begërlîcheit
stF.
→
begirlîcheit
MWB 1 482,40;
begërn
swV.
selten begirn.
‘begehren’ (mit Gen., seltener Akk., Inf., oder Nebensatz):
–
‘natürlicherweise verlangen, anstreben’
diu swalb [...] begert auch niht
grôzer hœh zuo irm nisten BdN
200,30;
ez begert auch iegleich
pein [Biene] dem kaiser ze næhst sein ebd.
291,3.
116,13;
div chint begernt, daz si geborn werden
PrBerthKl
5,14;
swelch sat zu vru dem acker wirt, / wol die verbirt / ein billich sniden, als
die zit begirt [natürlicherweise erfordert]
Frl
8:3,3;
KvHelmsd
2451;
Eckh
5:431,11.
–
‘heftig wünschen, sich sehnen’ (auch zu einem Ort):
wes der mensche im selber begert Gnadenl
1,684.
1,510;
SM:Tu
6:1,3;
und begerte die wapen sere die er so lang gelaßen hett
Lanc
206,35;
EvBerl
119,25;
Eckh
5:433,9;
EvPass
198,17;
si was bevangen mit einer grossen vinsternisse und begerte
vil sere zuͦ dem ewigen liehte Mechth
5: 5,12;
wúnschen [...] in begerender wisen Tauler
410,31;
wohl hierher:
daz uns kunftic ist der tac an dem got geborn wart, dez die
wissagen vor lange begeret hettent MNat
19,13.
–
‘erbitten, fordern’ (an jmdm./jmdn. oder von
jmdm.):
dô wart gelîchteilunge schîn, / wan si begerten harte / daz
ietweder parte / zweitûsent ritter an sich züge KvWTurn
281;
des han ich lange an dir begert Mechth
7: 48,43;
Vät
37078;
wan wir des besvnderlich an dich begern DvAPatern
17;
EnikWchr
11055;
HvNstAp
13829;
Hawich
1891;
swer betet, der begert etwaz von gote Eckh
5: 426,8
MWB 1 482,41; Bearbeiterin: Baumgarte
begërunge
stF.
selten begirunge.
‘Verlangen, Begehren’
– bezogen auf natürliche Bedürfnisse:
swer aber erbeitet rehter zit, biz daz er begerunge gewinnet
zessenne, der sol alzestunt essen MNat
8,7.
8,5;
OvBaierl
7,8;
bî des vleisches willen meinet er allez, daz in dem menschen
sînem willen undertænic ist, doch mit einem widerkriege und mit einem widerstrîte
und neiget nâch des vleisches begerunge und ist gemeine der sêle und dem lîbe
Eckh
5: 11,3;
BrZw
7.
– negativ gewertet ‘Begierde’
von guͦtes begerunge SHort
729;
daz irste [...] ist des herzen begerunge. / daz andir
ist di unkuscheit Brun
2453;
bekanntnüsse, die vorschet unnd bekennet dein sele durch das
edel zaichenn, ob si entzogen wirt von den pegirdenn unnd von den wegrungenn unnd
wann si erlöst wirt von den schedlichenn dinngen HvHürnh
75,1;
Eckh
5:113,6;
Tauler
122,35
– bezogen auf einen heftigen Wunsch, ein inneres Streben:
Got hat nu wol zu mir getan, / daz mine begerunge ist volgan
[erfüllt]
Vät
29210;
Lanc
336,12;
PrGeorg
266,28;
Eckh
5:274,3.
– bezogen auf Bitten und Forderungen:
igelich brûder sprichet siben pater noster an sîner venie zu
begerunge der gâbe des heiligen geistes StatDtOrd
62,2;
da sij vor Moysen kommen sint / und ire begeronge yme verkundet hant
Pilgerf
702
MWB 1 483,7; Bearbeiterin: Baumgarte
begerwen
swV.
‘bekleiden, ausstatten’
byschoff Turpin wart begeret / noch deß keyßers rethe / in dz engelsche gewete
KarlElegast
1326;
ich sante ûz disem hûse ein wol begarten man WolfdA
546,2.
– hierher oder zu begarten
‘als Garten einfrieden’ (vgl. Anm.z.St.) ?:
diner eren blut / keins tichtes schrank hat nie begart
Mügeln
180,4
MWB 1 483,34; Bearbeiter: Diehl
begesten
swV.
‘jmdn. mit etw. versehen’
– positiv ‘schmücken’
alsam daz golt den ziegel / immer überglestet, / alsô bist dû gegestet
[La. begestet
] / mit klârheit vor in allen KvWGS(G)
248;
dat nuͦ wart wyf so mynneclich, / so lusten rich, du en woldest se myt sulker
tat beghesten PvArberg(R)
31.
