bogensnuor
stF.
‘Bogensehne’
ez wart manic senib ab gezogen. / [...] man möht sô manic
bogensnuor, / als man dô sach zekrachen / hin wider niht gemachen / ûz tûsent
zigenhiuten Ottok
7379
MWB 1 918,16; Bearbeiter: Plate
bogenzein
stM.
‘Pfeil’
lanz oder bogen zein der muoz in vellen Loheng
5513
MWB 1 918,20; Bearbeiter: Plate
bogerist, bogeriste
stSubst.
‘gebogener Fußrücken’
der maget must ich lobes iehen, / ir fuͤzzel chlain, pogriste hol / eyn
tzeisel sich verporgen wol / hiet undern irem riste Suchenw
25,167
MWB 1 918,22; Bearbeiter: Plate
bogerucke, bogenrucke
Adj.
einen gebogenen Rücken habend, ‘gebeugt, krumm’ :
sin lip in solhir vrische was / das sih im nie irweigte zan / noh vliezende ouge
nie gewan / und uf allir sinir vart / nie bogerúgge noh neigende wart RvEWchr
15703.
– beim Pferd, wahrscheinlich vom Senkrücken (vgl. Felder, Krone
z.St.):
buchstöszig vnd bogenrùcke / was es Krone
19845
MWB 1 918,26; Bearbeiter: Plate
bogestal
stN.
‘Bogenschussweite’ (vgl.
bogenschuʒ
):
ein bogestal si von ime saz weinente an daz gras
Gen
910;
und liefe ez [Minnewild] êt gên einem bogstal indert, /
gelüptiu strâl [...] ist in mîns herzen kocher gên ir nindert
Hadam
530,5;
pogstall Jagdpredigt
90
MWB 1 918,34; Bearbeiter: Plate
bogestrâl
stM.
‘Bogenpfeil’
tunc sagittarum telis ─ dy pagstrall ─ vulnerant eum
[
cervum
]
Jagdpredigt
72
MWB 1 918,40; Bearbeiter: Plate
bogestrange
swM.
‘Bogenschütze’ (zu strange
‘tapferer Kämpfer’):
da wert unlange / dehain poge strange: / si waren alle schiere
uerlorn Rol
4748
MWB 1 918,43; Bearbeiter: Plate
bogevuoter, bocvuoter
stN.
‘Köcher’
ein schilendes bogefvter Wachtelm
93;
ein altez bocvuoter Wachtelm(W)
1152,24
MWB 1 918,46; Bearbeiter: Plate
bogewunde
swF.
‘blutende Wunde’ (vgl.
bogen
swV.):
swelh antwaerkman lerenchint hat diu er leret,
[...] der mak diu wol zuhtigen mit ruete unde auh anders
swie er wil, ane gewaffente hant unde ane bogewunden StRAugsb
187,7;
fliezzent pogwunten, die mit scharffem ort geschehent OberBairLdr
1;
sichtig fliezzent pogwunten ebd.
169
u.ö.
MWB 1 918,49; Bearbeiter: Plate
bogeziehære
stM.
‘Bogenschütze’
immer gein einer getouften hant / was hundert dâ ze were benant /
von rîterschaft der mæren / und von bogeziehæren Wh
32,30
MWB 1 918,57; Bearbeiter: Plate
boie
swFM.
auch boge, beie, beige; aus lat. boia
oder afrz. buie, beue, mnl. boeye, boye (Vorderstemann, Fremdw.,
S. 64f.); eindeutige Belege für das F. scheinen mhd. zu fehlen.
‘(eiserne) Kette, Fessel’
1 eigentl. 2 übertr.
1
eigentl.:
man vant die helde beide / in swære boyen versmidet
UvZLanz
7625;
von boyen und von anderem sînem versmiden / macht ich in
ledic an allen sînen liden Wh
220,27;
in einen boien sluoc man in Ottok
42678;
an ir gange wart gesehen, / daz in leit heten getân / die beien, die si
truogen an ebd.
10045;
er lôste in iriu bant, / daz die beigen zersprungen ze stücken alle sant
WolfdD(J)
9:81,2;
die boien [...], da sente Peter inne lach
PassI/II
161,61;
du hast an den luten / ubels harte vil getan, / die din gewalt liez verslan /
in des kerkeres bogen Pass III
16,47;
pedica: beiie VocOpt
30.017
2
übertr.:
daz aller lastere ketenen vnde boien / werde irledigit uon ir
sele Litan
973;
er was ir herzen boye Parz
56,20;
du [Maria] bist der kiusche ein boye, / darin sich
got der werde sloz KvWGS
424;
dô die Kriechen gewunnen Troje, / swer dâ truoc der minnen boje / des croije /
was niht wan ach unde owê KLD:Alex
7,142;
danket der barmherzikeit, / diu dô des tôdes beie sneit HvBer
3179
MWB 1 918,61; Bearbeiter: Plate
boien
swV.
