b – bachhelling bächîn – backwërc bacolôn – badestubære badestube – balde baldecheit – balmunden balmunt – balsamtrôn balsamtropfe – ban, bane 1ban – banekîe banël – bänkelîn banken – bantac bant|âder – banzins banzûn – bârbrët 1barc – bârkleit barkorn – barmhërzeclîche barmhërzege – barten bartenære – base Baseler, Basler – bate bate, pate – bearbeiten bearren – bechersamenære becherweide – beckenknëht beckenkol – bedancheit bedarf (?) – bedingen bedirmen – bedrangen, bedrengen bedrât – begâben begâbunge – begelimpfen begenagen – begin begîne – beglîmen beglîmunge – begrîflich begrîflîcheit – behaft behaftec – behaltunge behandeln – beheimsuochen beheiʒen – behern behêrren – behoven behten – behuoflich behuoren – beie beie – beinîn beinîsen – beiʒe 1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit bekantnisse, bekentnisse – bekerzen bekicken – beklipfen beklocken (?) – bekorunge bekorungnisse – beküelen bekumberhaft – belæren belasten – belîbelich belîben – belônære belônen – bemaln bemangen – bemurmeln bemüseln – benedîunge benediz – bennen bennige – bequâme bequæme – bërc|êrîn bërcgar – bërcphenninc bërcrëht – beredenunge beredet – 1berennen 2berennen – bërhtnaht berhtram – berillîn berîmeln – bërlich bërlîn – bernisch bërnklâ – bêrswîn bertenære – beruofære beruofen – besamentlîchen besamenunge – beschatzære beschatzen – beschemen beschemenisse – beschînen beschirm – beschouwunge beschremen – besebelicheit beseben – besetzunge besëʒ – besîtes besitzære – beslîʒen besloʒ – besnöuwen besnüeren – besprëchære besprëchen – beste bestëchen – bestiure bestiuren – bestürzen bestutten – besuochnisse besuochunge – bët betagen – bëtelære bëtelærinne – bëtemësse betemmen – bëtewîn bëtewîp – betrahtegen betrahten – betrogenlich betrônen – betrûren betrûrigen – bettemunt betten – betûchen betüemen – betwungenheit betwungenlich – bevellicheit bevern – bevliehen bevlieʒen – bevür bevürhten – bewærnüsse bewarsam – bewëlgen bewëllen – bewindeln bewinden – bezâfen bezaln – beziln bezimbern – beʒʒer beʒʒerære – bî bestân bîbilde – bíderben, bedérben biderbenen, bederbenen – bîenkar bîenswarm – bieʒenblat bieʒenkrût – bîhtât bîht(e) – bilchmûs bildære – bildoht bildunge – bilsensaf bilsensâme – bineʒ binide – birden bir(e) – birnwîn birsære – bischolf bî schrîben – bî slâfen bî|slëht – bît bitære – bittern bitternis – biurlîn biuschen – bîvilde bîvilden – bîzeichenen bî zëmen – blahsen 1blæjen – blâsehorn blæselîn – blatengîr blatenrinc – blëchhantschuoch blëchrinc – bleichvëlt blende – blîche blîchen – blîkloz blîkolbe – bliuclich bliuge – blôdern blotschen – blüemunge blüetebërnde – bluomental bluomenvar – bluotgieʒen bluotgieʒende – bluotstürzunge bluotsûgende – bobenthalben boc – bogelîn bogen – 2bolle bollen – 3bor bor-, enbor- – (borliep,) enborliep bormære – bortengewant bortiure – bote botech – bou bouc – boummate boum|öle – bôʒwurz brâ – brâ|hâr bræhen – brantlich brantreite – brâwelîn bræwen – brëhenen brëhentac – brenken brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche brëtsnîdære – brieschen brievære – brionie brîsære – briulêhen briumeister – briuwe briuwe – brohsen bronie – brôthalle brôtheit – bruch bruch – bruckenambet bruch stM. brûch stM. bruchbrôt stN. brûchec Adj. brucheht Adj.? brüchel stM. bruchelich Adj., Adv. brüchen stN. brûchen swV. bruchhaftic Adj. brüchic Adj. brûchlîchen Adv. bruchnisse stFN. brûchnisse stF. bruchsilber stN. brûchunge stF. bruckære stM. bruckbrët stN. brucke, brücke stswF. brückelât stN. brückelîn stN. bruckemate stF. 1brücken swV. 2brücken swV. bruckenambet stN. bruckenære, bruggenære – brüeterîn brügel – brünnære brunne – brünselbërc brünseln – bruoderhûs bruoderkint – brust brust – brûtdëgen brûtdrüʒʒel – brûtsanc brûtschaft – buckel buckelære – büellîn büeʒære – buhsboum bühse – bûlslac bulzen – buoben buobengâbe – buochisch buochkamere – buoliân buollîn – buppe bur – burcgrâvenambet burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen burcmeisterschaft – burcstal burcstat – bürde bürdelîn – burgergemeine bûr|gerihte – Burgunder Burgunjoys – bursenære bursît – büschelîn buschoff – bütelin bûtelîn – bûvëlt bûvisch – buʒʒel
|
bruch
stM.
