Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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b – bachhelling
bächîn – backwërc
bacolôn – badestubære
badestube – balde
baldecheit – balmunden
balmunt – balsamtrôn
balsamtropfe – ban, bane
1ban – banekîe
banël – bänkelîn
banken – bantac
bant|âder – banzins
banzûn – bârbrët
1barc – bârkleit
barkorn – barmhërzeclîche
barmhërzege – barten
bartenære – base
Baseler, Basler – bate
bate, pate – bearbeiten
bearren – bechersamenære
becherweide – beckenknëht
beckenkol – bedancheit
bedarf (?) – bedingen
bedirmen – bedrangen, bedrengen
bedrât – begâben
begâbunge – begelimpfen
begenagen – begin
begîne – beglîmen
beglîmunge – begrîflich
begrîflîcheit – behaft
behaftec – behaltunge
behandeln – beheimsuochen
beheiʒen – behern
behêrren – behoven
behten – behuoflich
behuoren – beie
beie – beinîn
beinîsen – beiʒe
1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit
bekantnisse, bekentnisse – bekerzen
bekicken – beklipfen
beklocken (?) – bekorunge
bekorungnisse – beküelen
bekumberhaft – belæren
belasten – belîbelich
belîben – belônære
belônen – bemaln
bemangen – bemurmeln
bemüseln – benedîunge
benediz – bennen
bennige – bequâme
bequæme – bërc|êrîn
bërcgar – bërcphenninc
bërcrëht – beredenunge
beredet – 1berennen
2berennen – bërhtnaht
berhtram – berillîn
berîmeln – bërlich
bërlîn – bernisch
bërnklâ – bêrswîn
bertenære – beruofære
beruofen – besamentlîchen
besamenunge – beschatzære
beschatzen – beschemen
beschemenisse – beschînen
beschirm – beschouwunge
beschremen – besebelicheit
beseben – besetzunge
besëʒ – besîtes
besitzære – beslîʒen
besloʒ – besnöuwen
besnüeren – besprëchære
besprëchen – beste
bestëchen – bestiure
bestiuren – bestürzen
bestutten – besuochnisse
besuochunge – bët
betagen – bëtelære
bëtelærinne – bëtemësse
betemmen – bëtewîn
bëtewîp – betrahtegen
betrahten – betrogenlich
betrônen – betrûren
betrûrigen – bettemunt
betten – betûchen
betüemen – betwungenheit
betwungenlich – bevellicheit
bevern – bevliehen
bevlieʒen – bevür
bevürhten – bewærnüsse
bewarsam – bewëlgen
bewëllen – bewindeln
bewinden – bezâfen
bezaln – beziln
bezimbern – beʒʒer
beʒʒerære – bî bestân
bîbilde – bíderben, bedérben
biderbenen, bederbenen – bîenkar
bîenswarm – bieʒenblat
bieʒenkrût – bîhtât
bîht(e) – bilchmûs
bildære – bildoht
bildunge – bilsensaf
bilsensâme – bineʒ
binide – birden
bir(e) – birnwîn
birsære – bischolf
bî schrîben – bî slâfen
bî|slëht – bît
bitære – bittern
bitternis – biurlîn
biuschen – bîvilde
bîvilden – bîzeichenen
bî zëmen – blahsen
1blæjen – blâsehorn
blæselîn – blatengîr
blatenrinc – blëchhantschuoch
blëchrinc – bleichvëlt
blende – blîche
blîchen – blîkloz
blîkolbe – bliuclich
bliuge – blôdern
blotschen – blüemunge
blüetebërnde – bluomental
bluomenvar – bluotgieʒen
bluotgieʒende – bluotstürzunge
bluotsûgende – bobenthalben
boc – bogelîn
bogen – 2bolle
bollen – 3bor
bor-, enbor- – (borliep,) enborliep
bormære – bortengewant
bortiure – bote
botech – bou
bouc – boummate
boum|öle – bôʒwurz
brâ – brâ|hâr
bræhen – brantlich
brantreite – brâwelîn
bræwen – brëhenen
brëhentac – brenken
brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche
brëtsnîdære – brieschen
brievære – brionie
brîsære – briulêhen
briumeister – briuwe
briuwe – brohsen
bronie – brôthalle
brôtheit – bruch
bruch – bruckenambet
bruckenære, bruggenære – brüeterîn
brügel – brünnære
brunne – brünselbërc
brünseln – bruoderhûs
bruoderkint – brust
brust – brûtdëgen
brûtdrüʒʒel – brûtsanc
brûtschaft – buckel
buckelære – büellîn
büeʒære – buhsboum
bühse – bûlslac
bulzen – buoben
buobengâbe – buochisch
buochkamere – buoliân
buollîn – buppe
bur – burcgrâvenambet
burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen
burcmeisterschaft – burcstal
burcstat – bürde
bürdelîn – burgergemeine
bûr|gerihte – Burgunder
Burgunjoys – bursenære
bursît – büschelîn
buschoff – bütelin
bûtelîn – bûvëlt
bûvisch – buʒʒel

