b – bachhelling bächîn – backwërc bacolôn – badestubære badestube – balde baldecheit – balmunden balmunt – balsamtrôn balsamtropfe – ban, bane 1ban – banekîe banël – bänkelîn banken – bantac bant|âder – banzins banzûn – bârbrët 1barc – bârkleit barkorn – barmhërzeclîche barmhërzege – barten bartenære – base Baseler, Basler – bate bate, pate – bearbeiten bearren – bechersamenære becherweide – beckenknëht beckenkol – bedancheit bedarf (?) – bedingen bedirmen – bedrangen, bedrengen bedrât – begâben begâbunge – begelimpfen begenagen – begin begîne – beglîmen beglîmunge – begrîflich begrîflîcheit – behaft behaftec – behaltunge behandeln – beheimsuochen beheiʒen – behern behêrren – behoven behten – behuoflich behuoren – beie beie – beinîn beinîsen – beiʒe 1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit bekantnisse, bekentnisse – bekerzen bekicken – beklipfen beklocken (?) – bekorunge bekorungnisse – beküelen bekumberhaft – belæren belasten – belîbelich belîben – belônære belônen – bemaln bemangen – bemurmeln bemüseln – benedîunge benediz – bennen bennige – bequâme bequæme – bërc|êrîn bërcgar – bërcphenninc bërcrëht – beredenunge beredet – 1berennen 2berennen – bërhtnaht berhtram – berillîn berîmeln – bërlich bërlîn – bernisch bërnklâ – bêrswîn bertenære – beruofære beruofen – besamentlîchen besamenunge – beschatzære beschatzen – beschemen beschemenisse – beschînen beschirm – beschouwunge beschremen – besebelicheit beseben – besetzunge besëʒ – besîtes besitzære – beslîʒen besloʒ – besnöuwen besnüeren – besprëchære besprëchen – beste bestëchen – bestiure bestiuren – bestürzen bestutten – besuochnisse besuochunge – bët betagen – bëtelære bëtelærinne – bëtemësse betemmen – bëtewîn bëtewîp – betrahtegen betrahten – betrogenlich betrônen – betrûren betrûrigen – bettemunt betten – betûchen betüemen – betwungenheit betwungenlich – bevellicheit bevern – bevliehen bevlieʒen – bevür bevürhten – bewærnüsse bewarsam – bewëlgen bewëllen – bewindeln bewinden – bezâfen bezaln – beziln bezimbern – beʒʒer beʒʒerære – bî bestân bîbilde – bíderben, bedérben biderbenen, bederbenen – bîenkar bîenswarm – bieʒenblat bieʒenkrût – bîhtât bîht(e) – bilchmûs bildære – bildoht bildunge – bilsensaf bilsensâme – bineʒ binide – birden bir(e) – birnwîn birsære – bischolf bî schrîben – bî slâfen bî|slëht – bît bitære – bittern bitternis – biurlîn biuschen – bîvilde bîvilden – bîzeichenen bî zëmen – blahsen 1blæjen – blâsehorn blæselîn – blatengîr blatenrinc – blëchhantschuoch blëchrinc – bleichvëlt blende – blîche blîchen – blîkloz blîkolbe – bliuclich bliuge – blôdern blotschen – blüemunge blüetebërnde – bluomental bluomenvar – bluotgieʒen bluotgieʒende – bluotstürzunge bluotsûgende – bobenthalben boc – bogelîn bogen – 2bolle bollen – 3bor bor-, enbor- – (borliep,) enborliep bormære – bortengewant bortiure – bote botech – bou bouc – boummate boum|öle – bôʒwurz brâ – brâ|hâr bræhen – brantlich brantreite – brâwelîn bræwen – brëhenen brëhentac – brenken brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche brëtsnîdære – brieschen brievære – brionie brîsære – briulêhen briumeister – briuwe briuwe – brohsen bronie – brôthalle brôtheit – bruch bruch – bruckenambet bruckenære, bruggenære – brüeterîn brügel – brünnære brunne – brünselbërc brünseln – bruoderhûs bruoderkint – brust brust – brûtdëgen brûtdrüʒʒel – brûtsanc brûtschaft – buckel buckelære – büellîn büeʒære – buhsboum bühse – bûlslac bulzen – buoben buobengâbe – buochisch buochkamere – buoliân buollîn – buppe bur – burcgrâvenambet burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen burcmeisterschaft – burcstal burcstat – bürde bürdelîn – burgergemeine bûr|gerihte – Burgunder Burgunjoys – bursenære bursît – büschelîn buschoff – bütelin bûtelîn – bûvëlt bûvisch – buʒʒel
|
buochswam
stM.
‘an Buchen wachsender Schwammpilz’ (vgl. Marzell 3,954 und
960):
und welherlai swäm man kochet mit den pirn, ez sein
puochswäm oder ander, die man in mangen landen kochet und izt, die schadent dester
minner BdN
341,4
MWB 1 1112,6; Bearbeiter: Tao
buochtihtære
stM.
‘Verfasser eines Buches’
prosator: ein buͦchtichter VocOpt
39.001
MWB 1 1112,11; Bearbeiter: Tao
buochvël
stN.
‘Pergament’
swie guot buochvel ein schrîber hât / und swie snelle sîn veder gât / ûf dem
buochvel hin und her WälGa
14019;
wollær, lodnær und die tuoch verbent, / die buochvel unde leder gerbent, /
huotær, wurflær und die dâ strickent Ottok
65678
MWB 1 1112,13; Bearbeiter: Tao
buochvëllære
stM.
‘Pergamentmacher’
das sehste [die sechste Form der
Urkundenfälschung] ist das man ettwenne machet von weine und von
wazzer, daz dew schrift gar ab geet, und gibt es einem buochveller, der es mit
seiner kunst gar ab tuot, und scrîbet dann wider dar an nâch seinem willen und nâch
seinem nucze SchwSp(W)
419,24
MWB 1 1112,19; Bearbeiter: Tao
buochvinke
swM.
