Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
  Ansicht: Standard Gliederung    |     Zusatzinformationen   Links      |     Portion: Artikel pro Seite

b – bachhelling
bächîn – backwërc
bacolôn – badestubære
badestube – balde
baldecheit – balmunden
balmunt – balsamtrôn
balsamtropfe – ban, bane
1ban – banekîe
banël – bänkelîn
banken – bantac
bant|âder – banzins
banzûn – bârbrët
1barc – bârkleit
barkorn – barmhërzeclîche
barmhërzege – barten
bartenære – base
Baseler, Basler – bate
bate, pate – bearbeiten
bearren – bechersamenære
becherweide – beckenknëht
beckenkol – bedancheit
bedarf (?) – bedingen
bedirmen – bedrangen, bedrengen
bedrât – begâben
begâbunge – begelimpfen
begenagen – begin
begîne – beglîmen
beglîmunge – begrîflich
begrîflîcheit – behaft
behaftec – behaltunge
behandeln – beheimsuochen
beheiʒen – behern
behêrren – behoven
behten – behuoflich
behuoren – beie
beie – beinîn
beinîsen – beiʒe
1beiʒe – bekantlicheit, bekentlicheit
bekantnisse, bekentnisse – bekerzen
bekicken – beklipfen
beklocken (?) – bekorunge
bekorungnisse – beküelen
bekumberhaft – belæren
belasten – belîbelich
belîben – belônære
belônen – bemaln
bemangen – bemurmeln
bemüseln – benedîunge
benediz – bennen
bennige – bequâme
bequæme – bërc|êrîn
bërcgar – bërcphenninc
bërcrëht – beredenunge
beredet – 1berennen
2berennen – bërhtnaht
berhtram – berillîn
berîmeln – bërlich
bërlîn – bernisch
bërnklâ – bêrswîn
bertenære – beruofære
beruofen – besamentlîchen
besamenunge – beschatzære
beschatzen – beschemen
beschemenisse – beschînen
beschirm – beschouwunge
beschremen – besebelicheit
beseben – besetzunge
besëʒ – besîtes
besitzære – beslîʒen
besloʒ – besnöuwen
besnüeren – besprëchære
besprëchen – beste
bestëchen – bestiure
bestiuren – bestürzen
bestutten – besuochnisse
besuochunge – bët
betagen – bëtelære
bëtelærinne – bëtemësse
betemmen – bëtewîn
bëtewîp – betrahtegen
betrahten – betrogenlich
betrônen – betrûren
betrûrigen – bettemunt
betten – betûchen
betüemen – betwungenheit
betwungenlich – bevellicheit
bevern – bevliehen
bevlieʒen – bevür
bevürhten – bewærnüsse
bewarsam – bewëlgen
bewëllen – bewindeln
bewinden – bezâfen
bezaln – beziln
bezimbern – beʒʒer
beʒʒerære – bî bestân
bîbilde – bíderben, bedérben
biderbenen, bederbenen – bîenkar
bîenswarm – bieʒenblat
bieʒenkrût – bîhtât
bîht(e) – bilchmûs
bildære – bildoht
bildunge – bilsensaf
bilsensâme – bineʒ
binide – birden
bir(e) – birnwîn
birsære – bischolf
bî schrîben – bî slâfen
bî|slëht – bît
bitære – bittern
bitternis – biurlîn
biuschen – bîvilde
bîvilden – bîzeichenen
bî zëmen – blahsen
1blæjen – blâsehorn
blæselîn – blatengîr
blatenrinc – blëchhantschuoch
blëchrinc – bleichvëlt
blende – blîche
blîchen – blîkloz
blîkolbe – bliuclich
bliuge – blôdern
blotschen – blüemunge
blüetebërnde – bluomental
bluomenvar – bluotgieʒen
bluotgieʒende – bluotstürzunge
bluotsûgende – bobenthalben
boc – bogelîn
bogen – 2bolle
bollen – 3bor
bor-, enbor- – (borliep,) enborliep
bormære – bortengewant
bortiure – bote
botech – bou
bouc – boummate
boum|öle – bôʒwurz
brâ – brâ|hâr
bræhen – brantlich
brantreite – brâwelîn
bræwen – brëhenen
brëhentac – brenken
brenn-, bern(e)-, birnschatz – bretsche
brëtsnîdære – brieschen
brievære – brionie
brîsære – briulêhen
briumeister – briuwe
briuwe – brohsen
bronie – brôthalle
brôtheit – bruch
bruch – bruckenambet
bruckenære, bruggenære – brüeterîn
brügel – brünnære
brunne – brünselbërc
brünseln – bruoderhûs
bruoderkint – brust
brust – brûtdëgen
brûtdrüʒʒel – brûtsanc
brûtschaft – buckel
buckelære – büellîn
büeʒære – buhsboum
bühse – bûlslac
bulzen – buoben
buobengâbe – buochisch
buochkamere – buoliân
buollîn – buppe
bur – burcgrâvenambet
burcgrâvenrëht – burcmeisterlêhen
burcmeisterschaft – burcstal
burcstat – bürde
bürdelîn – burgergemeine
bûr|gerihte – Burgunder
Burgunjoys – bursenære
bursît – büschelîn
buschoff – bütelin
bûtelîn – bûvëlt
bûvisch – buʒʒel

