Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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e – ëbenbürtecheit
ëbendol – ëbenguot
ëbenheilec (?) – ebenisch
ëbenjunc – ëbenmenden
ëbenmensche – ëbenstrenge
ëbensuoʒe – ëbenwette
ëbenwîch – êbrëchærinne
êbrëchec – eckerich
eckerlîn – edelkeit
edelkint – effede
effelîn – ege|sam
eges|bærec – êhaftec, ehtec
êhafteclîche – ehten
ehter – eichermel
eichgrabe – eidigen
eierære – eigenerge
eigengeborn – eigenschaft
eigenschaftlich – einbærkeit
einbærunge – einent
einenthalp, einenthalben – einhalp, einhalben
einhël – einlift
einlifthalp – einöuge
einöugec – einstirn
einstrîtec – einvach
einvalt – einworhte
einwort, einwürte – eischtac
eischunge – eiterbluome
eiterbrâme – eitertrache
eitervar – êkonvrouwe
ekub – elfenbein
elfenbeinîn – ellendeclich
ellenden – elmëʒ
elne, elle – emb-
ember – emʒlîche
en – enbicobe
enbieten – enbore
enbœrec – ende
endeblat – endeschaft
endeslac – enein hëllen
enein komen – engegenen
engegengân – engelkeiserinne
engelkôr – engelvürste
engelwësen – englîmen
englimmen – enhundert
enîdrus – enklieben
enklœʒen – enmitten
enmittenzwei – enphrüenden
enphüelen – ensîten
enslîbe (?) – ent-
ent|ænegen – enthalben
enthalt – enthitzen
enthiuten – entlegen
entlêhenen – entliutern
entlocken – en|toben (?)
ent|ordenen – ent|rigeln
ent|rîhen – entsagen
entsagunge – entschîben
entschicken – entsebelich
entseben – entslîchen
entsliefen – entspitzen
entsprëchen – entsüenen
entsunkenheit – entvëlhen
entvëlhigen – entvliehen
entvlieʒen – entwachen
entwâfenen – en|twelmen
en|tweln – entwësenen
entwëten – envalten
envar – ênzeclich
enzeichenen – enzückunge
enzündærinne – ephichwurz
ephimera – erargen
erarmen – erbarmen
erbarmhërze – erbeclîche
erbedienest – erbe|insigel
1erbeiten – erbelôsunge
erbeman – erbeschilt
erbeschrîn – erbeveste
erbevîent – erbieten
erbietunge – erblœʒen
erblüejen – erbrogen
erbrüeten – ërden-, ërtmëʒʒer
ërden-, ërtvruht – erdiuten
erdoln – êregîtec
êregîtikeit – êrenhüetære
êrenhüge – êrenvest
êrenvrëch – ergëben
ergëbenheit – ergetzen
ergëtzen – erglitzen
erglîʒen – ergrisgramen
ergriulen – erharn
erharten – erhogen
erhœhen – eringrieʒ
erinnern – erkennelich
erkennen – erklepfen
erklîben – erkræjen
erkrallen – erkuolen
erkuolunge – erlegen
erlêhenen – êrlich
erlîden – ér|lôn
erlônen – erlusten
erlustigen – ermelzipf
ermen – ernacken
ernaʒʒen – ërnesthaftic
ërnesthafticheit – erqueln
erqueschen – errîhen
erringen – erscheinunge
erschellen – erschrîben
erschricken – ersîhen
ersiht – ersnellen
ersnîden – erstandunge
erstarken – erstieben
erstîgen – ersuochære
ersuochærinne – ërtbærec
ërtber – ërtgerüste
ërtgruft – ertougen
ertouwen – ertücken
ertumben – ervære
ervâren – erviselunge
erviuhten – ervreisen
ervriesen – erwahsen
erwæjen – erwëgen
erwëgen – erwermen
erwern – erwîtern
erwîʒen – erzeigen
erzeigunge – erziugen
erziugunge – eschenbürnen
ê|schillinc – esellîp
eselmære – esser
estel, estelîn – ëtevil
ëtewâ – etzweide
etzwise – êwelich
ê|wëlten – ê|wise
ê|worhte – ëʒʒesac
ëʒʒic – eʒʒisch|türlîn

