Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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e – ëbenbürtecheit
ëbendol – ëbenguot
ëbenheilec (?) – ebenisch
ëbenjunc – ëbenmenden
ëbenmensche – ëbenstrenge
ëbensuoʒe – ëbenwette
ëbenwîch – êbrëchærinne
êbrëchec – eckerich
eckerlîn – edelkeit
edelkint – effede
effelîn – ege|sam
eges|bærec – êhaftec, ehtec
êhafteclîche – ehten
ehter – eichermel
eichgrabe – eidigen
eierære – eigenerge
eigengeborn – eigenschaft
eigenschaftlich – einbærkeit
einbærunge – einent
einenthalp, einenthalben – einhalp, einhalben
einhël – einlift
einlifthalp – einöuge
einöugec – einstirn
einstrîtec – einvach
einvalt – einworhte
einwort, einwürte – eischtac
eischunge – eiterbluome
eiterbrâme – eitertrache
eitervar – êkonvrouwe
ekub – elfenbein
elfenbeinîn – ellendeclich
ellenden – elmëʒ
elne, elle – emb-
ember – emʒlîche
en – enbicobe
enbieten – enbore
enbœrec – ende
endeblat – endeschaft
endeslac – enein hëllen
enein komen – engegenen
engegengân – engelkeiserinne
engelkôr – engelvürste
engelwësen – englîmen
englimmen – enhundert
enîdrus – enklieben
enklœʒen – enmitten
enmittenzwei – enphrüenden
enphüelen – ensîten
enslîbe (?) – ent-
ent|ænegen – enthalben
enthalt – enthitzen
enthiuten – entlegen
entlêhenen – entliutern
entlocken – en|toben (?)
ent|ordenen – ent|rigeln
ent|rîhen – entsagen
entsagunge – entschîben
entschicken – entsebelich
entseben – entslîchen
entsliefen – entspitzen
entsprëchen – entsüenen
entsunkenheit – entvëlhen
entvëlhigen – entvliehen
      entvëlhigen swV.
      entvëlhnisse stF.
      entvëlhunge stF.
      entvellen swV.
      entvenclich Adj.
      entvenclicheit stF.
      entvencnisse stF. (stN. Tauler, Parad)
      entvengære stM.
      entvengen swV.
      entvërn swV.
      entvërren swV.
      entverwen swV.
      entvestenen swV.
      entvindec Adj.
      entvindecheit stF.
      entvinden stV.
      entvindunge stF.
      entvintlich Adj., Adv.
      entvintlicheit stF.
      entvirren swV.
      entvirrunge stF.
      entvlammen swV.
      entvlëhten stV.
      entvliegen stV.
      entvliehen stV.
entvlieʒen – entwachen
entwâfenen – en|twelmen
en|tweln – entwësenen
entwëten – envalten
envar – ênzeclich
enzeichenen – enzückunge
enzündærinne – ephichwurz
ephimera – erargen
erarmen – erbarmen
erbarmhërze – erbeclîche
erbedienest – erbe|insigel
1erbeiten – erbelôsunge
erbeman – erbeschilt
erbeschrîn – erbeveste
erbevîent – erbieten
erbietunge – erblœʒen
erblüejen – erbrogen
erbrüeten – ërden-, ërtmëʒʒer
ërden-, ërtvruht – erdiuten
erdoln – êregîtec
êregîtikeit – êrenhüetære
êrenhüge – êrenvest
êrenvrëch – ergëben
ergëbenheit – ergetzen
ergëtzen – erglitzen
erglîʒen – ergrisgramen
ergriulen – erharn
erharten – erhogen
erhœhen – eringrieʒ
erinnern – erkennelich
erkennen – erklepfen
erklîben – erkræjen
erkrallen – erkuolen
erkuolunge – erlegen
erlêhenen – êrlich
erlîden – ér|lôn
erlônen – erlusten
erlustigen – ermelzipf
ermen – ernacken
ernaʒʒen – ërnesthaftic
ërnesthafticheit – erqueln
erqueschen – errîhen
erringen – erscheinunge
erschellen – erschrîben
erschricken – ersîhen
ersiht – ersnellen
ersnîden – erstandunge
erstarken – erstieben
erstîgen – ersuochære
ersuochærinne – ërtbærec
ërtber – ërtgerüste
ërtgruft – ertougen
ertouwen – ertücken
ertumben – ervære
ervâren – erviselunge
erviuhten – ervreisen
ervriesen – erwahsen
erwæjen – erwëgen
erwëgen – erwermen
erwern – erwîtern
erwîʒen – erzeigen
erzeigunge – erziugen
erziugunge – eschenbürnen
ê|schillinc – esellîp
eselmære – esser
estel, estelîn – ëtevil
ëtewâ – etzweide
etzwise – êwelich
ê|wëlten – ê|wise
ê|worhte – ëʒʒesac
ëʒʒic – eʒʒisch|türlîn