   bîhtwîse - bildegunge    


bîhtwîse stF. auch bihteswîse. in ~ ‘in der Art und Weise einer Beichte, unter dem Siegel der Verschwiegenheit’ hat ez [ein Mensch] denne vor nvuwens gebichte, vnd weiz denne nicht mer ze bihten, so sol ez denne daz sagen vnd sin schulde in bichtewise sprechen dem priester UrkWürzb 41,279 (a. 1347); in bichtes wise ebd. 41,279 (a. 1347). 40,316 (a. 1340); besunder waz dem menschen gesagt wirt in peichtweiz oder in guten trewen RechtssB M13,6; also ist ez auch vmb allez daz der mensch in peichtweiz hoͤrt, er sei pfaff oder lai, oder haimleich in guͦten trewen, daz sol er versweigen RechtssA B57,24 u.ö.; auch froͤmdez guͦt vnd vnrechtez guͦt, daz sol der mensch niht zu im nemen vnd behalten in peichtweiz, vnd in trewen ebd. B57,43

MWB 1 796,22; Bearbeiter: Tao

bî hurten swV. ‘auf jmdn. zu galoppieren’ die hurten Vîvîans bî / und hulfen im Wh 25,12; zegegen kom im gehurtet bî / ein fürste ûz Anschouwe Parz 80,6

MWB 1 796,38; Bearbeiter: Tao

biieht stF. → bîht(e)

MWB 1 796,42;

bî jagen swV. ‘neben jmdm. jagen’ dem jagete dô aller næheste bî / des alten Heimrîches vane Wh 440,10

MWB 1 796,43; Bearbeiter: Tao

bîkeller stM. ‘Nebenkeller’ daz er auch daz fenster auz dem beikeler solt vermachen [versperren] mit eisen also, daz er chein chaufmanschaft do herauz solt veilhaben NüP 196

MWB 1 796,46; Bearbeiter: Tao

bikenlêren swV. zu biegel. subst. Inf. in der Wendung âne ~ ‘ohne Winkelzüge zu machen’ sage mir dinen mut dar an / an allez biken leren, / wie [...] Hester 1407 (vgl. Glossar z.St.)

MWB 1 796,50; Bearbeiter: Tao

bî komen stV. 1 ‘zu jmdm. kommen’
2 ‘sich auf ein bestimmtes Ziel hin bewegen’
   1 ‘zu jmdm. kommen’ ob ich ein ritter wære, ich kœm’ in etwenne bî NibB 1416,4; unz si in kam vil nâhen bî Iw 103; duͦ du [Maria] ir [Elisabeth] quemes bi, / der heilich geist ervülde si MarlbRh 115,15 u.ö. – übertr.: swaz der Franzoys heizt flôrî, / der glast kom sînem [Anfortas’] velle bî Parz 796,6; sowilchen sachen si [ minne ] kümt bi, / si macht in ewlich stedicheit MarlbRh 11,24    2 ‘sich auf ein bestimmtes Ziel hin bewegen’ als er aber kumet nâher bî UvZLanz 8116; ein schilt [...], / an allen orten veste, / immer ein der beste / der ûz der schar kom vîenden bî [der gegen die Feinde geführt wurde] Wh 426,7

