brëtsnîdære
stM.
‘Sägemüller’
brenge mir ouch den byͤrschrotener / und dar czuͤ den botener, /
[...] bretsnyder, deler [Verfertiger von
Dielen]
OsterSpI
330
MWB 1 999,24; Bearbeiter: Hoffmann
brëtspil
stN.
‘Brettspiel’
brettspils kund er oͮch vil / und manger leye seyten spil
Staufenb
159;
ez ist vil mangerhanden / vröud’, der dû maht trîben vil: / schâchzabel
ziehen und bretspil, / schirmen, schiezen mit dem bogen HeroLeander
140;
EnikWchr
14479;
Pilgerf
6737.
–
mit bretspil und mit kriechelîn [Weinsorte] /
verzert er jârs die koste sîn Renner
16763;
wir verpieten ales spil, do man mit pfenning verliesen macht, niur rehtez
pretspil und sachzagel StRMünch
247,14.
415,18;
es sol [...] nieman spielen uff der münßen
[...] ußwendig [außer]
brettspile DRW
2,492
(StraßbMünzg; um 1330)
MWB 1 999,28; Bearbeiter: Hoffmann
brëtspilære
stM.
‘Brettspieler’
bretspiler mein ich niht, / die man durch kurtzwile spilen siht / zu rehter
zit und an verderben Jüngl
373
MWB 1 999,41; Bearbeiter: Hoffmann
brëtstein
stM.
‘Stein eines Brettspiels’
do trug man ein pret [Schachbrett] dar, / das was
swarcz vnd vngevar. / dar auff so lagen prettstain Veltsp
73
MWB 1 999,44; Bearbeiter: Hoffmann
bretten
swV.
‘jmdn. an etw. (Kreuzesholz) heften’
ir suchent Jhesum von Nazareth, / der an daz cruͦcze
wart gebret? / er ist erstanden: wesent fro! HvNstGZ
3680
MWB 1 999,47; Bearbeiter: Hoffmann
brëtten
stV. (IV)
‘weben’
dú was von erst dú mit begunst / irdahte wipliche kunst / mit
nadiln und mit drihin: / nejen, brettin, rihin, / diz vant ir kunst do bi dén tagen
RvEWchr
544;
ez [das Hemd der kvschekeit
] was och ane
zotten [Fäden] / gezeltet [
?] noch gebrotten Martina
15,80
MWB 1 999,51; Bearbeiter: Hoffmann
breviere
stN.
aus lat. breviarium.
‘Sammlung von Stundengebeten, Brevier’
daz sî [
die brûdere
phaffen
] singen unde lesen nâch den brevieren unde bûchen,
die nâch dem orden geschrîben sint StatDtOrd
34,30;
daz man in eime iegelicheme hûse habe die breviere nâch dem
ordene von dem ambehte, daz zu dem tage unde zu der naht gehôret ebd.
72,21
MWB 1 999,57; Bearbeiter: Hoffmann
brî
swM.
selten auch stM. ( Daniel , MinneR 52 ).
‘dickflüssige Speise, Brei’
ûz hirse man den brîen tuot Gen
588;
dîn muoter durch die wochen / kan guoten brîen kochen Helmbr
454;
vor vorhten und vor riuwen / muost ich den brîen
niuwen [stampfen]
BFrau
344.
333.
–
begeben volc, swi ez si, / ez ezze vleisch, vische, bri
Daniel
1840;
hirsbrîn ist ir [der
Kärntner] spîs, / [...] swînîn sint in frömd
genuoc: / si sint niur zuo dem brîn kluoc EnikWchr
27530;
von dem muose und von dem brîn Schlegel
397.
146.
–
er [Mann mit einer flachen Nase] lecke von einer
wende bri, / daz in die nase nicht irre MinneR 52
80;
wer sich menget under die klien, / den ezzent die swine mit dem brien
SalMark
316.
– metonym. für ‘Speise, Essen’
der tôre sorget alle tage, / wie er brîen vil bejage Freid
58,22.
83,27
(La.);
er lat chunig und chaiser sein, / wie si muͤgen, und
yzzt seinn prein, / daz er niemand lobt noch strafft Teichn
564,2950
u.ö.
MWB 1 1000,1; Bearbeiter: Hoffmann
brichelich
Adj.