   entvëlhigen - entvliehen    


entvëlhigen, enphëlhigen swV. ‘jmdn./etw. jmdm. übergeben, anvertrauen’ vil lieber herre min, wem wildv mich nu lazzen oder emphelehen Konr 6,34; ez schol auch ain purgermaister einen erbern man [...] die sach enphelichen an seiner stat WeistÖ 7:96,9 (a. 1268); den funften [sluczel] sol haben unser richter oder swen wir in [dem Auswahlgremium] enphelichen UrkSalzb 4,386 (a. 1328)

MWB 1 1732,19; Bearbeiter: Diehl

entvëlhnisse, enphëlhnisse stF. 1 ‘Überlassung, Überantwortung’
2 ‘Empfehlung’
   1 ‘Überlassung, Überantwortung’ dem sol ez der vogt uzgaeben also ob er [...] iemens gutes iht inne hat von enpholnusse oder im sust ze gehaltenne ist gaeben StRAugsb 80,3. 9,2; enphilhet ein man einem snider sin gewant ze snidenne vnde wirt ez im verstoln, ez mvͦz der snider gelten. also ist ez vmbe alle enphelhnvͥsse SchwSp 106a; UrkEidgen 137 (a. 1275 kopial)    2 ‘Empfehlung’ die gerechtigkait ist ain löblich entpfelhnüß [ commendatio ] von den aigenschefften des höchstenn HvHürnh 61,1

MWB 1 1732,28; Bearbeiter: Diehl

entvëlhunge, enphëlhunge stF. 1 ‘Überlassung, Überantwortung’
2 ‘Befehl, Anweisung’
   1 ‘Überlassung, Überantwortung’ daz daz endt vnd die empfelhung [seiner Güter] , die da geschehen ist [...] mag geschaczt werden, sy sey mit gevard geschehen StatTrient 172    2 ‘Befehl, Anweisung’ daz sol nicht kraft noch tugent haben zw kainer stund, nür alain es sey mit vrlaub oder enphelhung des pischoffs StatTrient 132; in phlichticlicher gûte / hîz er [Jesus] den junger [Johannes] daz er wêre / ir getrûwer dînêre. / ditz was sîn rechte meinunge / an der selben enphelchunge, / nicht daz er wêre ir rechter sun JvFrst 9590

MWB 1 1732,39; Bearbeiter: Diehl

entvellen swV. ‘entfallen lassen, loslassen (machen)’ er [der Drache] trug sie mit gewalte über berg und über tal, / daz er sie nit entfalte WolfdD  (H) 1642,2; die arme niht envæln / kunden, swaz er umm swief WhvÖst 12016; da slug in in den elen pogen / Appolonius der helt, / das er der stangen ward entfelt HvNstAp 9394