MWB 1 796,54; Bearbeiter: Tao

bil stM. ‘Gebell’ nû hôrter in dem walde / lûte bellen einen hunt; / der bil tet ime leider kunt, / daz [...] UvTürhTr 3212

MWB 1 797,4; Bearbeiter: Tao

bîl stM. vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 21f. 1 ‘Gegenwehr des gehetzten Wildes (gegen die Jagdhunde)’
2 ‘Umstellung des Wildes durch die bellenden Hunde’
3 ‘Kampf (mit Waffen oder mit Worten)’ , in Verbverbindungen
   1 ‘Gegenwehr des gehetzten Wildes (gegen die Jagdhunde)’ sînes œheimes hunde, / [...] hæten zuo dem mâle, / [...] einen zîtegen hirz gejaget / zuo der strâze nâhen. / dâ liez er sich ergâhen / und stuont aldâ ze bîle Tr 2767. 2773; als vor den jagehunden / ein eber stât ze bîle, / sus werte er bî der wîle / lîp unde guot KvWTroj 31533; der hunde lûtez bellen / durchbrechen ez [ daz eberswîn ] begunde sider: / ez warf sich hin umbe wider / und stuont vor im [Partonopier] en bîle KvWPart 363    2 ‘Umstellung des Wildes durch die bellenden Hunde’ daz edel wilt mit sorgen / sich von dem bîle machet Hadam 361,2; herre vater ile / hilf mir von dem bile / der grimmen helle hunde Martina 111,28. 62,85. den ~ (zer)brechen: dô wart mîn Herz [der allegor. Leithund] verwundet / und was der bîl mit jâmer mir zerbrochen Hadam 121,7. 354,5; ich sach den bîl ez [=daz wilt ] brechen ebd. 346,1. 265,7. [ich] bin mit iamers bile / so mengewis bestanden Martina 161,94    3 ‘Kampf (mit Waffen oder mit Worten)’, in Verbverbindungen: (wider einander) ze ~ gân: si giengen alle wîle / wider ein ander ze bîle SAlex 4665; sus giengen si zv bile / si quamen in einer wile / vur den keiser alle dri / [...] / da si uil rede an wechsel triben PassI/II 172,41. sich gegen jmdm. ze ~ setzen: Ottok 9493. (gegen jmdm.) ze ~ ligen: Ottok 17237. 44583; Karlmeinet 299,22. gegen jmdm. ze ~ belîben: Ottok 22430. (mit jmdm.) ze ~ komen: Ottok 25704. 38006. ze kampfes ~ bereit sîn, ûf kampfes ~ stân: daz si ze kampfes bîle / bereit nâch wunsche wæren KvWTroj 3700; ir wille stuont ûf kampfes bîl ebd. 3921

MWB 1 797,7; Bearbeiter: Tao

bî|lant stN. ‘Nachbarland’ swer iht vremeder zungen / von den bîlanden kunde Tr 3697 u.ö.; swaz lande Tîre gelegen was, / der phlac ouch Philôtas / und twanc diu næhsten bîlant RvEAlex 9475. 9506; RvEWchr 2123 u.ö.; SHort 5219. 6465

MWB 1 797,41; Bearbeiter: Tao

bilare stM. → biler(n)

MWB 1 797,46;

bî lâʒen stV. ‘jmdn. bei jmdm. lassen’ dem kunic erwarp man kûme, / daz man im lie bî / tiutscher knehte drî, / daz die doch sæhen, wie / ez im hie ergie Ottok 88450

MWB 1 797,47; Bearbeiter: Tao

bilch Subst. ‘Bilch, Haselmaus’ glis: bilech Volucr(W) 349; glis, gliridis animal id est: radda, bilich SummHeinr 2:320,01.10; wirt aber die erde ein dach dir stegen, / so wint din mast, in hoher last ein bilch sie übertrüge [„eine Haselmaus würde an Gewicht das übertreffen, was von dem in der Erde bestatteten Leichnam übrigbleibt“, FrlWB, S. 35] Frl 5:19,19

