Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
  Ansicht: Standard Gliederung    |     Zusatzinformationen   Links      |     Portion: Artikel pro Seite

e – ëbenbürtecheit
ëbendol – ëbenguot
ëbenheilec (?) – ebenisch
ëbenjunc – ëbenmenden
ëbenmensche – ëbenstrenge
ëbensuoʒe – ëbenwette
ëbenwîch – êbrëchærinne
êbrëchec – eckerich
eckerlîn – edelkeit
edelkint – effede
effelîn – ege|sam
eges|bærec – êhaftec, ehtec
êhafteclîche – ehten
ehter – eichermel
eichgrabe – eidigen
eierære – eigenerge
eigengeborn – eigenschaft
eigenschaftlich – einbærkeit
einbærunge – einent
einenthalp, einenthalben – einhalp, einhalben
einhël – einlift
einlifthalp – einöuge
einöugec – einstirn
einstrîtec – einvach
einvalt – einworhte
einwort, einwürte – eischtac
eischunge – eiterbluome
eiterbrâme – eitertrache
eitervar – êkonvrouwe
ekub – elfenbein
elfenbeinîn – ellendeclich
ellenden – elmëʒ
elne, elle – emb-
ember – emʒlîche
en – enbicobe
enbieten – enbore
enbœrec – ende
endeblat – endeschaft
endeslac – enein hëllen
enein komen – engegenen
engegengân – engelkeiserinne
engelkôr – engelvürste
engelwësen – englîmen
englimmen – enhundert
enîdrus – enklieben
enklœʒen – enmitten
enmittenzwei – enphrüenden
enphüelen – ensîten
enslîbe (?) – ent-
ent|ænegen – enthalben
enthalt – enthitzen
enthiuten – entlegen
entlêhenen – entliutern
entlocken – en|toben (?)
ent|ordenen – ent|rigeln
ent|rîhen – entsagen
entsagunge – entschîben
entschicken – entsebelich
entseben – entslîchen
entsliefen – entspitzen
entsprëchen – entsüenen
entsunkenheit – entvëlhen
entvëlhigen – entvliehen
entvlieʒen – entwachen
entwâfenen – en|twelmen
en|tweln – entwësenen
entwëten – envalten
envar – ênzeclich
enzeichenen – enzückunge
enzündærinne – ephichwurz
ephimera – erargen
erarmen – erbarmen
erbarmhërze – erbeclîche
erbedienest – erbe|insigel
1erbeiten – erbelôsunge
erbeman – erbeschilt
erbeschrîn – erbeveste
erbevîent – erbieten
erbietunge – erblœʒen
erblüejen – erbrogen
erbrüeten – ërden-, ërtmëʒʒer
ërden-, ërtvruht – erdiuten
erdoln – êregîtec
êregîtikeit – êrenhüetære
êrenhüge – êrenvest
êrenvrëch – ergëben
ergëbenheit – ergetzen
ergëtzen – erglitzen
erglîʒen – ergrisgramen
ergriulen – erharn
erharten – erhogen
erhœhen – eringrieʒ
erinnern – erkennelich
erkennen – erklepfen
erklîben – erkræjen
erkrallen – erkuolen
erkuolunge – erlegen
erlêhenen – êrlich
erlîden – ér|lôn
erlônen – erlusten
erlustigen – ermelzipf
ermen – ernacken
ernaʒʒen – ërnesthaftic
ërnesthafticheit – erqueln
erqueschen – errîhen
erringen – erscheinunge
erschellen – erschrîben
erschricken – ersîhen
ersiht – ersnellen
ersnîden – erstandunge
erstarken – erstieben
erstîgen – ersuochære
ersuochærinne – ërtbærec
ërtber – ërtgerüste
ërtgruft – ertougen
ertouwen – ertücken
      ertouwen swV.
      ertöuwen swV.
      ertraben swV.
      ertragen stV.
      ertrahten swV.
      ertrenken swV.
      ertrennen swV.
      ertrëten, ertreten stswV.
      ërtrîche stN.
      ërtrîchgerüste stN.
      ertriegen stV.
      ërtrinc stM.
      ertrinken stV.
      ertropfen swV.
      ërtrouch stM.
      ërtrouchsaf stN.
      ërtrouchsôt stM.
      ertruckenen swV.
      ertrüeben swV.
      ertrûren swV. (vgl. ane ertrûren)
      ërtscholle swM.
      ërtsnëcke swM.
      ërtstadelec Adj.
      ërtstift stMN.
      ertücken swV.
ertumben – ervære
ervâren – erviselunge
erviuhten – ervreisen
ervriesen – erwahsen
erwæjen – erwëgen
erwëgen – erwermen
erwern – erwîtern
erwîʒen – erzeigen
erzeigunge – erziugen
erziugunge – eschenbürnen
ê|schillinc – esellîp
eselmære – esser
estel, estelîn – ëtevil
ëtewâ – etzweide
etzwise – êwelich
ê|wëlten – ê|wise
ê|worhte – ëʒʒesac
ëʒʒic – eʒʒisch|türlîn

   ertouwen - ertücken    


ertouwen swV. ‘(wie von Tau) feucht werden’ diu heide muoz von bluote rôt / erfiuhten und betouwen [La. ertǒwen ] KvWTroj 12165