1 eigentl. 1.1
‘Brechen, Zer-, Abbrechen (einer Sache)’
1.2 jägerspr. ‘Verlust der Spur des Wildes (durch den
Jagdhund)’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 38b) 1.3
‘Bruch, Riss, Quetschung (am menschlichen oder tierischen
Körper)’
2 übertr. 2.1
‘Mangel, Gebrechen, Schaden’
2.2
‘(moralische) Verfehlung, Vergehen, Sünde; Rechtsverletzung’
2.3
‘Streitigkeit, Rechtsstreit’
1
eigentl.
1.1
‘Brechen, Zer-, Abbrechen (einer Sache)’
des wart von speres brüchen / dâ löcherehte manic schilt KvWTroj
32664.
34274;
KvWEngelh
4815;
wen als der bogin wirt gezogin / gecrummit und widirbogin / und doch
blîbit bruchis ân NvJer
2688;
des schiffes bruch wart kume irwant, / man zoch ez ganz
an daz lant Vät
2177;
sin celle bleib veste und gans / ane allerhande bruchez
schrantz ebd.
31968.
6366.
39552;
swie kranc die fiole si, / doch ist groz zirde da bi /
des morgens an ir bruche / von varwen und von ruche HeslApk
22063;
wie kleine der bruch si, iz [das
Glas] ist doch ye niet gantz noch vollenkomen
Seuse
535,3;
WernhMl
2737.
4845;
sumlich jên dem ûzern tûch [des
Tempels] / sî geschên des rizzes bruch JvFrst
10298;
min cleider bliben ganz / an allen bruch, an allen wanc, an allen schranz
Frl
1:14,12.
– Ergebnis des Brechens: ‘abgebrochenes
Stück’
dîne hûffelon. sínt sámo der brúch des rôten
ápfeles [
fragmen mali Punici
]
Will
57,1.
–
‘Bruchstelle’
die widervart ez [das
würmel
] dô gevie / gegen dem selben
bruche [des Eies] hin / dâz ûze gie, dâ woldez
in RvEAlex
1131
1.2
jägerspr. ‘Verlust der Spur des Wildes (durch den
Jagdhund)’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 38b):
ob disen [...] geschæhe ein bruch von überlistic
fliehen Hadam
18,4;
vil brüch gên widerbrüchen [Wiederaufnehmen der
Spur] / ergiengen dâ ebd.
492,6;
ist aber sin [des Jägers] sin
durch obert, / daz er in volget uff den bruch [nachdem sie die Spur
verloren haben] / und schryet zu in durch hilffe
‘juch’ / und bringt sie wider uff die vart, / so jagen sie nach irre
art / sust nach dez meisters helffe Minneb
1639
1.3
‘Bruch, Riss, Quetschung (am menschlichen oder tierischen
Körper)’
din bruch [
fractura
] ist unhailsam,
din wunde ist al zu boze PrLpz
12,20;
ebenso
Cranc
Jer 30,12;
den schachern irú bain man brach: / Ihesum man ieczent
toten sach, / und kainen bruch sú tatent im WernhMl
11495;
JvFrst
10559.
10582;
KvWTroj
12861;
welch ros czubrochyn ist uf dem ruͤcke, so
[...] salbe den bruch do mete boymole
Albrant
3,40.
2,12;
di batenie gestosen ist guͦt zu allerhand
bruͦche dez houbtez Macer
38,12
2
übertr.
