hâ – haber- haberlîte – hachelen hachelwërc – hage hage- – 2hagen hagen- – halbe halbe – hallergëlt hallergülte – halphimel halp|hunt – halpvaste halpvierteil – halser halsgebeine – halsveste halsvlinken – hamerslac hamerslahen – hanef hanef|âkambe – 1hansen 2hansen – hantgiften hantgiftphenninc – hantsalbe hantschmänt – hantvestlich hantvestunge – hârbendelîn hârblôʒ – hârlouf harm – harnaffe harnasch, harnas – 1harre 2harre – hartruore hartsinnic – haselbir haselbluome – hasenvleisch hasenwint – havendierne havengazzer – haʒʒiclich haʒ|zorn – heberînmelwer hebesal – 3hecken heckenjeger – hegelîn hegeln – heidenisch heidenischheit – heilalle heilant – heilige heiligeistlîcheit – heilvuorlich heilwâc – heime suochen hei|metze – heimvart heimvartlich – heitber, heidelber heiter – heiʒmuot heiʒsühtic – hëlfebære hëlfebërnde – hëlkleit helle – helleglocke hellegluot – hellemunt hellemünzer – hellerigel hellerîs – helle- hellesun – hellevreisærin hellevunke – hëllunge helm – hëlmschîn hëlmschirbe – helwërtwitze hely – hendewinden hendewringen – hennenvuoʒ hentschuocher – herbërgen herbërgerîe – hêre herebërge – hergesidele hêrgesidele – hêrischheit hërkêre – Herodære Herodiane – hêrrennôt hêrrenphruonde – herschrîære hêrschunge – hertes hërtgëlt – hërverloufen herverten – hërzeblüete hërzebluot – hërzekrachen hërzekranc (?) – hërze|nabele (?) hërzenandâht – hërzenvride hërzenvrô – hërzestôʒ hërzesüeʒe – hërzevrouwelîn hërzewaʒʒer – heselîn heselîn – hîbære hichela – hierunder hiesch – himelbalsem himelbære – himelgesanc himelgesinde – himelknabe himelknolle – himelpalas himelphat – himelschheit himelschlich – himelstîge himelstîgunge – himelval himelvane – himelvürste himelvürstin – hinde hinden – hindergêunge hindergrîfen – hindernisse hinderrât – hinderstelle hinderstellic – hinderwërtlingen hinder wîchen – hinker hinkêre – hinnëben hin nëmen – hînt hintber – hinwërt hinwësunge – hirngupfe hirnhût – hirtelîn hirtelôs – hirʒmilch hirʒ- – hiu hiubelhuot – hiuten hiutezucker – hôchgebirge hôchgebluomet – hôchgenant hôchgenende – hôchgewaltic hôchgewîht – hôchmeister hôchmësse – hôchvart hôchvart – hôchzîtkleit hôchzîtlich – hœhe hôheclich – holde hölde – hol|loch hol|louch – holzapfelîn holzban – holzheit holzhërre – holzschuoherin holzstîc – honec honec|bluome (?) – honec|tranc honec|triefende – hônheit honic – hopfenziech hopferebe – horgen horgewat – hornicsprenget (?) hornîn – horten hortgadem – hospitâl hossen – houbeten houbet|êre – houbetkleit houbetklôster – houbetman houbetman|ambet – houbetsachwaltære houbetschande – houbetsünde houbetsündic – houbetwaʒʒer houbetwëgen – höuptinc höurëht – höuwezëhende houwic – hovegeselle hovegesinde – hovelich hovelîche – hovephenninc hovephliht – hoveschar höveschære – hovestatzins hove|stetære – hovezins hovezorn – 1hûchen 2hûchen – hüenerhirne hüenerhûs – hûfeht hufel – hügenisse hügenumft – hüllenwëbære hüllenwëbærinne – humerâl hummen – hundertweide hundesber – hungergîtic hungerhâr – hunt huntaffe – huobdinc huobe – huof huofblat – huorgelust huorgelustic – huotelôs huote|strëbe (?) – hurmelen hurnaʒ
– hurticlich hurtieren – hûs|êre hûsgëlt – hûslode hûslôs – hûsvrouwe hûswer – hûwen hûwen – hy
|
hantslac
stM.
