b – bachhelling bächîn – backwërc bacolôn – badestubære badestube – balde baldecheit – balmunden balmunt – balsamtrôn balsamtropfe – ban, bane 1ban – banekîe banël – bänkelîn banken – bantac bant|âder – banzins banzûn – bârbrët 1barc – bârkleit barkorn – barmhërzeclîche barmhërzege – barten bartenære – base Baseler, Basler – bate bate, pate – bearbeiten bearren – bechersamenære becherweide – beckenknëht beckenkol – bedancheit bedarf (?) – bedingen bedirmen – bedrangen, bedrengen bedrât – begâben begâbunge – begelimpfen begenagen – begin begîne – beglîmen beglîmunge – begrîflich begrîflîcheit – behaft behaftec – behaltunge behandeln – beheimsuochen beheiʒen – behern behêrren – behoven behten – behuoflich behuoren – beie beie – beinîn beinîsen – beiʒe 1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit bekantnisse, bekentnisse – bekerzen bekicken – beklipfen beklocken (?) – bekorunge bekorungnisse – beküelen bekumberhaft – belæren belasten – belîbelich belîben – belônære belônen – bemaln bemangen – bemurmeln bemüseln – benedîunge benediz – bennen bennige – bequâme bequæme – bërc|êrîn bequæme Adj. bequæmelich Adj., Adv. bequæmelichkeit stF. bequëmen stV. bequicken swV. bequide stN. bequîlen (?) V. ber stM. 1ber stF. 2ber stF. bër swM. bêr stM. berâmen swV. berât stM. bêrât stFM. berætec Adj. berâten stV. (sw. Tannh) berâtenlîche, berætenlîche Adv. berâtnisse stF. 1bërc stM. 2bërc stM. bërcboum stM. bërcbrunne stM. bërceinber stM. bërc|êrîn Adj. bërcgar – bërcphenninc bërcrëht – beredenunge beredet – 1berennen 2berennen – bërhtnaht berhtram – berillîn berîmeln – bërlich bërlîn – bernisch bërnklâ – bêrswîn bertenære – beruofære beruofen – besamentlîchen besamenunge – beschatzære beschatzen – beschemen beschemenisse – beschînen beschirm – beschouwunge beschremen – besebelicheit beseben – besetzunge besëʒ – besîtes besitzære – beslîʒen besloʒ – besnöuwen besnüeren – besprëchære besprëchen – beste bestëchen – bestiure bestiuren – bestürzen bestutten – besuochnisse besuochunge – bët betagen – bëtelære bëtelærinne – bëtemësse betemmen – bëtewîn bëtewîp – betrahtegen betrahten – betrogenlich betrônen – betrûren betrûrigen – bettemunt betten – betûchen betüemen – betwungenheit betwungenlich – bevellicheit bevern – bevliehen bevlieʒen – bevür bevürhten – bewærnüsse bewarsam – bewëlgen bewëllen – bewindeln bewinden – bezâfen bezaln – beziln bezimbern – beʒʒer beʒʒerære – bî bestân bîbilde – bíderben, bedérben biderbenen, bederbenen – bîenkar bîenswarm – bieʒenblat bieʒenkrût – bîhtât bîht(e) – bilchmûs bildære – bildoht bildunge – bilsensaf bilsensâme – bineʒ binide – birden bir(e) – birnwîn birsære – bischolf bî schrîben – bî slâfen bî|slëht – bît bitære – bittern bitternis – biurlîn biuschen – bîvilde bîvilden – bîzeichenen bî zëmen – blahsen 1blæjen – blâsehorn blæselîn – blatengîr blatenrinc – blëchhantschuoch blëchrinc – bleichvëlt blende – blîche blîchen – blîkloz blîkolbe – bliuclich bliuge – blôdern blotschen – blüemunge blüetebërnde – bluomental bluomenvar – bluotgieʒen bluotgieʒende – bluotstürzunge bluotsûgende – bobenthalben boc – bogelîn bogen – 2bolle bollen – 3bor bor-, enbor- – (borliep,) enborliep bormære – bortengewant bortiure – bote botech – bou bouc – boummate boum|öle – bôʒwurz brâ – brâ|hâr bræhen – brantlich brantreite – brâwelîn bræwen – brëhenen brëhentac – brenken brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche brëtsnîdære – brieschen brievære – brionie brîsære – briulêhen briumeister – briuwe briuwe – brohsen bronie – brôthalle brôtheit – bruch bruch – bruckenambet bruckenære, bruggenære – brüeterîn brügel – brünnære brunne – brünselbërc brünseln – bruoderhûs bruoderkint – brust brust – brûtdëgen brûtdrüʒʒel – brûtsanc brûtschaft – buckel buckelære – büellîn büeʒære – buhsboum bühse – bûlslac bulzen – buoben buobengâbe – buochisch buochkamere – buoliân buollîn – buppe bur – burcgrâvenambet burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen burcmeisterschaft – burcstal burcstat – bürde bürdelîn – burgergemeine bûr|gerihte – Burgunder Burgunjoys – bursenære bursît – büschelîn buschoff – bütelin bûtelîn – bûvëlt bûvisch – buʒʒel
|
bequæme
Adj.