2.1
‘Mangel, Gebrechen, Schaden’
alles trostes ist da [in der
Hölle] pruch Vät
41155;
er [Artus] übersach wol allen
schaden, / den ein bœse herre entsitzet, / der von swachem bruche switzet
UvZLanz
7766;
dîn [des Winters] gewalt / sêre
smalt, / dîn kraft duldet bruch und spalt, / dîn mül niht mêr malt
KLD:Kzl
13: 1,5;
und daz Isaie spruch / gewunne an der wârheit keinen
bruch, / sunder daz er wurd volbrâcht JvFrst
8266;
TvKulm
3306;
von dem himelriche und von den nún koͤren und wer
den bruch [den durch den Sturz Luzifers leer gewordenen
Chor] billichen soͤlle erfúllen Mechth
3: Reg. 2;
RvZw
121,12;
Mühlh
120,4;
Pelzb
132,25.
–
âne/sunder (allen) ~
‘vollkommen’
er was gephrophet uf den stam / der rehten tugende
sunder bruch Vät
1513;
daz gentzlich war ist und gantz, / an allen bruch, an
allen scrantz Hiob
9352.
13140;
Teichn
331,17;
von der Jungfrauengeburt:
daz si dich durch den selben spruch [das
Wort ave
] / ze kinde enphienc ân allen bruch /
in ir vil kiuschen wammen KvWLd
1,35;
Daniel
1067.
– eines Dinges
~ werden
‘(jmdm.) versagen’
do wart im bruch / der kunst, wand im die vedere brach Pass III
129,80;
aller ere wart im bruch PassI/II
45,36;
wo mir wirt an dem lobe bruch Minneb
1667;
ob mir wol ist worden bruch, / daz ich lîhte einen spruch / unrehte
hân gesprochen Kröllwitz
3972
2.2
‘(moralische) Verfehlung, Vergehen, Sünde; Rechtsverletzung’
swer ouch sines bruder
bruch [
peccatum
] , /
[...] durch got bedecket und hielt
Vät
19681;
werft von uch alle uwir
bruche [
praevaricationes vestras
] ,
an den ir obirtreten hat Cranc
Ez 18,31
u.ö.;
daz cruze, jehet mine zunge, / ist alles broches ein
bezzerunge Brun
9833;
und vorgab im innenclîch / al dî bruche, dî er î / widir in dâ vor begî
NvJer
9569;
PrLpz(L)
48,22;
StatDtOrd
74,31;
Hiob
2795;
die engel werden ußgesant, / die toten wecket ires rufes
stimme. / [...] durch bruch wer da geslagen wirt, der
stirbet sunder wende / und wirt geheilet nimmer me Mügeln
14,15.
–
vmbe solich bruch, der geschehen ist an dem gesezede, daz zwischen
vnserm vatter, vns vnd jm wart gemath UrkCorp
588,38;
swer den lantfride brichet vnd den bruch nicht
vfrichten [La. bezzeren
] wil ebd.
879H,13;
ob si sich liezen riwen / ires frides bruch
Ottok
46791.
47174;
sîner triwe bruch ebd.
10776
2.3
‘Streitigkeit, Rechtsstreit’
ein gancze luter vnde stete svͦne [...]
vmbe alle die sache vnde bruche, die zwischen vns vnde im vf geloͮffen
waren UrkCorp
931,18;
daz si alle bruche vnder in rihtent nach minne oder nach rehte ebd.
931,39;
ez werde dann auch verrihttet der vorgenant lantgraf mit im umb den bruch
und umb die sache, die er gen im hat MGHConst
6,1:43,31
(a. 1325);
UrkFriedb
65
(a. 1301);
UrkFreiberg
2:5,25
(a. 1317)
MWB 1 1034,39; Bearbeiter: Hoffmann
brûch
stM.
‘Nutznießung, Gebrauch’
das das [die Gelder] on alle minderung in erkouffung
ligender gütern in bruch und nutz diser capell [...]
gewendt sole werden UrkGlar
193
(a. 1345);
behielt auch ein kirch, oder ein chloster brief vͤber freihait vnd
vͤber pruͤch, der niht dreizzik iar oder viertzik sait, so ist der
brief tot RechtssA
B66,16
MWB 1 1036,12; Bearbeiter: Hoffmann
bruchbrôt
stN.
‘Brotreste’
die junger von den tischen / bruchprotes, greten, vischen /
fulten do vil schiere / brot corb dristunt viere SHort
8830
MWB 1 1036,19; Bearbeiter: Hoffmann
brûchec
Adj.
