hâ – haber- haberlîte – hachelen hachelwërc – hage hage- – 2hagen hagen- – halbe halbe – hallergëlt hallergülte – halphimel halp|hunt – halpvaste halpvierteil – halser halsgebeine – halsveste halsvlinken – hamerslac hamerslahen – hanef hanef|âkambe – 1hansen 2hansen – hantgiften hantgiftphenninc – hantsalbe hantschmänt – hantvestlich hantvestunge – hârbendelîn hârblôʒ – hârlouf harm – harnaffe harnasch, harnas – 1harre 2harre – hartruore hartsinnic – haselbir haselbluome – hasenvleisch hasenwint – havendierne havengazzer – haʒʒiclich haʒ|zorn – heberînmelwer hebesal – 3hecken heckenjeger – hegelîn hegeln – heidenisch heidenischheit – heilalle heilant – heilige heiligeistlîcheit – heilvuorlich heilwâc – heime suochen hei|metze – heimvart heimvartlich – heitber, heidelber heiter – heiʒmuot heiʒsühtic – hëlfebære hëlfebërnde – hëlkleit helle – helleglocke hellegluot – hellemunt hellemünzer – hellerigel hellerîs – helle- hellesun – hellevreisærin hellevunke – hëllunge helm – hëlmschîn hëlmschirbe – helwërtwitze hely – hendewinden hendewringen – hennenvuoʒ hentschuocher – herbërgen herbërgerîe – hêre herebërge – hergesidele hêrgesidele – hêrischheit hërkêre – Herodære Herodiane – hêrrennôt hêrrenphruonde – herschrîære hêrschunge – hertes hërtgëlt – hërverloufen herverten – hërzeblüete hërzebluot – hërzekrachen hërzekranc (?) – hërze|nabele (?) hërzenandâht – hërzenvride hërzenvrô – hërzestôʒ hërzesüeʒe – hërzevrouwelîn hërzewaʒʒer – heselîn heselîn – hîbære hichela – hierunder hiesch – himelbalsem himelbære – himelgesanc himelgesinde – himelknabe himelknolle – himelpalas himelphat – himelschheit himelschlich – himelstîge himelstîgunge – himelval himelvane – himelvürste himelvürstin – hinde hinden – hindergêunge hindergrîfen – hindernisse hinderrât – hinderstelle hinderstellic – hinderwërtlingen hinder wîchen – hinker hinkêre – hinnëben hin nëmen – hînt hintber – hinwërt hinwësunge – hirngupfe hirnhût – hirtelîn hirtelôs – hirʒmilch hirʒ- – hiu hiubelhuot – hiuten hiutezucker – hôchgebirge hôchgebluomet – hôchgenant hôchgenende – hôchgewaltic hôchgewîht – hôchmeister hôchmësse – hôchvart hôchvart – hôchzîtkleit hôchzîtlich – hœhe hôheclich – holde hölde – hol|loch hol|louch – holzapfelîn holzban – holzheit holzhërre – holzschuoherin holzstîc – honec honec|bluome (?) – honec|tranc honec|triefende – hônheit honic – hopfenziech hopferebe – horgen horgewat – hornicsprenget (?) hornîn – horten hortgadem – hospitâl hossen – houbeten houbet|êre – houbetkleit houbetklôster – houbetman houbetman|ambet – houbetsachwaltære houbetschande – houbetsünde houbetsündic – houbetwaʒʒer houbetwëgen – höuptinc höurëht – höuwezëhende houwic – hovegeselle hovegesinde – hovelich hovelîche – hovephenninc hovephliht – hoveschar höveschære – hovestatzins hove|stetære – hovezins hovezorn – 1hûchen 2hûchen – hüenerhirne hüenerhûs – hûfeht hufel – hügenisse hügenumft – hüllenwëbære hüllenwëbærinne – humerâl hummen – hundertweide hundesber – hungergîtic hungerhâr – hunt huntaffe – huobdinc huobe – huof huofblat – huorgelust huorgelustic – huotelôs huote|strëbe (?) – hurmelen hurnaʒ
– hurticlich hurtieren – hûs|êre hûsgëlt – hûslode hûslôs – hûsvrouwe hûswer – hûwen hûwen – hy
|
hërzlîcheit
stF.