‘passend, geeignet’
di werdent gote anneme, / sinem riche bequeme Glaub
3645.
2117;
mache eyn hol in den stam mit dem geczoyge, das dor czu si
bequeme Pelzb
120,25
u.ö.;
NvJer
1579.
26251;
do sante her kegin Jherusalem an siner stat eyn heyligin bischof mit grozem
oppir unde mit bequemir geselleschaft MarcoPolo
71,18.
63,22;
Vät
1516
–
sich jmdn./etw.
~ machen
‘sich jmdn. unterwerfen’
di groze stat Karthaginem / gewan he und machte si im bequem PfzdHech
189,15;
di wip behildin sy byn der stat und machtin yn di bequeme czu irme dynste
MarcoPolo
51,20.
–
‘wohltuend, bekömmlich’
sinú wort dú warent bekeme irme herzen Mechth
5: 23,24
u.ö.;
des saffis gebruchin sy vor wyn [...]und ist gut unde
bequeme czu trinkin MarcoPolo
56,8;
Daniel
1956
MWB 1 579,60; Bearbeiterin: Baumgarte
bequæmelich
Adj., Adv. , bequæmelîchen
Adj., Adv.
auch bekömlich(en) und bekemlich(en).
‘passend, angemessen’
secze das in vet ertriche also tif, als is bequemelich ist
Pelzb
122,14;
[Werk und Wille] sint bede gut bij eynander / und auch
beqwemlich [verträglich] bede miteynander Pilgerf
4120
u.ö.;
Cranc
Uzl. 261,40;
übers. conveniens und convenienter:
allerbekemlichest [
convenientissimum
]
ThvASu
40,7.
8
u.ö.;
ir vile sprâchin valsch gezuͦcnisse wider en, und di gezuͦcnisse wâren nicht
bequêmelich [übereinstimmend]
EvBeh
Mc 14,56;
EvAug
117,1.
–
‘geeignet, tauglich’
myne kruͤcken sint liplich / und den lip zu halden beqwemelich Pilgerf
13607;
eine stat, / dî bequêmlîch wêr gesat / zu bûwne eine vestin NvJer
5026.
5101;
übers. habilis:
die kinder sint nit bekemlich zuͦ der werkunge des wille Gnadenl
3:O1,347.
–
‘günstig, bequem’
so ist dieser [Weg] nit wieder dich, / sonder er ist
dir gar beqwemelich Pilgerf
301.
384;
ThvASu
16,22;
übers. opportunus/ opportune und aptus
‘bei passender Gelegenheit, gelegen’
so nu bequemelicher dag / erstunt [Mc 6,21]
EvStPaul
3284;
EvBeh
Mc 6,21;
und her [Judas] sûchte wî her en
[Jesus] bequêmelîche hin gigêbe ebd.
Mc 14,11
(vgl. bequæmelichkeit 2);
ein zit bequemelich Daniel
7500
MWB 1 580,12; Bearbeiterin: Baumgarte
bequæmelichkeit
stF.
1 übers. commoditas
‘Übereinstimmung’ (Glossar: ‘Anpassung’ ) 2 übers. opportunitas
‘(passende) Gelegenheit’
1
übers. commoditas
‘Übereinstimmung’ (Glossar: ‘Anpassung’):
waz machit glich? da di dinc di underschêdin sint, etwaz bequemelichkeit mit
ein andir habin Parad
29,31.
29,34.
139,4
2
übers. opportunitas
‘(passende) Gelegenheit’
und von der stunde sûchte her bequêmelikeit, daz her en gigêbe
in [dass er ihnen Jesus übergäbe]
EvBeh
Mt 26,16.
Lc 22,6
MWB 1 580,38; Bearbeiterin: Baumgarte
bequëmen
stV.
→
bekomen
MWB 1 580,46;
bequicken
swV.
auch bekücken (vgl. 2
3Mhd.Gr. § 116).
