barmhërzege
stF.
‘Barmherzigkeit’
[der Abt] sol chvsche vnde mascige vnde bermherzige sin
dvr daz, daz dv bermherzigi oͥch an imo werde bigangin, so sol er alzan di
bermherzigi an din sinen lascin gan vur diz gerihte BrEng
64
MWB 1 442,61; Bearbeiter: Diehl
barmhërzelîche
Adv.
‘barmherzig, mitleidig’
heilich muͦder mild ind riche, / vluͥz in uns armen
barmherzeliche, / schenk uns din’ wazzer bit milder hant MarlbRh
12,2;
al uns not ind widermuͤde / geruͦch barmherzlich ane siͤn
ebd.
132,5
MWB 1 443,1; Bearbeiter: Diehl
barmhërzen
swV.
subst. ‘das Barmherzigsein’
man sol got minnen durh barmherzen LvRegFr
4160;
diu minne und daz barmherzen / wahsent beide in einem herzen LvRegSyon
3374
MWB 1 443,6; Bearbeiter: Diehl
barmlich, bermlich
Adj., Adv.
1
‘barmherzig, mitleidig’
2
‘Mitleid erregend, erbärmlich’
1
‘barmherzig, mitleidig’
ich hette barmlich ym getan Hiob
11760;
in dem vastendem gedirm sint fünf âdern gestecket, die haizent
die pärmleichen âdern, dar umb, daz si mit allen andern âdern mitleident [
vocantur miseraice a miserando
]
BdN
32,19
2
‘Mitleid erregend, erbärmlich’
owê der langen twâle, / owê der bermelîchen zît! Erlös
861;
si [die Jünger] entrunnen al hin dan / und lîzen in
[Jesus] alleine stân. / ditz was vurwâr ein bermlich
dinc JvFrst
4241;
von der poͤsen hausfrawen die Adam nam ward er verstozzen von seinem reich vnd
chom in die pærmlichen werlt GestRom
4.
–
die helenden haftin / lagin in unkreften / vnde leueden
bermeliche Roth
2419;
do saz Jeremias der prophete weyninde und sang bermelichin dis clagelit
Cranc
Vorr. Kl. Jer 161
MWB 1 443,10; Bearbeiter: Diehl
barmunge
stF.
1
‘Erbarmen, Mitleid’
2
‘Mitleid erregender Zustand, Not’
1
‘Erbarmen, Mitleid’
selig sint die da bermig sint, / wann sie erbarmkeide kint /
sint und auch erwerben / barmuͤnge, wann sie sterben HvNstGZ
7233;
swas suwers vnd pitteres an vns sei von vnseren svnten, das
er das durch sin selbes parmunge vnd durch sines heiligen crûces ere verwandele
Konr
11,89;
waz sol ein keiser âne recht, ein bâbst âne barmunge?
SM:Ga
1: 1,1;
Minneb
2622.
–
‘Nachsicht’
so sol mein erbe vnd mein lehen meinem herren an parmunge ledich sein
UrkCorp (WMU)
1015,27;
iͤr sullt hin gan! / ir wolt nie chain parmung han Teichn
165,76.
– personif.:
da her vor uns dorte zu zolle / sin blut an dem vronen cruze goz, / do was
vrouwe barmunge husgenoz Brun
3084
2
‘Mitleid erregender Zustand, Not’
die barmung wart beweinet vil / mit hertzen sere ane zil, / das man an der
stet / die herren sus ermordet het Märt
9973
u.ö.;
manic man muotes vester / muost [...] vor leide
weinen / der die barmunge sach Ottok
83739.
13503
MWB 1 443,27; Bearbeiter: Diehl
barn
stN.
auch stM.