MWB 1 1732,51; Bearbeiter: Diehl

entvenclich, enphenclich Adj. auch amphanclich, adv. Form (-lîchen) in präd. Verwendung ( Tauler ). 1 ‘angenehm, wohlgefällig’
2 ‘wahrnehmbar, aufnehmbar’
3 ‘aufnahmebereit’
3.1 intellektuell ‘aufnahmefähig’
3.2 ‘empfängnisfähig, -bereit’
   1 ‘angenehm, wohlgefällig’ der muͤz dennoch elliu siniu werch chuschlich vnd rainchlich behalten, das er dem almehtigen got amphanchlich werde Konr 22,54; Konr (Sch) 82,36; den engeln ist enkain ding so loblich, únsrem herren nút so enphaͤnklich, dem mentschen nút so nutzberlich, so daz der mentsch sinen willen gebe in ains andren willen und ainvalteklich gehorsam si PrGeorg 65,24; ‘vorhenges mir / daz ich iz willigen tu, / nicht entwinc mich da zu, / so wirdet iz dir entpfenclich.’ HeslApk 2621    2 ‘wahrnehmbar, aufnehmbar’ warheit ist ein gerehtikeit, die allein von dem gemüet enphenklich [ perceptibilis ] ist ThvASu 254,22    3 ‘aufnahmebereit’    3.1 intellektuell ‘aufnahmefähig’ die sinne sint erkentlichen [ cognoscitivus ] , wan si sint enphenklich [ receptivus ] der gesteltnüsse ane materien ThvASu 244,25; so enmag sú [die Materie] nút so nas [...] gesin, blibet sú darbi [in der Nähe des Feuers] , das fúr ist ein wúrken drin [in der Materie] und mache es ime gelich, oder es zúhet es zuͦmole in sich und machet es fúr oder materie die es enpfenglichen ist Tauler 123,20. 9,11 u.ö.; mit üebunge und mit abelegunge mügen sie [die Kräfte der Seele] enpfenclich werden Eckh 1:162,14. 5: 404,7 u.ö.; Seuse 173,10 u.ö. – subst.: wan als vil alse etwaz entphenkliches [ receptivus ] aller nachest ist der infliezender sache, also vil so wirt ez teilhaftig der selber infliezunge ThvASu 56,22; ez ist diu wesenlich vernünfticheit gotes, der diu lûter blôz kraft ist intellectus, daz die meister heizent ein enpfenclîchez Eckh 3:133,4    3.2 ‘empfängnisfähig, -bereit’ also das wip enpfhencliche wirt und es denne die cit wirt, so gússet got die eddelle selle in den lichomen MerswNF 19,18

MWB 1 1732,58; Bearbeiter: Diehl

entvenclicheit, enphenclicheit stF. ‘Aufnahmebereitschaft, -fähigkeit’ ze glîcher wîse sô enwürket got niht glîch in allen herzen; er würket dar nâch, als er bereitschaft und enpfenclicheit vindet Eckh 5: 424,11. 5: 432,5; daz der mensche got enpfæhet in im, daz ist guot, und in der enpfenclicheit ist er maget ebd. 1:27,5; war got kummet, do fúllet er alle die enpfenglicheit und alle die winkel der selen alzuͦmole Tauler 103,26 u.ö.; PrNvStr 276,39. – ‘Aufnahme’ die nu gegriffen kundent die nehste und die woreste bereitunge zuͦ dirre enpfenglicheit des minneclichen heiligen geistes Tauler 91,29. 92,4

MWB 1 1733,31; Bearbeiter: Diehl

entvencnisse, enphencnisse stF. (stN. Tauler , Parad ) 1 ‘Empfang, Aufnahme’
2 ‘Empfängnis’
   1 ‘Empfang, Aufnahme’ der armen vnd der bilgerein enphanknüzz sol mit aller sorg vnd fleizz erboten werden BrAlt 53; das erste ist schoͤne enpfengnisse von den lúten Mechth 5: 24,69; wer burger oder burgerynne wurt, der ist zu entfenckeniss schuldig 30 phenninge dem meiger WeistGr 2,3 (a. 1321). – bezogen auf den Empfang des Abendmahls: daz were darumbe alleine das er fúrsúmig were gewesen an dem enpfengnisse des heiligen lichamen unsers herren Jhesu Cristi Tauler 130,35    2 ‘Empfängnis’ in der enpfengnisse únsers herren und in der drahte [Schwangerschaft] siner muͦter und in siner geburt Mechth 5: 23,50; [Maria] was also gereinigit for deme inphencnisse daz nie erbesunde an un [Christus] gevallin mochte Parad 107,4