‘jmdn. wieder lebendig machen, zum Leben erwecken’
[Christus ist] lebintigir gestandin ûz dem grâbe. er selbe
bechûcti sich mit sin selbis gewalte Spec
60,20;
also was sie an den stunden / bechuket uon ir leide
Wernh
D 675;
das gebet den toten bechuchet HvBurg
2263;
Rennew
16384;
Wernh
3682.
– intr. (?):
uuante áller sláhto túgede an dír quékkent [La.
bechicchent
] , álso in démo gárten áller sláhto krût grûonent Will
67,3
MWB 1 580,47; Bearbeiter: Schnell
bequide
stN.
→
gequide
MWB 1 580,57;
bequîlen (?)
V.
‘etw. verzögern, versäumen’
du solt snelliclichen drat / zu Allexander eyllen / und dez nit bequeillen
GrAlex
5010
MWB 1 580,58; Bearbeiter: Schnell
ber
stM.
eine Schlange:
berus haizt ain ber, diu ist die schalkhaftigst under allen
slangen BdN
266,3
MWB 1 580,61; Bearbeiter: Schnell
1ber
stF.
1
‘Beere’ , Frucht einer Pflanze (oft Weintraube, auch einzelne Weinbeere) 2 phras.: Ausdruck der Geringfügigkeit, auch zur bildl. Verstärkung einer Negation
‘überhaupt nichts, nicht das Geringste’
2.1
(niht) ein ~
2.2
niht gegen einer ~
1
‘Beere’, Frucht einer Pflanze (oft Weintraube, auch einzelne
Weinbeere):
des paums [der Esche] fruht ist
als die dünnen trauben, alsô daz vil per an ainer dünnen trauben stênt
BdN
324,32;
der lorboum hat louber vnde ber di gut sin zcu der ercenie
SalArz
15,45;
wiltu habin schone bere
[Weinbeeren] ane steyne, di man mak essin mit vroudin
Pelzb
130,30;
WüP
106h,2;
Seuse
384,7.
– übertr.:
sus gîstû [Maria] blüender bluomen ber / ân
alle wer / dîm liepsten ingesinde LobGesMar
61,12
2
phras.: Ausdruck der Geringfügigkeit, auch zur bildl. Verstärkung einer Negation
‘überhaupt nichts, nicht das Geringste’
2.1
(niht) ein ~
:
Tristan dô er daz hundelîn / gewan in die gewalt sîn, /
ern hæte wærlîche / Rôme und elliu rîche, / elliu lant und elliu mer / derwider
niht gahtet ein ber Tr
16268;
dem moht wir noh enchunden / geschaden an den stunden /
als chlain als umb ain per GvJudenb
2481;
ich enahte ûf iuwer drô / niht sô tiure als umb ein ber KvWTroj
12679;
Parz
564,30;
Suchenw
12,50
2.2
niht gegen einer ~
:
sine schuofen niht gegen einer ber / und funden nihtes mê
/ wan daz diu wîp funden ê KvHeimUrst
936;
Wolf ist gîtslündec, / sô ist Fuhs vil kündec: / daz half sie niht gein
einer ber, / Fürst was an sîner wer Helbl
4,421
MWB 1 580,63; Bearbeiter: Schnell
2ber
stF.
‘Schlag, Streich’
ich beswung iuch sô mit mîner ruoten ber SM:UvS
24: 3,4.
– wohl hierher:
solche minne berie [Pl.?] / git der helle scherie
Martina
71,111
MWB 1 581,25; Bearbeiter: Schnell
bër
swM.
(st. Mügeln
12,9)
1
‘Bär’
2 oft in Vergleichen 2.1 wild wie ein Bär 2.2 zornig wie ein Bär 2.3
brimmen/ limmen als ein ~
2.4 etw. ist so groß wie das Begehren des Bären nach Honig 3 übertr. 3.1 für Grausamkeit (vgl. Hamm, Lucid., z.St.) 3.2 für den Teufel 4 im Sprichw. (vgl. TPMA 1,337-342) 4.1 der Bär schadet sich in seinem Jähzorn selbst 4.2 einen wilden Bären kann man nicht zähmen oder seiner Natur widersprechende Dinge lehren 4.3 man soll sich mit Bären nicht anlegen 4.4 schlechte Hunde soll man zu den Bären lassen 4.5 Bären mit Hasen jagen (etw. mit unzureichenden Mitteln beginnen) 4.6 das Eichhörnchen jagt den Bären (Bild für die Verkehrung der Machtverhältnisse)
1
‘Bär’
ursus haizt ain per. daz ist gar ain grimm tier
BdN
162,14;
in Norweien lant, daz ist gar ain kaltez lant und dâ vint man
weiz pern ebd.