‘herkömmlich, üblich’
bräuchig und herkomen DRW
2,458
(HagenauStatB; a. 1339)
MWB 1 1036,22; Bearbeiter: Hoffmann
brucheht
Adj.?
→
bruocheht
MWB 1 1036,24;
brüchel
stM.
‘Brecher’
owê dû bœswiht êren kranc, / [...]
dû aller sælikeit ein hagel, / dû frides und triwen bruchel, / dû manheit lôser
kruchel [Krüppel]
Ottok
63505
MWB 1 1036,25; Bearbeiter: Hoffmann
bruchelich
Adj., Adv.
1
‘gesetzes-, treubrüchig’
2
‘Schaden bringend; gebrechlich, schwach’
1
‘gesetzes-, treubrüchig’
swaz in dem rîche bruchlîch lebt / und ouch dem rehten widerstrebt
HvBer
2016;
ob ein knecht an trewen laͤr / von seim herren czogen
waͤr / pruͤchenleich an widertail Teichn
564,1107;
wer dat sache, dat wir an eyngem de vurschreven punt, vurwarden ind stucke
eins deils of zumale versumelich of bruchlich weren MGHConst
8:86,15
(a. 1346)
2
‘Schaden bringend; gebrechlich, schwach’
der muz nach der gelust ouch han / biwilen bruchelichen val PassI/II
248,82;
bruchelich [La.
pricheleich
] leben Vät
10330
MWB 1 1036,29; Bearbeiter: Hoffmann
brüchen
stN.
unklar, ‘Mangel, Brüchigkeit’?:
mit wilder rede spruͤchen, / die sunder valsches
bruͤchen / sich ze rimen sliezzen WhvÖst
1456
MWB 1 1036,41; Bearbeiter: Hoffmann
brûchen
swV.
s.a.
gebrûchen
(häufiger belegt).
1
‘jmdn./etw. brauchen, beanspruchen; etw. genießen; etw. ge-, verbrauchen,
etw. benützen’
1.1 mit Gen.d.P. 1.2 mit Gen.d.S. 1.3 mit Akk.d.S. 2 refl. ‘sich mit etw. beschäftigen’
3 subst. ‘Genießen, Genuss’
1
‘jmdn./etw. brauchen, beanspruchen; etw. genießen; etw. ge-, verbrauchen,
etw. benützen’
1.1
mit Gen.d.P.:
swenn ich dîn aber dürftic bin / und dîn ze nœten brûchen
sol, / sô kan ich dir [Schwan] geruofen wol
KvWSchwanr
383;
Joseph obe dir
[
Jacob
] gestêt sô dir diu sêle ûz gêt,
/ dîn ougen er lûchet sô er dîn mêr nebrûchet Gen
2525;
godes ane kummersal / [...] zu bruchene alters
eine Elis
6932;
HeslNic
3028
1.2
mit Gen.d.S.:
mich bedûhte, dô ich mînes slâfes brûhte, / wie sunne und
mâne zuo ze mir chôme Gen
1763.
2024;
daz her syner leyn selue bruͦchen mach vnde auch behalden
UrkCorp
3567,23
1.3
mit Akk.d.S.:
die hente er brûchte zeineme iegelichen werche
Gen
206;
wer den esel brûchen sol, / der sol in spîsen Boner
89,61.
–
snüer unde kleine hüllen, / hentschuohe, borten, stûchen, / die
vrouwen solten brûchen KvWTroj
27488;
Pollidamas der brûchte / sîn swert mit frecher hende ebd.
31934.
–
so sol man bruchen die spise die warm unde fiuhter
naturen sien MNat
7,20;
so sol die ander mule dc wascer bruchen, ob sie ez bedarf
UrkCorp
645,22;
so svlnt sie von diseme selben guͦte cehen schillinge bruchen
zuͦ dienste ime reuentor ebd.
N107,17;
ein girekeit vil ze habende oder lange ze bruchende
Mechth
6: 4,9.
–
wir súllent sú [die
suͤssekeit Gottes] bruchen und nút
gebruchen [Nutzen daraus ziehen und nicht nur
Genuss]
Tauler
100,9.
–
~ und nützen:
KvWTroj
30186;
UrkCorp
728,7
2
refl. ‘sich mit etw. beschäftigen’
wa ich mich selber bruch in aigenschaft rainer dinge, da ich gottes er nit
bloͤslich inn main Lilie
77,4
3
subst. ‘Genießen, Genuss’
die sünder, die sich durch daz brûchen der crêatûre nâch irm luste wider got
an ir sêle sêlikeit hindernt Eckh (Pf)
247,25;
zuokunft ist ein niwiu freude von eime lieben friunde und ist ein
unverdrozzenz brûchen sîner gegenwürtikeit ebd.
