honec|sam
Adj.
‘honigartig, süß’ (bildl., vgl.
honec
2):
ez enist niht gelligers dan lîden und enist niht honicsamers
dan geliten-hân Eckh
5: 433,4;
o heiligü minne, o minnecliche suosse, o himelrich honksam Eckh
(B)
115,4
MWB 2 1679,57; Bearbeiter: Hansen
honec|seim,
honec|sein
stM.
auch -saum ( BvgSp , vgl. noch DWB 4,2,1791).
ungeläuterter Honig,
‘Honigseim’
1 allg. 2 bildl. und im Vergleich exemplarisch für Süßes, Angenehmes, Gutes
überhaupt,
1
allg.:
wiltu rosin lange haldin vrisch, so lege si in honig seym; so
vulin si nicht Pelzb
129,3;
nim einen reinen honicsaum, den suͤde
BvgSp
2;
man derkennet aber daz lauter
[
himelprôt
] von dem unlautern alsô, daz
daz lauter [...] inwendich etleich hölr
[Lufteinschlüsse?] hât sam der honigsaim
BdN
90,24;
Barth
137,28.
149,5.
– Tropfen, Rinnsal von Honigseim oder Honigtau (vgl.
honecseimelîn
):
er sach ûz einem aste, / samfte, niht ze vaste, / ein
kleine honicseimes gân RvEBarl
4697.
– mit Honigseim gefülltes Stück Bienenwabe:
also vant er [Samson] bina und ainen honechsaim
[vgl. favus mellis Idc 14,8] in dez
lewen munde. den nam er her uz und âze den ûf dem wege PrSchw
1,15;
do brochten sy ym eyn stucke vysches, daz waz gebroten,
unde honycseym [
favum mellis Lc 24,42]
EvBerl
90,11;
SHort
10055;
vgl.:
vnd si brahten im ein teil eins gebraten visches. vnd
einen vladen hönichsaimes EvAug
208,11.
– in Vergleichen:
des [Gottes] es
[das Herz] die wile also vol ist alse ein linde
simel broseme in honecseim getvnket DvAStaff
344;
sus lît er dâ in sîner stift, / die er het erbouwen, als diu bîn in wift
[in der Honigwabe] / ûz maniger bluot würht daz
man honcseim nennet Loheng
7610
2
bildl. und im Vergleich exemplarisch für Süßes, Angenehmes, Gutes
überhaupt,
häufig bitterer galle gegenübergestellt (vgl.
1galle
4 und
honec
2):
her Symon von Guͦntheim, / der ist der tugend honigseim MinneR
480
408;
man sol niht sêre die heiligen schrift / durchgrübeln, daz iht der sêle gift /
stecke in valschem honicseime Renner
13539;
sin [des Teufels] honigseim ist bittrer dann die
galle RvZw
301,7;
Frl
9:19,22;
HeslApk
14578.
– sprichw. von schmeichelnder, täuschender Rede:
sie [Heuchler] tragen alle in irme herzen
bitter gallen / und in ir munde honichseim. ôwê den allen! Rumelant
(R)
4:12,10.
– im Zusammenhang einer auf das Göttliche bezogenen heiligen Süße
(vgl. süeʒe):
din wort mir verrer suzer ist / herre in dem munde min /
denne honich oder honechseim sin [vgl. Ps 118,103]
Albert
222;
dise suͤssikeit die gat úber alles honig
und hongseim, das uswendig das suͤsseste heist Tauler
228,13;
man vindet wahs und honicseim / in disem buoche
[...]: / honicseim bediutet der heiligen lêre
Renner
24504.
22404.
17320.
– spez. von Christus:
der süeze honecseim, / gotes sun Philipp
2374.
– im biblischen Bild für Überfluss:
ich [Gott] si [das Volk
Israel] uon Egypto / lôse mit gewalte, / uon dem ellende / ze
bezzereme lande sende. / dâ vliuzzet der honich saim, / miliche ein uil michel
teil Exod
519
MWB 2 1679,62; Bearbeiter: Hansen
honec|seimelîn
stN.
Dimin. zu
honecseim
.
ein Tropfen Honigseim oder Honigtau (vgl.
hönegelîn
):
nu wart gewar / der arme [...] / daz ein
honicseimelîn / hienc neben im an einem zwîgelîn: / daz leckete er
Renner
23563
MWB 2 1680,53; Bearbeiter: Hansen
honec|sou (?)
stMN.
flekt. -wes.
wohl ‘Honigseim’ (hier bildl., vgl.
honec
2):
sie [die zwölf Apostel] troufen in
[reuigen Sündern] daz honic in, / daz in kegeme nacke
/ der bitter goum vorsmacke / des suzen honic seimes zar / des heren geistes towes
gar [La. des suzen honig sowes/ des heren geistes
touwes
]
HeslApk
4199
MWB 2 1680,58; Bearbeiter: Hansen
honec|süeʒe
Adj.