206,17;
si wolden jagen swîn, / bern unde wisende: waz möhte küeners
gesîn? NibB
916,4;
Herb
10384;
Mügeln
12,9;
UvZLanz
3992.
– als Bestandteil von Personennamen:
her Hartman der Bær von Laugingen UrkCorp (WMU)
428,26;
Bruno der Ber ebd.
2392,34.
– in Heilmitteln:
des siechtuomes mahtû schiere helfen: dû solt nemen eines
bern smer unde solt daz zetrîben Barth
133,5
2
oft in Vergleichen:
ûz dem hole sach er ein / wîp gegen im loufen dar, / diu was
in einer varwe gar / swarz, rûch als ein ber Wig
6288;
sîn schœnez swert vuorter sâ / und stuont ze wer als ein ber
ebd.
7295;
der mensche hat verre starker woffen [...] da fúr des
vigendes gewalt vil minre ist denne ein fliege gegen einem bern Tauler
326,9
2.1
wild wie ein Bär:
si giengen dâ ze bîle / gelîch zwein wilden beren KvWTroj
37247;
in die rotte dranger / als under schâf ein wilder ber KvWEngelh
2853;
Flata kam gelauffen herr, / tobigk als ain wilder per
HvNstAp
5518;
Krone
9817.
6520
2.2
zornig wie ein Bär:
vf Diomeden quam er geracht / also zornic als ein bere
Herb
9039;
Witege zurnt reht als ein ber Virg
730,1;
er hete grimmigen mût, / alse der zornige bere tût, / sô
in di hunde bestân SAlex
2795
2.3
brimmen/ limmen als ein ~
:
ienir der da gebunden lac. / der begunde bremin alse ein
berre Roth
1660;
swenne in sin zorn ane quam, / als ein grimmer ber er
bram Herb
2990;
limmende als ein ber er gât; / guot muot ist im vremde Neidh
WL 1:4,9;
er gêt wetzende als ein swîn / und dar zuo limmende als ein ber / vor
tratzer hôchfart hin und her Renner
6927.
10242;
HeidinIV
609
2.4
etw. ist so groß wie das Begehren des Bären nach Honig:
nâch gerihte ist im sô nôt, / sô dem hungerigen bern nâch honeges süeze
nie enwart RvZw
138,3.
228,11;
er klebet an der suͤssekeit also der bere an dem honige Tauler
401,14;
Seuse
427,13
3
übertr.
3.1
für Grausamkeit (vgl. Hamm, Lucid., z.St.):
sancto Benedicto, dem erschein ein sele, die hete hobit
vnde zagil alse ein esel, inmiten waz si ein ber Lucid
133,14
3.2
für den Teufel:
und von den schulden, set, daz Job / bestunt in den noten grob / als ein
kemphe sorgen ler / und uberwant den leyden ber Hiob
342
4
im Sprichw. (vgl. TPMA 1,337-342)
4.1
der Bär schadet sich in seinem Jähzorn selbst:
des beren zorniger muot / im selben dicke schaden tuot Freid
139,9
4.2
einen wilden Bären kann man nicht zähmen oder seiner Natur widersprechende
Dinge lehren:
solte er daz lern, man lêrte ein beren ê den salter Tit
87,4;
sô mochte man einen wilden beren noch sanfter harfen lêren MF:Sperv
2:11,6;
sol wîser rât der volge enbern, / der alsô vriundes hüeten sol, / der
zamte lîhter wilde bern Winsbeckin
31,10;
WälGa
357
4.3
man soll sich mit Bären nicht anlegen:
swer mit eim pern strîten solde, / ich wæne niht daz er wolde / phenninge
zelen zuo der zît WälGa
7757;
swer sich kratzet mit dem bern, / dem muoz sîn hût vil dicke swern
Freid
139,7
4.4
schlechte Hunde soll man zu den Bären lassen:
ummaere hunde sol man schupfen zuo dem beren, / unde rôten habich werfen
zem reiger, tar ers geren MF:Sperv
2:12,1
4.5
Bären mit Hasen jagen (etw. mit unzureichenden Mitteln beginnen):
swer beren mit dem hasen jagt, der mac sich geluckes wol verkunnen
JTit
832,4
4.6
das Eichhörnchen jagt den Bären (Bild für die Verkehrung der
Machtverhältnisse):
mir selten wol behaget / ûz rîchen mannes munde lüge, und swâ den bern ein
eichorn jaget Marner
15,234;
der eichurne den bern iaget / der hase dem lovwen wider saget / und dem
wolfe daz lamp / so der mensche sinen camp / gen sinen herren striuzit
Martina
120,69
MWB 1 581,29; Bearbeiter: Schnell
bêr
stM.
