b – bachhelling bächîn – backwërc bacolôn – badestubære badestube – balde baldecheit – balmunden balmunt – balsamtrôn balsamtropfe – ban, bane 1ban – banekîe banël – bänkelîn banken – bantac bant|âder – banzins banzûn – bârbrët 1barc – bârkleit barkorn – barmhërzeclîche barmhërzege – barten bartenære – base Baseler, Basler – bate bate, pate – bearbeiten bearren – bechersamenære becherweide – beckenknëht beckenkol – bedancheit bedarf (?) – bedingen bedirmen – bedrangen, bedrengen bedrât – begâben begâbunge – begelimpfen begenagen – begin begîne – beglîmen beglîmunge – begrîflich begrîflîcheit – behaft behaftec – behaltunge behandeln – beheimsuochen beheiʒen – behern behêrren – behoven behten – behuoflich behuoren – beie beie – beinîn beinîsen – beiʒe 1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit bekantnisse, bekentnisse – bekerzen bekicken – beklipfen beklocken (?) – bekorunge bekorungnisse – beküelen bekumberhaft – belæren belasten – belîbelich belîben – belônære belônen – bemaln bemangen – bemurmeln bemüseln – benedîunge benediz – bennen bennige – bequâme bequæme – bërc|êrîn bërcgar – bërcphenninc bërcrëht – beredenunge beredet – 1berennen 2berennen – bërhtnaht berhtram – berillîn berîmeln – bërlich bërlîn – bernisch bërnklâ – bêrswîn bertenære – beruofære beruofen – besamentlîchen besamenunge – beschatzære beschatzen – beschemen beschemenisse – beschînen beschirm – beschouwunge beschremen – besebelicheit beseben – besetzunge besëʒ – besîtes besitzære – beslîʒen besloʒ – besnöuwen besnüeren – besprëchære besprëchen – beste bestëchen – bestiure bestiuren – bestürzen bestutten – besuochnisse besuochunge – bët betagen – bëtelære bëtelærinne – bëtemësse betemmen – bëtewîn bëtewîp – betrahtegen betrahten – betrogenlich betrônen – betrûren betrûrigen – bettemunt betten – betûchen betüemen – betwungenheit betwungenlich – bevellicheit bevern – bevliehen bevlieʒen – bevür bevürhten – bewærnüsse bewarsam – bewëlgen bewëllen – bewindeln bewinden – bezâfen bezaln – beziln bezimbern – beʒʒer beʒʒerære – bî bestân bîbilde – bíderben, bedérben biderbenen, bederbenen – bîenkar bîenswarm – bieʒenblat bieʒenkrût – bîhtât bîht(e) – bilchmûs bildære – bildoht bildunge – bilsensaf bilsensâme – bineʒ binide – birden bir(e) – birnwîn birsære – bischolf bî schrîben – bî slâfen bî|slëht – bît bitære – bittern bitternis – biurlîn biuschen – bîvilde bîvilden – bîzeichenen bî zëmen – blahsen 1blæjen – blâsehorn blæselîn – blatengîr blatenrinc – blëchhantschuoch blëchrinc – bleichvëlt blende – blîche blîchen – blîkloz blîkolbe – bliuclich bliuge – blôdern blotschen – blüemunge blüetebërnde – bluomental bluomenvar – bluotgieʒen bluotgieʒende – bluotstürzunge bluotsûgende – bobenthalben boc – bogelîn bogen – 2bolle bollen – 3bor bor-, enbor- – (borliep,) enborliep bormære – bortengewant bortiure – bote botech – bou bouc – boummate boum|öle – bôʒwurz brâ – brâ|hâr bræhen – brantlich brantreite – brâwelîn bræwen – brëhenen brëhentac – brenken brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche brëtsnîdære – brieschen brievære – brionie brîsære – briulêhen briumeister – briuwe briuwe – brohsen bronie – brôthalle brôtheit – bruch bruch – bruckenambet bruckenære, bruggenære – brüeterîn brügel – brünnære brunne – brünselbërc brünseln – bruoderhûs bruoderkint – brust brust – brûtdëgen brûtdrüʒʒel – brûtsanc brûtschaft – buckel brûtschaft stF. brûtschaz stM. brûtsëgen stM. brûtstiure stF. brûtstücke stN. brûtstuol stM. brütten swV. bû stMN. 1buc stM. 2buc stM. bûch stM. bûche stM. buchel stSubst. buchel stswF. bûchen swV. bûchgetwanc stM. bûchkurren stN. bûchlôs Adj. bûchslunt stM. bûchstœʒec Adj. bûchstrenge Adj. bûchvülle stF. bucke swSubst. buckel F. (?) buckel swstF. buckelære – büellîn büeʒære – buhsboum bühse – bûlslac bulzen – buoben buobengâbe – buochisch buochkamere – buoliân buollîn – buppe bur – burcgrâvenambet burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen burcmeisterschaft – burcstal burcstat – bürde bürdelîn – burgergemeine bûr|gerihte – Burgunder Burgunjoys – bursenære bursît – büschelîn buschoff – bütelin bûtelîn – bûvëlt bûvisch – buʒʒel
|
brûtschaft
stF.
