bëtestat
stF.
1
‘christliches oder jüdisches Gotteshaus’
2
‘heidnischer Tempel; Götzenhain’
1
‘christliches oder jüdisches Gotteshaus’
Nazarium er vant / [...] zimberund ein petstat
Märt
9242.
– die Stiftshütte Ex 25-27:
dú selbe stat hiez [...] dú rehte betstat, / da
man Got gnaden bat RvEWchr
11939
2
‘heidnischer Tempel; Götzenhain’
die [Raben] wîsten sie den rehten phat / gegen der
gote betestat RvEAlex
10498;
darnach / zünt er [der hl. Nikolaus] ein petstat an
Märt
23379
u.ö.
MWB 1 706,62; Bearbeiter: Gärtner
bëtestiure
stF.
‘außerordentliche Steuer’
swenne uns unsrer burger geben und geholfen sein mit einer betstewr, swaz die
iuden dar zu hilfe tun, daz sol unsrer halbs sein und unsrer egenanten burger halbs
StRAmberg
26
MWB 1 707,7; Bearbeiter: Gärtner
bëtevart, bitevart
stF.
1
‘Wallfahrt’
2
‘Kreuzzug’
1
‘Wallfahrt’
der kaiser huop sich in beteverte ûz / hin ze Constenoble Kchr
13836;
Pass III
23,37;
ich wil in kurzen zîten / in beteverte rîten / und bin vil
lîhte lange in wege
13686.
13727;
ähnl.
Pilgerf
2187;
Suchenw
41,315;
KvWTroj
19666;
PassI/II
223,56. –
in Verbindungen mit gân, volgân
Pilgerf
5029;
PassI/II
224,39;
geloben
KarlGalie
445;
leisten
ebd.
8514;
Köditz
82,10;
StRFreiberg
182,17;
wandern
PassI/II(K)
252,28. –
antheize [...] an vasten oder an swelre hande
bitverte UrkCorp (WMU)
93,10;
die [die Reichen] möhten wol himelrîche verdienen
unde gewinnen mit almuosen geben, mit beteverten unde mit gotesverten über mer unde
ze sant Jâcobe oder ze Rôme PrBerth
1:483,29;
Pilgerf
13791;
NvJer
13791;
LS36
11.
– im Sprichwort (TPMA 9,138):
die beteverte wæren guot, / verkêrten sie niht reinen muot / an manegem man
Freid
133,17
2
‘Kreuzzug’
alsus sîn arbeit ende nam / der pilgerînschin betevart [bezogen
auf den Kreuzzug Ottokars gegen die heidnischen Preußen]
NvJer
10093
MWB 1 707,12; Bearbeiter: Gärtner
bëteverten
swV.
‘wallfahrten’
ist iz also, daz ein man beteverten oder sines koufes varen wil buzen landes
UrkBresl
21
(a. 1261);
auch
UrkCorp (WMU)
51,20 =
606,44
MWB 1 707,34; Bearbeiter: Gärtner
bëtevogetîe
stF.
‘Bittvogtei’, auf besondere Bitte eingerichtete Vogtei:
non feodali advocatia sed petitionaria, quod vulgo dicitur betfoitaeie
UrkEnns
2,575
(a. 1215)
MWB 1 707,38; Bearbeiter: Gärtner
bëtevrî
Adj.
‘frei von Abgaben’
daz diuselben weile und zeit ir laeute und ihr guͦt
[...] betfrei suͤln sin und ân alle stiure und ân alle
gabe StRMünch
60,13;
WeistGr
1,763
(a. 1310);
StRMosb
544
(a. 1335).
545;
die herren und vicarien sollen sitzen bi der gemeinden bedevri
UrkMoselQ
146,16
MWB 1 707,42; Bearbeiter: Gärtner
bëtevrischinc
stM.
‘Abgabelamm’
ille vinitor debet [...] dare
[...] ovem I, que dicitur petefrischink
UrkSchaffh
129
(um 1150)
MWB 1 707,49; Bearbeiter: Gärtner
bëtewagen
stM.
‘Wagen, der einer Fuhrverpflichtung unterliegt’
per hunc ministrum petunt et obtinent in dictis possessionibus currus qui
dicuntur betwegen UrkWürtt
8,301
(a. 1301)
MWB 1 707,52; Bearbeiter: Gärtner
bëteweize
stM.
‘Weizen als Abgabe’
jura nostra et obventiones in tritico, quod triticum dicitur vulgariter
bedewezze UrkFrankf
1,444
(a. 1305)
MWB 1 707,56; Bearbeiter: Gärtner
bëtewîn
stM.