‘inniges Gefühl, Empfindsamkeit’
o du aller schoͤnstú liehtrichú ewigú wisheit, min sel hat
hinaht nach dir belanget, und nu an disem morgen fruͤ in der herzlicheit mines geistes
bin ich zuͦ dir, min lieb, erwachet Seuse
395,22
MWB 2 1474,14; Bearbeiter: Plate
hërzlîden
stN.
‘Kummer, Seelenqual’
owe got, du erkennest allein herzliden und herzennot
Seuse
48,17
MWB 2 1474,19; Bearbeiter: Plate
herzoge
swM.
1
‘Heerführer, Truppenführer, Feldherr’
2
‘Herzog, Reichsfürst, Landesherr’ als Standesbezeichnung (zur geschichtl.
Entw. des Standes im Hochma. vgl. 2 HRG 2,993-1003; differenziertere
Belegdokumentation WMU 1,846f.); in Erzähllit. oft auch anachronistisch.
1
‘Heerführer, Truppenführer, Feldherr’
in rate si do waren / wa si einen herzogen namen / do funden
si under der menige / ze troste deme herige / einen uil guten
man [Josua]
VMos
67,16;
die Etymol. des gemeingerm. Kompositums (Etymol.Wb.d.Ahd. 4,981f.) war noch
durchsichtig:
her [Jesus] was ouch [in gewisser
Weise] herzoge, do er dem her gezogete vuͦr [als er
der Volksmenge auf seinem Weg nach Golgotha voranging]
Rumelant (K)
5:5,6
(vgl. Komm. z. St. mit weiteren Belegen und Lit., auch zur lat. Entspr.
dux = ductor exercitus, Isidor, Etym. 9.3,22); daher bei Bezug auf
Kriegführung und in Erzähllit. oft nicht deutlich zu trennen von
2
‘Herzog, Reichsfürst, Landesherr’ als Standesbezeichnung (zur geschichtl.
Entw. des Standes im Hochma. vgl. 2HRG 2,993-1003; differenziertere
Belegdokumentation WMU 1,846f.); in Erzähllit. oft auch anachronistisch.
– in formelhafter Nennung der weltl. Fürstenstände:
daz waren fursten wol gezogen, / kvnige, grauen vnde
herzogen Herb
3298;
Wig
7824;
UvZLanz
7769;
Parz
5,17;
Constantin mit scalle was / an deme Poderamis houe / mit
gravin vnde mit herzogin / vnde mit vrigin herren Roth
894.
– Titulatur (vgl. DRW 5, 885-887):
uz Sahsenlant herzoge Albreht, / der was der fürsten lere,
/ er kunde unfride wol machen sleht Tannh
6,118;
Angabe des Herzogtums sonst meist mit von / ze, oft in
Verbindung mit dem Fürsten- oder Herrentitel:
als do gelobt wart den fvrsten, hertzogen Ludweigen vnd hertzogen
Hainreichen van Payren UrkCorp (WMU)
2306,22;
min herre, herzog Albreht von Oͤsterrich ebd.
1104A,47;
von minen herren, den hertzogen ze Bayrn ebd.
1364,20.
– in der Anrede:
Tristan [...] sprach zem
herzogen zehant: / herzoge hêrre, sît gemant / der triuwen unde der sicherheit,
/ [...] alse ir lobetet wider mich. / Gilân sprach:
hêrre, daz tuon ich / vil harte gerne Tr
16218
MWB 2 1474,22; Bearbeiter: Plate
herzogelîn
stN.
‘kleiner Herzog, Herzog einer kleineren Herrschaft’
ob der herzogelîn / noch als vil solden sîn, /
[...], / der einige man [
der furst ûz Ôsterrîch
] / vermoht sich baz an dem muote / an êren und an guote / denne si
Ottok
69188;
die ze Pôlân gesezzen sint, / herzogelîn, / heizent die von
Teschîn, / des einen tohter er [Wenzel von Böhmen] nam. / ze
so hôher krôn diu niht gezam ebd.