   buochsac - buosemsnuor    


buochsac stM. ‘Buchbeutel’ er hat einen grossen buͦchsak Seuse 76,2

MWB 1 1109,60; Bearbeiter: Tao

buochsagære stM. ‘der aus einem Buch vorliest’ ein buochsagær trunken Helbl 2,1447

MWB 1 1109,62; Bearbeiter: Tao

buochspëht M. ‘Buchenspecht’, wohl für den Schwarzspecht (Suolahti, Vogelnamen, S. 30): picus vel merops vel gaulus martius: buͦchspeht SummHeinr 1:163,714

MWB 1 1110,1; Bearbeiter: Tao

buochstaben swV. 1 ‘Buchstaben (Namen, Inschrift) in etw. (Metall, Edelsteine) eingravieren, einem Stoff Buchstaben, Namen einweben’ , nur passivisch
2 ‘jmdm. etw. eindringlich ins Bewusstsein bringen’
3 ‘(ein Wort) buchstabieren’
   1 ‘Buchstaben (Namen, Inschrift) in etw. (Metall, Edelsteine) eingravieren, einem Stoff Buchstaben, Namen einweben’, nur passivisch: dar stunt gebochstavet ane [an dem Fingerring] / des richen koningis name Roth 3878; Dulcifl(N) 159; diu kurzen wort [...], / diu gebuochstabet stênt an den vil swêren / silberînen turneisêren [alte frz. Münzen] Renner 18657; abe dem borten gâben schîn / vil der edeln steine, / gebuochstabet cleine. / dâ was gebuochstabet an, / alsô ich vernomen hân, / ‘mannes langer mangel [Ermangelung] / daz ist des herzen angel’ PleierMel 686. 687. gelîstet unde gebuochstabet / was ez [ daz gewant ] von wîsen henden / an orten unde an enden / mit hôher künste ruoche KvWTroj 20126; swer dô gespalten hæte enzwei / ir beider herzen als ein ei, / ez wære bî den stunden / in iegelichem funden / des anderen figûre / mit golde und mit lasûre / gebildet und gebuochstabet [abgebildet und mit dem Namen versehen ] KvWEngelh 3465    2 ‘jmdm. etw. eindringlich ins Bewusstsein bringen’ das man geschribne recht solt haben, / das wil ich euch nu puechstaben Teichn 641,108    3 ‘(ein Wort) buchstabieren’ ditz wort spricht Cupido, / der ez reht wil buͦchstaben WhvÖst 3975

