1beiʒe
stF.
‘Beizjagd; Beizwild (Jagdbeute)’
si vunden guote beize dâ: / beide bach unde lâ
[Sumpf] / lâgen antvogele vol Er
2036;
zwiu solde ich füeren hinnen / ditze schœne vederspil? / bî Rîne ist guoter
beize vil Bit
7002;
ich waͤn, man lieg nyndert so vil / sam da man sait von veder spil, / von
gejaid und von der paiz Teichn
316,3;
Mügeln
403,5;
Ottok
75923
MWB 1 533,46; Bearbeiter: Schnell
2beiʒe
stF.
‘Beize, Lauge’
ich bin des leides durch gan, / als daz vel der beizze, /
kalde vnd heizze, / beide bleich vnde rot Herb
14083;
smaragden und safire zepulver man da ribet. / er bedorfte lutzel vire, swer
dise beiz also zusamen tribet JTit
1687,2;
mit bisem und mit balsems trôr / wart ez [das
Fleisch] vor gebeizet. [...] / ich bin in
der tumpheit wol, ich næm die kost der beize / vür eteslîches herren guot
Loheng
6067
MWB 1 533,54; Bearbeiter: Schnell
beiʒec
Adj.
1
‘bissig’
2
‘begierig auf die Beizjagd’
1
‘bissig’
[Heuchler] dy uzen schinen als eyn holf
[Narr] / und bynnen syn eyn beyzig wolf Hiob
4966.
–
‘kampfbegierig’
wen si in den strit czien, so trenkin si dy elefant mit dem wyne, von deme
werdin sy kuner und beysik MarcoPolo
70,14
2
‘begierig auf die Beizjagd’
hebiche [...], di ouch gar beysik sint
MarcoPolo
55,22
MWB 1 533,63; Bearbeiter: Schnell
beiʒel
stM.
‘Nagel’
die beizele sin die dri iseren nagele, / die durch gruven beide hende inde
vuze / des guͦden Jhesus Lilie
29,36;
ich willen dir einen hamer wisen, / inde dri beizele, die sint iseren ebd.
29,32.
30,1
MWB 1 534,6; Bearbeiter: Schnell
beiʒelboum
stM.
‘Sauerdornstrauch, Berberitze’ (von
2beiʒe, da Wurzel und Bastrinde zum Beizen und zum Gelbfärben
benutzt wurden, Anm.z.St.; vgl. Marzell 1,572f.):
man sol paizzelbaum nemen vnd die obern rinde abschaben; dar
nach sol man abschaben daz grün vnd sol daz sieden in alunwazzer vnd
[...] verb damit BairFärb
10,1
MWB 1 534,11; Bearbeiter: Schnell
beiʒeln
swV.
‘jmdn. schlagen, peinigen’
mit ruten sie en gulen / wurden, darzu mit geiseln / vil
jemerlichen beizeln Daniel
4228
MWB 1 534,18; Bearbeiter: Schnell
1beiʒen
swV.
zu
1beiʒe.
‘mit einem Greifvogel (meist Falken) jagen’
swa er einen vogel sach, / swenne er beizen wolde, / da
niemen werfen solde, / da warf er sinen habch StrKD
61,11;
mit sînem valkenære beizte dâ der künic vil kündiclîche Kudr
1096,4;
er beißte auch gern mit den falcken und mit den habichen
Lanc
303,25;
Parz
721,19;
KvWWelt
26;
Tannh
13,10;
StatDtOrd
47,23
MWB 1 534,21; Bearbeiter: Schnell
2beiʒen
swV.
zu
2beiʒe.
‘etw. mit Beize, mit einer Flüssigkeit behandeln, bestreichen’
gebeizet was sîn brunie / in eines wurmes blûte
SAlex
1300;
wande sie [die Meerjungfrau] gebeizet was / in
eines wurmes bluote StrDan
4044.
–
‘etw. (Speisen) beizen, einlegen’
swer den win trinke, da daz cruͦt inne gebeiset si, iz gebe
im guͦt gehugnisse Macer
47,4;
wellest dû aver schiere gesunt werden, sô nim linse unde beize
die mit wîne Barth
132,22.
145,9;
dar zvͦ solt du nemen einen bersich gebeizt in ezzig
BvgSp
55
MWB 1 534,30; Bearbeiter: Schnell
3beiʒen
swV.
‘absitzen, von einem Pferd absteigen’
erst peitzt her Dietrich auff das graß. / [...] / das
roß het er an pundenn / vil hoch an eynen pawm EckenlE7
104,1;
er beizte, sin ros man in zoch TürlArabel
*R 204,4;
her Dietrîch was erzürnet, von Wolfharte er dô reit: / er kunde im niht
gevolgen ûf der heiden breit. / er beizte ze der erden RosengD
501,3
MWB 1 534,41; Bearbeiter: Schnell
beiʒkol
stM.