– negativ ‘heimsuchen’
wen untugent wil begesten, / die kan ich, Scham, vertilgen MinneR 444
462;
wo aber die hitze frast / das tier mit süche hat begast, /
dem gibet sie mit kelde rast Mügeln
291,6
MWB 1 483,41; Bearbeiter: Diehl
begetern
swV.
→
begatern
MWB 1 483,52;
begêunge
stF.
‘das Feiern’ (vgl.
begân
1.1.1):
dev begeunge des jartages baidev an messen vnd an guͦter handelunge der
samnunge UrkCorp (WMU)
N748,29
MWB 1 483,53; Bearbeiter: Diehl
begewaltegen
swV.
‘jmdm. Gewalt antun’ (vgl.
bewaltigen
), hier: ‘jmdn. verleumden’
minnet ivr veind [...] vnd bitet für di di ivch
fürdrvkent. oder begwaltigent [
calumniari Lc 6,28]
EvAug
141,19
MWB 1 483,57; Bearbeiterin: Baumgarte
begieʒen
stV.
1 tr. 2 refl.
1
tr.
‘Flüssigkeit auf, über oder an etw. gießen’
noch drin tagin so saltu si io begisin, bis das loub vs
dringe Pelzb
131,10
u.ö.;
snit oben durch daz blat vnd guͤz daz condiment
[Wein mit Honig und Gewürzen] dor in vnd beguͤz
daz blat niht BvgSp
50;
ir ougen diu beguzzen / ir beider wangel
MF:Wolfr
1: 2,5;
WernhMl
6766.
– die Flüssigkeit als Präp.-Obj.:
– i.d.R. mit etw. ~ :
mit ole er in [den Stein]
begôz deiz dar aba vlôz Gen
1257;
wirf daz ros nedir unde beguys is mit caldym wassir
Albrant
3,50;
WernhMl
10062;
übertr.:
die mit dem himelischen touwe / der heilige geist alsô
begôz KvHeimHinv
1203;
mit wiser rede er sie begoz HvNstGZ
4332;
Wh
463,8;
da wirt dv́ sele begossen mit reiner svͤzzekeit
DvAStaff
292.
–
in etw. ~
‘etw. in etw. einlegen’ (?):
man sol nemen drizec vrische bleter unde tuͦn di in ein
vas unde begize di in einem guͦte wine, daz di bleter bedecket werden
Macer
49,8.
– die Flüssigkeit als Subj.:
daz iuwer hant unkiusche / sô gar unedellîche tuot, / des
muoz begiezen iuwer bluot / den sal und disen flecken KvWHvK
142;
sú [Akk. Pl.] begos vil dik ir selbes sweis
WernhMl
3624;
Parz
396,29;
AHeinr
478;
übertr.:
der gotes gnâden tou begôz / sîne versteinden sinne
RvEBarl
14084;
alrerst sorge sie begoz HvNstGZ
2771;
RvEWchr
4827.
– in den Wendungen brôt ~
und begozzen brôt
‘mit heißem Fett beträufeltes Brot’
sô der haven [Topf] walle / und
daz veizze darinne swimme, / sô bigiuz in wîzziu brôt SM:Had
18: 2,3.
44:2,7;
ez sint driu dinc alleine / aller manne gemeine: / pfaffen wîp und spiler
wîn, / begozzen brôt mac’z dritte sîn Freid
109,13c;
StRRotenb
507
–
‘das Malz in Wasser auflösen, einmaischen’ (1. Brauschritt; anders Glr.:
‘Getränke/Ausschank prüfen, genehmigen’; vgl.
ane gieʒen
):
ez schol auch nieman begiezzen vor sent Gilientac
[1.9.] und nieman sol breuwen vor sent Michelstac
[29.9.] und man sol auch niht langer breuwen
dennne auf Palmentac NüP
152
2
refl.:
Got vater sich begoz / in ires herzen owe / mir sines geistes towe
HeslApk
5462
MWB 1 483,61; Bearbeiterin: Baumgarte
begift
stF.
‘Gift, Verderben bringende Gabe’
pfi dich! waz din [der Welt] lon hie git / swær und
hertzen laiden! / under dinen claiden / begift du hast bedecket WhvÖst
19341
MWB 1 484,39; Bearbeiterin: Baumgarte
begiften
swV.
