harnbrunne
stM.
‘Urin’
diu plâse [...] ist ain vaz des
harmprunnens BdN
34,11
MWB 2 1211,46; Bearbeiter: Plate
harnen
swV.
bair. harmen (immer BdN ).
‘urinieren, Wasser lassen’
swer den stein hat, der harnet mit grozeme smerzen, vnde mit
grozen engesten SalArz
58,50;
der vor harnstein niht geharn muge BenRez
46.
16;
der mit arbeiten harnet Macer
96,3;
daz harn, daz er [der Kranke] geharnet
habe vor mitter naht Barth
135,21;
wan der siche daz wazzer von vm harnet Barth (H)
470;
der dahs daz fluhet, / da der fuhs geharnet hat
Minneb
3731;
Aristotiles spricht, der leo heb sein pain auf sam ain hunt wenn
er harmt BdN
143,28;
reht pfeffer hât die art, wer sein wênich izt, der harmt wol
ebd.
374,3
MWB 2 1211,48; Bearbeiter: Plate
harniʒ
stM.
→
hornuʒ
MWB 2 1211,60;
harnstein
stM.
bair. harm- (BdN ).
‘Harnstein’ (in Blase, Harnleiter und Harnröhre):
der vor harnstein niht geharn muge BenRez
46;
der den harnstein hab, der nem daz cruht daz da heizet steinpreche
ebd.
57;
ist daz harn milchevar unde luzil dunne, sô hât der mensch den
harnstain in der blâter Barth
130,9;
in swelcheme harne grozer griez lit an dem bodeme. der bezeichent
einen harn stein in den lenden SalArz
115,41;
wil dû den harenstein vil gewislîchen brechen, sô merche dise
erzenîe Barth
148,33;
[Petersilie] ist guot für den harmstein BdN
413,29;
PrBerth
2:49,27.
2:51,35
MWB 2 1211,61; Bearbeiter: Plate
harnvaʒ
stN.
Gefäß zur Aufnahme einer Urinprobe, ‘Harnglas’, oder: zur Verrichtung der
Notdurft?:
ez wære ein unedel gewohnheit, der einen güldîn kelich wol gezierten mit edelen
steinen [...] wolte ze eime harnvazze [sc.
benutzen] oder daz alse bœse [unedel,] ist
DvAOff
54
MWB 2 1212,10; Bearbeiter: Plate
harnwaʒʒer
stN.
bair. harm-.
‘Urin’
[Quellwasser] ist leiht und lauter und entsleuzt den leip und
macht dem harmwazzer weg BdN
104,1;
[Anis] mêrt auch der frawen milich in den prüstlein und pringt
[erzeugt] daz harmwazzer vast ebd.
385,6;
sô benimt man im [dem Auripigment] der
dünst [...] mit waschen in ainer laugen oder in harmwazzer oder
in ezzeich ebd.
477,34
u.ö.
MWB 2 1212,16; Bearbeiter: Plate
harnwinde
swF.
bair. harm- (BdN ).
‘Harnzwang, Zwang zu häufigem Wasserlassen, das nur tropfenweise möglich ist’
ad difficultatem mingendi [...] den div
harnuinde daret [austrocknet]
Ipocr
175.
183;
fur die harnwinden. ob du nit harnen mugest BenRez
16;
vnde machit uil. vnde gewinnet den harn kume. vnde hat di harn
winde SalArz
60,23;
Barth
149,33;
BdN
343,34.
364,14
MWB 2 1212,24; Bearbeiter: Plate
harpfære
stM.
‘Harfenspieler’
der vil heilige geist gewîste Dauidin, der herphare was, der den
saltir tichte Spec
76,2;
PrOberalt
113,18;
VitasPatr (P)
10,18;
Vät
26119;
der himelsche harpfer David von dem froͤlichen himelschen lande
Seuse
432,11;
also hast du, Judas, [...] den herren din verlaͮn, /
Jhesum, den suͤssen harpfer guͦt / der alle herzen froͤlich tuͦt KvHelmsd
1323;
[Christus im Himmel,] der wolgebaere, / der heiligen herpfaere
/ und der mägde organist WvRh
1958;
Orpheus der mâre, / der gûte harphâre En
3108.
