Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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e – ëbenbürtecheit
ëbendol – ëbenguot
ëbenheilec (?) – ebenisch
ëbenjunc – ëbenmenden
ëbenmensche – ëbenstrenge
ëbensuoʒe – ëbenwette
ëbenwîch – êbrëchærinne
êbrëchec – eckerich
eckerlîn – edelkeit
edelkint – effede
effelîn – ege|sam
eges|bærec – êhaftec, ehtec
êhafteclîche – ehten
ehter – eichermel
eichgrabe – eidigen
eierære – eigenerge
eigengeborn – eigenschaft
eigenschaftlich – einbærkeit
einbærunge – einent
einenthalp, einenthalben – einhalp, einhalben
einhël – einlift
einlifthalp – einöuge
einöugec – einstirn
einstrîtec – einvach
einvalt – einworhte
einwort, einwürte – eischtac
eischunge – eiterbluome
eiterbrâme – eitertrache
eitervar – êkonvrouwe
ekub – elfenbein
elfenbeinîn – ellendeclich
ellenden – elmëʒ
elne, elle – emb-
ember – emʒlîche
en – enbicobe
enbieten – enbore
enbœrec – ende
      enbœrec Adj.
      enbœren swV.
      enboren Präp.
      enbraʒieren swV.
      enbrëchen stV.
      enbrëhen swV.
      enbrennen swV.
      enbrësten stV.
      enbringen V.
      enbrinnen stV.
      enbû (?) Adv.
      enbüegen swV.
      enbünec Adj.
      enbunnen Prät.-Präs.
      enbünstec Adj.
      enbürn swV.
      enburnen swV.
      enbûʒen Adv., Präp.
      enbûzen ane Adv.
      enc-
      en|ch-
      ênd Adv., Konj.
      endanc Adv.
      endære stM.
      ende stN.
endeblat – endeschaft
endeslac – enein hëllen
enein komen – engegenen
engegengân – engelkeiserinne
engelkôr – engelvürste
engelwësen – englîmen
englimmen – enhundert
enîdrus – enklieben
enklœʒen – enmitten
enmittenzwei – enphrüenden
enphüelen – ensîten
enslîbe (?) – ent-
ent|ænegen – enthalben
enthalt – enthitzen
enthiuten – entlegen
entlêhenen – entliutern
entlocken – en|toben (?)
ent|ordenen – ent|rigeln
ent|rîhen – entsagen
entsagunge – entschîben
entschicken – entsebelich
entseben – entslîchen
entsliefen – entspitzen
entsprëchen – entsüenen
entsunkenheit – entvëlhen
entvëlhigen – entvliehen
entvlieʒen – entwachen
entwâfenen – en|twelmen
en|tweln – entwësenen
entwëten – envalten
envar – ênzeclich
enzeichenen – enzückunge
enzündærinne – ephichwurz
ephimera – erargen
erarmen – erbarmen
erbarmhërze – erbeclîche
erbedienest – erbe|insigel
1erbeiten – erbelôsunge
erbeman – erbeschilt
erbeschrîn – erbeveste
erbevîent – erbieten
erbietunge – erblœʒen
erblüejen – erbrogen
erbrüeten – ërden-, ërtmëʒʒer
ërden-, ërtvruht – erdiuten
erdoln – êregîtec
êregîtikeit – êrenhüetære
êrenhüge – êrenvest
êrenvrëch – ergëben
ergëbenheit – ergetzen
ergëtzen – erglitzen
erglîʒen – ergrisgramen
ergriulen – erharn
erharten – erhogen
erhœhen – eringrieʒ
erinnern – erkennelich
erkennen – erklepfen
erklîben – erkræjen
erkrallen – erkuolen
erkuolunge – erlegen
erlêhenen – êrlich
erlîden – ér|lôn
erlônen – erlusten
erlustigen – ermelzipf
ermen – ernacken
ernaʒʒen – ërnesthaftic
ërnesthafticheit – erqueln
erqueschen – errîhen
erringen – erscheinunge
erschellen – erschrîben
erschricken – ersîhen
ersiht – ersnellen
ersnîden – erstandunge
erstarken – erstieben
erstîgen – ersuochære
ersuochærinne – ërtbærec
ërtber – ërtgerüste
ërtgruft – ertougen
ertouwen – ertücken
ertumben – ervære
ervâren – erviselunge
erviuhten – ervreisen
ervriesen – erwahsen
erwæjen – erwëgen
erwëgen – erwermen
erwern – erwîtern
erwîʒen – erzeigen
erzeigunge – erziugen
erziugunge – eschenbürnen
ê|schillinc – esellîp
eselmære – esser
estel, estelîn – ëtevil
ëtewâ – etzweide
etzwise – êwelich
ê|wëlten – ê|wise
ê|worhte – ëʒʒesac
ëʒʒic – eʒʒisch|türlîn

   enbœrec - ende    


enbœrec Adj. ‘aufrührerisch’ swem so der pris enpfalle, daz er fluchticlichen werde enboͤric, / swer dem git den tot, dem wirt zesolde / der got und ouch der wibe lon JTit 3123,2

MWB 1 1604,41; Bearbeiter: Runow

enbœren swV. 1 ‘etw. in die Höhe heben; etw./sich erheben’
1.1 konkret
1.2 übertr.
1.2.1 ‘das Herz/ die Seele zu Gott erheben, auf ihn ausrichten’
1.2.2 ‘(jmdm. das Gemüt, die Stimmung) erregen; erfreuen’
1.2.3 ‘etw. anheben, beginnen’
2 intr., Bed. unklar
3 mit Refl.-Pron. ‘sich auflehnen, zur Wehr setzen’
   1 ‘etw. in die Höhe heben; etw./sich erheben’    1.1 konkret: nu begunde hohe enboͤren / der ander sine stange Rennew 30652; der slegel aber enbort / wart WhvÖst 12068; [ich will] den mînen lîp mit manegem sprunge enbœren Neidh SL 20:4,2; Loheng 5433. – refl. ‘sich erheben, aufstehen’ des morgens gein der heiden maht / sich daz her begunde enbœren Wh 316,15; do er da lac, / [...], / da er die stimme erhorte; / uf er san enborte / sich sanfte und auch vil lyse Rennew 5180; WhvÖst 14476    1.2 übertr.    1.2.1 ‘das Herz/ die Seele zu Gott erheben, auf ihn ausrichten’ zetugent si [die Braut auf der Hochzeit zu Kanaan] emport / dem der si nemmen hoͤret, / lip und die sel beide SHort 5687; als sich dc wolchen enboͤret von der êrde, als wil sie der hailige gaist och enboͤren von allen weltelichen dingen PrSchw 1,33; daz sich di sele inbore [...], daz si di irluchtunge der engle muge inphahin Parad 46,19    1.2.2 ‘(jmdm. das Gemüt, die Stimmung) erregen; erfreuen’ mir ist [...] daz herze mîn ze vreuden hôch enboeret Loheng 4703; des wart Sigune an vreuden hoch enpoͤret JTit 4953,3. 1506,2; hubscher muot und wâfen / zeinander niht gehôrt. / hubscher muot enpôrt / den herren solhen gedanc, / dâvon ir trûren wirt kranc Ottok 730. – refl. ‘sich freuen, leicht werden’ des sich enpôrte / mîn muot und mîn herze, / daz der pîn und der smerze / solde sîn zergangen Ottok 44174; dô ich daz beide gesach und gehôrte, / daz man si hâte sô verre verguot, / von deme lobe ich mich tumplîch enbôrte, / daz ir diu werlt alsô güetlîchen tuot KLD:HvSw 14,3; nie hertze sich enporte / so hoh SHort 922    1.2.3 ‘etw. anheben, beginnen’ von in wart vil rîcher sprüche enboeret Loheng 6886; dô si die red enpôren / begunden der gemein Ottok 65958. 17419. – refl. ‘entstehen, aufkommen’ vil vreuden sich enporte an Elizabel der suͤzen JTit 142,1; grôzer schal sich enpôrte Ottok 16071. 12309    2 intr., Bed. unklar: nu was des waldes ouwe / begriffen mit unmuoze, / wan manic vogel suoze / sîn stimme lie dâ hœren, / wan der meige enbœren / von abrellen wolte [sich über den April erheben, ihn ablösen (?)] Reinfr 27516    3 mit Refl.-Pron. ‘sich auflehnen, zur Wehr setzen’ etlich der kleinen dienstman, / die sich [...] / niht getorsten [...] offenlich enpœren Ottok 55807. – mit präp. Erg.: gen eẃern vinden soͤlt ir úch entpoͤrn / und die uß dem lannd stoͤren FrSchw 3759; lose mih uon den uianden minen [...] unde uon den anboriden an mich lose mich [ ab insurgentibus in me libera me ] PsTr 58,1

