eitervar
Adj.
‘wie eiter beschaffen, aussehend’
daz blod yst etteruar vnde enen mensch is vmme daz gemechte
we OvBaierl
128,5;
daz hermelin [...], / daz den slangen eitervar
[giftig] / ze tode an siner crefte beiz KvWGS
162.
–
der eiter varwe turggis [Türkis]
Martina
50,81
MWB 1 1571,42; Bearbeiter: Diehl
eiterwolf
stM.
‘Giftwolf’ (bildl. für Hinterhältigkeit):
gunêrter lîp, verfluochet man! / ir truogt den eiterwolves
zan, / dâ diu galle in der triuwe / an iu bekleip sô niuwe Parz
255,14
MWB 1 1571,48; Bearbeiter: Diehl
eiterwurm
stM.
‘Giftschlange’
citwar [Curcuma, ein Gewürz]
[...] ist goͮt wr di hechune
[Biss] der aiterwrmei PrüllK
32;
zehant so wart enprennet / aloe [...], / und darzuͦ
ander wurtz, die waren tiure, / daz gab fur eiter wurme und fur alle gift vil groze
stuͤre JTit
6111,4
MWB 1 1571,52; Bearbeiter: Diehl
eiterwurz
stF.
‘Giftwurz’ (Bez. für den giftigen Eisenhut, Aconitum napellus, vgl. Marzell
1,98ff.):
aconium: eiterwrz SummHeinr
2:179,01.57
MWB 1 1571,58; Bearbeiter: Diehl
eitgenôʒ
stswM.
auch -genôʒʒe.
‘Eidgenosse, durch Eid (an jmdn./etw.) Gebundener’ (vgl.
eitgeselle
):
der schvltheize vnd die burger von Berne vnd alle vnser eitgnoze von
Bivrgendon UrkCorp (WMU)
18,32
u.ö.;
do seint di gesworn der stat ze Prage [...] vnd ander
aidgenossen des ze rat geworden mit sampt den eltesten purgern StRPrag
17;
Friderîch von Valkenstain, / der was sîner aitgenôze ain
Kchr
17058.
5439;
diere tode erschlagne held / hette ainen fürsten usserweltt /
der sin aidgenosse was GTroj
18729;
ich meine got, iuwern eitgenoz, / den nicht verdroz / des jamers doz
JMeissn
A1:16,14;
wie er waz geton / - des tifels eit genosse WolfdD
894,4.
– abgeschwächt ‘Begleiter, Freund, Kumpel’
er muoze e werden vertriben / in die helle vnd gestozin / zvo sinen eit
genozin / den div helle ist gegebin Martina
208,56;
zwelf risen grosse erhertent sÿ do gar. / des waldes eit genossen
[Waldbewohner] koment geslichen dar WolfdD
394,4.
– übertr.:
der tugend ain stetter aidgenoss GTroj
5380;
ich bin ain eidgenoss / truriger sachen iemer me ebd.
24560.
– im Rechtsverfahren:
slehit ein burger einen lantman in der stat ze tode oder wundet vnd mag ers
erzvͥgen mit zwein sinen eitgenôzsen [Zeugen,
Eideshelfern] die ez horten vnd sahen UrkCorp
1671,27;
ob er das vrteil nicht vinden kunde mit seinem aytgenozen
[Schöffen] , dy bey ym sizent StRPrag
116
MWB 1 1571,61; Bearbeiter: Diehl
eitgenoʒe
stF.
‘eidliche Verbindung, Schwurgemeinschaft’
daz wir uns [...] niemer me zu nieman verbinden
sullen, noch mit nieman enkein burgrecht noch eitgenossi nemen sullen UrkBern
7,403
(a. 1349)
MWB 1 1572,26; Bearbeiter: Diehl
eitgeselle
swM.
‘Eidgenosse, durch Eid (an jmdn./ etw.) Gebundener’ (vgl.
eitgenôʒ
):
sînem wecgeverten unde sînem eidgesellen [...] dem
sol der man helfen wider menneclîchen SchwSp (W)
132,10;
sie [...] nigen der künegîn, / ûf saste sie ir
ieglîchem ein rôsen krenzelîn: / ein helsen und ein küssen gab sie dô ie dem man. /
dô wurden eitgesellen die stolzen recken wol getân RosengC
1453.
