banvîretac
stM.
‘gebotener Feiertag’
von den goͮten babesten wart gesezzet uber alle die
christenheit dirre tac ze tuldenne, darumbe, swa sich die mennesscen an anderen
panviertagen versumpten, daz si daz hiute [am
Allerheiligentag] nach ir sele salecheit ervulten
Spec
130,2
MWB 1 432,38; Bearbeiter: Schnell
banvoget
stM.
‘Bannvogt’, Vogt über einen Bannbezirk:
swer den banvogete dienet oder den von Andelahe dienet UrkCorp (WMU)
1953,41
MWB 1 432,44; Bearbeiter: Schnell
banvorst
stM.
‘Bannforst’; Wald, Jagdgebiet, dessen Nutzung dem Bannherren vorbehalten
ist:
doch sint drî heide binnen Sachsen, dâ den wilden tieren vrede geworcht ist bî
kunges banne, sunder beren unde wolfen und vuchsen; daz heizen banvorste
SSp(W)
2:61,2;
swer sô durch den banvorst rîtet, sîn boge und sîn armbrust sal ungespannen
sîn ebd.
2:61,3;
swer in den ban forsten wilt wundet [...] der sol dem
herren dez ez ist sehzeg schillinge geben dez herren lant phenninge SchwSp
108a
u.ö.
MWB 1 432,47; Bearbeiter: Schnell
banwart
stswM.
‘Bannwart’; Aufseher über eine Gemarkung, einen Bann (z.B. Flur-, Wald-,
Weinbergshüter):
custos frumenti, qui dicitur bannvart, solidum dabit ei UrkEls
1,228
(a. 1144);
so sölent die lute in diseme dorf an dem palmetage drie banwarten setzen uber
ir velt ze behütende UrkCorp (WMU)
N815,32;
UrbHabsb
1:413,10.
– Unterbeamter in einer Gemeinde:
so het min herre der abbet unde daz gotzhus reht ze setzenne einen banwart
UrkCorp (WMU)
244AB,12,6.
– als Bestandteil von Personennamen:
Wernher der banwart UrkCorp (WMU)
2052,25
u.ö.
MWB 1 432,58; Bearbeiter: Schnell
banwartambet
stN.
‘Amt eines Bannwartes’
ein banwartampt sol och lichen ein probst dem, der meiier vnd die gnossen
kiessen WeistGr
4,378
(1. H. 14. Jh.)
MWB 1 433,6; Bearbeiter: Schnell
banwartec
Adj.
‘dem banwart zustehend’
absque bladio custodie, quod vulgo dicitur bannewartig korn, et absque gramine
custodie, quod vulgo dicitur bannewartig gras WeistGr
5,389
(13. Jh.)
MWB 1 433,10; Bearbeiter: Schnell
banwarttuom
stN.
‘Amt eines Bannwartes’
officium ad preposituram pertinens, quod vocatur banwartuͦn UrkBasel
2:122,21
(a. 1277);
so sol in der schultheize die banwartuͦm lihen UrkCorp (WMU)
N815,35;
UrbHabsb
1:2,12
u.ö.
– metonymisch ‘Amtsgut eines Bannwartes’
darzu hat er [der Schultheiß] ein bannwarthum von
dry juchen WeistGr
1,727
(a. 1338 kopial)
MWB 1 433,14; Bearbeiter: Schnell
banwaʒʒer
stN.
‘Bannwasser’; Gewässer, deren Nutzung (für Fischfang) der Herrschaft
vorbehalten ist:
dar uͤber so sulen die vorgenante Moͤtnitzer mit sampt ir erben ze pan wazzer,
ze visschwaide [...] furbaz dehain reht haben
UrkCorp (WMU)
3040,14;
darnach hat der abbet sechs bannewasser, der geltent dru zu drisig schillingen
[...]. die anderen dru die geltent zu funf schillingen
WeistGr
1,668
(a. 1320)
MWB 1 433,22; Bearbeiter: Schnell
banwëc
stM.