–
sie heizin in wille kume sin / den richen harfere
Roth
2526;
Marke [...] losete sêre
[...] einem leiche, den ein harpfær tete
Tr
3510.
3529.
3621;
hundert harpfære / die machten dâ vil süezen dôn. / darumbe wart in guoter lôn
StrDan
8160;
Tannh
5,116;
daz wir [...] erlovbet haben, ein badhovs ze machen
zwischen des hærpheres hovse vn̄ des spitals bachhovse UrkCorp (WMU)
1331,9;
LaurinA (L)
975;
BdN
236,4.
236,5.
236,7
MWB 2 1212,32; Bearbeiter: Plate
harpfærinne
stF.
‘Harfenspielerin’, übertr. von Maria:
so mug wir vernemen din suͤzen sanc, / der allersuͤzster harpen
klanc, / den in dim herzen sanc diͤ minne, / ei allerminsamst herperinne
MarlbRh
77,8
MWB 2 1212,52; Bearbeiter: Plate
harpfe
F.
‘Harfe’ (zu Organologie, Spieltechnik, Repertoire, sozialem Status u.a.m. nach
den Stellen in der höfischen Erzählliteratur vgl. Eitschberger, Musikinstr.,
13-33):
cithara: harpfe PsM
32,2;
der kuninc [...] bademe [=
bat ime
] sine harfen dar tragen Roth
167;
ir vingere die kunden [...] ûf der
harpfen vüeren / die dœne mit gewalte Tr
7992;
sîne harpfen er [Tristan als spilman
] ze rucke nam ebd.
13390.
16644.
17214.
–
einis tags den kúnig begie / nah gewonheit sin unsin. / mit
einir harpfen gie fúr in / David und woltim sinin muͦt / machin sempfter
RvEWchr
24452;
[die] vier und zwênzic
eldesten[...] di hîlden ire harfin EvBeh
6;
der abgot Apollo, der het ain härpfen in der hant
BdN
432,31.
–
doch muz man der seiten klanc / nemelich an der harfen /
irholn mit negelen scharfen / und mit der vingere ballen, / nach dem die noten
gevallen HeslApk
9707;
die schafseiten [...], / die man an
der harfe zuet / mit wirbelen uf und wider, / dise ho, jene nider ebd.
9736.
–
harpffen man da griffen / mitt schnewissen henden sach
GTroj
622;
ein wenig ich doch solde / mein herphen rueren
HvBurg
215;
der jungling [...] begonde sin
harphen reisen und schone uf klenken Seuse
323,3;
die harfe hat vil süzen sanc, swer kreuwet ir nach prise Wartb
(H)
397:16,7;
die herpfen ward dar getragen. / sie ward maisterlichen
geschlagen / mit kosperlichen donnen / von der werden schonen HvNstAp
1752
MWB 2 1212,57; Bearbeiter: Plate
harpfen, herpfen
swV.
‘(jmdm. [als Zuhörer] / etw. auf der) Harfe spielen’
hie in dirre welt ist ein wolleben an mannen vnde an schonen wip,
guͦt gewant, schonez gezimber, suͦze gesanc, guͦte mere, gigen vnde harpfen,
[...]
Lucid
151,9;
harpfen unde gîgen / und allerhande seiten spil, / des kund er mê
danne vil, / wand ez was dâ lantsite UvZLanz
262;
sînes werkes er begunde, / er harphete an der stunde / sô rehte
süezen einen leich Tr
13320.
17210;
sus bâtens in, er harpfet in ebd.
7665.
7824;
nu harpfe mîner vrouwen wol! ebd.