1
‘Händeklatschen’
2 (Klagegebärde) ‘ das Zusammenschlagen der Hände, Händeringen,
Sich-Schlagen’
3 (Rechtsgebärde) ‘Handschlag’ , zur Bekräftigung eines Versprechens, einer Versicherung 4
‘Schlag mit der Hand gegen jmdn.’
5
‘Berührung, Streicheln mit der Hand’
1
‘Händeklatschen’
plausu: mit hantslage PsWindb
64,Oratio
2
(Klagegebärde) ‘ das Zusammenschlagen der Hände, Händeringen,
Sich-Schlagen’
swaz in ze leide geschiht, / dâ wider tuont die guoten niht, / wan daz siz
phlegent enblanden / ougen unde handen / mit trehenen und mit hantslegen, / wan si
anders niht enmegen Er
5768
3
(Rechtsgebärde) ‘Handschlag’, zur Bekräftigung eines Versprechens, einer
Versicherung:
die sinne / [...], / die kêr ich
alle dar an, / [...] daz ich im ir [seiner
Herrin] zornmuot / vertrîbe, ob ich iemer mac. / des enpfâch mînen
hantslac Iw
7894;
enpfâch dû mînen hantslac / daz ez [das Land] dîn
eigen iemer sî StrDan
8394;
cze dem drittenmâl gemainsamt uns dise
heilichait [Eucharistie] geselleschaft aller engel,
alsô daz wir marchtenrechte und hantslac enpfâhen, daz wir mit den engeln cze himel
hawsgenozzen und purger werden ewicleich MvHeilFr
27;
si sprach: ‘so gelobe mir, / daz du ez mit trewen verdagest
[...] !’ / des tet si ir einen hantslac
StrKD
5,251
4
‘Schlag mit der Hand gegen jmdn.’
dô spîeten si ûz in sîn [Jesu] antlitze und slûgin
en mit halslegen. abir di anderen gâbin ime hantslege [
palmas
] in daz antlitze EvBeh
Mt 26,67
5
‘Berührung, Streicheln mit der Hand’
geneme [ keinem (Kranken)] wart der
hantslach Roth
3232
MWB 2 1189,60; Bearbeiter: Tao
hantslagen
swV.
auch -slahen (stV.? nur Part. Präs. und subst. Inf.).
– im subst. Inf. auch mit Umlaut hent-, hend-.
1
‘in die Hände klatschen, die Hände zusammenschlagen’ , 2 (Klagegebärde) ‘die Hände zusammenschlagen, ringen; sich mit der Hand
schlagen’ , 3
‘das Schlagen mit der Hand (gegen jmdn.)’ , nur subst. Inf. 4
‘etw. beschlagnahmen’ (vgl. DRW 5,121)
1
‘in die Hände klatschen, die Hände zusammenschlagen’,
Glosse zu lat. conplodo
SummHeinr
2:233,363
(vgl. Bd. 3, S. 69 s. v. hantslagen; Varianten: ih
sameneslaho, zesameneslahe).
– als Ausdruck der Freude:
plavdite manibvs: hantslahet mit den hanten PsWindb
46,1
(vgl.
hantslagent PsTr
46,1
);
von froden er hantslagete SHort
990
2
(Klagegebärde) ‘die Hände zusammenschlagen, ringen; sich mit der Hand
schlagen’,
meist in Doppelformeln:
do begunden si wæinen unde hantslagen Serv
2835;
Roth
2883;
KarlGalie
11688;
Eilh (L)
2632;
da horde man vluͦchen inde geschelt / inde over den dief [den
verleumderischen Ankläger] clagen, / har roufen inde hantslagen
MorantGalie
3372;
KarlGalie
4177;
hey begonde weynen ind clagen, / sich ryssen ind hantslagen ebd.
4520;
(Part. Präs.:)
junc, alt, arm unde rîche / brâchen und zarten alle für wâr,
/ ab in gewant, hût unde hâr / schrîende unde wuofende, / clagende unde ruofende, /
hantslahende hende und denne brust KvWTroj
42117.
–
brust ~
‘sich an die Brust schlagen’, Part. Präs.:
KvWTroj
42117.
– subst. Inf.:
grôz weinen unde hantslagen / ir megde triben unde ir
wîp KvWTroj
22656;
grisgrammen unde hantslagen / wart dô beschouwet ebd.