‘Buchfink’ (vgl. Suolahti, Vogelnamen, S.112ff.):
buchvinken, lerchen, disteltwank, / mit den so gelfent iren sank / nahtegal,
galander SHort
185.
5853;
di vogellein sungen vaste: / amselen und droschelein, /
puchvincken und lerchen und hardelen [l. cardelein
Distelfink]
HvNstAp
13146;
frigellus: buͦchauink VocOpt
44.104
MWB 1 1112,26; Bearbeiter: Tao
buochwalt
stM.
‘Buchenwald’
in dem buochwalt ze Cästres hat dú herschaft wiltbant WeistGr
1,813
(a. 1303);
kumet oder wachset aekart [Buchecker] oder atzung
in demselben büchwald ebd.
5,373
(a. 1344)
MWB 1 1112,33; Bearbeiter: Tao
buochwîse
Adj.
‘der Bücher kundig, schriftgelehrt’
die nû sîn sô buochwîse, / die widerreden ez, ob si megen! Aneg
1256
MWB 1 1112,38; Bearbeiter: Tao
buochzal
stF.
‘Bücherverzeichnis, Kanon’
dis buch, das bi dem namin Baruch bemerkit ist, habin di Hebrein nicht in irir
buchczal, sundir alleine in der gemeynin tolkunge Cranc
Vorr. Bar 170,2
MWB 1 1112,41; Bearbeiter: Tao
buode
swF.
1
‘Hütte, Zelt’
2
‘Stall’
1
‘Hütte, Zelt’
vil bluomen [...] und kriuter, / dâ mite sie ir
buoden / wolden schône zieren HvFreibTr
3406.
3391;
so kumen sie der selben vrist / zusamne in vreuden milde / machen da von loube
wilde / buden unde gezelt drate, / daz en davon werde schate Macc
4645
(Erläuterung des Laubhüttenfestes Scenophegia, vgl. 1 Mcc
10,21);
do sie vor der buden / wurden gewar der tracken / und mit welhen sachen / die
celle was vor in behuͦte Vät
7740.
5323;
MarLegPass
14,56;
Gorgias in die buden quam / der Juden [
in castra Judæ I
Mcc 4, 5] nahtis Macc
2359
u.ö.;
Cranc
Jes 37,36;
NvJer
3330
u.ö.
2
‘Stall’
die kemele sie entluden / unde brahten sie zu buden, / da sie gemach heten
Vät
27436
(=
Pass III
512,39
)
MWB 1 1112,45; Bearbeiter: Tao
buoden
swV.
‘ein Heerlager errichten’
daz lant die ûzern [Belagerer] branden, / ûf daz
velt sie vaste buodeten ErnstD
785
MWB 1 1112,60; Bearbeiter: Tao
buolære
stM.
‘Liebhaber’
ich hort ye die maister sagen / das dy myt dy pest wer. /
das pedewt ein pulaͤr, / der sol auf dy mitt stan / und sol das ze nyder lan
/ oder das im ze hoch sey Teichn
667,6
MWB 1 1112,63; Bearbeiter: Tao
buole
swF.
‘Geliebte’, als Anrede:
ey uberclerte frawe clar, / min gymme, min osterwunne, /
[...] liep, bul Minneb
4973;
liebe puel mein Suchenw
28,201
MWB 1 1113,3; Bearbeiter: Tao
buole
swM.
1
‘Geliebter, Freund’ , meist als Anrede 2
‘Bruder, Schwager, naher Verwandter’
1
‘Geliebter, Freund’, meist als Anrede:
‘viel lieber buͦl’, sprach sie
Lanc
469,1;
trvter buͦle, was mainnet daz? JvKonstanz
2308.
2371;
also half si ir amise [La. irme
puͦlen
]
RittermdN
196;
Ruschart
323.
720;
MinneR 451
126.
218.
273;
Brun
738.
546.
– an den Ehemann:
hab uf, buole, dinen kopf RittermdN
192.
– an Christus:
owi sal imer cuͦmen de selige dach, / dat ich dich, suͦze
buͦle, suͦle gesien Lilie
44,35;
Jhesus, vil lieber buͦle min, la mich in warer
rúwe und in herzelicher liebi zuͦ dir Mechth
7: 38,10;
Seuse
92,17.
– als Anrede des Dichters an die Leser oder des Lesers an den Dichter (nur
Brun ):
des wil ich bescheiden dich, / trut bule min nu sich
Brun
11638.
2364;
erunt duo in carne una / an einem vleische werden zwene. / waz ist daz
gesprochen? sprich, / trut bule, des berichte mich ebd.
1840.
7096
u.ö.
– auf eine Frau bezogen:
den bessten guͤrtel den ain man / ains mals vmb sich guͤrten
kan, / der ist von wizzen armen blanck / sines buolen ain zaͤrtlich
vmbvanck LS186
34
2
‘Bruder, Schwager, naher Verwandter’
dâ wart ez gâhes erkant / sant Georjen buolen beiden [den beiden
Brüdern des hl. Georg]
Georg
525;
wir, greue Cuͦnrat von Veihingen [...] durch
liebe vnd bieth vnsers lieben boͧlen greue Eberhartes von Tuwingen vnd unserr
lieben swester Adelhaet [Frau Eberhards]
UrkCorp (WMU)
1592,42,39.
3368,5;
Elis
6252.
6297;
vns selber vnd auch vnserm lieben bulen Kraften von Hohenloch UrkWürzb
41,248
(a. 1346).
– als Anrede:
lieber buole Georîs Georg
559.
749.
776;
lieber buͦle, siest eintrehtig mit gotte und
vroͤwe dich sines willen! Mechth
6: 42,8;
HvFritzlHl
108,25;
[Aglye zu Ryal (Wilhelm) nach dessen Adoption durch ihren Vater
Agrant: ] ‘zarter buͦle min! /
[...] du solt mir und Appollen / mit vlizze
willekomen sin!’ / ‘gnade’, sprach er,
‘swesterlin!’ WhvÖst
1374
MWB 1 1113,7; Bearbeiter: Tao
buolerîe
stF.