MWB 1 797,51; Bearbeiter: Tao

bilchîn Adj. ‘zum Bilch gehörig, aus Bilchfell’ glireum: pilchin VocBV926 3:626,41

MWB 1 797,59; Bearbeiter: Tao

bilchmûs stF. ‘Bilchmaus, Haselmaus’ set, zízel unde píllichmuse sint muse genoz Meissner 1:12,7

MWB 1 797,61; Bearbeiter: Tao

bildære stM. vgl. bildenære. 1 ‘Schöpfer, Gestalter’
2 als Äquivalent des lat. idea :
3 ‘Muster, Vorlage (in gleichem Maßstab)’ (vgl. Heyne, Hausaltertümer 3, 250; Brüggen, Kleidung, S. 117)
3.1 gegenständlich
3.2 in Vergleichen und Übertragungen, z. T. in 4 übergehend
4 ‘Vorbild, Beispiel’
5 ‘Bild, Bildwerk’
   1 ‘Schöpfer, Gestalter’ dar an [an ihre Wangen] het sinen fliz / gelait der bildere, / vnd worht vil geuere / zwai rote roͤselin dar in JvKonstanz 641; hie wirt si [Seele] irm pilder so gelich, / daz sie furpas stetiklich / an werken, worten, willen, mut / ob sinen willen niht entut MvHeilGr 1349; o bilder der vernunst, / entwirf in mines herzen runst / der sprüche forme unde kunst Mügeln 113,1    2 als Äquivalent des lat. idea: doch haizz wir ettwenn ydeam den pildär des goͤtleichen willen vnd der gleichnuͤsse aller creatur KvMSel 283; der bilder, der in gotes herzen ewig ist, / der ist genant idea Mügeln 35,1; idea, [...] der bilder, gotes spiegel heißt ebd. 244,6    3 ‘Muster, Vorlage (in gleichem Maßstab)’ (vgl. Heyne, Hausaltertümer 3, 250; Brüggen, Kleidung, S. 117):    3.1 gegenständlich: sîn [des Amtmannes] tohter vor vrouwen næt / schôn ab einem bildær, / diu billîch dâ heime wær, / daz sie ir muoter spunne Helbl 8,209; ich hân niht in mînem schrîn / wan zwêne bildære [vgl. aber Anm. z.St.: „Bilder, Skulpturen“] , / drî nâdeln und ein schære / und zwei niuwe hârbant Sperb 135; als ein iegleich werchman / einen pilder hat vor sein, / daz er wurcht nach dem schein / waz er hat in seinem muͤt Teichn 332,59; der pilder ist zu nichtew guͤt / denn daz man dw mazz dran sicht ebd. 332,62    3.2 in Vergleichen und Übertragungen, z. T. in 4 übergehend: daz wir mit dir an allen tvgenden also eigenlich gehellen als daz volbraht bilde nach dem gerehtisten bildar DvAPatern 125. 33; vnd da von der mensche, der nit ist, als in got haͮt eweklich angesehen, der ist vngerecht, won er ist vngelich dem ersten bilder Gnadenl 1,60. 1,770. 1,774; wir mugent gerne bilde und lere nemen ab únserm herren, won er ist ain bilder und ain spiegel aller tugent und aller saͤlikait PrGeorg 226,3; da mitte siv [Folterknechte] si [Martina] bilten / nach dem bilder der tugende, / den siv von ir ivgende uor ir ovgen hatte gespannen Martina 147,55; si [Maria] waz ain anvang der kúnschi und ain bilder und ain spiegel dez magtuͦmes PrGeorg 328,24; KvWGS 558; ein bilder houbethafter zuht, / [...] ein sâme sældebernder vruht [Lob auf Kaiser Friedrich] RvZw 136,4; Meissner 17:9,1; Damen 6,3    4 ‘Vorbild, Beispiel’ sehen an zuͦ einem bilder den gotesminner Paulus Seuse 392,21; dar umb in pillichen diße selige swester Elsbet [...] fur gehebt wirt zu einem pilder Stagel 121,10; nu wil ich ze bilder / nemen ain wisen spiler Teichn 594,73; sol dew chünigin sein rain vnd käwsch, also das sy sey andern frawn ain spiegel vnd ein pylder Schachzb 37,36; daz fuͦsstuͦch, daz ich dem hund nam und mir es ze einem bilder [zur Mahnung] han behalten Seuse 368,28    5 ‘Bild, Bildwerk’ von dem pechlein zu dem prunnen, / von dem schein zu der sunnen / [...] von dem bilder zu dem bildner, / von der geschepfde zu dem schepfer Syon 27. – bildl.: swie sô der ûzer wære, / der inner bildære [gemeint: Tristan selbst, im Gegensatz zu seiner Rüstung] / der was baz betihtet, / bemeistert unde berihtet / ze ritters dan diu ûzere faitiure Tr 6644