‘Vermählung’
das ich mynen frunden ettwas wilpretes zu der brutschafft
hett bracht Lanc
38,11;
nu saget: wie vil wirdet dan / prewtschafft und hochtzeit? /
geleich funff hundert ane streyt HvNstAp
5885
MWB 1 1072,47; Bearbeiter: Tao
brûtschaz
stM.
‘Mitgift, Aussteuer’
und sol der vorgenante unser herre der chunich unserm suͦne geben ze
zuͦgelt und ze bruͦtschatz zehentuͦsend march silbers
MGHConst
5:563,27
(a. 1323);
UrkSchlesFürst
2:18,29.30
(a. 1329 kopial)
MWB 1 1072,52; Bearbeiter: Tao
brûtsëgen
stM.
‘Einsegnung der Neuvermählten’
ze bette sie si brâhten, / die bischove bedâhten / sie mit dem brûtesegene
EbvErf
879
MWB 1 1072,57; Bearbeiter: Tao
brûtstiure
stF.
‘Aussteuer, Mitgift’ (vgl DRW 2,473):
auch bestetigen wir in funf hundert phunt [...]
zuͦ brautstiwer UrkHohenz
2,444
(a. 1331)
MWB 1 1072,60; Bearbeiter: Tao
brûtstücke
stN.
→
briutelstücke
MWB 1 1072,63;
brûtstuol, briutestuol
stM.
s.a.
briutelstuol
.
‘Ehrensitz der Braut, des Bräutigams am Hochzeitstag’
ze dem andern male ladete in Krist von dem brvtstvͦle,
da der selbe gotes trvt wip ze siner e genomen solte haben Spec
28,3;
daz lachen was doch rîch genuoc / daz Jûpiter ze decke truoc / und diu gotinne
Jûnô, / dô si in ir rîche hô / im brûtstuole sâzen Er
7662;
do wart der magit Gayte / gegin der hochgecite / gecleidit so
nie magit baz / an irn brutestuol gesaz Athis
C* 8;
dô der helt Lemberslint / und sîn gemahel Gotelint / den briutestuol besâzen
Helmbr
1469;
Kudr
549,1;
HeslApk
3221;
JTit
1538,4(App.);
Brun
849;
also bistu [Maria] gesetzet / mit im
[Gott] an den briutestuol KvWGS
307
MWB 1 1073,1; Bearbeiter: Tao
brütten
swV.
refl.
1
‘nach etw. verlangen, streben’
2
‘in die Höhe streben, sich erheben’
1
‘nach etw. verlangen, streben’
swes sumlîch beginnent / dar nâch brüttent sich die andern
Erinn
337;
daz er nâch fremdem lantsit / sich sô stæte briutet [Hs.
prüetet, l. brüttet nach Haupt/Wießner in der Anm. zu
Neidh (HW)
44,26 und R. Kienast im Glossar zu Erinn
337
]
Helbl
1,287;
ich wil mich gegen der süezen minne brütten [
:
zerütten
]
Neidh
WL 6:6,1;
Megengôz / brüttet sich gein in [sc. jungen
mägden
]
ebd.
WL 11:5,6
2
‘in die Höhe streben, sich erheben’
swie hohe si [
Lucifer und di von
Babilone
] sich brutten in hochvart mit gewalte, / mit fieber
und mit schutten [?] , di hohe trinitat si dicke valte
JTit
829,1
MWB 1 1073,16; Bearbeiter: Tao
bû
stMN.
auch bou.