‘süß wie Honig’
der zaher [der Saft des
Storaxbaumes] ist vaizt und vol harz [...]
und wenn man in fäuht [verdünnt] , sô gibt er ain honigsüez
fäuht BdN
375,16.
– bildl. (vgl.
honec
2):
[die Minne] machte zeiner gallen / daz vil honicsüeze spil
KvWEngelh
3187;
sine [Antonius’] honic suze
lere Vät
1560;
der munt [Maria Magdalenas] muste immer dar na /
honic suze rede geben Pass I/II (HSW)
40537;
WvRh
14691;
HeslApk
15387
u.ö.;
LBarl
5008;
Martina
197,5
MWB 2 1681,1; Bearbeiter: Hansen
honec|tou
stMN.
‘Honigtau’ (vgl. Johansson, NvJer., S. 229 und
honec
1):
bî sente Jôhannis tac / des baptistin dort gelac / in Galliâ ein honictow, /
der daz getreide sô durchzow, / swer sîn in den munt genam, / daz der hongis smac
vornam NvJer
1286
MWB 2 1681,11; Bearbeiter: Hansen
honec|trage
stF.
‘Biene’
noch süzer dan der honiktrage [Dat.Sg.] / der blüte
honicsaffec nage [Nagen]
Frl
3:18,1
MWB 2 1681,16; Bearbeiter: Hansen
honec|tragende
Part.-Adj.
‘Honig tragend, honigsüß’ (bildl. von heuchlerischer
Verstellung, vgl.
honec
2):
beliegent sie [die Heuschrecken, vgl. Apc
9,1-12] daz gots kint / und werfent daz eiter / in ir
[der Könige und Fürsten] ougen heiter / mit honic
tragendem worte HeslApk
13989
MWB 2 1681,19; Bearbeiter: Hansen
honec|trân
stM.
md., nd.
ungeläuterter Honig, ‘Honigseim’
honingtran jach mir ein sachse, / daz were honing an dem
wachse Brun
2933.
– bildl. (vgl.
honec
2):
dine lippen trifen honigtran [Ct
4,11]
Brun
2896.
8596
MWB 2 1681,25; Bearbeiter: Hansen
honec|tranc
stN.
‘aus Honig bereiteter Trank, süßer Trank’ (bildl., vgl.
honec
2):
daz fiur der süezen minne / unde ir fröuden honictranc
KvWTroj
19969;
Mechth
7:42,1,Überschrift
MWB 2 1681,30; Bearbeiter: Hansen
honec|triefende
Part.-Adj.
‘vor Honig triefend, honigsüß’ (bildl. von heuchlerischer
Verstellung, vgl.
honec
2):
[der Teufel ] sante prediger an sie, / so daz sie
trugenlichen hie / die cristenheit vorglichsten / [...] /
und uz iren hoveten twungen / mit honic triefender zungen HeslApk
13514
MWB 2 1681,34; Bearbeiter: Hansen
honec|tropfe
swM.
ein Tropfen Honig(seim) oder Honigtau:
er sach ûz einem aste, / samfte, niht ze vaste, / ein kleine
honicseimes gân. / [...] und liez im triefen in den munt. /
[...] swie vorhteclich was diu gesiht, / er lie der
honictropfen niht RvEBarl
4704
MWB 2 1681,40; Bearbeiter: Hansen
honec|trôr
stMN.
‘Honigtau’ (vgl.
honectou
):
daz himeltrôr vellt [...] nider sam
daz hongtrôr BdN
88,34.
89,8.
90,19
MWB 2 1681,45; Bearbeiter: Hansen
honec|var
Adj.
‘honigfarben’
daz jung peindl [Bienchen] , daz des
êrsten her für sleuft, daz ist weiz; aber des kaisers sündl [das
Söhnchen des Weisels] ist zehant hongvar BdN
294,9
MWB 2 1681,48; Bearbeiter: Hansen
honec|vaʒ
stN.
‘mit Honig gefülltes Gefäß’ oder
‘Bienenkorb’ (vgl. vaʒ), in
Vergleichen:
ûf der plâniure grüene / wart von in [den
Rittern] ein gestürme, / als ob die binenwürme / sturmten umbe ein
honecvaz KvWTurn
843;
sî schuzzen im her unde dar, / alsô bîen umbe ein honecvaz Virg
902,12.
– im Zusammenhang einer auf das Göttliche bezogenen heiligen Süße (vgl.
honec
2):
sin hant mich [Maria] rurte, des ich spür, / sie
was von süzem touwe naz, / ez duchte mich ein honigvaz Frl
1:9,8;
vröu dich, rose sunder dorn / [...], / von dem
himeltowe naz, / suzer wen ein honec vaz TvKulm
1418
MWB 2 1681,52; Bearbeiter: Hansen
honec|vlieʒende
Part.-Adj.
‘honigfließend’
daz honicvliezende lant [...] des himelrîches
DvAOff
12.
– übertr. von schmeichelnder, täuschender Rede
‘honigsüß’
ir [der Ketzer] wort sint honic
vliezende, / darnach vorgift giezende HeslApk
13887
MWB 2 1682,1; Bearbeiter: Hansen
honec|vluʒ
stM.