→
bruchelich
MWB 1 1000,21;
brîdel
stM.
→
britel
MWB 1 1000,22;
brîden
stV. (Ia)
nur Part.Prät. gebriten belegt.
‘etw. weben’ (vgl. Brüggen, Kleidung, S. 209):
mange decke [...] von edeler sîden
wol gebriten Tr
669;
des covertiure was gebriten / von sîner frouwen an der ram KvWEngelh
2528;
diu banier [...], / diu wol ûz sîden wâren / gebriten
und gespunnen KvWTroj
30763
u.ö.;
er fuorte ein liehten cyklât, / der mit golde was gebriten
KvWTurn
303.
174.
396;
Er
7715;
HvFreibTr
883;
Cranc
Ez 16,13.
– bildl.:
swaz er wunne pflac, / diu was mit sorgen undersniten. / in sîne vröude wart
gebriten / swær unde bitterlîche nôt KvWTroj
17704;
die heilige alde scrift und die nuͦwe, die sint so vaste zu samne
gebrietin, daz da nieman niht wider gesprechen mach PrLpz
109,22
MWB 1 1000,23; Bearbeiter: Hoffmann
briech
Adj.
Bed. unklar:
wann die saff sint ze briech [l. riech?
Anm.z.St.] , / so wirt zu hant der lip siech HvNstGZ
761
MWB 1 1000,38; Bearbeiter: Hoffmann
brief
stM.
md. auch brieb (
SAlex
3424.
4191;
Herb
1037
[: liep] u.ö.) und brib (
Brun
34
u.ö.;
UrkCorp
862,17
u.ö.); weitere Formen WMU 1,289. –
aus mlat. breve.
jede Art von (kürzerem) Schriftstück, v.a. ‘Brief’ und
‘Urkunde’
1
‘durch Boten überbrachte Mitteilung, persönliches Schreiben,
Brief’
1.1 allgem. 1.2 verbale Wendungen 1.3 Paarformeln 1.4 übertr. 2
‘rechtsgültiges Dokument, Urkunde’
2.1 allgem. 2.2 mit näherer Bestimmung; zur Art des Rechtsgeschäfts 2.3 in festen Formeln im Protokoll und in der Corroboratio von Urkunden 2.4 Wendungen 2.5 übertr. 3
‘Verzeichnis, Register’
4
‘Zauberbrief, Amulett’ (vgl. Hwb. dt. Abergl. 1,380 u. 1575f.) 5
‘Titel, Vorrede’
6 Andere schriftliche Dokumente und Aufzeichnungen 6.1 eigentl. 6.2 phras.; (jmdm.) einen (wâren, niuwen) ~ lesen 6.3 übertr.
1
‘durch Boten überbrachte Mitteilung, persönliches Schreiben,
Brief’
1.1
allgem.:
als ich den willen, den ich in dem herzen begriffen hân, an einen brief
giuze mit der hant, [...] und sende in einem andern
menschen und lâze in den lesen, sô bekennet er mînen willen Eckh
3:403,15;
si schreip unde sande / einen brief Tristande / und enbôt
im, daz er kæme Tr
15554;
sîn boten hiez er kêren / in fremdiu lant über mer, /
[...] bî den sant er manegen brief
UvZLanz
5589.
–
do prach der chuͦninc Marssilie / des keiseres
insigle: / selbe er den brief las, / wande er wole geleret was
Rol
2113;
der der botschaft ouch phlac, /
[...] der gap dem herzogen einen brief. / einem
schrîbær er dô rief, / der den brief las Ottok
41557.
–
den brief ich uz der buͤhsen nam
Rennew
34493;
und gab ir ein vergulte buchs in die hant, daruß nam
sie einen brieff mit eim ingesiegel das guldin was Lanc
491,29;
die prieff sind peraitt. / ain petschafft ward dar an
gelait, / das was ain gulden vingerlein HvNstAp
2051
1.2
verbale Wendungen:
–
einen ~ tihten
‘verfassen’
er dihte selbe einen brieb. / mit sîner hant er in
screib SAlex
3424;
die geistlichen herren die besante her ubir al / vnde
liez tichten einen brief. / siner muͦter inbot her alliz liep
TrSilv
528;
si kunde [...] brieve und
schanzûne tihten, / ir getihte schône slihten Tr
8139;
Eracl
1797;
Lanc
499,16.