‘etw. ausstatten’
[der Hochmeister hieß den Landmeister] eine vestin
stiftin, / dî wolde er begiftin / mit vollir nôtdorft unde nern / alle, dî darûffe
wêrn / bescheidin ir zu hûte NvJer
14218
MWB 1 484,43; Bearbeiterin: Baumgarte
begihtære
stM.
→
bîhtære
MWB 1 484,48;
begiht(e)
stF.
→ bîht(e)
MWB 1 484,49;
begihthaft
Adj.
→
bigihthaft
MWB 1 484,50;
begin
stM. , beginne
stN.
‘Anfang, Ursprung’
sînes lebenes begin / der gie mit kurzem lebene hin
Tr
311;
der aller bin ich [Maria] ein beginne Frl
1:13,15;
daz wort ist in dem beginne, und daz wort ist bî gote Eckh
3:39,6.
5:30,13;
von dem beginne untz an daz ort [Ende]
Vät
3696;
Herb
10218;
Macer
18,6.
–
‘Schöpfung’
die zwo zit ich beschriben han / von dem beginne biz an crist
/ und waz ouch sint irgangen ist HeslApk
17793.
692.
17767;
ich wil ûz ruͦbszin di vorborgene dinc von dem beginne der werlde EvBeh
Mt 13,35;
ich habe din begert e der welte beginne Mechth
7: 16,5
MWB 1 484,51; Bearbeiter: Schnell
begîne
swF.
‘fromme Frau, Laienschwester, Begine’ (vgl. LexMA 1,1799-1803):
und sin uͤbunge sol sin gemeine minne zuͦ allen menschen
[...] es si nunnen oder múnche oder begine
Tauler
193,17.
285,9;
die begin von der stat, die man petswester heizzet
[...], di bereden muͤgen, daz si uͤber ir leipnar weder
chauffen noch verchauffen, suln ungestiwert sin UrkEichst
2,36
(a. 1307);
o ir vil torehtigen beginen, wie sint ir also vrevele, das ir
vor únserm almehtigen rihter nit bibenent [...] ! nu ich
[Mechthild] bin die minste under úch
Mechth
3: 15,4.
3:24,4;
SHort
4796;
HvNstGZ
435;
Yolande
4022
MWB 1 484,63; Bearbeiter: Schnell
beginen
swV.
‘den Rachen aufsperren, jmdn. verschlingen’
ani imo zi vil biginit er [der
Teufel] , / do muoser widir gebin / daz er e von schuldin mochti
habin SuTheol
133b;
der tobende wûterîch / der was der hellen gelîch, / di daz
abgrunde / begenit mit irn munde SAlex
6674;
von süezes lîbes smacke wart in daz kindel kunt. / von grôzer hungers nœte
iegelîches wolves munt / daz kindelîn beginte WolfdA
101,3.
– bildl.:
ein jvncherre was eines graven kint / den hete der sichtuͦm so begint / daz er
niht gesten mohte Albert
1523.
– Sprichw. (?):
swer ze vil beginen wil, / erwirget er, êst niht ze vil [würgt er
daran, so geschieht es ihm recht]
Virg
626,4
MWB 1 485,12; Bearbeiter: Schnell
beginlich
Adj.
‘grundlegend, übergeordnet’
die beginlichen besliezunge der kunst [
principales conclusiones scientiae
]
ThvASu
228,31
MWB 1 485,26; Bearbeiter: Schnell
beginnære
stM.
‘Anfänger (der am Anfang steht), Initiator’
ein beginnære, der eines guoten lebens beginnen sol, der neme ein glîchnisse
Eckh
3:397,4;
dy erstin heysin dy beginner, [...] dy andirn heysin
dy zunemere [...] dy dritten sint dy vollinkomenin
Cranc
Uzl 257,14.
Uzl 257,24;
Joseph, der heilige man, / [...] / und aller tugende
ein spiegelglas, / ünsers heiles beginner WvRh
15818
MWB 1 485,29; Bearbeiter: Schnell
beginnærinne
stF.
‘Anfängerin, Begründerin’
beginnerinne, dy aines guͦten lebens beginne wolten, dy süllen tuͦn alz ainer,
der ainen zirkel macht Eckh
3:414,15;
der reinen gotes tragaerinne, / der kristenheit beginnaerinne; / der süezen
muoter unde magt Philipp
9087
MWB 1 485,37; Bearbeiter: Schnell
beginne
stN.
→
begin
stN.
MWB 1 485,43;
beginnen
stswV.
(IIIa mit st. und sw. Prät.)
