Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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hâ – haber-
haberlîte – hachelen
hachelwërc – hage
hage- – 2hagen
hagen- – halbe
halbe – hallergëlt
hallergülte – halphimel
halp|hunt – halpvaste
halpvierteil – halser
halsgebeine – halsveste
halsvlinken – hamerslac
hamerslahen – hanef
hanef|âkambe – 1hansen
2hansen – hantgiften
hantgiftphenninc – hantsalbe
hantschmänt – hantvestlich
hantvestunge – hârbendelîn
hârblôʒ – hârlouf
harm – harnaffe
harnasch, harnas – 1harre
2harre – hartruore
hartsinnic – haselbir
haselbluome – hasenvleisch
hasenwint – havendierne
havengazzer – haʒʒiclich
haʒ|zorn – heberînmelwer
hebesal – 3hecken
heckenjeger – hegelîn
hegeln – heidenisch
heidenischheit – heilalle
heilant – heilige
heiligeistlîcheit – heilvuorlich
heilwâc – heime suochen
hei|metze – heimvart
heimvartlich – heitber, heidelber
heiter – heiʒmuot
heiʒsühtic – hëlfebære
hëlfebërnde – hëlkleit
helle – helleglocke
hellegluot – hellemunt
hellemünzer – hellerigel
hellerîs – helle-
hellesun – hellevreisærin
hellevunke – hëllunge
helm – hëlmschîn
hëlmschirbe – helwërtwitze
hely – hendewinden
hendewringen – hennenvuoʒ
hentschuocher – herbërgen
herbërgerîe – hêre
herebërge – hergesidele
hêrgesidele – hêrischheit
hërkêre – Herodære
Herodiane – hêrrennôt
hêrrenphruonde – herschrîære
hêrschunge – hertes
hërtgëlt – hërverloufen
herverten – hërzeblüete
hërzebluot – hërzekrachen
hërzekranc (?) – hërze|nabele (?)
hërzenandâht – hërzenvride
hërzenvrô – hërzestôʒ
hërzesüeʒe – hërzevrouwelîn
hërzewaʒʒer – heselîn
heselîn – hîbære
hichela – hierunder
hiesch – himelbalsem
himelbære – himelgesanc
himelgesinde – himelknabe
himelknolle – himelpalas
himelphat – himelschheit
himelschlich – himelstîge
himelstîgunge – himelval
himelvane – himelvürste
himelvürstin – hinde
hinden – hindergêunge
hindergrîfen – hindernisse
hinderrât – hinderstelle
hinderstellic – hinderwërtlingen
hinder wîchen – hinker
hinkêre – hinnëben
hin nëmen – hînt
hintber – hinwërt
hinwësunge – hirngupfe
hirnhût – hirtelîn
hirtelôs – hirʒmilch
hirʒ- – hiu
hiubelhuot – hiuten
hiutezucker – hôchgebirge
hôchgebluomet – hôchgenant
hôchgenende – hôchgewaltic
hôchgewîht – hôchmeister
hôchmësse – hôchvart
hôchvart – hôchzîtkleit
hôchzîtlich – hœhe
hôheclich – holde
hölde – hol|loch
hol|louch – holzapfelîn
holzban – holzheit
holzhërre – holzschuoherin
holzstîc – honec
honec|bluome (?) – honec|tranc
honec|triefende – hônheit
honic – hopfenziech
hopferebe – horgen
horgewat – hornicsprenget (?)
hornîn – horten
hortgadem – hospitâl
hossen – houbeten
houbet|êre – houbetkleit
houbetklôster – houbetman
houbetman|ambet – houbetsachwaltære
houbetschande – houbetsünde
houbetsündic – houbetwaʒʒer
houbetwëgen – höuptinc
höurëht – höuwezëhende
houwic – hovegeselle
hovegesinde – hovelich
hovelîche – hovephenninc
hovephliht – hoveschar
höveschære – hovestatzins
hove|stetære – hovezins
hovezorn – 1hûchen
2hûchen – hüenerhirne
hüenerhûs – hûfeht
hufel – hügenisse
hügenumft – hüllenwëbære
hüllenwëbærinne – humerâl
hummen – hundertweide
hundesber – hungergîtic
hungerhâr – hunt
huntaffe – huobdinc
huobe – huof
huofblat – huorgelust
huorgelustic – huotelôs
huote|strëbe (?) – hurmelen
hurnaʒ – hurticlich
hurtieren – hûs|êre
hûsgëlt – hûslode
hûslôs – hûsvrouwe
hûswer – hûwen
hûwen – hy

   hege (?) - heidenbein    


hege (?) stMF. ‘Verhau, Palisadenwerk’, hier übertr. ‘Verteidigung’ (vgl. → gehac , gehege 3): sie hetten enhein hege [l. gehege? (Klein/  Bumke, Index S. 171)] HerbB 14549