MWB 1 1604,45; Bearbeiter: Runow

enboren Präp. ‘über’ (mit Dat.): Chamille div werde [wurde bestattet] : / vil hohe enboren der erde / bei ir templo an ein stat, / da si sich selbe legen bat En (Fm) 9394

MWB 1 1605,33; Bearbeiter: Runow

enbraʒieren swV. ‘jmdn. umarmen’ (aus afrz. enbracier): si begunden in ze wunder / mit armen enbrazieren, / höfschlîche salûieren [begrüßen] Tr 4329

MWB 1 1605,37; Bearbeiter: Runow

enbrëchen stV. 1 tr. ‘etw. aufbrechen’
2 intr.
2.1 ‘hervorbrechen, zutage treten’
2.2 ‘freikommen, sich losreißen von etw.’
2.3 ‘mangeln, fehlen’ , mit Dat.d.P.
2.4 als Übers. zu lat. deficere ‘schwinden’
2.5 rechtsspr. ‘sich entlasten, der Anklage/ Verantwortung entziehen’ (s.a. enbrësten 3 )
3 refl. ‘sich losreißen; weggehen, entkommen’
3.1 mit präp. Erg.
3.2 mit Gen. ‘von jmdm. loskommen’
   1 tr. ‘etw. aufbrechen’ die erde man da wit enbrach / mit schufeln, howen und mit spaten, / daz si doch nindert in zu staten / vunden eines wazzers tran Pass III 663,36. – ‘etw. losbrechen, entspringen lassen’ barmherzicheit cluge sinne / genade vnd suze minne / da mite vlizzen diese bach [des Paradieses] / die vnz die minne selbe enprach / vz dem lebenden brunnen Pass I/II 113,38. – ‘jmdm. den Weg bahnen’ in sulcher forme quam darna [nach dem Sündenfall] / die milde barmherzekeit, / als ich da vor habe geseit, / da ir die minne ir ganc enprach Pass III 4,13    2 intr.    2.1 ‘hervorbrechen, zutage treten’ mit gewalt ouch enbrach / her dan von siner tugende / zucht mit schoner iugende Pass III 355,12    2.2 ‘freikommen, sich losreißen von etw.’ dich sloge der selue ualant! / inbreche her uon der lannin, / din leuent [Leben] were irgangin Roth 4686    2.3 ‘mangeln, fehlen’, mit Dat.d.P.: – und Gen.d.S.: swer die tugent wolde lazen [...], / den liez got gnaden unprechen / da von siner barmeherzekeit; / der hellen grunt waz in bereit HeslApk 8644; ja inpricht nicht deme pristir der e noch deme wysen ratis noch den propheten rede Cranc Jer 18,18; wir willen wol verclagen / hîr nâch wes uns nû enbrechet Crane 767. – und Akk.d.S.: da von war im [Gott] nicht enprochen [hätte er nichts entbehren müssen] , / war all dw werlt zu hell [in der Hölle] beliben Teichn 337,60. 564,1548    2.4 als Übers. zu lat. deficere ‘schwinden’ entprichet des sneyz Lybani von den steynvlinzen des ackirs [ numquid deficiet de petra agri nix Libani ] ? Cranc Jer 18,14    2.5 rechtsspr. ‘sich entlasten, der Anklage/ Verantwortung entziehen’ (s.a. enbrësten 3): wer sich um einvoltigeu wunden unschuldigen will, der schol selb dritter enprechen auf dem chreucz StRBrünn 358    3 refl. ‘sich losreißen; weggehen, entkommen’ min iuncvrowe vnd ich / vns hinnen vntbreken Segremors 20,50; dar nach hiez er balde in vlien / vnde zv lande in wider zien / [...] / der dyaken sich enprach / vnde quam so hin zu lande Pass I/II 366,69    3.1 mit präp. Erg.: von yn er aber sich enbrach, / gebet daz selbe er aber sprach EvStPaul 4994; so mag sich der gast enprechen / von dem rauber Teichn 545,28. 169,31; Pass III 569,89. dirre furste here, / [...], / kume sich abe in enbrach Elis 4279    3.2 mit Gen. ‘von jmdm. loskommen’ wie er sich enbrach der Franzoisinne, / des wil ich hie geswîgen Tit 37,3. – ‘sich (einer Anklage) entziehen’ dise hêrren [die Beschuldigten] mînen tôt / [...] / haben gesworn, / [...] / wen ich hie getriuwen hân, / der helfe mir sie grîfen an, / unz daz sie sich enprechen / des ich hân ze in ze sprechen UvEtzAlex 18145

MWB 1 1605,41; Bearbeiter: Runow

enbrëhen swV. ‘aufleuchten, erstrahlen; strahlend hervortreten’ diu schœne glenzen und enprehen / sach den liehten mânen KvWTroj 8902; man sach dâ glenzen unde enprehen / vil mangen schilt gesteinet ebd. 30796. 26246; die oͮgen die mitt liecht enbrechent / und alle ding aͮn mittel [unmittelbar] sechent, / die wurdend do by stunden / dir, Jhesus guͦt, verbunden KvHelmsd 1523. – übertr.: sîn lop durliuhteclîche enbrehen / muoz von wâren schulden KvWAlex 10