MWB 1 797,63; Bearbeiter: Tao

bildærinne stswF. 1 ‘Einbildungskraft, Vorstellungskraft’
2 ‘Urbild, Vorbild’
3 ‘Schöpferin, Formerin’
   1 ‘Einbildungskraft, Vorstellungskraft’ sol mîn ouge daz bilde bekennen, daz an der want gemâlet ist, daz muoz kleinlich in dem lufte gebiutelt werden, noch kleinlîcher muoz ez getragen werden in mîn bilderîn Eckh 3:200,29; Parad 38,10; von allem dem das die fantasie und die bilderinne und alle sinneliche bilde ie in getruͦgen in eigener wise Tauler 144,11; der sêl kraft, die dâ haizt fantastica oder imaginaria, daz ist als vil gesprochen sam deu pilderinne, dar umb daz si aller bekantleicher ding pild und geleichung in sich samnet BdN 4,25. 134,22    2 ‘Urbild, Vorbild’ daz in dem touffe Christi, der da waz ein bilderinne unsers touffes, solte geoffenbarte werden, die da vollebraht werdent in unserm touf ThvASu 128,22    3 ‘Schöpferin, Formerin’ [Maria] unsers heiles bilderin Mügeln 176,8; es ist zu wissen, das diu beraitung zu der gnad ist driueltig: die erst ain würkender vrsprung, die ist von gote. die ander ain schöpphende bilderin [ (causa) formalis ] , vnd die ist von der gnad, diu vergebene gegeben wirt Gnadenl 3:A2,112