‘Unzucht, Hurerei’
sy [Flanea] traib groß biebery / und darzuͦ
haimliche buͦlery FrSchw
182.
6443;
der [...] was offt bey ir gelegen / unnd
buͦlery mit ir gepflegen ebd.
206
MWB 1 1113,45; Bearbeiter: Tao
buoliân
stM.
‘Kuppler, Zuhälter’
in der stat was gesessen / ain unrainer pulian
[...]. / [...] er hette vail
schone weib / und hett ain offens sunthauß HvNstAp
15544;
ich ward verchauft dem pulian ebd.
16439
u.ö.;
leno dicitur domesticus assecla, consiliator, meretricum inductor inhonestus:
puliân VocAbstr
387;
unchausch, vrashait, uͤbel sprechen, / in dem leithaus
rauffen und stechen / als puͤlian zu maniger stund Teichn
166,19.
461,146.
588,133
MWB 1 1113,49; Bearbeiter: Tao
buollîn
stN.
Dimin. zu buole swF.
‘Geliebte’ (oder ‘Schwesterchen’?), in der
Anrede:
[Ryal zu Agrant: ] ‘liebes buͤllin! / hastu
iht versinnet dich, / [...] wa von diu liebe muͤge
komen [...]?’ WhvÖst
1722
MWB 1 1113,59; Bearbeiter: Tao
buolschaft
stF.
1
‘Liebesverhältnis’
2
‘Beischlaf’
1
‘Liebesverhältnis’
der briester [...] sprach: ‘fraw
dugenthafft, / pflegt ir nit heimlicher bulschafft?’ MinneR 340
22;
fraw, das bedagt, / wen bulschafft mag on sund nit wesen ebd.
27;
allen reynen wiben / die gerecht bulschafft driben ebd.
326
u.ö.
2
‘Beischlaf’
[der Zwerg Albân zu Frau Brîde:] nun solt ir mich
buolschaft mit iuch lâzen gewinnen, / ê daz ir koment von hinnen Orend
2429
MWB 1 1113,63; Bearbeiter: Tao
buosem
stM.
1
‘Brustteil der Bekleidung’
1.1 allgemein 1.2 speziell ‘bauschige Falte der Oberkleidung, Brusttasche’ ,
in Verbindungen mit den Verben stôzen, ziehen usw. 2
‘Brust’
3
‘Schoß’
4
‘Mutterleib’
5 rechtsspr. ‘Nachkommenschaft in gerade absteigender
Linie’
1
‘Brustteil der Bekleidung’
1.1
allgemein:
daz [die Lanzenspitze, die Isenhart getötet
hat] zôch er ûzem buosem sîn / an einer snüere sîdîn: / hin
wider hiengz der degen snel / für sîne brust an blôzez fel Parz
51,15;
dâ hafte si ir buosem mit [mit der
Brosche] / nâch der Kärlinge sit Wig
846.
10566;
man sach ouch an dem buosem mîn / von golde ein kostlîch heftelîn
UvLFrd
451,13;
vor dez rockes bvͦsem man hie sach / drvͥ
bilde TürlArabel
*A 298,2;
ermel unde buosem sint mit sîden wol genât Neidh
WL 22:4,4;
so treit manik edel kneht / sine kleider gar unreht: /
[...] sin busem ist offen, sin hemde blecket
Jüngl
95
1.2
speziell ‘bauschige Falte der Oberkleidung, Brusttasche’,
in Verbindungen mit den Verben stôzen, ziehen usw.:
got sprach ime zuͦ: / ‘[...] dû stôz
dîne hant / sciere in daz dîn gewant!’ / [...] in
den buͦsem [
sinus Ex 4,6] er si
stiez Exod
734.
742;
VMos
35,19;
RvEWchr
9556;
in sînen buosem er si [Zunge des
Drachen] stiez Tr
9063;
dô zôch er ûz dem buosem sîn / ein wol gemachet tevellîn / ze guoter mâze
kleine RvEAlex
579;
in sein puesem er in [Trinkbecher] parg
Seifrit
2509;
do heten si ein teil der nüzze / in ir buosem
gebrochen [gepflückt]
RittermdN
33;
des paums pleter sint guot für die
harmwinden [Harnzwang] , wenn man si under dem kinn
tregt, niht in der hant oder in dem puosem BdN
364,15.
– phras.:
jmdm. in den buosem gerîsen
‘in den Schoß fallen’
Helbl
4,229
(vgl. TPMA 10,235);
dîn vorgedanc in dînen buosen rîse! [deine böse Absicht
falle auf dich zurück!]
RvZw
64,12;
waz sô man ime vurbaz tût, daz enist niht verlorn,
wenne ez kumet deme wider, der ez tût, in sînen busem [ihm
zugute]
StatDtOrd
91,5
(ähnl.
swaz din tugentriche hant / dar uber im tut
[...], / ez kumt dir gar in dinen schoz
Pass III
584,20
);
der vor sîn almuosen / mangem armen truoc ze buosen [der
früher vielen Armen Wohltaten erwiesen hatte]
Schlegel
252;
ez hat maniger sunden vil / und guͤter werch lutzel pracht, /
daz der teufel hat gedacht, / er habe’n in seim puesen [in
seiner Gewalt] gar Teichn
311,71
2
‘Brust’
so fuͦr er schlaffende mit den spizzigen steften in buͦsen und
krazte sich Seuse
40,21.
– Wendung slange im (in) ~
:
[der böse Höfling] ist doch schedelîcher denne eines
landes brunst, / slange im buosem, ein wolf bî jungen schâfen Kelin
3:2,14;
[die falsche Zunge ist] ein slange in buosme, ein
fiur in lieber wæte KLD:WvBreis
3:6,9.