89057
MWB 2 1474,61; Bearbeiter: Plate
herzogentuom, herzentuom
stN.
auch -zoge-
PrBerth
1:362,36;
HistAE
839;
-zog-, -zoc-
RvEWchr
6961;
EnikWchr
19030.
HvNstAp
20453;
-och-
AvaA
2,3;
-ich-
BraunschwRchr
620.
– stM.
WälGa
3420.
– im UrkCorp nur 3 Stellen (2× herzentuom, 1×
herzogtuom). –
1
‘Herzogswürde, herzogliche Herrschaft’ und ‘Herrschaftsgebiet eines
Herzogs’ (zu unterscheiden i.d.R. nur, wenn räuml. Angaben zum gemacht werden) 2
‘Führerschaft’
1
‘Herzogswürde, herzogliche Herrschaft’ und ‘Herrschaftsgebiet eines
Herzogs’ (zu unterscheiden i.d.R. nur, wenn räuml. Angaben zum ~ gemacht
werden):
den strît den gescieden si alsus, / daz der chaiser der
Franken herzentuom / gab dô ûf das bistuom. / swer den gewalt besizzet, / daz er in
iewederem taile rihtet, / er ist herzoge unt biscof Kchr
16220;
dar zuo nim ich mîn herzentuom / von dir Parz
266,29;
daz herzentuom [...] lêch er dem
grâven Môrâl Wig
11177;
daz herzogentuom ze Kant / solt dû von mir enphâhen RvEGer
6168;
und ist daz herzogentuom / und al sîn fürstlicher ruom / mit ein ûf iuch
gevallen [vom Vater nach seinem Tod]
KvWEngelh
1345.
1415;
er brâht die marcgrâfschaft in Österrîch / zuo einem werden
herzogentuom EnikFb
959;
die leienfursten [...], / den
herzentum sint benant Ottok
41334;
funf herzentum jehen / der lande von im [dem
König] ze lêhen ebd.
41381.
–
marche unde bistuom, grascefte unde herzochtuom
AvaA
2,3;
ûz manegem wîtem herzentuom Wh
379,2;
nu was ein herzentuom gelegen / zwischen Britanje und
Engelant Tr
18686;
Venedie dú riche, / das engeste herzogintuͦm / das ie
gewan so hohin ruͦm RvEWchr
2956;
der herzoge in sînem herzogetuome PrBerth
1:362,36;
in dem hertzentuͦm von Bairen UrkCorp (WMU)
3217,31.
2
‘Führerschaft’
daz herzogetum von Moise HistAE
839
MWB 2 1475,6; Bearbeiter: Plate
herzoginne, herzogin,
herzogîn
stF.
zu den Suffixvarianten s. KSW 3: § S 128.
‘Herzogin (Frau, Witwe, Tochter eines Herzogs)’
di edele herzoginne [Gemahlin Heinrichs des
Löwen] , / aines richen chuͦniges barn [Tochter König
Heinrichs II. von England]
Rol
9024;
ir liezet küneginne namn [als
Königstochter] / und heizt durch mich ein herzogin Parz
134,3;
mîn wîp, die herzogîn ebd.
395,10;
diu alte herzogîn [in Begleitung ihrer
Töchter]
ebd.
352,13;
ir vater der herzoge Jovelîn; / ir muoter diu herzogîn
Tr
18712;
si werdent herzoginne / und landes frouwen ûz erkorn
KvWTroj
22716;
si [...] buten sich / ze füezen der
herzoginne, / daz si in geruocht gewinnen / umb den herzogen hulde Ottok
67241;
her Chvnrat, der hertzoginn chappelan UrkCorp (WMU)
2969AB,12;
maister Ditrich, der hertzoginne schreyber ebd.
2832,22
MWB 2 1475,39; Bearbeiter: Plate
hërzslehtic
Adj.
‘asthmatisch, kurzatmig’ (vgl. FWB 7,1975 s.v.
herzschlächtig):
fühsein flaisch geprant ze pulver und daz gegeben herzslähtigen
läuten in wein ist gar guot BdN
163,29.
– von Pferden:
swelich ros wint reh ist, als ob iz hertzslechtich sei, dem
lazz man zwischen avgen und oren Albrant
1,7
u.ö.;
daz es niht ruͤtzig noch hertzschlêhtig sy
StRAugsb
204,20;
harschlichtig Krone
19855
(vgl. Komm. z. St. und Felder, Krone z.St.);
hertschlechtig StRBrünn
128.