‘Rübe’ (Beta vulgaris, vgl. Marzell 1,583ff.)
beta: beizcol VocBV947
3:536,23
MWB 1 534,49; Bearbeiter: Schnell
beiʒkrësse
swF.
‘Rübe’ (vermutlich eine kultivierte Unterart von Mangold bzw. Beißkohl, vgl.
Anm.z.St.; Marzell 1,583ff.):
daz wasser, da di beizgresse inne gesoten ist
Macer
91,5;
beta heizet beizgrese ebd.
69,1
MWB 1 534,51; Bearbeiter: Schnell
beiʒstein
stM.
zu
2beiʒe.
‘Alaun’ (verwendet u.a. als Beizmittel):
alumen: beizstein VocBV887
3:485,23;
cassaltrum: beizstein ebd.
3:486,40;
alumen vel casaltro vel spiptiria herba: bisten SummHeinr
2:183,03.13
MWB 1 534,56; Bearbeiter: Schnell
beiʒunge
stF.
‘Beizjagd’
von der beysunge der vogil MarcoPolo
24,14;
uf disim velde do wonit der herre czwene mone in der beysunge, und do ist lust
unbegriflich ebd.
25,17
MWB 1 534,61; Bearbeiter: Schnell
beiʒwint
stM.
zu
1beiʒe.
‘Jagdhund’ (der einen Greifvogel bei der Beizjagd unterstützt, vgl. Dalby,
Mediaeval Hunt, 75b f.):
si gap mir zwêne habeche guot / und dar zuo einen beizwint Bit
7415
MWB 1 535,1; Bearbeiter: Schnell
bejac
stM.
‘Jagdbeute, Gewinn, Lohn’
und daz mit selhem bejage / der wilde lewe disem man / sîne
spîse gewan Iw
3920;
ir gewin und ir bejac / den sanden si ze Karke
Tr
18924;
Wh
422,6;
nieman zwein herren mac / gedienen sô, daz sîn bejac / müge
ir beider lôn bejagen RvEBarl
4434;
rîterschaft was sîn bejac Wig
2865;
Parz
318,22;
RvEWchr
418;
Pass III
303,72
MWB 1 535,5; Bearbeiter: Schnell
bejagen
swV.
1
‘jmdn./etw. erjagen, erringen, erwerben’
2 refl. ‘sich beschäftigen, sich den Lebensunterhalt verschaffen, sein Leben
führen’
1
‘jmdn./etw. erjagen, erringen, erwerben’
werltlîche richtære / [...] / die
tragent wulfîn gemûte, / si bebirsent swaz si mugen bejagen Erinn
271;
die wildenær hant einen site, / dâ si doch eteswenne bejagent guotiu mursel
mite: / swâ si die aren vindent, dâ bindent si diu jungen ûf daz nest RvZw
171,1;
[wie viele] sî der heiden mohten bejagen / dî wurden alle
erslagen JJud
1709.
–
‘nu waz welt ir hie bejagen?’ / ‘ein schœne wîp und iwer
lant.’ UvZLanz
4460;
ich gibe im alle tage, / swâ ichz gewinne oder bejage / eine
marc von rôtem golde Tr
8878;
swer gut rauplich beiaget StrKD
4,231.
161,155;
MF:Reinm
68:1,6;
RvEBarl
4435;
Wig
2829.
– oft in Wendungen wie prîs/ êre/ lôn
~ u.ä.:
ich muoz mit helden prîs bejagen Wh
224,8;
gein den Crichen do reit / der vil schone Paris, / wenne er
ere vnde pris / an dem herren hette beiaget Herb
11769;
UvZLanz
2613;
Lanc
269,1;
Tr
11267;
wie sol ich ir lôn bejagen? KLD:UvL
30: 6,6;
sô mac diu küneginne vil lützel iht bejagen / an dir deheines
ruomes NibB
455,2;
KvWHvK
218.
– mit Nebensatz:
mir hât mîn werlîchiu hant / biz her an disen tac bejaget, /
daz an mir ist der prîs betaget RvEBarl
8645;
swie balde ez tagete, / der unverzagete / an ir bejagete / daz
sorge in vlôch MF:Wolfr
5: 3,9;
ich bejagte swes ich gerte / mit sper und mit swerte
Iw
3525.