–
~ als Sitz der Gefühle und innersten Gedanken:
die [Tränen] uze
dines [der Sünderin Maria Magdalena] herzen grunde
/ rechte in sinem [Christi] busem stigen /
[...] do er durh dine groze clage / dinen bruder
irquicte an deme vierden tage Litan
1167;
ih diemuͦtet in der uasten sele mine unde gebet minez in busen
minen chumet [
oratio mea in sinu meo
conuertetur
]
PsM
34,13;
daz [die Schmach] ich uerbarch in busem minem
ebd.
88,51.
78,12
3
‘Schoß’
er [Christus] fuͦr von himilriche uzsir
sines vatir buͦsime PrGeorg
271,20;
des hern Abrahamis buͦsim [das vorangegangene
schôz variierend] , da die engel des armin
mennischin sele in fuͦrton, bizaichint die toͮgenlichen gnade vnsirs
herren PrWeing (Pf)
183,2.
– bildl.:
Maria hat uf getan den buͦsem der erbaͤrmde an allen dingen,
dar umb daz wir von ir volle gnade nement PrGeorg
77,33
4
‘Mutterleib’
do er [Christus] chom in dere magide
puͦsim, do geheilt er mennisken chunne JPhys
1,16;
do sich der werde slovfte / in der megde buozin Martina
7,93
5
rechtsspr. ‘Nachkommenschaft in gerade absteigender
Linie’
ez [Erbe] gêt nicht ûz den bûsemen, die wîle die
ebenburtige bûseme dâr ist SSp(W)
1:17,1
MWB 1 1114,8; Bearbeiter: Tao
buosemblëch
stN.
‘Brustpanzerplatte’ (NeidhWB, S. 28) oder
‘Metallplättchen als Zierde an der Brustbekleidung’ (Lexer
1,389):
diu sînen [des eitlen Bauernburschen] rôten
buosemblech / diu sint ir ungenæme gar Neidh
WL 27:7,7;
ich schriet ine bis duch [l. durch
] das
pusemblech Neidhc
117:12,7
(vgl.:
ich slüege in durch diu îsenblech Neidh
WL14:6d,7 )
MWB 1 1115,18; Bearbeiter: Tao
buosemsnuor
stF.
Bed. unklar, wohl ‘Schnur zum Verschließen der Oberkleidung’
(vgl. Schultz, Höf. Leben 1,328) oder ‘Band zur Befestigung des
Messers’ (NeidhWB, S. 28: ):
er treit eine buosemsnuor / von alrôten sîden Neidh
WL 31:8,1
MWB 1 1115,26; Bearbeiter: Tao
buosemtuoch
stN.
Bed. unklar, ‘um die Brust gewundenes Tuch’ (?):
was soll sein vppiglichen geprech / vnd sein rotes pusemtuch vnd auch sein
húppfell pandt Neidhc
92:7,4
MWB 1 1115,31; Bearbeiter: Tao
buost
Subst.
‘Riemen (aus Bast)’
mit bästînen buosten / bant ern
[Sattel] aber wider zuo Parz
137,10
MWB 1 1115,35; Bearbeiter: Tao
buoʒ
stMF.(?)
stM. nur einmal
Suchenw
2,8;
stM. wohl auch
Hiob
996
(Gen.Sg. buzes),
sonst unbestimmt, artikellos und von buoʒe stF. mit Apokope nicht zu
unterscheiden. In den hier behandelten festen Wendungen mit werden, sîn, machen,
tuon, setzen, sagen kommt nur die e-lose Form vor, wobei deren
Substantivcharakter verblasst ist und sie sich dem (prädikativen) Adj.
nähert.
1
‘Besserung, Abhilfe, das Freisein (von etw. Unangenehmem, Üblem)’
1.1 in festen Wendungen mit werden , meist unpersönl. mit Dat.d.P. und
Gen. d.S. 1.1.1
‘von etw. befreit werden, für etw. Abhilfe schaffen’
1.1.2 in med. Kontext: ‘von einer Krankheit geheilt
werden’
1.1.3 in religiösem Kontext: ‘von etw. erlöst werden’
1.2 in festen Wendungen mit sîn , unpersönl. mit Dat.d.P. und Gen.d.S.
‘von etw. frei sein’
1.3 in festen Wendungen mit tr. Verben 1.3.1
tuon, machen mit Dat. (selten Akk.) d.P. (selten d.S.) und
Gen.d.S. ‘jmdn. (etw.) von etw. befreien, für etw. Abhilfe
schaffen’
1.3.2
setzen mit Gen.d.S. ‘mit etw. fertig
werden’
1.3.3 jmdm. einer Sache
~ sagen
‘jmdn. von einer Sache freisprechen’
2
‘das Nichtvorhandensein; Verlust’
2.1 in festen Wendungen mit werden
2.1.1
‘aufhören, verschwinden’ , mit Gen.d.S. 2.1.2
‘ohne etw. sein, etw. verlieren; aufhören, etw. zu
tun’ , mit Dat.d.P. und Gen.d.S. 2.2 in festen Wendungen mit tuon , kausativ/faktitiv zu Wendungen mit
werden unter 2.1 . 3 Verwendungen, in denen die alte Bed. ‘Gutes’ durchzuschimmern
scheint, vgl. Pfeifer, EtymWB, S. 187 s.v. Buße 3.1 bezogen auf den menschlichen Körper: ‘unversehrte
Stelle’
3.2
‘Nutzen, Gewinn’ (vgl. bazze , nd.
bate ), hier verblasst in der Wendung mit werden
‘zuteil werden’
1
‘Besserung, Abhilfe, das Freisein (von etw. Unangenehmem, Üblem)’
1.1
in festen Wendungen mit werden, meist unpersönl. mit Dat.d.P. und
Gen. d.S.
