ehter
stM.
→
2æhtære
MWB 1 1508,8;
ehtlîche
Adv.
zumeist in Texten nd. Herkunft.
‘ehelich’ (vgl.
êlich
Adj., Adv.):
die êlîche und echtlîche zu samene komen sîn SSp (W)
1:3,3
MWB 1 1508,9; Bearbeiterin: Baumgarte
êhûsvrouwe
stF.
‘Ehefrau’ (vgl.
hûsvrouwe
):
ob er iht hab ain ehvsvrawen oder gemahel
SpitEich
5,16;
swelhe brvder oder swester [...] mit
ainem eman oder ehavsvrawen vnkvsch tvet ebd.
17,24
MWB 1 1508,12; Bearbeiterin: Baumgarte
ei
stN.
Gen. auch eiges (z.B.
Lucid
17,9
s.u. 2.3), Pl. auch eiger (z.B.
StRAugsb
49,7
).
‘Ei’
1 das Ei verschiedener Tierarten 2 i.d.R. das Hühnerei 2.1 als Nahrungsmittel (auch als Abgabe und Ware) 2.2 als Bestandteil von Heilmitteln 2.3 als Vergleichsgröße aus der Alltagserfahrung 3 in Wendungen (weitere Belege vgl. Friedrich, Phraseolog. WB, S. 141-143) 3.1
etw./sich als ein (gebraten) ~ spalten/ teilen/
klieben
‘etw. (mühelos) in zwei Hälften teilen’
3.2 als Gegenstand von geringem Wert 3.2.1
jmdm. als ein ~ sîn als Ausdruck der Geringschätzung 3.2.2
eines (halben) eies wërt 3.2.3
als ein ~ wëgen (?) 3.2.4
ein halbeʒ ~ vür etw. nëmen 3.3 zur Verstärkung einer Verneinung 3.3.1
niht ein (halbeʒ) ~
(vgl. das gleiche Verneinungsmuster bei anderen Wörtern, die
Geringfügigkeit ausdrücken können, z.B.
bône
,
hâr
,
strô
) 3.3.2
niht umbe ein (halbeʒ) ~
4 in Sprichwörtern oder in Anspielung darauf (vgl. TPMA 2,374. 375. 377; 6,208. 210; 7,34)
1
das Ei verschiedener Tierarten:
der vogel [der Rabe] hât die art,
[...], wen diu si ir air prüet, sô pringt ir der er ze
ezzen BdN
176,26;
JPhys
23,7;
SalArz
18,28;
daz mêrer tail der vischair verderbent, wenn der rognær diu
air læzt BdN
243,21;
Plinius spricht, daz diu egdehs niht prüet ob irn airn oder
ob irm gesmaiz ebd.
274,16.
249,4.
263,23.
294,34
2
i.d.R. das Hühnerei
2.1
als Nahrungsmittel (auch als Abgabe und Ware):
so mache ein groz blat von eiern, daz die pfannen alle
begrife BvgSp
51.
82.
52
u.ö.;
Himmelr
9,17;
StatDtOrd
40,25;
siben schilling vnde czwey schock eyer zcu ostern ebiges zcinsis gibit der
kirchner czu Waltkirchin von seynem ampte UrkCorp (WMU)
222BA 2,9
u.ö.;
UrbBayÄ
120;
umb den furkauf uber kese und eyer WüP
26,2;
StRAugsb
49,7
2.2
als Bestandteil von Heilmitteln:
se [die Heilpflanze Wegebreit]
heilet ouch das gebrante gestosen mit dem wissen des eies Macer
6,7
u.ö.;
SalArz
36,49
u.ö.;
nim daz eie daz an den heiligen ze wihennahten geleit
werde. vnde brenne ez ze pulvere Ipocr
336
u.ö.
2.3
als Vergleichsgröße aus der Alltagserfahrung:
einen stein als gross als ein hennen ey SchwSp
160b;
Wig
6585;
er sluog in daz diu scheitel / im zerclahte sam ein ei
KvWHvK
147;
Mechth
4: 23,13;
dise welt ist sinewel vnde ist vnbeslozen mit dem
wendelmer. da inne suebet die erde alse der duter in dem wisem des eiges
Lucid
17,9;
ebenso:
MNat
1,23;
BdN
74,3
3
in Wendungen (weitere Belege vgl. Friedrich, Phraseolog. WB, S. 141-143)
3.1
etw./sich als ein (gebraten) ~ spalten/ teilen/
klieben
‘etw. (mühelos) in zwei Hälften teilen’
sich selben teilet er inzwei / gelîche und ebene alse ein
ei Tr
5688;
swer dô gespalten hæte enzwei, / ir beider herzen als ein ei / ez wære bî
den stunden / in iegelichem funden / des anderen figûre KvWEngelh
3460.