– abgeschwächt ‘Begleiter, Freund, Kumpel’
also sind die aid gesellen / die den guten schaden wellen
Teichn
579,59;
neit ist des teufels aitgesell Suchenw
40,100;
GTroj
22030
MWB 1 1572,31; Bearbeiter: Diehl
eitgeselleschaft
stF.
‘Schwurgemeinschaft, geschworene Freundschaft’
sy schwuren aid gesellschafft, / das sy mit leib und mit
krafft / pey ainander wolten wesen, / payde sterben und genesen
HvNstAp
3417
MWB 1 1572,43; Bearbeiter: Diehl
eitgespil
stF.
‘durch Schwur verbundene Frau’
‘ich sprich es wol mit worten schlecht / daz sölichen schild
knechtt / kain nöttig ritter nie gewan / als ich an miner frowen han. / dü vil trutt
gespille min / [...].’ / [...] /
der hochen erren aydgespill / ward daz beste da bekantt GTroj
21122;
sa we dir, argiz luͦge vaz! / duͦ reizil clobe unde eitgespil / eitirlichir
gifte Marner (W)
ML 1:4,4
( RSM¹Marn/7/101)
MWB 1 1572,47; Bearbeiter: Diehl
eithaft
Adj.
‘durch Eid verpflichtet’
der bâbes begunde im daz wîzen / unt alle haithaften [La.
eithafte
] hêrren Kchr
16878;
he werde myme jungherren eithaft DRW
2,1312
(Varrentrapp,Marken; 14. Jh.).
–
‘festgelegt’
swenne der man zo dem eithaftin tage [
determinatum diem
] zo lenrechte kumit, der ime bescheidin is in den hof dar inne der
herre tegedingit RbGörlitz
79
MWB 1 1572,55; Bearbeiter: Diehl
eitlôs
Adj.
‘nicht durch Eid bestimmt’ (?):
man soll alle jor die vorgenanten rechten einst erkennen (an dem) eidlosen
zinstag WeistGr
5,374
(a. 1344)
MWB 1 1572,63; Bearbeiter: Diehl
eitoven
stM.
‘Schmelzofen’
daz got prüevet und versuochet, wer gereht sî, als man ein
golt prüevet und versuochet und brennet in einem eitoven Eckh
5: 48,10;
Vateruns
186;
BrEng
1;
dar zuͦ sahin si da och / das sere bibinde unde roch / als
ein eit oufen der berch RvEWchr
11566.
4886;
da varent die tifele uz alse die ganeister
[Funken] uon dem eitouene Lucid
9,7;
DvAStaff
552;
kúng Nabochodonosor / die knaben do von Israhel [...]
/ in ainen aitofen werffen hiess, / dar gluͤgte starke fúres diess KvHelmsd
2427;
in dem heissen eitoven dez grimmen vegfúres
Seuse
258,5
MWB 1 1573,1; Bearbeiter: Diehl
eitphenninc
stM.
‘Gerichtsgebühr im Zusammenhang mit einer Eidesleistung’
si sullen ouch umme allerhande slechte clage keine eidepfenninge gebin
UrkSchlesSt
278
(14. Jh. kopial)
MWB 1 1573,13; Bearbeiter: Diehl
eitschillinc
stM.
‘Gerichtsgebühr im Zusammenhang mit einer Eidesleistung’
mit dem richtegelde, eytschillingen und achteschillingen DRW
2,1316
(MünchenRArch.; a. 1341)
MWB 1 1573,17; Bearbeiter: Diehl
eitsuone
stF.
‘Sühnehandlung zur Wiederherstellung eines Eides’
pro concordia juramenti, quod eytsune vulgariter dicitur UrkSchlesSt
565
(a. 1348)
MWB 1 1573,21; Bearbeiter: Diehl
eiʒ
stM.
‘Geschwür, Eiterbeule’
daz sehste waren eize / di chestegoten si mit flize / si
swaren von beine / si wrden unreine VMos
39,15;
swa der aiz ist an der hæut, der ziuht daz aitter auz dem
leib, daz der leip heilet PrOberalt
118,21;
ainen siechen menschen [...], der was voler ayss vnd
geswer Schachzb
67,227;
RvEBarl
3371;
KvWWelt
223;
swelich ros ain ays hat, den durch prinn chreutzling
Albrant
1,10.