– mit Dat.-Obj. und Akk.d.S.:
dû hâst dem toufe prîs bejagt Wh
454,9;
mir hat mein munt den tot bejagt, /
[...] / mit sundichen worten / han ich die sel dicke
ermort GvJudenb
966
2
refl. ‘sich beschäftigen, sich den Lebensunterhalt verschaffen, sein Leben
führen’
wer gerne lebet nâch êren, / der sol vil starke kêren / alle
sîne sinne / nâch etelîchem gewinne, / dâ mit er sich wol bejage / und ouch vertrîbe
die tage Iw
7179;
dô vor der selben naht / bejagete sich der küene / mit sîme
schilte grüene / ûf dem velde UvZLanz
3025.
6607;
dc sich unser armen burgere von der stat niht bejagen mugen in deme lande,
alse si billiche solten UrkCorp (WMU)
N2AB,14;
Erinn
347;
KLD:GvN
39:3,4;
SM:UvS
19:5,3.
– subst.:
yeder mensch treibt sein bejagen Teichn
305,27.
120,41
MWB 1 535,13; Bearbeiter: Schnell
bejaget
stN.
‘Gewinn’
sîn genôz des tages manec man / der von im dâ vil gewan. / grôz was ir bejaget
Er
2709
MWB 1 535,56; Bearbeiter: Schnell
bejâmern
swV.
‘jmdm. leid tun’ (unpersönl. mit Akk.d.P.):
und wenn Ihesus nút bi in was, / vil sere bejamerte sú das, / wan er was gar
ir wunnespil WernhMl
4498
MWB 1 535,59; Bearbeiter: Schnell
bejâren
swV.
‘alt werden, zu Jahren kommen’
daz er sô mit triuwe und och mit zuht gebârte, / daz er sich
niemer ân êr betagite noch och bejârte SM:UvS
11: 4,7;
er solt sî wol bejâren lân, / ê er die hôchzît solde hân HvBer
5176;
wie iz beiaret, oder wie der wein geret UrkKlostern
1,221
(a. 1326);
TürlArabel
*A 113,22;
Teichn
411,57.
–
‘alt, in hohem Alter sein’
dû bist wol sô bejâret, / daz dû der wîssagen zal / bekennest
umb Adâmes val Wh
218,10;
der tubel ist also bejaret, / daz her uns immer me varet / durch sin erbe daz
wir besitzen Brun
8871;
ir hêrren, nemt diu kint, / diu dar zuo wol bejâret [alt
genug] sint HvBer
7843.
5627
MWB 1 535,63; Bearbeiter: Schnell
bejëhen
stV.
‘etw. aussprechen, darlegen’
1
‘(jmdm.) etw. sagen, verkünden, bestätigen’
2
‘(jmdm.) etw. bekennen’
3
‘(jmdm.) etw. beichten’
1
‘(jmdm.) etw. sagen, verkünden, bestätigen’
– mit Akk.d.S.:
sust geschicht zwar allen den / in ertrich die da bejen / den
namen Balthasaren Daniel
4846;
nû sult ir mir bejehen / und lât mich hœren iuwern rât
KvHeimHinv
864.
– mit Gen.d.S.:
unde wil iu des bejehen / bî der rehten wârheit
Iw
6114;
ein ieglicher mvͦste sinen zins in sine rehte hoͮbetstat
bringen vnde mvͦste siner rehten herschefte beiehen [
ut profiteretur Lc 2,5]
Spec
20,27;
ovch begih ich des, daz ich von minem herren [...]
dreu hundert march silbers enphangen han UrkCorp (WMU)
N240,31;
Lanc
540,16;
Pass III
74,25.
89,72;
Elis
3789.
– mit Obj.-Satz:
bejehet gote alle / in vreudenrichem schalle / daz er gut si
Daniel
1519;
wir beiehn ouch wol, daz den chouf in dem lande von unserm rihter nieman
gewinnen sol UrkCorp (WMU)
1100AB,14.
1057,2.
3569,12;
mine geverten, die bejehen / vor uch swaz ich gesprochen han Vät
38834.
– mit erspartem Obj.:
jch begiche offenliche an disem briefe: do ich [...]
UrkCorp (WMU)
N427,10;
bistu, als du hast bejen, / gotis sun, daz laz uns sen
Daniel
4297;
her bejach vor ware unde bekante: ich byn nicht Cristus EvBerl
4,4;
daz ist war, als ich beiehe Pass III
439,34
2
‘(jmdm.) etw. bekennen’
– mit Akk.:
Crist herre, den ich ie beiach / und ouch immer wil beiên, / ich bitte dich
Pass III
189,16.
121,35;
Judea sprichet also vil also ‘Got begehen’ oder ‘Got loben’ Tauler
86,20.
62,19;
SAlex
4178;
LvRegFr
2247.
