e – ëbenbürtecheit ëbendol – ëbenguot ëbenheilec (?) – ebenisch ëbenjunc – ëbenmenden ëbenmensche – ëbenstrenge ëbensuoʒe – ëbenwette ëbenwîch – êbrëchærinne êbrëchec – eckerich eckerlîn – edelkeit edelkint – effede effelîn – ege|sam eges|bærec – êhaftec, ehtec êhafteclîche – ehten ehter – eichermel eichgrabe – eidigen eierære – eigenerge eigengeborn – eigenschaft eigenschaftlich – einbærkeit einbærunge – einent einenthalp, einenthalben – einhalp, einhalben einhël – einlift einlifthalp – einöuge einöugec – einstirn einstrîtec – einvach einvalt – einworhte einwort, einwürte – eischtac eischunge – eiterbluome eiterbrâme – eitertrache eitervar – êkonvrouwe ekub – elfenbein elfenbeinîn – ellendeclich ellenden – elmëʒ
elne, elle – emb- ember – emʒlîche en – enbicobe enbieten – enbore enbœrec – ende endeblat – endeschaft endeslac – enein hëllen enein komen – engegenen engegengân – engelkeiserinne engelkôr – engelvürste engelwësen – englîmen englimmen – enhundert enîdrus – enklieben enklœʒen – enmitten enmittenzwei – enphrüenden enphüelen – ensîten enslîbe (?) – ent- ent|ænegen – enthalben enthalt – enthitzen enthiuten – entlegen entlêhenen – entliutern entlocken – en|toben (?) ent|ordenen – ent|rigeln ent|rîhen – entsagen entsagunge – entschîben entschicken – entsebelich entseben – entslîchen entsliefen – entspitzen entsprëchen – entsüenen entsunkenheit – entvëlhen entvëlhigen – entvliehen entvlieʒen – entwachen entwâfenen – en|twelmen en|tweln – entwësenen entwëten – envalten envar – ênzeclich enzeichenen – enzückunge enzündærinne – ephichwurz ephimera – erargen erarmen – erbarmen erbarmhërze – erbeclîche erbedienest – erbe|insigel 1erbeiten – erbelôsunge erbeman – erbeschilt erbeschrîn – erbeveste erbevîent – erbieten erbietunge – erblœʒen erblüejen – erbrogen erbrüeten – ërden-, ërtmëʒʒer ërden-, ërtvruht – erdiuten erdoln – êregîtec êregîtikeit – êrenhüetære êrenhüge – êrenvest êrenvrëch – ergëben ergëbenheit – ergetzen ergëtzen – erglitzen erglîʒen – ergrisgramen ergriulen – erharn erharten – erhogen erhœhen – eringrieʒ
erinnern – erkennelich erkennen – erklepfen erklîben – erkræjen erkrallen – erkuolen erkuolunge – erlegen erlêhenen – êrlich erlîden – ér|lôn erlônen – erlusten erlustigen – ermelzipf ermen – ernacken ernaʒʒen – ërnesthaftic ërnesthafticheit – erqueln erqueschen – errîhen erringen – erscheinunge erschellen – erschrîben erschricken – ersîhen ersiht – ersnellen ersnîden – erstandunge erstarken – erstieben erstîgen – ersuochære ersuochærinne – ërtbærec ërtber – ërtgerüste ërtgruft – ertougen ertouwen – ertücken ertumben – ervære ervâren – erviselunge erviuhten – ervreisen ervriesen – erwahsen erwæjen – erwëgen erwëgen – erwermen erwern – erwîtern erwîʒen – erzeigen erzeigunge – erziugen erziugunge – eschenbürnen ê|schillinc – esellîp eselmære – esser estel, estelîn – ëtevil ëtewâ – etzweide etzwise – êwelich ê|wëlten – ê|wise ê|worhte – ëʒʒesac ëʒʒic – eʒʒisch|türlîn
|
eierlîn
stN.