MWB 2 1246,39; Bearbeiter: Bohnert

hegedruose (-druos?) stF. auch heig-, hei-. 1 ‘Keimdrüse(n), Hode(n)’
2 ‘Geschwulst an den Schamteilen’
   1 ‘Keimdrüse(n), Hode(n)’ niderhalb des magen gêt ein wazzersaga / in die blâterun untir zwisken hegedruosen Gen 182; [ der gehe dot ] bestunt di lute umbe di hegetruse PrMd 10 (vgl. ZfdPh 15 [1883], S. 268); PrLpz 196,3; mit einem gelupten sper / wart er [...] wunt [...] / durch die heidruose sîn Parz 479,12; ingues [La. inguen ] : heigdruͦse SummHeinr 1:133,241; weitere Glossenbelege aus mhd. Zeit s. AWB 4,793f.    2 ‘Geschwulst an den Schamteilen’ daz fiuer ist uon einer heidrus oder uon einer druse vnder den achseln. oder uon einen geswer an einer andern stat SalArz 68,26

MWB 2 1246,43; Bearbeiter: Bohnert

hegeholz stN. ‘geschonter Wald, Schonung’ wizzet herre, daz si [die Mönche] in [den Bauern] iren [l. ireu ] phert genumen haben in irem rehten hegholz, daz si angehœrt WeistGr 6,99 (a. 1348), zum Text dieses Weistums mit Erläuterung s. M. Hofmann, Stud., Mainfränk. Jb. f. Gesch. u. Kunst 13 (1961), S. 115ff.

MWB 2 1246,56; Bearbeiter: Tao

hegelich Adj. vgl. → behegelich Adj. und hagelîche Adv. ‘wohlgefällig’ [jmd. handelt] widir di gebot gotis und wider ein got hegeliches leben Cranc Vorr. Os 304,16

MWB 2 1246,63; Bearbeiter: Bohnert

hegelîn stN. ‘Gesträuch, Wäldchen’ ein halb acker nebent hern Wilhelme vffes hegelin UrkCorp (WMU) N101,28

MWB 2 1247,3; Bearbeiter: Tao

hegeln swV. ‘etw. (Holz) übereinanderlegen, schichten’ dar nach sach ich uff im [dem Wasser] sweben / holtz uff ein ander gehegelt, / gebort und geschregelt / in aller der wise sam ein flos Minneb 39

MWB 2 1247,6; Bearbeiter: Tao

hegen stM. 1hagen

MWB 2 1247,10;