MWB 1 1110,5; Bearbeiter: Tao

buochstap stswM. 1 ‘Buchstabe’
2 ‘Geschriebenes, (In-)Schrift, Schriftwerk’
3 Pl., ‘Wissenschaften, Gelehrsamkeit’
4 Pl., ‘Sprache’
   1 ‘Buchstabe’ wer waz der erste man, der die buͦchstaben vant [erfand] ? Lucid 16,1; EnikWchr 1410; des [Latinus’] muͦter hiez Nicostrata, / dú vant latinische buͦchstabin RvEWchr 20078; E was der êrste bûchstab [von dem Namen Eneas] En 10624; nu geviel si an die buochstabe, / dâ man si [die Namen Tantris und Tristan ] beide schepfet [zusammensetzt] abe, / und vant in disem al zehant / die selben, die’s in jenem vant Tr 10111; mit guldinen buͦchstaben / was an der listen [Verstärkung des Helmblechs] ergraben: / ‘elliu werlt wafen / di muzen mich maget lazen. / wilt du mich gewinnen, / du furest scaden hinnen.’ Rol 3295; [er] sach das heilige cruce an dem himele [...] vnd sach puͦstaben darobe gescriben, die sprachen: an disem czeichen gesigestu Konr 10,12; in sînen helm, den adamas, / ein epitafum ergraben was [...] / sus sagent die buochstabe: / durch disen helm ein tjoste sluoc / den werden der ellen truoc [...] Parz 108,2 (oder unten zu 2?); ein kriuze mit drîen orten, / geschaffen sô der buochstap [Tau = T] / den got den Israhêlen gap / mit dem lambe bluote / ze schrîben durh die huote / an bîstal und an übertür Wh 406,21; biz der himel und erde vorgêt, abir ein bûchstabe odir ein kritz insal nicht vorgên von der êe, biz alle dinc geschên EvBeh Mt 5,18. – in magischem Gebrauch: wellestû machen, daz dich dîne vînde müezen vermîden, sô scrîp an ein plîge oder an eine zinîne tavel sînen namen unde dise buochstabe: h. h. s. it. ł. v. p. unde trach den brief under dînem fuoze Barth 148,12. – Wendungen mit Verben: ib nit er kan di buͦstabin [ si non scit litteras, wenn er nicht lesen und schreiben kann] BrZw 58; ine kan decheinen buochstap Parz 115,27; uz dem vischære der nie von menschen lere puchstab gelerent, auz dem machet er einen edeln predigær PrOberalt 113,20; gramatica die lert / buchstaben, silben Mügeln 281,2; HvNstGZ 802; Eracl 398; wer daz [Neue] bringt ze buchstaben [niederschreibt] , / daz sol man fuͤr ticht haben Teichn 589,37. – ‘Sprachlaut’ vocales in latine / sint genennet vumf buchstabe, / dar die wort alle lut abe / nemen die man gesprechen mac HeslApk 1365. 1374; sie sazten vor uns, die alten, / gerecht tichtene in der wegene [in der Weise? (vgl. Anm.  z.St.)] / daz kein buchstab begegene / der vumfer an deme worte, / daz einer an dem borte, / der ander an dem ende ste ebd. 1400. – ‘Wortlaut, buchstäblicher Sinn’ sô volge wir dem buochstabe [der Bibel] , / der ez sus her brâht habe Aneg 1205; dô wâren buochstap unde sin [der beiden schriftlichen Berichte] / sô gar gelîch daz mê noch min / wider einen puncten nieman vant / und ir deweders hant / dem andern sîn wârheit brach KvHeimUrst 1687; die juden, die neur dem puochstaben volgent BdN 318,15    2 ‘Geschriebenes, (In-)Schrift, Schriftwerk’: – im Sg.: dar auff [Grab] was haydenischen geschriben / wie Tarsia da was peliben. / di geschrifft sprach also: / ‘zu eren Appolonio.’ / do sprach der ander puchstabe / ‘gemachet ist das grabe / zu lieb und zu mynne. / da ligt pegraben inne / sein liebes kint Tarsia, / die dulce amur amia’ HvNstAp 15520; diu tür was ein guldîn gater. / dâ stuonden buochstaben [mehrere Inschriften] an, / der ich gemerken niene kan, / wan einer sprach dâ bevor / ‘quid non audet âmor: / waz getar diu minne niht bestân?’ / der ander sprach, daz ist mîn wân, / ‘minne ist ein wernder unsin’ UvZLanz 4849; daz hât nû dirre buochstap [die Quelle] , / daz Adâm vil manigen tac / after diu, wære / mit leide und mit sêre / sô harte bevangen, / daz er von dannen / alzogis sîne chonen meit Aneg 1660. – Pl. in singularischer oder pluralischer Bed. (auf eine oder mehrere Schriften usw. bezogen; Pl. in pluralischer Bed. auch oben in UvZLanz 4849): daz hât uns geschriben dâ / Mathêus êwangelistâ / an sînen heiligen buochstaben [in seinem Evangelium] Aneg 2583. ob ir aber sinen buchstaben [Moses’ Schriften] niht gelavbet, wie gelavbet ir dann minen worten? EvAug 223,11 (Io 5,47); ez liegen denn die buochstaben [die Quelle] , / sô hât der vout [= voget ] von Berne / nie hertern strît gehaben JSigen 37,11. 85,5 (Laa.); die gerechtichait aufhaben / nach den alten puechstaben, / das man die geschriben recht liess gan Teichn 641,100    3 Pl., ‘Wissenschaften, Gelehrsamkeit’ sie [Logik] ist ein wec zu aller kunst [...]. / an werltlichem prise / wirt man von ir wise / unde ein meister genant [...]. / [...] [die Demut] ist ein gewerlich pfat / zu aller geistlicher kunst: / swer ouch darbet der begunst / an ir kunstlichem vrumen, / der sal kum werden vollen kumen / unde eines meisters stat haben / an der tugende buchstaben Vät 22652; aver nach den puechstaben / pin ich aller chuͤnst beschaben Teichn 442,211    4 Pl., ‘Sprache’ von Pazzouwe der bischof Pilgrîn / [...] hiez schrîben diz maere, / wie ez ergangen waere, / in latînischen buochstaben KlageB 4299; swaz so von der nuwen e / die apostelen geschriben haben, / daz schriben sie in krieschen buchstaben, / sunder Matheus und Paul HeslApk 19394