Dimin. zu ei:
diu airl gepernt si [die
Spinnen] zwischen den webnetzeln BdN
294,34
MWB 1 1513,47; Bearbeiter: Schnell
eiermarket
stM.
‘Eiermarkt’
auch sol under iedem toͤr ein kyeser
[Prüfer] sin, und [...] einer
an dem eyermarkte WüP
65,3
MWB 1 1513,49; Bearbeiter: Schnell
eiermuos
stN.
eine Eierspeise:
eyermuͤser, kachelmutzen [Topfgebäck] , / der endarf
man da niht tutzen [verschweigen]
KgvOdenw
2,109
MWB 1 1513,52; Bearbeiter: Schnell
eiern
swV.
‘Eier legen’
diu tier, die dâ airnt, als die vogel BdN
30,2.
196,12.
201,18
u.ö.
MWB 1 1513,55; Bearbeiter: Schnell
eierschal
stswF.
‘Eierschale, Kalkschale des Vogeleies’
nim die eigerschal dannan div ivngen hoͮnlv sint gehecchet
Ipocr
99;
daz häutel der airschaln BdN
481,4;
Pilgerf
2741.
– als Hohlmaß:
fulle sîn drîe aierschal Barth
153,32;
tuͦ darzuͦ ein eyer schaln vol wines BvgSp
39;
OvBaierl
139,9.
– med. vor allem als Kalklieferant:
nim puluer der gebrant si uon eier schalen vnde blas im in di
naselocher SalArz
41,31.
27,7;
Albrant
3,5
MWB 1 1513,57; Bearbeiter: Schnell
eiersetzen
swV.
subst. ‘Eierlegen’
diu henn arbait vast in dem airsetzen und singet doch nâch
der gepurt BdN
194,1
MWB 1 1514,3; Bearbeiter: Schnell
eiersmalz
stN.
eine Eierspeise (mit heilender Wirkung):
nim ein gluͤgende isen vnd búrne sie [Hämorrhoiden]
vffe den grunt. dar nôch heile sie mit oley, dz mit eiger smalz gemaht sy, dz ist
dir guͦt ElsArz
232
MWB 1 1514,6; Bearbeiter: Schnell
eierteic
stM.
‘Eierteig’
mache ein blat von eyern vnd zvͦ teile daz, fuͤlle dar vf die
materien [...] vnd machez naz von eyer teyge vnd legez in
siedenz smaltz vnd backez BvgSp
27.
11
MWB 1 1514,11; Bearbeiter: Schnell
eiertoter
stM.
‘Eidotter’
swer ein geswer habe uon dem blute. der
[...] sal eyertoter druber legen mit rosen ole
SalArz
76,18;
mengez aber mit eyger totern vnd tuͦ ein smaltz drin
BvgSp
66.
80
MWB 1 1514,15; Bearbeiter: Schnell
eiervël
stN.
auch eyerville.
‘Eierschale’
ih bin same der ubele uisch, / uor sunden durh grate / vnde
bin sam stete / sam ingegen des windis bru daz mele, / vnde insamen ingegen dem
ysene daz eier uel Litan
482;
tusent spang von isen sint im [dem Krodokil] recht
alsam ein eyer ville [La. velle
]
JTit
3886,4
MWB 1 1514,19; Bearbeiter: Schnell
eigelîche
Adv.
→
egelich
MWB 1 1514,26;
eigen
Adj.
1
‘jmdm. eigen, zugehörig’ (oft in Verbindung mit einem Poss.-Pron.) 1.1 bezogen auf Verfügungsgewalt über (Land-)Besitz 1.1.1
~ lant/ rîche
‘eigenes Reich’
1.1.2
viur/ rouch
‘eigener Haushalt’
1.2 bezogen auf Personen 1.2.1
‘leibeigen, hörig’ (im Ggs. zu vrî ) 1.2.1.1 im Minnesang 1.2.1.2 subst. 1.2.1.3 noch attr. oder bereits Kompos.? (vgl. eigenholt, eigenknëht,
eigenliute, eigenman, eigenschalc, eigenvrouwe,
eigenwîp ) 1.2.2 zur Betonung enger Verwandtschaft oder Zugehörigkeit 1.3 die Eigenart von jmdm./ etw. bezeichnend ‘eigen, charakteristisch’
1.3.1
wille
‘freie Entscheidung’
1.3.2 in der Verbindung eigenes dankes/ willen
‘freiwillig, von sich aus’
1.4
minne
‘Selbstliebe’ (vgl.