557;
er spielt ÿm in dem libe daz hertze so glich en zwe, / reht als ein
biderman ein wol gebroten eÿ WolfdD
1235,4;
Krone
15169.
–
die minne, diu undr in was / noch vester danne ein adamas, / die
schriet si [Frau Minne] mit kraft enzwei, / daz
si sich kloup [spaltete] als ein ei GFrau
317
3.2
als Gegenstand von geringem Wert
3.2.1
jmdm. als ein ~ sîn als Ausdruck der Geringschätzung:
im was sin tot als ein ei Pass III
246,88;
HvNstAp
14472.
– mit bœse verstärkt:
ob tôt her Tristan wære, / daz wære mir
[Isolde] als ein bœsez ei UvTürhTr
1959
3.2.2
eines (halben) eies wërt:
daz er iu sî / schuldic eines eies wert StrAmis
2387;
StrDan
7117
3.2.3
als ein ~ wëgen (?):
habt ir an castelan / verloren, daz wegend als ain ay: / für daz ain
gib ich üch zway GTroj
4375
3.2.4
ein halbeʒ ~ vür etw. nëmen:
des wart im von dem sahsen / ein slag gemezzen und
gegeben / daz man für sîn erweltez leben / genomen hæte ein halbez ei
KvWSchwanr
1167;
JTit
2888,3
3.3
zur Verstärkung einer Verneinung
3.3.1
niht ein (halbeʒ) ~
(vgl. das gleiche Verneinungsmuster bei anderen Wörtern, die
Geringfügigkeit ausdrücken können, z.B.
bône
,
hâr
,
strô
):
dîn rede hilfet niht ein ei KvWTroj
2025;
Pass III
129,84;
ich ahte ûf mundes minne niht ein ei SM:
WvT
5: 1,4;
Pass III
164,11;
die in den ersten iaren / ir holt mit dienste waren, / die traten nu
von ir enzwei / und achten sie nicht ein ei ebd.
625,46;
armbrust und huͤrninbogen / toͤhte niht ein halbez ei KgvOdenw
3268
3.3.2
niht umbe ein (halbeʒ) ~
:
ir wüefen und ir geschrei / frumte sie niht umb ein ei
KvHeimUrst
1602;
KvWSchwanr
1553;
er wirfet ûz fiur unde gift, / daz schadet iu niht umb ein ei
KvWTroj
9283;
wand er [die (weltliche) êre
] nie als um ein ei / an sime herzen entpfant Pass III
598,76;
[diejenigen] , die freude niht in selben kouften
umbe ein halbez ei Neidh
WL 21:1,4;
KvWTroj
9155
4
in Sprichwörtern oder in Anspielung darauf (vgl. TPMA 2,374. 375. 377; 6,208. 210;
7,34):
der man hat daz ei in siner hant und versicht sich des hunes
der von dez er dennoch nicht sicht PrOberalt
104,32;
nach dem ayͤ ain trunch, / oder dem arczt ain phunt Freid (Sch)
248;
swenne ir [...] fremden göuchen ir eier brüetet
Renner
7612;
daz kan uns bezeichen ein huͦn: / wanne daz ein kleines ey geleit, / so
bringtz mit sinr getzen klaffen dick eyn wijtes huͦß in not Marner (W)
ML 20:1,9;
Dina tet sam diu getelôse henne / diu in dorf gêt lekcen dei
eier dei si spâte scol ernecchin [vgl. Gn 34]
Gen
1595;
der im [einem Kind] ein eî biutet,
/ ez git den phenninch umbe ein eî StrKD
86,104;
BdN
193,22
MWB 1 1508,16; Bearbeiterin: Baumgarte
ei, eia
Interj.