MWB 1 1606,31; Bearbeiter: Runow

enbrennen swV. 1 intr.
1.1 ‘zu brennen anfangen, entzündet werden’ , bildl.
1.2 übertr. ‘leidenschaftlich von etw. ergriffen werden’
1.2.1 mit präp. Erg.
1.2.2 mit Gen.
2 tr.
2.1 ‘etw. entzünden, in Brand setzen’
2.2 übertr. ‘jmdn. in Erregung versetzen’ (positiv wie negativ)
3 refl. ‘sich entzünden’
   1 intr.    1.1 ‘zu brennen anfangen, entzündet werden’, bildl.: sprech nü ir rosefarber münt / zü mir ein lieplich, fruntlich wort, so enbrente ich alz ein zünder! JMeissn B1:52,18; daz wort in ir [Maria] entprante, / daz got vater ir dar sante HeslApk 637    1.2 übertr. ‘leidenschaftlich von etw. ergriffen werden’    1.2.1 mit präp. Erg.: he begoz min herz so ser damide, / dat ich entbrand an sinem vride MarlbRh 102,18; Apollonius der guͦte / enprant an minnen gluͦte Vät 6336. swem sîn herze / gegen liebe minne enbrennet / und doch herzelieb erkennet, / dâ tuot liebe wol und wê SM: KvL 3: 3,2. niͤ engeine creatuͥre / so entbrande van der minnen vuͥre / als min herz MarlbRh 108,20    1.2.2 mit Gen.: wir sint vleischlicher lieben / entprant in diner gere, / dar umme uns gewere / dines libes sundir haz! Daniel 7545; sie sint [...] des heren geistes nicht entprant HeslApk 2029    2 tr.    2.1 ‘etw. entzünden, in Brand setzen’ der [ ammetistôn ] brinnet êwiclîche, / wan der êrst wirt enbrant UvZLanz (K) 4801; die schif sie in enbranten Herb 14565. 1014; dú lieht embranden si zehant / dú si mit in dar truͦgin RvEWchr 18613; daz feur wirt enprant oder prinnet, wenn man die kerzen aufriht, und verlischt, wenne si ze tal kêrt BdN 73,9; JPhys 27,11. – mit Ersparung des Obj. (oder ist niht Obj.?) ‘brandschatzen’ der uns nû die Diutschen und die Bêheim bæte, / daz si niht enbranten, unze man gesæte, / [...] / dâ von wolde ich singen unde sagen, / und belibe der fride noch stæte Neidh SL 28:8,2. – bildl.: sa wart [ ê würde v. Kraus] enbrant / von mir der Rîn mit alle [sprichw. für etw. Unmögliches, vgl. TPMA 9,287f. ] KLD:KvL 2:3,2; Wartb Rs 73,10; der son entprante daz vur / siner gotlichen brunst, / do got die willige gunst / uns zeigete uf der erden / daz her mensche wolde werden HeslApk 12846. 1783; da [bei der Menschwerdung Gottes] wart des heiles liecht enbrant / dem menschen Mügeln 123,8    2.2 übertr. ‘jmdn. in Erregung versetzen’ (positiv wie negativ): he [Gott] wart dir ein druf [Traube] van Kiperlande, / diͤ bit der vröud din herz entbrande MarlbRh 45,2; mit zorne wart er enprant Vät 26436; [die Frauen] mannes muͦt und hertze enbrennen Minneb 1352; muoter der vil schœnen minne, / in der vinster liuhterinne, / zünde, enbrenne mîne sinne / in der wâren minne gluot SM: EvS 1: 20,3; Wartb Rs 43,10; Seuse 303,22; WhvÖst 9192. – mit präp. Erg. ‘jmdn./ etw. (leidenschaftlich) zu etw. hinreißen, mit etw. ergreifen’ (in Passivkonstr.): die tiuschen von den worten / die wurden zallen orten / sêr ûf die walhe enbrennet [wurden sehr wütend auf …] KvWTurn 977; zeimal wart er ein teil enprant / in im an einer hohvart Vät 22572; alliz daz zustorit was und forkaldit an der sele und an libe, daz wirdit gesamenit in got und alzumale inprant an gotlicher minne Parad 113,18    3 refl. ‘sich entzünden’ ein fiur sich enbrennet [beim Jüngsten Gericht] , daz dise werlt verendet AvaJG 17,5. – bildl.: ein viur hât enbrennet sich / sô sêre in mînen sinnen, / daz sîn vil stætez brinnen / an mir niht erwinden wil RvEBarl 1664; in der naht der sünden mîn / hât sich ein kleiner liehtes schîn / in mînem muote enbrennet ebd. 13881. 13997

