genennen ir unstæte grôz RvEBarl
382;
Iw
7207;
Parz
278,15.
758,20;
KvWTurn
402;
UrkCorp (WMU)
1453C,44
1.5.4
halber wec
‘halbe Wegstrecke’, im adv. Akk. oder mit Präp.:
alsô kômens halben wec / unz enmitten ûf den stec Tund
825;
als einer [...] ein guot an ein goteshûs gît,
sô wil er wænen, er sî halben wec [habe den halben Weg (zum
Himmelreich) schon zurückgelegt, sei halbwegs am Ziel]
PrBerth
1:3,19;
ich wil im guot geleite tuon: / Bêâkurs mîner
swester suon / nimt [empfängt] in dort an halbem
wege [auf halber Strecke]
Parz
720,17;
sô solde der turnei sîn / zwischen Tarebrôn und Prûrîn: / daz was in
gelîche gelegen, / in beiden ze halben wegen Er
2243;
Parz
721,22;
Bit
9625;
Freudenl
252.
– übertr., ‘zur Hälfte’
ein reine selic wib / ist halben wec eins mannes lib Elis
1434;
(in wiederholter Stellung:)
etwenne wert si [in Versuchung geführte
Seele] sich halben wec unde volget halben wec
DvASchr
312,22;
diz ist di histôrje wol zu halbeme wege von dem heiligen krûze
HvFritzlHl
129,3
1.5.5
halber wint
‘Wind, der die erwünschte Stärke nur zur Hälfte erreicht’
etlîche liute [...] varnt über sê mit halbem
winde und koment ouch über Eckh
1:195,9
1.5.6
in der adv. Verbindung über halp
‘mehr als zur Hälfte’
er zuchte daz swert uͦber halp
Rol
2070.
3732;
[wer mit schadhaftem Netz fischt] , dem mac der
nutz wol uberhalp entwischen JTit
3412,4;
uber halp und mere ebd.
1578,4;
Loheng
5707;
UrkStraßb
5,1:61,21.23
(a. 1335).
– rechtsspr., formelh., jmd. ist bei einem Verkauf
über halp betrogen und daher berechtigt, diesen
rückgängig zu machen, wenn er eine Sache für weniger als die Hälfte
ihres Wertes verkauft hat
(deceptio ultra dimidium iusti pretii, vgl. Schlosser,
Rechtsformeln S. 57f.):
sv veriahent ouch daz sv an disem kouffe niht betrogen werent vber
halb oder mit dehainre geuerde UrkCorp
1687,27.
2862,24
u.ö.;
UrkHohenb
243
(a. 1324);
mit attr. Gen.:
und verzihe mich [...] des rehtes, ob ich
an dem koͮfe betrogen wurde u̍ber halb des, des daz
guͦt wert ist UrkOrtenau
289
(a. 1321).
– ein Adj. bestimmend:
bi swem man vindet golt oder silber daz uber halp
valsch ist StRAugsb
107,14;
uberhalp zorn [recht zornig] er sprach
Kchr
798
1.5.7
ein Hof wird umbe halp
‘für die Hälfte, um den halben Ertrag’, der als Pachtzins zu entrichten
ist, bewirtschaftet:
den hóf [...], den wir erbeiten vnd
buwen umbe halb UrkCorp (WMU)
N798AB,5
2
‘halb, -einhalb’, in Zahlbestimmungen (s.a. Boeters,
halb-Zahlwörter, S. 24-29 und 39-73 mit zahlreichen mhd.
Belegen);
das Bezugswort steht gewöhnlich im Sg. (außer
UrkCorp
222AB,16,12.
2007,41
):
[die Toten] ligin dri dage / unt ein halbin
[
per tres dies et dimidium Apc 11,9]
obe der erde LAntichr
612;
vii mark vnd ein halbe mark UrkCorp
202,9;
ein halbv vnd drisseg marche silbers ebd.
2007,41;
drissig und druͤ ein halbs jar HvNstGZ
5913;
SalArz
65,48;
PrBerth
2:15,21;
PKchr
134,54.
– in Verbindung mit Ordinalzahlwort, ander ~
‘eineinhalb’, dritte ~
‘zweieinhalb’ usw.:
andernhalben ager UrkCorp
N150,44;
mit drittem halbem schillinge ebd.
N675,4;
daz brot daz von vierdemehalben sester weizen gebachen wirt ebd.
244A,45.
N392,34;
FüssSpr
52.
– als Zweitglied in Komposita mit Ordinalzahlwort,
ander(t)halp, drithalp usw. (s. die betr. Artikel),
z.B.:
anderhalben acker UrkCorp
N101,32;
vierdehalbez jâr NibB
1106,2;
vierdhalp jâr NibA
1046,2;
sehsthalps vnd zweinzig pfunt pfeninge UrkCorp
502,29.