1
‘Ansiedlung, das Wohnen, Wohnstätte’ (nicht immer scharf zu
trennen von 2 und 3 ) 2 bezogen auf die Landwirtschaft 2.1
‘Bestellung des Feldes, Ackerbau, Weinbau; Bewirtschaftung von Gütern,
Höfen’
2.2
‘bestelltes Feld, Acker’
2.3
‘Hof, Besitz’ (?) 2.4
‘Feldfrucht, Ertrag’
2.5
‘Dung’
3 auf das Bauen, Errichten bezogen 3.1
‘Bau eines Hauses, Tempels, Gerüsts, Nestes, einer Stadt
(usw.)’ (nicht immer von 3.2 zu trennen) 3.2
‘Gebautes, Errichtetes, Bauwerk, Gebäude’
3.3
‘Fundament’
4 bergm. 4.1
‘Abbau von Erzen, Gewinnung von Salz’
4.2
‘Abbaustelle’
5 Wendungen (meist in Urkundentexten) 5.1 etw. ze bûwe bringen
‘ein Stück Land bestellen, bewirtschaften’
5.2
ze bûwe grîfen s. u. 1
5.3 etw. ( ein guot, die reben usw.) in (rehtem, guotem, bûlichem)
bûwe haben,
‘etw. (ein Gut) ordnungsgemäß bewirtschaften, (einen Acker, ein
Rebland) ordnungsgemäß bestellen, in gutem Zustand halten’
5.4
in bûwe ligen
‘bestellt, bewirtschaftet werden’
5.5
in rehtem bûwe sîn (vom Rebland) ‘in gutem Zustand
sein’
5.6 in der Pertinenzformel in bû oder urbû (in unbû / niht) sîn (im
Konjunktiv Präs.) ‘gleichgültig ob bebaut oder nicht, ob bestellt oder
nicht’
5.7
rehten und zîtlichen bû tuon
‘die Arbeiten (z.B. für den Weingarten) ordnungsgemäß und rechtzeitig
ausführen’
5.8
deheinen (burclichen, werhaften) ~ tuon/machen
‘kein Bauwerk (Burg, Befestigung) errichten’
1
‘Ansiedlung, das Wohnen, Wohnstätte’ (nicht immer scharf zu
trennen von 2 und 3):
under diu chômen in die frowen: / si griffen frôlîche ze bowe
[ließen sich nieder]
Kchr
10502.
686;
und sehen, die wîle ich hân den tac, / ob keiner slahte bû
hie sî / eintweder verre oder nâhen bî, / dâ ich liute vinde, / ze den ich mich
gesinde Tr
2527;
sîn ander lant, / daz sô nâhe der erden ort liget, / dâ nieman
vürbaz bûwes pfliget Wh
35,6.
–
sich an einem Ort ze, mit ~ nider lâzen:
do al dú erde irtruchint schein, / Noe zoh uf die erde widir / und lie
sich da ze buwe nidir RvEWchr
834;
die wildin Elamiten [...] liezin sih mit bû da
nidir ebd.
1905.
2159.
–
nu hate mit richir werdekeit [...] das geslehte
von Esau / ir nidirlaz und ir bu / in Edam dem lande RvEWchr
14179;
das ze keinir zit / nieman drinne mag genesin / noch mit dekeinim bûwe
wesin / in dén wuͤste landen da ebd.
1415;
samint wesen, gemeinir bu / mohte do undir in niht wesen ebd.