MWB 1 1606,41; Bearbeiter: Runow

enbrësten stV. 1 ‘sich losreißen, entschwinden’
1.1 mit Dat. ‘jmdm./ einer Sache entkommen, entgehen’
1.2 mit präp. Erg.
2 ‘entfallen, entgleiten’ (mit Dat.d.P.)
3 ‘von etw./ gegenüber jmdm. entlastet, befreit werden’
3.1 mit Dat., allg.
3.2 bes. rechtsspr. ‘sich von einer Anklage entlasten, freikommen’
3.2.1 ohne Obj.
3.2.2 mit Dat.d.P. zur Angabe des Klägers
3.3 Part.-Adj. enbrosten ‘freigesprochen, frei, entlastet von’
4 in der Verbindung eines kindes ~ ‘von einem Kind entbunden werden’
5 in der Verbindung ane ein weinen ~ ‘in Weinen ausbrechen’
6 mit Gen.-Obj. ‘nicht haben’
7 in unklarem Zusammenhang ( ‘abbrechen’ ?)
   1 ‘sich losreißen, entschwinden’ der lêrchen lôste er diu bant, / er liez sie fliegen alzehant. / dô daz vogelîn enbrast, ez flôch dâbî ûf einen ast LBarl 3897    1.1 mit Dat. ‘jmdm./ einer Sache entkommen, entgehen’ Adam [...] wolt die sculde wellen [abwälzen] ûf sîne gesellen, / er wânt sô inbrâste [erg. er ] der sculde râche Gen 395; daz sim [l. si im ] harte kûme enbrast / under des gevallen ronen ast Parz 282,17; nieman mohte danne / dem gâhen tôde enbresten Wig 3724; selbe ich im kûme enbrast Helmbr 1868; RvEWchr 30069. – ‘jmdn. zurücklassen, verabschieden’ mit wiu er denn enprosten / sînem eidem wære [weshalb er seinen Schwiegersohn im Stich gelassen hätte] ? Ottok 2070; er [Artus] kunde wol enbresten / ieglîchem nâch sîner werdicheit [sich von jedem mit einer standesgemäßen Gabe verabschieden] ; / sîn guot was dô der werlt bereit, / als man noch hiute von im seit Wig 1706    1.2 mit präp. Erg.: [die Frau] pegünd mich an cze vallen / vor den pider lewten allen / das ich kaum von ir enprast Teichn 632,21    2 ‘entfallen, entgleiten’ (mit Dat.d.P.): er viel daz im daz swert enbrast RvEAlex 2647; von des grîfen valle daz kindel im enbrast Kudr 72,1. – übertr. ‘abhanden kommen’ horn, sehen, smekchen, kosten. / im ist aller synn enprosten, / das er nichts enpfinden chan Teichn 631,14    3 ‘von etw./ gegenüber jmdm. entlastet, befreit werden’    3.1 mit Dat., allg.: ich wære wol enbrosten / der werlt an andern dingen, / möht ich dem hûse geringen [meinen häuslichen Pflichten gerecht werden] Iw 2842; swer dir daz essen git fúr daz trinken oder daz trinken fúr daz essen, der ist dir nith enbrosten [ist von seiner Verpflichtung dir gegenüber nicht frei] , wen si muͦzent beide sament sin Lucid 106,14    3.2 bes. rechtsspr. ‘sich von einer Anklage entlasten, freikommen’    3.2.1 ohne Obj.: enbrist er aber vor reht [vor Gericht] , so ist sein gvͦt ledik UrkCorp (WMU) 3452,43; wirt der an gechlagt vnd enbrist ze ainem male, der sol [...] furbaz gervwet beliben ebd. 1100A,35. 1914,13    3.2.2 mit Dat.d.P. zur Angabe des Klägers: er sol im [dem Richter] niht antwürten ê er jenem enpristet oder schuldic wirt SchwSp (W) 262,3. 420,3; do si im enbrosten waren, do gerten die bruder vrtail, wan div sache vor gerihte gehandelt wære UrkCorp (WMU) 619,1; ‘ir sît mir wol enprosten’, / sprach der herzog Albreht Ottok 42796; SpdtL 188,10. – zusätzlich mit Gen.d.S. oder Obj.-Satz zur Bezeichnung (des Gegenstands) der Anklage: vnd enbrasten im vor gerihte die bruder aller siner ansprache mit vrtail vnd mit volge [Zustimmung] UrkCorp (WMU) 619,45. 475A,34; und sol der fürsprech dem clager sîns rehten [...] mit ainem ayde enbresten, daz er dar umb niht wizze noch niuts dar umb gehœrt habe, dar umb man dem clager billîche rihte SchwSp (W) 416,53; UrkWittelsb 1,340 (a. 1281)    3.3 Part.-Adj. enbrosten ‘freigesprochen, frei, entlastet von’ so ist er enbrosten, in bezivͤge danne iener daz er daz vih gelazzen hab ouzzerthalb der zoeune als reht ist StRAugsb 36,25; sehs unde sibenzic pater noster dâ ist ein ieglîcher mensche mit enbrosten PrBerth 1:255,34. 1:456,26    4 in der Verbindung eines kindes ~ ‘von einem Kind entbunden werden’ scol ain wîp zwaier kinde genesen, / dâ muoz wîle [bestimmte Geburtsstunde] under wesen. / sô si aines kindes enpristet, / wie ob diu wîle gar erlisket, / ê daz ander werde geborn Kchr 3621    5 in der Verbindung ane ein weinen ~ ‘in Weinen ausbrechen’ dar na enbrast er an ein herzkliches weinen, und danket gote und siner lieben muͦter ire grossen gnaden Seuse 50,15. 69,31    6 mit Gen.-Obj. ‘nicht haben’ die arm, die als lanngk sind, wann der mensch stat, das der ennde des mittern fingers nahent zu dem knie gat, ob hallt sein fier finger enprestent weiß nagel und waich und lieht, chunndet den pessten sin HvHürnh 76,21. – mit Dat.d.P. ‘fehlen, mangeln’ si wârn gerüstet wol, / als ich iuch berihten sol, / daz in nihtes enbrast UvZLanz 8561. 4177; swaz im dar an enbristet vnt ab get UrkCorp (WMU) 2167,43; dem wisel ist / [...] / die bin gehorsam [...], / wie er nicht sticht und im enbrist / des angels [Stachel] Mügeln 373,16; Lanc 428,5    7 in unklarem Zusammenhang ( ‘abbrechen’?): ain a daz wirt von im gehoͤrt. / da enbristet [ er (?)] in dem wort, / daz er spricht: ‘ich hauns geschaft. / nuͦr daz a daz wirt verklaft. / also vil schaff ich dir da / also vil bringen mag ain a.’ Teichn 518,90

MWB 1 1607,42; Bearbeiter: Runow

enbringen V. ‘jmdn. aus etw. herausbringen, retten’ sî sîn betoubet oder cranc, / en sî wî nâ in sî der tôt [mag ihnen der Tod auch noch so nahe sein] , / er [der Hl. Adalbert] enbrenget si ûz aller nôt NvJerAdalb 233

MWB 1 1609,4; Bearbeiter: Runow

enbrinnen stV. 1 intr. ‘in Brand geraten, zu brennen anfangen, brennen’
1.1 bildl.
1.2 übertr. ‘in Erregung geraten’
2 tr. ‘etw. entzünden, anzünden’ (hierher oder zu enbrennen ?)
   1 intr. ‘in Brand geraten, zu brennen anfangen, brennen’ daz hûs von einem winde vil balde allez enbran NibB 2111,3; vil zimiere ist ûf helme von mînes swertes ecke enbrunnen Tit (BH) H 2,4; swer in [den cristal ] heldet kein der sunnen, / daz er vil wol enbrunne / und halt dar an ein zunder: / daz ist ein michel wunder Volmar 186; rîch arger man der schame sich des muot enheiner tugende gert. / er wirt dur guot hie gotes diep, / dar umbe er dort [im Jenseits (in der Hölle)] enbrinnet KLD:Kzl 16: 17,4; Minneb 1957; BdN 377,2. – ‘heiß werden, sich erhitzen’ wan im diu galle schiere enbrinnet sô starche, daz ir diu fiuhte niht widerstên mach Barth 128,11    1.1 bildl.: an dem guoten man / des heilegen geistes viur enbran RvEBarl 6726. 3023; Îsôt was, alse ich iezuo las, / des morgens in dem touwe / geslichen zuo der ouwe / und was dâ von enbrunnen [erglüht, rot geworden] Tr 17575; von ir beider schîne enbran [erstrahlte] / der plân und daz gevilde KvWTurn 732; subst.: der sehste nutz, der an unsers herren lîchame lît, daz ist ein entbrinnen götlîcher minne Eckh (Pf) 377,35. – bezogen auf die jungfräuliche Empfängnis: von dînem [Gottes] geiste enbran / ir [Marias] lîp wunnebære KvWLd 1,227; wan du genzelîch enbrunnen / wære von dem wâren sunnen, / der von dir ist ûz gerunnen / und uns alle erliuhtet hât SM: EvS 1: 3,5    1.2 übertr. ‘in Erregung geraten’ sô enzündet mich ir minne, / daz ich von ir liebe enbrinne MF:Wolfr 8: 4,9; alrêrste enbran sîn herzegir Tr 1096; in ungedulte gluͦte / enbrinnest du in kurtzer frist HvNstGZ 2303; do er von dem zorne enbran Herb 13007; Tannh 2,75; KvWLd 28,4    2 tr. ‘etw. entzünden, anzünden’ (hierher oder zu enbrennen ?): wir enprinnen diz opfer anderswa Herb 15819; miz eín liht einer dumelen lanc. unde inbirn iz an deme sundage unseres herren zesewen VatGeb 131