1.1.1
‘von etw. befreit werden, für etw. Abhilfe schaffen’
daz in buͦz wurde / der michilen durfte / die
sie in deme lande habeten: / die not sie sere clageten
Ägidius
29;
daz alle iuwer nôt [...], /
der wirt iu buoz unde rât, / ob er von uns wirt gesunt Iw
3412;
nimmer wiert dem geittigen sorgen pues
HvBurg
18;
dir enbiutet minne unde gruoz / mîn lîp, dem nie wart
kumbers buoz / sît ich dîner minne enphant Parz
76,24;
Wig
8488;
KLD:GvN
3:5,4;
ôwê trûren unde klagen, wie sol mir dîn mit vröiden
werden buoz? MF:Reinm
6a: 5,1;
swer noch den grânât jâchant / wirfet in den swarzen
ruoz, / als im des dâ nâch wirdet buoz, / er erzeiget aber sîne rœte
Wh
188,28;
etlicher jach, im wær ze lanc / der stegreif an dem
fuoz, / daz im des wurde buoz, / sînen kneht des maniger bat
Ottok
15868.
– mit Nom. (daz) statt Gen.:
ich bin ein Crieche / und bin vor angesten sieche. / daz
[La. des
] wirt mir unsanfte buz, /
sint daz ich nu sterben muz En(FSch)
1019.
3539
1.1.2
in med. Kontext: ‘von einer Krankheit geheilt
werden’
do wart im des riten bvz ReinFu
K,1492;
swem der harenwinden von disem pulver niht buoz wirt,
der hât vil gewislîchen den harenstein Barth
150,3;
sô wirt ime des siehtuomes buoz ebd.
154,10;
sus wart im der krümbe buoz, / diu in sehs jâr ê betwanc / mit grôzes
jâmers sêre LvRegFr
4534
1.1.3
in religiösem Kontext: ‘von etw. erlöst werden’
da sullen wir vnser sunte inne [in dem
Gotteshaus] an werden, da inne sol vns puͤz werden,
alles des vns gewerren mack an dem leib vnd an der sele Konr
23,33;
dâ von sô wirt im nimmer buoz / der sünden, der er
begangen hât / mit valschen eiden EnikWchr
9100;
dâ [in der Hölle] wirt im tôdes niemer
buoz, / wand er dâ alle tage stirbet, / daz er doch nimmer tôt gelît
LvRegSyon
1816;
StrKD
138,16.
138,46
1.2
in festen Wendungen mit sîn, unpersönl. mit Dat.d.P. und Gen.d.S.
‘von etw. frei sein’
so ist mir alles leides buͦz
Rennew
33046;
nu ist uns buͦz / swaz uns leides ie gewar ebd.
16698;
lât dîn [sc. rôter
munt
] lachen mir gelingen an ir minne, sost mir swære
buoz KLD:GvN
29: 3,4.
–
do stach di trew ein scharfer dorn, / daz si laider hinchen
muͦzz. / daz wolde got, wer [wäre] ir sein
[des Hinkens] puͦzz Suchenw
6,68
1.3
in festen Wendungen mit tr. Verben
1.3.1
tuon, machen mit Dat. (selten Akk.) d.P. (selten d.S.) und
Gen.d.S. ‘jmdn. (etw.) von etw. befreien, für etw. Abhilfe
schaffen’
swenne ir dem tuot kumbers buoz, / sô nâhet iu der
gotes gruoz Parz
171,3.
127,28;
daz tæt mir ouch sorgen buoz SM:Had
43: 3,4;
davon sîn gruoz / mir tæte buoz / angestlicher
arebeit, / diu mich machet ungemeit SM:Tu
6: 8,9;
im machet einer lerchen fuͦz / eines grozen
hungers wol buͦz StrKD
146,292;
Litan
264;
nu gie der einsidel dar, / do er saz in disem wanche,
/ und wolt im diser gedanche / gerne han gemachet buͦz
StrKD
94,21;
(ohne Dat.d.P.:)
wer machet sargen [= sorgen
]
sußen puͤz? Suchenw
2,8;
(mit Akk.d.P. statt Dat.d.P.:)
‘pax vobis, mit iu sî vride!’ / daz was
sîn [Gottes] ellîcher gruoz, / der tete si maniger
sorgen buoz KvHeimHinv
472;
leide, / darinne ich sterben muoz, / ir tuont
[= entuont
] mich sorgen buoz
SM:Had
16: 2,6;
(mit Akk.d.S. statt Gen.d.S.:)
allen kvmber machet buoz / Cristes brvoderlicher gruoz Martina
151,69.
–
er
[
meie
] tuot den vogeln swære buoz
KLD:Kzl
15: 2,2;
ein zelter schœne und genge / [...]. im
hâte missewende buoz / diu nâtûre getân Flore(S)
2762;
daz edel krut von bösem krute valwen muz, / tut man nicht buz /
dem garten solcher swere Frl
5:35,8.
– speziell ‘(jmdn.) von etw. (Verletzung, Krankheit)
heilen’
biut har mir dînen vuoz! / ich tuon dir alls gebresten buoz
Boner
50,32;
er [der Löwe] zöigt dem hirten sînen
vuoz / dar umbe, daz im würde buoz / und heil an sînem vuoz getân ebd.
47,42;
der lowe [...] / tet im do dez huosten
buoz [heilte ihn vom Husten, d.h. brachte ihn
um]
Martina
181,51;
doch weiz ich arzenie guot, / div buoz der siecheit tuot, /
[...] daz ist der grimme tot ebd.
125,92
1.3.2
setzen mit Gen.d.S. ‘mit etw. fertig
werden’
nu frâget menger, wie mîn sin / gesetzet habe der
sorgen buoz, / sît ich so
nidertrehtig [bescheiden] bin, / daz ich ir
minne enbern muoz SM:Gl
3: 5,2
1.3.3
jmdm. einer Sache
~ sagen
‘jmdn. von einer Sache freisprechen’
hêrre, ich sage iuchs lasters buoz
Parz
673,27
2
‘das Nichtvorhandensein; Verlust’
2.1
in festen Wendungen mit werden
2.1.1
‘aufhören, verschwinden’, mit Gen.d.S.:
zwischen gellen [Nebenbuhlerinnen] zwein sô
wirt vil selten nîdes buoz RvZw
47,2;
vil dicke ein übel daz ander muoz / vertrîben; sus wirt sorgen buoz
Freid
127,7;
trûren mac wol missehagen / guoten wîben: wan dâ von
wirt êren buoz KLD:UvL
27: 4,4;
sîns [Gottes] gewaltes wirt
nimmer buoz EnikWchr
7314;
recht als daz wazzer lescht daz fewr, / und als daz wachs verswinden
muͦz / von fewres chraft, also wirt puͦz / der poͤsen
geist, [...] / wo man den
namen [Marias] nennet Suchenw
41,1188
2.1.2
‘ohne etw. sein, etw. verlieren; aufhören, etw. zu
tun’, mit Dat.d.P. und Gen.d.S.:
sô twinget wînes craft ouch sînen man, daz im wirt sinne buoz
[dass ihm die Sinne schwinden]
RvZw
108,6;
ob daz geschihet, daz man muoz / drin [Dat.