‘Wein als Abgabe’
vnde haben ime die selben wingarten in deme rechte gegeben, daz er
[...] kainen dienst an stiure, an betewine oder an
kainreslachte dienste [...] mvͦge tuien UrkCorp
1116,26;
UrkWürtt
10,174
(a. 1293);
ez suln ouch alle ir wîngarten und allez ir guͦt
[...] frî sîn iemermê und entladen von stiure, von
betwîne und von allem dienste UrkEssl
188
(a. 1312)
MWB 1 707,59; Bearbeiter: Gärtner
bëtewîp
stN.
‘Bettlerin’ (s.a. →
bëtelwîp
):
si nam die maget und leite ir an / eines armen betewîbes
cleit; / ir antlützes schônheit / mit dicken rîsen si verbant Tr
1267
MWB 1 708,3; Bearbeiter: Gärtner
bëtewort
stN.
Pl.
‘Gebetsworte’
an dem ersten grate svͦchet man div andaht in den heiligen
bette worten DvAStaff
195.
201
MWB 1 708,7; Bearbeiter: Gärtner
betigern
swV.
zu tigere Adv. (nd. deger).
‘jmdn. heimsuchen’
di sterbenden sullen nicht leben, di rysen sullen nicht irsten. want dorumme
hastu si betygirt [
visitasti
] und zuvurt und alle ir gedechtnisse vortyliget Cranc
Jes. 26,14
MWB 1 708,10; Bearbeiter: Gärtner
betihten
swV.
1
‘etw. verfassen, literarisch gestalten’
2
‘etw. zu verstehen geben’
3
‘etw. zurichten, (er)schaffen’
1
‘etw. verfassen, literarisch gestalten’
diz mêr [...] hât unz her / mit schœner rede
betichtet / [...]meister Gotfrit / von Strâzburc
HvFreibTr
13;
HeinzelJoh
9,2;
NvJer
1192;
ob ich ditz buchlin wolde / betichten Minneb
694.
3187;
WhvÖst
1675;
MinneR 298
1;
Mügeln
296,12.
112,3;
Suchenw
40,6.
2
‘etw. zu verstehen geben’
er [Daniel] konde berichten / waz die troume
betichten Daniel
284;
daz sie [Mirjam durch ihre Bestrafung] daz
betichtin sol / daz sie di sunde hat getan ChristhChr
19866
3
‘etw. zurichten, (er)schaffen’
die wîle sô betihtete / Îsôt diu wîse künigîn / in ein
glasevezzelîn / einen tranc von minnen Tr
11432
u.ö.;
ein wagen [...] mit hohen list / von
in wart schir gerihtet, / mit sinnen wol bedihtet HvNstGZ
792;
WhvÖst
9004.
11601
MWB 1 708,15; Bearbeiter: Gärtner
betimbern
swV.
‘etw. verdunkeln’
si [die himmlische Heimstatt] ist so hoh gar
gezimbert / kein wolken si betimbert Martina
275,52;
swenne uns daz alter die gesiht / betimbert [die Sehkraft
schwächt] al ze sere, / daz wir die edelen schrift nicht / wol
gesehen mügen mere AMeissn(H)
2
MWB 1 708,31; Bearbeiter: Gärtner
betirmen
swV.
→
betërmen
MWB 1 708,37; Bearbeiter: Gärtner
betiuren, betûren
swV.
1 unpersönl. ‘jmdn. dünkt zu kostbar; jmdn. dauert etw.’
1.1 mit Akk.d.P. 1.2
lâzen b. mit Akk.d.P. 1.3 mit Akk.d.P. und Gen.d.P. ‘jmdn. betiuret jmds., mit jmdm.
Mitleid empfinden’
2
‘etw. schätzen, veranschlagen’
3 subst. ‘Bedauern’
1
unpersönl. ‘jmdn. dünkt zu kostbar; jmdn. dauert etw.’
1.1
mit Akk.d.P.:
sine [die Bewohner der Gralsburg] hete niht
betûret, / mit marmel was gemûret / drî vierekke fiwerrame Parz
230,7.
351,25;
Wâlweinen niht betiurte, / er neic im schône derwider
UvZLanz
2400;
er kund sîn [den Drachen] niht gewinnen: daz
betûrte sêre den gast WolfdA
602,4;
JTit
4875,1.