MWB 1 1110,31; Bearbeiter: Tao

buochswam stM. ‘an Buchen wachsender Schwammpilz’ (vgl. Marzell 3,954 und 960): und welherlai swäm man kochet mit den pirn, ez sein puochswäm oder ander, die man in mangen landen kochet und izt, die schadent dester minner BdN 341,4

MWB 1 1112,6; Bearbeiter: Tao

buochtihtære stM. ‘Verfasser eines Buches’ prosator: ein buͦchtichter VocOpt 39.001

MWB 1 1112,11; Bearbeiter: Tao

buochvël stN. ‘Pergament’ swie guot buochvel ein schrîber hât / und swie snelle sîn veder gât / ûf dem buochvel hin und her WälGa 14019; wollær, lodnær und die tuoch verbent, / die buochvel unde leder gerbent, / huotær, wurflær und die dâ strickent Ottok 65678

MWB 1 1112,13; Bearbeiter: Tao

buochvëllære stM. ‘Pergamentmacher’ das sehste [die sechste Form der Urkundenfälschung] ist das man ettwenne machet von weine und von wazzer, daz dew schrift gar ab geet, und gibt es einem buochveller, der es mit seiner kunst gar ab tuot, und scrîbet dann wider dar an nâch seinem willen und nâch seinem nucze SchwSp(W) 419,24

MWB 1 1112,19; Bearbeiter: Tao

buochvinke swM. ‘Buchfink’ (vgl. Suolahti, Vogelnamen, S.112ff.): buchvinken, lerchen, disteltwank, / mit den so gelfent iren sank / nahtegal, galander SHort 185. 5853; di vogellein sungen vaste: / amselen und droschelein, / puchvincken und lerchen und hardelen [l. cardelein Distelfink] HvNstAp 13146; frigellus: buͦchauink VocOpt 44.104

MWB 1 1112,26; Bearbeiter: Tao

buochwalt stM. ‘Buchenwald’ in dem buochwalt ze Cästres hat dú herschaft wiltbant WeistGr 1,813 (a. 1303); kumet oder wachset aekart [Buchecker] oder atzung in demselben büchwald ebd. 5,373 (a. 1344)

MWB 1 1112,33; Bearbeiter: Tao

buochwîse Adj. ‘der Bücher kundig, schriftgelehrt’ die nû sîn sô buochwîse, / die widerreden ez, ob si megen! Aneg 1256

MWB 1 1112,38; Bearbeiter: Tao

buochzal stF. ‘Bücherverzeichnis, Kanon’ dis buch, das bi dem namin Baruch bemerkit ist, habin di Hebrein nicht in irir buchczal, sundir alleine in der gemeynin tolkunge Cranc Vorr. Bar 170,2