354,22
MWB 1 1036,44; Bearbeiter: Hoffmann
bruchhaftic
Adj.
‘straffällig, zur Strafzahlung verpflichtet’
di [Pfennige] sal he brengen deme schultheißin in
syn hus, di wile her isßit. thede he des nicht, he worde brochhafftig unseme hern
StRHeiligenst
101
MWB 1 1037,19; Bearbeiter: Hoffmann
brüchic
Adj.
1
‘wort-, vertragsbrüchig’
2
~ werden
‘(an etw.) Schaden nehmen’
3 jägerspr.: Jagdhunden wirt ~
, ihnen geschieht ein bruch
(vgl. dort unter 1.2 ), sie verlieren die Spur des Wildes (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 38b)
1
‘wort-, vertragsbrüchig’
welich vnser bruchic wirt an dem andern an den stvcken di hi vor bescriben
stein UrkCorp
1816,41.
351,46;
wellent sy pruchig werden an mir Teichn
620,19;
als er der frawn gab die ler / die an der ee was worden
pruchig ebd.
610,143.
613,18;
were daz der edele man graue Heinriche bruchich oder vellic worde daz wi en
heizen tun UrkThür
507
(a. 1313)
2
~ werden
‘(an etw.) Schaden nehmen’
daz er wirt witzen bruchig / und an dem libe suchtig
Minneb
1657
3
jägerspr.: Jagdhunden wirt ~
, ihnen geschieht ein bruch
(vgl. dort unter 1.2), sie verlieren die Spur des Wildes (vgl. Dalby,
Mediaeval Hunt, 38b):
wist, wo junge welffe / nach einem hirtzen schone / her jagen
in sußem done, / daz den gar dick bruchig wirt Minneb
1639
MWB 1 1037,24; Bearbeiter: Hoffmann
brûchlîchen
Adv.
‘verkostend, genießend’
die innerliche raste do man sich haltet wúrdeclichen und
bruchlichen [La. wirklichen vnd
gebrúchlichen
] , also got sin selbes gebruchet in wurklicher
wisen Tauler
402,26
MWB 1 1037,40; Bearbeiter: Hoffmann
bruchnisse
stFN.
‘Streitigkeit, Zerwürfnis’
ob der kriege oder der bruche keiner uf erste, da von krieg oder bruchnisse
furbaz muge werden UrkCorp
1126A,13;
daz wi [...] vns vmme alle sachen vnde bruchnisse, di
zcwischin vns gewest sin, eintrechtelich vnde gentzlich vor einet vnde berichtet
habn UrkDresd
19
(a. 1309)
MWB 1 1037,45; Bearbeiter: Hoffmann
brûchnisse
stF.
‘Genuss’
da [im Himmelreich] ist frovde ane maze,
[...] godis werlich becantnisse, vollekvmen minne,
selic brvhnisse SalHaus
36,6
MWB 1 1037,52; Bearbeiter: Hoffmann
bruchsilber
stN.
‘Bruchsilber, Werksilber zum Einschmelzen’
das nieman [ze] Zúrich enkein silber, es si loͤtig oder bruchsilber,
koͧffen sol FWB
4,1238
(Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.; a. 1334/5)
MWB 1 1037,55; Bearbeiter: Hoffmann
brûchunge
stF.
‘(myst.) Genuss, Genießen (Gottes)’
ouch spiset diz spise [Eucharistie] des volkomnen
menschen inreliche ubunge und bruchung so daz der mensche
[...] sich vil wesentlicher und stettiklicher ubet
inwendig sich zefugen und zekeren zu guͦtlicher guͦtheit und
zuͦ götlicher minne MvHeilFr
21
(Anm.);
und [Gott] ist da aller meist in bekentnusse
gottlicher nature [...] und an minne und an bruchunge und
an dancnemekeit und an vereinunge der willen Vateruns(Sch)
41;
do sprach er [Gott] : ich
muͦs din schonen an der bruchunge beide din und min Mechth
7: 8,16
MWB 1 1037,59; Bearbeiter: Hoffmann
bruckære
stM.