MWB 1 798,62; Bearbeiter: Tao

bilde stN. 1 ‘Bild, Werk der bildenden Kunst’
2 ‘Abbild, Ebenbild, Spiegelbild’
3 ‘äußeres Ansehen, Gestalt, Person’
4 ‘Gleichnis, Beispiel, Vorbild’
5 ‘Vorstellung, Gedanke’
   1 ‘Bild, Werk der bildenden Kunst’ zvei bilde wol gesnizzet / vil rot guldin / gelich cherubin et seraphyn VMos 57,24; ein bilide wol gemâlet / nâh Amon mînen gote SAlex 5532. 6149; dâ wâren bilde gegozzen an, / iegelîchz geschaffen als ein man Wig 1042; sô ein meister bilde machet von einem holze oder von einem steine Eckh 5: 113,18. – Muster, Stickerei: ûf matraze diu vil rîchen, [...] / geworht von guoten bilden, mit golde wol erhaben NibB 352,3; er sach nâch einem bilde [Kreuzzeichen] an des küenen gewant ebd. 980,4; manic bilde drane [am samît ] was / mit starken listen gemaht UvZLanz 4812; Wh 249,1; TürlArabel *A 215,33; Renner 22763. – bildl. (die Frau als Meisterwerk Gottes, der Minne): er sold iemer bilde giezen, / der daz selbe bilde gôz Walth 45,25; ach, got, daz dîn kunst mit flîzze hât gegozzen / nach wunsch ein schœne bilde, / dest mir sorge wilde SM:KvL 1: 3,2; daz bilde, daz diu Minne / an lîbe und an dem sinne / sô schône hæte gedræt Tr 10951    2 ‘Abbild, Ebenbild, Spiegelbild’ dô begunde unseren trehtîn vile harte riuwen, / daz er ie gescuof den man nâch sînem bilde getân Gen 681; JPhys 23,12; diu sêle ist gebildet nâch gote an irme obersten teile; aber der engel ist ein næher bilde gotes Eckh 1:54,5; mir ist geschehen als einem kindelîne, / daz sîn schoenez bilde in einem glase gesach MF:Mor 32: 1,2; Frl 5:74,12    3 ‘äußeres Ansehen, Gestalt, Person’ sie habent guͦt pilide unt nehabent aue der guͦten werche nieht JPhys 5,19; sîn menneschlîch bilde / was anders harte wilde Iw 425; Parz 497,29. 517,24; der vriunde vriundes bilde treit / und in dem herzen vînt ist Tr 15054. 15089; er hiesch ein münzîsen, / er sprach: „wes bilde ist hie ergraben?“ / „des keisers“, sprâchen dô die merkære Walth 11,25. – verblasst zur Umschreibung (mit Gen.-Attr.): swer sich von phaffen bilde / gote machet wilde / unde ritterschaft begât, / der muoz mit maniger missetât / verwürken sêle unde lîp Greg 1517; sô drâte ir zweiger bilde [sie zwei] / kam ûf den orsen dar geflogen KvWTroj 3926; vrouwen bilde und vrouwen nam Frl 3:7,4; wibes bilde ebd. 3:19,2. des (es) wart nie kein bilde u.ä. ‘dergleichen hat es nie gegeben’ Greg 2986; Parz 238,18; Krone 10774    4 ‘Gleichnis, Beispiel, Vorbild’ ein bilide sprach got zuͦ lîuten heizent pharisei JPhys 11,1; die zwene vogele sint ein bilde iwers lebennes Spec 35,22; her nâch vindet man in dem dritten teile dis buoches bilde an werken und an worten, diu wîse liute hânt getân und gesprochen Eckh 5: 8,15. ~ geben, bern: er gab uns bilde an deme tieuile dc wir gestuͦndin [er stellte uns den Teufel als (abschreckendes) Beispiel hin, damit wir beständig blieben] TrudHL 2,24; nû gît mir doch des bilde / dirre lewe wilde, / daz er von herzeleide sich / wolde erstechen umbe mich, / daz rehtiu triuwe nâhen gât Iw 4001; er hat uns ouch bilde der gehôrsam gegeben StatDtOrd 29,22. 50,2; hie sî dir bilde bî gegeben, / daz dû dirre welte leben / rehte erkennest RvEBarl 4753; des si guot bilde bâren / beidiu der werlde unde gote Tr 1804. (guot, sælic, bœsez) ~ nemen: wir soltin bilde nemin, wie mînes trehtines heiligin daz himelriche garntin Spec 82,9; nemit bilde bi dem walde: [...] Wahrh 62; man mac an den vîanden / nemen gût bilide SAlex 2491; dâ ensol niemer an / dehein sündiger man / genemen bœsez bilde Greg 3965; dâ sol der sündige man / ein sælic bilde nemen an ebd. 3984. – jmdn. ze einem ~ haben: daz dû mich ze einem bilde [als warnendes Beispiel] habest Erinn 745. ~ haben: der hirz habet dere bilde [gleicht denen, bedeutet die,] die ir sunte bechennent JPhys 13,8; ein uogil heizit fenix des pilide habet unser trehtin ebd. 27,1. daz ~ (vor) tragen, vor begân: wir ewarten sculen [...] den laigen [...] daz bilde goͮter werche uor tragen Spec 139,4; Walth 34,31; der hat uns daz pilde vor getragen, er bat sinen vater daz er den vergæbe die in an daz chruͤtze hiengen PrOberalt 6,10; Erinn 73; allen menschen ein guͦt bilde vortragen Seuse 438,14; daz er [...] uns manich guot bilede vor begiench Hochz 896    5 ‘Vorstellung, Gedanke’ swaz er gedenke oder swaz er würke, im envergât doch daz bilde des trankes niht, die wîle der durst wert Eckh 5: 206,5; daz ander, daz sich sîn inwendigen bilde, ob ez bilde sîn oder ein erhabenheit des gemüetes, oder ûzwendic bilde [...], daz er sich in den iht zerlâze noch zerströuwe noch veriuzer ebd. 5: 276,8; Tauler 144,12