36472;
Phariens und alle die mit im waren machten großen jamer,
das Claudas und die mit im waren horten das geschrey und das hantschlagen das
sie machten Lanc
69,29;
owe hendschlagen, owe grisgramen, súfzen und weinen!
Seuse
238,28;
die bleich varw, die geswullnen oͮgen,
[...] daz hentslahen, daz hertzklopfen und sin
selbes von bitterm hertzleid vergessen ebd.
453,14
3
‘das Schlagen mit der Hand (gegen jmdn.)’, nur subst. Inf.:
daz sich di werren [zanken, streiten] mit einander
mit worten, mit stozene, mit hantslane, mit roufene, mit mezzerruckene
StRFreiberg
83,18
4
‘etw. beschlagnahmen’ (vgl. DRW 5,121):
off einich vaidtman [= voget-man
] , idt were weiff oder man, ruymich [= rûmic
‘flüchtig’
] wurden off sturffen ayn leiffs eruen [ohne leibliche
Erben] , in welche hoeue dat das geschege, dae sall ein hoiffs
scholtiss [...] vnd der meier nit hantschlain an der leude
goitt, idt sey varend haue off ligen haue WeistGr
2,518
(a. 1298 kopial)
MWB 2 1190,24; Bearbeiter: Tao
hantslegelen
swV.
‘ in die Hände klatschen’
plaudo: hantschlegolon GlGerm
18,68
MWB 2 1191,8; Bearbeiter: Tao
hantsnîder
stM.
Händler, der Tuch ellenweise abschneidet und verkauft:
ist, daz ein man chaufet gwant wider ein hantsneider, vier ellen, oder
schechs, oder swie vil er dann chaufet, und geit im einen gotzphenning daran, und
chumpt darnach hinwider nicht, also daz in der chauf leicht gerawen hat, ist daz
dann der hantsneider daz tuech nicht hat abgesniten, so chümt der dez chaufs wol
wider. hat aber er daz tuech abgesniten, so mues der chauf für sich gen
StRWien
72;
sneider leineins und wolleinz tuͤchez und gewandez, hantsneider, watmanger
StRWienerNeust
55;
die chaufleut, di da haisent hantsneider oder chramer dicz landes, di geben
ein phenning czu igleichem slag und sint vurbas ledick StRBrünn
372
MWB 2 1191,10; Bearbeiter: Tao
hantspil
stN.
wohl ‘praktisches Musizieren’ (im Ggs. zur Theorie der
schuollist, s.a. Scholz, Tr., S. 455):
daz beste daz er kunde, / sô schuollist, sô hantspil, /
[...] daz leite er ir besunder vür Tr
7967;
si kunde schœniu hantspil, / schœner behendekeite vil ebd.
8137
MWB 2 1191,25; Bearbeiter: Tao
hantstarc
Adj.
‘mit starker Hand, stark, gewaltig’
Dauîdis námo uuírt gántfrístet manu fortis. daz quît.
ármstrenger [La. hantstarcher
]
Will
58,11;
Dâuîd daz chît sterche, hantstarcher TrudHL
49,23;
vnser herre ist der wâre Dauît, der hantstarche, der chom her
in dise werlt mit dem leidigen tieuele ze uehtenne Spec
101,25;
Davit daz spricht in unser zungen ‘ein hantstarcher man’
[...]. Davit haizzet ain hantstarcher man dar umb daz
er den risen Goliat ersluch PrOberalt
18,6;
der [Gottessohn] ist hantstarcher,
wan er dem tiufel an gesigt hat und uns auz siner gewalt erledigt hat ebd.
18,10.
–
nu sich, daz ist gotes sun! / wiltu gegen im icht tun / und ist din ubel wille
und arc / gegen im also hantstarc / daz du im wollest widerstan, / daz laz alhie
zugan! Pass III
410,96
MWB 2 1191,31; Bearbeiter: Tao
hantstunde
F.
die Zeit, die man braucht, um die Hand umzudrehen, ‘Moment, Augenblick’
(vgl. hantwîle):
[bei Gott] ist tûsent jâr als ein hant stunde
DvASchr
361,11
MWB 2 1191,47; Bearbeiter: Bohnert
hanttât
stF.