13350;
der selden riche / was vor dem kúnege ellú zil, / mit harfen
und mit seitenspil / irvroiter sin gemuͤte gar RvEWchr
23924;
weder arzet noch erzenîe half in niht, wan herpfen. die wîle man im herpfete, sô
wart im ein wênic senfter PrBerth
2:231,36;
dô pat der selb härpfær die schefläut, daz si in vor ain klain
liezen harpfen BdN
236,6.
– sprichwörtl. und redensartl.:
mich dunket niht, daz ieman sül / ze lange harpfen in der mül
Freid
127,1;
ich enwil niht werben zuo der mül, / dâ der stein sô riuschent umbe gât / und
daz rat sô mange unwîse hât. / merkent, wer dâ harpfen sül Walth
65,16;
swaz ich ir gesinge, deist gehärphet in der mül: / sî verstêt es ninder wort
Neidh
WL 23:2,1;
Helbl
4,814;
SalMark
353;
swer dumben herfet, der fliuset sin arebeit
Wahrh
70;
ein man mac sich wol selben touben, / der einen esel wil harpfen lêren / und
sôgetâne liute wil bekêren Renner
23593;
o we, das ich so lang an einen stul geharpft han! / ja han ich nicht trost,
das mich ir lon von sorgen pring Neidh (S)
2,186 c100:2,6;
bî sûren herzen ist harpfen unwert Renner
5848.
– übertr.:
[des Dichters] zunge, diu die harpfen treit, / diu hât zwô
volle sælekeit: / daz sint diu wort, daz ist der sin: / diu zwei diu harpfent under
in / ir mære in vremedem prîse Tr
4708
MWB 2 1213,22; Bearbeiter: Plate
harpfenier
stM.
‘ Harfenspieler’ (Rosenqvist 2,264):
des gûts [...], daz her Chvͦnrat de Vͦsenwanger der
chælnær von Schêftlæren choͮft hat von Chvͦnrad dem hartpenier vmb fîvmf phûnt
UrkCorp
1043,12
MWB 2 1213,59; Bearbeiter: Plate
harpfenklanc
stM.
‘Harfenklang’
in den oren harpfen klang / und aller seiten spil gesang
HvNstGZ
7726;
suͤsser wise hat der sang denne tusent seiten oder harpfen klang
Mechth
4: 23,11;
wer saget uns von herpfenklanch, / der patriarchen sußen sanch, / den si singen in
psalterio MvHeilGr
2001;
er wolde den kuͦnc Davide mit siner harfen dare senden, daz er mit sange und mit
harfen clange der selen vroude mechte HlReg
40,19;
sî sungen wunneclîch gesanc, / dar under süezen harpfenklanc Virg
1033,5;
Virg (St)
839,12.
– übertr.:
uffe dem criuce er wart gedenet, / durch daz er wære ein harphenclank / dem
der sich nâch minnen senet, / so diz bedæhte sîn gedanc VilwerdeSele
82
MWB 2 1213,63; Bearbeiter: Plate
harpfenspil
stN.
‘Harfenspiel’
der spilman huob aber an: / sîn harpfenspil er aber began / sô
rehte suoze bringen Tr
13358;
ir lîren unde ir harpfenspil / sluoc si ze beiden wenden / mit
harmblanken henden ebd.
8064.
7803;
die megte sungen süezen sanc / den vürsten dâ ze prîse: / dar under harpfenspil
erklanc / in süezer heller wîse Virg
987,9;
KvWPart
14206
MWB 2 1214,14; Bearbeiter: Plate
1harre
stF.
= → arre stF.; Gabe des Bräutigams zur Verlobung (vgl. HRG 5,764 s.v.
’Verlöbnis’); übertr.:
ouch gâben sie der stêten [bei der Einkleidung als
Nonne] / an ir hant ein vingerlîn: / den mâlschaz unt die harre sîn, /
der uns alle samen geschuof EbvErf
3408;
ich man dich nach der schrifte sage / daz man dich am achtem tage
/ nach der alten ê besneit, / da du mit grozer senfticheit / verguzze dein vil raines
pluͤt / durch mich, herre guͤt. / des gæb du die harre an mir, / des solt ich immer
danchen dir GvJudenb
375
MWB 2 1214,22; Bearbeiter: Plate
2harre
stF.