hegen swV. 1 mit Akk.d.S.
1.1 ‘etw. um-, einzäunen, abgrenzen’ ;
1.2 urspr. ‘den Gerichtsplatz abgrenzen’ , übertr. ‘eine (Gerichts-)Versammlung eröffnen, abhalten’ (zur Sache vgl. 2 HRG 2,866-868)
1.3 ‘etw. (z.B. Wiese, Wald) hegen, pflegen, schonen’
1.4 ‘etw. (auf-)bewahren, behalten, (über eine lange Zeit) haben’
2 mit Akk.d.P.
2.1 ‘jmdn. in bestimmter Absicht einkerkern’
2.2 ‘jmdn. als Gast bei sich aufnehmen’
2.3 ‘jmdn. beschützen’
2.4 ‘jmdn. unterstützen’
3 refl.
   1 mit Akk.d.S.    1.1 ‘etw. um-, einzäunen, abgrenzen’; Wiese, Weide, Garten: ungewunnen [unbearbeitetes] lant, swer dâr uber vert, ez en sie ein gehegete wese, her blîbt es ân wandel SSp (W) 2:47,5; swaz begriffin wirt in gehegidir weide odir in gartin RbGörlitz 110; Salomon hete uf dem berge Libano / einen beslozzen garten gehegit Brun 5335 (oder zu 2?) – ‘(Wildtiere) in einem Gehege halten’ swer wilde tier hegen wil bûzen banvorsten, der sal sie binnen sînen beworchten geweren haben SSp (W) 2:62,3. – hier anzuschließen: ‘Wildtiere in einem Gebiet durch Einfrieden für sich beanspruchen’ daz wilt in deme walde unde alle wilde vogile die hat allin liutin gemeine gegebin got. dar umme ist daz unrecht, daz sie die vorstin unde die herrin gehegit haben in iren waldin unde in iren wisen RbGörlitz 104    1.2 urspr. ‘den Gerichtsplatz abgrenzen’, übertr. ‘eine (Gerichts-)Versammlung eröffnen, abhalten’ (zur Sache vgl. 2HRG 2,866-868): GrimmRA 2,483 (1. Aufl. S. 851) unde wenne man vardinc haben sal, so sal der selbe richter sin dinc hegin zu rechte also: [...] StRFreiberg 213,4; do gehegit was daz ding Brun 5091; do hegeten di urborer ein geding und sosen ein gerichte BgRIglau 434,9; von richteren, di nicht hegen / recht gerichte Hiob 7430. 11083; SchöffIglau 104; so wil ich / ouch des lan entgelden dich / und daz recht an dir hegen Pass III 481,41; durch waz wolden do den spot / unser vetere anlegen / und die samenunge hegen, / die im [Jesus Christus] riet an sin leben? ebd. 273,50. 109,54. gehegtes dinc ‘eingefriedeter Gerichtsplatz, ordnungsgemäß abgehaltenes Gericht’, das in einem solchen Gericht rechtskräftig ausgesprochene Urteil heißt gehegtes urteil: ofte ein man ein wip nimet, stirbit die man, daz wip nehauet in sime guͦte nicht, herne habiz ir gegeben in gehegeteme dinge oder zuͦ libgedinge UrkCorp (WMU) 51,24; ob ein schepphe in gehegeteme dinge uf der bank mit vnbillichen worten van einem manne missehandelet worde ebd. 2265,11; diz [Strafe] wolde man volbrengen / nach gehegetem urteile Pass I/II (HSW) 13507; Vät 36608; StRGörlitz 456; weitere Belege JelinekWB, S. 357    1.3 ‘etw. (z.B. Wiese, Wald) hegen, pflegen, schonen’ sie heget einen anger mit rôsen wol bekleit RosengC 165; alle gemeinen holzer ze Mergentheim zehen jare nach sante Walpurc tage nu nehest ze haigenne vnd ze hegenne ane allen vare UrkCorp (WMU) 3304AB,4; wenich sparen vn̄ hegen / kans