– mit Gen.d.S.:
gnade allin selin / di dines geloubin hant bijehen
Litan
1438;
her berichte [...] daz Rome ein
houbit were / al der, die der kristenheite beiehen TrSilv
376;
ir habet oͮch des begehen, daz er da ze himele sî
Spec
155,9.
155,20;
UrkCorp (WMU)
237,27;
Wernh
D 4103.
– mit Obj.-Satz:
lieben lute, nu habet ir beiehen, daz der almahtige got iwer
uater sî Spec
155,6
3
‘(jmdm.) etw. beichten’
– mit Akk.d.S.:
er beiach uil riwechliche sine mîssetât Abrahame
Spec
41,30;
wir [...] begehin alli ain andir
unserri missetât ebd.
66,28.
– mit Gen.d.S.:
sô gibet er uns buozze, mit der suntône antlâzze / der wir im
bejâhen Gen
560;
ich [...] begihe dem almahtigin gôt
[...] aller der sunde, die ich ie gefrumte von angenge
mines libes unz an disen hivtigen tach Spec
2,22.
3,7.
9,31;
HeslApk
3199.
– mit Obj.-Satz:
ich begihe dem almahtigem got, daz ich den heiligen svntach
vnde ander heilige tage so niht gevîret noch so geêrt han, so ich solte
Spec
3,14.
4,4.
3,23;
er begete waz er ie hette getan, / âne daz er hette geslagen / siner svester
sun, dez dot er verhal HlReg
72,23
MWB 1 536,12; Bearbeiter: Schnell
bejëhunge
stF.
‘Bekenntnis’
Juda sprichet alse vil alse ein bejehunge Gottes Tauler
16,9
MWB 1 537,1; Bearbeiter: Schnell
bekallen
swV.
1
‘etw. beklagen’
2
‘jmdn. ausschimpfen’
1
‘etw. beklagen’
sit ich daz [Todeslos der Mächtigen] bekalle
Frl
5:66,5;
swer daz tut, der muz mit mir den schaden ouch bekallen ebd.
5:99,19
2
‘jmdn. ausschimpfen’
daz mich also straffen wart / myne magt und mich bekallete hart, / da wart ich
leidig und am hertzen gar swere Pilgerf
9028
MWB 1 537,3; Bearbeiter: Diehl
bekantheit
stF.
‘Erkenntnis’
dú diemuͤtigú minne von heliger einvaltekeit gesiget alleine
úber die hoffart und bringet die sele mit gewalt in helige ware bekantheit
Mechth
3: 13,7
u.ö.;
Eckh
1:56,2
(La.);
in unwissintheit ist man Gode verre, mit bekantheit und mit lichte, so nekint
[nähert] man sich uffe Got Parad
12,23
MWB 1 537,10; Bearbeiter: Diehl
bekantlich, bekentlich
Adj.
‘bekannt’
alle dinc der erde und swaz dâ ie / geschehen ist, bekentlich / sie sint dir
[Gott] und wizzentlich UvEtzAlex
Anh. 21;
diu pild und geleichnüss aller bekantleicher ding
BdN
4,34;
frauwe, durch Got begnaden mich, / wollent mich uch bekentlich machen
Pilgerf
232.
–
‘erkennbar, ersichtlich’
daz kriuze bekentlîch was genuoc: / ob dem wâpen ez ein iegelîch kristen truoc
Loheng
5161;
als der mensche denne im selber gelossen wirt und Gotz werks in bevintlicher
oder bekentlicher wise nút me in im gewar enwirt Tauler
238,24;
Seuse
177,16;
ThvASu
234,13.
–
‘zugegeben, zugestanden’
umb jerliche bekentliche pecht mogen sy mit iren boten von stund an penden
[pfänden]
WeistRh
2,2:98,29
(1336/1356).
–
‘erkennend’
di selbe bekentliche nature di in deme sone ist, di ist auch in deme vadere
und in deme heligen geiste Parad
97,1;
daz ist eigen dez sinnes, daz ez bekentlichen [
cognoscitivus
] ist der dinge gegenwertikeit ThvASu
148,5
MWB 1 537,17; Bearbeiter: Diehl
bekantlicheit, bekentlicheit
stF.
‘Erkennbarkeit’
dâ si [die Seele] gotes gesmecket, ê er wârheit
oder bekantlicheit an sich vâhe, [...] dâ nimet si daz
wesen in ebenmæzicheit Eckh
1:56,2.
–
‘Erkenntnisfähigkeit, -vermögen’
der vader ist daz bekentnisse, der son di bekentlichkeit. waz mac baz bekennen
den vader wan bekentlichkeit des sones Parad
96,31.
94,37
MWB 1 537,38; Bearbeiter: Diehl |