1 mit der Hand Geschaffenes 1.1
‘Geschöpf (Gottes)’
1.2
‘Werk des Menschen’
2
‘frische Tat’
1
mit der Hand Geschaffenes
1.1
‘Geschöpf (Gottes)’
auch edelst du [Gott] den leip, wann du sein
czuchtmaister pist [...], daz er
[...] sich ôn widersacz beraitet und peutet czu
gotez dinst allezeit: sô wenn daz geschicht, sô ist er geedelt, daz er aller
hanttât auf erd herre ist MvHeilFr
16
1.2
‘Werk des Menschen’
der dach, in deme du salt arbeiden, is din leven;
[...] dat sal man dir lonen na der arbeit dine
handait Lilie
5,21
2
‘frische Tat’
tuont si [Diebe] daz an geweichten steten, ein
chirchen oder auf freithœven und begreift man si an der hanttât,
[...] man sol in den daumen abslahen an der gerechten
hant RbRupr
88
MWB 2 1191,51; Bearbeiter: Tao
hanttætic
Adj.
‘Gewalttat begehend’
dat wir darumbe die gemeinde der ioitschaf [die Gesamtheit der
Juden] neit ainspreghen nogh ainzalen [=
anzalen
‘anklagen’
] in sulen dan diegeine ove [oder] dengenen,
de hantdedigh is UrkKöln
4,175
(a. 1330)
MWB 2 1192,1; Bearbeiter: Tao
hanttræge
Adj.
‘mit träger Hand, langsam’
ein hanttræger gîgær, / ein alter holerphîfær, / ein singer ungedœnet, /
[...] ein râtgeb âne triuwe / ein übeltæt âne riuwe, /
[...]. / daz allez ist für niht guot: / alsô ist ouch
ze niht / ein lant unverriht / an sîner ordenunge Helbl
2,1439
MWB 2 1192,7; Bearbeiter: Tao
hanttuoch
stN.
‘ Handtuch’
mantelia: hanttuͦch SummHeinr
1:325,146;
zu hant trug man die peken dar, / man pot der frewdenreichen schar / das
wasser zu den henden; / manch hanttuch fein [...] / den
herren man da dare trug Virg (St)
362,4;
daz hantuch zu dem bade Erz III
40,107
MWB 2 1192,13; Bearbeiter: Tao
hanttwehele
swF.
s.a. → hantele F.
‘Handtuch’
allewege vor dem tissche vnd nach sol man ieslichem siechem
[...] wazer gewen, daz si die hende waschen vnd
hanttwehelen pieten SpitEich
40,28;
erbegut ist: [...] aigen in der
stat, [...] aigen uf dem lande,
[...] unde alle tische unde alle tafeln unde
tischlachen unde hantweheln unde hantfaz StRAugsb
151,10;
vor jamer wart er weinen / so lange untz dem reinen / sine
hantwele wart vollen naz Vät
29531;
sô einer trinket, sô sol der ander ein tüechelîn für in heben, ein
hanttwehelen PrBerth
2:179,7;
in Glossen des 12. Jh.s für lat. manutergium, mappula s. AWB
4,696
MWB 2 1192,19; Bearbeiter: Tao
hanttwinc
stM. , hanttwinge
F.
‘Armreif, Armband’ oder ‘Handfessel’, mhd. Glossenbelege s. AWB
4,696
MWB 2 1192,32; Bearbeiter: Tao
hantvane
swM. , -van
stM.
1
‘Serviette, Handtuch’ , in mhd. Glossenbelegen des 12. Jh. für lat.
mappa, mappula, mantile u.a. s. AWB 4,697 2 liturgisches Gewandstück: ‘Manipel’
1
‘Serviette, Handtuch’, in mhd. Glossenbelegen des 12. Jh. für lat.
mappa, mappula, mantile u.a. s. AWB 4,697
2
liturgisches Gewandstück: ‘Manipel’
mit der stôl unt mit dem hantvanen Priesterl
256;
waz betútet, daz men den hantfan treit an der linken hant?
Lucid
87,20.
88,1;
daz gewant daz der priester an leit [...], daz hât
alles bezaichnunge. [...] der hantvan bezaichet sine
demuͦtkait PrGeorg
9,2;
PrBerth
2:683,36;
manipulus: hantvan VocOpt
19.010;
stolen unde hantvan, / kasukkel unde borten kluok / kan ich von künsten machen
genuok Bussard
680;
Messgebr
327.