duͦ lijf vnde goyt MinneR 484 174. – allgemeiner: ‘etw. in guter Verfassung halten’ diz weste wol der gute got, / daz die lieben jungere sin / [...] sin werc mit vlize hegen, / allez hin zu sime lobe Pass I/II (HSW) 10684; sô Gibbelîn zûlegete / dem rîche und daz hegete NvJer 1487; daz wir den selben rat setze und gebot halten und hegen und daran gemein und gelich sin dem armen als dem riͤchen ane geverde WüP 10,10; hege din altez recht Frl 9:12,19; welt ir hegen / recht und gerichte ebd. 9:15,16. – ‘eine Sache fördern, unterstützen’ daz man dâ hegit arge tât, / swâ man ir nicht widirstât NvJer 20260; den, die den obgenanten auflauf [Aufstand, Aufruhr] gemachet, geheget und gefuͤret haben NürnbChr 3:332,44 (a. 1349). 3:333,5    1.4 ‘etw. (auf-)bewahren, behalten, (über eine lange Zeit) haben’ di wile wir hi bi uns hegen / dirre toden vrouwen as Pass I/II (HSW) 40824; ouch hegte und bewarte / der vorgenante êwarte / ein burnde vûer immir mê / nâch gewonheit der aldin ê NvJer 4053. do wolde er nicht sin leben hegen / uf daz kumftige ungemach [und tötete sich selbst] Pass I/II (HSW) 8194; bi alle disen sachen / so hete er eine groze tugent / an im geheget von der jugent ebd. 14398; daz si vurwart iren ruch / solde uf unsern herren legen / und im ir kuscheit immer hegen Pass III 291,96. der [ brunnen ] von im selben keinen frischen ursprinc heget Frl 5:73,7; rosen hegen scharfen dorn ebd. 14:8,5; der tîch [...] gûtir vische gnûc / zu der Schalouwin nutze trûc, / [...] nû hegit er ôt [nur] crotin NvJer 16074    2 mit Akk.d.P.    2.1 ‘jmdn. in bestimmter Absicht einkerkern’ den guten man / liez er in den kerker legen. / er wolde in uf daz urteil hegen, / daz von Rome queme uf in Pass I/II (HSW) 26566; er liez sie durch unere / in den kerker balde legen / und uf grimmen tot hegen Pass III 328,84    2.2 ‘jmdn. als Gast bei sich aufnehmen’ sô daz er [...] des geloubin vînde, / dî Littouwin, ofte pflac, / swen sî quâmen, nacht und tac / hûsen unde hegin / und iren bruch irlegin / mit vrûntlîchim spîsen / ûf sînre burc NvJer 20238; sullin allir der viende sin, die sie huseten adir hebten, hegten adir fuͤten UrkFriedb 126 (a. 1334); swer auch schedelich luͤte heltet oder heget, oder der sie samnunge wizzenklich in sinem huse lezzet haben WüP 38,2 (oder zu 2.3 oder 2.4)    2.3 ‘jmdn. beschützen’ do wolde got der gute hegen / die sine cristenliche diet Pass III 281,24; daz mit decheiner ursage ieman irbalde den anderin mvnich besirme oder hege BrHoh 69    2.4 ‘jmdn. unterstützen’ dar uf begonden in do hegen / die bosen Pharisei Pass I/II (HSW) 24456    3 refl. – ‘sich sammeln’ (?): wazzer, daz [...] in der wise sich ergoz, / als sich ein regen da solde hegen Pass III 280,21. – ‘auf etw. warten’ manic sieche drumme lac, / der dar uf sich hegete, / [...] daz er zum ersten queme / drin [in den heilbringenden Teich Betesda] Pass III 269,43