‘Bannweg’, hier als Ortsangabe:
es ist ouch kundt vnnd wyssend, das vnsers herren von Costentz vnnd der statt
Nuwkilch zwing vnnd benn gan sonnd obnen vntz zu dem wyssen stain, deswegs hinuber
vntz zu dem grawen stain, darnach vnden her an den banweg by Rossberg harumb vntz an
das fugelryss WeistGr
1,291
(a. 1330 kopial)
MWB 1 433,31; Bearbeiter: Schnell
banweide
stF.
‘Bannweide’; Weide, die der allgemeinen Nutzung entzogen ist:
super bonis suis predictis poterunt sicut et ville nostre banweide et
uhteweide [Herbstweide] constituere UrkWürtt
8,97
(a. 1278);
ist aber, daz die vorgenanten dorfer in machent baneweide oder utheweide fur
diu zil [...] so sol daz fihe unde die schaf von
Ciegelhoven miden die banwaide UrkHerrenalb
5,454
(a. 1313)
MWB 1 433,39; Bearbeiter: Schnell
banwërc
stN.
Gemeinschaftsarbeit, zu der durch Bann aufgerufen wird:
omnes [...] debent dare annuatim panwerch, et debent
eciam ire ad panwerch UrkTirol
1:3,143
(a. 1239)
MWB 1 433,48; Bearbeiter: Schnell
banwilt
stN.
‘Bannwild’, Wild unter Bannrecht:
dar uͤber so sulen die vorgenante Moͤtnitzer mit sampt ir erben
[...] ze panwilde noh ze wælden noh ze vederspil furbaz
dehein reht haben UrkCorp (WMU)
3040,15
MWB 1 433,52; Bearbeiter: Schnell
banwîn
stM.
‘Bannwein’, herrschaftliches Monopol des Weinausschanks (vgl.
2HRG, 1,445):
sv́ [die Äbtissin] sol och
[...] in der hoͤve ieclicheme ze drien citen imme iare
[...] ze banwin legen zwei vuoder wins, ein wizes vnde
ein rotz, vnde sol die wile nieman deheinen win vejle han UrkCorp (WMU)
679,38;
wazzer, weyd, vischweide, [...] banwin, herberge,
dyenst zolle [...] vnd ander gut UrkWürzb
41,149
(a. 1345);
die scheffen teilent auch, daz daz closter zu Selse banwin legit unt legen sol
alle jar in die stat zuͦ Selse sehs wochen WeistGr
1,761
(a. 1310)
MWB 1 433,57; Bearbeiter: Schnell
banwise
stF.
‘Bannwiese’, dem allgemeinen Viehtrieb entzogene Wiese:
dar nach hant unser herren die voͤgthe erthailt umbe die usserun banwise, daz
nieman dekâine barwâide mag verkoͧfen noch verkumbern âne alle die gîemainde, die da
zuͦ horent UrkCorp (WMU)
1262,11
MWB 1 434,5; Bearbeiter: Schnell
banzins
stM.
durch ban auferlegte Abgabe:
quod datur de eo bannecins et maiecins, i.e. et galinae et ova DRW
1,1229
(Münchweier; 12. Jh.)
MWB 1 434,11; Bearbeiter: Schnell
banzûn
stM.
‘Bannzaun’, Zaun zur Einfriedung des Dorfbereichs:
ez sullen all panzawn gezaunt und gefridet sein an sant Iorgen tag
OberBairLdr
71.
– Zaun, der das engere Dorfgebiet von der Allmende abgrenzt:
daz zwischen uns umbe die almenden ußewendig der banzuͤne ist also geret
UrkSpeyer
172,14
(a. 1303)
MWB 1 434,14; Bearbeiter: Schnell
bapel
swF.
eine (päpstliche) Münze von geringem Wert, hier bildl. Negation:
swaz ie mit getihte / an frouwen schœne wart geleit, / daz wac gên ir
schônheit / niht als umb ein bappel Reinfr
2177;
swaz heiles an uns allen ist, / [...] / gen diner
sælekeit ez wiget / vil ringer danne ein bappel KvWGS
1241
MWB 1 434,21; Bearbeiter: Schnell
bappel
swF.