MWB 1 1733,44; Bearbeiter: Diehl

entvengære, enphengære stM. ‘Entzünder, Auslöser’ wan di begerunge inphengit wirt mit der minne, so wirt got geborin in der sele. der heilegeist [d.i. heilecgeist ] ist ein inphengere der minne Parad 12,19; inphengere der minne NvLand 44,12

MWB 1 1733,61; Bearbeiter: Diehl

entvengen, enphengen swV. vgl. 2entvâhen . 1 tr. ‘jmdn./etw. entfachen, entzünden’ (meist bildlich in religiösem Zusammenhang oder bezogen auf Gefühle)
2 selten refl. ‘sich entzünden’
   1 tr. ‘jmdn./etw. entfachen, entzünden’ (meist bildlich in religiösem Zusammenhang oder bezogen auf Gefühle): der herre hett groß kerczen thun enpfengen und enpfing yn fast ersameclichen Lanc 368,27; dat vuͥr, dat himel ind erd entfenget / diͤ sunn’, diͤ liͤcht der werlde brenget MarlbRh 90,1; Seraphin is he drümb genant, / wand in gar entfengt der minnen brant ebd. 88,20 u.ö.; Mechth 6: 13,8; Lilie 5,28; Eckh 1:336,11; Parad 12,18; si wart schône enphenget / von hitz als ein zunder KvWLd 1,215; Mügeln 376,4. 304,12; edel ritter juͦng, / wilt du enpfengen der eren fuͦng [ vunc ‘Glanz’ ] / mit manhafftem riten, / so biz zu allen ziten / getruͤwe und haße untruwe MinneR 444 444; RvZw Leich87. – mit Gen. ‘jmdn. zu etw. anstoßen’ dein chraft mir des verhenge, / dein minne mich des enphenge GvJudenb 242. – mit Ersparung des Obj.: ‘niͤman entfengen kan, / de niͤt enbirnt’, sprach ein wise man MarlbRh 92,15    2 selten refl. ‘sich entzünden’ minne briuwet wunder. / ach got, wie mac ir zunder / sô balde sich enphengen! KvWTroj 7779; triut od halst ein man ein wîp, / sich enpfenget al sîn lîp Freid 100,7; laß witze flamm enphengen sich Mügeln 155,2. 375,1; Vät 40062. – übertr. ‘entstehen, hervorgehen’ Aron din gerte vruhten kan, / des sich al vruht enpfenget Rumelant 3,55b

MWB 1 1734,3; Bearbeiter: Diehl

entvërn swV. entwërn 1.3

MWB 1 1734,31;

entvërren swV. ‘fern sein’ (vgl. AWB 3,749 s.v. ferrên, 3 und s.u. tr. → entvirren ); hier im Zustandspassiv: got ist entverret von aller materielicheit Eckh (Pf) 659,38

MWB 1 1734,32; Bearbeiter: Diehl

entverwen, enpherwen swV. auch enpherben. 1 tr. ‘jmdn./etw. verfärben, farblich verändern’
2 refl. ‘sich entfärben, die Farbe verlieren’
   1 tr. ‘jmdn./etw. verfärben, farblich verändern’ der [Winter] hât entverwet maneg este, / den hiur schône stuont ir loup KLD:Dürinc 6:1,3; daz iuwer sin betrüebet lît, / wan ir von ungemüete sît / enpferwet worden sêre KvWTroj 7917; sie sah an im das er entferbet und hiczig was, wann er nit wust wo er were oder wie er da hien komen mocht sin Lanc II 295,14; ‘niht enahtet’, meinet daz buoch der minne, ‘daz ich brûn bin, ich bin doch schœne und wol gestalt; aber diu sunne hât mich entverwet’ [Ct 1,5 decoloravit me sol ] Eckh 5: 114,12. 1:291,8; BdN 461,16    2 refl. ‘sich entfärben, die Farbe verlieren’ schouwent wie diu heide sich enpherwet! / liehte bluomen unde gras / hânt ir gelfen unde ir wünneclichen schîn verlorn KvWLd 12,1; ir lïchte varwer mund so rott / begunde serr enpferwen sich GTroj 11269; ich kum so gar von witzen, / daz ich mich dann entferbe Minneb 4935