MWB 2 1247,11; Bearbeiter: Tao

hegenheit stF. Gelegenheitsbildung, wohl ‘Pflege, Hegung’ (vgl. FrlWB, S. 145): hochvart [hohe, vornehme Gesinnung] versmehet nidere dinc, die sint ungehiure, / die schande und al ir hegenheit Frl 5:41,6

MWB 2 1248,56; Bearbeiter: Tao

hegenîn Adj. ‘aus einem Dornstrauch (Weißdorn?) gefertigt’ daz si dar ubere [über die geschlachteten Tiere] sezzent ire chinder / mit hegininen hâckun daz si die âder ûz chracen Gen 1549

MWB 2 1248,61; Bearbeiter: Tao

hege-, hag(e)tûbe swF. zu Wortbildung und Bed. s. AWB 4,796 s.v. hegitûba. – eine Taubenart: palumbes: hagetuba, hegetuba [La. heitubin (Nom. Pl.)] SummHeinr 2:407,229; hactavb UvLil 257r 45; weitere Glossenbelege des 12. Jh.s s. AWB (s.o.)

MWB 2 1249,1; Bearbeiter: Bohnert

hegge F. hecke

MWB 2 1249,6;

hegunge stF. 1 ‘Eröffnung des Gerichts’
2 Schonungszeit, in der ein Wald gegen Holzfällen geschützt ist
   1 ‘Eröffnung des Gerichts’ noch der hegung des gerichtes quamen dy, dy den toten vorderten, vnd warten des rechten SchöffIglau 144    2 Schonungszeit, in der ein Wald gegen Holzfällen geschützt ist: pro custodia fovenda, quod vulgariter hegunge nuncupatur, in villa, nemore et campis UrkWürzb 39,550 (a. 1335); binnen der heͤguͤnge, durfte kein gebwͤrͤ [= gebûre ] zymmers zu syme gebuͤwe, der sal komen vor dy ratmanne zu F. DRW 5,558 (NeuzelleUB.; a. 1345)

MWB 2 1249,7; Bearbeiter: Tao

hëher stMF. ‘(Eichel-)Häher’, auch als Bezeichnung für andere Vogelarten (vgl. AWB 4, 797f. und Suolahti, Vogelnamen, S. 198ff.): von dem heher. garrulus haizt ain heher, und ist ze latein als vil gesprochen als ain klaffer, [...] wan er ist kläffischer dan kain ander vogel [...]. er [...] mag selten ain ander vogel für in gevliegen oder gehupfen, den er niht anschrei. er äntert [imitiert] all ander vogel mit der stimm [...] reht sam er ir spot BdN 199,6; iuwer iegeslîchen hât diu heher / an geschrîet ime walde: / alsô wart ouch dort der alde [Heimrich] / durh sînen strît beruofen [gemeint: er wurde durch Warnrufe gemeldet] Wh 407,10; di zwene [...] spotlich beschriet selten het der hehere JTit 2078,4; Renner 13258. – in Glossen: orix, glandare: hehera SummHeinr 1:163,712. 2:65,246. 2:146,5; attacus, attactus: hehera ebd. 2:161,197; picus: hehera ebd. 2:413,312; nicedula: huwel, heher VocOpt 44.167; ornix: heher 44.170

MWB 2 1249,17; Bearbeiter: Tao

hehsenen swV. ‘(Fuß-)Sehnen durchschneiden’, Glossenbelege aus dem mhd. Zeitraum s. AWB 4, 608f. s.v. hahsinen und hahsinôn