–
einen ~ ûfbrechen
‘öffnen’
den brief er dô ûf brach Gauriel
371.
–
an dem ~ lesen:
do enbot er mir daz, / also ich selbe an sinem briue
las Rol
7208;
als man an den brieven las Eracl
1368;
RvEAlex
4370.
–
an dem ~ geschriben sîn u.ä.:
ich wil iuch wizzen lân, / waz an dem brieve
geschriben was Eracl
459;
Lanc
490,33;
an den priefen man fand / geschriben
HvNstAp
2934;
das er im sagt was an dem brieff geschriben stunde
und anders nit Lanc
493,9;
GrRud
Eb 28.
–
einen ~ übersehen, überlesen:
als er den brief übersach, / dô wart er frô
Eracl
452;
der schriber uberlase den brieff von eim ende biß an
das ander Lanc
492,18;
RvEAlex
4494.
–
einen ~ an/in die hant geben
‘überreichen’
do gap er ime ze stunde / einen brief in die hant
GrRud
βb 25;
RvEAlex
5812;
einen brief her [ein Engel]
ime an die hant gab / vn̄ hiez daz her in lese Ägidius
1213
1.3
Paarformeln:
er hiez dô gebieten herrevart
[...]. / er sante boten unde briefe / ze Chriechen
unde ze Mazedôn VAlex
596;
Herb
17344;
Wig
8679;
Ottok
34066.
–
brieve unde botschaft was in [den
Boten] nu gegeben NibB
1421,1;
StatDtOrd
99,12;
Wig
8696.
–
mit brieven und mit sag Ottok
1908
1.4
übertr.:
die nu sîne brieve [die Botschaft des Mai] hœren
wellen [...], / die losen der lieben nachtigal
Neidh
SL 20:3,1
2
‘rechtsgültiges Dokument, Urkunde’
(vor 1200 nur ganz vereinzelte Belege: Spec
99,4; Wernh
A 4578)
2.1
allgem.:
doch sprechen wir daz brieve bezzer sint denne die
geziuge: wan die geziuge sterbent, sô belîbent die brieve lange stæte
SpdtL
114,6;
so ist dc nivze vnd gvͦt, swaz man dvrch besservnge tvͦt,
daz man daz an brieve scribe, daz ez her nach stete belibe UrkCorp
1293,13.
–
ein meister, der grôze kunst / ze schrîben het und
ze tihten, / der muost die brief verrihten / und muoste
[...] machen / eine hantvest niwe
Ottok
59488;
an einem brieve langen, / dâ wâren an gehangen / diu
insigel aller der herren ebd.
95778;
der brieve machten si zwên, / die muosten ouch
gelîche stên ebd.
35890
2.2
mit näherer Bestimmung; zur Art des Rechtsgeschäfts:
in allem dem rehte, alse an disem brief geschriben stat UrkCorp
924,30;
der brief, der in latinen vͤber dise selbe friunge gemach ist
ebd.
3571,11;
daz er sich zuo im phlihte / mit brieven und mit eide
kraft / einer êwigen friuntschaft Ottok
85913;
der [Theophilus] durc
troͮbesal gotes uerloͮgenote unde deme leidigen tieuele ze
hantueste einen brief screib Spec
99,4;
MarlbRh
17,38;
Brun
6308.
– zum Aussteller:
daz vnser herre [...] stete mache mit sinen
gvͦten brieven alle die ding UrkCorp
1984,12;
mit guoter brieve stætikeit / der bischolf tet
gewisheit Ottok
61043;
vnsers gerihtes brief UrkCorp
2618,21;
der stet [Stadt] brief ebd.
N163,22;
des kvͤnigs brief ebd.
2817,32
2.3
in festen Formeln im Protokoll und in der Corroboratio von Urkunden:
wîr Cuͦnrât in romschên kûnc erwelt [...]
tvn kûnt allen den dîe disen brief íemmer gesehent UrkCorp
7,42;
allen dien die disen brief anesechent ebd.
8,16;
allen dien die disen brief werdent lesende oder hoͤrende ebd.
14,20;
allen den, die disen brief sehint ald horint lesin ebd.
920,12;
wier [...] und die burger
gemeinlich bekennen offinlich an disem brieve WüP
9,5.