MWB 1 1734,36; Bearbeiter: Diehl

entvestenen, enphesten swV. ‘jmdn. mit jmdm. verloben’ wie vroͮ Herrat hern Dietrich wart enphestent Dietr Überschr. nach 7451; von der minne unt von got / wart herab gesant ain pot / [...] / in die stat ze Nazaret / ze der maid die man enphestent het / ainem manne, der was Yoseph genant GvJudenb 274; Märt 4715; frîen und entvesten [ besten: ] / begund er âne underwint / von Bêheim des kunigs kint / von Kernden herzog Heinrich Ottok 85508; pey der hausfrawn ist vns ze versten die sel die Iesu Christo in der tauff ist enpfestent vnd gegeben zuͦ einer præut GestRom 85; PrMill 420. – Lit.: O. Behaghel, PBB 43 (1918), S. 551f.

MWB 1 1734,56; Bearbeiter: Diehl

entvindec, enphindec Adj. ‘empfindlich, offen für etw.’ eiâ, diz sol der geist klêrlich schouwen in einer enpfindiger wollust. daz beste, dâ der geist zuo komen mac an disem lîbe, daz ist, daz er ein niuwe enpfinden habe sich ûzen in al unde inbinnen al Eckh (Pf) 682,8

MWB 1 1735,5; Bearbeiter: Diehl

entvindecheit, enphindecheit stF. ‘Wahrnehmungs-, Empfindungsvermögen’ er [der Mensch] hat tail mit aller sach: / er ist mit dem tievel swach, / mit dem pawm er wachsen trait, / mit dem tyer enphindichait Teichn 464,334