eigenminne
) 1.5 eine (ausschließliche) possessive Relation betonend und verstärkend 2 Einzelnes 2.1
viur
‘selbstentzündetes Feuer’
2.2 vom Aufgang der Sonne innerhalb der Sternkreiszeichen ( ‘kosmischer
Aufgang’ ) 2.3
vür ~
‘gewiss, verlässlich’
2.4 Adv. Komp. ‘eigentlicher, eher’
1
‘jmdm. eigen, zugehörig’ (oft in Verbindung mit einem Poss.-Pron.)
1.1
bezogen auf Verfügungsgewalt über (Land-)Besitz:
mînen êigenen uuîngárton ne / móht íh behûotan
Will
12,2.
73,2;
minen aigenn hof ze Mangaren UrkCorp (WMU)
3188,7.
N639,32.
– subst.:
er [Christus] chom zuͦ sinen eiginen [
in propria venit Io 1,11] . sin inphiengen in
nieht. die aue in enphiengen. den gehiez er daz si gotes chint wâren
JPhys
26,20;
Parad
22,6
1.1.1
~ lant/ rîche
‘eigenes Reich’
er floch uil scantliche / in sinem aigen riche
Rol
6325;
in tugentlîchen zühten si rûmte ir eigen lant
NibB
526,1;
mîn hant [...] / vil manegen
man betwungen hât, / daz er guot und eigen lant / muoste hân von mîner hant
RvEBarl
8629;
von sînem eigenlande RvEAlex
8624;
Parz
25,3;
Wig
658;
Loheng
3317
1.1.2
~
viur/ rouch
‘eigener Haushalt’
gerne wolde ich [...] bî eigenem fiur
erwarmen Walth
28,3;
daz sullen erhafte besezzene lute sin mit eigeneme rouche
StRFreiberg
177,26.
84,11
1.2
bezogen auf Personen
1.2.1
‘leibeigen, hörig’ (im Ggs. zu vrî):
er were fri oder eigen, / si cherten uf di heiden, / si
zeichinoten sich mit chrucen Rol
165;
alle die eigene liute, die zv der chirchen gehoͤrent UrkCorp
(WMU)
2050,8.
–
kunst manchen hat gefriet, / der eigen von
gebürte was Mügeln
209,12
1.2.1.1
im Minnesang:
ich muoz iemer ûf gedinge / sîn ir
[der Minnedame] eigen kneht SM:
HvStr
2: 5,5;
ich bin ir eigen dienestman SM:HvS
1: 4,4;
ich was frî, nu bin ich eigen KLD:
BvH
12: 4,5
1.2.1.2
subst.:
fur aigen wil ich dir dinen Rol
8941;
nu ist doch unser eigen Sîfrit
ir [Kriemhilds] man NibB
724,3;
[ich] wil ùch dann fúr eigen / das cleynot
laszen hie Krone
27864;
ein eigener mit sinen genozen UrkCorp (WMU)
879W,41
1.2.1.3
noch attr. oder bereits Kompos.? (vgl. eigenholt, eigenknëht,
eigenliute, eigenman, eigenschalc, eigenvrouwe,
eigenwîp):
ein wîp mac gewinnen êkint, vrîiu kint, eigen kint
unde kebskint. ist si eigen, man mac si vrî lâzen SSpAug
141,18;
Appolony, herre mein, / laß mich dein aigen
dieren sein HvNstAp
13869;
dem wîbe diente duo diu frowe /
[...] / sam si wære ir aigen diu
Kchr
1603;
NibB
838,4;
aygen hof UrkIndersd
70
(a. 1337)
1.2.2
zur Betonung enger Verwandtschaft oder Zugehörigkeit:
dîn eigine mâge huoben dich ane ir
gebâge [Zank]
Gen
2940;
dine eigen mage GenM
113,26;
sîner eigenen kinde / was er sô vlîzec niht sô
sîn [Tristan]
Tr
2186;
sie ist uwer eigen wip Lanc
137,6.