MWB 1 1112,41; Bearbeiter: Tao

buode swF. 1 ‘Hütte, Zelt’
2 ‘Stall’
   1 ‘Hütte, Zelt’ vil bluomen [...] und kriuter, / dâ mite sie ir buoden / wolden schône zieren HvFreibTr 3406. 3391; so kumen sie der selben vrist / zusamne in vreuden milde / machen da von loube wilde / buden unde gezelt drate, / daz en davon werde schate Macc 4645 (Erläuterung des Laubhüttenfestes Scenophegia, vgl. 1 Mcc 10,21); do sie vor der buden / wurden gewar der tracken / und mit welhen sachen / die celle was vor in behuͦte Vät 7740. 5323; MarLegPass 14,56; Gorgias in die buden quam / der Juden [ in castra Judæ I Mcc 4, 5] nahtis Macc 2359 u.ö.; Cranc Jes 37,36; NvJer 3330 u.ö.    2 ‘Stall’ die kemele sie entluden / unde brahten sie zu buden, / da sie gemach heten Vät 27436 (= Pass III 512,39 )

MWB 1 1112,45; Bearbeiter: Tao

buoden swV. ‘ein Heerlager errichten’ daz lant die ûzern [Belagerer] branden, / ûf daz velt sie vaste buodeten ErnstD 785

MWB 1 1112,60; Bearbeiter: Tao

buolære stM. ‘Liebhaber’ ich hort ye die maister sagen / das dy myt dy pest wer. / das pedewt ein pulaͤr, / der sol auf dy mitt stan / und sol das ze nyder lan / oder das im ze hoch sey Teichn 667,6

MWB 1 1112,63; Bearbeiter: Tao

buole swF. ‘Geliebte’, als Anrede: ey uberclerte frawe clar, / min gymme, min osterwunne, / [...] liep, bul Minneb 4973; liebe puel mein Suchenw 28,201

MWB 1 1113,3; Bearbeiter: Tao

buole swM. 1 ‘Geliebter, Freund’ , meist als Anrede
2 ‘Bruder, Schwager, naher Verwandter’
   1 ‘Geliebter, Freund’, meist als Anrede: ‘viel lieber buͦl’, sprach sie Lanc 469,1; trvter buͦle, was mainnet daz? JvKonstanz 2308. 2371; also half si ir amise [La. irme puͦlen ] RittermdN 196; Ruschart 323. 720; MinneR 451 126. 218. 273; Brun 738. 546. – an den Ehemann: hab uf, buole, dinen kopf RittermdN 192. – an Christus: owi sal imer cuͦmen de selige dach, / dat ich dich, suͦze buͦle, suͦle gesien Lilie 44,35; Jhesus, vil lieber buͦle min, la mich in warer rúwe und in herzelicher liebi zuͦ dir Mechth 7: 38,10; Seuse 92,17. – als Anrede des Dichters an die Leser oder des Lesers an den Dichter (nur Brun ): des wil ich bescheiden dich, / trut bule min nu sich Brun 11638. 2364; erunt duo in carne una / an einem vleische werden zwene. / waz ist daz gesprochen? sprich, / trut bule, des berichte mich ebd. 1840. 7096 u.ö. – auf eine Frau bezogen: den bessten guͤrtel den ain man / ains mals vmb sich guͤrten kan, / der ist von wizzen armen blanck / sines buolen ain zaͤrtlich vmbvanck LS186 34    2 ‘Bruder, Schwager, naher Verwandter’ dâ wart ez gâhes erkant / sant Georjen buolen beiden [den beiden Brüdern des hl. Georg] Georg 525; wir, greue Cuͦnrat von Veihingen [...] durch liebe vnd bieth vnsers lieben boͧlen greue Eberhartes von Tuwingen vnd unserr lieben swester Adelhaet [Frau Eberhards] UrkCorp (WMU) 1592,42,39. 3368,5; Elis 6252. 6297; vns selber vnd auch vnserm lieben bulen Kraften von Hohenloch UrkWürzb 41,248 (a. 1346). – als Anrede: lieber buole Georîs Georg 559. 749. 776; lieber buͦle, siest eintrehtig mit gotte und vroͤwe dich sines willen! Mechth 6: 42,8; HvFritzlHl 108,25; [Aglye zu Ryal (Wilhelm) nach dessen Adoption durch ihren Vater Agrant: ] ‘zarter buͦle min! / [...] du solt mir und Appollen / mit vlizze willekomen sin!’ / ‘gnade’, sprach er, ‘swesterlin!’ WhvÖst 1374