‘Brückenwächter, Brückenzöllner’
der brugger und der torwart, / der hirte und der banwart, / pfaffen, leigen,
jung und alt, / [...] si lebent alle in gîtekeit
Boner
9,41;
vnd suͥllent och die ober brugger besorgen
[...], daz sy die muren der graben beider jerlich
jetten vnd daz krut vss machen, vmb daz die muren nit zerfallen StRBern
1:151,11.
1:191,18.
– als Personenname:
ein zweiteil [
acker
] nebent den bruckere
UrkCorp
N107,30;
ein schvͦpozse [Grundstück] ze Hagenbach,
die des brvggers wirten bvwet ebd.
552,8
MWB 1 1038,8; Bearbeiter: Hoffmann
bruckbrët
stN.
wohl ‘Brett für das hölzerne Gerüst am Ofen, das als Lagerstatt
dient’ (vgl.
brucke
2):
do schenckten die leut [...]: / ainer gab ain
pruckprett [Konjektur, vgl. Anm. z.St.; Hss.: pruͦchpett,
pruchbet
] , / der ander hiesz ain schwingen / usz seinem
huse pringen MeierBetz
227;
Oder liegt hier bruochbette
‘Bett von leinenem Zeug’ (BMZ 1:111a,30) vor?
MWB 1 1038,19; Bearbeiter: Hoffmann
brucke, brücke
stswF.
auch brugge (überwiegend alem. Belege; u.a. RvEWh ,
SM:St , Seuse , WernhMl ,
GTroj , Boner ; vgl. auch WMU 1,298 u. FWB
4,1257f.).
1
‘Brücke (über ein Gewässer)’
1.1 eigentl. 1.2 übertr. und bildl. 2
‘Zugbrücke’
3
‘erhöhtes Sitzgerüst aus Brettern’ (vgl. Schmeller, BWB 1,347;
FWB 4,1241) 4
‘Landungsbrücke, an der die Schiffe anlegen’
1
‘Brücke (über ein Gewässer)’
1.1
eigentl.:
ze der Tîver sie schiere kâmen / ûf eine brücke, diu dâ
was Eracl
1149;
dô wart ein brucke alsô breit / über die Tuonou geworht,
/ daz darüber âne vorht / zehen neben einander riten Ottok
7727;
die brücke, diu dervor / über ein drætez wazzer gie
UvZLanz
3608;
ein hûs enmitten drinne [im
See] lac. / von dem lande gienc ein brücke dar ebd.
7163;
EnikFb
1498;
BdN
120,33;
Virg
188,7.
–
eine brükke steinîn grôz Parz
354,6;
RvEWh
9177;
ein brucke starc von holz Ottok
77376.
10866;
ein schmale brucke, die sere böse was
Lanc
214,23;
uber eyn cleyn brúcken, die von hurden
[Flechtwerk] was gemacht ebd.
6,3;
die ander sit der brucken was ein barbekanie
[Vorwerk] gemacht wol besloßen und veste
ebd.
380,19.
– in Verbindungen mit den Verben (wider) machen, slagen; ze-,
niderbrechen:
der kuninc hîz sîne man / grôze boume howan / und
eine brucke machen SAlex
2631;
ein bruck macht er über den Rîn, / diu maht niht
bezzer gesîn EnikWchr
21169;
Rennew
35557;
UrkCorp
N797,22;
der herre det die brucken wiedder machen
Lanc
384,13;
ein êrlîch bruck lange / was über das wazzer geslagen
EnikFb
2700;
diu brucke, diu darüber gie, / die Unger zebrâchen
die Ottok
11054;
und swâ ein brucke oder ein stec / indert gie über
einen bach, / zehant man daz nider brach ebd.
11085;
Rennew
35569.
–
âne ~ und âne stec:
Dodines der wilde / der fuort den künec sô guoten
wec, / âne brücke und âne stec, / daz er schiere heim kam
UvZLanz
7318;
hôch in den lüften sint mîn wege, / âne brugge und âne stege / über sê
und über lant Boner
81,44.
9,6;
Mechth
6:16,6.
– in Aufzählungen mit anderen Weg- und Gebäudebezeichnungen:
ûf brücke, in vurte, und an den wegen
Wh
465,24;
er hies machen guͦte wege, / bruggen, notúrfte
stege / machot er durch der lúte not RvEWh
15548;
Himmelr
10,13;
Mühlh
149,15;
da mit sult ir [...] / euwr
stat zieren: / die turne wol formyren, / paide strass und weg, / graben,
prucken unde steg HvNstAp
1186;
sine grozin herschaft, / der dirre fúrste pflac hie
vor, / rincmûre, brugge, búrge tor / zeigint mit gewalt alda
RvEWchr
3621;
GTroj
5250.