– vgl. →
harteslaht
stF.
MWB 2 1475,57; Bearbeiter: Plate
hërzstëche
swM.
‘das Herzstechen’
si vertreiben im den herzstechen BdN
248,28
MWB 2 1476,3; Bearbeiter: Plate
hërzuo
Adv.
alem. auch harzuo.
– vgl. →
zuohër.
1
‘herzu, herbei, hierher’ , mit Bewegungsverben 1.1 eigentl. 1.2 übertr. 2
‘diesbezüglich; zu diesem Zweck’
3
‘zusätzlich, des Weiteren, darüber hinaus’
4 eine Präp.-Gruppe mit zuo vertretend, ‘zu diesem, dazu’
1
‘herzu, herbei, hierher’, mit Bewegungsverben
1.1
eigentl.:
vil liebe vrawe, get her zuͦ / und kuͤsset minen swager
Rennew
4664;
WolfdB
780,3;
mit dem sper erz [das im Fluß schwimmende
Pferd] kêrte / sô nâhe her zuo an daz lant, / den zoum ergreif
er mit der hant Parz
603,13;
und andere schâf habe ich, di sint nicht ûz disme schâfhûse, und di muͦz
ich her zuͦ leiten [
adducere
]
EvBeh
Io 10,16;
~ rîten
Parz
133,16;
hie mach ich fiur, trag holz her zuo
EnikWchr
3843;
daz kint vrolich her zu trat / uz der glut Pass
I/II (HSW)
17888;
RosengA (LKN)
53,2;
~ varn
UrkCorp (WMU)
N238B,17;
die tür geswinde ziuch her zuo KvWSilv
803
1.2
übertr.:
da gât ein süeze zît harzuo SM:Ta
4: 3,5;
ie baz und ie nâher / gêt herzuo der winder
Ottok
31378;
die naht gât/ sîget/ trîbet/ vliuzet/ ziuhet ~
:
KvWTroj
11727.
10498;
Staufenb
719;
ParzRapp
546,3.
741,46.
–
ich lobe den heiligen Krist, / dêz uns her zuo komen
[zuteil geworden] ist, / daz wir mugen gotes
rîche / gewinnen sô kurzlîche [als Märtyrer]
StrKarl
4712;
als ez har zuo was komen [als es
eingetreten, geschehen war]
UvZLanz
1849;
ê diz her zuo kome Eckh
5: 34,1
2
‘diesbezüglich; zu diesem Zweck’
daz siu im har zuo riete UvZLanz
7216;
her zu gebet mir uwern rat Herb
1909;
etlîche liute hânt mich gevrâget, waz armuot sî
[...]. her zuo wellen wir antwürten Eckh
2:488,2;
her zu sprach Eneas Herb
3849;
UrkCorp (WMU)
246,17.
–
unde wir tuͦn uch und allen den die ir har zuͦ kiesent
[...] die selbe gnade an applaz und an hantvesten
UrkCorp (WMU)
93,18;
nu wil ich gerne hievon sagen also verre mir got genade
herzuͦ git Tauler
119,20;
weliche die bereitunge si die man herzuͦ haben sol ebd.
119,19.
119,38;
her zû [dies zu tun] wêrih ze
gût SAlex
2591.
– mit korrelativem Nebensatz:
nu waz sol der mensche herzuͦ tuͦn daz got in disen
minnenclichen grunt [...] gewúrcken múge?
Tauler
22,12;
ze reyten [veranlassen] / alle die gerechnunge
[Vorbereitung] hertzuͦ, / damit man der hochzeit
thuͦ / ir recht Dietr
613;
sun, nû rât her zuo, / wie ich zuo disen dingen tuo
KvWTroj
46789
3
‘zusätzlich, des Weiteren, darüber hinaus’
har zuͤ habe ich gesworn ênen eit gegen den heligen und han gelobt bi dem
selben eide, dîe selbe sune stete ze haben UrkCorp (WMU)
2558,18;
her zuͤ kuͥnd ich Heinrich von Bernegge und ich Ruͤdeger, sin sun, dc wir
[...]
ebd.