–
daz diz allez stête vnd ewig si, dar vmbe henken wir v̓nser jngesigel
an disen brief UrkCorp
925,27;
dar zu so habin alle unser burger
[...] iru insigel an disen brief gehangen
zuͦ einem woren und offin urkunde der vor gescribin sache
WüP
9,18;
dar vmbe geben wir dien vor genanden vroͮwen
[...] disen offen brief bisigelt mit vnserme
jnsigel UrkCorp
689,11
2.4
Wendungen:
–
tôte [ungültige] briefe:
wann die zeit uz ist, die in dem prief genant ist, so ist auch der
brief tod RechtssB
B66,36
u.ö.;
vnd [die Schuldbriefe] sullen auch itz vnd
fuͤrbaz tode, false vnd verworffen brief sin vor allen gerihten vnd
an allen steten UrkWürzb
45,155
(a. 1346).
–
einen ~ (triuwe und ~ ) brechen:
daz man nichtz gelauben chan / waz si schreibent
oder sprechent, / also daz si prieff prechent Teichn
419,102.
587,151;
seint man trew und prieff pricht, / ez ist allez mit
gevaͤr ebd.
412,54.
564,1257;
swâ si [Fürsten] die kraft
ir brieve brechen Ottok
71585.
– Paarformeln (mit hantveste, (in)sigel u.a.):
daz ir sô niulich gâbt / brief und hantveste / über
die suone veste Ottok
14943
u.ö.;
waz ain man dem andern sait, / das man
luͤtzel gelobt dar an. / man wolt brief und hant vest han
Teichn
587,146
u.ö.;
HvNstAp
4771;
KvWSchwanr
573;
StRBrünn
399.
–
daz er soͤlti brief und insigel nemen von der
stat [...] siner unschulde Seuse
68,10;
Teichn
612,82.
538,70;
und gebent im [dem
Antichrist] gros geleite, ir ingesigel und ir brieve
Mechth
4: 27,95.
–
das wir [...] all ir brief genad rechten vnd
freihäit bestätt haben UrkIndersd
60
(a. 1329);
prieff und purgelschaft Teichn
412,61;
du hast niendert brieff noch pfant, / nu ain clain
wil [auf Erden] ze weren ebd.
592,32
2.5
übertr.:
sin aygen pluͦt schraib [durch den
Kreuzestod] den brief, / vnser
gruntfeste [grundlegende Urkunde]
Wernh
A 4578
3
‘Verzeichnis, Register’
frô Welt, ir sult dem wirte sagen, / daz ich im gar vergolden habe, /
[...] daz er mich von dem briefe
[Schuldbuch] schabe Walth
100,27;
ich wird ab geschriben [gelöscht] /
von dem lebendigen briefe Minneb
2515;
ähnl.
Rennew
24972;
kumet aber he in dem tage nicht [vor Gericht] , so
ist he ein recht verzalter man an allen sachen. so sal man in schriben an der burger
brif bi andere verzalte [ehrlose, geächtete] lute
StRFreiberg
155,13
u.ö.;
an disem brief ist geschriben der prugkzol uͤber die Yser
StRMünch
232,16
4
‘Zauberbrief, Amulett’ (vgl. Hwb. dt. Abergl. 1,380 u.
1575f.):
auch gap sie [Medea] im
[Iason] einen brieb; / swer in sach, der hette in
liep, / die wile er [der Besitzer des Briefes] den brief
las Herb
1037.
1103.
2275;
wellestû machen, daz dich dîne vînde müezen vermîden, sô scrîp
an ein plîge [=blî
] oder an eine zinîne tavel
sînen namen unde dise buochstabe [...] unde trach den brief
under dînem fuoze Barth
148,12;
der priester strihte im umb sîn swert / einen brief, der gap
im vesten muot: / vür älliu zouber was er guot Wig
4428.
7335;
PassI/II
260,40
5
‘Titel, Vorrede’
swer den brief dises buoches wil wizen, der sol in alsô
erchennen: ‘introductiones et experimenta Bartholomei
[...]’ Barth
127,14.