– als Zollstätte:
vnde chœ̂men die vber eine, daz si der brugge schrieben
den zol, der von alter her reht wæ̂re UrkCorp
548A,18.
swelhen wagen, geladen mit troͤgen
[...], man uͤber diu prugke
fuͤret, dovon gibt man zwen pfenning ze zoll StRMünch
236,8;
UrkNAltaich
2,52
(a. 1347);
wer über sîne brugge reit / oder gieng, ein phenning muost er geben
Boner
76,4.
– in Verbindung mit Ortsnamen oder als Teil von Namen:
zeiner brücke [...] / diu
hiez ze dem Stiebenden stege UvZLanz
7145;
der ein
[
wec
] geet zur brúcken vom Werte, und
die ander straß get zu der Verlornen Brucken, die man spricht das sie under
dem waßer ge Lanc
609,14;
aine mv́lie, div bi dem wege lit vnder den nusboͮmen ob der
brugge ze Ragæsch UrkCorp
N 371,8;
Heinrich den man sprichet an der Brugge ebd.
1306,6;
hie bi waren gezv̓ge [...] Johans von Rinach,
Heinrich Bokli, Peter an der Brugge ebd.
2671,9
1.2
übertr. und bildl.:
di [Seligen] sint unser brucge,
/ si sulen unsich laiten / uz tisen arbaiten / ze der himelisgen Jerusalem
HimmlJer
293;
Rol
3948;
ich bin Got, dez lebens weg, / ich bin bruͤcke und
steg HvNstGZ
7187;
WernhMl
14560;
Mügeln
348,7.
–
er was des râtes brücke AHeinr
70;
vf diner wisheit brvggen Martina
110,105;
so heizet daz gelücke / sines wesens brücke Frl
5:53,4.
5:88,4.
–
ir mære [die Botschaft der
Cundrîe
] was ein brücke: / über freude ez
jâmer truoc Parz
313,14;
die wol gezimierten / ir brücke wâren über bluotes
vurt Wh
397,29;
hoher muͦt wart
ir [
Kyburc
] ein gast. / ir
wolte nymmer jamers last / komen von dem rugge. / ir was enzwei diu brugge /
die ir wunne solte tragen Rennew
1826;
unreht gewalt, ze valle stê dîn brugge RvZw
64,7
2
‘Zugbrücke’
dô er ze dem hûse kêrte, / dô wart diu brücke nider lân
Iw
4373.
4978;
bit die brüke iu nider lâzen / und offen iu die strâzen
Parz
225,29;
daz sie gein der porten giengen / und beide die ketenen
viengen, / und zucten sie so vaste / daz diu brugge nider blaste
Rennew
30614;
die brucke zôch man ûf zehant / und beslôz daz tor vil vast als ê
PleierGar
7446;
Wig
4520;
Kreuzf
5396.
–
er sol machen ein vfgend bruͤggen UrkWürzb
40,266
(a. 1339);
und hub nach im ein groß uffgend brucken
Lanc
8,20
3
‘erhöhtes Sitzgerüst aus Brettern’ (vgl. Schmeller, BWB 1,347;
FWB 4,1241)
vrouwe Japhîte diu reine / ûf eine hôhe brücke saz, / daz nie
dehein brücke baz / von betten wart geslihtet, / mit tepten wol berihtet, / und mit
liehten pfellen Wig
7469;
wie wilt den winter dû genesen? /
[...] dâ wil ich den strousak in die stuben tragen, /
sô muoz oven unde brugge erwagen SM:St
11: 4,11
4
‘Landungsbrücke, an der die Schiffe anlegen’
ich hân ein hôhez ors hie bî, / ich wænez ouch wol sô hôch
sî, / mîne vrouwen, iuwer vriundîn, / daz ich si wol zer brucken în / sô schône
gevüere, / daz si daz mer iht rüere Tr
13382
(vgl. schifbrucken
13368.71);
weset alle hinne [im Innern des
Schiffes] tougen! / wan knehte und marnære, / die vorschen der mære
/ ûf der brucke vor der schiftür ebd.
