benützen
swV.
‘etw. gebrauchen’
sin hemde er entzwei reiz / [...] / um der vrouwen
bilde rich / ein teil er da kutzte [legte] . / daz ander
er benutzte, / wand er sich selber drin want MarLegPass
22,152;
si gab zu mildecliche dar / uzer hant ir selbes nar, / daz si zu ir gerede
[Vorsorge] / gar wol benutzet hede Elis
8116;
dî schutzin, / dî man vil wol benutzin / sach dâ ire pfîle NvJer
14880.
23699
MWB 1 579,15; Bearbeiter: Schnell
benz
swM.
‘dummer, roher Mensch’ (mit z-Suffix gebildete Kurzform zu den Vornamen
Bernhard, Berthold oder Benedikt; vgl. Kunze, Namenkunde, S. 22):
eyâ, waz ist diu christenhait worden an manger stat, dâ man
ainen Uodelger und ainen Penzen verr lieber hœrt wan ain êwangelium sagen
BdN
304,4
MWB 1 579,23; Bearbeiter: Schnell
benzære
stM.
Bed. unklar (vgl. FWB 3,1326f.):
goltsmid: glenczer, / gelerter man: penczer Teichn
600,10
MWB 1 579,30; Bearbeiter: Schnell
beonia
stF.
→
peon
MWB 1 579,33;
beordenen
swV.
‘etw. festsetzen, anordnen’
daz wir [...] haben beordent vnd besezet, ze gebene
[...] ellú iar an dem iargezit meister Uͦlriches
seligen von Núwenburg sehs schillinge UrkCorp (WMU)
2922,23
MWB 1 579,34; Bearbeiter: Schnell
be|ougen
swV.
‘etw. durch Augenschein beweisen’
hant aber kunige vnd keisere in me rehtes gegebin, als da reht ist, daz si
beougen muͤgent, dez sulent si billiche geniezen UrkCorp (WMU)
360,16
MWB 1 579,39; Bearbeiter: Schnell
bephlihtegen
swV.
‘jmdn. verpflichten, in die Pflicht nehmen’
da mit hat got den menschen bephlichtiget, daz er [l. daz er
in
] von rechte lib sol habn PrLpz(L)
29,15
MWB 1 579,43; Bearbeiter: Schnell
bephlücken
swV.
‘jmdn./etw. rupfen’
des sint eczliche [Menschen] di
[...] totin di [Affen] und
bepfluckin si odir enthern si MarcoPolo
55,17
MWB 1 579,47; Bearbeiter: Schnell
bephrüenden
swV.
‘jmdn. mit einer Pfründe versehen’, hier übertr.:
sy [
velscher
] stichten menigen fellen rait, / wie [wie
sie] sich op ir tzonge bepronden [auf ihrer Zunge
einnisten] / ind die goeden dair mit ontreynen MinneR 409
268
MWB 1 579,50; Bearbeiter: Schnell
bequâme
Adv.
auch bekome.
‘schnell, bald’
iz weren megde oder kneht, / daz si ir christenlichen reht / enphiengen wol
bequame Elis
8227.
5617;
der [Widder] haftôte in den
brâmen [Dornen] , den nam er
[Abraham] vil bechôme Gen
937
MWB 1 579,55; Bearbeiterin: Baumgarte
bequæme
Adj.
‘passend, geeignet’
di werdent gote anneme, / sinem riche bequeme Glaub
3645.
2117;
mache eyn hol in den stam mit dem geczoyge, das dor czu si
bequeme Pelzb
120,25
u.ö.;
NvJer
1579.
26251;
do sante her kegin Jherusalem an siner stat eyn heyligin bischof mit grozem
oppir unde mit bequemir geselleschaft MarcoPolo
71,18.
63,22;
Vät
1516
–
sich jmdn./etw.
~ machen
‘sich jmdn. unterwerfen’
di groze stat Karthaginem / gewan he und machte si im bequem PfzdHech
189,15;
di wip behildin sy byn der stat und machtin yn di bequeme czu irme dynste
MarcoPolo
51,20.
–
‘wohltuend, bekömmlich’
sinú wort dú warent bekeme irme herzen Mechth
5: 23,24
u.ö.;
des saffis gebruchin sy vor wyn [...]und ist gut unde
bequeme czu trinkin MarcoPolo
56,8;
Daniel
1956
MWB 1 579,60; Bearbeiterin: Baumgarte
bequæmelich
Adj., Adv. , bequæmelîchen
Adj., Adv.
auch bekömlich(en) und bekemlich(en).