MWB 1 1735,11; Bearbeiter: Diehl

entvinden, enphinden stV. ‘etw. wahrnehmen, empfinden, spüren’ 1 mit Gen.-Obj.
2 mit Akk.-Obj. (v.a. in späteren Texten)
3 mit Obj.-Satz
4 subst.
4.1 ‘Wahrnehmung, Empfindung’
4.2 ‘Wahrnehmungsvermögen’
   1 mit Gen.-Obj.: sin gewalt ist so groz / des mugen wol inphinden / sine widerwinnen VMos 70,10; dô der alte Hildebrant der wunden enpfant NibB 2307,1; Rol 4905; Iw 1052; wenne dû mit dem vinger rüerst den wunden menschen auf sein plôz hirn, sô enpfint ez sein niht BdN 6,33. also das ich diner herzeklicher minne in minem herzen und in miner sele und in minen fúnf sinnen und in allen minen geliden ane underlas enpfinde Mechth 7: 38,13; Tr 11741; enphunt ich ir gnâden SM:UvS 6: 3,4; Wh 253,3; HvHürnh 15,8. vil wol ich des emphunden habe / daz ir ein übel scherer sît KvWHvK 376; wenn er ains ungewiters enpfint BdN 269,11; do zeran im der maht, / alsô daz er zehant / des tôdes enphant [den Tod nahen spürte] Ottok 91934. dô si [die Menschen nach der Sintflut erstmals] daz fleisch âzen, / ir leides si vergâzen, / wan si enpfunden der spîse [ ‘genießen’ oder ‘Geschmack finden an etw.’?] EnikWchr 2799    2 mit Akk.-Obj. (v.a. in späteren Texten): ich enphinde niht wan ein brot PrBerthKl 6,93; davon sie – muter, meit – enphant / unsers todes falles widerslag Mügeln 182,7; der nagel [Fingernagel] enpfindet niht, wenn man in versneit BdN 21,17; Mechth 5: 11,17. – mit AcI-Konstruktion: sit ouch si kurzeliche entfant / sich in ir libe ein kint tragen Pass I/II 313,41    3 mit Obj.-Satz: enphinde der siche daz im der mage we tu SalArz 69,42; noch enpfant ich nie ze guote, leider mir, / daz an ir niht schînet wan des besten SM:UvS 22: 4,1; ich enpfind an dem hirn / und sich daz von der wârheit wol, / daz ein kint von mir komen sol, / daz wirt gewalticlîch / in dem künicrîch EnikWchr 19872; BdN 129,18; Eckh 5: 241,6; KvHeimHinv 743. das kint [Jesus] er [Symeon] do an sin arm enphieng / von der magt dú sin genas, / und wart enphindent wer er was WernhMl 3512    4 subst.    4.1 ‘Wahrnehmung, Empfindung’ die dru [Sinne] sint auch ahtbere: / Enpfinden [hier ‘Tastsinn’ ?] , Richen und Gesmag HvNstGZ 923; doch wellent etleich maister, daz daz hirn hab enpfinden seins gepruches, wenne man ez zepricht; ez habe aber niht enpfindens seinr verendrung, wenn ez sich verendert von warm in kalt BdN 7,3; daz der mensche grœzlîchen beger solches trôstes enpfindennes und innicheit Eckh 5: 222,6 u.ö.; Seuse 367,15; KonstBrf 77,24    4.2 ‘Wahrnehmungsvermögen’ [die Seele] gît ieglîchem glide leben und enpfinden unde begern unde rüerunge PrBerth 1:98,38

MWB 1 1735,16; Bearbeiter: Diehl

entvindunge, enphindunge stF. 1 ‘Wahrnehmung, Empfindung’
2 ‘Wahrnehmungs-, Empfindungsvermögen’
   1 ‘Wahrnehmung, Empfindung’ als von dem hovpt flivzzet in div gelider rvrvnge vnd enphindvnge, also flivzzet vns von Ihesv Cristo alliv geistlichiv tvgent vnd gnade in alliv div gelider der christenheit DvAPatern 196; als die sternen klein schinent und doch gross sint, also son dinú liden klein schinen vor ungeuͤpter menschen ogen, dú doch na eigenr enpfindung dir gross werden ze tragene Seuse 56,25. 184,7; KvMSel 424. – ‘Wahrnehmung, Erfahrung’ daz von inphindunge [ experimento ] wer [l. wir ] han gilernit BrZw 59. 1    2 ‘Wahrnehmungs-, Empfindungsvermögen’ sô hât ez [ holz unde krût ] allez wesen unde leben; ez hât aber niht enpfindunge unde vernunft PrBerth 1:375,22; dâ von sô hât ez [alles Getier] enpfindunge, sô man ez tœtet oder im anders wê tuot oder wol tuot, des enpfindet ez ebd. 1:375,31

MWB 1 1736,3; Bearbeiter: Diehl

entvintlich, enphintlich Adj., Adv. auch enphindenlichen. ‘wahrnehmbar, deutlich spürbar’ diu innerlîche anhaftunge [an Gott] daz ist ein în gezogene enpfindelîche wârheit, von der sie weder tôt noch leben gescheiden mac Eckh (Pf) 302,30; vor den bilden hinderkom si neiswi in enpfintlicher wise der gross smerz, den dú zart muͦter hate under dem krúze. und von der not geschah diser guͦten frowen och als we von erbermde, daz ir herz neiswi erkrachete enpfintlich in ir libe, daz si von amaht nider seig Seuse 143,3. 22,22 u.ö.; Xerses, [...], do den drukcht dy angst des todes, do vergas er aller auswendiger endpfindleicher ding vnd gab sich inwendig dem müet vnd vand das spil Schachzb 30,164; e daz ich enphindenlichen wisti und bekanti, daz siuz wer EbnerMarg 132,9. 132,20