MWB 1 1113,7; Bearbeiter: Tao

buolerîe stF. ‘Unzucht, Hurerei’ sy [Flanea] traib groß biebery / und darzuͦ haimliche buͦlery FrSchw 182. 6443; der [...] was offt bey ir gelegen / unnd buͦlery mit ir gepflegen ebd. 206

MWB 1 1113,45; Bearbeiter: Tao

buoliân stM. ‘Kuppler, Zuhälter’ in der stat was gesessen / ain unrainer pulian [...]. / [...] er hette vail schone weib / und hett ain offens sunthauß HvNstAp 15544; ich ward verchauft dem pulian ebd. 16439 u.ö.; leno dicitur domesticus assecla, consiliator, meretricum inductor inhonestus: puliân VocAbstr 387; unchausch, vrashait, uͤbel sprechen, / in dem leithaus rauffen und stechen / als puͤlian zu maniger stund Teichn 166,19. 461,146. 588,133

MWB 1 1113,49; Bearbeiter: Tao

buollîn stN. Dimin. zu buole swF. ‘Geliebte’ (oder ‘Schwesterchen’?), in der Anrede: [Ryal zu Agrant: ] ‘liebes buͤllin! / hastu iht versinnet dich, / [...] wa von diu liebe muͤge komen [...]?’ WhvÖst 1722

MWB 1 1113,59; Bearbeiter: Tao

buolschaft stF. 1 ‘Liebesverhältnis’
2 ‘Beischlaf’
   1 ‘Liebesverhältnis’ der briester [...] sprach: ‘fraw dugenthafft, / pflegt ir nit heimlicher bulschafft?’ MinneR 340 22; fraw, das bedagt, / wen bulschafft mag on sund nit wesen ebd. 27; allen reynen wiben / die gerecht bulschafft driben ebd. 326 u.ö.    2 ‘Beischlaf’ [der Zwerg Albân zu Frau Brîde:] nun solt ir mich buolschaft mit iuch lâzen gewinnen, / ê daz ir koment von hinnen Orend 2429