305,33
u.ö.
– jmdm. (etw.)
~ geben:
und ist, daz deu swaig pezzer [mehr wert] ist
danne di cehen march silbers, daz [den Mehrwert] suln
si mir her zu geben UrkCorp (WMU)
2685,40;
muͤg wir denne daz sælbe [mit Rückkauffrist
veräußerte] guͦt niht wider [...]
gechouffen, so sol er uns her zu [zum bereits entrichteten
Kaufpreis] geben, als beder tæil vriunt gesprechent ebd.
1450,27
u.ö.
4
eine Präp.-Gruppe mit zuo vertretend, ‘zu diesem, dazu’
wer mich har zu getrungen hat VirgH
400,4;
also dise menschen zuͦ vil herzuͦ keren
wellent [sich dieser Übung mit Übertreibung zuwenden]
Tauler
423,1;
nim hin den rock [...] / und heiz dir
lihen her zu [darauf] / pfenning Erz III
40,56;
har zuo geriet [dazu schlug aus, dies bewirkte
schließlich] der geiselslac, / der Lanzelete wart geslagen
UvZLanz
5540.
–
~ (ge) hœren:
die hôren her zuo [sollen (mir)
zuhören] : / ich wil aine nôtlîche rede tuon
Kchr
8524
(vgl. →
hœren
1.7.2);
her zu horet [hierbei ist
erforderlich] frunde rat Herb
2794;
sehent dise kilche und dise manigvaltikeit die herzuͦ
gehoͤret, also daz fulment, die muren, die steine Tauler
68,22.
71,22;
UrkCorp (WMU)
1431,14;
mit korrelativem Nebensatz:
nu sich, was gehoͤrt wunders her zuͦ das din arme nature
enthalten [erhalten] werde! Tauler
198,17.
–
~ komen:
kinder, wer her zuͦ komen [d.h. die Unio
mystica erreichen] wil, der muͦs alsus ordenlichen disen weg
und dise strosse gon, so enmag er nút verirren Tauler
147,7.
67,21.
115,8.
175,5;
mit korrelativem Nebensatz:
wie wir herzuͦ kummen súllent das die edel geburt in uns
[...] geschehe ebd.
8,16.
– vergleichend:
man saget von dem sturm der ûf Wolfenwerde gescach
[...] : / sô ne mohter herzô nieth
katen [diesem nicht gleichkommen (gaten
swV.)]
VAlex
1324;
dem aller leidest ie geschach, / des leit
[...] / gelîchet sich unnâch her zuo
KvHeimHinv
185;
der [Sonne, Mond und Sterne]
neheines lieht / triffet her zuo niht Hochz
452
MWB 2 1476,5; Bearbeiter: Bohnert
hërzvrâʒ
stM.
‘Herzfresser’ (Übersetzung der Etymologie Isidor, Etym. 12,7,34: Coredulus
genus volatile, quasi cor edens; Name eines Raubvogels, vgl. →
würgelhôch
):
Coredulus ist als vil gesprochen sam ain herzfrâz, alsô spricht
Isidorus [...] wenn er ainen andern vogel gevæht, sô gert er
allermaist des herzen, und wæn, ez sei ain klain vogel, der haizt auf dem gäw würgelhôch
BdN
179,11
MWB 2 1477,29; Bearbeiter: Plate
hësche, heise
swM. , heisch,
hiesch
stM.
‘Schluchzer, Seufzer; Aufstoßen, Schluckauf’
daz er dâ gewinnen muost des lebens vlust / mit einem valle und mit des tôdes
heschen Loheng
5276;
und wer sin herz ein vlinse, iz mocht gespalten sin von disem heschen
JTit
1031,4;
heizt daz fiuwer leschen, / daz sie ir letzten heschen / niht in dem ruch enphâhen
Helbl
1,751;
zum ersten weinent Juͤden / mit hiesch und mit jamers luͦden, /
daz sie den rihter an sehen HvNstGZ
6483.
–
jst, daz eynem menschen na eme dranke de crampe eder de heysch
besteyt, dat is totlich OvBaierl
68,15;
minzen [...] sterkent den bosen magin
vnde werent deme heisen SalArz
11,46;
gut uor den heisen ebd.