MWB 2 1249,36; Bearbeiter: Tao

hei, heiâ Interj. auch verdoppelt. 1 meist vor einem Ausrufe- oder Wunschsatz, zum Ausdruck verschiedener Affekte
1.1 zum Ausdruck des Staunens, der Verwunderung
1.2 zum Ausdruck der Freude
1.3 zum Ausdruck eines Wunsches
1.4 zum Ausdruck der Klage und Trauer
2 heiâ (nu) hei als Schluss-Ansage eines Tanzleichs
3 zur Verstärkung einer Anrede, als Zuruf
4 als Signal eines Widerspruchs
   1 meist vor einem Ausrufe- oder Wunschsatz, zum Ausdruck verschiedener Affekte    1.1 zum Ausdruck des Staunens, der Verwunderung: heia waz der kaffere was Roth 247; hei wie dicke er noch genas / dem er [Gott] genædic wolde wesen! Er 8857; hey waz man rîcher spîse den edeln jegeren dô truoc! NibB 963,4. 1376,4. 2003,4 u.ö.; hei waz dâ guoter knehte / gevellet unde geveiget wart! Tr 1670; hei, wie er gap unde lêch! MF:Her 1:3,3; hei, wie manigen muot und wunderlîche site / si tougenlîche in ir herzen tragent! MF:Reinm 20: 3,3    1.2 zum Ausdruck der Freude: heia, mine uil lieben, wie salic div sele ist, div daz garnet, daz si dort der heiligen engele gesellescaft besizzet Spec 140,4; ist aber, daz dir wol gelinget, / sô daz ein guot wîp dîn genâde hât, / hei, waz dir danne fröiden bringet, / sô si sunder wer vor dir gestât Walth 91,37; swer nu liebe nâhe lît, / hei wie der ân allen strît / kan mit fröuden heilen / sender wunden vil! KvWLd 11,25; hei wie wunniclich ein schar, / dâ diu vil reine Trinitât in ein gesament gar / [...] unt ouch diu edele muoter bî gestât RvZw 12,1; hei wie frô ir herz was! EnikWchr 2741; (Schadenfreude:) euge euge: heia heia PsM 34,21. 39,16    1.3 zum Ausdruck eines Wunsches: hey wær’ mir sam gescehen, / daz ich ir gieng’ enebene NibB 296,1; hey, wære ich dort! Neidh SL 11:8,6; heẏ stuͤnde in dem gewalte min / diz lút und diente minir hant! RvEWchr 19153. hei wan muoste ich ir alsô gewaltic sîn, / daz si mir mit triuwen waere bî / ganzer tage drî / unde eteslîche naht! MF:Mor 5: 2,3; hey soldest du in [den Schild] füeren heim in der Burgonden lant! NibB 2196,4; heya, sold er von miner hende / iezuͦ hie chiesen den ende! Rab 383,5; hei, sold ich daz heu mit ir hin hinder tragen Neidh WL 9:5,4. WL 17:3,11    1.4 zum Ausdruck der Klage und Trauer: hei wî grôz untrûwe daz was SAlex 4557; hey waz ich grôzer sorge dicke umbe Sîfriden hân! NibB 900,4; hei, wie si dô beroubten / der witze manigen guoten kneht / der des wânt, ez wær gereht, / swaz si ze Rôme tæten Ottok 140. – verdoppelt (und in Verbindung mit ôwê): vrou Ginovêr [...] / sprach jæmerlîcher worte sin. / "ôwê unde heiâ hei [...]." Parz 160,3. 103,20. 496,22; owe und hey a hey! / daz die gelieben suͤzen / sich nu sheiden muͤzen Rennew 33212. 19590; ‘owê unde heiâ hei!’ / schrirn si alle gelîche Mai 154,12; subst.: nu waz moͤhte han die kraft / daz uz dem ainen machte zwai, / wan des todes haia hay? WhvÖst 2390. – als Klagegeschrei zur Verfolgung des Täters bei einer handhaften Tat ("Gerüfte"): der künec rief lûte heiâ hei Parz 525,24; hier anschließbar: in wâfenheiz er nante / Gâwânen [...]. / dâ bî er dicke lûte schrei / "ôwê unde heiâ hei / mîns hêrren den ir sluoget, / daz iuch des niht genuoget, / irn nôtzogt och sîn tohter hie." ebd. 407,16    2 heiâ (nu) hei als Schluss-Ansage eines Tanzleichs : schrîent alle: ‘heiâ hei’! / nu ist der seite enzwei KLD:UvW Leich 4,193. Leich 2,107. Leich 3,126. Leich 5,84; heía nu heí! / / des vídelaeres seíte / dér ist enzweí Tannh 3,127. 4,141; swá man nu sínge, / froéliche springe, / / heía nu heí! / (heía nu heí!) ebd. 5,127    3 zur Verstärkung einer Anrede, als Zuruf: heiâ, gewalt und wîstuom [ potestas und sapientia, d.h. Gott Vater und Sohn] , / wenne meht wir daz widertuon / um den menschen, der dâ verlorn ist? Aneg 2265; heyâ, got, wie teilst so ungelîche! SM:WvH 6: 2,5; hei tugent, wie smal sint dîne stege, / wie kumberlîch sint dîne wege! Tr 37; hei Bêaflôr dû reine, / waz hôher tugende an dir lac! Mai 168,16; hei, Keii, wie unsanft du maht [...]erbiten! Mantel 439; hei, dû trügehaftez wiht! / ich ahte ûf dîne trüge niht RvEBarl 15095; hei, kuͦnig, din bart [dein Alter, Verstand] / solte iz bewart / han an deme edelin rittir zart JMeissn B1:5,15; hei, sumer, waz herzen gegen dîner kunft erlachet! Neidh SL 17:2,1; nu heia, Tanhusaere! / zergangen ist din swaere Tannh 4,113. – die angeredete Person wird zu einer bestimmten Handlung, einem bestimmten Verhalten aufgefordert: hei, sælig wîb! / dur dîn besten tugende mir mîn leit vertrîp SM:HvR 1: 2,6; SM:HvT 1: 1,5; heia, Tanhusaer, nu la dich iemer bi im vinden / gar an allen wandel din! Tannh 5,73. 5,123; herre Peter, heya hei, / nv hif [l. hilf ] von dirre pinen mir! MarHimmelf 1264; hei wie ist sin lip und sin gewant / gestalt der úch bekant / von mir tet dise mere? RvEWchr 35605. – der angeredeten Person wird eine Strafe angedroht: [ die Mutter zu der aufsässigen Tochter:] hey, strûche [NeidhWB, S. 261: Landstreicherin?] , vergên ich dir den stîc [wenn ich dich erwische] , / dû getuost ein springen, / daz dir ze leide wirt / und dînen rucke swirt Neidh SL 16:7,2    4 als Signal eines Widerspruchs: hey sîn lîp iu wol gevellet. / ir [Jeschute] habt iuch zim gesellet Parz 133,21; ‘dû biutest in [den Edelstein] umb ein kleine guot.’ / ‘hei, het ichs niuwan in der hant’ Eracl 1027; heya nein, la sin! / du solt got erzurnen niht! Minneb 4344

