bluottrinker
stM.
‘Blutsäufer, Mörder’
wâ sitzest dû vor mînen ougen, Kâîns genôze, der sînen bruoder dâ ermorte?
[...] nû dunket mich, ich habe manigen bluottrinker vor
mînen ougen PrBerth
1:277,12.
1:92,8
MWB 1 910,35; Bearbeiter: Plate
bluottropfe
swM.
meist bluot(e)s tropfe.
‘Blutstropfen’
kunde er bluttrophen rot / geweinen vmbe die selben not / daz duchte in nicht zv
sure PassI/II
338,45;
unde syn sweiz waz alse blutes tropphen vallende uf dy erde EvBerl
61,32
(Lc 22,44);
ez geschiht auch ze stunden, daz rôtez wazzer regent sam
pluotstropfen BdN
82,8;
Lanc
57,30;
PrGeorg
258,24;
Pilgerf
3457
MWB 1 910,40; Bearbeiter: Plate
bluotvar
Adj.
1
‘von Blut gefärbt’
2
‘blutfarben’
1
‘von Blut gefärbt’
do ran dem gotes werden der sweiz an die erde, / der was
pluotvarwe AvaLJ
130,4;
die bluotvarwen helde unde ouch harnaschvar / trâten ûz dem
hûse NibB
2088,2;
ougen werden etwenne blut uar uon eime slage
SalArz
38,32
2
‘blutfarben’
Esau, der durch rote / sinis libes Edom in hebreyscher zungen genant was, daz
sprichet zu dutsche: der blutvare Cranc
Vorr. Abd 330,4;
und daz der fruht saf rôt ist und pluotvar
BdN
330,10
MWB 1 910,48; Bearbeiter: Plate
bluotveim
stM.
‘Blutschaum’
sô daz harn ist wîz unde dicke, sô ist der mensch flecmaticus; der
hât des pluotveimes ze vil gevangen, der ist lanchræche unde swîget gerne
Barth
128,14
MWB 1 910,58; Bearbeiter: Plate
bluotvergieʒen
stN.
‘Blutvergießen’
der comêt bedäut auch streit und verræterei und untrew und
etleicher grôzen fürsten tôt und gemeincleich vil pluotvergiezens BdN
76,12.
76,21;
czu plutvergiessen stet all sein muͤtt [
sperabat
mortem
]
PsMb
27(Glossar)
MWB 1 910,62; Bearbeiter: Plate
bluotvergieʒer
stM.
‘Blutvergießer, Mörder’
den blutvergießer [
virum sanguinum Ps 5,7]
PsMb
27(Glossar);
künig Etzel der ertrank in sines selbes blute, / sint er ein
blutvergießer was Mügeln
24,16
MWB 1 911,4; Bearbeiter: Plate
bluotvlieʒen
stN.
‘das Bluten’
diu pleter gestôzen helfent für daz pluotvliezen auz der nasen
BdN
423,22.
121,27
MWB 1 911,9; Bearbeiter: Plate
bluotvlôʒ
stMN.
‘Blutfluss’
ein man [...] hatte lange den blutfloz gehat. alse balde
alse he sich gelobet hate zu dem lieben heiligen, do wart he gesunt Köditz
80,13
u.ö. (stets M.);
hover und krankú lider / mach er och gesunt do wider: / das bluͦtflos er
genarte, / gen niement er sich sparte WernhMl
7293
MWB 1 911,12; Bearbeiter: Plate
bluotvluʒʒede
stF.
‘Blutfluss, Hämorrhoide’
emorrois: bluͦtfluzzida SummHeinr
1:194,293.
2:52,342
MWB 1 911,19; Bearbeiter: Plate
bluotwurm
stM.
eine Schlangenart, bei deren Biss Blut hervorströmt:
emorois [= haemorrhois
] : bluͦtwurn
VocOpt
46.036
MWB 1 911,21; Bearbeiter: Plate
blut
Adj.
‘bloß, nackt’
eins alten strûzes jungiu kint, / die wîl sî blut und dennoch blint / in dem neste
lâgen Reinfr
20904
MWB 1 911,24; Bearbeiter: Plate
blutnacket
Adj.
‘völlig nackt’ (zu blut
‘bloß’, vgl. Anm. z. St.):
du [Minne] sist blutnacket unde blint / und treist vil
snidender wafen Frl
4:16,3
MWB 1 911,27; Bearbeiter: Plate
blûwec
Adj., Adv.
