behandeln
swV.
‘(tröstend) die Hand reichen’ (vgl. Anm.z.St.):
diu gotes güete diu machet sich uns heimlich, daz wir ir kintlîche volesagen
unde klagen, swaz uns wirret. daz behandelete si alsô ainer guoten muoter hant. die
neversmaehet niht die armecheit des kindes TrudHL(O)
130,34
MWB 1 507,33; Bearbeiter: Diehl
behanden
Adv.
auch behande, behende.
‘sofort’ (ursprünglich bî handen
‘bei den Händen, sogleich’):
nû lâ den sînen wec gân! / sâ bihanden / sô frâge aver den
andern Kchr
3805.
9904;
sîn botenbrôt wart vil bereit: / des gap man dô behande / zwei hundert bisande
Bit
13095;
er vie sie behende Gen
1031;
Tr
2175;
Flore(G)
6182;
KvHelmsd
3291
MWB 1 507,39; Bearbeiter: Diehl
behangen
Part.
→
behâhen
stV.
MWB 1 507,46;
behangen
swV.
Präteritalformen sind nicht belegt (vgl. behâhen).
‘an etw. hängen, an etw. hängen bleiben’ (intr.):
wenn er [der Egel] an ains menschen
flaisch behanget, sô man in dan ie mêr zeuht, sô er ie vester dar an hangt
BdN
306,27.
125,18;
swer behaftet oder behanget an ihte, daz under gote ist, des bette ist ze enge
Eckh
3:219,6;
du solt auch mischen dar in gar / vir phunt zucker wiser hut, / und suͤde ez
by begirde gluͤt, / bitz ez behang vor sterke / an dem leffel sußer werk
Minneb
3855;
BdN
89,5;
Eckh
1:315,2
MWB 1 507,47; Bearbeiter: Diehl
behâren
swV.
‘die Haare ausraufen’ (mit Akk.d.P.):
waz ist ditze klagen? / durch got, geruochet uns sagen, / wie ir alsus gebâret
/ und iuch selben behâret Mai
144,16;
stüende ez in der werlde alsam vor drîzec jâren, / der mich danne trûriclîchen
sæhe gebâren, / der solde mich zehant behiuten unde behâren Neidh
SL 28:7,3.
– übertr.:
und ob mein der wuechrer varet / und mich so gar beharet / das ich guetes plos
pelib? HvBurg
3052
MWB 1 507,58; Bearbeiterin: Baumgarte
beharn
swV.
‘anrufen, tadeln’
do er uon sinen mazen
[Tischgenossen] wart behart, / warumbe er daz
uertruge, / daz dv sine uoze twoge [dass Du (Maria Magdalena) seine Füße
wuschest] , / ein so ubele uermeret wib Litan
1109.
465
MWB 1 508,3; Bearbeiterin: Baumgarte
beharren
swV.
‘ausharren, bleiben, warten’
die valle sy begraiff / dez muost sie da beharren Ratte
31;
daz di lute [...] alle zu dem grabe lifen unde in
grozer innekeit da beharretin Köditz
83,9;
EvStPaul
12323;
RvMunre
1343
MWB 1 508,8; Bearbeiterin: Baumgarte
behâʒen
swV.
zu hâʒ stM., hæʒe stN.
‘bekleiden’
wie manger gen im grâsse, / guͦt heil in doch behâsse [wie viele
auch gegen ihn (laut) wüten mögen, ihn umhüllte doch ein gutes
Geschick]
MinneR 471(Pf)
3,19
MWB 1 508,13; Bearbeiterin: Baumgarte
beheben
V.
überschneidet sich mit der Verwendung von behaben swV.
1
‘etw. (bei sich/ für sich) behalten’ (vgl. behaben 2) 2
‘erwerben’ (vgl. behaben 1 )
1
‘etw. (bei sich/ für sich) behalten’ (vgl. behaben 2):
–
‘festhalten’
ouch womitte sú der boͤse geist in der gevengnisse behebet Tauler
76,6;
vil gelernig was oͮch dú guͦte / und behuͦb wol in ir muͦte / was man sy
guͦtes lerte WernhMl
828;
vergift hie vor behebende [draußen festhaltend]
JTit
6224,2;
SHort
4960.