   1entvâhen - entvindecheit    


1entvâhen, enphâhen stV. auch enpangen, impingen, Prät. auch enphunge MarcoPolo 71,21. 1 ‘etw. anfangen’
2 tr.
2.1 ‘etw. nehmen, ergreifen’
2.2 ‘etw. entgegennehmen, bekommen’
2.2.1 allg.
2.2.2 ‘das Abendmahl empfangen’ , meist phras. gotes lîcham ~
2.2.3 ‘Worte aufnehmen, hören’
2.2.4 in Verbindung mit etw. Negativem ‘erleiden’
2.2.5 rechtl. (z.B. bezogen auf Lehen, Amt, Rechte u.ä., zahlreiche weitere Belege DRW 2,1518ff.)
2.3 ‘jmdn. aufnehmen’
2.3.1 als Gast
2.3.2 einen Gegner ‘erwarten’ , ‘sich stellen’
2.3.3 ‘jmdn. als etw. annehmen, in eine (Rechts-) Gemeinschaft aufnehmen’
2.4 selten mit sachl. Subj.
2.5 ‘ein Kind empfangen, schwanger werden’
3 selten mit Gen. ‘etw. empfangen’
   1 ‘etw. anfangen’ einen camf han ih entfangen Litan 13; den eber er ze vragen enpfienc, / daz er im sagte mere ReinFu K,1746. – mit Ersparung des Obj.: du entfehes vnde letzes Litan 64    2 tr.    2.1 ‘etw. nehmen, ergreifen’ ein gezimieret sper. / Diepalt brâhte ouch einz dâ her: / daz enpfie sîn herre küene UvZLanz 2973; da er die glene in die hant enpfing Lanc 381,28; ir hant er in die sîne enpfienc Parz 640,6. Achilles sie dâ schôn enpfie / bî der hant EnikWchr 15352    2.2 ‘etw. entgegennehmen, bekommen’    2.2.1 allg.: ôwî wan het ich sîn gewant / enphangen von des künges hant Parz 148,16; ub er ir oppher geruocht inphâhen Gen 608; swer die touffe hat enphangen, / dem wære ez wol ergangen Hochz 91; alle die die in der heiligen tauffe christenlichen namen enpfahent PrOberalt 162,28; Rol 2874; wiltu hie brvderschaft enpfan ReinFu K,686; lâ den [Geliebten] hie, / der minne brâht und minne enpfienc MF:Wolfr 2: 4,3; minne enphâhn und minne gebn Parz 77,15; er muoz dar umbe enpfâhen strît ebd. 529,12. 604,29; ze sînen kampfgenôzen, / die manegen slac grôzen / heten enpfangen und gegeben Iw 5393; Parz 288,21; daz sie binamen des todes pfliht / enpfiengen [starben] in kurtzen ziten Rennew 18263; der schol [...] bucze emphahen StRBrünn 404; di enphahent ablaz irr sunde von den byssoffen UrkCorp (WMU) 3581,34; Spec 130,4; PrOberalt 78,25; aber wê den, die allain enpfangner guottæt niht gedenkent BdN 208,16. wir sun den winder in stuben enpfâhen [erwarten] KLD:BvH 1: 1,1. daz urinâl brâht man im dar [...] / dar inn er sînen brunnen enpfie [auffing] EnikWchr 15021    2.2.2 ‘das Abendmahl empfangen’, meist phras. gotes lîcham ~ : daz ir den gotes lichenamen hivte also enphahet Spec 21,28; den gotes lichenamen si enphiengen Rol 3398; StatDtOrd 27,20; RvEBarl 14318; Mechth 4: 8,9; swenn wir sinen hiligen lichnam und sein heres blut enpfahen PrOberalt 80,7; unsers herren lichnam ebd. 80,11; den vrônen lip Spec 51,15; daz wirn [Christus im Abendmahl] durch die gehuge sines tôdis schulin enphahin ebd. 49,28    2.2.3 ‘Worte aufnehmen, hören’ sâ warin ir orn horinte daz gotis wort, daz si vil wirdechlichen enphiengin Spec 8,12; niwan eines von sînem munde / enpfie ich die âventiure Wig 11690; so sulnt sie swern, gezv́ge vnd vrkv́nde ze sinne vmbe die warheit êwecliche vber alle die ding, die sie enpfahen vnd derzuo sie gezogen werdent UrkCorp (WMU) N238A,9; vur ein michel wunder / entpfienc der herre die geschicht Pass III 455,93    2.2.4 in Verbindung mit etw. Negativem ‘erleiden’ swer magir ist vnde badet in dem kalden wazzere. der enpfet da uon schaden SalArz 26,12; Vateruns 44; thaz martyrium untfan MfrkReimb 420; Jêsus [...], / der sît durch uns vil scharpfen tôt / ame kriuze mennischlîche enphienc Parz 113,21; RvEBarl 14260; des intfienc her eine wunden ureissam Ägidius 518; NibB 2067,3; die mvsten enphahen / iamer vnd ruwe Herb 16469; die in aver unwirdichlich enpfahent, die empfahent die ewigen verlornuͤsse der sel und des leibs PrOberalt 80,12    2.2.5 rechtl. (z.B. bezogen auf Lehen, Amt, Rechte u.ä., zahlreiche weitere Belege DRW 2,1518ff.): ich möht mit êrn von sîner hant / mit vanen enpfâhen mîn lant Parz 420,14; ir lêhen si enpfiengen / von dem künege wol gezogen, / fürsten, grâven, herzogen, / vrîen unde dienestman UvZLanz 8378; Lanc 27,21; do daz enpfahen [der Lehen] geshach Rennew 32405; daz fürstentuom ze Brâbant / zeim erbe enphâhent KvWSchwanr 1267; da mitte hant des gotzhus eigenlúte enpfangen lên vnd erbe WeistGr 1,2 (14. Jh.); Orilus den eit enpfienc Parz 452,14; enpfâhet jenez zinsreht Tr 7115; nu lânt mich bürgen / emphâhen unde sicherheit KvWHvK 287; swer och in der stat burchrecht enpfæhet vnd burchreht tvͦt UrkWittelsb 2,47 (a. 1294). – z.T. mit refl. Dat.: inphahint in selbin eine grimme hersaf [ adsumentes sibi tyrannidem ] BrHoh 65; ein edel mensche vuor ûz in ein verrez lant und enpfienc im ein rîche und kam wider Eckh 5: 109,21. enphahende hant ‘Lehensnehmer’ (vgl. DRW 2,1519): so sich die enphahende hant wandelt UrkBasel 4:137,3 (a. 1339). – übertr.: daz si mînen dienst enpfâhe / lieblîch und in niht versmâhe SM:JvW 3: 2,4; MF:Mor 15: 1,6    2.3 ‘jmdn. aufnehmen’    2.3.1 als Gast: di engel her gahent, scone si dich enphahent AvaLJ 47,4; ze allen ziten ist vnser herre berait, die svndære ze enphahenne vnde ir schvlde ze vergebenne Spec 48,18; als tet diu künegin sîn wîp. / diu enpfienc Gâwânes lîp / und ander sîne geselleschaft / mit getriulîcher liebe kraft Parz 671,2; nu stant vf herre Constantin / vnd intfawir dise geste Roth 252; so er sine brut enphahit vnde si mit gesange fúr leitet Lucid 123,4; do enpfinc man in nach der gewonheit, / als des landes site was Herb 1936; dô kam sî wider gegangen / und wart baz enpfangen / dan sî verlâzen wære Iw 2078; ich werd verdriven of entfangen MarlbRh 12,21. – z.T. mit präp. Erg.: durch aller der heiligen willen di dich in himelriche impingen VatGeb 47; die iuch enpfahent in di ewigen herwerg PrOberalt 141,22; in sîne gnâde er in enpfie / und kusten ein ander beide Wig 7198; Ginovêr in ir pflege enpfienc / Itonjê und ir âmîs Parz 731,2; als Zacheus unsern herren in sin irdisscez hus enphienc mit grozzer wirtscefte Spec 136,34; daz unser herre diu haidenschaft ze sinen genaden enpfahen wolt PrOberalt 31,25. 33,26 u.ö.; dô inphienc in ce hûs [...] der kuniginne kemerêre PrMd (J) 350,18; KvHeimUrst 1296. – subst.: ich pin iwers enpfâhens vrô Parz 306,8; dâ was grôz enpfâhen / von dem wirte und von den sînen Wig 8666; ir gruoz und ir empfâhen / was bî im, dô si in sach Sperb 86. – selten bezogen auf Tiere (z.T. mit Dat. commodi): selue intfinc he sin rosvert Roth 5104; si liefen im engegene und enpfiengen im daz marc [nahmen ihm das Pferd ab] NibB 957,3; als man in diu ros emphie, / mit dem getwerge er dô gie Er 1208    2.3.2 einen Gegner ‘erwarten’, ‘sich stellen’ an dem braiten uelde / wellent dise helde / enphahen sine recken / mit scarphen swertis ecken Rol 7665; die geste kunden sie wol enphân / mit manegem scharpfen pfîle Eracl 2732; Terramêr enpfangen / wart sus von der getouften diet: / si buten strîtes gegenbiet Wh 37,14    2.3.3 ‘jmdn. als etw. annehmen, in eine (Rechts-) Gemeinschaft aufnehmen’ welch meyster ouch eynen lerknecht entfehit UrkSchles 8,123 (14. Jh.). – meist mit präp. Erg.: so insal min sien zu burgeri nicht inpha Mühlh 160,20; ob si in ze kuninge wolden entfân / und ime werden undertân SAlex 963; die zwen konig die er zu búrgen hett enpfangen Lanc 304,29; da enpfing die ebtißinn den knecht zu bruder ebd. 16,11; ich enpfah uch also zu eim gesellen ebd. 544,6; ein ieglich man, der entphangen wirt zu brûdere zu unserm ordene StatDtOrd 61,18; diz ist, wie man einen brûder entphâhen sule in den orden ebd. 127,1; so enpfahe ich dich wiedder in die heilige kristenheit Lanc 538,24. do spranc si czuͤ der tvͤre vnd tet im vͦf vnd emphiench in fuͤr iren friedel Konr 6,42. – in der Wendung etw. ~ vür guot ‘wohlwollend aufnehmen’ den eit er vur gut enphienc, / swie er doch vbel vz ginc Herb 16022; dirre kranke presant, / vrowe, sî dir gesant. / empfâhe in von mir für guot SM:EvS 3: 1,3; diu vrowe daz für guot enpfie UvZLanz 4592. der helt daz houbet dahte / und enpfie die rede für ein gamen [Spaß] UvZLanz 1071; das er es [das Verhalten der Dame] úmmer fur húbscheit kunde enpfahen Lanc 253,17    2.4 selten mit sachl. Subj.: daz div selbe porte, div ze himele get, niemin enphahit wan den, der sich siner sundin hie erclagit hat Spec 70,31; Hochz 433; daz velt do den tou enphinc Herb 7888; Konr 11,23; do der tac vf ginc / vnde die werlt die licht enphinc / von der claren svnnen Herb 10954. nû het ouch vil der mâsen / diu veste Oransche enphangen / mit würfen von den mangen Wh 222,15    2.5 ‘ein Kind empfangen, schwanger werden’ du hast ein chint enphangen. / danne wahset ein man, der wirt geheizen gotesun AvaLJ 6,3; Abhrahâmis schôz sal mich intphâhin PrMd (J) 341,7; von deme héligen geiste wart er enphangen Lucid 4,5. 62,7; so emphehestu dinen svn gesvnten Konr 13,56; din kint, dat du, magt, entfiͤnges MarlbRh 42,30. 56,2. – mit Ersparung des Obj.: ein magit sal inphâhin unt sal ein sun gwinnin, der sal got geheizin werde PrMd (J) 344,11; nâch menschlicher gewonheit / wart sie swanger und enphie Eracl 317    3 selten mit Gen. ‘etw. empfangen’ priesterlicher wirdikeit / er von dem von Regenspurg enphie Ottok 8754; sô mugen wir enphâhen [...] / der gnâd ebd. 10683