‘passend, angemessen’
secze das in vet ertriche also tif, als is bequemelich ist
Pelzb
122,14;
[Werk und Wille] sint bede gut bij eynander / und auch
beqwemlich [verträglich] bede miteynander Pilgerf
4120
u.ö.;
Cranc
Uzl. 261,40;
übers. conveniens und convenienter:
allerbekemlichest [
convenientissimum
]
ThvASu
40,7.
8
u.ö.;
ir vile sprâchin valsch gezuͦcnisse wider en, und di gezuͦcnisse wâren nicht
bequêmelich [übereinstimmend]
EvBeh
Mc 14,56;
EvAug
117,1.
–
‘geeignet, tauglich’
myne kruͤcken sint liplich / und den lip zu halden beqwemelich Pilgerf
13607;
eine stat, / dî bequêmlîch wêr gesat / zu bûwne eine vestin NvJer
5026.
5101;
übers. habilis:
die kinder sint nit bekemlich zuͦ der werkunge des wille Gnadenl
3:O1,347.
–
‘günstig, bequem’
so ist dieser [Weg] nit wieder dich, / sonder er ist
dir gar beqwemelich Pilgerf
301.
384;
ThvASu
16,22;
übers. opportunus/ opportune und aptus
‘bei passender Gelegenheit, gelegen’
so nu bequemelicher dag / erstunt [Mc 6,21]
EvStPaul
3284;
EvBeh
Mc 6,21;
und her [Judas] sûchte wî her en
[Jesus] bequêmelîche hin gigêbe ebd.
Mc 14,11
(vgl. bequæmelichkeit 2);
ein zit bequemelich Daniel
7500
MWB 1 580,12; Bearbeiterin: Baumgarte
bequæmelichkeit
stF.
1 übers. commoditas
‘Übereinstimmung’ (Glossar: ‘Anpassung’ ) 2 übers. opportunitas
‘(passende) Gelegenheit’
1
übers. commoditas
‘Übereinstimmung’ (Glossar: ‘Anpassung’):
waz machit glich? da di dinc di underschêdin sint, etwaz bequemelichkeit mit
ein andir habin Parad
29,31.
29,34.
139,4
2
übers. opportunitas
‘(passende) Gelegenheit’
und von der stunde sûchte her bequêmelikeit, daz her en gigêbe
in [dass er ihnen Jesus übergäbe]
EvBeh
Mt 26,16.
Lc 22,6
MWB 1 580,38; Bearbeiterin: Baumgarte
bequëmen
stV.
→
bekomen
MWB 1 580,46;
bequicken
swV.
auch bekücken (vgl. 2
3Mhd.Gr. § 116).
‘jmdn. wieder lebendig machen, zum Leben erwecken’
[Christus ist] lebintigir gestandin ûz dem grâbe. er selbe
bechûcti sich mit sin selbis gewalte Spec
60,20;
also was sie an den stunden / bechuket uon ir leide
Wernh
D 675;
das gebet den toten bechuchet HvBurg
2263;
Rennew
16384;
Wernh
3682.
– intr. (?):
uuante áller sláhto túgede an dír quékkent [La.
bechicchent
] , álso in démo gárten áller sláhto krût grûonent Will
67,3
MWB 1 580,47; Bearbeiter: Schnell
bequide
stN.
→
gequide
MWB 1 580,57;
bequîlen (?)
V.
‘etw. verzögern, versäumen’
du solt snelliclichen drat / zu Allexander eyllen / und dez nit bequeillen
GrAlex
5010
MWB 1 580,58; Bearbeiter: Schnell
ber
stM.
eine Schlange:
berus haizt ain ber, diu ist die schalkhaftigst under allen
slangen BdN
266,3
MWB 1 580,61; Bearbeiter: Schnell
1ber
stF.
1
‘Beere’ , Frucht einer Pflanze (oft Weintraube, auch einzelne Weinbeere) 2 phras.: Ausdruck der Geringfügigkeit, auch zur bildl. Verstärkung einer Negation
‘überhaupt nichts, nicht das Geringste’
2.1
(niht) ein ~
2.2
niht gegen einer ~
1
‘Beere’, Frucht einer Pflanze (oft Weintraube, auch einzelne
Weinbeere):
des paums [der Esche] fruht ist
als die dünnen trauben, alsô daz vil per an ainer dünnen trauben stênt
BdN
324,32;
der lorboum hat louber vnde ber di gut sin zcu der ercenie
SalArz
15,45;
wiltu habin schone bere
[Weinbeeren] ane steyne, di man mak essin mit vroudin
Pelzb
130,30;
WüP
106h,2;
Seuse
384,7.