4529,2;
WernhMl
4514
1.2
lâzen b. mit Akk.d.P.:
lieze si [Eva] der zahere nieht
betûren unz iz ime [Gott] maht erbarmen
Gen
540.
– mit Akk.d.P. und Akk.d.S. oder Gen.d.S. ‘sich nichts zu teuer sein
lassen’
gên sînem kinde er keinen schaden / sich nie lie betiuren
Reinfr
11919;
och an den aventúren / wil ich mich nit betúren / lan redliches kosten
SHort
6406
1.3
mit Akk.d.P. und Gen.d.P. ‘jmdn. betiuret jmds., mit jmdm.
Mitleid empfinden’
das sij [die großen Herren, die Almosen geben]
me bedure myn / dan yn ir gut moge lieb gesin Pilgerf
9831;
ettwann beduret mich sin ebd.
11458
2
‘etw. schätzen, veranschlagen’
waer aver daz ez sturb, so sol er daz vich betewrn mit seinem ayd und mit
zwain zuͦ im StRMünch
359,11
3
subst. ‘Bedauern’
die milde salbonge [...] des bedurens und mitlidens
Pilgerf
515
MWB 1 708,38; Bearbeiter: Gärtner
betiurenisse
stF.
‘Mitleid’, personif.:
Barmhertzikeit, Bedurenisse vnd Liebe die trostent den weller Pilgerf
Bildbeischrift vor 13636
MWB 1 709,1; Bearbeiter: Gärtner
betiurunge
stF.
‘Erbarmen’
die eine driben ich an sine [Gottes] beduronge, /
die ander vor sine konniglich begnadonge Pilgerf
12630.
–
personif.:
Beduronge ist myn name, / des ich mich zu male nit schame ebd.
13698
MWB 1 709,4; Bearbeiter: Gärtner
betiuten
swV.
→
bediuten
MWB 1 709,9; Bearbeiter: Gärtner
betôren
swV.
‘zum Toren werden’
dârumbe rûnten sie zwô / vor den andern tugenden dô, / daz ez ieman hôrte, /
der dâvon betôrte LvRegSyon
3240
MWB 1 709,10; Bearbeiter: Gärtner
betœren
swV.
1
‘jmdn. zum Narren machen; jmdn. überlisten, täuschen’
2 refl. ‘sich (über etw.) täuschen, sich blenden lassen’
3
‘jmdn. verführen, verleiten’
4
‘jmdn. (jmds. Sinne, Kopf usw.) betäuben’
1
‘jmdn. zum Narren machen; jmdn. überlisten, täuschen’
er [Teufel] daz wîp
[Eva] betôrte Aneg
1287;
swer sô süezes hoeret iht, / des er sich versinnet niht, / dâran ist er niwan
betoeret LvRegSyon
3243;
Parz
115,10;
Walth
121,29.
– mit Gen.d.S. ‘jmdn. etw. glauben machen’
ain ungehofter Bayer [...]wær des wol betort / ez
wær daz hymelrich gewesen WhvÖst
14042
2
refl. ‘sich (über etw.) täuschen, sich blenden lassen’
wer aber mine wort verhort / vnd selber sich dar an bedort, / daz er sie niht
behudet eben EvStPaul
13339;
uch selber ouch nicht betoret Hiob
4871;
Eckh
2:83,6;
Teichn
357,180
3
‘jmdn. verführen, verleiten’
dew welt hat manige petoret HvBurg
3682
u.ö.
– auch refl.:
der sich die werlt læt betoeren LvRegSyon
2788;
daz her sich nicht liez betoren / den argen Leviathan HeslApk
4882
4
‘jmdn. (jmds. Sinne, Kopf usw.) betäuben’
die [die himmlischen Freuden] daz
ore des totlichen libes nich nehoret, / die wile iz des werltlichen geludemes doz
betoret Himmelr
10,22;
er [Dietrich von Bern] wolt ez
[Laurin] haben betœret LaurinA
476;
EnikFb
3477;
Ottok
68068.
73459.
–
eines dinges betôrt sîn
‘etw. nicht wissen’
irer namen bin ich betôrt Ottok
38208.
44089
MWB 1 709,13; Bearbeiter: Gärtner
1betouben
swV.
1
‘jmdn. (jmds. Sinne, Verstand usw.) betäuben, besinnungs- und empfindungslos
machen; jmdn. lähmen’
2
‘jmdn. (jmds. Sinne, Verstand) betören, verblenden, verwirren’
3
‘jmdn. schwächen, entkräften’
4
‘jmdn. töten; etw. verderben, vernichten’
5
‘jmdn. berauben’ mit Gen.d.S.