MWB 1 1725,18; Bearbeiter: Diehl

2entvâhen, enphâhen stV. Zuordnung zum Simplex vâhen problematisch (vgl. 2DWB 8,1368 und 9,18 sowie TrudHL (O) , Komm.z.St. mit weiterer Lit.), s.a. entvengen . ‘etw. entfachen, entzünden’ der heilige geist emphahet unde eitet [erhitzt] , brennet unde zerlât dc golt odir dc silbir TrudHL 1,10. 1,11; daz wilde fiur, als ez von swebel / wær enpfangen und enbrant Reinfr 17371. – refl. ‘sich entzünden’ der hûf [zweite Holzhaufen] verbrinnt, der dritte / enpfâhet von der hitze gar Reinfr 26503. 26493

MWB 1 1728,3; Bearbeiter: Diehl

entvâhphenninc, enphâhphenninc stM. Bezeichnung für verschiedene Abgabearten (vgl. vancphenninc ) 1 von Prozessparteien an den Richter
2 von Bergwerksgewerken an den Grundeigentümer
   1 von Prozessparteien an den Richter: decernimus, ne ulli iudici in ipsa civitate liceat denarios qui enphahphenninge dicuntur vulgariter, ab ullo hominum in antea extorquere UrkÖsterrSt 28 (a. 1276)    2 von Bergwerksgewerken an den Grundeigentümer: ist aber ain pergkrichter da in demselben gericht, der sol den fund leyhenn, vnd der man, des das aigen ist, der sol das vierczigist nemmen, vnd sol der richter die emphachpfenning mit ihm tailen UrkSteiermSt 2,174 (a. 1339 kopial)