137,9.
–
~ bluot
‘Blutsverwandtschaft’
so jamerlich er got anrief. / ‘[...] sol
ich tœten min eigen bluot [Kind] !’
Kistener
938.
– subst.:
des engulte du da heime do dich hazzoten dine eigen GenM
113,25;
Gen
2939
1.3
die Eigenart von jmdm./ etw. bezeichnend ‘eigen, charakteristisch’
swer eigen tugent iemer sol gewinnen, / der sal sîn in
sîner jugende beginnen VAlex
353;
er vraget sein dar umb, daz er siu an ir aigen worten
vieng PrOberalt
170,18;
sîn selbes eigen natûre und wesen Eckh
5: 45,6.
5: 403,3;
werden, machen und gebern ist der materien eigen, / die
nimmer ewig mag gesin Mügeln
6,15;
BdN
16,31
1.3.1
~
wille
‘freie Entscheidung’
daz ich unbethwunlich von aigem guten willen
[...] han verchaufft minen hove UrkCorp
(WMU)
3556,6.
2814,42.
–
‘eigenes Wollen’ (vgl.
eigenwille
):
darzu du [Seele] auch
geeret pist / das du dein aigen willen hast, / das du tust und last /
nach deinem willen wie du wil HvBurg
4911;
daz wære aleine ein volkomener und ein wârer
wille, daz man ganz wære getreten in gotes willen und wære âne eigenen
willen Eckh
5: 227,7;
ich leben mines eignen willen
Mechth
2: 23,16.
2: 1,8
1.3.2
in der Verbindung eigenes dankes/ willen
‘freiwillig, von sich aus’
nicht ungerne, sundir sînis eigin dankis PrMd
(J)
342,13;
er [der heilige
Geist] chuͤmet auch eigens danches PrOberalt
110,38.
–
drû dinc sint, die gruntvestene sint eines
iegelichen geistlichen lebenes, [...] daz ander
ist verzîhunge [Verzicht] eigenes willen
StatDtOrd
29,10
1.4
~
minne
‘Selbstliebe’ (vgl.
eigenminne
):
manige lúte [...] vallent
[...] in eigene minne ir selbes
Tauler
77,3;
dis ist ein schedeliche gevengnisse, eigene minne ebd.
77,22
u.ö.
1.5
eine (ausschließliche) possessive Relation betonend und verstärkend:
do in [Abraham] unser herre
versucht und hies in sinen liben sun, sinen aigen sun opphern
PrOberalt
12,34;
dô brach er ûz sîn eigen hâr Parz
42,15.
475,21;
daz ir der herre Gâwein / was liep als ir eigen lîp
Wig
1347.
6417;
och warent etlich heidene, die opfirtent an disen tagen ir
eigen menslich bluot dem hellegote der da heizit Pluto MNat
17,33;
UrkCorp (WMU)
429,9.
–
unser herre mant uns daz wir unser eigen suͤnte
merchen PrOberalt
129,14;
daz hât ze däutsch kainen aigenn namen
BdN
141,20
2
Einzelnes
2.1
~
viur
‘selbstentzündetes Feuer’
ist aber daz daz selb guͦt verprennet wirt von asang oder von eigem fiwr
UrkCorp
2969A,26;
daz [...] kein vngelucke oder schade geschehe von
schure [...] oder von eigem vivͤre UrkCorp (WMU)
2664,45.