von drî
] setzen ein schüzzelin, / in wirdet
aller zühte buoz, / grifents mit einander drin [d.i.
darîn
]
TannhHofz
135
(vgl. WälGa
507ff.);
daz mich Tybalt hat betrogen, / den valsh ich im so
gelten muͦz / daz im wirt des lebens buͦz
Rennew
18120;
Ottok
25650.
–
ez ist ein
wîssage [Prophezeiung] / daz ir ze spotte
wellet haben: / ir werdet des wol innen, / daz si
[Maria] keiserinne / uber al die werlt
wesen muoz: / sô wirt ouch iu des tûsches buoz [euch das
Spotten schon vergehen] / so gesehet ir vil gereite /
die rehten wârheite Wernh
2420;
dennoch was in niht spottes buoz
Wh
190,5;
der rede wirt er nimmer sat / daz ich im sîn guot wider gebe. /
helfet mir daz ich gelebe / daz im der rede werde buoz StrAmis
2261
2.2
in festen Wendungen mit tuon, kausativ/faktitiv zu Wendungen mit
werden unter 2.1.
– jmdm. (auch jmdn.?) des lebens/lîbes ~ tuon
‘jmdn. töten’
man dut ime gare des liues boz Roth
4322;
die tâten inme strîte buoz / des lebens
manegen [Laa. maningem, manchem bei
Wh(L)
] kristen
man [Dat.Pl.?]
Wh
395,20.
– jmdm. (einer Sache)
~ tuon:
wir tuon in schimphes buoz Parz
205,8;
ir tuot mir site buoz, / daz ich versage mînen gruoz
/ Artûse unt der messnîe sîn ebd.
315,17;
[allen, die hier sind,] den biut ich dienstlîchen
gruoz. / wan einem tuot mîn dienst [erg.: des
gruozes
] buoz, / dem wirt mîn dienst nimmer
schîn ebd.
320,26
3
Verwendungen, in denen die alte Bed. ‘Gutes’ durchzuschimmern
scheint, vgl. Pfeifer, EtymWB, S. 187 s.v. Buße
3.1
bezogen auf den menschlichen Körper: ‘unversehrte
Stelle’
Sathan [...] mit grozem ungevuc /
Job mit vil bosen sweren sluc, / daz von der versen des vuzes / an im
nichtisnicht bleib buzes [nichts heil blieb] / uf hin
in den wirbel sin / leit er gar bitterliche pin Hiob
996
(Iob 2,7);
crefticlicher Crist vorgoz / sin blut an der sule bloz, / do sin czarter
liep gerurt / wart mit gerten und czu vurt [...] / von
dem wirbel uf den vuz / (der versin was im [possessiver Dativ zu
versin
] nindert buz): / daz leit der von
himelberk [Paradies] / durch unse suntliche werk
TvKulm
3686
3.2
‘Nutzen, Gewinn’ (vgl. bazze, nd.
bate), hier verblasst in der Wendung mit werden
‘zuteil werden’
maniges segens suoz / wart im von sîner tohter buoz /
unde von den kinden allen [er wurde von ihnen begrüßt (vgl. Glossar
z.St.)]
Ottok
68206;
so gar liecht ist sein [des Tieres mit dem
Namen goltschepper, lat. aureum vellus
] schein: / als di sunne dar an get, / wer dann in dem garten
stett, / dem wirt von dem scheine puß [soviel zuteil, d.h. von dem
Glanz so verblendet] , / das es [l.
er
] die augen decken muß HvNstAp
13323
MWB 1 1115,38; Bearbeiter: Tao
buoʒe
stF.
selten swF. (z.B.
Eilh
St,7114;
HeslApk
20293;
Seuse
39,6
);
s.a. buoz stMF.
1
‘Besserung, Abhilfe’
2
‘Wiedergutmachung, Bußzahlung (an den Geschädigten, die Obrigkeit),
Strafe’ , häufig in Rechtstexten (s.a. WMU 1,310ff. und DRW 2,655ff.
mit weiteren Belegen) 2.1 allgemein 2.2 in Wendungen 3 in religiösem Sinne ‘Buße, Sündenstrafe’
3.1 allgemein 3.2 in Verbindung mit bîhte, riuwe 3.3 in bestimmten Wendungen mit Verben (vgl. auch 2.2 )
1
‘Besserung, Abhilfe’
kvnde ich ioch die guten / erbite samfter gruzze, / ez queme
mir zv buzze Herb
9431;
mit gebet und mit almusen / iz kumet dir wider zu buͦsen ErzIII
36,104;
nu tuo mir zweijer buozzen eine und habe dank: /
[...]
SM:Te
8: 2,8;
ez müeste wol sîn ein ûz der mâze nâhe gênde swære, / da also
werdes wîbes trôst [...] niht guot ze buoze wære!
SM:UvS
17: 2,11.