‘beginnen, anfangen’
1 überw. mit einfachem Inf.; oft umschreibend 2 mit Obj. 2.1 mit Gen.d.S. 2.2 mit Gen.d.S. und Dat.d.P. (zur Paraphrase von lat. creare , vgl. Freytag, SuTheol., S. 146) 2.3 mit Akk.d.S. 2.4 mit abh. Satz 3 intr. 4 refl.
1
überw. mit einfachem Inf.; oft umschreibend:
an den stunden ruofen si begunden AvaLJ
144,1;
swâ daz fleisch beginnet fûlen oder tôten Barth
141,3;
sus begunden si sich under in / slahen unde morden starke
Tr
442;
Eracl
398;
HimmlJer
1.
– Inf. mit ze:
do begunde sic [sich] das wazzer cze
minneren vber cehenzic vnd funfczig tage Konr
1,39;
ze vrâgen er begunde Parz
29,30;
da begund die frauw erbermclich zu weynen Lanc
17,24;
BdN
172,32.
– Gerundium mit ze (häufig bei Mechth ):
dú italkeit ist dú erste súnde, dú den menschen beginnet ze
jagende von gotte Mechth
5: 19,5;
und si [die Seele] beginnet ze
vliessende von herzeklicher liebi ebd.
6: 1,138.
6:13,8
u.ö.
2
mit Obj.
2.1
mit Gen.d.S.:
in sines namen minne / so beginne wir dises liedes
HimmlJer
17;
dô sî der vart begunde Iw
7945;
wan beginnet ir der spil NibB
471,1;
do des strîtes wart begunnen Parz
689,7;
eines liedes wil ich beginnen Wernh
1;
SM:Gl
1:10,7.
– in der Wendung: klage
~
‘Klage erheben, einleiten’
wie her der klage beginnen suͦle UrkCorp (WMU)
51,32
2.2
mit Gen.d.S. und Dat.d.P. (zur Paraphrase von lat. creare, vgl.
Freytag, SuTheol., S. 146):
der du gnad ist, der hat avir
bigunnin [erschlossen] / unsirmo herzin einis
brunnin SuTheol
249;
duo habet er ime
begunnen [erschaffen] / der ougen von der sunnen
VEzzo
49
2.3
mit Akk.d.S.:
hier begin ih einna reda umbe diu tier, waz siu gesliho
bezehinen ÄPhys
1,1;
jâ, der ez et begünde, / der suohte, unz er mich vünde
Tr
19523;
den bv, den si zu Alsnac uppe deme berge hatte begunnen
UrkCorp (WMU)
44,22;
Mechth
4:28,3
2.4
mit abh. Satz:
si heten begunnen, das si in dem lobe des almehten gotes
zallen czeiten wæren Konr
16,35
3
intr.:
hie beginnet daz arzinboͮch Ypocrotis Ipocr
3;
in nomine domini, ich wil beginnen, sprechent âmen Walth
31,33;
achzen huben, die beginnen, do sich die nesten huben von der stat enden
UrkCorp (WMU)
777,1.
93,6;
Eracl
2816
4
refl.:
von gote sî verwâzen / diu ungnædige stunde / an der sich êrste begunde / diu
vil swære gewonheit ZwBüchl
8;
vervluochet sei diu ere / vnd der sælden stunde, / dar an sich begunde / meins
vater sælicheit Krone
378;
die kuͤnstigen tag [Lichttage]
beginnent sich an der sunnen aufgank [...] und enden sich
an der sunnen underval KvMSph
41,4
MWB 1 485,44; Bearbeiter: Schnell
beginnunge
stF.
‘Anfang, Beginn, Ursache’
wan her di beginnunge des êwangêlischen beginnes ist lêrinde EvBeh
71.
7;
minne vil süeze beginnunge hât / und dunket an dem anevange guot
MF:Berng
3:2,5
MWB 1 486,29; Bearbeiter: Schnell
beginsel
stN.
‘Beginn’
oich spricht men, het sy bescheydenheit / de dbeghynsel weder steit
[die dem Beginn (von Amors Eroberung) widersteht]
MinneR 496
292
MWB 1 486,34; Bearbeiter: Schnell
beginst
stF.
‘Anfang, Ursprung’
die dri [die Trinität] ein wesen umbekreißt, /
unspeldig, ewig, an beginst MügelnKranz
2173;
ich disputieren kan / von aller hande kunst beginst ebd.
259;
o wiser rat [...] / ursache aller sache bist, /
beginst, du mittel, ende PvReichenb
2:7,14
MWB 1 486,38; Bearbeiter: Schnell |