hüener|ar
swM.
ein Greifvogel (Rotmilan?):
si [die Henne] sament
si [die Küken] under ir flügel und füert si und
beschirmt si vor dem weien oder vor dem hüenrarn BdN
193,7
MWB 2 1764,12; Bearbeiter: Richter
hüenerære
stM.
‘Hühnerhändler’
waz rehtes die hvͤnraer haben. swaz her in die stat
kumt, ez si hvͤnr wildiu oder zamiu oder wildpraete, aiger oder kaese oder
milhsmalz, swelh huͤnerer daz kaufet der ez anderstunt verkaufen wil, der ist
dem vogte funf schillinge schuldik, unde sol man im den markt verbieten
StRAugsb
49,5.
3,9
MWB 2 1764,16; Bearbeiter: Richter
hüener|bêre
stM.
Netz zum Hühnerfang:
die tiutschen wurden umbezogen / vor und hinden hin und her,
/ reht als mit einem hüenerbêr / umbezogen wirt ein kutt [d.i.
kütte
‘Gruppe (Hühner)’
]
Ottok
25509
MWB 2 1764,23; Bearbeiter: Richter
hüenerdarm
stM.
eine Pflanze (vgl. AWB 4,1383):
nem haselwurz und phorren und hunerdarm und stoz daz allez
zesamne BenRez
39;
moron: hvnerdârm, hunerdarm Gl
3:482,8
(BStK945);
ypia: huͤnrtarn VocOpt
50.156
MWB 2 1764,28; Bearbeiter: Richter
hüenerdienest
stM.
Anrecht auf Hühner (als Abgabe, Zins):
vnd iahen auch, wir hieten auf dem selben guͤt dorfgericht vnd imbiz
phenninge vnd huͤner dienstes ze hochzeiten vnd meͧlwâegen
UrkKlostern
1,248
(a. 1334)
MWB 2 1764,33; Bearbeiter: Richter
hüener|ei
stN.
‘Hühnerei’
huner eier sint gut. so si weich sin gesotin so deuwent si
sich lichte [lassen sich leicht verdauen]
SalArz
18,25;
ain vorscher, der die haimlichait der nâtûr ervorschen wolt,
legt hüenrair under ain küssein und sprach, er möht si sô lang dar under halten, unz
hüendl dar auz würden BdN
195,34
MWB 2 1764,38; Bearbeiter: Richter
hüenergebühele
stM. oder N.
‘Hühnerhügel (?)’, nur in einer Flurbeschreibung:
zwei blez reben, ligent an hvͤnre gebv́hele nebint den von Paris
UrkCorp (WMU)
1532,43
MWB 2 1764,45; Bearbeiter: Richter
hüenergëlt
stN.
Recht auf Hühner (als Abgabe, Zins):
wir Ofmya von Tuͦverse witwe, [...] haben
gegeben [...] dem nuͦwen spitale des Heilgen Geistes
zu Rotenburg [...] allez daz gut, daz wir haben zu
Nydernbreute, beides wingarten pfenningelt korngelt und huͦnergelt
UrkHohenl
2:280,23
(a. 1329);
den zehenden zuͦ Eberbach, zinse, phenninggelt, cappengelt,
huͤnregelt, phengnuͤsse von den vorgenanten guͤtern
UrkElsLoth
8,180
(a. 1349)
MWB 2 1764,49; Bearbeiter: Richter
hüenergülte
stF.
Recht auf Hühner (als Abgabe, Zins):
swaz er vnd sin styft da hat, es si an getreide wine pfenninge haller gense
vnd heͧnr gulten [...] vnd gemeinlich an allen
nuͤtzen gulten vnd gevellen die er in dem dorf hat UrkWürzb
40,IX
(a. 1336)
MWB 2 1764,59; Bearbeiter: Richter
hüenerhirne
stN.
‘Hühnerhirn’
gip im [dem Kranken] huner hirn mit
wine. vnde mit kolsamen SalArz
74,27
MWB 2 1765,1; Bearbeiter: Richter
hüenerhûs
stN.
‘Hühnerstall, -haus’
locus, ubi domuncula daz huͤnre hus fuit situm
UrbTennenb
365
MWB 2 1765,4; Bearbeiter: Richter
hüenerköufel
stM.
‘Hühner-, Geflügelhändler’
sein vater H. der huͤnerchauffel von Dyetfurtt
UrkRegensb
738
(ca. 1325-1350)
MWB 2 1765,7; Bearbeiter: Richter
hüenerlëbere
swF.