– speziell ‘Heilung’
des nâmen wir uns muoze / unt gewunn daz rîs ze buoze, /
ob daz sper ungehiure / in dem helschen fiure / wær gelüppet Parz
482,6;
er buoste mir des huosten, / darumbe wir gan muosten / an eine heimliche
stat. / wan [...] swenn ez ieman siht, / so hilfet
sulchiu buoze niht Frauenlist
576;
(Rezept für die Heilung der Liebeskranken:)
hoeret, waz ich zuo der buoze tuo, / daz ich mit zouber
niht envar. / minneclîchiu wort stôze ich dar zuo, / den besten willen strîche
ich dar. / tanzen unde singen muoz ich haben; / daz vünfte ist wunneclîcher
trôst: / sus kan ich senden siechen laben MF:Reinm
35: 5,1;
si kust in / lieplîchen unde suoze. / daz was der minnen
buoze / ein sæleclîcher anevanc: / ietwederez schancte unde tranc / die süeze,
diu von herzen gie Tr
12040
2
‘Wiedergutmachung, Bußzahlung (an den Geschädigten, die Obrigkeit),
Strafe’, häufig in Rechtstexten (s.a. WMU 1,310ff. und DRW 2,655ff.
mit weiteren Belegen)
2.1
allgemein:
buoze unde suone der bin ich iu bereit
NibB
1991,3;
hân ich iender missetân / gein den guoten
[...] : / des bin ich ze buoze in vil bereit
KLD:UvL
54: 3,7;
und ist daz man vrävelt an dem rihter oder an sînem boten,
man ist im zweier buoze schuldic SpdtL
89,16.
145,17;
mein schware pusse, / di will mit freuden enden sich
HvNstAp
9648;
also ouch umb dy pfruͤndner in den andern stiften
zuͦ W., ob ir etlicher suͤlche buͤße verwirket
WüP
43,8;
disiu buoze stât [richtet
sich] nâch der liute guoter gewonheit SpdtL
144,17;
darzuͦ sullen besten [in Kraft
bleiben] die setze uber schuͤfeler win
[...] mit der buͦzze und pen, als die von
alter her kumen sin WüP
81,10;
die buͦzze sol gevallen den, die des wartnde
sin [den Aufsehern]
ebd.
98,7;
nieman sol den liuten gelîche buoze erteilen, daz man dem
knehte büeze alse dem herren oder dem eigen alse dem vrîen SpdtL
190,11.
190,9
2.2
in Wendungen:
– jmdm. einer S. (Gen.) ze ~ komen
‘etw. wiedergutmachen’
du hast dich untrúw an genomen, / des kumstú gen mir
númer ze buͦß MinneR 66
187.
– (jmdm.) einer S. (oder umbe eine S.) ze/in ~
stân
‘(jmdm.) Genugtuung für etw. leisten’
swaz vch Reinhart hat getan, / des mvz er vch zv bvze
stan ReinFu
K,1084;
sie hette ubele getan, / des wolte si ime zu buzen
stan Eilh
St,7114;
daz ich [Achilles] Hectorem
han erslaugen. / des sten ich ir [Polyxena] zv
buzze Herb
11277.
2822;
Iw
721;
wie ir mir ze buoze wellet stân / umb daz, daz ir mir
habet getân Tr
783;
dâ von müezt ir in buoz stân, / und legt den landen
ab irn schaden EnikWchr
A II,518;
ir sült [...] umb den
schaden in buoz stên ebd.
A II,586.
–
ze hôher buoze stuont der strît [„der Kampf hatte
einen hohen Preis”]
UvZLanz(K)
4489.
– eine
~ dulden, lîden, enpâhen, tragen u.ä. (mit
Gen.d.S.) ‘eine Strafe (für etw.) erleiden, empfangen’
(u.ä.):
die sullen die buͦzze dulden die vor
geschriben stet StRAugsb
44,11;
wirt der huͤter daran buͦzwirdig, so
sol er die selben buͦzz liden WüP
106g,5.
90,8;
sît ich mirz selbe hân getân, / ich solts ouch selbe
buoze enpfân Iw
4000;
Neidh
WL 20:5,6;
gespringe ich zuo zim in den rinc, / er bestât sîn
buoze [büßt dafür (NeidhWB, S. 17)] , daz er ir
ze vrouwen jach, / der ich lange gedienet hân / her mit ganzer stæte! ebd.
WL 27:6,8;
ich muoz von verdiender schulde / mich der lieben
schuldic sagen: / des wil ich gerne umbe ir hulde / schuldeclîche buozze
tragen SM:UvS
23: 5,4.
–
(ze) ~ geben, gelten:
swen man âne wunden slehet oder beschiltet oder ane
liuget, dem sol man buoze geben nâch sîner geburt SpdtL
205,1;
Mühlh
122,1;
swelch gastgaebe daz daruber braeche der git dem vogte
ze buzze ein phunt phenninge StRAugsb
17,18;
wer auch die loͤn steiget, also daz er dem
andern sin gedingten erbeiter uzzer hant zuͤhet,
[...] der sol geben 60 ₰ zuͦ
buͦzze WüP
71,9.
81,6;
swer davoͤr kauffet, der sol die buͦzze
gelten ebd.
34,3.
–
zu ~ sitzen
‘seine Strafe ableisten’
den brûderen, die dâ zu bûze sitzent
StatDtOrd
67,7.
118,5.
118,8.
–
in die ~ vallen
‘eine strafbare Handlung begehen’
swer wizzenlîche, daz [das,
was] der oberste heizet, ubergêt, daz der in die bûze
vellet, die dâ der versûmere des gebotes verschuldet
StatDtOrd
75,15.
– jmdm. eine
~ enbieten/geben
‘jmdm. eine Buße auferlegen’
daz wart der vrouwen geseit, / des enbôt sium dise
buoze [gemeint: das Schweigegebot]
UvZLanz
6661;
ist ditz ein buoz, diu iust gegeben? ebd.
489;
Venus di gab im pusse HvNstAp
12721.
– jmdn. umbe eine S. in eine ~ legen, jmdn.
ze ~ setzen (mit Gen.d.S.) ‘jmdn. (wegen einer
S.) mit einer Strafe belegen’
swenne der maister ainen brvder vmb vnreht
zervmb [l. zerunge
] in ain
bvͤz leget SpitEich
21,9;
ouch hât mich iuwer vrümekeit / der selben schulde
[...] / wol ze buoze gesat Er
1005.