331
MWB 2 1192,34; Bearbeiter: Tao
hantvaʒ
stN.
‘Waschbecken, Waschschüssel’
du lagil undi du hantvaz, / di viole undi du lichtvaz, / du
rouchvaz undi du cherzistal, / daz roti golt was iz al LobSal
127;
waz erbegut ist: daz ist aigen in der stat, daz ist aigen uf
dem lande, [...] alle tische unde alle tafeln unde
tischlachen unde hantweheln unde hantfaz unde beckin unde golter unde lilachen
StRAugsb
151,11
MWB 2 1192,47; Bearbeiter: Tao
hantveste, hantvast
Adj.
1
‘schriftlich fixiert, rechtsgültig’
2
‘auf eine bindende Versicherung hin freigelassen’ ? 3
‘gefangen, in feste Hand genommen’
1
‘schriftlich fixiert, rechtsgültig’
sid dhain gewerft vor menschlicher chranchait an [
= âne
] prief vnt hantfest vrchvnt mach stet weleiben, dar vmb wir
[...] tven chunt allen den, die disen prief sehent
[...], daz [...]
UrkCorp (WMU)
2077,41
2
‘auf eine bindende Versicherung hin freigelassen’?:
die ellenden geste / warin hanfeste [l.
hantfeste (vgl. Anm.z.St. mit verschiedenen
Erklärungsversuchen)] / biz an den anderen dath
Roth
2486
3
‘gefangen, in feste Hand genommen’
knechte unbehende, / hantvast [bez. auf das Akk.-Obj.
si
] ane gebende [Fesseln] , / mit zuͦwornen
haren / inde mit grozen varen [zerzaust und geängstigt] /
leiden si [Galie (als Angeklagte)]
[...] als ein meindedich wif MorantGalie
3710
MWB 2 1192,55; Bearbeiter: Tao
hantveste
stF.
zu möglichen sw. Formen s. hantvestene
1
‘Urkunde’
1.1 allg. 1.2 näher bestimmt durch ein Adj. ( êwic, grôz, guot, gewis, valsch usw.) 1.3 oft verbunden mit brief 1.4 in Verbindung mit bestimmten Verben ( geben, lesen, machen,
schrîben ) 1.5 übertr. 2 wohl totum pro parte, ‘Siegel’ , übertr. 3
‘Bekräftigung (eines Vertrages, eines Eides), Bestätigung’
4
‘Gültigkeit’
1
‘Urkunde’
1.1
allg.:
swaz diu hantvest seit, / daz wolt er für die wârheit /
haben unde rihten EnikFb
1849;
daz brieve bezer sint danne geziuge. wan geziuge die sterbent: sô belîbent
die brieve immer stæte (diz heizent hantfeste), unde hilfet ein tôter geziuge
als wol dir als ein lebendiger SchwSp (W)
34,12;
ein hantveste wirt enwicht von dem getichte [Betrug,
Fälschung]
ebd.
419,5;
der ~ kraft
KvWSchwanr
573;
StRBrünn
399.
400;
alles daz [...], daz vmb andern raub vnd prant
vor an dirre hantfeste geschriben stet UrkWittelsb
1,422
(a. 1287);
sein insigel an die ~ henken
UrkHohenz
1,115
(a. 1303);
geben
UrkÖsterrM
289
(a. 1300);
eine Sache mit ~ bestæten
Ottok
4891;
bevesten
Renner
15162;
stæten
EbvErf
1077;
stæte machen
Ottok
2477;
bringen
StRAugsb
147,30
1.2
näher bestimmt durch ein Adj. (êwic, grôz, guot, gewis, valsch
usw.):
von ewigen hantvesten StRBrünn
224;
do schreib an [an das Buch mit den sieben
Siegeln (vgl. Apc 5,1)] der beste [d.i.
Christus] / die ewigen hantveste / menschlichen heiles
HeslApk
9090;
er gab in hantveste guot EbvErf
4323;
Ottok
5910;
wan si unz bewiͤst habent mit gewizzen hantuesten, daz
[...]
UrkCorp (WMU)
3443,13;
si zaigtn auch mir brief vnd gross hantvest, do mit si ir sache wolten aus
pringen vor dem chunig ebd.