– Kreuzesinschrift (Übersetzung von titulus Io 19,19):
die selbe rede betútet der
brief [
scripturam tituli; vgl. Glossar
z.St.] , der da gescriben wart uber daz frone crúce
Lucid
113,13;
und do screib Pylatus einen brif, und satzte en uf daz cruce. vnd do was
ane gescriben: Jhesus Nazarenus der iuden kunic PassHarm(R)
113,32
(Io 19,19);
Spec
60,13
6
Andere schriftliche Dokumente und Aufzeichnungen
6.1
eigentl.:
– kürzeres Schriftstück, als Gegensatz zu buoch:
hi sint zwene jungelinge gewesen, di brachten wur mich einen brif. da
laz ich ane alle di gut dete di ich ie beginc. nach den so quamen balde wol
hundert dusen dufele geigangen, di legeten wur mich ein michel buch, da al
min bosheit inne stunt HlReg
39,26;
an buche vnd an briebe / gescriben ich niht en kvnde,
/ [...] wie liep in was beiden, / daz sie sich
solten scheiden Herb
5956;
waz püecher oder prief er dâ mit [mit
der Tinte] schreibt BdN
381,15.
– schriftliche Quelle (häufig bei Brun ):
also uns saget der ware brib Brun
1184;
ich spreche als uns sprach der brib ebd.
7649;
do her [Johannes] an sinem
offenbaren brif [Apokalypse] / ditz mere uns
allensamen schrif ebd.
2447.
– Sonstiges:
die langen
brieve [Prophezeiungen]
[...] / die si von ir
[Maria] tihten Wernh
2664;
sô der phaffe disen brief [Aufzeichnungen seines
Knechtes] gelas, / sô nant er in vil rehte / ir kint und ir
geslehte StrAmis
1270;
mangen seltsænen brief [Erzählungen?] /
lâsen sie von listen StrDan
8202
(vgl. Anm.z.St.);
er hât vür den zantswern / mir geschriben einen
brief [Rezept]
Frauenlist
557;
waz iuch von mir [über Artus’
Tafelrunde] wirt geseit, / daz ist die ganze wârheit, / des
hân ich wâre brieve [schriftliche Beweise] alhie
HvFreibTr
1263.
1406;
so swelher sin husvravn lazzen wil, der geb ir einen
brief des scheidens [
libellum repudii Mt
5,31]
EvAug
9,11.
179,23;
so welch mensche anbetet daz tir
[...] / adir den brif
[
caracterem Apc 14,9] an sime
vorhoubet / treit Brun
8756;
KvHeimUrst
1693;
RvEWchr
17004;
Vät
39573.
– Reimformel sunder/âne brieve
‘ohne etw. Geschriebenes vor sich zu haben’ (häufig im
Mnl.; vgl. MNW 1, 1437f.):
die baden [...] Morande up alle lieve / dat
he ane brieve [ohne bes. Benachrichtigung] / selve
wolde komen [...] / zuͦ eres heren hove
MorantGalie
390.
552;
sulche [Spielleute] ouch da waren / die van
minnen inde lieve / sprachen ane
brieve [auswendig]
ebd.
5154;
ich sachte dyr zo hant sunder breve [
:
leve
] , / wee ich in myme synne / droge Karlles mynne
KarlGalie
4474.
8295
u.ö.;
Brun
8005
6.2
phras.; (jmdm.) einen (wâren, niuwen) ~ lesen:
des lis ich hie den wâren brief [davon sehe ich hier den
klaren Beweis]
Parz
85,23;
einen niuwen brief sir aber dô las [sie gab
ihr neue Ratschläge] , / waz aber ir rede solte sîn
Tr
14154;
er leites an daz grüene gras die maget wol geborn. / in weiz waz brieves
er ir las KLD:KvN
1:2,6
6.3
übertr.:
schrift ’t al in uͥres herzen briͤve,
/ dat de reine inde liͤve / is gehangen entüschen zwene diͤve!
MarlbRh
27,26;
owe, so get er [der Teufel] /
mit dir fur den richter / und weiset im deines hertzen brif, / wie du von recht
sullest tief / mit im in die hell Vät
40569;
HvNstAp
12143
MWB 1 1000,41; Bearbeiter: Hoffmann
briefbühse
stswF.
‘Behältnis für Briefe’
diu briefbühse [der Schachfigur] bediutet daz, /
[...] daz der phleger gewarnet wol / mit guoten boten
wesen sol HvBer
8584;
dirre vende [der brieftrage
] sol ein
briefbühsen hân Ammenh
18025
MWB 1 1004,8; Bearbeiter: Hoffmann
briefbuoch
stN.