MWB 1 799,20; Bearbeiter: Tao

bildec Adj. 1 ‘die Einbildungs-, Vorstellungskraft betreffend’
2 ‘die Gestalt betreffend, aussehend’
   1 ‘die Einbildungs-, Vorstellungskraft betreffend’ troume und bildech gesiht [Phantasie, Vision] Pass III 426,39    2 ‘die Gestalt betreffend, aussehend’ wie sî [Sirene] nâ einem wîbe / bildic geformet wære Reinfr 22669

MWB 1 800,46; Bearbeiter: Tao

bildecheit stF. ‘Bildlichkeit, Bildhaftes’ welhez nû die drî himel sîn, daz merket! der eine ist ein abescheiden aller lîplicheit, der ander ein entvremden aller bildicheit, der dritte ein blôz verstân âne mittel in gote Eckh 1:404,1; swenne nv̍ die sel mit dirre kraft schowet bildekeit [...], es ist ir ein gebreste ebd. 3:437,10

MWB 1 800,51; Bearbeiter: Tao

bildechîn stN. ‘Statuette’ der hatte ein bildechin gesniten nach deme bilde sancti Nicholai SpecEcclF B.III.1,11. B.III.1,14

MWB 1 800,58; Bearbeiter: Tao

bildeclîche Adv. 1 ‘bildlich, anschaulich’
2 ‘sinnlich wahrnehmbar, sichtbar’
   1 ‘bildlich, anschaulich’ wazzer unde fiur sint scinich an dem regenbogen, / dei ich bildicliche in die rede han gezogen Himmelr 6,2    2 ‘sinnlich wahrnehmbar, sichtbar’ ouch hinderent sich guote geistlîche liute rehter vollekomenheit, daz sie belîbent mit ir geistes geluste ûf dem bilde der menscheit unsers herren Jêsû Kristî, [...] daz sie sich ze vil lâzent an visiônen, daz sie sehent bildeklîche diu dinc in irme geiste, ez sîn danne menschen oder engele oder unsers herren Jêsû Kristî menscheit Eckh (Pf) 240,22; lît êwig leben dar an, daz wir got sehen als er an im selber bildeklîche ist? nein! golt sehen ist niht nit golt besitzen PrNvStr 286,29

MWB 1 800,61; Bearbeiter: Tao

bildegebende Part.-Adj. ‘anschaulich’ daz erst [ buͤchlú ] seit úberal mit bildgebender wise von eim anvahenden lebene Seuse 3,3; moͤhtind ir mir die togen sinne nah úwer verstentnust etwie entwerfen mit bildgebender glichnus, daz ich es dest baz verstuͤnde ebd. 191,1

MWB 1 801,11; Bearbeiter: Tao

bildegieʒer stM. ‘Erzgießer’ der mensche ist torecht an wisheit, der bildegyzer [ conflator ] ist zuschandin wurdyn an dem bilde, ja ist sin gyesin logenhaftig, ja ist kein geist in in Cranc Jer 51,17

MWB 1 801,17; Bearbeiter: Tao

bildegunge stF. ‘Vorstellung’ jch waͤne, daz etlich menschen gnad also bildent, als ob gnad waͤre ain klaid der sele ald ain liecht in der sele. [...] waͤr also nah liplicher wise gnaͮd, der wirt uon siner bildegung betroͮgen, daz er gnaͮd nach warheit nit bedenket Gnadenl 1,139

MWB 1 801,21; Bearbeiter: Tao