2.2
vom Aufgang der Sonne innerhalb der Sternkreiszeichen ( ‘kosmischer
Aufgang’):
mit ainer uͤbertreffenden sprache [
antonomastice
] haiz wir daz himelzaichen werltleich aufgen, in dem und mit dem
deu sunne dez morgens aufget. und der aufgank haizzet der aigen und der vorderst
und der tegleich aufgank KvMSph
34,2
2.3
vür ~
‘gewiss, verlässlich’
der genaden hort / hat nymer weder grunt noch ort, /
aber nyemant wais fur aigen / wem er die genad well erczaigen
Teichn
610,21
2.4
Adv. Komp. ‘eigentlicher, eher’
ie daz werg der sêle merre ist, ie iz minre gotis ist. dar umme gebirt di
sêle eigenre sunder bilden danne in bilden HvFritzlHl
26,9
MWB 1 1514,27; Bearbeiter: Runow
eigen
Prät.-Präs.
alem. auch heigen (oder gehören die konjunktivischen aspirierten Formen
zur alem. Nebenform habegen [=haben]? Vgl. DWB 4,2,814;
2
5Mhd. Gr. § M 113, Anm. 2; s.a. Frnhd. Gr. § L 57,3).
1
‘etw. (als eigen) haben’
1.1
‘besitzen’
1.2
kraft/ reht ~
‘in Kraft treten, Geltung haben’
2
‘haben’
2.1 in abgeschwächter Bed. 2.2 als Hilfsverb
1
‘etw. (als eigen) haben’
1.1
‘besitzen’
al daz wir eigin daz sî gemeine Gen
1615;
iz ist reht, daz der leie / eine chonen aige / unde er ir
rehte mite vare VRechte
408.
517;
es enmag nieman burger werden, nuwonde er heige zem minsten ein ahtot teil
an einim huse UrkCorp (WMU)
248A,23;
von swem man es heige alde rehte vnd redeliche gewinne ebd.
1453A,18.
–
‘innehaben’
die creature ihht ein substancien, die gemezzen ist
unde geendet [
creatura habet substantiam modificatam et finitam
]
ThvASu
260,20
1.2
kraft/ reht ~
‘in Kraft treten, Geltung haben’
daz nv dis craft haige UrkCorp (WMU)
134,7;
das si recht gegen dem selben Chuͦnrate Stephan heigin ebd.
1622,11.
–
gewalt ~
‘Verfügungsgewalt haben’
daz si den gewalt heigen, das selbe cil ce lengeronne zwei iar
UrkCorp (WMU)
506,18
2
‘haben’
2.1
in abgeschwächter Bed.:
daz diz geschehen ist ze Basele vnd wirz gerne stete heigen UrkCorp
(WMU)
744,43
2.2
als Hilfsverb:
bi dem aide, den wir gesworn haigen UrkCorp (WMU)
1601,44;
der den schaden heîge gitan ebd.
187,10;
swc Hartmann an die burger von Lv́cerren zesprechen heige ebd.
507,19
MWB 1 1516,14; Bearbeiter: Runow
eigen
stN.
1
‘Eigentum, Eigentumsrecht’ (vgl. 2 HRG 1,1265-1267) 1.1 allg. 1.1.1 in Abgrenzung zu anderen Formen der Verfügungsgewalt 1.1.2 geerbtes 1.2 häufig ‘eigener Land-/ Grundbesitz, Liegenschaften’ (im Ggs. zum Lehen) 1.2.1
‘zinspflichtiger Grundbesitz’
1.2.2 in Verbindung mit ledec/ vrî/ lûter etc. ‘von Abgaben freier
Landbesitz’
1.3 bezogen auf Abhängigkeit von Personen (nicht immer sicher zu trennen vom Adj.) 1.3.1 oft im Minnesang 1.3.2 übertr. 2
‘natürliche Beschaffenheit, Eigenart’
1
‘Eigentum, Eigentumsrecht’ (vgl. 2HRG 1,1265-1267)
1.1
allg.:
daz ist reht, swer ein dinc coͮfet, daz er ez fúr eigen
habe Lucid
72,5;
so sol daz vorgenanthe hus der stat eigen sin, vnde mac die stat do mitde
dun, swaz sie wil UrkCorp (WMU)
3438,39;
ettleich sach sind tödleich, vnd ettleich vmb erb vnd vmb aigen vnd
weltleich dinkch vnd chryeg Schachzb
43,4.