6909;
wer ich da heym zu puwe Alph
165,2
2
bezogen auf die Landwirtschaft
2.1
‘Bestellung des Feldes, Ackerbau, Weinbau; Bewirtschaftung von Gütern,
Höfen’
dines boͮwes solt du leben GenM
52,17;
Gen
2096;
si [
diu erde
] was ein maget dannoch,
/ wan kein schrunde noch kein loch / dar în von starkem bûwe gie KvWSilv
3477;
wil ein herre wîsen sînen zinsman von sînem guote, der
zuo dem guote niht geborn ist, daz sol er im künden ze liehtmesse. daz selbe sol
ein man tuon ob ers lant ze bûwe lâzen [aufgeben] wil
SpdtL
216,22;
iu ist bû wol bekant, / nemt die arl in die hant, / ert, ziunet unde sæt,
/ snît, dreschet unde mæt, / und ander slahte arbeit, / die man gebûren ûf leit
BuchdRügen
1501;
Irenwart und Uoge, / die von rehte solten phlegen / bûwes mit ir phluoge,
/ die sach man ze Wienne koufen currît unde platen Neidh
WL 28:9,3;
StrAmis
1398;
RvEWchr
7856;
EnikWchr
8086;
SHort
541;
Helmbr
555. 557. 560;
Helbl
1,832;
daz si vnrehtes gewaltes erlazzen sein an der selben weinwahste, an ir
bowe, an ir lesen, an huet setzen UrkCorp (WMU)
2345,27;
werj aber das von vrlúge wegen dv̓ vorbenemten gvͦt ze Wendelingen
mvͦsten beliben ane bv in wuͤsti ebd.
2595,16.
–
‘wirtschaftlicher Zustand eines Hofes’
ist das er oder sine kint sich scheiden mvͦzzent von disime
gvͦtte von ehaftiger not, so sol er den hof in solichme bvwe lan, das
wir v phvnt drvfe mogent han UrkCorp
N383,11
2.2
‘bestelltes Feld, Acker’
ze dem [Christus als Ackermann des Himmels] wil
ich mich ziehen / und selhen bû vliehen / den der schûr und der hagel sleht /
und der wâc abe tweht AHeinr
790.
797;
Iw
2833;
ir bû und ir wîngarten / gar niderhouwen er in hiez Ottok
32805
2.3
‘Hof, Besitz’ (?):
wîngarten, boume, gesætez velt, / alle die wisen unt die
heide, / ors und ander vihe diu beide, / al den bû unz an den strôwes wisch, /
die vogele, daz wilt und den visch, / [...] daz het er
zehenstunt widerwegen Wh
256,27;
sage mir, lieber bauman, / namst du dich ie an / einen andern underdingen
/ und von seinem bawe dringen? HvBurg
838
2.4
‘Feldfrucht, Ertrag’
daz ein ieglîch man, / der bouwet oder bouwen kan, / gæb der werden
pfafheit / [...] alles bouwes den zehnden teil
EnikWchr
25509;
von dem reichen mann [...] :
derselb het grozz paw [La. getraide; vgl. Lc
12,16] auf den ekkern, vnd stunden die scheunen vol
SchlierbAT(LS)
1,157
2.5
‘Dung’
vnd achzich burdi gvͦtis buwes sol das gotzhús geben ierlich
UrkCorp (WMU)
842,13
(vgl. SchweizId
4,1949)
3
auf das Bauen, Errichten bezogen
3.1
‘Bau eines Hauses, Tempels, Gerüsts, Nestes, einer Stadt
(usw.)’ (nicht immer von 3.2 zu trennen):
swer bûwes ie begunde Parz
403,15.
403,25;
wie er den bu gemerte [förderte]
RvEWchr
31376;
solte sin bu fúr sih gan / odir werdin vollebraht, / als er ez hete gedaht
ebd.
32504.
32970;
und do der buw ward ussgericht KvHelmsd
2884;
ein grôze glocke ein karrutsche zôch, / diu dar ûf gemachet was mit bûwe
hôch Loheng
5002;
ze sîner stift, / die er mit bûwe umd mit gift / selbe hât erhaben
Ottok
11978;
dar umb mag man ez [Tannenholz]
wol gehandeln zuo paw und zuo feur BdN
314,3.
354,1.
–
si lesent an Tristande, / daz ein swalwe zÎrlande /
von Curnewâle kæme, / ein vrouwen hâr dâ næme / zir bûwe und zir geniste /
[...] und vuorte daz wider über sê
Tr
8605.