‘in eine / einen boien einschmieden, in Ketten legen’
do wart einis guͦtin wibis man gevangen [...] vnd
wart geboiet vnd geworfin in den kerker PrLpz(L)
69,36
MWB 1 919,22; Bearbeiter: Plate
bois
M.
afrz. ‘Wald’
der Hôhe bois sô hiez sîn gewalt Er
1938
MWB 1 919,26; Bearbeiter: Plate
bol
stM.
‘Schleudern, Wurf’ (zu boln swV.), übertr.:
tumer red er sol gedagen, / so sind poss und guͤt sein magen. / sweigen,
reden mit der wag: / pesser schilt nicht werden mag / fuͤr der ungerechten pol
Teichn
81,25
MWB 1 919,28; Bearbeiter: Plate
bolære
stM.
‘Wurfgeschütz’
layder, der Lamparter chrieg vnd streit, die trukchent die welt nẅ v̈beral; tzw
den man wappen, geschos noch polar nicht pedarff, sunder wetriegnüss, vntrew vnd
verrätnüss, die tagleich in der welt wachsent, damit man die veindt nw vellt
Schachzb
62,96
MWB 1 919,33; Bearbeiter: Plate
bole
swF.
‘dickes Brett, Bohle’
ein swestir [...] wolde deme tôde entwanken
[aus einer brennenden Burg] . / vil snel uber die planken
[Plankenzaun] wolde si gevallen sîn. / zwischen zwên
bolen în / vîl sie. dô verbrant sie tôt LivlChr
8726;
zwelf kerzen grôz alsam die boln, / die wurden vor im
[...] / mit viures vlammen enzunt HvFreibJoh
162;
item sy mugen niht hauͤwen bolyn [...], si geben
denne dem vorstmeyster sine schenke UrkWürzb
39,278
(a. 1326)
MWB 1 919,39; Bearbeiter: Plate
bolewërc
stN.
‘aus Bohlen und Erde errichtete Befestigung, Bollwerk’ (zu
bole
swF.):
sie machten bolewerc und graben. / ein ebenhôe wart ûf gehaben LivlChr
10031;
dâ wâren boume sô grôz, [...] sie wâren sô gevellet, /
daz ez was gestellet / sam ez wêre ein bolewerc ebd.
3975
MWB 1 919,49; Bearbeiter: Plate
bolgen
swV.
‘zürnen’ (zu
bëlgen
stV.):
vriheit ist ab wir williclichen volgen, / ich enruche wer do widir werde bolgen
Brun
11313;
ich enruche wer da von bolge ebd.
1953
MWB 1 919,55; Bearbeiter: Plate
1bolle
swstF.
lat. pollis, ahd. polla.
‘feines Mehl, Gebäck daraus’
daz man von lauterr semeln ain brot bache umb ainen pfenning und von bollen ain
brot umb ainen pfennig [...] unde swelherhande brot ain maister
pachen wil von den zwain melwen, der sol ahten, daz bolle und semel von ainander
gesundert werden NüP
81.
35;
swer ouch brot fuͤret von Vorchaim, der sol lauter semeln setzen von der
bolle ebd.
82
MWB 1 919,59; Bearbeiter: Plate
2bolle
swF.
1
‘Knospe’
2
‘gewölbtes Trink-, Schöpfgefäß’
1
‘Knospe’
tou mit vollen aber triufet / ûf die rôsen âne tuft, / ûzer
bollen schône sliufet / manger lôsen blüete cluft KvWLd
20,3;
zwâr, ez meijet meijen bluot: / man sicht ûf dem zwîe / bollen,
die sich went ûf tuon SM:AvR
1: 1,4;
SHort
5376.
– übertr.:
nach wirde entsliuzzet sich ir muͦt, / als der tau die
suͤzzen bluͦt / enpfahet, so si uz bollen gat WhvÖst
18627
2
‘gewölbtes Trink-, Schöpfgefäß’
der kübel und der kruͤge / han ich nit genuͤge, / eimer unde
bollen / endarf ich niemen verzollen KgvOdenw
13,19
MWB 1 920,4; Bearbeiter: Plate
bollen
swV.
nur im Part.Prät. gebolt, zu
bolle2
in der (erst frnhd. belegten) Bed. von
‘Kugeln von Perlen oder edlem Gestein, Metall’ (SchweizId
4,1171), ‘kugelförmiger Zierat’ (SchwäbWB 1,1275, vgl. FWB
4,753).
‘etw. als bolle, kugel- oder perlenförmigen Schmuck, auf einem
Kleidungsstück anbringen’
der roc, den man an ir vant, / der was ein phelle von Tryant, /
[...] manic tierlîn kleine als ein gleim / ûf dem phelle
was gebolt / von arâbischem golt Ottok
7902;
die kostlichait, / wie die zwerg warn angeleit, / von edelm gestain unnd röttem
golt, / manig vin berlin daran gebolt FrSchw
6728;
schwartzen samat hetten sy an, / darunder clainat und gold, / manig edel gestain
daran gebolt ebd.