80,36;
das Bezugswort kann durch ein Rel.-Pron. im Pl. wiederaufgenommen
werden:
[jmd.] hat anderhalben morgen, die da liegent bi
herren Rudolphe ebd.
13,1.
N109A,38;
vereinzelt im Pl.:
[jmd. gibt Zins] von eynem hofe vnde von andirhalbin
lehen ebd.
222AB,16,12;
vereinzelt substantivisch mit Gen. Pl. (vgl. Boeters S. 41):
da dinoten si im [...]
sibentehalp jare AvaLJ
35,5
3
‘nicht ganz, nicht völlig; unvollständig, unvollkommen’
mit ofnen ougen halben [mit halboffenen
Augen]
HeslApk
7149;
ich wil iu sagen ein halbez mære [es folgt eine unvollständig
wiedergegebene bibl. Erzählung]
Eckh
1:214,13;
ich liuge ungerne und wil der wârheit halber niht verjehen Walth
84,16;
‘herre min, wa suln wir hin?’ / do sagete er ir wol halben sin
[nur die halbe Wahrheit]
Pass I/II (HSW)
15336;
daz si [...] / ir nâhe gênde swære /
ze halber senfte bringe Tr
75.
– in Verbindung mit rede, wort:
eine stille [...] / daz nieman
wort noch halbez sprach Tr
11224;
von Helenen war da gehort / halbe rede, halbe wort. / als
ez ir in den mvnt quam, / daz sufzen ez ir halp abe nam Herb
10628;
mit halben worten [mit gebrochener
Stimme] er sprach ebd.
11666;
KLD:HvSw
16:3,2;
WvRh
4898.
– Adv.:
sere gesoten unde gessen minnert her [der
Kohl] dez buches vlissen. unde halp gesoten unde gessen machet
her di ruͦre Macer
50,7;
welheu hüenr man ätzt mit halbgekochter gersten, diu legent vil air
BdN
196,15;
gar unde nicht halb getan ist wol zuͦ danke Meissner
2:15,1.5;
HvFritzlHl
244,4
4
‘fast (ganz), beinahe’
4.1
allg.:
waz wunne mac sich dâ genôzen zuo? / ez ist wol halb [attr.
oder halbpräd.] ein himelrîche Walth
46,5
wöllen si [die Herren] halp [La.
halbe
] göte sîn ûf erden, / sô hüeten daz si
dem tiufel iht werden! Renner
1053;
mîner sinne ich halber dâ vergaz KLD:RvR
12:3,1.
– Adv.:
[Leiden der Liebenden:] sin lip ist halb
erstorben, / ir kraft oͮch halb verdorben RvEWh
9777;
und sluc in an sînen kopf, daz ime daz houbit halbe fûle wart und
starp an deme dritten tage HvFritzlHl
105,7
4.2
in Verbindung mit tôt.
– attr.:
dú kúnegin
[...] / fant in [...]
/ ligent als er waͤre tot. [...] / als die
halben toten tuͦnt, / er lac als ob er slieffe RvEWh
4824;
KvWPart
9685;
den halben toten man Krone
6594.
– halbpräd.:
daz er gelac wol halber tot Pass III
43,72;
sam si tôt hälbiu wære WvRh
9735;
du bist doch mê wan halber tôt Virg
86,13;
UvZLanz (K)
5533;
SM:UvS
17: 1,10;
übertr.:
der gelaub ist halber tot HeinzelJoh
12,5.
– Adv.:
si het ûz sender nôt gezogen / einen halbe tôten man
Ottok
17897;
wenn das Bezugswort im Nom. Sg. steht, ist auch attr. Auffassung
möglich:
der halptôte [La. halbe
tot
] man Wig
5181.
8002(La.)
MWB 2 1116,50; Bearbeiter: Bohnert
halp, halbe
Präp.
mit vorangestelltem Gen.
aus ahd. halb Präp. (vgl. AWB 4,614f. und Etymol.Wb.d.Ahd. 4,757 s.v.
halb4
); die Form halbe ist erstarrter Akk. Sg.
von →
halbe swstF.
– Verbindungen von halp, halbe mit artikellosem oder pronominalem
Gen. können als Kompos. gelten und erhalten eigene Wortartikel.
1 mit Gen.d.P. 1.1 räuml., ‘an jmds. Seite, neben jmdn./jmdm.’
1.2 auf eine Partei eines Kampfes, einer rechtl. Vereinbarung
bezogen, ‘auf jmds. Seite, seitens jmds.’
1.3 Einzelnes 1.4 in Kompos. mit pron. Erstglied, s.
mîn-, dîn-, sîn-, unser-, irhalp ; 2 mit Gen.d.S. 2.1
‘von/ auf der Seite von etw.’ , nur in Kompos.; 2.2
‘betreffs einer Sache, mit Bezug, im Hinblick auf
etw.’ , 2.3
‘wegen/ infolge einer Sache’
1
mit Gen.d.P.