–
sîn [Trojas] bû der wart vollendet
KvWTroj
13378
3.2
‘Gebautes, Errichtetes, Bauwerk, Gebäude’
die hovistat, daz [= dâ ez (die
Vergewaltigung)] uffi gisciet, is da bui uffi, den sal min
nidir hoiwi Mühlh
108,24;
ist daz ein burger buwen wil swelher hande bu daz ist, ez
si von stainen oder von holtze, swaz man dem herin furet, ez sin staine oder
holtz, kalc oder sant, da sol er chainen zol von gaeben StRAugsb
34,4;
und swelhi ze bumaistern genomen werdent diu
[...] svͤlen sweren das si der stet
guͦt und der stet baw bewaren ebd.
77,16.
171,39;
und wirt min hus also volbraht von dirre massenie, / so
wizzet, daz mir von dem bu her in den buosen snie Tannh
12,30;
dô hiez der furste balt / nider brechen Valkenberc / und lære machen den
berc / des bûwes, daz dâ stuont daroben Ottok
74377;
dez dages vellet gar dernider / waz buͦwes uf der
erden stete [l. stet
] , / ez si torn oder
glete HvNstGZ
6100;
GTroj
2484;
Seifrit
3487.
– übertr. für das Gedicht:
nim guͤtlich disen lesten bu, / den ich diner
guͤd geven ever nu, / wand min allererst anegin wers du
MarlbRh
133,33
3.3
‘Fundament’
ein mure starch, dú wart betragin / mit erde und alse undirslagen / mit
starchim buwe veste und rih RvEWchr
32627.
– übertr.:
wer im [Gott] helfe getruwet, / uf stæten bu
er buwet. / dar uf ich gebuwen han Rennew
17374;
sinen buwe setzet is [sc. predicament, wohl
‘bildhafte Rede’] sere wißlich / uff andern
gront lichteclich Pilgerf
1215
4
bergm.
4.1
‘Abbau von Erzen, Gewinnung von Salz’
als ofte bracht er newe mere / wie ez umb den bow were ErzIII
56,312;
swaz in den bow horen sol, / daz kan er allez gevordern wol ebd.
56,331.
56,500;
daz hal in der Gôzach [Gosau im Salzkammergut,
Oberösterr.] / muost der herzog verloben / unden unde oben, /
daz sîne kint noch er / hin für nimmer mêr / gehieten dheinen bou Ottok
70346
4.2
‘Abbaustelle’
und muz der bow wuste sten / und beginnet daz wazzer uf gen ErzIII
56,179
5
Wendungen (meist in Urkundentexten)
5.1
etw. ze bûwe bringen
‘ein Stück Land bestellen, bewirtschaften’
vnde swenne diz selbe goͮt [= eigen, daz da
heizet ze dem Willer ime rîet
] ze boͮwe wirt
braht, so sol der spital dirre vor genander froͮwen alle iærlichen geben
zehen schillinge Costenzerre phennigge vnz an ir tot UrkCorp
301,42;
daz der selbe maister [...] vnser vorgenant æigen
[...] ruten suln also, daz zwei vnd drîzêck lehen
nach rutin reht von nu in vier iâren da sin gemachet, vnd der sol einez sin dez
liutpriesters [...], vnd daz selbe suln wir im ze
buͤ bringen [vgl. Regest dazu: „in angebautem Zustand
übergeben”] oder ein erbuens [=
erbûwenez
] kaufen ebd.
722,12;
ich sol ouch, waz egerdan [Brachland] in das
guot hôrent, in rehten bû bringen UrkPrivR
132,28
(a. 1322)
5.2
ze bûwe grîfen s. u. 1
5.3
etw. (ein guot, die reben usw.) in (rehtem, guotem, bûlichem)
bûwe haben,
‘etw. (ein Gut) ordnungsgemäß bewirtschaften, (einen Acker, ein
Rebland) ordnungsgemäß bestellen, in gutem Zustand halten’
swie wir oder vnser erben daz selbe guͦt in rehtem buwe nit enheten
UrkCorp
N758,12;
ich sol ouch daz guot in rehtem bû hân UrkPrivR
132,24
(a. 1322);
das ich den selben acker [Maßeinheit] reben
[Pl. für ‘Rebland, Weinberg’] haben
vnd niessen sol vnze an minen tot vnd sol in haben in rechten buwe
UrkCorp
3316,17;
oͮch sol er die reben han in gvͦtem buwe ebd.
853,38.
– auf Gebäude bezogen:
[sie] sv́lent ouch daz selbe hus in besseren
buͦwe han denne ez iezent ist UrkCorp
3514,17.