8697
(z.St. vgl. jedoch Sprenger, Germ. 22, 409: "hier wird wohl ein hölzernes
Gerüst vor der Cajütenthür, zum Ausschauen errichtet, gemeint sein")
MWB 1 1038,27; Bearbeiter: Hoffmann
brückelât
stN.
‘Brosame’
von dem armen Lazarus, dem er vffe ertriche hette die brúckelote
[La. bröckle vnd die broͤsenly
] von
sim tische verseit ElsLA
60,32
MWB 1 1040,11; Bearbeiter: Hoffmann
brückelîn
stN.
auch bruͥggelin
UrkCorp
1614,10.
‘kleine Brücke’
sin roß lieff zu dem cleynen bruckelin und wonde daruber
springen Lanc
387,1
u.ö.;
min hus, daz an dem bruͤkline lit vor dem obren badhuse UrkCorp
736,27
u.ö.;
vnd daz lehen leit enseit des pruckleins UrkWürzb
39,14
(a. 1315)
MWB 1 1040,15; Bearbeiter: Hoffmann
bruckemate
stF.
‘Wiese bei einer Brücke’
ein halp acker vf die brucke matte nebent dem von Steffesvelt UrkCorp
3244A,4
MWB 1 1040,22; Bearbeiter: Hoffmann
1brücken
swV.
auch bruggen
UrkCorp
36,16 u. GTroj
1312.
1 intr. 1.1
‘eine Brücke bauen (über einen Fluss, Bach)’
1.2
‘eine Bühne aus Brettern bauen’
2 tr. ‘etw. (Straße, Weg) mit einer Brücke über etw.
führen’
1
intr.
1.1
‘eine Brücke bauen (über einen Fluss, Bach)’
nû hiez der von Brâbant / brucken sâ zehant / über den
selben phlûm Ottok
58486;
wir suln brucken uber die bach LivlChr
11901;
daz ieman da brvggen welle vber Lindemage
[Limmat]
UrkCorp
36,16;
StRMünch
237,13;
vil maniger hiure brücket, der zu jare muz stegen Frl
8:4,5.
– übertr.:
wir söllen prugen und stegen [in der
Erzählung übergehen] / gegen dem kinde usser korn / daz dü
küngin hochgeborn / nach by ierem hertzen traitt GTroj
1312;
fliuch [...] der schanden regen. / ze
tugenden solt du brücken, stegen JMeissn
A 1:10,17
1.2
‘eine Bühne aus Brettern bauen’
den vrowen wart gebrucket alumbe, daz siz [den
Kampf] wol sahen an allen siten JTit
1848,4;
RvEAlex
9189
2
tr. ‘etw. (Straße, Weg) mit einer Brücke über etw.
führen’
eine strâze er dô gevie, / diu was gebrücket über daz mos
Wig
6768.
–
‘etw. überbrücken, passierbar machen’
daz man zusamne rukte / sî [die Schiffe] und
darûffe brukte / der breiten Memiln vlût al ubir NvJer
24127;
dâ ist wâg unde mot / [...] daz zu rosse dâ dî
vart / [...] ist vorspart, / iz sî der wintir danne sô
hart, / daz mit sîner kelde art / er dî wege brucke ebd.
10305;
JTit
3494,3
MWB 1 1040,25; Bearbeiter: Hoffmann
2brücken
swV.
‘etw. in kleine Stücke zerbrechen’ (vgl.
brocken
):
man sach da niwe schilde hohe riden / und di helm uf houbet hoher rucken / und
ruͦfen lute: ‘spera, sper!’ der horte man hie manic tusent
brucken [La. brocken
]
JTit
2106,4.
– übertr.:
anders iwer frouwe Enîde / unt ir muoter Karsnafîde / werdent
durch die mül gezücket / unde ir lop gebrücket Parz
144,2
MWB 1 1040,51; Bearbeiter: Hoffmann
bruckenambet
stN.
‘Verwaltung einer Brücke und der dafür eingehenden Gelder’
ad officium pontis, quod vocatur brucken ammecht pertinent infra scripta
WeistErf
107;
auch behalten wir vns vnd vnserm conuent alle vnser ampt, ez sy schultheizzen
ampt foͤrstampt schroampte eycheampt vnd bruggenampt, waz dar zu
gehoͤret vnd wie daz her komen ist UrkWürzb
40,311
(a. 1340)
MWB 1 1040,59; Bearbeiter: Hoffmann |