‘Kind, Sohn’
1 allgemein 2 phras. 2.1
maneger muoter ~
(vgl. muoterbarn ) ‘viele’ (überw. in Kampfbeschreibungen und Totenklagen) 2.2
dehein/nehein ~
‘keiner’
2.3 Antonomasie: (reiner) megede ~
‘Christus’
1
allgemein:
[Gott] hiez mich nemen wîb unde barn, mit allem mîneme
dinge heim varn Gen
1423;
nie nichein moter gewan / ein barin also lossam
Roth
2220;
tot uiel der Paliganes barn Rol
8349;
hieran gedenke, liebez barn LBarl
15926;
wiplicher barn GTroj
8563;
unglîch sint doch der werlde barn ErnstD
13.
–
‘Jüngling, Held’ (?):
da kom zu Tharsis zu gefaren / Appolonius der edell boren HvNstAp
2829;
do kerte Wolfdietrich balde do von dan / [...]
der ellent rich barn WolfdD
1302,3.
1308,3.
– bildl.:
der edele süeze herre guot, / Jôsaphât, der sælden barn
RvEBarl
14605
(vgl. sældenbarn);
daz romische riche ist zu varn, / so kumt der unselden barn
[Antichrist]
HeslApk
18866;
des tùfels barn Krone
27322;
der tugende barn KvWTroj
5336
(vgl. tugentbarn)
2
phras.
2.1
maneger muoter ~
(vgl. muoterbarn) ‘viele’ (überw. in
Kampfbeschreibungen und Totenklagen):
des trûrte maneger muoter barn Eracl
4554;
gevellet und geveiget / wart vil manger muoter barn KvWTroj
32675;
WolfdD
2179,1;
owê ir, aller muoter barn! Wig
10285.
– in verneinten Wendungen: ‘niemand, kein Mensch’
dir ne scadet neheiner mûter barn SAlex
6216;
über daz vil wilde lande / belaib der schamlichen diett / ain mütter
barn lebendig nit GTroj
16028
2.2
dehein/nehein ~
‘keiner’
dâ was dehein barn, / der wiste wâ her wâre En
7936;
da negenas nie dehain barn Rol
7063.
6322;
der ne geniset nehein barn, / der dâ wonent innen SAlex
6984
2.3
Antonomasie: (reiner) megede ~
‘Christus’
sun gotis, barn der magidi SuTheol
122;
hilf, frowe maget, hilf, megde barn Walth
102,20;
RvEBarl
171
MWB 1 443,47; Bearbeiter: Diehl
barn
swV.
→
barwen
MWB 1 444,17;
1barn
stM.
auch barm, baren.
‘Raufe, Futtertrog’
der gast sich dâ gelabte. / in den barn er sich sô habte, / daz er der spîse
swande vil Parz
165,28;
als er in den stal gie, / er vant sin rosz bi dem barn. / dem was wol mit
gefarn / von heuw vnd von krefftigem korn Krone
14858;
setzzt ainer ein pfaert ze pfant oder ein ander vich, swaz dem geschicht
zwischen parn und wazzers, sterb oder leb, daz sol enem, dem daz pfant stet, nicht
schaden StRMünch
336,12.
– v.a. im Zusammenhang mit der Geburt Christi ‘Krippe’
daz man den muose legen, / der elliu dinc muoz bewarn, / in einer chuo barn
Aneg
2524;
des himel unde erde ist, ruͦchte in einen bârm ze lîgene
Spec
14,19;
nû hâstû dich in den bâren geleit DvASchr
343,15
MWB 1 444,18; Bearbeiter: Diehl
2barn
stM.
‘Schoß’
→
barm
MWB 1 444,33;
barnen
swV.
‘(jmdm.) eine Futterstelle, einen Lagerplatz einrichten’
ez was gebarnet fur den stein / dem esel unt dem rinde. / dâ geruoht mit ir
chinde / diu reine muoter inne ligen KvFuss
1102;
dar nach ist sein maist chlag / daz er nicht geparnt hat. / wann dw stallung
dann ergat, / dar nach muez er wischen und trenchen Teichn
132,21;
WhvÖst
15398.