1
‘jmdn. (jmds. Sinne, Verstand usw.) betäuben, besinnungs- und empfindungslos
machen; jmdn. lähmen’
daz er vuoze noch hande / regite noch daz houbit; / also was
er bethoubit Athis
E 36;
er wolde in hân betoubet: / twerhes über daz houbet / sluoc er
im harte schiere / starker slege viere Eracl
1315.
4792;
Parz
40,18.
573,2;
HvFreibTr
5592;
duo ward her gikeistigit, / alsi dir heiligi Jôb wîlin, / vane vuozin unz an
diz hoibit / sô harti al bitoibit Anno
44,6.
– Part.-Adj.:
daz er dâ belac / unversunnen und betoubet HvFreibTr
5213.
–
das si [Lots Töchter] mit wine ir vater sin /
betouptin, so das er bi in / lege RvEWchr
4925.
4954;
StrAmis
2234;
EnikFb
3701.
–
ir deheines ouge niht ensiht. / ir ôren sint betoubet
KvHeimUrst
1081;
ist got an sîner helfe blint, / oder ist er dran betoubet Parz
10,21;
BdVollk
82,9.
251,3
2
‘jmdn. (jmds. Sinne, Verstand) betören, verblenden, verwirren’
wie kanstu, minne, mit sorgen die sinne, / den muot betouben
mit seneder klage KLD:UvL
10: 1,2;
RvEBarl
789;
lazet uch nicht brechen, / gesweigen noch betouben, / stet vaste an dem
gelouben HeslApk
13701;
14558;
Daniel
2583;
Ottok
9511.
–
iedoch ein dinc in betoubt [ärgerte ihn]
Ottok
75421;
dô wart von trûren betoubt [außer sich] / der
kôr durch sîn gevert ebd.
8831.
– Part.-Adj.:
si dunket mich betoubet [von Sinnen] : / dú
treit ain wælsches houbet, / ain tútschen lip dar under / und als ain mer wunder
/ gehúrnet und gekrónet SHort
767
3
‘jmdn. schwächen, entkräften’
des künic Hetelen degene wâren hie vil schedelîche betoubet Kudr
808,4;
betoubet / du maht wol von der múedi sin SHort
2988.
–
ich [...] wil vil volkis sich lazin betoyben
[erstarren] umme dich Cranc
Ez. 32,10;
Jes. 13,8.
–
‘etw. (Lehre, Worte) entkräften’
ich muezz sein lere betawbenn Märt
1008;
MarLegPass
19,102;
Pass III
105,53
4
‘jmdn. töten; etw. verderben, vernichten’
manec edel houbet / daz mit tôde wart betoubet
Wh
20,26;
der den kunic dâ betoubt Ottok
16667;
Hiob
8539;
PassI/II
99,47;
NvJer
16484.
–
der luft von dem as betaubt [verpestet] wart
Märt
3297;
mîn vreude diu ist betoubet / von herzenlîchem leide
Wig
4928;
RvEBarl
13887;
da von sit wart betoubet / sin ungeloube Pass III
52,56;
WhvÖst
19089
5
‘jmdn. berauben’ mit Gen.d.S.:
vreude er wart betoubet RvEBarl
4680;
daz er wart betoubt / aller kraft Ottok
38238.
1878
MWB 1 709,38; Bearbeiter: Gärtner
2betouben
swV.
1 tr. ‘jmdn. siegreich machen’
2 intr. ‘(im Kampf) erliegen, bezwungen werden’
1
tr. ‘jmdn. siegreich machen’
daz [die Verkündigung] half in [den
Aposteln] got betovben / mit dem heiligen geiste MarHimmelf
488.
2
intr. ‘(im Kampf) erliegen, bezwungen werden’
wan sy vorlysen siges prys / wan sy wider den gelouben / in dem strite gar
betouben [
quando contra spem humanam debellantur
]
Hiob
4718
MWB 1 710,22; Bearbeiter: Gärtner
betoubunge
stF.
‘Entsetzen, Scheu’ (zu
1betouben 3, Übers. von stupor):
das uwir lant wurdin ist eyne wustenunge und eyne betoubunge und in eyne
vorvluchunge Cranc
Jer. 44,22;
an dem tage [...] wil ich slan alle phert mit
betoubunge und alle ir ufsitzere mit unsynnikeit ebd.
Zach. 12,4
MWB 1 710,29; Bearbeiter: Gärtner |