67,21;
dî nutzstin unde bestin / pêbistlîchin hantvestin
NvJer
1076;
ob ein hantveste falsch sei SchwSp (W)
419 Überschrift.
– durch ein Gen.-Atttr.:
[falls] daz aigen also verkauft wirt mit friunde rate,
da mak man der stet hantfeste [mit dem Stadtsiegel beglaubigte, von
der Stadt ausgestellte Urkunde] wol uber gaeben dem der ez da
kauft hat StRAugsb
142,26;
ez suͤllen auch die
gelter [Gläubiger] den erben
vorvarn [den Vorrang haben] umb ir gelt, als der
stat hantfest [das Stadtrecht] sait
StRMünch
333,13.
348,6;
wen der richter wandel [Geldbuße] nimt und
[und diese] in der stat hantvest nicht mit namen
ste geschriben StRBrünn
396;
dar nach liezzen vns ouch des hertzogen schidleute sehen hantueste [
hantfesten
1276A,15, hantvestene
1276B,20
] der bæbst, der cheiser, der ertzbischoͤlf von Salzburg
[...] vber di selben vogtey des gotshous guͦt von
Admund UrkCorp (WMU)
1276C,44.
N376,26;
als it an keiser Otten [...] hantveste steit
HagenChr (G)
679
1.3
oft verbunden mit brief:
PrSchw
1,27;
StRAugsb
157,21;
UrkHohenz
2,213
(a. 1292);
HvNstAp
4771;
StRBrünn
399
1.4
in Verbindung mit bestimmten Verben (geben, lesen, machen,
schrîben):
den tag, da di hantvest an gegeben ist StRBrünn
399;
vnd ist diser chovf geschehen vnd oͮch disiv hantveste darvber geben
UrkÖsterrM
289
(a. 1300);
Ottok
5892;
des gab er uns ain hantfest HvBurg
6195;
die hantveste ich hân gelesen EbvErf
2019;
StrKD
13,160;
Ottok
2192;
daz disiu svͦne vnd dise sætzze also stæte vnd vnzerbrochen beleiben, dar
umbe haben wir haizzen machen dise hantfeste UrkWittelsb
1,413
(a. 1287);
PrBerth
1:575,17;
hantveste man des nam / von dem bâbest EbvErf
2014;
StRAugsb
155,36;
daz man eine ieglîche hantveste schrîbet ûf kalpvel oder ûf schâfvel
PrBerth
1:575,18;
Brun
6220;
Hadam
205,3
1.5
übertr.:
ist es aber ieman toͤtlichem menschen vf erde gegeben, das
er got mohte sehen [...], das mvͤste sin von besvnderre
heinlicheite hantfeste DvAStaff
498;
des gap er [Gott] in hantveste durch sine milden
gute, / an zahen [= ein zeichen
] wol daz peste, daz niemer gar div werlt van watzer flvete /
verderben sol. den regenbogen er vmbe / kert, als ob ein schvze mir but dev
senewe vnd gaf em selbe daz krumbe JTit
Regenb. 2,1;
daz unschuldige blût mîn: / daz sol ein hantveste wesen, / dâ man sol
immer an lesen, / daz des menschen missetât / die martir mîn gebezzert hât
VierTöchter
416;
he dreit noch under ougen / [...] die rechte
strîdens zeichen [Narben] , / ingesigel unt hantveste
Göllh
192;
von nâtûre minnet ein ieclich dinc selben sich und sîne nâtûre. alsô ist
diu menscheit [Christi] ein stætiu hantveste sicherre
suone unde ganzer liebe von dir DvAOff
24;
[Maria] di allir gute eine hantveste
Brun
189
2
wohl totum pro parte, ‘Siegel’, übertr.:
[Laudatio auf Ither: ] ein slôz ob dem prîse. / sîn herze
an zühten wîse, / obem slôze ein hantveste Parz
160,19;
manec leben wart dâ übersigelt / mit des tôdes hantveste
Wh
391,27;
doch heten sie vor lebens vil versigelet / mit des tôdes hantvesten, die
nieman kan gebrechen, / als man eteswâ hantveste tuot Loheng
4627;
JTit
4157,3
3
‘Bekräftigung (eines Vertrages, eines Eides), Bestätigung’
vnde ze urchuͥnde disses dinges so gaben wir vnser insigele an disme brieue
[...] ze einer hantfesti vnd ze einer stetj
UrkCorp (WMU)
106,6
u.ö.;
uon einem vicetoͮme, der [...] gotes
uerloͮgenote unde deme leidigen tieuele ze hantueste einen brief screib
Spec
99,4;
diu mort [Missetaten (Adams und Evas)? La.