MWB 1 1728,14; Bearbeiter: Diehl

entvâhunge, enphâhunge stF. ‘Empfang, Auf-, Annahme’ 1 von Personen und Sachen
2 intellektuelles und spirituelles Erfassen, Aufnehmen
   1 von Personen und Sachen: der armo vnde der bilgeri alrmaiste der inphahunge ruͦch sorcsamlic werdet irbotin BrZw 53; sô bevelhen wir die entphâunge des bescheidenheite, deme sôgetân ambeht denne bevolhen ist StatDtOrd 53,15. unde nach enphahung [ acceptio ] dirre naturen so heizent si widergeborn oder anderwerbe geborn in gotis sün ThvASu 214,22. – ‘Übernahme, Einweisung’ von der enphaunge der lehen KlKsr 3,29; ufdragungen und intphagunge DRW 2,1525 (Mainz/  DRWArch.; a. 1342). – ‘Empfängnis’ aber nu hatte Christus von dem beginne siner enphahunge [ conceptio ] volkomen gotlich gebruchung ThvASu 58,22. 34,5. 58,7    2 intellektuelles und spirituelles Erfassen, Aufnehmen: die sel [...] ist auch der götleichen durchlewchtikait von dem ersten götleichem liecht enphähig mit lester emphahung KvMSel 135; dâ got istic ist sîn selbes, niht nâch einer enpfâhunge sîn selbes noch nâch einer gewinnunge sîn selbes Eckh 1:197,3. aber sin gesteltnüsse daz offenbaret daz wort dez machenden, alse die forme dez huses zeiget die enphahunge [ conceptionem ‘Planung’ ] dez kunstmeisters ThvASu 260,23. – phras. ~ unsers herren lîcham ‘Empfang des Abendmahls’ in disir predigade lerit brudir Eckart Rube der lesemeister wi di inphahunge unsis herrin lichamin ist zveigirleige geistilich und sacramentilich Parad 3,4. 3,9. 55,24

MWB 1 1728,27; Bearbeiter: Diehl

entvallen, enphallen stV. auch enpfallen, enphallen. 1 ‘niedersinken, herunterfallen’ z.T. mit präp. Erg.
2 übertr. ‘entfallen, verloren gehen’
2.1 mit Dat.d.P.
2.2 mit Dat.d.P. und ergänzendem Gen. (in rechtl. Zusammenhang) ‘jmdm. etw. vorenthalten’
2.3 mit Dat.d.S. ‘von etw. abfallen’
3 ‘etw. einbüßen, verlieren’
3.1 mit Gen.d.S.
3.2 mit präp. Erg.
4 ‘jmdm. zufallen, anheimfallen’
5 in der Wendung sîn ‘(jmdm.) etw. schuldig sein’ (meist im Zusammenhang mit Strafen)
6 subst. ‘Ablegen’
   1 ‘niedersinken, herunterfallen’ z.T. mit präp. Erg.: ir hende enphilen uf ir knie Elis 4817. – mit Dat.d.P.: [er] begreif den herzogen got / vnde crazitime ave den stalin hot / mit deme hare here in vf want / do intfiel er eme indaz gedranch Roth 1705; daz was ein bitter zeichen. / im enphilen die hende Herb 10407; Tr 18189; Iw 6225; jhener raufft syn schwert und wolt sich weren, der ander macht yn so unmúßig [beschäftigt ihn so sehr] das im syn schwert entfiel Lanc 161,24; und wart im an dem herczen so wee das im der brieff uß der hant enpfiel ebd. 492,21; Kaîn der nît ane gie, daz antlutze im inphiel [ concidit vultus Gn 4,6] Gen 617. – ‘ausfallen’ do entvîl in beidin ein hâr / daz was schône unde lang Eilh (L) 1386; keyn blat wirt in [den Bäumen] entvallin und ire vrucht wirt nicht vorgeen Cranc Ez 47,12    2 übertr. ‘entfallen, verloren gehen’    2.1 mit Dat.d.P.: als ich gedenke an manigen wunneklîchen tac, / die mir sint enphallen Walth 124,16; wenne min fleisch mir entvallet, / [...] / und min herze smilzet nach diner minne Mechth 2: 25,88; niht, daz man dem innern sül entgân oder entvallen oder vermeinen, sunder in dem und mit dem und ûz dem sol man lernen würken Eckh 5: 291,4; inphallin uri abir die guzugi, so mac he woli mit sinemi rechti davuri ste Mühlh 107,24; und were dz er burger wurde an eins probsts urlop, so ist dem gozhusman all sin recht empfallun WeistBa 242 (a. 1344); wol wil ich des getrûn / disen herren allen / daz si mir iht enphallen [abtrünnig werden] Ottok 4180. ez ist lanc daz mir freude enpfiel Parz 660,3; wîp sint âne gallen: uns allen enphallen sorge muoz / durch der minneclichen reinen wîbe gruoz KvWLd 8,15. – euphemistisch ‘ums Leben kommen’ Ludewic der degen / sluͦc da uor Neren: / do waren in [den Heiden] die herren / paide samt enphallen Rol 4829; daz si si solten gesehen / von den lantherren allen, / den ir vater was enpfallen, / der si wol berihte UvZLanz 8616; owe, daz ir uns baide / sit also fruͦ enpfallen! WhvÖst 19293    2.2 mit Dat.d.P. und ergänzendem Gen. (in rechtl. Zusammenhang) ‘jmdm. etw. vorenthalten’ nimet ein herre sinem man guͦt [...] oder enphellet er im der manschaft [Gewährspflicht] , daz sol er clagen dem obern herren SchwSp 197a; daz im [dem Kläger] des di boten intpfilen, so wurde ienre [der Beklagte] ledic aber mit rechte StRFreiberg 197,9. 74,29; sô biten wir in alle / daz er uns des niht enpfalle StrDan 844. 8302    2.3 mit Dat.d.S. ‘von etw. abfallen’ inde [dat] der bischof der [Sühne] niet intfalle uppe eine side noch her Cunrait uppe die andirsiede UrkCorp (WMU) 21A45. entviele got sînem worte [würde wortbrüchig] , sîner wârheit, er entviele [verlöre (zu 3.1)] sîner gotheit Eckh 5: 27,9    3 ‘etw. einbüßen, verlieren’    3.1 mit Gen.d.S.: alsô als der inner mensche nâch geistes art entvellet sînes eigens wesens Eckh 3:135,1; so insolen wir in [...] dekeinen schaden don, [...], daz wir nit inphallen vnser leene UrkCorp (WMU) 904,10; brechen wir daz, so weren wir inphallen unser leene ebd. 904,7    3.2 mit präp. Erg.: brechen wir diz an irme libe [...], so sin wir inphallen an vnsern leenen UrkCorp (WMU) 904,2; wie er des nyet endeit, so entfellit er von allem dem rechte syns stuylis UrkTrier 326,22 (a. 1351)    4 ‘jmdm. zufallen, anheimfallen’ daz inen die [ lehen ] ledic vnd enpfallen sint wider an sich vnd an der herren hant UrkCorp (WMU) 986,32. 776,20    5 in der Wendung ~ sîn ‘(jmdm.) etw. schuldig sein’ (meist im Zusammenhang mit Strafen): der das nit endut, der ist das phunt entfallen WeistGr 2,3 (a. 1321); wer den andern [...] eyniche gelydt brichet, [...] der ist vns entfallen 50 phenninge ebd. 2,5 (a. 1321) u.ö. – mit Gen.d.S.: daz er denne vnserm lieben oheim [...] enpfallen vnd schuldich sei zwaier hvndert march Aglaier pfenninge UrkCorp (WMU) 1421,4. 466,35. – mit präp. Erg.: richtet der denne den zins nit inront viertzehen tagen [...], so sol er ze pene inen emphallen sin umbe zwivalten zins UrkBern 5,570 (a. 1327)    6 subst. ‘Ablegen’ mit einem enpfallene dez ussern gewerbes sich sezzen in ein stillheit sins gemuͤtes Seuse 192,26