MWB 1 1609,9; Bearbeiter: Runow

enbû (?) Adv. bû 5.6

MWB 1 1609,48;

enbüegen swV. ‘(ein Pferd) buglahm machen’ (zu buoc 2 ‘Vorderbug, Schulter eines Tieres’; s.a. verbüegen ): daz ros enbüeget wart. [...] ez wart enblœzt [...] aller gezierde. [...] ez wart gespannen in einen wagen, / ez muoste ziehen unde tragen Boner 51,24

MWB 1 1609,49; Bearbeiter: Runow

enbünec Adj. zu bünec. ‘missgünstig’ (vgl. Anm.z. St.): jchn bin iv niht so enbünic, / jch gvnne iv al der ern wol, / die ein frum man haben sol Krone 10765

MWB 1 1609,55; Bearbeiter: Runow

enbunnen Prät.-Präs. 1./3. Sg. Ind. Präs. enban, Prät. enbunde, Part. Prät. enbunnen. 1 ‘jmdm. etw. missgönnen; jmdn. um etw. beneiden’ (mit Dat.d.P. und Gen.d.S.)
2 ‘jmdm. etw./ jmdn. entreißen, wegnehmen’ (mit Gen.)
   1 ‘jmdm. etw. missgönnen; jmdn. um etw. beneiden’ (mit Dat.d.P. und Gen.d.S.): Morphêâ kniete dar nider / der frouwen harte nâhen, / daz siz alle sâhen. / nieman ir des enbunde, / wan sie vil kunde / und genuoc von erzenîen Eracl 3509; nu sint ez jene, / die mir vröude enbunnen Neidh WL 14:2,13. WL 33:1,3; owe, ze lange biten / wil ich in dem getiht! / daz ich niht die riht / fuͤr mich gejagen kan, / ist mir lait: min hertz erban [La. enban ] / in allen hie unmuͦtes [gemeint wohl: ‘beneidet die Zuhörer um ihren Ärger’ (weil es nicht vorangeht)] WhvÖst 16186; HimmlJer 229; Krone 25258. – mit Ersparung des Gen.-Obj.: si habent ez [die Ernte] mit ir swaizze gewunnen, / ez bedarf ir enwedirz dem anderem enbunnen VRechte 176    2 ‘jmdm. etw./ jmdn. entreißen, wegnehmen’ (mit Gen.): er [Lucifer] was liehter dan diu sunne: / des hât im got enbunnen, / dem er ist entrunnen Tund 1337; durch sînes gewaltes êre / müeze in Krist behüeten, / daz Ezeln vîende wüeten / mir niht enbünne mînes man KlageB 2973. 1121; vrowe Enite, [...] / jr habt den kopf gewunnen, / wan welle iv sein dann enbvnnen / durch etesleichen swachen nit, / da ir mit bevangen sit Krone 1386; Warnung 3004

MWB 1 1609,59; Bearbeiter: Runow

enbünstec Adj. ‘missgünstig, feindlich’ sô wil ich niemer werden / den Kriechen holt noch günstic. / ich sol in sîn enbünstic / mit herzen und mit sinnen KvWTroj 26636

MWB 1 1610,22; Bearbeiter: Runow

enbürn swV. zu enbore Adv., oder zu bürn . Bed. unklar, viell. ‘verwerfen’ o. ‘rügen’ siechst von aim icht guter sit, / daz solt sagen und pring daz fuͤr. / aber poshait nicht enpuͤr! Teichn 564,2996; [die Seele] wiͤrt da von nicht gepeinet / waz dez leibs wiͤrt enpürt, / [vgl. Glr.z.St.)] untz ein sucht daz hercz an ruͤrt ebd. 322,139

MWB 1 1610,26; Bearbeiter: Runow

enburnen swV. s.a. enbrennen . 1 tr. ‘etw. entzünden, anzünden’
2 intr. ‘in Brand geraten, brennen’
   1 tr. ‘etw. entzünden, anzünden’ iz in hilft vbir al nicht, / daz man enburnet eyn licht / vnd besturzit iz vndir eyn vaz Elmend A 56; noch sy inpurnen dy lucernen unde inseczen sy nicht under den scheffel, sundir uf den luchter [Mt 5,15] EvBerl 143,3; ein richter [...] liz ein grôz fûr umme si [Hl. Agnes] legen und liz daz enpurnen HvFritzlHl 68,40; Vät 26442. – bildl.: der heilige geist [ gibit ] der vornunft ein sicher wirken und enpurnit si in eime gejegede, blôze wârheit zu suchene HvFritzlHl 129,34    2 intr. ‘in Brand geraten, brennen’ di stat ist von holcze gebuwit und enpurnet dicke MarcoPolo 45,18

MWB 1 1610,33; Bearbeiter: Runow

enbûʒen Adv., Präp. ‘außerhalb, außen’ 1 Adv. ‘(von) außen, äußerlich’
2 Präp. ‘außerhalb’ (mit Gen. oder Dat.)
   1 Adv. ‘(von) außen, äußerlich’ ein mantil wol mit sinnin, / [...] / zwei tassel [Spangen] in buzin / von golde warin gesmidit Athis D 150. – meist in Gegenüberstellung zu enbinnen: der wille ist inbinnigen vnd die tat inbuͦzen PrLpz (L) 53,30; beruwe dich in binnen / [...] / unde salbe dich enbuzen HeslApk 7180; si [Maria Magdalena] was enbinnen [innerlich] sô gar gerihtet in got mit allen irn kreften; dar umbe stuont si von enbûzen [äußerlich, körperlich] Eckh 2:580,7; Lilie 8,11; EvStPaul 1111. 8096. – als Paarformel ~ unde enbinnen: din [Marias] reincheit enbuzen ind enbinnen / [...] / der n’ wart niͤ engein verloren MarlbRh 65,29. 127,17; er legete alle sine kraft / enbuzen und enbinnen, / wie er vil konde minnen / Iesum Cristum gotes sun Pass III 137,9; HeslApk 6357. 9054; die [burgere] suͦlen vort me in iren renten inde erue sitzen in buzen inde enbinnen UrkCorp (WMU) 61,44    2 Präp. ‘außerhalb’ (mit Gen. oder Dat.): dat der selve provinzial enbuzen landes were UrkCorp (WMU) 624,27; dat wir [...] die burgere van Kolne [...] jn al vnseme lande jnde vnser herscheffe jnde in vnseme gerehte jnde oug in buszen vnseme lande [...] beschirmen, bevriede jnde behuͦden suͦlen ebd. 1076,39. 79,29