1 lautmalerisch für einen Seufzer zum Ausdruck jeder Art von emotionaler Berührtheit (Trauer, Ärger, Freude usw.); oft direkte Rede einleitend 2 Aufmerksamkeit heischendes/ Kontakt herstellendes Signal bei der direkten Anrede
1
lautmalerisch für einen Seufzer zum Ausdruck jeder Art von emotionaler Berührtheit
(Trauer, Ärger, Freude usw.); oft direkte Rede einleitend:
diͤ nidge hamerslege / damide si dich
[Christus] slent, / – ei, wiͤ na si
mir [Maria] gent MarlbRh
27,3;
eya arme wie ich nu uirstozin bin Roth
1466;
‘ei’, sprach mîn her Îwein, / ‘der tac der dâ hiute schein, /
daz swert daz den slac truoc / den ich hiute ûf iuch gesluoc, / diu müezen gunêret
sîn.’ Iw
7523;
‘eya nein’, sprach min sele, ‘gedenke noch aller trúwe und
lob dinen herren alsust: gloria in excelsis deo’ Mechth
2: 7,6;
ei wol vnmazliche froide! Lucid
156,5;
eiâ waz er wunders tæte! Volmar
550
2
Aufmerksamkeit heischendes/ Kontakt herstellendes Signal bei der direkten
Anrede:
als er die knappen komen sach, / der garzûn trûriclîche
sprach / ‘ei, guote knappen, tuot mir kunt / [...] / wes sî
ditz gesinde.’ Wig
11307;
‘jungfrauw’, sprach er, ‘ich heiß Gawan.’ ‘eya lieber
herre’, sprach sie, ‘nu sint mir gott wilkumen!’ Lanc
201,30;
he sprach eia koninc edele / nu ne halt dich nicht ouele /
vnde gif mir daz boden brot Roth
3516.
– oft nicht von 1 zu trennen:
eya bruder, kvne degen, / daz uwer der tufel mvzze
pflegen / waz woldet ir zv strite Herb
2261;
er gedâhte in sînem muote / ei herre got der guote, / wer
gît mir sô starke sinne / daz ich die sô sêre minne / diu mir zem tôde ist
gehaz? Iw
1610;
eyâ, herre, ich wölte gerne loben und ich enkan!
Eckh
5: 268,3
MWB 1 1509,44; Bearbeiterin: Baumgarte
eib
stM.
‘Ibis’
ibis haizt ain eib. daz ist ain vogel, der izt slangen und
slangenair BdN
201,23.
201,22
MWB 1 1510,10; Bearbeiterin: Baumgarte
eiban
stM.
‘Ebenholz’ (vgl.
ebenus
):
ebanus haizt ain eiban. [...] wenn
man den abhawet, sô wirt er hert als ain stain BdN
321,2;
der eiban, [...] der in der môrn
lant wechset, der ist pezzer, und der ist zemâl swarz ebd.
321,10
u.ö.
MWB 1 1510,12; Bearbeiterin: Baumgarte
eich
stF.
‘Eiche’
quercus haizt ain aich BdN
343,2;
Lancelot was in dem wald bliben und saß lang under eyner eych
uff eim grase, wann das wetter heiß was Lanc
117,34;
Gen
1665;
RvEWchr
30060;
daz ieman sine hant iht lêge an ein eich oder an ein buͦch, es si danne zvͦ
búwenne UrkCorp (WMU)
1653,41;
HvNstAp
16589-16632
Rätsel über die Eiche.
– in Eidesformeln:
den vride, den der keiser geboten hat, [...], daz he
den stete wolle halden, di wile eiche unde erde stet StRFreiberg
99,20;
alz lange alz wasser geyt uver steyn unde eygge in der erdin steyt
UrkDOKobl
1,404
(a. 1345)
MWB 1 1510,17; Bearbeiterin: Baumgarte
eichach
stN.
hier die Form aychech.
Kollektivbildung zu
eich
‘Eichendickicht (Lohwald?), Eichenwald’
von dem Ramensperg biz ouf daz aychech bi Nazzenvels UrkWittelsb
2,140
(a. 1305)
MWB 1 1510,30; Bearbeiterin: Baumgarte
eichamt
stN.
→
îchambet
MWB 1 1510,34;
eichapfel
stM.
auch ech- oder ek-.
‘Gallapfel’, eine runde Wucherung an der Unterseite von Eichenblättern:
swer swarcz varb machen welle, der nem aychephel vnd stozze die
wol ze puluer vnd alaun dar vnder vnd siude das BairFärb
12,1;
nym ekeppil, [...], iclikes eyn lot,
stoz ez, sut ez myd waszere vnde myt eszeke OvBaierl
131,5.