‘Buch mit Schriftstücken, Textsammlung’
brievebuoch en franzoys ich weiz wol: solch kunst ist mir niht diu blibene
[ist mir nicht fremd geblieben]
Tit
164,2;
Kompositum nicht gesichert, auch Aufzählung brieve, buoch ist
möglich, vgl. Heinzle, Tit., S. 210f.
MWB 1 1004,13; Bearbeiter: Hoffmann
briefbuochelîn
stN.
‘Briefbüchlein’, Titel einer Sammlung von Sendbriefen
Seuses:
daz vierd buͤchli [des sog. Exemplars] , daz
da heisset daz briefbuͤchli, daz sin geischlichú tohter och zesamen brachte
uss allen den briefen, die er ir und andren sinen geischlichen kinden hat gesendet
Seuse
4,18.
–
der ander morgengruͦz [...] mit dem lobrichen
gebetlin, daz er schreib an etlichú núwe briefbuͤchli Seuse
18,12
MWB 1 1004,19; Bearbeiter: Hoffmann
briefgëlt
stN.
‘Urkundengebühr’
briefegelt und koste DRW
2,503
(HagenauStatB; a. 1339)
MWB 1 1004,28; Bearbeiter: Hoffmann
brieflêhen
stN.
‘Lehen, für das Botendienst zu leisten ist’
brieflehen der sol brief tragen UrbBayS
4,94
MWB 1 1004,30; Bearbeiter: Hoffmann
brieftihter
stM.
‘Verfasser eines Prosatextes’
prosator: ein brieftichter VocOpt
39.001
MWB 1 1004,32; Bearbeiter: Hoffmann
brieftrage
swM.
‘Briefbote’
dirre vende sol ein briefbühsen hân, / an der bühsen sol man verstân / einen
brieftragen Ammenh
18027
MWB 1 1004,34; Bearbeiter: Hoffmann
brieftrager
stM.
auch -treger(e).
1
‘Briefbote’
2
‘Gerichtsbote’
1
‘Briefbote’
vil schreiber, / potten und auch prieftrager / [...]
die fuersten und herrn / zu im dar hetten gesandt Seifrit
7758;
loufer, brieftregere / di sullin habin gere / daz si ir vart volbrengin / vil
snelle sundir lengin PfzdHech
346,14.
339,4
2
‘Gerichtsbote’
dehein procurator, fûrmûnder, schriber unde brieftreger, die zuͦ
geistlichem gerihte hoͤrent hie zuͦ Spire UrkSpeyer
426,21
(a. 1343)
MWB 1 1004,37; Bearbeiter: Hoffmann
briefvaʒ
stN.
‘Behältnis für Briefe’
der chaiser zach ab seine chlaid / und zoch an sich gar enges gewant. / ain
prieffas er an die guerttl pant Seifrit
7012;
vnd sol auf dem schachtzabel gestalt sein als ain man, das er hab
[...] an seiner gürtel ain priefvas vol prief
Schachzb
108,13;
daz er an sîner gürtel trag, / ein briefvaz als ein guoter bot HvBer
8564;
Rennew
34389;
GestRom
63;
EnikWchr
27026
MWB 1 1004,46; Bearbeiter: Hoffmann
briefzëdele
swF.
‘beschriebener Zettel’
die [
amptleute
] sollen das schäczen vnd
vrtailen nach yren treuen an ausbeysung der brieff czedelen, brieff oder geschrift
StatTrient
160
MWB 1 1004,55; Bearbeiter: Hoffmann
brîenkorn
stN.
‘Hirsekorn’
ob ainer auf das erst veld auf dem schachtzabel ain preincharn legät, auf das
ander tzway, auf das dritt viere vnd tzwispildätt allew veld nacheinander vntz auf
das viervndsechtzigist veld, so solt dy ain welt nicht als vil preinchörner tragen
Schachzb
115,88. 91
MWB 1 1004,59; Bearbeiter: Hoffmann
brieschen
swV.
‘misstönend schreien’
ez wænet manger singen wol, / des stimme hert ist unde hol, / und brieschet
[Laa. krischet, brichet, sprichet
] als der
esel tuot Boner
82,53.
– zahlreiche spätere Belege SchweizId 5,824f.
MWB 1 1005,1; Bearbeiter: Hoffmann |