‘Eber, Zuchteber’
habin di burgeri ein vinoz
[Nutztier]
[...]: ochsi edir beir edir sterri edir boc
Mühlh
179,17;
swes hunt oder beir oder phert oder osse SSp
87,8;
hat ein man hunt oder pern oder pharen [einen
Stier]
StRMünch
348,17.
– übertr.:
jô enwas ich niht ein eber wilde [La. wilde bere
]
MF:Kürenb
2:3,4
MWB 1 582,43; Bearbeiter: Schnell
berâmen
swV.
‘jmdn. beschmutzen’
vnd in den furhof sie niht quamen, / daz sie sich mohten iht beramen, / daz
geeszen sie daz ostermaz EvStPaul
14185
MWB 1 582,50; Bearbeiter: Schnell
berât
stM.
‘Beratung, Rat’
so sal die stad, der he [der Kaiser] zuspricht,
eynen berad bidden UrkFrankf
2,530
(a. 1340);
joncfrow, daz ortel willich telen / sonder beraet und suͦnder helen
MinneR 336
394.
306;
so wil ich uch balde antwerten / und keinen andern beradt dar uff halten
Pilgerf
1762;
Teichn
703,4
MWB 1 582,54; Bearbeiter: Schnell
bêrât
stFM.
→
pârât
MWB 1 582,61;
berætec
Adj.
‘(mit Rat) behilflich’ (hier
~ sîn mit Dat.d.P.):
er hat ouch gelobet vnde veriehen, das er vns beholfen, beretik vnde bestendik
sin sol wider menlich UrkCorp (WMU)
1925,33
u.ö.
MWB 1 582,62; Bearbeiter: Schnell
berâten
stV. (sw. Tannh )
1
‘jmdn. ausstatten, versorgen, versehen mit’
1.1 mit präp. Erg. 1.2 mit Pron.-Adv. 1.3 mit Gen.d.S. 1.4 mit Dat.d.P. 1.5 in Verbindung mit wol oft ‘gut ausgestattet’
2
‘etw. raten, jmdn. beraten’
3 refl. ‘sich beraten, mit sich zu Rate gehen, beschließen’
3.1 mit Gen.d.S. 3.2 mit abh. Satz 3.3 mit präp. Erg. mit 3.4 mit Pron.-Adv.
1
‘jmdn. ausstatten, versorgen, versehen mit’
die armen si bewâten, / die nôtigen sie berieten
Kchr
17177;
welt ir berâten mich, / [...] / wirt
mir mîn harnasch und mîn swert / und ein guot ors gegeben Wig
6041.
217;
manegen armen er beratet Tannh
1,44;
ob zway elaͤwt, die chint mit einander habent, sterbent, e diu chint alliu
beraten [mit einem Erbteil ausgestattet] werdent
StRMünch
376,25;
Rol
5401;
Wh
133,28;
PrOberalt
164,10;
Eracl
944.
1406
1.1
mit präp. Erg.:
–
~
ane:
swaz ze den êren tohte, / des was diu burc berâten /
[...] / an gesinde und an aller habe
UvZLanz
4167;
dû solt nemen hie von mir / sô vil, daz al die
bruoder dîn / berâten lange mügen sîn / an spîse und an gewande
RvEBarl
6604.
–
~
mit:
der rîche künec der hiez in dô / vüeren ze kemenâten
/ und hiez in dâ berâten / mit rîlîcher wæte Tr
4064;
swaz Gyburge mâge ist hie verlorn, / die sol man
arômâten, / mit balsem wol berâten, / und bâren küneclîche Wh
462,28.
374,9;
ellende und arme ritterschaft / mit rîchen gâben er
beriet KvWTurn
23;
StrKD
6,54.