MWB 1 1113,63; Bearbeiter: Tao

buosem stM. 1 ‘Brustteil der Bekleidung’
1.1 allgemein
1.2 speziell ‘bauschige Falte der Oberkleidung, Brusttasche’ , in Verbindungen mit den Verben stôzen, ziehen usw.
2 ‘Brust’
3 ‘Schoß’
4 ‘Mutterleib’
5 rechtsspr. ‘Nachkommenschaft in gerade absteigender Linie’
   1 ‘Brustteil der Bekleidung’    1.1 allgemein: daz [die Lanzenspitze, die Isenhart getötet hat] zôch er ûzem buosem sîn / an einer snüere sîdîn: / hin wider hiengz der degen snel / für sîne brust an blôzez fel Parz 51,15; dâ hafte si ir buosem mit [mit der Brosche] / nâch der Kärlinge sit Wig 846. 10566; man sach ouch an dem buosem mîn / von golde ein kostlîch heftelîn UvLFrd 451,13; vor dez rockes bvͦsem man hie sach / drvͥ bilde TürlArabel *A 298,2; ermel unde buosem sint mit sîden wol genât Neidh WL 22:4,4; so treit manik edel kneht / sine kleider gar unreht: / [...] sin busem ist offen, sin hemde blecket Jüngl 95    1.2 speziell ‘bauschige Falte der Oberkleidung, Brusttasche’, in Verbindungen mit den Verben stôzen, ziehen usw.: got sprach ime zuͦ: / ‘[...] dû stôz dîne hant / sciere in daz dîn gewant!’ / [...] in den buͦsem [ sinus Ex 4,6] er si stiez Exod 734. 742; VMos 35,19; RvEWchr 9556; in sînen buosem er si [Zunge des Drachen] stiez Tr 9063; dô zôch er ûz dem buosem sîn / ein wol gemachet tevellîn / ze guoter mâze kleine RvEAlex 579; in sein puesem er in [Trinkbecher] parg Seifrit 2509; do heten si ein teil der nüzze / in ir buosem gebrochen [gepflückt] RittermdN 33; des paums pleter sint guot für die harmwinden [Harnzwang] , wenn man si under dem kinn tregt, niht in der hant oder in dem puosem BdN 364,15. – phras.: jmdm. in den buosem gerîsen ‘in den Schoß fallen’ Helbl 4,229 (vgl. TPMA 10,235); dîn vorgedanc in dînen buosen rîse! [deine böse Absicht falle auf dich zurück!] RvZw 64,12; waz sô man ime vurbaz tût, daz enist niht verlorn, wenne ez kumet deme wider, der ez tût, in sînen busem [ihm zugute] StatDtOrd 91,5 (ähnl. swaz din tugentriche hant / dar uber im tut [...], / ez kumt dir gar in dinen schoz Pass III 584,20 ); der vor sîn almuosen / mangem armen truoc ze buosen [der früher vielen Armen Wohltaten erwiesen hatte] Schlegel 252; ez hat maniger sunden vil / und guͤter werch lutzel pracht, / daz der teufel hat gedacht, / er habe’n in seim puesen [in seiner Gewalt] gar Teichn 311,71    2 ‘Brust’ so fuͦr er schlaffende mit den spizzigen steften in buͦsen und krazte sich Seuse 40,21. – Wendung slange im (in) ~ : [der böse Höfling] ist doch schedelîcher denne eines landes brunst, / slange im buosem, ein wolf bî jungen schâfen Kelin 3:2,14; [die falsche Zunge ist] ein slange in buosme, ein fiur in lieber wæte KLD:WvBreis 3:6,9. – ~ als Sitz der Gefühle und innersten Gedanken: die [Tränen] uze dines [der Sünderin Maria Magdalena] herzen grunde / rechte in sinem [Christi] busem stigen / [...] do er durh dine groze clage / dinen bruder irquicte an deme vierden tage Litan 1167; ih diemuͦtet in der uasten sele mine unde gebet minez in busen minen chumet [ oratio mea in sinu meo conuertetur ] PsM 34,13; daz [die Schmach] ich uerbarch in busem minem ebd. 88,51. 78,12    3 ‘Schoß’ er [Christus] fuͦr von himilriche uzsir sines vatir buͦsime PrGeorg 271,20; des hern Abrahamis buͦsim [das vorangegangene schôz variierend] , da die engel des armin mennischin sele in fuͦrton, bizaichint die toͮgenlichen gnade vnsirs herren PrWeing (Pf) 183,2. – bildl.: Maria hat uf getan den buͦsem der erbaͤrmde an allen dingen, dar umb daz wir von ir volle gnade nement PrGeorg 77,33    4 ‘Mutterleib’ do er [Christus] chom in dere magide puͦsim, do geheilt er mennisken chunne JPhys 1,16; do sich der werde slovfte / in der megde buozin Martina 7,93    5 rechtsspr. ‘Nachkommenschaft in gerade absteigender Linie’ ez [Erbe] gêt nicht ûz den bûsemen, die wîle die ebenburtige bûseme dâr ist SSp(W) 1:17,1

MWB 1 1114,8; Bearbeiter: Tao

buosemblëch stN. ‘Brustpanzerplatte’ (NeidhWB, S. 28) oder ‘Metallplättchen als Zierde an der Brustbekleidung’ (Lexer 1,389): diu sînen [des eitlen Bauernburschen] rôten buosemblech / diu sint ir ungenæme gar Neidh WL 27:7,7; ich schriet ine bis duch [l. durch ] das pusemblech Neidhc 117:12,7 (vgl.: ich slüege in durch diu îsenblech Neidh WL14:6d,7 )

MWB 1 1115,18; Bearbeiter: Tao

buosemsnuor stF. Bed. unklar, wohl ‘Schnur zum Verschließen der Oberkleidung’ (vgl. Schultz, Höf.  Leben 1,328) oder ‘Band zur Befestigung des Messers’ (NeidhWB, S. 28: ): er treit eine buosemsnuor / von alrôten sîden Neidh WL 31:8,1

MWB 1 1115,26; Bearbeiter: Tao