‘Honigstrom’ (bildl., vgl.
honec
2):
waz wünne hât der heilige geist in dem herzen, dâ er sô stæte ruowe inne
vindet, daz in mit deheinem râcherouche [bildl. ‘Rauch der
Rache’
] ûz sînem süezen binvazze
[Bienenstock] vertrîbet! waz honicvluzzes er dem
selben herzen zuo vüeret! DvASchr
331,3.
361,36;
PrBerth (K)
106
MWB 2 1682,6; Bearbeiter: Hansen
honec|vlüʒʒic
Adj.
‘honigfließend’ (bildl., vgl.
honec
2):
ich [Gott] irwecke den eyt, den ich
gesworen habe uwirn vetiren zu gebene eyn milch- und honkvluzzeges lant
Cranc
Jer 11,5;
dem ûzvluzze dîner êwigen honicvlüzzigen gotheit DvASchr
370,31;
huͤnig regente uf die erden, / da Maria dez werden /
Jhesus Cristus genaz: [...] die himel huͤnig flußig
sint: / gelobt si daz reine kint! HvNstGZ
1643
MWB 2 1682,13; Bearbeiter: Hansen
honec|vrischinc
stM.
junges (honigfarbenes?) Schwein oder Schaf, ‘Frischling’ (hier
als Abgabe):
aput Reut de duabus hubis 20 mod. avene, [...],
Jacobi 4 honikfrisching UrbSteierm
178
MWB 2 1682,22; Bearbeiter: Hansen
honec|wabe
swMF.
‘Honigwabe’ (bildl., vgl.
honec
2):
dez himils honec waben / die vnsir sele solten laben Martina
141,95.
58,99.
162,44
MWB 2 1682,26; Bearbeiter: Hansen
honec|waʒʒer
stN.
mit Honig gesüßtes Wasser, ‘Honigwasser’
man schüll si [die
Früchte] nüehtarn ezzen vor anderm ezzen und schüll dar nâch ain
honigwazzer trinken BdN
342,10
MWB 2 1682,29; Bearbeiter: Hansen
honec|wirʒ
stN.
wohl ‘honigsüßer Würztrank’ oder spez. ‘unvergorener
Metansatz, Metwürze’
din kiusche labt im unde twuoc / sin herze alsam ein honecwirz
[
:hirz
]
KvWGS
1363;
melzita: hunecwirz GlHvB
401,12
MWB 2 1682,33; Bearbeiter: Hansen
honec|zins
stM.
Abgabe in Form von Honig, ‘Honigzins’
was zu der stad gehoret an ackere, an holtze, an grase, an weyde, an
honekzinse DRW
5,1541
(CDPolon.; a. 1319)
MWB 2 1682,38; Bearbeiter: Hansen
hœnede, hœnde
stF.
auch hvͤnde ( SchwSp ).
1
‘Schmach, Schande’
2
‘schändliches, Schande bringendes Verhalten,
Schmähung’
1
‘Schmach, Schande’
nu dulde honede vnde schaden / hir in dime lande / von
Dietherichis manne Roth
1811;
swer des tages geêret wirt, deme gescach nie honde. der des
tages ze hondin wirt, deme gescach nie dehain wâriu êre TrudHL
141,5;
scante, hoende [interl. zu confusionem
]
PsWindb
39,16;
honde, laster [interl. zu scandalum
]
ebd.
139,6.
105,36
u.ö.;
Freid
63,19;
Gen
743.
– in verbalen Verbindungen ‘(jmdm.) Schmach
bereiten, (jmdn.) entehren’ (durch Verspottung, üble Nachrede
o.ä.; vgl. 2):
ich schuf, daz sie im also gram / worden, daz sie in viengen / und an ein
cruze hiengen / und durch sine siten stachen / und im vil zu honden sprachen
HeslNic
3140;
ist, daz er in zeim andern male die hvͤnde an leit vor den lvten
vnd claget er daz dem rihtær, er mvͦz im bvͦzen als hie vor
gesprochen ist SchwSp
150a
2
‘schändliches, Schande bringendes Verhalten,
Schmähung’
er hât mir manige hônde verwizzen Kchr
12210;
Joseph was vile scône, ern uopte neheine hônde
Gen
1735;
er [Galagandreiz] hât vil manegen
man geschant / [...]. / er ist der hœnde ein
ursprinc UvZLanz
738
MWB 2 1682,42; Bearbeiter: Hansen
hönegelîn
stN.
Dimin. zu
honec
.
ein Tropfen Honig (vgl.
honecseimelîn
; hier bildl. für Verlockendes):
si vür êwige sêlde nement / werltliches gelustes hönegelîn
Renner
2185;
sehe wir kleben / eins armen gelustes hongelîn / neben uns, sô lâze wir alle
die pîn / varn, diu uns künftic ist / und lecken ze einer kurzen frist / daz honic
ebd.
23575
MWB 2 1683,1; Bearbeiter: Hansen |