MWB 1 1728,57; Bearbeiter: Diehl

entvalnisse, enphalnisse stN. ‘Verlust, Einbuße’ [wenn] wir diz niit steede inhailden, so solen wir troweloiz vnd meenedich sin zo deme inphalnisse vnser leene UrkCorp (WMU) 904,18

MWB 1 1730,14; Bearbeiter: Diehl

entvalten, enphalten stV. ‘etw. entfalten, aus- oder darlegen’ sus begonde sy eme zo envalden / eren wille zo der stunde KarlGalie 12006; daz sie iz buch uf musten tuen / und sine zeichen entpfalden HeslApk 9405; Mechth 7: 46,15

MWB 1 1730,18; Bearbeiter: Diehl

entvarn, enpharn stV. ‘entweichen, entkommen’ swem ouch des libes geniez / so half daz er mohte entfaren / der wolde nicht sin vlien sparn Pass I/II 40,46; da sie vernamen das er kame, da flohen sie allesampt [...]. sie kuͦnten so bezitt nit entfarn, er hett sie erfarn und stach den ersten dott Lanc 176,19; jst aber, daz dehain des gotshavs man [...] avz der gewalt chert oder anders enphert ân des brosts [Probsts] ammans vrlaub UrkCorp (WMU) 3191,11. – mit präp. Erg. oder adv. Bestimmung: ir deheiner mohte von dem strît / niht enpfaren, noch entvuor Wh 327,19; so war si gehorin, dat si van irme dinste niet moͮgen intvarin UrkCorp (WMU) 59,27; alsus entfuͦr Beandiz von den Ylen und von der dolorosen garden Lanc 176,23; wann jhene den walt wol kunden, da waren sie yne darinn entfarn ebd. 182,35. – überw. mit Dat.d.P. (z.T. auch mit zusätzlicher präp. Erg.): swem sin eigen man, sin lehenman oder sin vogtman in ein panstat enpfert UrkCorp (WMU) 1800A,40; want sî mochtin nicht intvarn / wedir vor sich noch besît / den Pogezênin âne strît NvJer 13712; Wh 139,4; StrKD 56,121; in was enpfarn / der visch mit kreften durch daz garn HvFreibTr 3237; dô man daz grap [des hl. Ludwig] entlûchte [öffnete] , / dô enphuor und enstrûchte / manigen siechen sîn gebreste Ottok 19513; ‘ich weiß wol’, sprach Phariens, ‘das ir dem tode nit mögent entfarn.’ Lanc 107,14; das sich jener wol dristunt uberwarff und im das swert enpfure ebd. 353,21; nuo nemt war / daz iu ein wort iht enphar, / wan daz ir sprechet: ‘ez ist wâr’ StrAmis 1708; SHort 5246; liebes kint, das solt du liden, und enpfert dir oͮch wol ein hert antwúrt und ein swer wort Tauler 219,9

MWB 1 1730,23; Bearbeiter: Diehl

entvëhten, enphëhten stV. ‘misslingen, erfolglos kämpfen’ (unpersönl., mit Dat.d.P.): si [die Häretiker ] musten diz [das Beten um Gottes Eingreifen] lazen sin, / wand ez in genzlich entvacht Pass III 129,3