–
~
von:
und sol die thohteran beraten nach dierre sehsen rate von disem
vorgenanden guͦte UrkCorp (WMU)
335,30;
hartte wol beratten / von vil richem gewande GTroj
11552
1.2
mit Pron.-Adv.:
an orsen, ouch ein unzallich vie, / [...] / dar
sîn die Cristen berâten mite Kreuzf
6993;
der tugente wise / sie hiemite wol beriet Pass III
55,1
1.3
mit Gen.d.S.:
dô mich got dirre magt beriet / und mich von ungemüete schiet Parz
374,11;
got des siges beriet / den kunic und die kristen Ottok
9573;
der [Nahrung] wart rîch daz her berâten
Kreuzf
2591;
Mai
182,19;
Boner
94,19
1.4
mit Dat.d.P.:
der grâl im [Anfortas] sîn volc
beriet Wh
279,16
1.5
in Verbindung mit wol oft ‘gut ausgestattet’
Reinhart was wol beraten, / da hatte er gebraten / ele
ReinFu
K,645;
swa ainer edelr fúrste wonen wil in aim hus [...]
es muͦss schoͤn sin und wit und stark und wol beraten PrGeorg
244,8;
mit wâfen und mit spîse / wâren si wol berâten En
5587;
Ottok
7958;
diu schoͤne múli wol beraten mit guͦten vnd ganzen múlisteinen
UrkCorp (WMU)
813,38;
und sol uns die múli fri und lidig lan in den eren und alse wol beraten an
allen dingen, alsi was ebd.
809,2
2
‘etw. raten, jmdn. beraten’
den kristen und den heiden ir spîse er underschiet. / man gab genuoc in
beiden, als ez der wîse künec beriet NibC
1961,4;
her was des wol berâten, / daz her si lâzen solde / sprechen swaz si wolde
En
4342.
7265;
mit beroteme muͦte [mit Überlegung]
Tauler
58,15;
Suchenw
11,242.
– in der Wendung: sunder
~
‘ohne langes Nachdenken’
als der grosse hochwirdig meister Thomas tet, der sunder alles beraten oder
rede dem ruschenden bruͦder nach gieng Tauler
187,11;
als ein slag vellet uf den menschen al zehant sunder beraten ebd.
336,13;
yr woelt sunder beraden / komen zo syner gnaden KarlGalie
7080
3
refl. ‘sich beraten, mit sich zu Rate gehen, beschließen’
berâtet iuch und saget mir, / weder iu lieber sî getân
Tr
6378.
2452;
der helt sich schiere beriet. / dô was dâ widerrede niet
UvZLanz
8337.
763;
ist daz eim man ein eit ertailt wirt, daz er sinen schaden
bereden sol, als ez danne an den eit gat, muͦtet er denne eins tages, daz er sich
berâte und betrahte, was er berede, den tak sol man im wol geben
StRAugsb
208,25;
Roth
3931;
AvaLJ
203,1
3.1
mit Gen.d.S.:
des berieten si sich schiere: / die gereisen
Tr
9365;
da sprach der konig Ban, er wolt sich des beraten und wolt
es im antworten des nehsten tages Lanc
4,8.
318,17.
24,9;
daz min swester Hædewik des ze rate wart unde sich des beriet, daz si gote
dienen wolte UrkCorp (WMU)
1044,36
3.2
mit abh. Satz:
sich beriet der helet Asprian, / wie iz Constantine
mochte irgan Roth
4385;
di herren sprachen ir man. / si berieten sich besunder, /
ob iman were dar undir / der in nicht helfen wolde Rol
135;
gêt ze râte: / berâtet iuch wol drâte, / wie ir iuch
dirre schande erwert Tr
6130;
in sînem muote er sich beriet, / daz er von Almânje
schiet ebd.
18609;
ich han mich also beraten das ich uch dißen thorn wil
offgeben Lanc
10,7.
516,32
3.3
mit präp. Erg. mit:
sich beriet der herre Dietherich / mit Berkere deme alden
manne Roth
2152;
er beriet sich mit den wîsen Wh
52,2;
ich han mich des wol beraten mit mynen gesellen
Lanc
10,4;
RvEBarl
11025;
UvZLanz
7510
3.4
mit Pron.-Adv.:
die meister sprechent, weder bezzer sî: kraft der kriuter oder kraft der
worte oder kraft der steine? man sol sich dar umbe berâten, welhez man kür
Eckh
1:305,7
MWB 1 583,1; Bearbeiter: Schnell
berâtenlîche, berætenlîche
Adv.
‘überlegt, mit Bedacht’
sî dûht ein wunderlîchez dinc / wie ald wâ ald war ir sin / sich hât alsô
gâhes hin / berâtenlîch gewendet Reinfr
8031.
21611;
der edele vürste rîche / vuor gar berâtenlîche / beide mit koste und mit wer
Mai
107,22;
mit gemeiner vnde gesammenter hant bedehtecliche vnde beretenliche ane
allerhande vnderwisunge UrkCorp (WMU)
N176,25.