–
nû hât der sundin eiz / bevlochtin mîner sêle gadim, / daz des sûzin geistis
âdim / von mir lenkit sîne kumft NvJer
54
MWB 1 1573,24; Bearbeiter: Diehl
eiʒel
stN.
Dimin. zu eiʒ, ‘kleines Geschwür’
swie lützel ein mensche verwundet wirt, / swie kleine an im ein eizel swirt, /
doch blâsent die drüse dem smerzen zuo Renner
14334;
ein eizel eins nagels breit ebd.
11686
MWB 1 1573,35; Bearbeiter: Diehl
eizuht
stF.
auch aduht, aytzucht, eituch; zu weiteren Formen und Herkunft vgl.
2DWB 1,1323f., DRW 1,418f.
‘Wasserleitung, (überdeckter) Ab- oder Zuflussgraben, (unterirdischer) Abzugskanal
in der Straße’
de aizucht in foro UrkSchles
3,152
(a. 1290);
per aquaeductum, qui dicitur aeduche UrkFrankf
1,427
(a. 1304);
den mac sin nakebure zu dinge brengen [...] daz in
sin aizucht trenkit oder sin rinne StRFreiberg
31,29;
nymant sal haben ayzcuchte, die da vegen heymelikeyt an die straze odir in daz
wazzer der Breytsultze StRMühlh
131;
meatum aque, qui vulgariter eituch dicitur UrkBöhm
3,646
(a. 1330);
der stunt an der aytzucht des obirsten tyches an deme wege
des blechveldis Cranc
Jes 36,2.
Jes 7,3.
– bergm. ‘Erbstollen (Wasserabzugsstollen)’
quandam fodinam in monte Cezzen que dicitur Munichaituht, quibusdam ciuibus
Frisacensibus tradidit laborandam UrkSteierm
2,94
(a. 1202)
MWB 1 1573,40; Bearbeiter: Diehl
êkamere
F.
‘Hochzeitsgemach’
min chunig leite mich in sine êchamere. nu menden und wesen frô
mit ime JPhys
2,47
MWB 1 1573,59; Bearbeiter: Diehl
êkarl
stM.
‘Ehemann’
diu [Maria Magdalena] was nach der werlt ain edil
wip [...], da liez aver si den ir echarl unde wart ain
offeniu sundærinne Konr (Sch)
198,27
MWB 1 1573,62; Bearbeiter: Diehl
ekates
Subst.
‘Achat’ (vgl. Engelen, Edelsteine, S. 276f., 322 und
achates
):
von ekates man schribet, vil werdicheit si er an kreften mugende. / da zuͦ kan
er di vergifte melden JTit
568,2
MWB 1 1574,1; Bearbeiter: Diehl
êkint
stN.
‘eheliches Kind’
ein wîp mac gewinnen êkint, vrîiu kint, eigen kint unde
kebskint SSpAug
141,17;
gewinnet der man einen sun unêlîche, dâ mac der bâbest wol ein
êkint ûz machen und auch der keiser, ietweder nâch sînem rehte SpdtL
119,23.
117,8;
wâ sint nû die daz habent gesehen, / daz gemehelschaft sî
geschehen / und Jêsus ein êchint sî? KvHeimUrst
649;
den sô wol ist geschehen / daz si rehtiu êkint / von vater und von muoter sint
StrAmis
525;
HvNstGZ
5033
MWB 1 1574,5; Bearbeiter: Diehl
ekken
swV.
→
egen
MWB 1 1574,15;
êkone
swF.
‘Ehefrau’
vnd sol der selb svn [...] hern Vͦlreichs tohter
[...] nemen ze einer rehten êchonen UrkCorp
(WMU)
1274A,24;
diz ist die echone din / die nim in dine gewalt
Roth
4691;
iz was einem iegilichen urloͮblich, der sin échonne hete, bi ir ze ligen
PrHoff
110,20;
iedoch trug er [David] uͤbel
wucher, do er eines mannes êchonen beslief PrOberalt
140,23;
wand si dú reht echone was RvEWchr
7011
MWB 1 1574,16; Bearbeiter: Diehl
êkonvrouwe
swF.
‘Ehefrau’
der graui Siboti gab [...] sinr ekonvronu Hiltigarti
[...] die burc zu Herrantistaine UrkFalk
142
(nach 1185)
MWB 1 1574,25; Bearbeiter: Diehl |