1.1
räuml., ‘an jmds. Seite, neben jmdn./jmdm.’
[
ein suntigez wip
] brahte ir salbe, si gie
Christes halbe. / [...] mit trahenen si
si [seine Füße] badete, mit der salben
salbete [vgl. Lc 7,37f.]
AvaLJ
79,1;
daz kunic Gwîdô / mit den Walhen zwischen in, / des
keisers halp unde sîn, / zogte Kreuzf
7186
1.2
auf eine Partei eines Kampfes, einer rechtl. Vereinbarung
bezogen, ‘auf jmds. Seite, seitens jmds.’
wie ez [in der Schlacht] der
Walhe halp ergie, / ouch der Beier, der Swâbe geschiht / kumt von mir nu zu
worten niht / verrer Kreuzf
2994.
–
daz dvͥ ansprache [...] ist an die
lv́te uerlan [d.h. ihrer Entscheidung
überlassen] , herren Ludewiges halb an den von Morswilre
vnd an den Koler, der burger halb von Friburg an hern Otten von Krotzingen
UrkCorp (WMU)
452,16;
vnd svn die zehen, an sveler sache dirre schidvnge der burgerhalp
gebrochen wirt, sich entwͤrten ze rehter giselschaft ebd.
254,44;
vnd moht oͮch der vorgesait Vͦlrich der Harzer des abtes
vnd des conuentes halp niht bi der sache
[Gerichtsverhandlung] gesîn ebd.
2285,27.
688,31
u.ö.
1.3
Einzelnes:
der got der sich lammeswis bot
[...] / in den tot mit gedult, / der obertrat
menschliche craft, / wen iz waz goteshalb [von Seiten Gottes, auf
göttliche Weise] geschaft HeslApk
10124;
der manne halp [im Hinblick auf die Männer, um der M. willen;
La. mannes halp
] die wip sint wazzers riche
[reich an Tränen, zum Weinen bereit]
JTit
5150,3
1.4
in Kompos. mit pron. Erstglied, s. →
mîn-, dîn-, sîn-, unser-, irhalp;
auch -halbe:
daz er hine get, / und daz hus sinhalbe
[La. von im
] ode stet
StrKD
122,124
2
mit Gen.d.S.
2.1
‘von/ auf der Seite von etw.’, nur in Kompos.;
räuml.,
s. →
heftes-, hërzen-, hoves-, menschen-, mers-, rückes-, schildes-,
stete-, vëldes-, waldes-, wazzers-, windes-,
zëswenhalp und zëswenhalbe.
– übertr.,
s. →
siges-,
swërteshalp
2.2
‘betreffs einer Sache, mit Bezug, im Hinblick auf
etw.’,
nur in den Kompos. →
gerihtes-, gewandes-, lîbes-, mæres-, muotes-, rostes-, sëhens-,
sinnes-, vröuden-, wunden-, zadels-, zolleshalp und adels-,
kunstehalbe
2.3
‘wegen/ infolge einer Sache’
der mensch [...] wandelt sich in
kurtzer stunt. / im ist der selen halb [aufgrund der
Seelenregungen] also: / nu ist sy trurek und nu vro
Hiob
5279;
der stryt wert so lang das der herre [...] nyme
geliden mocht der großen wunden halb die er enpfangen hett, derhalb
[derentwegen] er sich sterbens versah Lanc
II
791,13.
– in den Kompos. →
dës-, sünden-, tîches-,
zadelshalp
MWB 2 1121,30; Bearbeiter: Bohnert
halp
stF.
→
halbe
swstF.
MWB 2 1122,23;
halp
stM. , helbe
stN.
‘Stiel, Griff (einer Axt)’
einem manne braste ein axsstil, / do bat er alle bovm vil / vmbe einen halp,
der wær veste FabelCorp
20,3;
es fiel ein ysin von einre ackes in ein wasser. do warf Helyseus das heilbe
och in das wasser: do flos das ysin uf dem wasser zuͦ sime heilbe
ElsLA
773,28;
Glossenbelege des 12./13. Jh.s s. AWB 4,612 s.v. halb stM. und
4,903 s.v. helbi stN.
– bildl.:
die aks ist allis an gesazt an die wuͦrzele des boumis [Mt
3,10] . dise aks ist der almechtige got. vnd ist mit dem ysne
bezeichinit die gotheit, mit dem helbe sine menscheit PrLeys
135,42
MWB 2 1122,24; Bearbeiter: Bohnert
halpbruoder
stM.
‘Laienbruder’
[die Sudauer] irslûgin [...] / zwên
und einen halbbrûdir / unde wêpenêre gnûc NvJer
14840
MWB 2 1122,37; Bearbeiterin: Herbers |