‘Hühnerleber’
der einen fladen woͤlle machen von fleische von den
wensten, so nim des vierteil kes dor zuͦ [...] vnd
tuͦ auch dor zvͦ huͤnerlebern BvgSp
91
MWB 2 1765,10; Bearbeiter: Richter
hüenerlêhen
stN.
Lehen, dessen Inhaber zur Abgabe von Hühnern u.a. verpflichtet ist:
bei der Chremse ain huenerlehen funfzehen huener, funfzehen aier, ein chese
UrbNOÖst
325
MWB 2 1765,14; Bearbeiter: Richter
hüenermengære
stM.
‘Hühner-, Geflügelhändler’ (als Bestandteil eines
Personennamens):
Theodericus Wient et uxor eius Friederunis comparaverunt sibi aream
[...] contra Wigmannum et uxorem Friderunim
Huͦnremengere, ita quod iure et sine contradictione obtinebunt
UrkKölnSchr
1,314
(a. 1197/1215)
MWB 2 1765,18; Bearbeiter: Richter
hüenermist
stM.
‘Hühnerkot’
mit hunyr mist unde mit harne wasche daz
phert [das die Räude hat]
Albrant
3,45
MWB 2 1765,25; Bearbeiter: Richter
hüenernëst
stN.
‘Hühnernest’
was sol ich uf mynem helme furen? [fragt der Junker, dessen
Knecht antwortet:] / [...] das sol sin
ein huner nist. / [...] / das wil ich vf vwern helm binden.
/ da sprach der junge wol getan: / ein huner nest muß ich han
JunghHeinr
1042
u.ö.
MWB 2 1765,28; Bearbeiter: Richter
hüenersmalz
stN.
‘Hühnerschmalz’
huswrze sohc [d.i. souc
‘Saft’
] ist goͮt den der ubele
gehoͮret. trophet im iz inz ore. miskis mit hiunersmalze
PrüllK
27;
mache im eine salbe [...] uon gense
smalc. vnde uon huner smalce SalArz
60,57.
80,19
MWB 2 1765,34; Bearbeiter: Richter
hüenersôt
stMN.
‘Hühnerbrühe’
mals [die Zutaten] zvͦ
sammene mit ezzige vnd mit huͤner sode BvgSp
26
MWB 2 1765,39; Bearbeiter: Richter
hüeniclîn
stN.
auch huoninclî(n), hoͮninchil, hunkilin,
hunckeln, hünkeln;
Dimin. zu huon (vgl. ahd. huoni(n)klîn AWB 4,1382 mit
Lit.).
‘Hühnchen, Küken, Vogeljunges’
pullus (hvͦn) vel pulcinus: huͦniklin, hunkilin
SummHeinr
1:163,720;
pulcinus: huneklin ebd.
2:65,252;
pulcina: hoͮninchil ebd.
2:428,02.17;
pulcinus: hunichlin Gl
3:465,17
(BStK926);
pullicini: huoninchli ebd.
3:671,11
(BStK287);
were da fehet eyn bermeysen, der sall geben eyn koppechte henen vnd tzwolff
hunckeln WeistGr
1,499
(a. 1338);
zwelf hünkeln ebd.
6,396
(a. 1338)
MWB 2 1765,42; Bearbeiter: Hansen
hüeren
swV.
→
huoren
MWB 2 1765,54;
hüetære
stM.
auch huotære, -er (
WolfdA
447,2;
WvRh
1872
), hoder (
Crane
3784
).
‘Wächter, Aufseher, Behüter, Beschützer’
man huetet ir [die Burg] unmassen
wol: / hundert wachtere, / di sind da hütere HvNstAp
7820;
ir [der Gefangenen] hüetære wârn
von Nûbîant Wh
414,30;
des [auf Gottes Frage, wo Abel sei] antwurte im
Câin, / ern wesse wâ er wære, / ob er ein huotære / sînes bruoder solde sîn?
Aneg
1585;
die selben unholden [die den König ermorden wollen, vgl. Est
2,21] / des kuniges huten solden / und hiezen sine hutere
Hester
445;
ein volkumer hueter oder gerhab [Vormund] vnd
versorger StatTrient
173;
eines hundis bellen / mac vil scâfe
irschellen [aufschrecken] ; / ob si rehtis hûtêris niht
ne haben, / er tût in michelen scaden SAlex
2541;
die bischov [...] solten des got
geniezen lan, / daz er si hat geschaffen / uber lein und uber pfaffen / ze hutær an
siner stat StrKD
107,247;
RvEBarl
2171;
PrOberalt
154,41;
Philipp
2193;
WernhMl
2637
u.ö.;
WvRh
1872.