MWB 1 1736,21; Bearbeiter: Diehl

entvintlicheit, enphintlicheit stF. ‘Wahrnehmung, Empfindung’ daz er munder und waker in des lidens enpfintlichkeit belibi Seuse 34,20. 10,25. 193,1; in der enpfintlicheit ieglîch sünderlîch lîden PrNvStr 281,21; Eckh (Pf) 507,32

MWB 1 1736,38; Bearbeiter: Diehl

entvirren swV. auch entverren. ‘jmdn./etw. fern halten, entfernen’ wî er an dem beginne / den gotishelt vorirrete / und den mût intvirrete; / daran want er alle macht NvJer 18913a. – hierher (?): uf daz en [ihn] got niht enschulde [nicht anklage] / entvirre [Hs.: en (ihn?) virre ] von siner hulde Macc 14332. – meist mit Dat.d.P. oder d.S. ‘jmdn./etw. jmdm./etw. fernhalten, vorenthalten, abtrünnig machen’ ich sal vechten / wider die, die dem rechten / mich entvirren denken Pass III 163,70; do sie [die Betenden] mir [dem Teufel] den haten / entvirret, do kart ich zuͦ dir Vät 5143; dat nieman deme anderm sin deil intvirrin sal an eine vreimde hant UrkCorp (WMU) 146,6; daz [...] guͦt [...] vns vnd vnsen erben zuͦ intferrene andirs, dan hi vor gesriben ist ebd. 3502,45; Mühlh 144,21; NvJer 20878; HeslApk 13098

MWB 1 1736,43; Bearbeiter: Diehl

entvirrunge stF. ‘Entfernen, Wegnehmen’, wohl hierher: daz hes [er es] uff den heyligen swere, daz hes [er den Verkauf] nicht durch keyne entpherrunge tu den [...] erben sundern durch sinen nutz StRMühlh 139

MWB 1 1736,60; Bearbeiter: Diehl

entvlammen swV. auch entvlemmen. ‘entbrennen, entflammen, entzünden’ (übertr.) 1 intr.
2 tr.
3 refl.
   1 intr.: dô der knabe kleine / wart irre sîner ammen, / seht, dô begunde enpflammen / sîn herze ûf jâmerunge KvWTroj 524; entflammen und funkeln / wart in mir da der mynnen gluͤt Minneb 4492    2 tr.: Minne envlammete den man / mit der schœne ir lîbes Tr 17594; daz wort alsam ein gluot / begonde ir herze enphlammen KvWLd 1,32; do in des zornes rost / der kuͤnc wart enflemmet; / sin hertz wart ergremmet [erzürnt] / uf den jungen bitterlich WhvÖst 5323; von der minne brünste / sîn herze was enphlammet Reinfr 4463    3 refl.: hern Moises durch mich wart kunt, / wie sich entflammet [seinen Anfang nahm ?] und entzunt / der himmel, mer und erde hat / und alles das darinne stat MügelnKranz 1810

MWB 1 1737,1; Bearbeiter: Diehl

entvlëhten, enphlëhten stV. ‘etw. entflechten, aufflechten’ ir zöpfe wârn enpflohten gar; / ûf den satel reichte ir hâr, / daz was goltvar unde reit Wig 2414; ir gelwes, raides, schónnes har, / [...] / in buͦswirdiger andaht / si do vil rúwenclich enpflaht SHort 8160; dc sie drie sunnentage in dirre gegen wertigen vasten vor dem cruce zu vronemessen offenliche [...] gan solen, [...] die vrowen [...] barhobet vnd mit enphlohtem hare vnd barvuͦz UrkCorp (WMU) 2130,44; KvWSilv 970