MWB 1 1730,57; Bearbeiter: Diehl

entvëlhen, enphëlhen stV. (sw. KvHelmsd 3130). 1 mit Dat.d.P.
1.1 ‘jmdm. jmdn./etw. anvertrauen, übergeben’
1.1.1 mit Akk.d.P.
1.1.2 mit Akk.d.S.
1.1.3 mit Obj.-Satz
1.1.4 in Konstruktionen mit lâʒen ‘sich jmdn./etw. empfohlen sein lassen’
1.2 ‘jmdm. etw. befehlen’
2 selten mit Akk. und präp. Erg.
   1 mit Dat.d.P.    1.1 ‘jmdm. jmdn./etw. anvertrauen, übergeben’    1.1.1 mit Akk.d.P.: dehainem sinem boten enwolte vnser herre sine mvͦter enphelhen niwan s. Iohannes Spec 28,29; da mit hat er die trægen brediger geleret den diu heilig christenheit enpholhen ist PrOberalt 152,21. – mit Refl.-Pron.: idoch enphalch si [Maria] sich dem almehtigen gote Konr 18,21. – mit zusätzlicher präp. Erg.: er enphalch in ir an sunes stat KvHeimHinv 147; deheinen rîter er erlie / wan demer enpfalch in sîne pflege / eine frowen ûf dem wege, / dazs alden tac samen riten UvZLanz 8987. – in Passivkonstruktion: der erde/  dem grab enpholhen wërden, ‘begraben werden’ ich geloub, daz er der erden enpholhen wart, dar inne lach drî tag und drî naht und an dem driten tag erstuont wâr got und wârer mensch PrStPaul 1,15; sein weib enpfohlen waz dem grab HDecke II 23    1.1.2 mit Akk.d.S.: er was vil innechlichen fro, got enphalh er sine sele do AvaJo 30,2; da uone sulen wir hiute ir [Maria] emphelhen vnser potschaft Konr 16,73; die der erlich got auserwelt hat und in sein chunst enpfolhen hat HvHürnh 3,21; ich enpfele daz besunder dir HvFreibTr 6338. – häufig rechtl. bezogen auf Besitz oder Rechte: si emphulhen im daz rîche, / daz er des gerihtes pflâge Kchr 16809; die herren den got gerihte unde gewalt enphalch ûf ertrîche BuchdKg 3,6; SpdtL 80,15; ob man in ein ampt enpfilhet PrBerthKl 2,81; swenne ich danne niht enpin, so enphelhen si die fogtaie, swem si wellen UrkCorp (WMU) 1974,35. 1595,1. 748,3; suem er ez verlihet oder enpfilhet an sin stat UrkWürzb 45,121 (a. 1322); SpitEich 23,2; umbe gewant daz den snidern enpholhen wirt StRAugsb 8,22. 6,29. 314,13. – mit zusätzlicher präp. Erg.: diu vrowe den jungen ritter nam / und enpfalh im gar in sîne hant / beidiu liut unde lant UvZLanz 1245. – mit abh. Inf. mit ze: die [Angelegenheit] do selben [...] dem Meyssower enpfolhen wart, ze betagen vnd ze slichten zwisshen vns paidenthalben UrkCorp (WMU) 3333,22; StRAugsb 246,20; so sol er [...] welenn ainenn getreuen, weschaiden man und sol dem enpfelhen den gemainen nutz zeweschaffnen und des reiches guet zeweschirmen HvHürnh 4,17. – mit Ersparung des Dat.-Obj.: daz wir in disem zit die selben burg und stat von Burgdorf nit súllen verkoͮffen noch versetzen, noch hinlien, noch hingeben, noch empheln, noch úns emphroͤmden in deheinen weg ane ir willen UrkBern 5,522 (a. 1326)    1.1.3 mit Obj.-Satz: daz man brieuen vnd gezivgen inphelhen sol, swaz man in ganzer gehugede behalten wil UrkCorp (WMU) 1846,19 u.ö.; UrkFürstenb 5,262 (a. 1303); der kelnar aber dem inganden inphelhe [ intranti consignet ] daz er wizze daz er git oder daz er inphahit BrZw 35    1.1.4 in Konstruktionen mit lâʒen ‘sich jmdn./etw. empfohlen sein lassen’ daz ir ev meinev chint, ivnge vnd alte, lat enpholichen sein UrkCorp (WMU) 938,14; ich wil, vil liebiu vrowe mîn, / mich iu enpfolhen lâzen sîn / ûf iwer genâde reht, als ich sol UvLFrd 364,6; KvHeimHinv 481. – formelhaft bei Verabschiedungen und Grüßen: nû lâ mich dir enpholhen sîn EnikFb 1978; lautz euch in allen träwen wol enpfolhen sein EbnerMargBr 65,22    1.2 ‘jmdm. etw. befehlen’ do nun der knab [Jesus] nit kam zehus, / als sÿ [Maria] hett gerechnot uss / die tagzit als er komen solt, / nach dem als im was empfolcht, / do ward sÿ seer belangen KvHelmsd 3130; die swester vnd maͤgde svlen dienen, den ez div maisterin enphilhet SpitEich 14,32. – mit Obj.-Satz: er emphalch in daz si die heilige minne zeinander behielten PrOberalt 80(App.); Konr 3 W1,19; UrkCorp (WMU) 597,3. 1925,15; die phleger vnd der maister die svlen ainer swester enphelhen, [...], wie sie den siechen dienen svl SpitEich 12,14    2 selten mit Akk. und präp. Erg.: alle di cristen waren / di enphal er zu den gotes gnaden Rol 3025; Karln minen herren / den enphilh ich in dine gewalt ebd. 6502; wan [...] div chint mit den phenningen hin dan geschaiden wæren vnd die selben phenninge in der burger gewalt enpholhen vnd gelegt heten UrkCorp (WMU) 2250,26

MWB 1 1730,62; Bearbeiter: Diehl

entvëlhigen, enphëlhigen swV. ‘jmdn./etw. jmdm. übergeben, anvertrauen’ vil lieber herre min, wem wildv mich nu lazzen oder emphelehen Konr 6,34; ez schol auch ain purgermaister einen erbern man [...] die sach enphelichen an seiner stat WeistÖ 7:96,9 (a. 1268); den funften [sluczel] sol haben unser richter oder swen wir in [dem Auswahlgremium] enphelichen UrkSalzb 4,386 (a. 1328)

MWB 1 1732,19; Bearbeiter: Diehl

entvëlhnisse, enphëlhnisse stF. 1 ‘Überlassung, Überantwortung’
2 ‘Empfehlung’
   1 ‘Überlassung, Überantwortung’ dem sol ez der vogt uzgaeben also ob er [...] iemens gutes iht inne hat von enpholnusse oder im sust ze gehaltenne ist gaeben StRAugsb 80,3. 9,2; enphilhet ein man einem snider sin gewant ze snidenne vnde wirt ez im verstoln, ez mvͦz der snider gelten. also ist ez vmbe alle enphelhnvͥsse SchwSp 106a; UrkEidgen 137 (a. 1275 kopial)    2 ‘Empfehlung’ die gerechtigkait ist ain löblich entpfelhnüß [ commendatio ] von den aigenschefften des höchstenn HvHürnh 61,1