MWB 1 1610,47; Bearbeiter: Runow

enbûzen ane Adv. ‘draußen daran, draußen angrenzend’ Petrus in dem furhofe saz / enbuzen ane [ sedebat foris in atrio Mt 26,69] EvStPaul 1878 (oder zu ane sitzen ‘sich wohin setzen’)

MWB 1 1611,9; Bearbeiter: Runow

enc- enz-

MWB 1 1611,13;

en|ch- enk-, enqu-, eng-

MWB 1 1611,14;

ênd Adv., Konj. 1 Adv. ‘eher, früher’
2 Konj. ‘bevor, ehe’
   1 Adv. ‘eher, früher’ wær aver, daz mein herre der vorgenant eend choͤm, so sol ich ims vnd seinen chinden [...] bestætigen vnd recht vertik machen UrkCorp (WMU) 3339,7    2 Konj. ‘bevor, ehe’ daz wir lanc stæte sculen sin mit goͮten werchen, wan leider, der eine wîle goͮt toͮt, dazne hilfet niemen, ênt er uol stæte wirt darane Spec 104,13; die [Händler] sullent am êrsten, ent si iht koufen oder verkoufen, sich den burgern ze erkennen geben, ob si in gunnen wellen ze koufen oder verkoufen StRMeran 425

MWB 1 1611,15; Bearbeiter: Runow

endanc Adv. ‘genügend, ausreichend’ (vgl. danc 2 ), mit Dat.d.P.: ir ist endank ein swacher gruoz Eracl 625; die âne sunnen müezen sîn, / den wære endanke des mânen schîn Freid 117,9; der kneht stuont ûf, im was endank Helbl 3,263; JJud 1676; DvASchr 311,28. sô wurd in vil endanc [mussten sie sich damit begnügen] / daz si an dem drum der banc / bî den chnechten gesæzzen Priesterl 638. unguter, fraisleicher, herter volant, / [...], / du hast mïr gesniten ab / daz dïr dein müter gab / zesawgen und dïr was endankch [dir zugute kam] Märt 2377. wer des morgens frue auff stet / und den tag an slaff verget, / dem ist kchaum endangk hincz nacht [der kann die Nacht kaum erwarten] , / das er zu dem pette gacht Teichn 631,107

MWB 1 1611,26; Bearbeiter: Runow

endære stM. ‘Begrenzer (des Gesichtsfeldes)’ (als umschreibende Übers. von gr./lat. orizon): orizon ist ein zirkel, der da tailet daz nider halb tail dez himels von dem obristen halben tail und haizzet auch ‘orizon’, daz ist ein ‘ender des gesichtes’ oder der ‘chraiz des umbegesichts’ Sphera 72,26