→
blûc
MWB 1 911,30;
blûweclich
Adj., Adv.
→
blûclich
MWB 1 911,31;
blûwen
stV.
→
bliuwen
MWB 1 911,32;
boa
F.
‘Boa’
von der boa. boa ist ain slang, diu wont in dem land Calabria
BdN
265,4
MWB 1 911,33; Bearbeiter: Plate
bobe
Präp. mit Dat.
aus bî obe.
‘oberhalb’
diu arke was oberhalp der [La. bober =
bobe der
] stat Kchr
7562;
mit din naciburin zuein binidumi unde pobume [=
bobe ime
]
Mühlh
171,6.
172,8;
ander siet des berges gein Erforte liget dierthalp akker bobe Siverdes akkere
UrkCorp (WMU)
3099,2
MWB 1 911,35; Bearbeiter: Plate
boben
Präp., Adv.
aus bî oben(e).
‘über, oberhalb’
1 Präp. 1.1 mit Dat. 1.2 mit Akk. 2 Adv.
1
Präp.
1.1
mit Dat.:
fon den dingin di pobin deme baume sint, alse di sonne Parad
58,12;
wi de furstein van himelriche her abe kument zu den di iren herren lobent
[...], wi si umbe si geint und boven in swebent in
den luften HlReg
18,6;
daz bose vursten lesterlich / herschaft han gewaldeclich / inlanden boben
dem volke Hiob
12981;
sam er im solde wesen glich / und als er were der kunsten rich / boben
gote ebd.
6429
1.2
mit Akk.:
dy kunge des volkes synt herren bobyn sy, unde dy gewalt habyn ubir sy, dy
heizen woltetik EvBerl
61,4;
swer icht minnet boben Got [...] mus sin eweclich
verlorn HeslApk
23128;
bobin alle ding her geledin hat Brun
12243
2
Adv.:
Cristes himel vart, / mit der Got Crist hat [...]
gesaczt ob alle ding / boben uf der himel ring / und ob aller himel dach
TvKulm
5028;
do stunt her [Stern] boben do daz kynt waz
EvBerl
8,28;
zu himelriche boben Daniel
2053.
–
von boben her zu tal Hiob
4598;
biz ir geclarit werdit mit der tugende von bobene EvBerl
98,28
MWB 1 911,41; Bearbeiter: Plate
bobenheit
stF.
‘das Obenauf-, Überlegensein’
si wellent also helig sin, das si sich in die ewigen gotheit
wellent ziehen und legen bi der ewigen heligen menscheit únsers herren Jhesu Christi.
wenne sich die vindent in bobenheit [„sich am Ziel ihrer Wünsche
glauben” (Vollmann-Profe, Mechth.)] , so gebent si sich in den
ewigen vluͦch, si wellent doch die heligosten sin Mechth
7: 47,10;
funf dinc hindern den menschen in geistlîcheme lebene, daz her nicht vort ingêt
[...]. daz dritte: daz ein mensche wil pobinheit haben di
wîle her noch undertênic solde sîn HvFritzlHl
188,15
MWB 1 911,63; Bearbeiter: Plate
bobenthalben
Präp. mit Dat.
‘oberhalb’
swer vro wolle gesitzen / bobenthalben der sunnen / in den himelischen wunnen
HeslApk
14973
MWB 1 912,12; Bearbeiter: Plate
boc
stM.
1
‘(Ziegen-, Schaf-, Reh-) Bock’
1.1 allgem. 1.2 in Vergleichen 1.3 in der Fluch- und Beteuerungsformel durch (des) bocks tôt (vgl.