– wohl auf Haus- und Ackerbau bezogen:
vnd daz her Johan oder sine erben daz gut halden sullen in bulichen
buwe in dorf vnd velde UrkCorp
3067,15
5.4
in bûwe ligen
‘bestellt, bewirtschaftet werden’
daran [an dem Gut] sulent vnsere veteren
[...] mit vns tail vnde gemainde haben an holze vnd
an waiden, die wile ez vngebvwen stat. swenne abr ez in buwe liget, so
[...]
UrkCorp
1127,14
5.5
in rehtem bûwe sîn (vom Rebland) ‘in gutem Zustand
sein’
UrkCorp
N737,39
5.6
in der Pertinenzformel in bû oder urbû (in unbû / niht) sîn (im
Konjunktiv Präs.) ‘gleichgültig ob bebaut oder nicht, ob bestellt oder
nicht’
alles das gvͦt [...] mit allem dem vnd
zvͤ dem selbi gvͦte heoret, holz, aker, wisen, wasser, es si enbiu
oder urbiu, enholz vnd envelde, gesvͦchetis oder vngesvͦchetes
UrkCorp
1744,43;
allez daz gvͦt daz sie ze Waldiv heten, ez si an hvsern, an
hofsteten, an garten, an ækkern, an wisen, oder an holze, ez si enbu oder
enunbu, mit allem dem rehte daz dar zvͦ gehoret ebd.
1963,44.
2178,43
5.7
rehten und zîtlichen bû tuon
‘die Arbeiten (z.B. für den Weingarten) ordnungsgemäß und rechtzeitig
ausführen’
er sol auch dem weingarten tun sinen rehten vnd zitlichen pau
UrkWSchott
140
(a. 1312)
5.8
deheinen (burclichen, werhaften) ~ tuon/machen
‘kein Bauwerk (Burg, Befestigung) errichten’
UrkCorp
N163,10.
2504AB,8,7.
1390,27.
1200,5
(burclichen ~
).
517,44
(werhaften ~
)
MWB 1 1073,30; Bearbeiter: Tao
1buc
stM.
‘Sturz’, in der Wendung einen ~ tuon:
der münech gap dem vergen einen herten druc, / daz er ze der erden muoste tuon
einen buc RosengD
184,2
MWB 1 1076,26; Bearbeiter: Tao
2buc
stM.
‘Krümmung, Hügel’
den buk, der vns an ir hofes mure vs gescheiden wart fuͥr almende an
der mure wider Heinrichs hus von Tuͤtlisberge FWB
4,1357
(a. 1342; Urk. Rheinfelden)
MWB 1 1076,30; Bearbeiter: Tao
bûch
stM.
auch bouch.
1
‘Bauch, Rumpf’
1.1 allgemein 1.2 für den ganzen Rumpf oder dessen Vorderteil 1.3 als Sitz der Leibesfrucht, Mutterleib 1.4 im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme, der Bauch als Sitz des Magens, der Verdauung 2
‘gewölbter Resonanzkörper eines Musikinstrumentes’
1
‘Bauch, Rumpf’
1.1
allgemein:
er rihte daz swert an einen strûch / und wolt sich
stechen durch den bûch Iw
3954;
Achilles [...] sluc da vnde hie,
/ durch daz bein, durch daz knie, / durch den buch in den darm
Herb
8891;
si nam den ungefüegen slûch / und leit in ûf ir linden bûch / und drukte
in zwischen beidiu bein HBirne
366;
das der hunde einer den hirtz ervolget und vert ime mit den zenen in den
buch Tauler
51,30.
– in der verächtlichen Anrede:
[die verdammte Seele zu dem toten Körper:] o
boͤses fleisch, du maden az, / du fuͦler buch, du stankes vaz!
HvNstVis
146.
– bildl. für das tiefe Innere der Hölle:
der hellen buch [
gehenna Lc
12,5]
EvStPaul
8204
1.2
für den ganzen Rumpf oder dessen Vorderteil:
du sla Holoferni / daz houbit von dem buchi
ÄJud
214;
SAlex
4686;
HlReg
84,24.
84,20;
PassI/II
188,89;
Pass III
384,27;
er schoz in, daz sin houbet flouc / von dem buche zwene
schiete [l. schrite
]
Herb
7721;
houbet, buch vnde bein ebd.