MWB 1 1611,41; Bearbeiter: Runow

ende stN. auch einde, selten stM. (z.B. Gen 1039; NibB 2287,4). ‘Ende’, zur Bezeichnung einer Begrenzung oder begrenzten Ausdehnung in Raum und Zeit 1 räuml. ‘äußerster Teil, Rand, Kante, Spitze, Endstück, Grenze’
1.1 geogr.
1.1.1 ‘Rand, äußerer Teil’
1.1.2 ‘Bereich, Gebiet’
1.1.3 ‘(Himmels-)Richtung’
1.2 auf den menschlichen Körper bezogen
1.3 in adv. Wendungen
1.3.1 an andern enden ‘an anderen Stellen’
1.3.2 an/ in allem ~ , allen enden ‘überall’
1.3.3 an/ in manegem ~ , manegen enden ‘mancher-, vielerorts’
1.3.4 des endes ‘dorthin’
1.3.5 swelch ende ‘wohin’
1.4 übertr. ‘Ziel, Zweck, Absicht’ (einer Handlung, eines Bestrebens etc.)
2 zeitl. ‘Schluss’
2.1 auf einen Zeitraum bezogen
2.1.1 auf Handlungen oder Zustände bezogen, die als zeitl. begrenzt gedacht sind
2.1.2 ‘Lebensende, Tod’
2.1.3 auf mündliche oder schriftliche Texte bezogen
2.1.4 auf das Ende der Welt bezogen
2.2 resultativ ‘Abschluss, Ausgang, Ergebnis’
2.3 in paarigen Ausdrücken
3 phras. (s.a. Friedrich, PhrasWB, S. 145f.; Tao, Funktionsverbgefüge, S. 107-110)
3.1 Präpositionalphrasen
3.1.1 âne/ sunder ~ ‘endlos, unendlich, für immer’
3.1.2 (biʒ/ unz) an ein ~ / ûf ein ‘vollständig’
3.1.3 von ~ (her) ‘vollständig, von Anfang an’
3.2 ~ hân/ nëmen/ gewinnen ‘enden’
3.3 etw. ane/ ze ~ bringen ‘vollbringen, (erfolgreich) abschließen’
3.4 in verschiedenen Verbindungen mit ~ hân/ gëben bzw. in Funktionsverbgefügen ze/ ane/ ûf ein ~ komen/ bringen etc. mit Gen.d.S., präp. Erg. oder Obj.-Satz
3.4.1 ‘etw. bis ins letzte Detail berichten’
3.4.2 ‘etw. genau herausfinden, zu der Erkenntnis kommen’
3.4.3 ‘etw. bewältigen’
3.5 daz ist ein ~ ‘das ist unbestritten, daran herrscht kein Zweifel’
3.6 sprichwörtl. (vgl. TPMA 2,460-477)
3.6.1 ‘Ende gut, alles gut’
3.6.2 ‘Man soll bei seinem Tun das Ende bedenken’
   1 räuml. ‘äußerster Teil, Rand, Kante, Spitze, Endstück, Grenze’ der zenti [l. ze ende ] saz uffin der banc ÄJud 185; zô den enden und an den orten [des Umhangs] / wâren tûre borten SAlex 5961; da gesahen sie einen vels ho, / [...] / in drin enden daz mer drunbe schoz Herb 17017; der grâve doch den rîter sluoc / unz an des kreizes [Kampfplatz] ende Wig 3046; der tiufel gienc und maz die wende / von einem ende an daz ander ende Renner 7742; das crúze hat vier ende Mechth 7: 1,81; zehen gesworn búrgen [...], die zende [unten] an disem brieve geschriben stant UrkCorp (WMU) 701,1; an der sinbeln gestalt ist weder end noch anvank KvMSph 12,10. – bildl.: petersilge ist heiz vnde trucken an dem ende [im oberen Bereich] des dritten gradus [innerhalb der Temperamentenlehre] SalArz 11,56. 7,3; wer weiz ende [Einschränkung] sîner [Gottes] kraft? Parz 797,25    1.1 geogr.    1.1.1 ‘Rand, äußerer Teil’ herre woldit ir mic senden / hinnen zoͮ der erden enden Roth 141; daz wendel mer [Weltmeer] vellet an vier enden in daz abgrunde Lucid 41,15; an dem end in Burgundenland pei dem geperg BdN 493,36; Rol 1036; Kchr 397. – ‘Grenze’ ob die gueter gelegen sindt ausserhalb der endt [ extra confines ] vnd zil in dem gepiet zw Trint StatTrient 189; vnd gat ein einde vffen Mittelberger velt vnd das andere in Hugesberger ban UrkCorp (WMU) N100,22    1.1.2 ‘Bereich, Gebiet’ an den enden, do sie fogt und herr [...] uber sein UrkWürtt 9,340 (a. 1290 kopial). – ‘abgelegenes, entferntes Gebiet’ man sante si in diu ende die heiden bredegende AvaLJ 208,2; ze den haidenisken enden ebd. 71,3    1.1.3 ‘(Himmels-)Richtung’ der kaiser uiel sine uenie / mit aller menige / in allen uier ende der werlte Rol 7905; diu wolken begunden / [...] / von vier enden ûf gân Iw 643; dô kêrte manegen ende hin / daz volc von dem Plimizœl Parz 336,4    1.2 auf den menschlichen Körper bezogen: den [Armen] stênt an deme ente zwô wolgetâne hente Gen 132; das geslehte deri ciclôpin / [...] / an dem eindo [Stirn] hatten si ein ouge Anno 22,24; HimmlJer 235; da lat got [...] / sine wunden schouwen, / [...] / zallen vieren enden / in fuozzen joch in henden Hochz 721; NibB 954,2; BdN 138,19.    1.3 in adv. Wendungen    1.3.1 an andern enden ‘an anderen Stellen’ mirra Arabie [...] ist herter von der rinden dann an andern enden BdN 369,28; diu geistlich verstantnuͤzze diu in der heiligen schrift ist, in der ê, in den wissagen und en andern enten in der schrift PrOberalt 35,14    1.3.2 an/ in allem ~ , allen enden ‘überall’ ein vil rîchez palas / [...] / wol gemacht in allem ende ErnstB 2566; so ist mir in allen enden we Mechth 2: 2,36; er was an allen enden [in jeder Hinsicht] / wîs unde manhaft UvZLanz 294; alle wîs und allen enden Tr 19110; AvaLJ 106,5. ich rytt an allen enden [überallhin] mere sagen allen den die gern prise und ere bejagen wollen Lanc 189,37; dise vorgenanten gesetze suͦln halten arm unde riche in der stat zu Wirzebuͦrg, unde vor der stat allen enden, uͦffe dem velde, uͦffe deme lande, in buͦrgen, in steten unde in den dorfern WüP 7k,3; er [der hl. Geist] rüert allen enden an von seinr rainikait wegen BdN 70,30    1.3.3 an/ in manegem ~ , manegen enden ‘mancher-, vielerorts’ diu erde erbidimot / in vil manegen ende / unz in daz apgrunde Hochz 982; sich huop diu kurzewîle an manegem ende wider strît NibB 271,4; da bi was geschaffet / ein ander teppet, geleget, / alse man in manigen enden phligit, / da die vrouwen uffe sazen GrRud αb 21. [der wâfenroc ] was durchstochen / und mangen ende zebrochen Wig 6170; sô clebet ir ie der lîm [der Minne] an; / [...] / diu schœne strebete allez wider / [...] / si versuohtez manegen enden [auf vielerlei Art] Tr 11803; wir sîn im manegen enden / dicke ze unstaten komen UvZLanz 7004    1.3.4 des endes ‘dorthin’ er huob och sich des endes dar Parz 69,5; ouch gât der vinger und diu hant / vil dicke und ze maneger zît / des endes, dâ der smerze lît Tr 16482; hin wîste sî ein tal / des endes dâ diu burc lac Iw 5803. 