frnhd. box / pox / potz + Subst.; FWB 4,881f.; DWB 2,202f.) 1.4 sprichwörtl. (vgl. TPMA 2,50-54) 2 ein schlittenähnliches Transportmittel
1
‘(Ziegen-, Schaf-, Reh-) Bock’
1.1
allgem.:
er gestalte ze chreizze zweihundert geizze, / bokche
zehenzik an den selben rinch, / scâffe zweihundert Gen
1511;
er sante ime esele unde scâf, gaize unde pocche
VMos
28,1;
dâ sah er fehten ainen boc unt ainen wider
VAlex
477
1.2
in Vergleichen:
mîn arbeit ich gar verlür, / op den mîn mære drunge: /
ich sagte oder sunge, / daz ez noch paz vernæme ein boc / odr ein ulmiger stoc
Parz
241,29;
sy hicklet [hinkt leicht] recht
als ain pock HvNstAp
4388;
di da bestricket sint mit ungelouben / und stinkent sam di bocke
JTit
249,4;
das got die tuͦmeherren heisset boͤke, das
tuͦt er darumbe, das ir vleisch stinket von der unkúscheit
Mechth
6: 3,5;
seht an disen grîsen rok: / ich gewinne alsülchen lok / und ein grawes
kinne als ein bok Walth
XVIII,21;
daz hât an dem kinn ainen part sam ain pock
BdN
160,14;
zuhant gelac er als ein stoc / oder als ein erstochen boc
[...] her enregete weder hant noch vuoz
HvFreibTr
4914;
ich wær aller sinn ein bok, / ob ich die niht wolde prisen
TürlArabel
*A 67,12
1.3
in der Fluch- und Beteuerungsformel durch (des) bocks tôt (vgl.
frnhd. box / pox / potz + Subst.; FWB 4,881f.; DWB 2,202f.):
inâ, sprach ein Swâb, / durch des bockes tôt, / wie genese wir diser nôt
Ottok
41767;
koch, durch bocks tod / trinck! Bauernh
208
1.4
sprichwörtl. (vgl. TPMA 2,50-54):
swâ der wolf den boc bestât / dâ weiz ich wol, werz bezzer hât
Freid
137,21;
daz sprich ich wol besunder, / wa bock den heren weltt
beston, / daz es im da söltte misse gon GTroj
25019;
alsus er ine versmiden hieß, / die frauwe er sin huten ließ. / da was er
also rechte wol behut, / also der sin geiß / zu schonen bocken dut SalMor
91,3
2
ein schlittenähnliches Transportmittel:
vnd sol man das korne geben zwischent den messen, das son wir mit vnseren
bocken holen UrkCorp (WMU)
2175,22
MWB 1 912,15; Bearbeiter: Plate
boche
swM.
zu → bochen swV.
‘das Ertrotzen eines Anspruchs (mit Gewalt)’
wie manger hande widersatz / grossen bochen vnde tratz / er hat gelitten vnd
gedolt MinneR 471(Pf)
3,87
MWB 1 912,53; Bearbeiter: Plate
bochen
swV.
‘pochen’, übertr. ‘ertrotzen, einen Anspruch mit Gewalt
durchzusetzen versuchen’
und boche er dar mit einem eingen worte, / sante Pêter, sô sint munder /
[...] und pflegent wol der himelischen porte
KLD:Schulm
2:1,10;
Got und der künig wolten kriegen sunder wân, / si wolten mit ein andern sêre bâgen
unde bochen ebd.
3:1,2.
– subst.:
daz urliuc weren muoste / und vîntlichez pochen / zwei jâr und sehs wochen, /
daz ez niemen moht verslihten Ottok
13669;
das ist ain ze langes bochen! / ú sig ain tag gesprochen, / da
schaident úns hin oder her! RvEWh
395;
wenn ain boͤser gewint ain bochen / zu aim guten biderb man
Teichn
576,136.
620,26;
allsus Jhesus [...] hat
[...] der helle kúng [...] gar
uss zornes bochen / mitt sinem crútz als durchstochen KvHelmsd
2523
MWB 1 912,57; Bearbeiter: Plate
boc|hirʒ
stM.
‘Bockhirsch’
tragelaphus möht ze däutsch haizen ain pockhirz, wan ez ist ain
tier, daz hât an dem kinn ainen part sam ain pock und hât gezinnelt hörner mit esten sam
ain hirz BdN
160,12
MWB 1 913,9; Bearbeiter: Plate
bockelære
stM.
‘Bock’ als grobes Schimpfwort:
wann si [junge Frau] spricht [zu ihrem
alten Mann] : ‘mein zart, mein hort’ / mit dem mund, so
gedencht sew dort: / ‘phui dich, alter pocklaͤr, daz dir got alz veint
waͤr / als ich pin, er toͤt dich heint.’ Teichn
426,27
MWB 1 913,14; Bearbeiter: Plate |