baldecheit
stF.
‘Kühnheit, Dreistigkeit’
vnd davon schol ain fraw selten sich in paldichait lassen sehen, wann das macht iren namen vnd leunt [d.i. liumunt
] prait Schachzb
121,58
MWB 1 409,56; Bearbeiterin: Baumgarte
baldeclîche
Adv.
auch beldeclîche ( Elis
2365).
‘schnell, kühn, zuversichtlich’
er sprach: ir sült mir bringen drât / mînen schrîber in ein kemnât, / und îlet des baldiclîch EnikWchr
22429
u.ö.;
dar îlte baldiclîchen der degen ûz erkant WolfdA
566,3;
Bit
1482;
EnikWchr
15196.
17984.
–
ein puneiz ûf dem rosse tet er ûf dem graben / harte baldeclîche WolfdA
554,2.
556,2.
–
dw solt Got loben [...] dar nach so offen im deinen muet / und was dw dan wellest chlagen / das solt dw im baltichleichen sagen HvBurg
2958;
RvEWchr
26749;
Elis
2365
MWB 1 409,60; Bearbeiterin: Baumgarte
baldekîn
stM., selten stN.
(zahlreiche Formen wie balkin
MinneR 497
875, pallikein
Seifrit
8809, pladige
SHort
6997)
kostbarer Seidenstoff aus Baldac (Bagdad):
des wil ich mit richait / zwelf ritter machen wol beclait / und wil im geben an dirre zit / scharlachen, pfeller, samit / und liehte baͤldegin, / bunt, zobel, haͤrmin / mit vil liehtem schine RvEWh
5359;
die fuorten cleider an gesniten / von frischem baldekîne, / diu wâren mit hermîne / vil kostbærlichen underzogen KvWTurn
119;
sîn wâpenroc, sîn decke gar, / wâren vil guot paltekîn UvLFrd
482,29;
man sol ouch wizzen hinwider daz die gwander keiner slaht kramgwant verkaufen suln noh daz die kauflute angehoeret, ez si sidin gwant, siden golter, ander golter, noh zendal, baldikin, tchaeter [feine Leinwand] , [...] paunwolle StRAugsb
41,31;
dô nam sie daz baldekîn / von dem antlitze sîn HvFreibTr
6559.
– phras. (?):
êren schîn / blîchet als ein baldekîn KvWLd
23,37
MWB 1 410,8; Bearbeiterin: Baumgarte
balden
swV.
1
‘kühn werden, erstarken, erdreisten’ (s.a. belden) 2
‘schnell werden, eilen’
1
‘kühn werden, erstarken, erdreisten’ (s.a. belden):
des si geriden balden / an frouden und an worte Elis
462;
der stolze, unervorchte, gen vreise der gebalte JTit
1350,1.
– mit Akk.d.S. ‘sich einer Sache erkühnen, erdreisten, etw. wagen’
godis heiligen bigonder lasterin ─ / daz nîman nisolti gebaldin Anno
47,6;
di meister ouch mit samt den alten / sulchen spot si an im balten JvFrst
9424
2
‘schnell werden, eilen’
Christ sprach: vil gâhs / balde van mir Sathanâs [
vade Satanas Mt 4,10
]
Kröllwitz
3868;
halden wilt du sin leben / vor des todes strick, der sin nu wartet, / balden laß unde weben / süßer minne blick Mügeln
398,5.
– hierher oder zu balde Adv. 3.2. (in Aufforderungen):
nâch dîner muoter balde Wh
160,3;
hin bald von mir, Sathanas! SHort
305
MWB 1 410,28; Bearbeiterin: Baumgarte
balderich
stM.
‘Gürtel’ (zu lat. balteus?):
sine súne cleit er sa / mit wizim gewande linin. / das die gúrtel soltin sin, / der was iegelichiz ein balderih RvEWchr
12754;
das rich ouch an im durch mich, / wan er sinin balderich / begoz mit ir bluͦte ebd.
31756
MWB 1 410,44; Bearbeiterin: Baumgarte
balderîchen
Adv.
‘voller Kühnheit, mutig’ (vgl. balde stF.):
wan ern gesach den trachen nie, / ern kêrte belderîchen ie Tr
8962
MWB 1 410,50; Bearbeiterin: Baumgarte
baldriân
stM.
‘Baldrian’
amantilla [...] valeriana: baldrian VocBV947
533,32
MWB 1 410,53; Bearbeiter: Diehl
bale
stM.
‘Unrecht’
hee was so junck ind so domp, / dede hei recht offte krump, / off dede hei eynichen boesen bale, / he waende dat hei dede waele KarlGalie
1070;
ind bedachte harde wale, / we Orie mit starckem bale / ir hedde gewert groesse schande ebd.
10544.
8715
MWB 1 410,55; Bearbeiter: Diehl
baleis
stM.