2415,3;
UrkWürzb
41,419
(a. 1349)
MWB 1 584,28; Bearbeiter: Schnell
berâtnisse
stF.
‘Beratung’
so haben wir mit gotes helfe vnde mit guͦter beratnisse dar vber gesessen
SpeyrerKleid
175
MWB 1 584,37; Bearbeiter: Schnell
1bërc
stM.
1
‘Berg’
1.1 als Bestandteil von Personennamen 1.2 als Bestandteil von Örtlichkeitsnamen 2 übertr. 3 phras. 3.1 in der Wendung
~ unde tal 3.2 in Vergleichen 3.3 hyperbolisch, zum Ausdruck der Erschütterung durch starke Gefühle 3.4 als Adynaton 3.5 mit Präp. in Richtungsangaben 4 in Sprichw. (vgl. TPMA 1,427-432) 5
‘Bergwerk, Erzlagerstätte’
1
‘Berg’
do gieng er an den berch Oliveti AvaLJ
129,2.
149,4;
der kaiser unt sine helde / uon perge zeuelde / chomen si ze
Runzeual Rol
6951;
daz ander heizet Nilus, daz springet vz eime berge, der heizet
Athlaz Lucid
19,18.
33,9;
SAlex
6466.
– im Pl. ‘Gebirge’
von den pergen uͦntz an di Tuͦnaw UrkCorp (WMU)
1274AB,23;
swaz der burgen ist auzzerhalp der berge, die suͤln in varn ze Lindowe;
die inrhalp der berge sint, ze Insprukke ebd.
186,36.
N355AB,22
1.1
als Bestandteil von Personennamen:
her Volmar abe dem berge UrkCorp (WMU)
172,29;
deme greven Alve van den berge ebd.
111,23;
ich Heinrich von dem berge ebd.
1044,28
1.2
als Bestandteil von Örtlichkeitsnamen:
diu priorin und diu samenunge des vorgenanten closters ze dem berge
UrkCorp (WMU)
1656AB,18;
ein gut uf dem puechperig heizset uf dem perige ebd.
3196,18
2
übertr.:
cristes liebe vrundin / [...] / steic sus vf der
tugende berc PassI/II
374,18;
der sachse brûdir Wolveram, / [...] wolde sundir
sîgin / ûf und ûf baz stîgin / von tugginde zu tuggint, /
[...] unz ûf den berc der sêlikeit NvJer
18906a;
ez [das Glück]
[...] blecket sich alsam ein berg Frl
5:89,11;
SHort
1017
3
phras.
3.1
in der Wendung
~ unde tal:
unde fûr dannen / mit allen sînen mannen / ubir berg unde
tal SAlex
6689;
michel wart der her scal. / si fulten berge unt tal / unt
al daz geuilde Rol
3534.
3822;
der mohte sin ein chunich ane sorgen / ubir dei telir unde
ubir die berge Hochz
215;
Gen
704;
Roth
4196
3.2
in Vergleichen:
–
swære als ein
~ , swærer danne ein
~ u.ä.:
diu bercswære bürde / der verwâzenen huote / diu lac
in in ir muote / swære alse ein blîgîner berc Tr
17847;
wir [die Sünden] sin dir swer als ein berg
HvNstGZ
6671;
daz öle bezeichent guotiu werc, / diu vil swærer
danne ein berc / in unsern kranken herzen sint RvEBarl
3604;
der drier vlust diu wac fur berge swære JTit
5442,3;
er dunket in also swaͤre / als ob in druhte faste / ain berk mit sinem
laste RvEWh
28;
Seuse
62,2.
–
grôʒ als ein
~ , als ein grôʒ
~ u.ä.:
wil ieman râten, waz daz sî? / êst lîhter danne ein loup unt ist noch
swærer danne ein blî, / êst grœzer danne ein berc RvZw
220,3;
ain wolken er dort herr sach / walgen als ain grosser
pergk HvNstAp
4935;
da vil daz groze palas /
[...] / nyder als ein groz berg
HvNstGZ
1726
3.3
hyperbolisch, zum Ausdruck der Erschütterung durch starke Gefühle:
des erschricken / mohte ein berc RvZw
269,12;
des wunderen mochte einen berk Brun
4491
3.4
als Adynaton:
alle berge werdent tal, e daz diu liebe minhalp kunn zebrechen JTit
1956,4
3.5
mit Präp. in Richtungsangaben:
–
gegen bërge
‘aufwärts, nach oben’
[wenn ein Eichhörnchen] über ain wazzer muoz, sô
nimt ez ain leihtez holz und tregt daz auf daz wazzer, dar auf setzet ez
sich und recket den sterz gegen perg als ainen segel, sô treibt ez der wint
über BdN
158,17.