–
barmunge schuof ouch, daz got hie kripte unde barnde Boppe
1:17,15
MWB 1 444,34; Bearbeiter: Diehl
barnstëcke
swM.
‘Stecken, aus denen Futterkrippen bestehen’
Franzoyser die quecken / mit der heiden barnstecken / niuwiu
gezimber worhten Wh
235,6
MWB 1 444,43; Bearbeiter: Diehl
barragân
stM.
→
barchant
MWB 1 444,47;
barre
stswF.
→
2bar, barre
MWB 1 444,48;
barrewîse
Adv.
in der Art einer bar/barre
‘waagerecht’
in dem golt [des Schildes] getzieret was / drey
leben [Löwen] praǔn von ademas, / in parre weis gelenket
Suchenw
3,172;
diu banier / sah er uf einem gezelt rich: / en barren wis da durch ein strich
/ von einem larikant [einem kostbaren Stoff] gienc
WhvÖst
2306
MWB 1 444,49; Bearbeiterin: Baumgarte
barrier
F.
→
2bar, barre stF.
MWB 1 444,56;
barrusse
Adj. (?)
‘ohne Sattel’
‘lâze wir den satel hie! / ich trage iuch verre dester baz’ / ‘vrouwe, niht,
wie stüende daz, / daz ich barrosse [La. barusse
] rite?’ Sibote
427
MWB 1 444,57; Bearbeiterin: Baumgarte
barrussec
Adj. (?)
‘ohne Sattel’
so sol er âne sume ufsitzen barrussig ob das pfert nut gesattelt ist
UrkEls
2,156
(a. 1336)
MWB 1 444,61; Bearbeiterin: Baumgarte
barschalc
stM.
eine Gruppe Halbfreier (vgl. 2HRG 1,448-450 [Bargilden])
tradidit ad predictum altare hec mancipia [...] ad
ius parscalcorum UrkSalzb
1,649
(um 1160);
UrkEnns
1,377
(13. Jh.)
MWB 1 445,1; Bearbeiterin: Baumgarte
barschënkel
Adj.
‘mit nackten Schenkeln’
er treit den lîp swâre, / mit strûbendem hâre, / barschenkel
unde barvuoz Iw
2821;
barschenkel gie er, an hosen SHort
4136
MWB 1 445,5; Bearbeiterin: Baumgarte
barschinke
Adj.
‘mit nackten Schenkeln’
ein rîter sol niht vor vrouwen gên / parschinc WälGa
458
MWB 1 445,9; Bearbeiterin: Baumgarte
bart
stM.
‘Bart’ (vgl. LexMA 1,1490f.)
1 allgemein, oft als Zeichen des Mannes bzw. zur Beschreibung seines Alters 2 phras. 2.1 oft in der Verbindung hâr unde ~ /houbet unde ~
2.2
den ~ ûzbrëchen als Trauergeste 2.3 beim Schwur 3 Teil des Helmes zum Schutz der unteren Gesichtspartie und des Halses (vgl. LexMA
1,1489f. und barbier oder zu 1 ?)
1
allgemein, oft als Zeichen des Mannes bzw. zur Beschreibung seines Alters:
der part an dem menschen bedäut mannes gesläht
BdN
12,15;
die kintheit solt ein ende haben, swa berte sich erhüben Frl
5:28,19;
Parz
227,28
u.ö.;
Wh
191,30;
nu verstet dy ritter schaft, / so lig auch ir manhait / an dem har. davon ist
prait / har und part Teichn
612,11;
ein aldgrisir man. / deme was die [d.i.
der
] bart harte breit Roth
4962.
3377.
– als Bestandteil von Personennamen:
Gerglant mit deme barte Rol
574;
her Heinrich der Bart UrkCorp (WMU)
1399,4
u.ö.
– personif.:
her Bart, ir waret doch ein manlich zeichen ie Frl
5:27,7
u.ö.
– bei Tieren:
ain tier, daz hât an dem kinn ainen part sam ain pock
BdN
160,13
2
phras.