115,7;
echepfile Macer
10,3
MWB 1 1510,35; Bearbeiterin: Baumgarte
eichboum
stM.
‘Eiche’
da stund er in dem wald abe und leyt sich under ein eychbaum Lanc II
571,8;
helfe daz nicht, so mache im ein clister
[...] uon egboum, uon fioln, uon pappeln
SalArz
68,58
MWB 1 1510,43; Bearbeiterin: Baumgarte
1eichel
swF.
‘Eichel’, die Frucht der Eiche, oft in der Funktion des Schweinefutters (s.
z.B.
ackerach
und DRW 2,1297f.):
den schweynen gibt sy [die
Eiche] mit preyse / aicholen zu der speyse HvNstAp
16620;
were ouch, das der walt eicheln truͤge oder ander gewer genant eckern
UrkCorp (WMU)
1047,45;
mache ein stuppe [Pulver] uon
eicheln vnde tempir daz mit ezzege SalArz
62,6;
sie wurden pilgerîne / [...] / krût,
eicheln unde gras / in gote ir spîse lange was RvEBarl
4511;
RvEWchr
20018;
BdN
93,7
u.ö.
MWB 1 1510,48; Bearbeiterin: Baumgarte
2eichel
swF.
Dimin. (?) zu eich.
‘Eiche’
von der eicheln lostin si den herczog Dalimil
34,94. 103
MWB 1 1510,59; Bearbeiterin: Baumgarte
eichelëht
Adj.
‘wie die Borke einer Eiche, grindig’ (?):
so di miselsucht [Lepra] ist uon
dem fleumate so ist di hut wiz. vnde geblet. vnde eicheloch SalArz
77,14
MWB 1 1510,61; Bearbeiterin: Baumgarte
eichelîn
stN.
anatomisch als ein Äquivalent für lat. uvula
‘Gaumenzäpfchen’
daz aichelein oder daz weinperl ist ain klainez flaischel
hinten in dem mund und ist sinbel als ain aichel oder ain weinper. dar umb haizet ez
ze latein uvula, daz spricht weinper; aber die laien haizent ez daz plat und ist
kain ander dinch BdN
16,33
(vgl. blat 3)
MWB 1 1511,1; Bearbeiterin: Baumgarte
eichen
swV.
→
eichenen
, →
îchen
MWB 1 1511,8;
eichenboum
stM.
→
eichîn
Adj.
MWB 1 1511,9;
eichenen, eichen
swV.
‘jmdn. jmdm. überantworten’
nû wil ich haben ze zeichene, welihe
[Frau] got mir [für meinen
Herren] eichine Gen
969;
div [(die Kinder), welche] ich inen
[den Schwestern] geaichot han UrkCorp
2226,36;
damite wrde wir gote geechinot, / zo der Cristes scare gezeichenot
Glaub
9.
– mit Refl.-Pron.:
si wolte sich gote eichin Martina
110,37
MWB 1 1511,10; Bearbeiterin: Baumgarte
eichenholz
stN.
→
eichîn
Adj.
MWB 1 1511,18;
1eicher
stM.
eine Pflanze, vielleicht ‘Einkorn’ (Triticum monococcum), das obd./ alem. im
19. Jh. unter dieser Bez. belegt ist (vgl. Marzell 4,814; SchweizId 1,73;
2DWB
7,329):
das ist ainerlai kraut [eine
Pflanzenart] , das haisset eicher HvHürnh
46,3
MWB 1 1511,19; Bearbeiterin: Baumgarte
2eicher
stM.
Bed. unklar (Höhlung in einer Eiche?):
in ainen aicher erz [d.i. er ez, das eingefangene
Unglück] besloz / dez wart ze hoff sin selde grosz LS 155
31
MWB 1 1511,25; Bearbeiterin: Baumgarte
3eicher
stM.
→
eichorn
MWB 1 1511,29;
4eicher
stM.
→
îchære
MWB 1 1511,30;
eichermel
stN.
‘Eichhörnchen’
etelîch [der jungen Frauen auf den Wagen] heten
hundelîn / loufende in den gêren [zwischen den Stoffkeilen der
Kleidung] , / eichörnel [Hs. eichermel
] unde hermel fîn Virg
659,9
MWB 1 1511,31; Bearbeiterin: Baumgarte |