→
balas
MWB 1 410,61;
balêne
F.
‘Walfischweibchen’ (aus lat. balæna):
wenn der walvisch über dreu jâr kümt, sô unkäuscht er mit seim weib, diu haizt ze latein balena BdN
247,34;
sein zaichen was die serene: / niden ain walene, / oben weybes pilde HvNstAp
488
MWB 1 410,62; Bearbeiter: Diehl
balie
stswF.
‘Burghof’
sie warent allsamen in die andern balgie [
en l’autre baille
] gegangen Lanc
186,28;
das sie der burg nit me mochten gesehen dann das dach von dem thorn oben und die balien fur von der burg ebd.
449,28
(vgl. Anm.z.St.)
MWB 1 411,4; Bearbeiter: Diehl
balîe
stF.
‘Ballei’ (Provinz des Deutschen Ordens außerhalb Preußens, vgl. 2HRG 1,412f.):
des meisteres kost, die sal man niht eischen von den balîen, sunder von dem trisêrere, der sal die geben StatDtOrd
101,26.
101,30;
vnsir lantkommentv́r der palye von Elsâs vnde oͮch von Bv́rgundin UrkCorp (WMU)
1820,34
MWB 1 411,9; Bearbeiter: Diehl
balîe
swM.
‘Amtmann, Vorsteher einer Ballei (Landkomtur)’ (vgl. balîer):
alle vursten und ratgeben, houbtlute, balywen und lantrichter [
principes regni magistratus et satrapae senatores et iudices
] haben einen rat angegangen, daz ein gebitlich gesecze uzgee Cranc
Dan 6,7
MWB 1 411,16; Bearbeiter: Diehl
balîer
stM.
‘Vorsteher einer Ballei, Landkomtur’ (vgl. balîe swM.):
so hayn wir gebeeden broder Johanne den commendur van Tryrre, de eyn balyere is vns ordens in Nyderlant UrkAachen
235
(a. 1346);
Conrad von Ruͦckingen cometuͦr zuͦ Frankenford vnd baliger vͦber die huͦser sente Johans ordens in der Wetreybe UrkYsenb
149
(a. 1350)
MWB 1 411,22; Bearbeiter: Diehl
balke
swM.
1
‘Balken’
2
‘Erker, Balkon’
1
‘Balken’
daz sint di stainwente, / di uf habent di balchen HimmlJer
384;
aber von dem werke vellet ein spân - als dâ ein spân abevellet von einem balken, den man houwet Eckh
2:243,2;
des cypressen holz ist gar guot zuo palken in kirchen und zuo grôzem gepäw BdN
319,12.
–
‘Sitzstange für Vögel’
si blickt uf ainen balken / und sah ir tuͤblin WhvÖst
7354;
dô sach er einen valken / sizzen vor dem balken / uf einer stangen bî der want Bussard
824.
– übertr.:
doch blib er stan uf mines herzen balken Mügeln
404,3;
ich wird auch dicke gefultert / zwor uber spottes balken [verspottet (phras. ?)]
Minneb
2563.
– häufig zur Übersetzung von oder in Anlehnung an Lc 6,41:
du syest eyn gestuppe in dynes brudir ougen unde fuͤlist nicht eynes balken in dynes selbis ougen EvBerl
108,20;
Frl
6:4,13
2
‘Erker, Balkon’
ob der stuben jechlicher sol ein balche sin mit zwein venstern SchweizId
4,1190
(a. 1307)
MWB 1 411,30; Bearbeiter: Diehl
balle
swM.
selten stM. ( Physiogn 391 ); vgl. auch
2bal.
1
‘Ballen, Rundung’ phras. in Vergleichen 2
‘Ballen (an Händen und Füßen)’
3
‘Warenballen’
1
‘Ballen, Rundung’ phras. in Vergleichen:
–
‘rund wie ein Ballen’
sein stirn ist sinbel geleich ainem pallen BdN
51,22;
der berc was ein cristalle, / sinewel als ein balle UvZLanz
210;
uz irer bruste saffe / zwen eppfel sint entsprungen, / gebrutet und auch gedrungen / zu sammen als ein balle Minneb
3241.
– unter dem Aspekt ‘Beweglichkeit, Geschwindigkeit’:
dô ich sô vil manic edele wîp / den sînen keiserlîchen lîp / und sînen ritterlîchen prîs / mit lobe gehôrte in ballen wîs / als umbe trîben unde tragen Tr
1030
2
‘Ballen (an Händen und Füßen)’
knorrecht und slimpfes an gewit / da vorne gen dem balle, / derst torpellich mitalle Physiogn
391;
doch muz man der seiten klanc / nemelich an der harfen / irholn mit negelen scharfen / und mit der vingere ballen HeslApk
9709;
als ein grîfe hêt si klâ / an den vingern allen. / rôt und linde ballen / die man an schœnen vrouwen siht, / ich wæne wol dern hêt si niht Wig
6319;
swelch ros mavchel reh ist [eine Entzündung im Bereich der Fessel hat] , daz spreizet sich auf dem pallen Albrant
1,6
u.ö.