– übertr. (mit Übergang zu 2?):
der niht ensuochet [...] dan lûter got, dem
entdecket got und gibet im allez [...], daz ez im
als eigen wirt, als ez gotes eigen ist Eckh
1:187,6
1.1.1
in Abgrenzung zu anderen Formen der Verfügungsgewalt:
ich wil nû teilen, ê ich var, / mîn varnde guot und eigens vil
Walth
60,35;
allez sin gvͦt, ez sin geriht, vogtay, aigen oder lehen UrkCorp
(WMU)
1475,14.
1672,32;
daz er sî ungeweltic habe gemachet ir eigens oder
ander ir guotes SpdtL
121,5.
97,14;
Mühlh
131,12
1.1.2
geerbtes ~ :
daz aigen ist her chomen von vnsern vôrdern UrkCorp (WMU)
N277,6;
des guͦtes, daz eigen vnd erbe ist ebd.
465A,12;
an egini edir an erbi Mühlh
132,25;
daz ih meinem œhaim [...] han gegeben mein
anerstorben gvͦet vnd aigen UrkCorp (WMU)
N824,7
1.2
häufig ‘eigener Land-/ Grundbesitz, Liegenschaften’ (im Ggs. zum
Lehen):
Parmenîe daz ist dîn / und muoz dîn eigen iemer sîn
Tr
4458;
wil ich sînes willen phlegen / mit gâbe, mit lêhen, mit
eigen Wh
184,13;
min eygen daz Schrotsdorf mit allem dem, daz dor zve gehoret
UrkCorp (WMU)
406,27;
Rol
329;
Parz
523,26
1.2.1
‘zinspflichtiger Grundbesitz’
daz ieglich man gît abe sîneme eigen / daz finfte
teil sîner chorne zi des chuniges urbore Gen
2634.
2614;
Ilmarsdorf von des schenken æigen ain hof der giltet
zwælf mvtte waitzen, [...], ahte hvnre, hvndert
æier UrbBayÄ
1439,a
1.2.2
in Verbindung mit ledec/ vrî/ lûter etc. ‘von Abgaben freier
Landbesitz’
ein huͦbe [...] ze choͮfenne ze Ebringen fuͥr
lidig eigen UrkCorp (WMU)
106,37;
daz si den selben hof ewichlichen schvln haben in aines lautern
aigenes weise ebd.
1041,23;
der sînen willen und sich selber læzet, der hât alliu
dinc gelâzen als wærlîche, als sie sîn vrî eigen wæren und sie besezzen hæte
in ganzem gewalte Eckh
5: 195,5.
5: 295,4.
– übertr. ‘frei verfügbares Eigentum’
herzen trût, ir wüestet an mir iuwer frîgez eigen
KLD:GvN
7: 2,3
1.3
bezogen auf Abhängigkeit von Personen (nicht immer sicher zu trennen vom
Adj.):
dc Bvͦrchart von Liebenstain hat ein kneth, der waz sin aigen
UrkCorp (WMU)
2737,3;
swelch engel den menschen vz dem gewalte gecoufet hete,
dez eigen solte er uon rehte sin Lucid
72,8;
daz si [die Christen] billich
wesen solten / sin [Gottes] eigen und sin erbechint
StrKD
112,57;
Wig
967
1.3.1
oft im Minnesang:
in den dingen ich ir dienstman / und ir eigen was
MF:Mor
9: 2,2;
ich hân ir niht ze gebenne wan mîn selbes lîp; / derst
ir eigen MF:Reinm
32: 2,2;
ich gap ir mich gar für eigen KLD:BvH
5: 4,2.