‘Verharren, Beharrlichkeit, Ausdauer, Dauer’
so sluogen dise den bal, / die liefen die barre, / hie mit gæhe, dort mit harre, /
so schuzzen jene zuo dem zil Mantel
303;
und dî wîle der narre / sus in des zwîvils harre / trûg
unvoreinet sînen mût NvJer
22545;
ûf diser werlde harre Hadam
269,2;
JTit
1755,2.
2275,2
MWB 2 1214,33; Bearbeiter: Plate
härre
swF.
ahd. (10./11. Jh.) harra (vgl. AWB 4,726; SchweizId
2,1517-19)
‘Schleife, Schlinge (als Vogelfalle)’
[der Vogel] fliuget in den lüften / frî von allen sorgen. /
offen noch verborgen / kan im niht arges werren. / der aber im ein herren / verbirget
und verstophet, / iemer mê sô hophet er / unz daz er dinne wirt behaft. / wirt er der
herren schadehaft, / dâ ist sîn wille schuldic / Reinfr
4882.4888
MWB 2 1214,40; Bearbeiter: Plate
harren
swV.
‘ warten, verweilen, ausharren’
Bonalde von Mafarren, / des hêr kunde niht harren: / er gahte
vaste gein der wer Rennew
21786;
Wh
390,30;
und lâ der stete gesinde / dâ beiten unde harren
KvWTroj
30301;
swie wir langer harren / so sin wir verdorbin Martina
111,82;
vor libe ich mag nicht lenger geharren / hy uff desim ertrich, / gar sere erlanget
mich noch dich MarSp
993;
vnd daz volk was beitent Zachariam. vnd si wunderten sich daz er
so lange harret in dem tempel EvAug
123,21;
Ottok
40480;
Helbl
15,352;
Renner
16961;
Vät (K)
389;
LivlChr
1093.
– mit Gen.d.S.:
want sî dâ wol achte tage / mûstin harrin der lâge / lîdinde
[...] an spîse mangil grôz NvJer
19379.
–
ûf etw.:
wir sehen ofte manigen narren / ûf eines andern erbe harren, / der selbe vil ê
wirt begraben / denne jener des erbe er wolte haben Renner
6512
MWB 2 1214,48; Bearbeiter: Plate
harrieren
swV.
→
hardieren
MWB 2 1215,1;
harrunge
stF.
‘Ausdauer, Beharrlichkeit’
si haben eine sende harrunge nâch gote HvFritzlHl
166,7.
231,33
MWB 2 1215,2; Bearbeiterin: Herbers
harsac
stM.
→
horsac
MWB 2 1215,5;
hârschære
stF.
‘Haarschere’
forpex : harschere. harschære Gl
3:638,62
MWB 2 1215,6; Bearbeiterin: Herbers
harscher
stM.
‘Kriegsknecht’
do komen doͤrt her fúr vier [...]
[oder] fúnf verruͦchter harscher Seuse
75,4.
83,7
MWB 2 1215,8; Bearbeiterin: Herbers
hârschopf
stM.
‘Haarschopf’
verworren harschopf [...] den treit ein jungelinch
Jüngl
74
MWB 2 1215,11; Bearbeiterin: Herbers
hârsip
stN.
z.T. mit r-Schwund hasib, hêsip.
‘sehr feines Sieb aus (Ross-)Haaren’
sedacium: harsib SummHeinr
1:369,383;
sedacium: hesib ebd.
2:89,45;
sihe ez denne durch ein rein tuͦch oder durch ein harsip in ein
rein vaz BvgSp
14;
die dâ gefüege / hêsip zhanden gerehtent [zurecht
machten] / und die ûz holze korbel flehtent Ottok
65701;
mit hæsibn UrkGeisf
436;
EnikWchr
5379
MWB 2 1215,13; Bearbeiterin: Herbers |