3
‘Warenballen’
unde ist sin reht davon, daz man im von dem ballen aht ris gaebe StRAugsb
40,14.
40,15;
zweinzic hundert ballen / von lînînen tuochen EnikWchr
12952;
ouch kouften si dâ / bunt, hermîn unde grâ / und luoden des manigen ballen Ottok
73107
MWB 1 411,49; Bearbeiter: Diehl
1ballen
swV.
1
‘(mit jmdm./etw.) Ball spielen’
2
‘jmdn. (wie einen Ball) zu Boden werfen’
3
‘etw. zusammenballen, zu einem Ball formen’
1
‘(mit jmdm./etw.) Ball spielen’
bis daz si an ainem tage / zevelde ballen giengen WhvÖst
1915;
der bal bezeichent kindespil: / dâ mite soltû [Alexander] ballen vil / und sô die zît vertrîben RvEAlex
4227;
si [die törichte Jungfrau] mit ir herzen ballet: / nu git sis disem, denne dem SHort
780;
si werden gewurfen mit schanden / den tuveln zu den handen, / dy mit in ballen ymmer me Hiob
5633
2
‘jmdn. (wie einen Ball) zu Boden werfen’
er wart die kuͤnge [beim Turnier] ballen / nider gæn der gruͤn WhvÖst
14914
3
‘etw. zusammenballen, zu einem Ball formen’
dar umb læt sich der reif niht schôn pallen sam der snê BdN
85,21.
– fraglich (mit starkem Prät.):
der nem morchen vnd erwelle daz vz einem brunnen. vnd geballen vz eime kaldem wazzer. vnd gehacket cleine BvgSp
79
MWB 1 412,14; Bearbeiter: Diehl
2ballen
swV.
‘tanzen’ (aus afrz. baler, vgl. Harding, Dancing Terms S. 91):
alsus was dâ wunnen vil. / aller hande fröuden spil, / sô in der welt ie wart gedâht, / daz wart allez vollebrâht / [...] / tanzen ballen springen, / singen schallen swingen Reinfr
4204.
– hierher oder zu
1ballen (vgl. Glossar)?:
die sich zu Gote ziehen, tantzen, / ballen entvlihen Daniel
2040.
2937
MWB 1 412,31; Bearbeiter: Diehl
ballerîe
stF.
‘Tanz’ (aus afrz. balerie):
[ich] wil sin ein vrolich wijf / mit den fieren meeden / die fierlich kunnen treeden / die suesse ballerie PassSpK
303
MWB 1 412,39; Bearbeiter: Diehl
ballerisse
F.
‘Tänzerin’ (aus afrz. balerisse):
here min, des wil ig syn / hie vur deme gesinde dyn / eine baloerisse mit den live PassSpK
288
MWB 1 412,43; Bearbeiter: Diehl
ballespil
stN.
‘Ballspiel’
zetar [Wehklagen] uber vnser reien vnde uber den dantz, / vber ballespiel vnde manchen rutenkrantz! daz wir also sere dar vff sin verflißen, / daz wir ny kein bekentenisse hatten gein gode ThürJungfrSp
B 346
MWB 1 412,46; Bearbeiter: Diehl
ballieren
swV.
‘tanzen’ (aus afrz. baler):
lât den seiten vor bereiten wie man dâ palliere KLD:UvW
Leich 3,115;
is ieman in diesen hove / de ze eren inde love / minen gesten inde mich / baloeren wilt PassSpK
280;
danzen inde sprengen / baloeren inde sengen ebd.
295
MWB 1 412,51; Bearbeiter: Diehl
balme
FM.
→ palme
MWB 1 412,57;
balme
stswF.
‘überhängender Fels, Felsenhöhle’
das viche traib der werde knab / [...] zu ainer balme ön allen has GTroj
2015;
vor ainem wilden balme, / da des kindes hütte was ebd.
1594.
– als Ortsname (?):
jensid der Are, da diu Balme lit UrkEidgenG
4,1:346
(a. 1312).
– als Bestandteil von Personennamen:
diu edel vrowe vro Clara von der Balmen UrkEidgenG
4,1:344
(a. 1312)
MWB 1 412,58; Bearbeiter: Diehl
balmunden
swV.
‘jmdn. zu einem balmunt erklären, seiner Vormundschaft entheben’
unde wirt er überredet daz er in übel getân hât an ir guote, man sol in balmunden; daz ist daz er niemer mêr voget noch phleger mac gesîn SpdtL
128,12
u.ö., ähnl.
SchwSp
30a
u.ö.
MWB 1 413,1; Bearbeiter: Diehl |