1246;
MinneR 439
225;
von deme brûdere, den der meister zu bûze setzet
StatDtOrd
64,22.
64,24.
81,8.
– (jmdm.) eine
~ (ûf/über/umbe etw.) setzen,
jmdm. eine
~ ûfsetzen:
dem sal man ouch umme cleine schult cleine bûze setzen
StatDtOrd
55,15.
87,36.
87,20;
swaz danne pen und buͤzze und auch bezzerunge
im der [
rât
] da uf setzet nach sinem
luͤmunde und nach siner missetat, die sol er alle liden
WüP
58,8;
die buͦzze, die daruͤber von alter
gesetzet ist ebd.
106k,4;
swer auch die kyeser straft
[...], der git 1 ß ₰, als dicke er
daz tuͦt an [
âne
] die
buͤzze, die im der rat ufsetzet, daz er wirt varende von der stat und
rumende ebd.
70,4.
–
bî/under der buoze, zur Angabe einer angedrohten Geldstrafe bei
Gesetzesverstößen:
bi einer buͦzze 2 ß ₰ und ein monden
die stat rumen WüP
85,5.
69,3
u.ö.;
ez sol auch nieman habern, heu und gras
fuͤrkauffen under derselben buͦzze vom phunde 4 ß ebd.
30,2.
80,7
u.ö.
3
in religiösem Sinne ‘Buße, Sündenstrafe’
3.1
allgemein:
daz wir in samelichen ruwen / an unseren iungisten
stunden / in rechtin buͦzen werden funden Rol
3958;
KvWWelt
255;
swer ein gottes huͤs
[...] enteret, owe, wie groz puͤzze vnd
wandel da zu gehoret Konr
23,98;
ouch ist daz gewonlich / daz man dem sündigen man
[...] nâch riuwen sünde vergebe, / und daz er in
der buoze lebe / daz erz niemer mê getuo Iw
8108.
– personif.:
wildu werden gar gesund, / so sende nach frawn Puesse
HvBurg
1101
u.ö.;
Busse bin ich genant Pilgerf
1905.
2255.
– im Ordensnamen:
ich swester Eysal, maisterinne des ordens der puezze sant Franzizzen
UrkKlostern
1,104
(a. 1306)
3.2
in Verbindung mit bîhte, riuwe:
daz er [Teufel] durch bîht unte
buozze sînes undanches unsich [Sünder] ûz lâzze
Gen
2807;
AvaLJ
161,8;
nu rêinint iwer herze uon allir slaht achuste, mit
lutirre bihte, mit warin riwen aller iwer sundi, mit rehtir buͦzzi
Spec
79,6.
41,33;
PrMd (J)
352,25;
stirbet er also ane bihte und ane buͦsse
Mechth
7: 3,55
3.3
in bestimmten Wendungen mit Verben (vgl. auch 2.2):
–
bestân:
si sulen ze chirchen gerne gen, bihte unde buoze
besten [tun]
AvaJG
22,8.
–
enphâhen:
swie getane buͦzze si da von ir ewarte
enphahent Spec
6,2;
ich enpfinch ni buza noch harmscare / so groze noch so
swere, / so mine meindethe weren SüklU
48;
(vgl. aber:
ist sîner [Gottes] güete
alsô vil, / daz er mich niht versmâhe / und mîne buoze enphâhe?
RvEBarl
13230).
–
geben, gebieten, ûflegen:
sô gibet er [Gott] uns
buozze, mit der suntône antlâzze / der wir im bejâhen Gen
559;
den phaphen, / der mir die buoze gebot
SüklV
532;
daz in [ihnen] daz leben /
got ze buoze hêt gegeben Wig
4588;
sît [...] jâmer, riuwe und
arbeit / uns sint ze buoze ûf geleit RvEBarl
4394.
–
hân, leisten, nemen:
sant Pauls lert die heiden daz si buzze und riwe
heten dar umb, daz si diu abtgot an gebet heten PrOberalt
142,33;
an aller selen tag bat ich mit der heligen
cristanheit fúr die gemeine selen, die ir buͦsse in dem vegefúr hant
Mechth
7: 2,3.
7:39,48;
ware bîhte ze toͮnne, rehte boͮzze ze
leistenne Spec
146,2.
42,14;
Mechth
6:12,4;
ir sult buͦzze nemin allis, des ir îe ze ûbili
getâtit Spec
45,29;
nu volge mîner ræte, / nim buoz für missewende
Parz
499,27;
wenn ain [...] sündær
[...] nimt puoz über sein sünd und volpringt
die puoz BdN
241,28.
–
komen:
die [Sünder] schulin chomin
ze wârer riwe unde ze warer buͦzze Spec
51,8.
–
setzen:
[ein Sünder zum Priester: ] herre, ir schult mich
bestan [mir beistehen] , / sezzet mich in
buozze Hochz
666.
672;
daz sint dise sibenzech tage, die sint vns ze
bvͦze gesetzet Spec
38,7;
Rol
3935;
ê er sinem lîvte bvͦzze unde riwe satzte
Spec
63,13;
der selb hôrt ir peiht und satzt in puoz
BdN
217,19.
–
stân:
daz ich der [Sünden] hie tzuo
buoze ste TannhBu
32;
(bildl.:)
swaz hiure von des meijen gâbe was so spæhe, / daz ez
lîhte sünde enphie dur sîne glanzen wæhe, / daz wil nu twingen / winter zen
dingen, / daz ez im der hôfart stêt ze buoze SM:UvB
6: 1,5;
an in wuohs gotes triuwe, / ze buoze stuont
[war gerichtet] ir herzen gir
RvEBarl
3827;
allen den rúwern, die an irre buͦsse
stant [gerade Buße tun (Vollmann-Profe, Mechth., S.
487)]
Mechth
6: 28,14
MWB 1 1118,15; Bearbeiter: Tao
buoʒebære
Adj.
‘strafbar, bußpflichtig’
buszebere oder wandelbere missetat MGHConst
8:650,31
MWB 1 1121,12; Bearbeiter: Tao |