17124;
durh dorne unt durh hagene, / an dem buche unt an dem
rucke / brachen si in zestucke Rol
9013;
ja was ime die rucke / unde die buch so geslagen, / daz ez
u niman kan gesagen GrRud
H 53;
GTroj
16075;
Ottok
19198
1.3
als Sitz der Leibesfrucht, Mutterleib:
do si den waren sunnen, unsern herren, in ir bûche
troͮc Spec
94,4;
SüklV
83;
die wîle, dô er der suon / in sîner muoter bûche lac Aneg
691;
jn siner muͦter buch wirt
er [Antichrist] erfúllet dez tiuels mit libe vnde
mit sele Lucid
134,9
1.4
im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme, der Bauch als Sitz des Magens, der
Verdauung:
vil dicke frô houbet stât / an satem bûche, swer den hât Freid
125,11;
der hunger die spise suͤzet, / die niht so suͤze wære, / so
der buch niht stuͤnde lære Rennew
10776;
ain iegleich tier, daz zwai hörner hât, daz hât
[...] zwên päuch: ainen vorn, dâ ez daz ezzen des
êrsten ein vazzt unz daz ez geidruckt [=
ge-iterücket
] , und den andern hinder paz, dâ ez daz
ezzen dar nâch ein vazzt BdN
115,21.
31,13.
– personif.:
si [Füße und Hände] klagten alle ûf den
bûch, / und sprâchen, er wær ein rehter slûch Boner
60,5.
– mit Bezug auf die Völlerei:
swer in des wines gebot / so ungefuchlichen stat, /
[...] daz er der maze vergizet
[...], / er fullet den bouch und den magen /
und trinchet danne in den chragen StrKD
148,113;
HvBurg
4772;
niht guotes sinnes hat der sluch, / der niht aht wan
uf den buch TannhHofz
244;
alle di nu iren buche lebent und ezent und drinkent me dan di notdurft
gere, und me libe und vlizes dar an dan ze gote kerent
[...], di haben irren buch zo eime gote
irvellet [= erwelt
]
HlReg
27,14.16;
PrOberalt
160,34;
SchlierbAT (LS)
1,200
(Phil 3,19);
HvNstGZ
6685.
– mit Bezug auf Krankheiten:
ephih ist goͮt [...]
den, den der buch we tuot PrüllK
25;
di zwibolle gessen blet den buch Macer
58,3;
SalArz
19,53;
das curren in dem buche Macer
8,6;
des buches kurren ebd.
39,6.
96,3
(s.a.
bûchkurren
).
2
‘gewölbter Resonanzkörper eines Musikinstrumentes’
auz tänneim holz werdent niht guot päuch zuo saitenspil, sam
zuo fideln, zuo leirn BdN
314,20;
ez werdent gar guot pödem an sölchen dingen auz tänneim holz,
dar umb, wenn sich der luft gestôzen hât an die starken saiten in der ding päuchen,
sô zinzelt er langsam durch die linden pödem, und dâ von wirt daz gedœn süez ebd.
314,27;
vgl. Eitschberger, Musikinstr., S. 70
MWB 1 1076,34; Bearbeiter: Tao
bûche
stM.
→
biuche
MWB 1 1077,39;
buchel
stSubst.
→
büffel
MWB 1 1077,40;
buchel
stswF.
‘Fackel’
der dritt truoc einen schoup, / der vierd einen boschen loup. / der fünft
truoc ein buchel her EnikWchr
24131;
der chaiser hiez pringen dar / prinunder püchel vil / und czü im haben auf daz
czil, / daz er nahenn verprunnen was Märt
13553.
7009.
12159;
dô brâhte er eine pühel grôz, / diu bran Wildon
2,159;
vackeln, bucheln ouch al dar / brâchten si, daz si gesên / mochten von des
lîchtes brên JvFrst
3912.
– im Vergleich:
im wâren sîniu ougen / sam die buchel viurîn Tund
675
MWB 1 1077,41; Bearbeiter: Tao
bûchen
swV.