– übertr.:
sus gîstû [Maria] blüender bluomen ber / ân
alle wer / dîm liepsten ingesinde LobGesMar
61,12
2
phras.: Ausdruck der Geringfügigkeit, auch zur bildl. Verstärkung einer Negation
‘überhaupt nichts, nicht das Geringste’
2.1
(niht) ein ~
:
Tristan dô er daz hundelîn / gewan in die gewalt sîn, /
ern hæte wærlîche / Rôme und elliu rîche, / elliu lant und elliu mer / derwider
niht gahtet ein ber Tr
16268;
dem moht wir noh enchunden / geschaden an den stunden /
als chlain als umb ain per GvJudenb
2481;
ich enahte ûf iuwer drô / niht sô tiure als umb ein ber KvWTroj
12679;
Parz
564,30;
Suchenw
12,50
2.2
niht gegen einer ~
:
sine schuofen niht gegen einer ber / und funden nihtes mê
/ wan daz diu wîp funden ê KvHeimUrst
936;
Wolf ist gîtslündec, / sô ist Fuhs vil kündec: / daz half sie niht gein
einer ber, / Fürst was an sîner wer Helbl
4,421
MWB 1 580,63; Bearbeiter: Schnell
2ber
stF.
‘Schlag, Streich’
ich beswung iuch sô mit mîner ruoten ber SM:UvS
24: 3,4.
– wohl hierher:
solche minne berie [Pl.?] / git der helle scherie
Martina
71,111
MWB 1 581,25; Bearbeiter: Schnell
bër
swM.
(st. Mügeln
12,9)
1
‘Bär’
2 oft in Vergleichen 2.1 wild wie ein Bär 2.2 zornig wie ein Bär 2.3
brimmen/ limmen als ein ~
2.4 etw. ist so groß wie das Begehren des Bären nach Honig 3 übertr. 3.1 für Grausamkeit (vgl. Hamm, Lucid., z.St.) 3.2 für den Teufel 4 im Sprichw. (vgl. TPMA 1,337-342) 4.1 der Bär schadet sich in seinem Jähzorn selbst 4.2 einen wilden Bären kann man nicht zähmen oder seiner Natur widersprechende Dinge lehren 4.3 man soll sich mit Bären nicht anlegen 4.4 schlechte Hunde soll man zu den Bären lassen 4.5 Bären mit Hasen jagen (etw. mit unzureichenden Mitteln beginnen) 4.6 das Eichhörnchen jagt den Bären (Bild für die Verkehrung der Machtverhältnisse)
1
‘Bär’
ursus haizt ain per. daz ist gar ain grimm tier
BdN
162,14;
in Norweien lant, daz ist gar ain kaltez lant und dâ vint man
weiz pern ebd.
206,17;
si wolden jagen swîn, / bern unde wisende: waz möhte küeners
gesîn? NibB
916,4;
Herb
10384;
Mügeln
12,9;
UvZLanz
3992.
– als Bestandteil von Personennamen:
her Hartman der Bær von Laugingen UrkCorp (WMU)
428,26;
Bruno der Ber ebd.
2392,34.
– in Heilmitteln:
des siechtuomes mahtû schiere helfen: dû solt nemen eines
bern smer unde solt daz zetrîben Barth
133,5
2
oft in Vergleichen:
ûz dem hole sach er ein / wîp gegen im loufen dar, / diu was
in einer varwe gar / swarz, rûch als ein ber Wig
6288;
sîn schœnez swert vuorter sâ / und stuont ze wer als ein ber
ebd.
7295;
der mensche hat verre starker woffen [...] da fúr des
vigendes gewalt vil minre ist denne ein fliege gegen einem bern Tauler
326,9
2.1
wild wie ein Bär:
si giengen dâ ze bîle / gelîch zwein wilden beren KvWTroj
37247;
in die rotte dranger / als under schâf ein wilder ber KvWEngelh
2853;
Flata kam gelauffen herr, / tobigk als ain wilder per
HvNstAp
5518;
Krone
9817.