–
‘etw. bewahren, (einen Zustand) aufrecht erhalten’
er halff ir mit gottes hilff, das si ir guͦt behuͦb, vnd ir ir êr vnd guͦt
wider ward Kuchim
30,25;
nun behüb sÿ doch ir maͤgtlich wesen KvHelmsd
227;
ân die pfruͦnden uf dem Heiligenberge, da behuͦb die heirschaft ir selben
die ere und den gewalt, das si die pfruͦnden und die kilchen lihen sol und
nieman ander, want die heirschaft rechtstifter da ist UrbHabsb
1:317,1;
sich in etw. ~ :
swele mensch woͤltiͤ alle zit ruͦwe haben, der behuͤbi sich selb dar inne
als wol als in andren dingen Seuse
167,13.
–
den strît ~
‘Recht behalten’
welliche irem mann das [Kraut] geitt, / die
behebt an im iren streitt WvGriven
12;
rechtl. ‘etw. bekräftigen, rechtskräftig beweisen’ (vgl. behaben
4):
Melchinor do ain mort / behuͦp uf den ellenden: / nieman do kund erwenden
/ des werden Wildehelmes tot WhvÖst
10563;
swaz ein man mit klage vor gerihte erwirbet unde mit dem
rehten behebt SSpAug
228,14;
StRAugsb
157,17.
– militärisch ‘etw. halten, behaupten’
also behuͦbent sú das velt WernhMl
7076;
swer vor im behuͦp die wal, / der duht mich ain mæhtig man WhvÖst
6068;
Parallelität von behaben und beheben:
der grâve [...] behabte niht mêre / wan sîner
stete viere: / diu nenne ich iu schiere. / Lînôde unde Rôdel, / die behuop der
helt snel GFrau
652;
bildl.:
diu craft der suͤzzen minnen / behuͦp natuͤrlich die wal WhvÖst
1661;
geht über zu ‘erobern’
Eleander der held / mit mannes mütte usserweltt / behüb
do veld unde wald. / schiltt, gesmide über all, / daz behüb [zu
2?] er mit der hand. / baide lütt unde land /
ward im alles under ton GTroj
20057
2
‘erwerben’ (vgl. behaben 1):
daz er die sîme lîbe / behüebe z’einem wîbe Häslein
490;
der ritter [...] behuob daz ewig himelrich
RitteruT
486
MWB 1 508,18; Bearbeiterin: Baumgarte
behebunge
stF.
‘Beweiserhebung’
wand [...] alle dîe vorgeschriben bihebunge geschehen
sint mit sime gehelle vnde mit sinen willen UrkCorp (WMU)
N109A,24
MWB 1 508,62; Bearbeiterin: Baumgarte
behecken (?)
swV.
‘mit einer Hecke umgeben’ (oder zu behegen?):
doch hete Salomon einen garten / an dem berge Libano durch zarten / wol
bemuret und behecket [: gestecket
]
Brun
4776
MWB 1 509,1; Bearbeiterin: Baumgarte
behefte
stF.
‘Verharren, Verbleiben’ (?) (vgl. behaft):
swie gar sin menlich ellen so riche was der krefte, / doch muͦst er sich
gesellen zuͦ der muͤde ein teil in di behefte JTit
1528,2
MWB 1 509,5; Bearbeiter: Diehl
beheften
swV.
→
behaften
MWB 1 509,9;
beheftunge
stF.
‘(verpflichtende) Anzahlung’
vnd gibe ich einem man ein guͦt ze kouffenne vnde git er mir sin arre
[La. beheftvnge
] dar an, vnd daz guͦt belibet in miner gewalt vnde wirt ez mir
verstolen, der schade ist sin SchwSp
106a.
–
‘Bindung’
er hat gemeinsami der lúten ane inbildunge und minlichi
[Zuneigung] ane beheftunge und mitlidunge ane sorge
in rehter friheit Seuse
358,27
MWB 1 509,10; Bearbeiter: Diehl
behegede
stF.
‘Gefallen’
han ich mich also veranderet / und han ytellich gewanderet, / daz ich waz tete
zu beheyde / in den ougen junger meyde Hiob
11611
MWB 1 509,18; Bearbeiter: Diehl
behegelich
Adj., Adv.
auch behegenlich.
‘angenehm, gefällig’
der selbe tugenthafte helt / Placidus genennet was; / der name sprichet, als
ich ez las, / zu dute ‘behegelich’, / der im wol vugete sich, / want er geviel in
allen wol Vät
36733;
‘bene’ daz heizet ‘behegelich’. / behegelich gevellet wol UvEtzWh
4668;
her was, alse man seit, eines geradin behegelichen libes an lenge unde an
dicke Köditz
18,12;
der stîc ist schœne und behegelich und lustlich und heimlich Eckh
1:320,4;
UrkFriedb
182
(a. 1350).