12350;
Mechth
6: 4,6.
– zur Bezeichnung von Aufpassern, die die Minnedame bewachen:
waeren nû die huotaere alle gemeine / toup unde blint, swenne
ich ir waere bî, / sô mohte ich mîn leit / eteswenne mit sange ir wôl künden
MF: Mor
11a: 1,3.
– Aufseher im städtischen und ländlichen Bereich:
sîe sázton míh ze hûotâre in den uuîngarton.
mînen êigenen uuîngárton ne / móht íh behûotan
Will
12,1;
gewant daz in der padstuben wiert verlorn, daz gilt der hueter nicht
StRBrünn
394.
372;
UrkStraßb
2:259,29
(a. 1313);
WüP
106i,2
u.ö.;
StatTrient
151;
swer holtz in den voͤrsten [...] uber des
huͤters willen nimt, der sol ez gelten MGHConst
3:271,33
(a. 1281);
PrBerth
1:365,16;
UrkCorp (WMU)
1650,47.
– eine Schachfigur (vgl.
stathüetære
):
der snitzer daz niht sûmen sol: / daz er [der siebte
Bauer] ein hüetær sî bekant, / snîd er im in die rehten hant /
einn slüzzel michel unde grôz HvBer
8134
u.ö.
– von Engeln als Beschützern der Menschen:
die heiligen engel die uns von dem almæchtigen got ze
huͤtærn sint gesetzet PrOberalt
168,11;
so auer die mennesscen sundent, so werdent die goͮten
hoͮtære [die den Menschen zugeteilten Engel] so
sere geleidiget, daz ez nehein zunge errecchen mac Spec
110,20;
Lucid
123,5;
Mechth
4: 17,14.
– Term. ~
der bërinne (vgl.
bërnhüetære
) ‘Bootes, Bärenhüter (ein
Sternbild)’
der huͤter der perinne wirt undergetaukt in daz mer,
und der selb pernhuͤter ruͤrt deu merwazzer mit seinem gestirn
KvMSph
45,17
MWB 2 1765,55; Bearbeiter: Richter
hüetærinne
stF.
swF.
Eckh (B)
108,7.
‘Wächterin, Beschützerin’
do sprach vnser herre: so bit mich, [...] das ich
dich miner muoter enphelhe, vnd dir si ze einer huoterinun gebe, das si din phlege
ze aller zit Eckh (B)
108,7;
eya, reinú
vroͮw [Maria] , dez siest du hút ermant,
daz du sist alles mines lebennes ein stetú huͤterin und ein
getrúwú wiserin Seuse
321,11;
Suchenw
41,1097;
MügelnKranz
563.
2063;
MinneR 497
804.
– als Bestandteil von Personennamen:
Mechthilt, [...] dú Huͦterin von
Zouingen UrkCorp (WMU)
876,44
MWB 2 1766,41; Bearbeiter: Richter
hüetelærinne (?)
F.
wohl ‘Hutmacherin, Frau des Hutmachers’ (vgl. BerufeFrankf, S.
60b):
die hudelern UrkFrankfJud
349
(a. 1341)
MWB 2 1766,52; Bearbeiter: Richter
hüetelîn, hüetel
stN.
auch huotelin. Dimin. zu
huot
.
‘(kleiner) Hut, Mütze’
er truoc ein kriechisch hüetelîn / ûf sînem grâwen kopfe
KvWTroj
4540
u.ö.;
witwen und e frowen, / die [...]
tribent maͤnigen velsch / mit huͦteln, kappen und so welsch / gant daz
man nit erkennen kan / ob si sint megt oder habint man SHort
4802;
cidaris, tiara, infula: huotelin SummHeinr
1:319,30;
Tr
4068;
ClosChr
105,10;
BdN
383,13.
– ein Kopftuch (?):
wint ein hüetel um dîn hâr! Neidh
SL 21:4,4.
– zur Polsterung unter dem Helm getragen (s.a.
hûbe
2):
als er [Erec] den helm abe gebant, / sîn knaben
wâren dâ zehant / und lôsten im daz hüetelîn Er
2640.
8966;
helme und ouch diu hüetelîn / diu wurden schiere ab genomen
UvZLanz
6838
MWB 2 1766,55; Bearbeiter: Richter |