6520
2.2
zornig wie ein Bär:
vf Diomeden quam er geracht / also zornic als ein bere
Herb
9039;
Witege zurnt reht als ein ber Virg
730,1;
er hete grimmigen mût, / alse der zornige bere tût, / sô
in di hunde bestân SAlex
2795
2.3
brimmen/ limmen als ein ~
:
ienir der da gebunden lac. / der begunde bremin alse ein
berre Roth
1660;
swenne in sin zorn ane quam, / als ein grimmer ber er
bram Herb
2990;
limmende als ein ber er gât; / guot muot ist im vremde Neidh
WL 1:4,9;
er gêt wetzende als ein swîn / und dar zuo limmende als ein ber / vor
tratzer hôchfart hin und her Renner
6927.
10242;
HeidinIV
609
2.4
etw. ist so groß wie das Begehren des Bären nach Honig:
nâch gerihte ist im sô nôt, / sô dem hungerigen bern nâch honeges süeze
nie enwart RvZw
138,3.
228,11;
er klebet an der suͤssekeit also der bere an dem honige Tauler
401,14;
Seuse
427,13
3
übertr.
3.1
für Grausamkeit (vgl. Hamm, Lucid., z.St.):
sancto Benedicto, dem erschein ein sele, die hete hobit
vnde zagil alse ein esel, inmiten waz si ein ber Lucid
133,14
3.2
für den Teufel:
und von den schulden, set, daz Job / bestunt in den noten grob / als ein
kemphe sorgen ler / und uberwant den leyden ber Hiob
342
4
im Sprichw. (vgl. TPMA 1,337-342)
4.1
der Bär schadet sich in seinem Jähzorn selbst:
des beren zorniger muot / im selben dicke schaden tuot Freid
139,9
4.2
einen wilden Bären kann man nicht zähmen oder seiner Natur widersprechende
Dinge lehren:
solte er daz lern, man lêrte ein beren ê den salter Tit
87,4;
sô mochte man einen wilden beren noch sanfter harfen lêren MF:Sperv
2:11,6;
sol wîser rât der volge enbern, / der alsô vriundes hüeten sol, / der
zamte lîhter wilde bern Winsbeckin
31,10;
WälGa
357
4.3
man soll sich mit Bären nicht anlegen:
swer mit eim pern strîten solde, / ich wæne niht daz er wolde / phenninge
zelen zuo der zît WälGa
7757;
swer sich kratzet mit dem bern, / dem muoz sîn hût vil dicke swern
Freid
139,7
4.4
schlechte Hunde soll man zu den Bären lassen:
ummaere hunde sol man schupfen zuo dem beren, / unde rôten habich werfen
zem reiger, tar ers geren MF:Sperv
2:12,1
4.5
Bären mit Hasen jagen (etw. mit unzureichenden Mitteln beginnen):
swer beren mit dem hasen jagt, der mac sich geluckes wol verkunnen
JTit
832,4
4.6
das Eichhörnchen jagt den Bären (Bild für die Verkehrung der
Machtverhältnisse):
mir selten wol behaget / ûz rîchen mannes munde lüge, und swâ den bern ein
eichorn jaget Marner
15,234;
der eichurne den bern iaget / der hase dem lovwen wider saget / und dem
wolfe daz lamp / so der mensche sinen camp / gen sinen herren striuzit
Martina
120,69
MWB 1 581,29; Bearbeiter: Schnell
bêr
stM.
‘Eber, Zuchteber’
habin di burgeri ein vinoz
[Nutztier]
[...]: ochsi edir beir edir sterri edir boc
Mühlh
179,17;
swes hunt oder beir oder phert oder osse SSp
87,8;
hat ein man hunt oder pern oder pharen [einen
Stier]
StRMünch
348,17.
– übertr.:
jô enwas ich niht ein eber wilde [La. wilde bere
]
MF:Kürenb
2:3,4
MWB 1 582,43; Bearbeiter: Schnell
berâmen
swV.
‘jmdn. beschmutzen’
vnd in den furhof sie niht quamen, / daz sie sich mohten iht beramen, / daz
geeszen sie daz ostermaz EvStPaul
14185
MWB 1 582,50; Bearbeiter: Schnell
berât
stM.
‘Beratung, Rat’
so sal die stad, der he [der Kaiser] zuspricht,
eynen berad bidden UrkFrankf
2,530
(a. 1340);
joncfrow, daz ortel willich telen / sonder beraet und suͦnder helen
MinneR 336
394.
306;
so wil ich uch balde antwerten / und keinen andern beradt dar uff halten
Pilgerf
1762;
Teichn
703,4
MWB 1 582,54; Bearbeiter: Schnell
bêrât
stFM.
→
pârât
MWB 1 582,61; |