600; RvEBarl 15309. – übertr. ‘in etwa, ungefähr’ vmbe drizig ritter oder des endes UrkCorp (WMU) N167,23    1.3.5 swelch ende ‘wohin’ bi Salmonis zitin / was sulich vridi undir din lutin, / swelich enti dir man wolti varin, / niheinis urlougis wart man giwari LobSal 241; swelch enden landes ir gevart Tr 18335; Iw 6684; PleierMel 4257    1.4 übertr. ‘Ziel, Zweck, Absicht’ (einer Handlung, eines Bestrebens etc.): Kristus [...] ist aleine unser ende, dem wir nâchvolgen suln, und unser zil Eckh 2:449,3; daz [...] diu werlt sô vol ist worden der drachenkoppen, die iedem menschen guotez under diu augen erzaigent und ist daz end irr handlung valsch und vergiftig BdN 271,15    2 zeitl. ‘Schluss’    2.1 auf einen Zeitraum bezogen: der mande [Januar] ist ein ende dez furgevarnen iares unde ein anegenge dez kunftigen iares MNat 16,15; swenn div zît vnd div vrist ende hat, dar inn ich mich gebunden het UrkCorp (WMU) 573,26; daz kraut pricht man ab in des lenzen end BdN 395,30    2.1.1 auf Handlungen oder Zustände bezogen, die als zeitl. begrenzt gedacht sind: des bankens [l. banekens ] muose ein ende wesn Parz 32,26; herzeliebe ist arbeit; / ir ende bringet herzeleit Wig 7750; sô daz capitel ende hat, ein pater noster unde ein ave maria StatDtOrd 62,3; das diesses krieges end’ muͥge sin UrkCorp (WMU) 94,10; Tannh 4,135; SM:UvS 4: 3,5    2.1.2 ‘Lebensende, Tod’ biz ûf dînes endes tac KvWEngelh 5757; an minem ende, / herre, dinen boten ruche mir zesenden Rol 6899; diz swert daz muoz sîn ende wesen Tr 10138; iemer mêre unz an mîn ende / mîn herze von ir niht enwil SM:Tr 3: 3,6; KvWLd 1,134; Eckh 5: 112,23    2.1.3 auf mündliche oder schriftliche Texte bezogen: hie hât daz mære ein ende NibB 2379,4; dirre âventiur endes zil Parz 827,11; an dem ende dises êwangeliums Eckh 2:59,1. diu zal sînes hordes / was endes mit der schrifte vrî [war unmöglich aufzuschreiben] Wh 34,19. – letzter Bestandteil der kanonischen Stundengebete (vgl. Glr.z.St.): die [...] sint in sibene geteilit, in daz anegenge vnde in die salmen [...] vnde in daz gebet vnde in daz ende Lucid 83,2    2.1.4 auf das Ende der Welt bezogen: an deme dritten ende dirre werlde chumet Christ selbe in dise werlt Spec 103,11; geloube ouch gotes sigenunft / und ûf dise erde sîne kunft / an der welte endes zil RvEBarl 3907; lieber herre, sol der orden stan untz an das ende der welte? Mechth 4: 27,7; PrOberalt 11,21; JPhys 2,34    2.2 resultativ ‘Abschluss, Ausgang, Ergebnis’ ir sorge diu was manicvalt / und wolden doch ein ende sehen / waz im solde geschehen KvHeimUrst 229; daz mir diu vil minneclîche ein fröiderîchez ende gebe KLD:GvN 24: 2,6; daz wir [...] mit sogetanem ende, gelubde vnd rede von einander gescheiden sein UrkCorp (WMU) 2290,22; Herb 15505; Tr 6199. – rechtsspr. ‘(abschließendes) rechtskräftiges Urteil, letzte Instanz’ ez sol auch daz recht bey dem hern beleiben [...], biz daz recht ein ende nimpt OberBairLdr 210; er klag aller erst sinem rihtere vnd volge siner clag an daz ende, als reht ist UrkCorp (WMU) 1401,24; wer ouch das ein urteil stössig wurde, [...] sol man sy züchen [...] für ein herren [...] vnd sol ouch da ein ende haben WeistGr 1,31 (a. 1347); Mühlh 135,13    2.3 in paarigen Ausdrücken zur Bezeichnung von Anfang und Ende: diz hætes ime heinlîche / von ende unz ende gesaget Tr 10045; von dem anbeginne biß an das end Lanc 15,19; da seyt sie im alle die verretery von ende uncz zu orte ebd. 540,9; van orde zuͦ ende MorantGalie 1227; ende und urhap Frl 13:7,3. – oft zur Bezeichnung der Unendlichkeit Gottes: schepfære über alle geschaft, / âne urhap dîn stætiu kraft / ân ende ouch belîbet Wh 1,5; sunder ende und âne ursprinc was ie dîn lebende majestât KvWLd 32,9; deus Sabaoth! / an angenge, an ende ein got HvNstGZ 2; PrOberalt 27,25    3 phras. (s.a. Friedrich, PhrasWB, S. 145f.; Tao, Funktionsverbgefüge, S. 107-110)    3.1 Präpositionalphrasen    3.1.1 âne/ sunder ~ ‘endlos, unendlich, für immer’ dirri tac ist tac an naht, tac an endi Spec 61,2; mit stæte ân endes vrist RvEBarl 15718; das sol din ambacht sunder ende sin Mechth 4: 19,4; KvHeimHinv 670. alles endes âne SM:Te 10: 3,5; sîst diu liep ân endes zil SM:Ro 6: 3,10; RvEBarl 2492    3.1.2 (biʒ/ unz) an ein ~ / ûf ein ~ ‘vollständig’ do suhte er mit siner hende / daz gezelt an ein ende VMos 27,22; ich sol dir mine bichte / alle biz an ein ende sagen Herb 8633; sînem wîbe er seite / diu mære unz an ein ende KvWTroj 41847; wær aber, daz eintweder tail disiv schiedvng wider spræch vnd nicht behiͤlt vf ein ende UrkCorp (WMU) 1966,4; KvWPart 1947. verdrach mich bizze an dat ende miner dage [bis zu meinem Tod] Lilie 29,9; ich wolte leben iemer / in jâmer unde in leides klage / biz ûf ein ende mîner tage KvWPart 5002; KvWTroj 5364    3.1.3 von ~ (her) ‘vollständig, von Anfang an’ dô er dô sîn âventiure / von sîner Blanschefliure / von ende her betrahtete / [...] / dô kam diu rehte minne Tr 923; sus saz er unde seite / diz mære gar von ende her ebd. 4263 u.ö.    3.2 ~ hân/ nëmen/ gewinnen ‘enden’ dô diu naht het ende unt der tac erschein NibB 806,1; dîn siechtuom müese ein ende hân Eracl 3277; gloube die urstende. / dâ nimt der tôt ein ende RvEBarl 3720. – ‘sterben’ der lîp den ente genam, diu sêla fuor ze gotes êwen Gen 1039; der starke Volkêr dô den ende dâ gewan NibB 2287,4; der ritter nam sîn ende KvWHerzm 335    3.3 etw. ane/ ze ~ bringen ‘vollbringen, (erfolgreich) abschließen’ ez wirt vile lank, / ê dan manz mit gedinge / ze fromem ende bringe En 5512; sô ist ez allez an ein zil / und an ein stætez ende brâht Tr 8529; er hatt ein dinck understanden das keyn man zu end bringen mag Lanc 136,17    3.4 in verschiedenen Verbindungen mit ~ hân/ gëben bzw. in Funktionsverbgefügen ze/ ane/ ûf ein ~ komen/ bringen etc. mit Gen.d.S., präp. Erg. oder Obj.-Satz    3.4.1 ‘etw. bis ins letzte Detail berichten’ von ir ritterscaft [...] enkunde iu ze wâre niemen gar ein ende geben NibB 12,4; wie diu hôchzît ergienc, / des vrâgt den der dâ gâbe enpfienc: / [...] / des mag ich niht ein ende hân Parz 397,11; wer dâ schiet von dem lîbe, / [...] / über al ich des niht kan / iuch zeim ende bringen / und die nennen sunderlingen Wh 443,11; wer möhtes alles zende komen, / waz wunders Lanzelet begienc? UvZLanz 9428; KLD:UvL 1: 1,2; Lanc 166,18    3.4.2 ‘etw. genau herausfinden, zu der Erkenntnis kommen’ ich kum es an ein ende, wer mir ez [das Gold] hât genomen NibB 848,3; die herren diz alle vernâmen / und gar an ein ende quâmen / daz er in die wârheit / [...] hæte geseit KvHeimHinv 1152; nû sol man ûf ein ende komen / der valschen prüevunge dîn KvWSilv 4768; KvWWelt 266; Tr 14587    3.4.3 ‘etw. bewältigen’ het ich mere [Gäste] , denne ich habe, / ichn mochtes nimmer zende chomen StrKD 161,13; habt uch den uwern und laßent mir den mynen, ich sols wol zu ende komen Lanc 149,20    3.5 daz ist ein ~ ‘das ist unbestritten, daran herrscht kein Zweifel’ dest ein ende: swaz si mir getuot, / sô mac si wol verwænen sich Walth 73,13; daz ist ein ende, ez ist alsô ebd. 74,11. 44,18; niender vinde ich triuwe, daz ist ein ende, / dâ ich si doch gedienet hân MF:Reinm 18: 3,1. ich wil iuwer tohter hân: / daz ist daz ende dar an [und Schluss damit!] Tr 11065    3.6 sprichwörtl. (vgl. TPMA 2,460-477)    3.6.1 ‘Ende gut, alles gut’ machest dû daz ende guot, sô hâst du ez allez wol getân MF: Eist 3:2,4; ist daz daz ende ist guͦt, so wirt ez alliz guͦt an alle missewende Meissner 1:14,8; ist daz ende guͦt an prise, so ist iz alles guͦt JTit 5981,2; KLD:Kzl 16: 5,1; Martina 23,28. nâch trûrigem anegenge / dicke ein vrœlich ende chumt KvHeimHinv 17    3.6.2 ‘Man soll bei seinem Tun das Ende bedenken’ man sal daz ende prufen mit rechter list Elmend A 108; wer daz ende an sehen kan / sînr werken, der ist ein wîser man Boner 100,89; TrudHL 112,19

MWB 1 1611,47; Bearbeiter: Runow