21,58
MWB 2 1477,38; Bearbeiter: Plate
hëschen, hischen,
heischen
swV.
auch hoischen.
PrEngelb
593,16;
‘schluchzen, seufzen, röcheln; aufstoßen, Schluckauf haben’
dô heschete und ranste / der wunde lîp in sîner schôz
Wh
65,2;
ReinFu
K,275;
HvNstAp
2729;
si höischent vnd klagent sich nu niut vnd dar vmbe sint si niut arme mönschen
PrEngelb
593,16;
subst.:
ir weinenlîchez hischen / sich mit rede begunde mischen
Wh
252,27;
tôtlicher züge hischen / kan sich ze mangen stunden / zu mînem herzen mischen
Hadam (Sch)
484,1;
ain wain und ain schrein, / ain heschen und ain ruffen
HvNstAp
2461.
heschen, säwften und wainen Märt
4326.
4564.
4116.
–
etswenne in doch in slâfe vrôs, / daz er heschte unde nôs
Parz
581,4;
heyschet eyn mensche vnde wert ez darna nysen
OvBaierl
68,26;
ob der man sich wischet oder snæutzet oder auz speit oder hesschet oder
huͦstet oder nieset SpdtL (E)
Lnr 212;
subst.:
ist guot wider daz wüllen und wider die undäw und wider daz
heschen, wenn man ez zuo der nasen habt BdN
381,32;
ez tuot auch sam ain mensch, daz undäut und sich prichet mit
dem huosten und mit dem heschen ebd.
142,28
MWB 2 1477,53; Bearbeiter: Plate
hëschezen
swV.
Intensivum zu →
hëschen
.
‘Schluckauf haben’ (oder ‘aufstoßen’?), subst.:
[der schwarze Kümmel] hât die art, daz er die wint gesetzt in
dem leib [...] und gesetzt auch daz rophatzen und daz
heschitzen BdN
396,22
MWB 2 1478,12; Bearbeiter: Plate
hesderich
stM.
→
esterîch
MWB 2 1478,17;
heselîn
Adj.
‘von, aus
→ hasel
’
ze dem heselînen brunnen [von Haselholz
umstanden]
Kchr
7132;
swie vil heselîner gerten / ir rücke zeberten Sibote
59;
von häselînen zeinen [Stäbchen]
Neidh
WL 31:9,3;
Barth (H)
547;
weidein und heselein, hagepuchein und pirkein holtz NüP
174
MWB 2 1478,18; Bearbeiter: Plate
heselîn, hesel,
heslî
stN.
auch hasel.
‘kleiner Hase, Häschen’
bruoder hesel, genc zuo mir LvRegFr
2521;
hasel, hüener und vische EnikWchr
13046;
ain häsel mit langen ôren BdN
471,29;
du bist noh als ein erschrockens hesli, daz in einem buschen
verborgen lit Seuse
54,23;
Dalimil (B)
68,145;
lepusculus: heslin VocOpt
45.122
MWB 2 1478,24; Bearbeiter: Plate
hesemen
swV.
‘etw. besiegeln, unterzeichnen’ (vgl. → behesemen):
einen gehesemet brief UrkSpeyer
374,2
(a. 1333)
MWB 2 1478,31; Bearbeiter: Plate
hessehunt
stM.
‘Hetzhund’
der wolf grawe / nedorfte dare gâhen, / noch die hessehunde / mit hungrigen munde
Exod
163;
wand si in [den Hirsch] von den
hessehunden triben StrKD
7,45;
do der arm hovewart / ein wenich chreftiger wart, / do begunder
fur die tische gen, / under die hessehunde sten ebd.
87,36;
winde unde hessehunde unde bracken SSp
136,5.
– vgl. AWB 4,1042 s.v. hessehunt (mit 3 Glossenbelegen des 9.–12.
Jh.s) und Dalby, Mediaeval Hunt, S. 90 s.v. hetzehunt.
MWB 2 1478,34; Bearbeiter: Plate
hessen
swV.
