erbeschrîn
stM.
‘Schrein, der ein erbe enthält’ (übertr.):
ir [der tugende
] erbeschrin ist sie [die hochvart
] , die süze, reine Frl
5:40,12
MWB 1 1807,39; Bearbeiter: Richter
erbeschulde
stF.
‘Erbsünde’
Jhesu Krist der schüf [...] das chain christen
erbschult trait, / nür das der mensch selb tüt Hawich
2380;
[Maria,] diu dâ was bevangen / mit chinde âne mannes
teil, / [...] / unser erbeschulde / wâriu süenærinne, /
[...] / diu cham dâ fur gerihte KvFuss
642;
wie das ist das wir in dem touffe von der erbschulde geweschen werden
PrEngelb
194,28
MWB 1 1807,42; Bearbeiter: Richter
erbesëʒʒen, erbegesëʒʒen
Adj.
‘auf erblichem Grundbesitz ansässig’
under den [Zeugen] schullen czwen erwgesessen man
sein in der stat und ieder man schol sunderlich sweren StRBrünn
356;
zoge sichz denne eyner uff erbsessene lute mit kouffe adir mit gabe
RbMagdeb
416,39;
DRW
3,137
(LiegnitzUB.; a. 1342);
SchöffMagdBresl
3:2,7
MWB 1 1807,50; Bearbeiter: Richter
erbeshalp
Adv.
‘das Erbe betreffend’
Ither, der ungelabte erbeshalp, noch was bi sinen landen JTit
4708,2
MWB 1 1807,58; Bearbeiter: Richter
erbesidel
swM.
‘Inhaber eines Erblehens, eines Erbzinsgutes’
ejn erbsidel der erb bestanden hat erbleichen [l.
erb-lîchen
] , der mag daz erb verchauffen RechtssA
E109,3.
E110,4
u.ö.
MWB 1 1807,61; Bearbeiter: Richter
erbesip
M.
‘Berberitze’ (vgl. Marzell 1,575, s.a.
erbsal
):
so daz tegeliche fiuer si uon dem suzen fleumate, so gip deme
siechen crociscos vnde rosen vnde uon dem erpsibe SalArz
72,24;
nim denne ersip vnd schabe dar ab die mittern riden [l.
rinden?]
Barth (H)
474;
herbitum: erbisib SummHeinr
1:181,148;
crispula: erbesib VocBV947
3:540,20
MWB 1 1808,1; Bearbeiter: Richter
erbesipber
stM.
‘Beere der Berberitze’
purzeln sam. scariole erbesipber. liquiritie saf. tragant.
igliches zwo dragme SalArz
94,28.
94,1
MWB 1 1808,9; Bearbeiter: Richter
erbesite
stM.
‘angestammte Verhaltensweise’
[die Art, wie der Teufel Menschen verführt,] daz ist der
helle ein erbesit Frl
5:52,14
MWB 1 1808,12; Bearbeiter: Richter
erbesmërze
swM.
‘angestammter, ererbter Schmerz’
eines tages dô gesaz Tristan / und giengen in gedanke an /
von sînem erbesmerzen: / er bedâhte in sînem herzen / manege und maneger hande nôt
Tr
19127;
vgl. Steinmetz, Tristans erbeminne, in: ZfdA 129 (2000), S.
388-408.
MWB 1 1808,15; Bearbeiter: Richter
erbes|nëmunge
stF.
‘Übernahme des Nachlasses’ oder ‘Einsetzung zum Erben’ (?):
dú vorgenanten ding und gelúbde und erbsnemunge UrkBern
6,284
(a. 1336)
MWB 1 1808,21; Bearbeiter: Richter
erbespil
stN.
‘gewohntes Treiben’
Tristan und die künegîn / die triben ir aldez erbespil / unde
pflâgen des sô vil, / dâ von ein niuwer muntschal / wart in dem hove über al
HvFreibTr
3029
MWB 1 1808,25; Bearbeiter: Richter
erbestam
stM.
‘Stammbaum’
also stirbt ain mensch, so vellet sein gut auff seine echint oder auf seine
chindes chind den erbstam also nider RechtssB
E103,7;
ez [durch Unrecht erlangtes und dann gespendetes
Gut] wiͤrt nur einem dem ers nam / an seinem rechten erbstam
Teichn
149,12
MWB 1 1808,29; Bearbeiter: Richter
erbestat
stF.
‘angestammte Heimstatt’ (übertr.):
daz êrste ist, daz diu sêle von nâtûre zuo dem himel geschaffen ist, wan got
ist ir rehtiu erbestat Eckh (Pf)
235,36
MWB 1 1808,35; Bearbeiter: Richter
erbestolle
swM.
bergm. ‘Wasserlösungsstollen’ (Bergwerksstollen, der das Wasser der
höhergelegenen Stollen abführt) (vgl.
erbehaft
2 und
erbehaftec
2):
hat ain erbstollen, den man jahr und tag gearbait hat, und einen pau zu hilf
bringen will, und luft und wasser nemmen will, jahr und tag freiung DRW
3,141
(Lori,BairBergr.; a. 1308);
das virde recht eins erbstollen: [...] welchir der
allirtiefste ist, der beheldet sin recht unde di eigenschaft BgRIglauD
23.
21
u.ö.
MWB 1 1808,39; Bearbeiter: Richter
erbesun
stM.
‘erbberechtigter Sohn’ (vgl.
erbekint
):
so der man si tot, / hap er niht erbe súne gelan, / die
tohtirn suln sin erbe han RvEWchr
15028;
juden, ketzer und heiden / [...], / die enwârn niht
rehte erbe süne [des alten Königs, allegor. für Gott]
Renner
24319.