–
wider bërge
‘aufwärts, nach oben’
div wazzer heizzet er wider berc uliezzen, die tôten
uf stan Spec
144,8;
über stoc und über stein / wider berc er allez clam,
/ unz er ûf eine hœhe kam Tr
2569;
wir kapfen allez wider berc / und schouwen oben an
daz werc ebd.
16953.
–
ze bërge
‘aufwärts, nach oben’
so wider fliuzet ob der erde daz wazer al ze berge
AvaJG
5,2;
so phlocke des wissen bibos
[Beifuß] bleter zu berge Macer
1,9;
der grob ein hol zo berge / von deme kerkenere
Roth
2554;
NibB
1307,2
4
in Sprichw. (vgl. TPMA 1,427-432):
– der Berg kreißte und gebar eine Maus:
ich enahte niht ûf iuwer drô / und wil si wol genôzen / zwein bergen
grôzen. / die swuoren bî ir sinnen / daz si wolden gewinnen / in selben ein
gezæmez kint, / ein grôzez, als ouch si dâ sint. / dô verhancte des got / daz ez
wart der liute spot, / und gebâren eine veltmûs Er
9051.
– wer hoch steigt, kann tief fallen:
sô hôher berg, sô tiefer tal; / sô hôher êr, sô tiefer val Boner
39,37.
83,53;
ie hœher berc, ie tiefer tal, / ie hôher gestigen, ie swinder val
Renner
16455;
bi hochen bergen tiefú tal WernhMl
4864;
SalMark
320;
Tauler
328,10.
– für die Versuchung durch unermesslichen Reichtum (goldene Berge):
waren di berge alle guldin, /
[...] / dine heter alle nicht genoͮmen
Rol
373;
und wære ein berc golt, / den næme ich niht dar umbe Kudr
492,2;
wern alle berg von golde und edel stein di griezen, / daz geb ich dir ze
solde JTit
1273,1 ;
er wære dir halt nützer danne alle guldîne berge PrBerth
1:272,33;
Bit
4055;
HvNstAp
12954
5
‘Bergwerk, Erzlagerstätte’
ze den silberbergen zu Sukendal [...] und allen, die
die selben berge buwent und iren erben, das si einen graben mit wasser ze den selben
bergen vuͤren UrkCorp (WMU)
658,25.
1541,10
MWB 1 584,40; Bearbeiter: Schnell
2bërc
stM.
‘Versteck; Ort, der sich zum Verbergen eignet’
wir ne habin anders neheinen berch, / wan ir sult her uf
stigen [auf den Baum] / und vil stille svîgen
Eilh
R,3466;
dar kom ouch der von Stubenberc: / der het vor êren niender berc UvLFrd
66,18;
hort waz ich uͦch sagen sol, / wand iz also fuget wol, / daz man e uzerliche /
arbeide mildecliche / mit den handen guͦde werc / offenbar unde ane berc Elis
8430;
Parz
440,10
(La.).
– unklar, wohl ein Teil der Einfriedung einer Burg:
und wart diu burc mit aller habe / verderbet, daz siu nider
gelac. / beidiu berc unde hac / die zerfuorte man durch nît UvZLanz
7420
MWB 1 586,6; Bearbeiter: Schnell
bërcboum
stM.
‘Baum auf einem Berg’
habt ir mich niht vernomen / daz die bercboume sint bekomen / her abe zem mos?
WälGa
6466
MWB 1 586,19; Bearbeiter: Schnell
bërcbrunne
stM.
‘Brunnen auf bzw. an einem Berg’
sehs juchert aggers, die ob dem bergbrunne ligent UrkCorp (WMU)
3172,1
MWB 1 586,22; Bearbeiter: Schnell
bërceinber
stM.
Eimer als Flüssigkeitsmaß im (österr.) Weinbau:
und sol in auch verdienen iaerchlichen dem [...] appt
[...] mit einem halben pergember vnd ze vaschang mit
einem halben huͤn UrkEnns
6,318
(a. 1340);
DRW
1,1586
(SteirLArch.; a. 1300)
MWB 1 586,25; Bearbeiter: Schnell
bërc|êrîn
Adj.
→
bërcgar
MWB 1 586,31; |