→
papele
MWB 1 434,28;
baptiste
swM.
nur als Beiname Johannes’ des Täufers (i.d.R. in der lat. Form
baptista):
vnser herre hat gesprochen von sant Iohans baptist
PrBerthKl
1,31;
sus wolde got vf si zurnen / die mit valschen listen / den heiligen baptisten
[Johannes] / vf der erden wolden gnagen
PassI/II
363,14;
des bite wir dih herre sanctus Johannes baptista
Litan
569;
AvaJo
18,1
MWB 1 434,29; Bearbeiter: Schnell
bar, bâr
→
sunderbar
, →
sunderbære
, →
bâre
, →
par
MWB 1 434,37;
bar
Adj., Adv.
1
‘unbedeckt, nackt’
1.1
‘(für jedermann) sichtbar, offen(bar)’
1.2 vom Körper und seinen Teilen ‘nackt’
1.3
~ swërt
‘blankes Schwert’
2
‘frei von etw., ohne etw./jmdn.’ (mit Gen.) 2.1
mit sîn / wërden und Verben, die Kopulafunktion
annehmen können (z.B. stân , lâʒen u.ä.) 2.2 mit machen oder tuon (meist mit Akk.d.P.) ‘jmdn.
(sich)/etw. von etw. befreien, erlösen; etw. (von jmdm.) fortnehmen’
2.3
‘rein, pur, unverfälscht’
3
‘bar, frei verfügbar’ (von Geld und Abgaben)
1
‘unbedeckt, nackt’
1.1
‘(für jedermann) sichtbar, offen(bar)’
du solt niht bergen, sun, daz vingerlîn. / swar du wellest rîten, sô lâz
ez blecken bar OrtnAW
85,3;
MF:UvG
Leich 3b,15;
die ampulla [...] treit men dez
dagis, daz si halbe ist bedeckit vnde halbe ist bar Lucid
108,2;
Gen
1138.
–
dô sagt er im ouch bar [frei heraus] , / daz
er [...] / mit im niht möht gemachen / weder frid
noch suon Ottok
82148.
–
~
machen (mit Akk.d.S. [und Dat.d.P]) ‘(jmdm.) etw.
offenbaren’
und hate gemachet bar / die verborgenen dinc vil gar Macc
10469;
daz ich dir bar / sal machen Gotis willen Daniel
6430.
–
~
tuon (mit Dat.d.P. und Akk.d.S.) ‘jmdm. etw. sichtbar machen,
offenbaren’
bar di wisen uns daz tunt TvKulm
4800.
–
~
wësen/wërden (ggf. mit Dat.d.P.) ‘(jmdm.) sichtbar werden’
im wart bar / Gotis engel Daniel
8106;
HvNstGZ
6863;
din gedultikeit die waz bar ebd.
2279
1.2
vom Körper und seinen Teilen ‘nackt’
an barer liche Hochz
18;
KvWLd
13,6;
arme unde vüeze wâren bar Tr
15663.
– übertr. ‘ohne etw. (von ihrer Habe) bei sich zu tragen’
dô man die porten entslôz, / mit einer klage grôz, /
[...] wol aht hundert bare wîp / man herûz zalt
Ottok
31489
1.3
~ swërt
‘blankes Schwert’
mit eineme barn sverte VMos
75,7;
Tr
17506;
Wh
387,28;
mit al (verstärkt?):
Hector reit durch die schare / mit sime swerte albare
Herb
5812;
Lanc
594,4
2
‘frei von etw., ohne etw./jmdn.’ (mit Gen.):
daz er geriten quam dort her, / gewæfens îtel unde bar
KvWHvK
557;
ein grâve missewende bar KvWTurn
515;
der bâbst [...] / sagt in sünden bar Loheng
6555
2.1
– mit sîn/ wërden und Verben, die Kopulafunktion
annehmen können (z.B. stân, lâʒen u.ä.):
sî hât mich ze mâle und bin ich ir bar SM:Wi
1: 3,3;
des bin ich bar / fröiden und vol sorgen
SM:Had
24: 2,9;
Wh
69,28.
–
schyr ward er harnasch par HvNstAp
528;
Iw
1028;
[am Abend] diu gestüel der vrouwen bar / wúrden
Loheng
2508;
UrkCorp (WMU)
753,26.
–
si enlât mich niht ir lônes bar SM:Gl
3: 5,16.