MWB 1 1732,28; Bearbeiter: Diehl

entvëlhunge, enphëlhunge stF. 1 ‘Überlassung, Überantwortung’
2 ‘Befehl, Anweisung’
   1 ‘Überlassung, Überantwortung’ daz daz endt vnd die empfelhung [seiner Güter] , die da geschehen ist [...] mag geschaczt werden, sy sey mit gevard geschehen StatTrient 172    2 ‘Befehl, Anweisung’ daz sol nicht kraft noch tugent haben zw kainer stund, nür alain es sey mit vrlaub oder enphelhung des pischoffs StatTrient 132; in phlichticlicher gûte / hîz er [Jesus] den junger [Johannes] daz er wêre / ir getrûwer dînêre. / ditz was sîn rechte meinunge / an der selben enphelchunge, / nicht daz er wêre ir rechter sun JvFrst 9590

MWB 1 1732,39; Bearbeiter: Diehl

entvellen swV. ‘entfallen lassen, loslassen (machen)’ er [der Drache] trug sie mit gewalte über berg und über tal, / daz er sie nit entfalte WolfdD  (H) 1642,2; die arme niht envæln / kunden, swaz er umm swief WhvÖst 12016; da slug in in den elen pogen / Appolonius der helt, / das er der stangen ward entfelt HvNstAp 9394

MWB 1 1732,51; Bearbeiter: Diehl

entvenclich, enphenclich Adj. auch amphanclich, adv. Form (-lîchen) in präd. Verwendung ( Tauler ). 1 ‘angenehm, wohlgefällig’
2 ‘wahrnehmbar, aufnehmbar’
3 ‘aufnahmebereit’
3.1 intellektuell ‘aufnahmefähig’
3.2 ‘empfängnisfähig, -bereit’
   1 ‘angenehm, wohlgefällig’ der muͤz dennoch elliu siniu werch chuschlich vnd rainchlich behalten, das er dem almehtigen got amphanchlich werde Konr 22,54; Konr (Sch) 82,36; den engeln ist enkain ding so loblich, únsrem herren nút so enphaͤnklich, dem mentschen nút so nutzberlich, so daz der mentsch sinen willen gebe in ains andren willen und ainvalteklich gehorsam si PrGeorg 65,24; ‘vorhenges mir / daz ich iz willigen tu, / nicht entwinc mich da zu, / so wirdet iz dir entpfenclich.’ HeslApk 2621    2 ‘wahrnehmbar, aufnehmbar’ warheit ist ein gerehtikeit, die allein von dem gemüet enphenklich [ perceptibilis ] ist ThvASu 254,22    3 ‘aufnahmebereit’    3.1 intellektuell ‘aufnahmefähig’ die sinne sint erkentlichen [ cognoscitivus ] , wan si sint enphenklich [ receptivus ] der gesteltnüsse ane materien ThvASu 244,25; so enmag sú [die Materie] nút so nas [...] gesin, blibet sú darbi [in der Nähe des Feuers] , das fúr ist ein wúrken drin [in der Materie] und mache es ime gelich, oder es zúhet es zuͦmole in sich und machet es fúr oder materie die es enpfenglichen ist Tauler 123,20. 9,11 u.ö.; mit üebunge und mit abelegunge mügen sie [die Kräfte der Seele] enpfenclich werden Eckh 1:162,14. 5: 404,7 u.ö.; Seuse 173,10 u.ö. – subst.: wan als vil alse etwaz entphenkliches [ receptivus ] aller nachest ist der infliezender sache, also vil so wirt ez teilhaftig der selber infliezunge ThvASu 56,22; ez ist diu wesenlich vernünfticheit gotes, der diu lûter blôz kraft ist intellectus, daz die meister heizent ein enpfenclîchez Eckh 3:133,4    3.2 ‘empfängnisfähig, -bereit’ also das wip enpfhencliche wirt und es denne die cit wirt, so gússet got die eddelle selle in den lichomen MerswNF 19,18

MWB 1 1732,58; Bearbeiter: Diehl

entvenclicheit, enphenclicheit stF. ‘Aufnahmebereitschaft, -fähigkeit’ ze glîcher wîse sô enwürket got niht glîch in allen herzen; er würket dar nâch, als er bereitschaft und enpfenclicheit vindet Eckh 5: 424,11. 5: 432,5; daz der mensche got enpfæhet in im, daz ist guot, und in der enpfenclicheit ist er maget ebd. 1:27,5; war got kummet, do fúllet er alle die enpfenglicheit und alle die winkel der selen alzuͦmole Tauler 103,26 u.ö.; PrNvStr 276,39. – ‘Aufnahme’ die nu gegriffen kundent die nehste und die woreste bereitunge zuͦ dirre enpfenglicheit des minneclichen heiligen geistes Tauler 91,29. 92,4

MWB 1 1733,31; Bearbeiter: Diehl

entvencnisse, enphencnisse stF. (stN. Tauler , Parad ) 1 ‘Empfang, Aufnahme’
2 ‘Empfängnis’
   1 ‘Empfang, Aufnahme’ der armen vnd der bilgerein enphanknüzz sol mit aller sorg vnd fleizz erboten werden BrAlt 53; das erste ist schoͤne enpfengnisse von den lúten Mechth 5: 24,69; wer burger oder burgerynne wurt, der ist zu entfenckeniss schuldig 30 phenninge dem meiger WeistGr 2,3 (a. 1321). – bezogen auf den Empfang des Abendmahls: daz were darumbe alleine das er fúrsúmig were gewesen an dem enpfengnisse des heiligen lichamen unsers herren Jhesu Cristi Tauler 130,35    2 ‘Empfängnis’ in der enpfengnisse únsers herren und in der drahte [Schwangerschaft] siner muͦter und in siner geburt Mechth 5: 23,50; [Maria] was also gereinigit for deme inphencnisse daz nie erbesunde an un [Christus] gevallin mochte Parad 107,4