MWB 2 1249,39; Bearbeiter: Tao

hei Pers.-Pron. 3. Sg. Mask. ër

MWB 2 1251,12;

hei stN. vgl. 1gehei. ‘Dürre’ Gawan [...] volget im nach in das bruch [= bruoch ] , der [statt das ] aller zurspalten was von dem großen hei. sin roß [...] viel in einen spalt Lanc 593,1

MWB 2 1251,13; Bearbeiter: Tao

heide stswF. swF. SAlex 4125; SM:Go 1: 1,11; SM:St 14: 1,3; Ottok 75000. 36346; MorantGalie 4100. 5275; Seuse 305,4. 304,17. 1 ‘ebenes, unbebautes, wildbewachsenes Land, Heide’
1.1 allg.
1.2 in Vergleichen, mit Bezug auf den Blumenschmuck und die leuchtende Farbenpracht der Heide
1.3 als Kampfplatz
2 ‘Heidekraut’
3 ‘Wald’ (vgl. MNDWB 1,252f. und DWB 4,2,798)
   1 ‘ebenes, unbebautes, wildbewachsenes Land, Heide’    1.1 allg.: ich sach vil liehte varwe hân / die heide und al den grüenen walt. / die sint nu beide worden val MF:Rugge 1:1,2; diu heide was von bluomen gar / rôt, wîz, weitvar, / brûn, grüen und gel, / swarz, mervar, wolkenhel, / tûsenvêch, trûbeblâ, / stahelbleich, îsengrâ, / purpurbrûn, sîtval UvZLanz (K) 4749; nûst diu heide wol bekleidet mit vil wunnenclîchen kleiden: / rôsen sint ir besten kleit KLD:GvN 26: 1,1; under der linden / an der heide, / dâ unser zweier bette was Walth 39,12. – mit Adj.-Attr.: liehtiu ~ Walth 119,16; Parz 516,22; Tannh 15,4; SM:JvW 1: 1,6; grüeniu ~ waz dar umbe, valwet grüene heide? MF:Reinm 18: 1,3; KLD:GvN 45: 1,1; rôtiu ~ Walth 122,33; breitiu ~ SAlex 2617; dannen kêrt er zestunt / an ein breite heide UvZLanz (K) 453; KLD:UvL 9: 1,3; KLD:Kzl 13: 2,15; wîtiu ~ Alph 583; Pass III 226,29; Seuse 371,2; wildiu ~ Aneg 1868; Wig 4865; WernhMl 234; wüestiu ~ SAlex 4125. – in formelhaften Verbindungen mit Bewegungsverben: über walt und über ~ kêren, walt und ~ varn, rîten u.ä.: sus kêrten si [...] / allez gegen der wilde hin / über walt und über heide / vil nâch zwô tageweide Tr 16681; sie vuoren ungevertes dar / manige tageweide / walt und wilde heide / gar mit arbeitlîchen siten RvEBarl 15936; er rayd wald und hayde / recht untz an den vierden tag HvNstAp 9881; Orend 3681; von Bêheim kunic Ottacker / über heid und über acker / den vînden er nâch stapht Ottok 11047; von dannen geleite er daz her, der wîgant / über holz und über heide / siben langer tageweide Orend 2401. – bildl.: [Maria] du vridestat, du fröidental, / du spilndiu, blüendiu heide Sigeher M 48; des fürsten milte ûz œsterrîche / [...]. / erst [= er ist ] ein schœne wol gezieret heide, / dar abe man bluomen brichet wunder Walth 21,4; LobGesMar 89,4; Frl 14:29,3; [ meister, ] die uf der künste heide / gebrochen han und brechen noch vil rosen speher fünde ebd. 5:116G,5    1.2 in Vergleichen, mit Bezug auf den Blumenschmuck und die leuchtende Farbenpracht der Heide: ir tohter, diu sô liehten schîn / gap daz ich die heide / mit ir manigem underscheide, / des si noch phliget und ouch dô phlac, / gein ir niht gelîchen mac Wh 200,13; si gelîchent mich der heide, / diu ê stuont bluomen vol / und nû der âne lît / diu kalte winterzît SM:Gl 1: 1,3; swie vil der meie uns brâhte ie / vremder bluomen underscheit: / manec storje dort geblüemet reit, / gelîch gevar der heide Wh 20,9; Kreuzf 1806; bî Ehmereizes kursît / der heide glanz in des meien zît / mit touwe behenket / an prîse wære verkrenket: / sô clâr was er gemachet, / daz die bluomen wæren verswachet Wh 364,22.    1.3 als Kampfplatz: getunget [mit Blut und Leichen] wart di heide. / dâ vielen di veige SAlex 4710; des strîtes an der heide, / des wart ouch dâ vergezzen niet UvZLanz (K) 3498; dar umbe wolde er in bestân / eine ûf der heide Wig 2942; Tannh 5,57; MorantGalie 4100; im Bild eines Liebeskrieges: er [der Liebende] mac lîhte waenen, daz ich sîn erbeite an einer heide, / dâ wir uns beide / versuochen aller unser maht, / ich bringe in lîhte sigehaft, / ê denne uns ieman scheide MF:Reinm 67: 4,2    2 ‘Heidekraut’ owe [...], / daz da wassen sol daz gras, / da die schone Troyge was, / busche vnde heide Herb 1741. 10576; gras, love ind heyde / bant hey zo samen beyde KarlGalie 9794    3 ‘Wald’ (vgl. MNDWB 1,252f. und DWB 4,2,798): doch sint drî heide binnen deme lande zu Sachsen, dâ den wilden tieren vrede geworcht ist bî kunges banne [...]; daz heizen banvorste. daz eine ist die heide zu Koyne; daz andere der Harcz; daz dirte die Magetheide SSp (W) 2:61,2

MWB 2 1251,17; Bearbeiter: Tao

heidelber stF. heitber

MWB 2 1252,30;

heidelîn stN. ‘kleinwüchsiger Heide’ dâ stuont ein altez heidelîn / und het an dem lîbe sîn / von rûhen vellen ein gewant / und het ein houwen in der hant Heidin III 1623; daz mänlîn sprach: [...] / her abe gienc daz heidelîn ebd. 1670

MWB 2 1252,31; Bearbeiter: Tao

heiden Adj. ‘heidnisch, nicht christlich, nicht jüdisch’ – von Personen; attr.: den heidin kunic woltin si bicherin ÄJud 39; Exod 1860; Rol 8437; sô nie nehein keiser wart, / kristen noch heiden En 12807; manigen riter haiden [Akk.] Rol 4964; di heidene gesinden VMos 46,20; und [Samson] gie gein Tampna / zuͦ dén heidin Philistim RvEWchr 20548; ein heiden meister Eckh 1:56,8; der hedine man Paulus 130. 148; En 12612; NibC 1422,3; KarlGalie 11590. 12254; heyden lude ebd. 11607; präd.: e got giborin wurdi [...]. / daz lut was heidin ÄJud 3; wir mochten liever heiden / noch langer han gewesen / inde mit Machumette genesen / dan gelouven an den got MorantGalie 3424. – von Land, Sprache, Schriftwerk und Kriegsausrüstung: Ungerlant dô heiden was EbvErf 2100; dar nach swͦren die herren / uber alle haiden zungen Rol 8119; vnd allein ist daz vrkunde heyden, / dar vmme lazet v di rede nicht leyden Elmend A 21; daz heidine wicgeroͮste Roth 4143