–
nu stêt diu liebe heide bar der wunnenclîchen bluomen
KLD:GvN
8: 1,1;
KLD:UvW
Leich 2,5
2.2
mit machen oder tuon (meist mit Akk.d.P.) ‘jmdn.
(sich)/etw. von etw. befreien, erlösen; etw. (von jmdm.) fortnehmen’
man machte sy von harnasch par HvNstAp
3282;
er machte sich von sünden bar / mit guoter werke
stætekeit RvEBarl
13304;
KLD:GvN
16:5,6;
er maht vil kristen lebens bar Loheng
5265;
jmdn.
~ machen
‘jmdm. etw. nehmen’
ein man der alle jar / sein holden machet par / mit ungefueger stewr
pant Teichn
207,12.
–
waz tuot iuch guotes
[Besitzes] bar? KLD:Kzl
16: 6,4;
ez tuot aller sorgen bar SM:HvS
4: 4,10;
SM:Had
20:4,11
2.3
‘rein, pur, unverfälscht’
[Demut] ist ein geczugnis clar / des vil heilgen
geistes bar TvKulm
2028;
wir súllent uns mit aller kraft keren von aller úppiger unmuͦssen und
manigvaltekeit und wes nút bar notdurft enist Tauler
400,9;
Seuse
261,21
3
‘bar, frei verfügbar’ (von Geld und Abgaben)
daz ich von ime funfzic marc bares silbers emphangen han der selben
fúnfhundirt marche UrkCorp (WMU)
947,28.
1843,30;
tusent guldin fuͤr bar / haidnischer bysanzer WhvÖst
6168
MWB 1 434,39; Bearbeiterin: Baumgarte
bar
stswM.
‘Sohn’ ( ‘Kind’ (?), vgl. barn stM.):
keisir Friderîch des andrin bar [Sohn Friedrichs
II.]
NvJer
9713;
Ihesum, Gottes bar WernhMl
7810.
4315;
Daniel
7078;
Brun
5060.
–
‘Knabe, Jüngling’
starc, vetter [dicker] sie waren / me dan die andren baren [
pueris
] , / der man pflac mit der spise Daniel
260
MWB 1 435,39; Bearbeiterin: Baumgarte
1bar
stF.
‘Blöße’
si uunden an dem wal / so uil der toten / daz fuz niemen
nemachte gebieten / andi [l. an die
] bar der erde Rol
6956
MWB 1 435,46; Bearbeiterin: Baumgarte
2bar, barre
stswF.
zu afrz. barre, mlat. barra
‘Querbalken, Schlagbaum, Riegel’.
1 Querbalken im Wappen 2 Riegel, Schranke der äußeren Verteidigungsanlagen (vgl. Schultz, Höf. Leben
1,21) 3
die barre loufen , alebar loufen ein ritterlicher Wettkampf
(aus. afrz. corre as barres , jouer aux barres ; vgl. Suolahti 1,60)
1
Querbalken im Wappen:
der schilt was wîz, zwô swarze bâr / schipfes [mitten hindurch,
(schräg?)] nâch dem swert zetal UvLFrd
483,14
u.ö.;
Suchenw
3,178
u.ö.
–
einen wißen schilt ubersilbert mit einer roten barren
Lanc
162,19.
270,22.
–
mit dem schild von silber mit einer schwarczen barrier
Lanc
582,8
2
Riegel, Schranke der äußeren Verteidigungsanlagen (vgl. Schultz, Höf. Leben
1,21)
er fuorte mangen ritter hein / für sîner letze [
lices, hölzerne Palisadenanlage] barre
KvWTurn
1059;
lâ der stete gesinde / dâ beiten unde harren / der grendel und der barren
KvWTroj
30302
3
die barre loufen, alebar loufen ein ritterlicher Wettkampf
(aus. afrz. corre as barres, jouer aux barres; vgl. Suolahti
1,60):
ouch muost er loufen alebar / und ûz der mâze springen
UvZLanz
282;
sô liefen dise die barre Wh
187,19;
Mantel(W)
302
MWB 1 435,49; Bearbeiterin: Baumgarte
barant
stM.
→
pârât
MWB 1 436,4; |