2.1
oft in der Verbindung hâr unde ~ /houbet unde ~
:
die herren / rouften sich selben harte. / bi hare unt bi
barte / liden si groz ungemach Rol
7524;
von unruoche was sîn hâr / an houbete unde an barte /
verwalken alsô harte, / als ob er wilde wære Tr
4005;
Iw
436;
KvWHvK
352;
Eracl
1270
2.2
den ~ ûzbrëchen als Trauergeste:
der kaiser brach uz sin bart, / er uiel zu der erde, / er
sprach: ‘waz scol min nu werde?’ Rol
6965;
vor leid brach er ûz sîn hâr / und dar zuo sînen bart EnikWchr
24683
2.3
beim Schwur:
er swuor bî sînem barte Eracl
5178;
swaz er bî dem barte / geswuor, daz liez er allez wâr
KvWHvK
6.
255.
–
über swen der eit gesworn / von des keisers munde wart:
/ ‘du garnest ez, sam mir mîn bart!’ / der muoste ligen tôt zehant
KvWHvK
16.
242;
ReinFu
K,1477;
MF:Her
2:1,4.
–
so mir dirre min bart, / wir zestoren sine hereuart
Rol
505.
1646;
Herb
2024;
StrKarl
2181
3
Teil des Helmes zum Schutz der unteren Gesichtspartie und des Halses (vgl. LexMA
1,1489f. und barbier oder zu 1?):
her Tristan in mit kreften stach / rechte ûf den bart under den helm
HvFreibTr
2077
MWB 1 445,12; Bearbeiter: Diehl
bartbruoder
stM.
‘Laienbruder’ (durch ihren Bart gekennzeichnete fratres barbati,
vgl. bertenære und bertinc stM.):
hie di moniche dort di bartbruder Brun
7704
MWB 1 445,50; Bearbeiter: Diehl
barte
swF.
‘Beil’ (als Werkzeug und Waffe):
der zimmerman muoz warten / wie er mit der barten / nâch der
ackes müeze snîden Wh
394,14;
daz cimmerholz, daz man behovwin hat mit der bartin UrkCorp (WMU)
1161AB,27;
der berg lit also hoh enbor / und ist vor, hinder und en ebent / sam er
gehowen und geebent / si mit ainer parten SHort
6575;
Schachzb
77,9.
–
sie slougen in vil harte / mit îsenen barten / die füeze ab und die hende
LBarl
9262;
EnikWchr
24706;
swer aber der hant urteilet wird, da sol der stocwarte die barten haben, und
der an des vogetes stat da ist, der hebet einen hültzinen slegel uf, und sleht im
die hant ab StRStrassb
53,22;
Loheng
2240.
– übertr.:
wie wol din ellens barte / in strite die shilte sniden kan / und dar nach
harnash und man! Rennew
12376;
wie snide des todes barte ebd.
18235.
– phras. (?):
sô der zimmernman niht enwürket, sô enwirt ouch daz hûs niht. dâ diu barte
liget, dâ liget ouch daz gewerden Eckh
1:114,4
MWB 1 445,54; Bearbeiter: Diehl
barteht
Adj.
‘bärtig’
einer ist bartoht und ist alt, / der ander junc und übel gestalt Renner
323;
so gent seu partat in der hait / sam ayner der sein muter chlait Teichn
193,43.
543,32;
vier brüeder ich dô vie / der bartahten herren [als Bezeichnung
für die Brüder eines Ritterordens] / die wâren von verren / landen
her komen / und heten an sich genomen / unser vînde orden Ottok
47231.
–
‘erwachsen’
sich füeget paz ob weint ein kint / denn ein bartohter man Parz
525,7
MWB 1 446,10; Bearbeiter: Diehl
barten
swV.
‘mit einer barte bearbeiten’
diu creatiure [Mensch] / die der zimberman
[Gott] vil gehiure / nach im selbin hat gebartet
Martina
205,33
MWB 1 446,20; Bearbeiter: Diehl |