MWB 2 1252,36; Bearbeiter: Tao

heiden stF. vgl. ahd. heidanî stF. AWB 4,805. ‘Heidentum, Gesamtheit der Heiden’ anders wæren wir verlorn. / wol dir sper, criuze unde dorn! / wê dir, heiden, daz ist dir zorn Walth 15,19

MWB 2 1252,56; Bearbeiter: Tao

heiden stM. im Pl. auch sw. heidenen Glaub 2246. 2253; TrSilv 630. 645; Roth 480. 4155; Daniel 142. 1450; Mechth 4: 3,67. ‘Heide, Nichtchrist, Nichtjude’, häufig Muslime bezeichnend (zum Begriff des Heiden und des Heidentums im MA vgl. LexMA 4,2011-2013) 1 allg.
2 Ausdrücke mit ein heiden , die auf das geringe Ansehen der Heiden oder die negativen Eigenschaften anspielen, die ihnen (von christlicher Seite) zugeschrieben sind
3 tadelnd auf nicht rechtgläubige Christen angewendet
   1 allg.: Adam was ein heiden EnikWchr 1660; Pharaôni deme heidene Exod 2983; der künic [Nabuchodononsor] was ein heiden BuchdKg 61,9; gentium: der heiden PsM 134,15; nû nemt ouch drîer künege war, / [...] Kaspar, / Melchior und Balthasân, / die müeze wir vür heiden hân Wh 307,10; dem heyden Pylato PrOberalt 53,1; saracenus: heidan VocOpt 41.108; der haiden Marsilie Rol 6165; getouft wîp den heiden treit, / swie daz kint der touf hab umbeleit Wh 307,21; dû bist noch ein heiden / mit zouberlîchen listen / und er ein reiner kristen RvEBarl 11070; cristen, juden unde heiden Walth 16,29. 22,16. – charakterisiert durch bestimmte Adj.: die grimmigen ~ Rol 20; ein heidin ureislich Roth 3768; die heiden die hochvertich waren PrOberalt 151,1; die verworhten ~ Rol 3465; Eracl 4609; die übelen ~ Konr 11,32; PrOberalt 169,17; der werde heiden Parz 793,15; Wh 21,10; ein wiser haidin haizit Seneca PrGeorg (Sch) 20,91. – Gen.Pl., in Verbindung mit bestimmten Subst.: der ~ lant Rol 2406; GrRud γb 50; Wh 67,30; der ~ ê NibB 1335,2; Wh 464,11; der ~ gloube MNat 16,12. 17,29; der ~ orden KvWSilv 2061; HvNstAp 14053; der ~ sit Wig 8651; PrMd (J) 354,18    2 Ausdrücke mit ein heiden, die auf das geringe Ansehen der Heiden oder die negativen Eigenschaften anspielen, die ihnen (von christlicher Seite) zugeschrieben sind : jâ bin ich niht ein heiden. / si sol genâde an mir begân MF:Eist 15:1,6; SM:Gl 1: 14,5; sî tet, als ich wære ein heiden! SM:HvStr 2: 2,4; seht, des tæte ein heiden niht MF:Hartm 18:5,6; noch ist sî [...] alsô guot, / erkante sî rehte mînen muot, / und ob ich wære ein heiden, / [...] sî sagte mir sîn etelîchen danc HartmKlage (G) 209; nu bistu lônes gein mir ze laz. / du möhtest einen heiden baz / besorgen und bedenken UvLFrd 143,8. 149,32; wære ab ich ein wilder heiden, / mîner triuwe solte ich baz genozzen hân KLD:GvN 9: 5,9; ich stên ir helfe leider blôz / diu mich in senden leiden / [...] nun lange hât [Hs.: lat ] / als einen wilden heiden KLD:UvW 5:2,7; owe, daz jamerliche scheiden, / daz moͤhte han beweinet ein heiden Rab 986,6. 1079,3    3 tadelnd auf nicht rechtgläubige Christen angewendet: swelh kristen kristentuomes pfliht / an worten und an werken niht, der ist wol halp ein heiden Walth 7,13

MWB 2 1252,60; Bearbeiter: Tao

heidenbein stN. ‘Heidenknochen’ manic haidenbain zermoͤrschen / sah man da ze stunde WhvÖst 6248; brust leder, haidenbain man sach / sinen buhurt brechen ebd. 14980

MWB 2 1253,48; Bearbeiter: Tao