24353;
UrkWittelsb
2,338
(a. 1334);
Helbl
7,827;
EvStPaul
4465
MWB 1 1808,49; Bearbeiter: Richter
erbesünde
stF.
‘Erbsünde’
got ist mit dir, der al unser erbsuͤnde buͦzte Marner (W)
4:3,12;
so sin wir armen geborn / in der erben sünden dorn Martina
130,16;
ainen lost er mit der touff / von der erbsünden lauff
Teichn
464,730;
er selber muͦs mit den erbesúnden varen zuͦ der helle
Mechth
5: 23,173;
Seuse
333,23;
KvHeimHinv
778;
HeslApk
1119.
–
‘Ursünde, Sündenfall’
daz kom von erbesünden, / die Âdam und Êva tâten, / dô si übertrâten / unde
brâchen daz gebot, / daz in gap der êwige got AlexiusF
172;
wazzer, blut aldar [aus Christi
Wunde] uz vloz / [...] / sin blut zu
irlosunge, / wazzer zu reinigunge / von alder erbe sunde / Adams und siner vrunde
Daniel
5273
MWB 1 1808,56; Bearbeiter: Richter
erbeteil
stMN.
‘Erbteil, Anteil an einem Erbe’
ih binz der
gutswende [Verschwender] , / der in dem ellende / sin
erbeteil verwesen hat Litan
1197;
swester, dû muost mir / mînen erbeteil lân / ode einen
kempfen hân Iw
5657;
dem [deutschen Orden] er ouch den erbeteil / gab
mit willin allin, / der im angevallin / was von des vatir herzoctûm NvJer
17613;
RbRupr
38;
StrKD
138,173.
– übertr.:
der werlt lop, der sele heile, / der beider wirt im [dem
Einsichtigen] erbteile Erz III
36,8.
– das Himmelreich als Erbteil jedes Christen:
verdienestû der sêle heil, / des himels vröuden erbeteil / besitzestû
RvZw
191,11;
das ir ie gesigetent den vngelobigen an vnd strittent nv vmbe das ewige
erbeteil, das vch got bereit hat UrkCorp (WMU)
93,21;
da von die rehten sint /
sine [Christi] bruoder unde siniu chint, / mit im ain
gaist unde ain muot, / vlaisch, gebaine unde bluot, / erben unde siptail, / getailen
an dem erbetail BenGeb
40;
Renner
2379;
PrBerth
2:213,1
MWB 1 1809,6; Bearbeiter: Richter
erbeteilen
swV.
‘jmdn. mit einem Erbteil ausstatten’
[wir] sullen oich vnsen svͦn Apetzen erbeteile nach vnsen
willen UrkCorp (WMU)
1286,12;
wil aber der [verwitwete] man adder di frauwe sich
vorandern, so mag he nicht di kindere von eme geerbeteilen, eß wollen dan di kindere
mit willen StRHeiligenst
77
MWB 1 1809,26; Bearbeiter: Richter
erbeteilhaftec
Adj.
‘beteiligt am Erbe’ (hier übertr.):
herre, ich bite dich, daz duͦ mich erbe teilheftig machest dines vaters rich,
daz ich immer ewiklich nach disem leben muͤzze gen zuͦ dines vaters tische
BdVollk
219,3
MWB 1 1809,33; Bearbeiter: Richter
erbeteilunge
stF.
‘Aufteilung eines Erbes’
hatten si [
ûʒgesunderte (mit Erbteil ausgestattete) Kinder] aber
ir erbeteilunge dar an verlobt, der suln sie entberen SSp (W)
1:13,2;
RbMagdeb
377,38
MWB 1 1809,38; Bearbeiter: Richter
er|bëtelich
Adj.
‘gnädig, nachsichtig’
erbetelih erdigelih wis [interl. zu deprecabilis esto
] du uber scalche dine PsWindb
89,13
MWB 1 1809,42; Bearbeiter: Richter
er|bëteln
swV.
‘etw. erbetteln’
si hofte erbeteln etewaz, / davon si mochte vurbaz / ernern ir vil armez leben
Pass III
648,37;
diu rotte fuor beschiltet / nâch wunsche und ouch besetelet. / man hete niht
erbetelet, / swaz si gezierde brâhten dar KvWTroj
32650;
swaz wir rebetelen baide, / daz ist algemaine
Kchr
2757;
ElsLA
734,9
MWB 1 1809,45; Bearbeiter: Richter
erbetôt
stM.
durch den Sündenfall bedingte Sterblichkeit des Menschen:
Criste, der sich gab / vrikuric [aus freiem
Willen] in unser leit, / do sin untotliche gotheit / an zoch unsen
erbe tot HeslApk
10273;
sin gebinediet leben / wolder zu dem tode geben, / uf daz unser erbetot / sich
bezilte [ein Ende nehme] mit der not / an dem lichamen
sin Pass III
82,39
MWB 1 1809,52; Bearbeiter: Richter
erbevater
M.
Adoptivvater, der das Kind als Erben annimmt:
Tristan, gâ her und küsse mich! / und zwâre, soltû leben und
ich, / ich wil dîn erbevater sîn Tr
4301
MWB 1 1809,60; Bearbeiter: Richter
erbeveste
stF.
‘erbliche, ererbte Burg’
man setzet die geste / oͮf iwer erbe veste Dietr
7993
MWB 1 1810,1; Bearbeiter: Richter |