→
biuchen
MWB 1 1077,51;
bûchgetwanc
stM.
eine Pferdekrankheit, ‘Kolik’
velch ros den buchgetwang hat, zo nym zeyffe unde worwassche
dy unde guys daz wassir, daz dor won kummit, dem pherde an eyme tage dry stunt in
den munt: zo wirt is durch werret unde gesunt Albrant
3,19
MWB 1 1077,52; Bearbeiter: Tao
bûchkurren
stN.
‘Blähung’
pfeffer mit warme wine getrunken vertribet daz buchcurren
Macer
78,9.
28,6
MWB 1 1077,58; Bearbeiter: Tao
bûchlôs
Adj.
‘ohne Bauch’
der bûchlôse vâlant StrDan
2026
(vgl.
âne bûch
1886 ).
2053.
2135
MWB 1 1077,61; Bearbeiter: Tao
bûchslunt
stM.
‘Gefräßigkeit, Völlerei’
ventris ingluvies: buchslunt VocAbstr(B)
59,17
MWB 1 1077,63; Bearbeiter: Tao
bûchstœʒec
Adj.
von einer Pferdekrankheit, ‘dämpfig, kurzatmig’ (wobei die
Seiten des Bauchs sich stoßend bewegen, vgl. SchweizId 11,1659; SchwäbWB 1,693 und
Anm. z.St.):
buchstöszig vnd bogenrùcke / was es [Pferd]
Krone
19845
MWB 1 1078,1; Bearbeiter: Tao
bûchstrenge
Adj.
von einer Pferdekrankheit (vgl. Glossar z.St.):
welch ros buͤchstrenge ist adir vordenit ist, so nym
hanf unde hundis blut unde salbe ym dy odirn do mitte: so wirt ys gesunt
Albrant
2,11
MWB 1 1078,6; Bearbeiter: Tao
bûchvülle
stF.
‘Völlerei, Schlemmerei’
castrimargia ventris ingluvies: buchvulle SummHeinr
2:205,34
MWB 1 1078,11; Bearbeiter: Tao
bucke
swSubst.
‘Schild’
wit sin corper ist zuvlozzen / sam pucken von yre [
=
êre ‘Erz’] gozzen, [
quasi
scuta fusilia Iob 41,6] / di ummazen veste wesen
Hiob
15150;
sine schupen [...] sint herte unde breit / glich der
puken hertekeit ebd.
15156
MWB 1 1078,13; Bearbeiter: Tao
buckel
F. (?)
‘Beifuß’ (Artemisia vulgaris L., vgl. Marzell 1,436f.):
arthimesia: buggul VocOpt
50.036
MWB 1 1078,18; Bearbeiter: Tao
buckel
swstF.
aus afrz. boucle, lat. buccula, Dimin. zu bucca
(Kluge, 157);
auch bügele (
KvWPart
21013 ).
‘Schildbuckel’ (halbrund erhabener Metallbeschlag in der Mitte
der Außenseite des Schildes, vgl. Schultz, Höf. Leben 2,84ff.):
der schilt was under buckeln [...]
wol drîer spannen dicke NibB
437,1;
he [...] uorde in deme scilde sin /
eine bukelen guldin Roth
3503;
geliutert in dem fiure / was sîn bukel rôt golt Parz
37,7;
von golde was ein buckel rîch / und von gesteine drûf
geslagen Wig
7367.
6560;
Er
2308;
PleierMel
3350;
UvLFrd
296,18;
einen sienewelden schilt in der lerzen hant, dar nicht wen holtz vnd leder
inne si ane die buͦkelen, die mvͦz wol iserin wesin
UrkCorp (WMU)
51,39;
den schilt sluger ze stuchen, / er zart im die buchelen
Rol
5092.
4727;
man sach ouch dâ zebrochen vil manege buckel starc
NibB
36,2;
Herb
1403.
daz swert im durch die bukelen wut ebd.
5272;
sô sluoc er, daz der schiltes rant / sich vil vaste unz ûf
die hant [seines Gegners] / kloup engegen der buckel nider
Wig
7508.
– übertr.:
si ist ein bukel ob der werdekeit Parz
91,8.
– bildl.:
het er gelernt sîns vater site, / [...] diu bukel
wære gehurtet baz, / da diu herzoginne al eine saz Parz
139,17
MWB 1 1078,20; Bearbeiter: Tao |