KLD:UvL
10: 6,7
1.3.2
übertr.:
er muß des todes aigen wesen HvNstAp
11223;
wart ieman spotes eigen Krone
2657
2
‘natürliche Beschaffenheit, Eigenart’
sô ensmecket ez [
wîn und spîse
] niht nâch sînem eigene Eckh
1:187,13;
tier als ein künn, der name sal / gemeinlich predigen von in al / nach eigen
und nach underscheit MügelnKranz
245.
– in der Verbindung von/ in ~ e
‘aus Eigenem’
daz dinc lebet, daz bewegunge nimet von sînem eigene Eckh
2:384,2;
allez, daz dû nimest, daz nimest dû in dînem eigene ebd.
2:383,9
MWB 1 1516,42; Bearbeiter: Runow
eigenære
stM.
‘Eigentümer’
wir sein [...] des vorgenanten gotshaus vnd des
brobst scherm vnd gewern fvͤr allev ansprach als aigner reht ist in dem land ze
Oesterreich vnd ob der Ense UrkEnns
5,336
(a. 1323)
MWB 1 1517,49; Bearbeiter: Runow
eigendienest
stM.
‘Dienst eines Leibeigenen, Leibeigenschaft’
taͤt [der aus der Leibeigenschaft Entlassene] dann
vnredleich wider den herren [...], so solt vnd moͤcht der
herr den menschen wider aischen ze seinem aigen dienst, vnd waͤr wider aigen
RechtssA
E 97,13
MWB 1 1517,54; Bearbeiter: Runow
eigendierne
stF.
→
eigen
Adj. 1.2.1.3
MWB 1 1517,60;
eigendiu
stF.
→
eigen
Adj. 1.2.1.3
MWB 1 1517,61;
eigenen
swV.
1
‘etw. übereignen, als eigen übergeben’
1.1 von Sachen 1.2 von Personen 2
‘etw. als eigen erhalten’
3 refl. mit Gen. und präp. Erg. ‘sich etw. (widerrechtlich) aneignen’
4
‘etw. zuschreiben, zuordnen’ , mit Dat.
1
‘etw. übereignen, als eigen übergeben’
1.1
von Sachen:
daz die lehen geeygenet werdent deme stifte zu Meinze UrkCorp (WMU)
1919A,26;
dc der [...] Teggenhvsen die
[...] schvͦppvͤssan [Maßeinheit für
Landbesitz] , dîe ich von im ze lehen het, aigent
[...] in der vor genenten swesteron hant ebd.
1825,3.
222A,10.
–
daz untoͤdemklich kleit dez kúnftigen iemer werenden
liehtes ieme wirt geeigent in einer verdrossenheit aller zitlichkeit
Seuse
390,23
1.2
von Personen:
und swen sînr muoter brüstelîn / entwennet wirt daz kindelîn, / du soltz
nâch mînem gebotte / eigenen gotte WvRh
420;
mir sint nút widerzem die bleichen leftzen dines mundes
noch widerstendig die bluͦtigen arme dins libes, me si
[...] eignent mich dir
[Christus] gentzlich Seuse
550,25;
von gotes mild geeigent sin / die geiste gar dem himel und
den speren Mügeln
29,11;
mit Refl.-Pron.:
lege abe allez, daz dîn ist, und eigene dich gote, sô wirt got dîn eigen,
als er sîn selbes eigen ist Eckh
2:108,1.
1:239,8.
– bildl. jmdn. dem tôde
~
‘jmdn. töten’
umb sînen oeheim was er zornes ungerünic, / den im der Lutringaer dem
tôde het geigent Loheng
5263;
sîne künige über halp dem tôde wurden geeigent ebd.
5707
2
‘etw. als eigen erhalten’
sie haben daz gerihte geigent von der herschaft ze Burgowe UrkCorp
(WMU)
2188,28
3
refl. mit Gen. und präp. Erg. ‘sich etw. (widerrechtlich) aneignen’
noh [
sulen die vorgenante Moͤtnitzer
] sich des an dehain dingen aigenen [...],
swaz des gerihtes ist, das an den toͤd get UrkCorp (WMU)
3040,16
4
‘etw. zuschreiben, zuordnen’, mit Dat.:
was man aber in gelẅkch tüet, das mag man smaykchunder geleichsenhait aygen
Schachzb
83,99
MWB 1 1517,62; Bearbeiter: Runow
eigenerge
stF.