MWB 1 1733,44; Bearbeiter: Diehl

entvengære, enphengære stM. ‘Entzünder, Auslöser’ wan di begerunge inphengit wirt mit der minne, so wirt got geborin in der sele. der heilegeist [d.i. heilecgeist ] ist ein inphengere der minne Parad 12,19; inphengere der minne NvLand 44,12

MWB 1 1733,61; Bearbeiter: Diehl

entvengen, enphengen swV. vgl. 2entvâhen . 1 tr. ‘jmdn./etw. entfachen, entzünden’ (meist bildlich in religiösem Zusammenhang oder bezogen auf Gefühle)
2 selten refl. ‘sich entzünden’
   1 tr. ‘jmdn./etw. entfachen, entzünden’ (meist bildlich in religiösem Zusammenhang oder bezogen auf Gefühle): der herre hett groß kerczen thun enpfengen und enpfing yn fast ersameclichen Lanc 368,27; dat vuͥr, dat himel ind erd entfenget / diͤ sunn’, diͤ liͤcht der werlde brenget MarlbRh 90,1; Seraphin is he drümb genant, / wand in gar entfengt der minnen brant ebd. 88,20 u.ö.; Mechth 6: 13,8; Lilie 5,28; Eckh 1:336,11; Parad 12,18; si wart schône enphenget / von hitz als ein zunder KvWLd 1,215; Mügeln 376,4. 304,12; edel ritter juͦng, / wilt du enpfengen der eren fuͦng [ vunc ‘Glanz’ ] / mit manhafftem riten, / so biz zu allen ziten / getruͤwe und haße untruwe MinneR 444 444; RvZw Leich87. – mit Gen. ‘jmdn. zu etw. anstoßen’ dein chraft mir des verhenge, / dein minne mich des enphenge GvJudenb 242. – mit Ersparung des Obj.: ‘niͤman entfengen kan, / de niͤt enbirnt’, sprach ein wise man MarlbRh 92,15    2 selten refl. ‘sich entzünden’ minne briuwet wunder. / ach got, wie mac ir zunder / sô balde sich enphengen! KvWTroj 7779; triut od halst ein man ein wîp, / sich enpfenget al sîn lîp Freid 100,7; laß witze flamm enphengen sich Mügeln 155,2. 375,1; Vät 40062. – übertr. ‘entstehen, hervorgehen’ Aron din gerte vruhten kan, / des sich al vruht enpfenget Rumelant 3,55b

MWB 1 1734,3; Bearbeiter: Diehl

entvërn swV. entwërn 1.3

MWB 1 1734,31;

entvërren swV. ‘fern sein’ (vgl. AWB 3,749 s.v. ferrên, 3 und s.u. tr. → entvirren ); hier im Zustandspassiv: got ist entverret von aller materielicheit Eckh (Pf) 659,38

MWB 1 1734,32; Bearbeiter: Diehl

entverwen, enpherwen swV. auch enpherben. 1 tr. ‘jmdn./etw. verfärben, farblich verändern’
2 refl. ‘sich entfärben, die Farbe verlieren’
   1 tr. ‘jmdn./etw. verfärben, farblich verändern’ der [Winter] hât entverwet maneg este, / den hiur schône stuont ir loup KLD:Dürinc 6:1,3; daz iuwer sin betrüebet lît, / wan ir von ungemüete sît / enpferwet worden sêre KvWTroj 7917; sie sah an im das er entferbet und hiczig was, wann er nit wust wo er were oder wie er da hien komen mocht sin Lanc II 295,14; ‘niht enahtet’, meinet daz buoch der minne, ‘daz ich brûn bin, ich bin doch schœne und wol gestalt; aber diu sunne hât mich entverwet’ [Ct 1,5 decoloravit me sol ] Eckh 5: 114,12. 1:291,8; BdN 461,16    2 refl. ‘sich entfärben, die Farbe verlieren’ schouwent wie diu heide sich enpherwet! / liehte bluomen unde gras / hânt ir gelfen unde ir wünneclichen schîn verlorn KvWLd 12,1; ir lïchte varwer mund so rott / begunde serr enpferwen sich GTroj 11269; ich kum so gar von witzen, / daz ich mich dann entferbe Minneb 4935

MWB 1 1734,36; Bearbeiter: Diehl

entvestenen, enphesten swV. ‘jmdn. mit jmdm. verloben’ wie vroͮ Herrat hern Dietrich wart enphestent Dietr Überschr. nach 7451; von der minne unt von got / wart herab gesant ain pot / [...] / in die stat ze Nazaret / ze der maid die man enphestent het / ainem manne, der was Yoseph genant GvJudenb 274; Märt 4715; frîen und entvesten [ besten: ] / begund er âne underwint / von Bêheim des kunigs kint / von Kernden herzog Heinrich Ottok 85508; pey der hausfrawn ist vns ze versten die sel die Iesu Christo in der tauff ist enpfestent vnd gegeben zuͦ einer præut GestRom 85; PrMill 420. – Lit.: O. Behaghel, PBB 43 (1918), S. 551f.

MWB 1 1734,56; Bearbeiter: Diehl

entvindec, enphindec Adj. ‘empfindlich, offen für etw.’ eiâ, diz sol der geist klêrlich schouwen in einer enpfindiger wollust. daz beste, dâ der geist zuo komen mac an disem lîbe, daz ist, daz er ein niuwe enpfinden habe sich ûzen in al unde inbinnen al Eckh (Pf) 682,8

MWB 1 1735,5; Bearbeiter: Diehl

entvindecheit, enphindecheit stF. ‘Wahrnehmungs-, Empfindungsvermögen’ er [der Mensch] hat tail mit aller sach: / er ist mit dem tievel swach, / mit dem pawm er wachsen trait, / mit dem tyer enphindichait Teichn 464,334

MWB 1 1735,11; Bearbeiter: Diehl