‘jagen, hetzen’, subst.:
wilt du ze walde rîten / durch hessen, fürste hôchgeborn, / sô sende ich dir ein
jagehorn KvWPart
2555;
vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, S. 89 (mit weiterem Beleg) und →
durchhetzen
swV. (hätte als durchhessen angesetzt werden sollen)
MWB 2 1478,44; Bearbeiter: Plate
hessisch
Adj.
‘hessisch’
eynen heschen schilling StRHeiligenst
71
MWB 2 1478,50; Bearbeiter: Plate
hestelîche
Adv.
→
hastelîche
MWB 2 1478,52;
heswe
Adj.
wohl zu germ. *haswa- ‘grau’; der Umlaut (im Beleg aber reimend auf germ.
ë!) wäre durch Rückbildung aus einem -jan-Verb *heswen zu
erklären (Heidermanns, Primäradj., S. 284).
‘grau, bleich’ (von der Haut):
daz golt von siner [Amors] zeswen die vreudenbæren
schiuzet, / und anderhalp die heswen [Leiths. -a-
] , gevar nach bli, daz sint, die vreude verdriuzet. / iedoch so triffet
vil daz golt der bleichen JTit
4037,2
MWB 2 1478,53; Bearbeiter: Plate
hetzebolt
stM.
auf die Bezeichnung des Hetz-, Jagdhundes (vgl. →
hessehunt
) verallgemeinerter individueller Hundename (vgl. Kluge, S. 138 s.v.
-bold; Dalby, Mediaeval Hunt, S. 90 s.v.
hetze-hunt):
dî wîl er [Fuchs] schirrit in dem molt
/ und in irslîchit hetzebolt NvJer
16552.
– als Beiname, hier des thür. Lieddichters Heinrich Hetzbold von
Weißensee:
zart lîp, al eine ich bin dir holt: / ûf rîchen solt dir singet Hetzebolt
KLD:Hetzb
1:3,7
MWB 2 1478,62; Bearbeiter: Plate
hetzehunt
stM.
→
hessehunt
MWB 2 1479,7;
hetzen
swV.
Imperativ mit -â verstärkt:
Hadam
15,6;
1 eigtl. ‘Hunde zur Jagd (auf ein Wild) treiben’ ; übertr. ‘Menschen zum
Kampf mit, gegen / Verfolgung von jmdm. antreiben, gegen jmdn. aufhetzen’
1.1 ohne Präp.-Erg. 1.2
an ein Wild / jmdn. (vgl.
ane hetzen
) 1.3
ge(ge)n 1.4
ûf 2 Hunde wohin treiben 3
‘Wild mit einem Jagdtier jagen’
4
‘ein Tier jagen’ , vom Löwen 5 übertr. 5.1 intr. 5.2 tr. 5.3 refl. 5.4 subst.
1
eigtl. ‘Hunde zur Jagd (auf ein Wild) treiben’; übertr. ‘Menschen zum
Kampf mit, gegen / Verfolgung von jmdm. antreiben, gegen jmdn. aufhetzen’
1.1
ohne Präp.-Erg.:
[Reinhart verbirgt sich auf der Flucht unter einer
Baumwurzel:] manic hvnt dar vber spranc. / der ieger hetzte
balde, / Reinhart gienc ze walde ReinFu
K,311;
ich hatzete mine hunde; / ir folgen ich in niht kvnde
Herb
2176;
ach möcht ich sie gehetzen / nâch mînem louf, daz siu mir hulfe iagen
Hadam (Sch)
194,6;
al sînen vlîz gab der degin, [...] wie her
vrauwete sînen lîp / mit hetzene und mit jagene / so ich eir begunde ze sagene
Eilh (L)
7919;
man verbeutet auch hetzer in dem wiͤnwahs, sie riten oder
gen. swen man aber darinne fuͤnde hetzen, der git unserm herren 1 #(pfund)
#(pfennig) ane die buͦzze WüP
106k,3;
[...] vnd swaz ieder herre in sinem lande vnd auf sinem
wiltpan lat oder hetzet, so sulen sein hvnde lauffen
[...]