MWB 1 1737,18; Bearbeiter: Diehl

entvliegen, enphliegen stV. ‘entfliegen, entfliehen’ min falk ist mir entflogen / so wit in fremde lant Mügeln 402,1; Parz 430,14; Wh 120,16; Krone 5998; EnikWchr 28857; [das Volk] wirt do nicht sien denne quale und vinstirnisse, [...] und mag nicht entphligen sinir angstnot Cranc Jes 8,22; swaz sich pfliget sindern / unde zu hinderwerfe touc, / dem allen harte wol entvlouc / Franciscus der vil gute Pass III 519,6. – übertr.: in mines hertzen neste / wirt nymmer vogel mer erzogen: / mir ist der welt pris enpflogen! WhvÖst 9868

MWB 1 1737,28; Bearbeiter: Diehl

entvliehen, enphliehen stV. auch inpf-/ph-. ‘entfliehen, entkommen’ 1 ohne Obj.
2 mit Dat.d.P.
3 mit Dat.d.S.
4 selten tr. (evtl. durch lat. Einfluss [ effugere aliquem ], vgl. 2 DWB 8,1379)
5 mit Gen. in der Wendung des niht ~ kunnen/  mugen
   1 ohne Obj.: so der piber gesihet daz man in iaget. unt er inphliehen nemach JPhys 16,4. 16,7; vnd daz ich vursuchte, / ob ich enpflihen mvchte Herb 2091; jst aber, das er enpflihet, der suslich getat het bigangen UrkCorp (WMU) N238A,6. – mit präp. Erg.: und die in der ahte weren / [...], / entvluhen sie in den templum / zu Jerusalem Macc 4823; daz der valant niht enfloch / von in, daz ist wunder WhvÖst 12678; ir slangen vnd gewehse der vipern. wi entfliehet ir von dem vrteil der hell EvAug 58,11    2 mit Dat.d.P.: sine mugen uns nicht enphlihen; / wir sculn in nach ilen Rol 6985; ir en mvget mir niht enphlihen Herb 14522; Wh 161,4; BdN 164,4; ê daz diu sunne im entvlôch [entschwand] , / er reit hin ûf bî schœnem tage Wh 198,16. – mit präp. Erg.: den [Sperber] warf er her, den warf er dar, / biz er sich in die wîte enzôch / und im von ungeschihte enpflôch [davonflog] / schier in den boumgarten hin KvWEngelh 3216; er jagt sie lang, biß sie im in den walt enpfluhen Lanc 322,18. 98,1; de erde is dat alre verste van dem hemele inde hait sych gecrumpene in eynen wynkele inde schampt sych inde solde gerne deme schonen hemel intflyn van eynem wynkel zo deme anderen Eckh 1:233,7    3 mit Dat.d.S.: daz er unt sîniu chindahe deme hungere inphlihe Gen 2448; dinem gwalt mach niemen enphliehen noch entwichen Himmelr 1,4; Wig 10233; als er wonde wese fro / vnde siner grozzen swere / gar enpflohen were Herb 2049; das si dem ungeloͮben nit anders moͤgent entvliehen Mechth 6: 15,35; jst aber, daz der den doͮhtslag [Totschlag] hat getan, der pênin inpflúhet vnde ingât UrkCorp (WMU) 1653,11    4 selten tr. (evtl. durch lat. Einfluss [effugere aliquem], vgl. 2DWB 8,1379): emphliehe wir hie die sunde AvaJG 31,6; den werdent die fvͤzze gebunden, die di svnde hin nach nimmer mer mvgen enphliehen denne vor PrBerthKl 6,78; si müezen uns genâhen, / wand wir si niht enphliehen Ottok 25366; Tauler 198,7; Himmelr 10,26    5 mit Gen. in der Wendung des niht ~ kunnen/  mugen: dâ bî ich rehte an mir selben erkande, / daz ich des niemer enpfliehen enkan, / in sî ir stæte KLD:HvSw 18:1,8; daz dritteil muost diu schef ziehen, / des mohten si niht enphliehen EnikWchr 19008

MWB 1 1737,39; Bearbeiter: Diehl