wort
] schreip der tievel an, / do er den menschen gwan, / ze einer ewigen
hantfeste StrKD
13,95;
ze wortzeichenne beide / und ze hantveste der eide / wart dú
groze heiligheit [Reliquie] / in die arche
[Bundeslade] geleit RvEWchr
11915;
[die hl. Martina] treit an ir milte hant / des kvnges
ingesigel von Engellant, / ganzes gewaltes hantfeste, / daz si die ellenden geste /
zvo sinen genaden enpfahe, / swer mit gebet zvo ir gahe Martina
286,7.
– übertr.:
du maht an im nu tuon / dîner triwe hantveste
Parz
345,7
4
‘Gültigkeit’
daz dis stete belibe vnd hantvestj heige, so henken wir v́nser jngesigele ze
eime vrkv́nde an disen brief UrkCorp (WMU)
443,14;
hantvesti und kraft haben WeistGr
5,92
(a. 1343);
daz der wideme, den er geben hat [...] sinre elichen
wirtin, vf dem [...] houe bliben vnd sin sol vesticlich in
sinre krefte vnd hantueste UrkRapp
478,20
(a.1350)
MWB 2 1193,7; Bearbeiter: Tao
hantvestene
stF.
Formen auf -en auch als sw. Flexion von hantveste
auffassbar.
1
‘Urkunde’
2
‘Gültigkeit’
1
‘Urkunde’
so hant die Romer uf gesezzit daz dekein privilegium, daz ist
hantvestene, frome were, man enschribe danne [...] welhes
iares der brief wurde gegebin MNat
13,1;
alle hantvesten sint enwiht / und habent si rehter insigel niht
Renner
18779;
mit hantvestinon besigelten mit sinem jngesigel UrkCorp (WMU)
1978,36;
BgRIglauD
20.
– näher bestimmt durch ein Gen.-Attr.:
die selbe hantvestin keser Frideriches UrkCorp (WMU)
1653(6), 40, 42;
mit des kuniges hantvesten ebd.
N408,37.
– verbunden mit brief:
KvWSchwanr
149;
UrkCorp
156,43;
StRMosb
547
(a. 1337).
– in Verbindung mit Verben:
die selbe hantuesten wart gesriben vnde geben UrkCorp (WMU)
1126AB,30;
dâ schreib der almehtige got sîne hantvesten ûf sîn selbes hût
PrBerth
1:575,20;
HvFritzlHl
89,19
2
‘Gültigkeit’
vnd daz diz ganzze hantfestin vnd stetikeît habe, so han ich disen brîef deme
abbete [...] gigeben bisigilt mit mineme jngesigele
UrkCorp (WMU)
107,19.
N715,15;
sol doch die verbuntnisse stete bliben und hantfestin haben
UrkBasel
4:154,29
(a. 1345)
MWB 2 1194,59; Bearbeiter: Tao
hantvestenunge
stF.
‘Urkunde’
wir [...] duͦen kuͦnt allen den gienen
[...], die diese hantuesteninge ane gesient inde
gehorent, dat [...]
UrkCorp (WMU)
380,40;
sine zveilf burgen, der namen in der hantvesteninge bescrieuen steint ebd.
3469,7;
jnde han och unse ingesigele [...] jn
vestenicge [l. -incge
] diesir hantvestenincge an diesin brif gehangin ebd.
62,5
MWB 2 1195,19; Bearbeiter: Tao
hantvestlich, -lîche
Adv.
‘urkundlich, rechtsgültig’
wann wir der vorgenanten stett insigel bestetigend mit gewalt koniglicher
maiestat hantfestlich zuͦ vergehend alle geschiht und sachen und zu kreftigend und
zu bestetigend alle [...] brief, daran es hanget
StRSchlettst
45;
was moht er ir gegeben me / wan herze, lip, sin und muͦt, /
sich selbe, lant, lút und guͦt? / hantvestliche in ir gewalt / braht es gar der
degen balt RvEWh
14049
MWB 2 1195,27; Bearbeiter: Tao
hantvestunge
stF.