UrkWittelsb
2,164
(a. 1310)
1.2
an ein Wild / jmdn. (vgl. →
ane hetzen
):
hetzet er die hvnde an daz wilt oder blaset er sin horn, so ist er der
buͦzze schvldig SchwSp
108b;
dâ vant er einen hirz stân. / dâ hetzet er die hunt an
EnikWchr
20116;
dar nâch hetzete man an si einen grimmen lewen HvFritzlHl
135,38.
– Menschen aufeinander:
vil der ritter nû an in mit ruofe wart gehetzet Loheng
2467;
ir vögte und ir schultheizen / künnen arme liute reizen / und an
einander hetzen Renner
645;
der chünic ir muot watzte, / an die hæiden er si hatzte
Serv
2090;
daz dû beginnest hetzen / den gwelph an den gibelîn
BuchdRügen
228
1.3
ge(ge)n:
man sol gen eber swinen hovewart vor jagehunden hetzen!
JTit
3370,4.
–
der alde dâ von Narbôn / gein mir hetzet sîniu kint
Wh
346,19;
wie er den fursten möht gehetzen / gegen dem
Salzpurgære Ottok
68580;
ir manheit selb sich gein den vînden hetzet Loheng
4156
1.4
ûf:
min volc, die ungetruwen juden, / hatzt ich uf in, als da man ruden / uf
otmutige schaf hetzet HeslNic
3132;
daz ist ein dink, daz vint uf vinde hetzet JTit
3414,4;
er hat mine uiande uf mich gehezzet Rol
2386;
uf kain gejagt / ich gerner nie gehetzet
WhvÖst
4801.
– zu etw. (einer Kampfhandlung):
die in hazten gar uf toͤtlich striten JTit
6009,4;
swen man nach mir setzet, / daz recht in wol druf hetzet, / daz er als
ich dir richten muz Pass III
206,48
2
Hunde wohin treiben:
ûf mîne hunde sult ir merken rehte, / und hetzet ir ieman zuo sînen hunden, /
sô wizzet sicherlîchen, / mîn hant in iuwern ougen wirt erfunden
Hadam
17,5
3
‘Wild mit einem Jagdtier jagen’
mit lewarten muͤzen si iz hetzen JTit
1678,3;
mit drîn helfanden sol ich dâ bî Tirol gamzen hetzen
[Adynaton]
Boppe
5:6,7
übertr.:
ey minne du wilt mich hetzen / sam ein valscher jeger tuot
[...]
MinneR 210
247
4
‘ein Tier jagen’, vom Löwen:
der leo væht gern den waldesel und hazt in von nâtûr
BdN
143,36
5
übertr.:
5.1
intr.
er hatzt aber auf di vart, / sam er da vor het getan, / vnd sprach den
chünich selb an Krone
1781;
du gebillest ader hetzest / mere denn ein frabeler kneht, / vnd ist das
nit der meide recht ebd.
17774;
nu waz die selb junchfraw bald / an triegen ungeletzet /
und waz auch vor gehetzet / gar oft an der mynnen spil / und hat sin auch
getriben vil Minneb
3916;
do der tivel hete gehetzet, / daz der bischof was entsetzet / des stuoles
ane seine schult, / daz enrach er niht mit ungedult Serv
793
5.2
tr.
ir mündel rôt / hât mich an si mit dienste gehetzet
SM:WvH
5: 3,10;
laden unde ouch hetzen / daz volk in gotes dienist
HeslApk
6706;
durch daz mich jamer hetzet uf clagende not dann uf gebet mit riwen
JTit
5120,2;
wand er mit riuwe und mit klage / die schulde niene beweinet, /
[...] daz ist daz in hie hetzet Tund
1686;
den mac eins fûlen âses stanc / villîht darzuo gehetzen, / daz er sich
drûf beginnet setzen LvRegSyon
2302;
wen her Herodem hatzte [dazu
aufstachelte] / daz her in des libes latzte
HeslApk
17089
5.3
refl.
liep unde lust, die han gesworen beide / zu stricke, swa sich wibes bilde
hetzet Frl
3:21,4
5.4
subst.
kêrt iuch niht an mîn hetzen Parz
298,29;
ougen spitzen, zene wetzen, / valsche rête, mörtlich hetzen
Renner
14168
MWB 2 1479,8; Bearbeiter: Plate |