7868;
Krone
15701
MWB 1 920,15; Bearbeiter: Plate
böllîn
Adj.
zu
bolle1
.
‘aus bolle gebacken’
und waz semelin ist, daz sol man zwicken, und daz bollin sol man
ungezwicket lazzen, also daz man einz voͤr dem andern kenne WüP
91,5;
unde boͤllein brot sol man manoht [mondförmig]
machen NüP
81
MWB 1 920,30; Bearbeiter: Plate
boln
swV.
‘werfen, schleudern’; allgem.:
si zukten sei [die Säuglinge] ze fluste
/ den muͤtren ab der bruste; / si polten an die wente / die fuezze vn̄ auch die
hente Wernh
A 4313;
sie enhalf weder flêg noch bet, / si muost den tôt von mir doln: / ûf daz wazzer
hiez ich sie boln, / dâ hât si verlorn irn lîp EnikWchr
27272;
si begunden ûz lesen, / in daz mer bollen, / swaz nicht envollen / dûhte si guot
genuoc Ottok
50529;
der soldan hiez gâhen / und ieslichen slahen / und teilen ze stucken drin / und
hiez diu stuc werfen hin / und bolen für die hunt ebd.
52059;
er mag si [der Spieler die Würfel] mit worten niht
betwingen, / si ensin im also holt, / der si schildet und von im bolt [auch
wenn er sie schilt und von sich wirft]
Jüngl
386.
– besonders im Krieg, Kampf, mit Schleudern, Wurfmaschinen:
sumelîche fluhen ûf die turne, / ir lîp dâ ze bescirmen, / si
bolten unde scuzzen Kchr
16706;
er lie daz werfen und daz boln / unde lief hin an den schalch.
/ mit dem mezzer erm bevalch / einen vreislîchen stich UvZLanz
1178;
si muosten tac und naht wachen, / die in dem hûse wârn, / ob si niht übel
gevarn / von den steinen wolten, / daz [l.
die
] si darin bolten, / und vor dem emzigen stein
schutten, / daz si teten mit den rutten
[Belagerungsmaschinen]
Ottok
28697;
si enmohten kummers niht gedoln, / dô si hin in sâhen boln / die grôzen steine
swære ebd.
30567.
92583.
– übertr.:
iuch mac wol verdriezen, / daz ir iuwer wortel gegen mir bolt MF:Joh
12:5,4;
maneger sîniu ougen bolt, / er möhts ûf einer slingen / ze senfterm wurfe
bringen Parz
510,2;
dâ von an den Wâleys wart vil blick gebolt / von liehten, zarten, klâren,
spilden ougen Loheng
6232;
wes hân ich silber unde golt / mînen kinden dar gebolt / und ich nu selbe niht
enhân? Schlegel
271;
den kunic darunder ruorte / die gewizzen der sippe
[...] die gewizzen er hin hinder bolte / und bewac sich
drât, / des in der Zæwisch bat, / sô daz er sînem lîbe / die selben muomen gap ze
wîbe Ottok
20321;
swaz hoͤret in der jugende / guͤtiu bispel vor im sagen, / ez
mag sich in dem alter tragen / deste baz und wil ez wol. / da von ich daz getihte
bol / in der orn die ez verstant WhvÖst
10492.
– phras.:
nu lâz wir daz hie bestên, ez ist genuog an daz zil gepolt
BdN
197,25
MWB 1 920,36; Bearbeiter: Plate
bolster
stMN.
‘(Sitz-, Liege-)Polster’
si ruowent da ane vederbete, bolstære unde chusse
Himmelr
9,23;
ein bette der daz treit [, gibt als Zoll] einen
helblinch; treit aber ein armez mensche vf sime rugge einen bolster oder chvssin, daz
git niht da von UrkCorp
548A,8;
nâch dem tôtlîbe sol diu vrauwe ir morgengâbe nemen und allez daz
ze dem varndem guote hœret: daz sint schâf unde geize [...]
unde garn und diu bette diu si dar brâhte, bolster, küsse, diu lîlachen, tischlachen,
badelachen [...]
SpdtL
102,5.
100,15;
küsse, bolster phlûmvederîn / wurden im vil schône geleget Schlegel
112;
gerne hatt er geslaffen / pey der lieben frauwen sein; / er hieß
im in dem gertelein / ain polster zu den fussen legen HvNstAp
12791
MWB 1 921,18; Bearbeiter: Plate
bolsterhündelîn
stN.
‘Schoßhündchen’
wer auff waichen seiden / sich will strecken zu aller stund, /
der wirt faul als ain hunt / und müß ain weib hüter sein / als ain polster hundelein
HvNstAp
6210
MWB 1 921,33; Bearbeiter: Plate |