‘eigene, aus sich selbst heraus entstandene Bosheit’
Lucifer nam den argen mut / daz her got dachte vorkeren /
[...] / und wart von eigen erge ark
HeslApk
11579
MWB 1 1518,33; Bearbeiter: Runow
eigengeborn
Part.-Adj.
‘in unfreiem Stand (in der Hörigkeit) geboren’
ab einer ein eygengeborn dinst [
servili natus conditione, vgl. von dinststande
ebd.] were StRAltenb
357
MWB 1 1518,37; Bearbeiter: Runow
eigengewer, eigensgewer
stF.
‘eigener Besitz’
die vorgnand gulte haben wir in geben mit allem dem nuczz vnd mit dem reht,
als ez her Ott Zdendel in nucz vnd in aygen gewer her braht hat UrkEnns
6,154
(a. 1335);
daz ez [das Erbe] ir vater unde ir
muter haben braht in rehter eigensgewer [...] ane rehte
widersprache StRAugsb
139,32.
– in Abgrenzung zu anderen Formen des Gewahrsams:
swer stille gewer bringen wil an einem guͦt, der sol nennen welich gwer er
bringe, eigensgwer oder lehensgwer oder satzunggwer MGHConst
3:271,11
(a. 1281)
MWB 1 1518,41; Bearbeiter: Runow
eigenguot
stN.
‘Eigengut, in Eigentum befindliches Gut’ (im Ggs. zum Lehengut):
diu recht, diu vnser [...] muter selig
[...] gegeben hat dem saltzsieden datz Halstat, daz si
[...] gepawet vnd gestift hat mit irm aigengut
UrkEnns
5,128
(a. 1314);
[der Geizige] kan niht dwingen sînen muot, / ern sterbe
bî sîm eigenguot / des hungers und des vrostes ouch WälGa
8090;
UrkCorp (WMU)
219,14
u.ö.
MWB 1 1518,53; Bearbeiter: Runow
eigenhaft
Adj.
einen (Grund-)Besitz als eigen kennzeichnend (nur
bair.-österr.):
er kan vnd mag [...] schaffen vnd thuen mit leuth vnd
mit guett, wie er will in allem dem recht, sambt mit anderm seinen aigenhafften
erbguett UrkEnns
5,329
(a. 1322);
daz wir dem erbern herren maister Fridreichen [...]
gechauft haben einen weingarten vmb sein aygenhaftes guet UrkKlostern
1,211
(a. 1324 kopial);
ich [...] han verchauft meins aygenhaftes gutes
StiftStBernh
272.
– von Personen:
du [böser Sohn] seist verfluecht
und verswachet! / waz von dir chomen chan, / daz sey disen undertan / ewichleich
fuͤr aygenhaft Teichn
296,53
MWB 1 1518,61; Bearbeiter: Runow
eigenheit
stF.
‘Eigenschaft, Eigenart’
die klain werlt ist der mensch, daruͤmb, daz er aller ding
aigenhait an im hat, die in der grozzen werlt sein KvMSph
20,19;
unser menschlich lîdnus / daz von natûre uns anevelt / was
ouch Christo zûgeselt / nâch der natûre eigenheit JvFrst
3275;
die gotes aigenhait, / daz er nur daz pesser tuͦt
Teichn
464,1868;
Minneb
617;
HvFritzlHl
171,34;
BdN
28,28
u.ö.
–
‘Eigensinn’
er [der Mensch] blibet
[...] uf sinen uswendigen angenomenen sinlichen wisen
mit eigenheit Tauler
184,21;
entwerdende aller eigenheit unde sinsheit ebd.
314,3.
314,8
MWB 1 1519,10; Bearbeiter: Runow |