–
der herre gab, der herre nam: / als is behegelichen czam / dem herren min
Hiob
914;
entpfach, herre, nu gereit / unser andacht irlesen! / laz si den ougen wesen /
behegelichen hute! Daniel
1407
MWB 1 509,22; Bearbeiter: Diehl
behegelicheit
stF.
auch behagelicheit, behegenlichheit.
‘Wohlgefallen’
wan daz êwige wort geborn wirt in dem wesene der sêle, sô kêren alle di ûzern
krefte von irdinschin dingen und enhaben keine behegelichkeit an in
HvFritzlHl
49,10;
do dr mensche sich mit annemlicheit und mit eigenschaft der naturen in
etlicher beheglicheit und wol gevallens dar uf kert Tauler
213,18
u.ö.;
du bist min sun geminnet mir. / behaglichkeit han ich zu dir EvStPaul
6169;
ja ist deme herren behegelichkeit an dir Cranc
Jes 62,4
MWB 1 509,37; Bearbeiter: Diehl
behegen
swV.
‘umzäunen, einhegen’
do in des vateres wisheit inbezunet / hete und beheget und gemunet / vor des
tubels Sathanas gewalt Brun
3961.
3964
MWB 1 509,48; Bearbeiter: Diehl
behegenisse
stN.
‘Gefallen, Wunsch’
dî armunge sol geschên / [...] / in vorsatze gewêre /
und in geistlîchir gere / allein durch gotis behegnis / und durch der sêlin heil
gewis NvJer
2834
MWB 1 509,52; Bearbeiter: Diehl
beheien
swV.
‘über jmdn. in Zorn entbrennen, erzürnen’
der meister was ime behait VMos
73,20
MWB 1 509,56; Bearbeiter: Diehl
Bêheim
Subst.
‘Böhmen’
he gaf ime warliche / Behein unde Polen Roth
4871;
Rol
6848;
der kvnic sprach: daz si getan, / Beheim sol er han
ReinFu
K,2102;
Bêheim ich bescheide alsus: / ‘bê-’ daz diutet ‘beatus’, / ‘-heim’ ‘domus’
oder ‘mansiô’. / daz sprichet ouch ze diute sô: / ein eigen hûs od wonunge
UvEtzWh
4699;
KvWLd
32,328.
–
‘Böhme’
der Beheim solde wol dem riche hellen mite
Tannh
5,33;
juden, kristen, Kriechen, Valwen, heiden vil, / Unger, Polan,
Riuzen, Beheim ebd.
1,42;
MügelnKranz
1159;
SummHeinr
1:275,51
MWB 1 509,58; Bearbeiter: Schnell
beheimen
swV.
‘jmdn./etw. (in sein Haus) aufnehmen’
wol im, reiner suͤzer got, / der behaltet din gebot! / wie wol der wirt
beheimet / swer dich mit triwen meinet! Rennew
6667;
im bræht von schulden mêre riu, / swâ er die tempel bûwen sol, / wolt er die
niht mit triuwen wol / beheimen und begrîfen HvBer
4446
MWB 1 510,6; Bearbeiter: Schnell
beheimisch
Adj., Adv.
auch behemisch.
‘böhmisch’
do verpranten dy Oͤsterreicher dy pehaimsch stat ze Pehaim
dy genant ist Rodinum EnikWchr
543,19;
ûf daz bêheimisch ertrîche / legt sich der furst ûz Ôsterrîche / mit einem
ahtpæren her Ottok
83523;
wilt du machen behemmische erweiz BvgSp
63.
–
ieslîcher ret besunder: / einer ungerischen, / der ander riuzischen, / der
dritt bêheimischen ret, / der vierde tiutsch an der stet EnikWchr
3361
MWB 1 510,13; Bearbeiter: Schnell
Beheimlant
stN.
‘Böhmen’
uz Beheimlande ein künec rich / und ouch in Osterlande / ein
Liupolt und ein Friderich Tannh
6,34;
der junge künec uz Beheimlant ebd.
6,88.
6,92
MWB 1 510,23; Bearbeiter: Schnell
beheimsuochen
swV.
‘jmdn. (in feindlicher Absicht) in dessen Haus aufsuchen’
er well dann gern chlagen [...], umb welherlay sach
[...] daz waer, ân umb totsleg, notnuft, offenwar
behaimsuͦchen, diu mit gewafenter hant geschicht, und offenbar diepstal
StRMünch
306,8
MWB 1 510,27; Bearbeiter: Schnell |