‘Urkunde’
in alle deme rechte inde in der vriheide inde in den guͦden gewoneden, die si
van alders mit haintvestingen in geschrichte inde sunder geschrichte here haint
bracht UrkCorp (WMU)
3485,12;
so wa der stede reht van Colne, vriheide, guͦde inde redelighe gewoneden jnde
hantuestingen vnzwiflig sint ebd.
43AB,46,42,41;
[Kaiser Konstantin] gaff [...]
sente Silvester dat roymsche rich / ind hantfestinge, dat alle
paise [Päpste] weren / vuͦrwert des roymschen riches
heren HagenChr (G)
559
MWB 2 1195,36; Bearbeiter: Tao
hantvingerlîn, -vingerl
stN.
‘Ring, der an der Hand getragen wird, Fingerring’
dise vrowe hate siben meide [...]. di sechste di tet
ir ane daz hantvingerlîn an di hant HvFritzlHl
238,10;
daz man ez [das durch Essig weich gemachte
Ei] leiht mit der hant [...] müg
[...] sô lang geziehen, alsô daz man ez durch ain
hantvingerl zieh BdN
352,33.
–
‘(königlicher) Siegelring’
mit unserm grossen ingesiegel versiegelt und unserm handvingerlin und auch
unser selbes hendeschrift gezeychnet DRW
5,47
(a. 1349)
MWB 2 1195,47; Bearbeiter: Tao
hantvol
stF.
1
‘soviel eine Hand fassen kann’ ; mit Gen.d.S. 2
‘eine kleine, unbedeutende Anzahl (von Leuten)’ ;
1
‘soviel eine Hand fassen kann’; mit Gen.d.S.:
man sal nemen ein hantuol sabenboumes vnde zwo hant uol
saluei vnde ander halbe hant uol ruten SalArz
115,57;
eyne hantfol weyssenre [wächserner] kerzen
UrkGerKöln
364
(a. 1336);
drî hant vol [...] / des korns Philipp
4475;
Ipocr
55;
BenRez
25;
Seuse
214,2.
– ohne Gen.d.S.:
von siner gæhe kam im daz / daz er [...] vergaz /
bî dem mülsteine / melwes alsô kleine, / ez fulte kûme eine hant. /
[...] unde gâhte hin wider / da er die hantvol hete
verlân Bîspel (Pf)
17,15.
17,31.
– personif.:
sage ane, muntvol, wiltû dich / hantvol gelîchen? daz ist doch vil
ungelich: / wil danne hantvol schôzvol übermenegen, des enmac niht sîn
RvZw
97,2.3.7
2
‘eine kleine, unbedeutende Anzahl (von Leuten)’;
mit Gen.d.P.:
ein hant vol rîter Wh
107,21;
unser ist kume ein hantvol Rennew
31477;
ir hantvol gein unser menige niht enwigt Loheng
2835;
Martina
281,92;
Brun
11143.
– ohne Gen.d.P.:
man sach mit manlîcher wer / des marchgrâven Willelms her,
/ die hant vol als er mohte hân Wh
13,9;
waz touc diu hant vol genant / gein dem her ûz al der
heiden lant? ebd.
328,29
MWB 2 1195,58; Bearbeiter: Tao
hantvölleht
Adj.
‘die Hand füllend, soviel eine Hand fassen kann’
sie wurffen den bruͦch hantvollecht off yn und wuczeten uff
yn, als er ein dieb were und man yn zum galgen furen solt Lanc
605,15
MWB 2 1196,17; Bearbeiter: Tao
hantvöllic
Adj.
‘die Hand füllend’
sam gelw, sidin risten [Haarzöpfe] ,
/ gros, hanpfollige, linde / hat [l. hant
] aller kaiser kinde / gevlohten noch enpflohten SHort
5811;
unde sol er in siner hant haben einen aichinen stap, der sol
einer dumellen lanch sin unde sleht [...] unde hantvollic
StRAugsb
89,31.
–
‘soviel eine Hand fassen kann’
er want sin hend [...], er rauffte
sin har uß hantvöllig, er reiß sin cleider Lanc
69,23
MWB 2 1196,22; Bearbeiter: Tao |