MWB 1 2118,27; Bearbeiter: Pfefferkorn

ertöuwen swV. ‘ersterben’ vor læide ertotet [La. ertöute ] ir der mvͦt Warnung 3898

MWB 1 2118,30; Bearbeiter: Pfefferkorn

ertraben swV. → ertropfen

MWB 1 2118,32;

ertragen stV. 1 ‘etw. (eine Last) tragen, ertragen, aushalten’ ; Gegenständliches
2 ‘etw./jmdn. wohin tragen’
3 von Gütern ‘etw. (einen Ertrag) erwirtschaften’
   1 ‘etw. (eine Last) tragen, ertragen, aushalten’; Gegenständliches: dar an ist kleinôt genuoc, / daz si der kiel kûm ertruoc EnikWchr 15332. 25500; lât mich gewinnen ein kalpfel, [...] ohsîn [Fell] mac er niht ertragen EnikFb 1009. – Leid, Kummer usw.: wen ein dinc han ich kvͦme ertragen, [...] daz du geloubis ane Krist TrSilv 478; daz er durch si ertrüege / leit unde grôszes ungemach KvWEngelh 1952; daz ez [ ungemach ] mîn herze kûm ertreit EnikFb 4130    2 ‘etw./jmdn. wohin tragen’ an sinen arm er sie hup / in sin huͦs ers retrûc VMos 21,11    3 von Gütern ‘etw. (einen Ertrag) erwirtschaften’ die selben fuͤnf [...] sollen vf ir truͤwe vnd eyde [...] die vnbesatzten guͤt anslahen an guͤlt, die sie wol ertragen muͤgen, one geuerde UrkHohenz 3,197 (a. 1349)

MWB 1 2118,33; Bearbeiter: Pfefferkorn

ertrahten swV. 1 ‘(sich) etw. ausdenken, ersinnen’
2 ‘etw. völlig ergründen, erwägen, bedenken’
3 ‘nach (umbe) etw. streben’
   1 ‘(sich) etw. ausdenken, ersinnen’ swaz ieman kunde ertrahten, / ze wunschlebene gahten / [...], / daz hætens allez Tr 16871; nieman kund es ertrachten / wie seltzen er anders was GTroj 6756; swaz man ouch hôher witze kan / ertrahten und erdenken KvWTroj 1965; ich wil iz [ ein mere von des cruzes kraft ] kurzlich abehouwen; / ich enhan iz nicht irtrachtet Brun 9787; ein gewant Marjâ ertrahte [entwarf] / daz sî irme kinde machte Philipp 3638; ich wil [...]din leben lazen leiten / in allen den arbeiten, / die ich mit pine ertrachten kan Pass III 122,5. – ‘etw. durch Nachdenken erreichen’ alliu wîsheit ist enwiht, / die herzen sin ertrahten kan, / hât er ze gote minne niht Winsb 5,2    2 ‘etw. völlig ergründen, erwägen, bedenken’ si hat so vil der triwen, die nieman kan ertrahten JTit 5508,1; alsus gedâhte sî in ir / herzen mange stunde, / nu hin, nu har, und kunde / daz wægest niht ertrahten Reinfr 5683; avch waz die leibe merer / die sv vnd vnser herre / zv samen trvgen vnder in / dan menshen herze vnd sin / immer mohte irtrahten, / irdenken vnd irachten MarHimmelf 387    3 ‘nach (umbe) etw. streben’ der milde sal mit arbeit / in tagen und in nachten / umme reine gift irtrachten HeslApk 12428

MWB 1 2118,49; Bearbeiter: Pfefferkorn

ertrenken swV. 1 ‘jmdn. ertränken’
2 ‘ertrinken’
3 ‘etw. (Schiff) im Wasser versenken’
4 ‘etw. überschwemmen, überfluten (und damit vernichten)’
   1 ‘jmdn. ertränken’ dar umb ich [Hagen] in [Kaplan] wolde so gerne hiut’ ertrenket hân NibB 1589,4; ouch sluoc er ir den vater tôt / und ertrancte ir die muoter ErnstD 2673; an demselben tag [...] wart das kint ertrencket Lanc 96,6; des ertrenk iuch beid ein wolkenbrust Reiher 400; da newas dehein man, / in hette der regen na ertranct Herb 17100; BdN 106,26. ze tode ~ : man solt dich werfen in den rîn / und dar in versenken / und dich ze tôd ertrenken EnikWchr 26946. – in einem Gewässer: ich wille dich heizen Rother / ir trenkin in deme mere Roth 3966; swas israhelscher wibe da / súne gebere, das man die sa / ertranchte in dem pflume RvEWchr 8578. 10943; wir súllen in ertrenken in dem Rine Seuse 77,9; suaz dâ wurde degene, / die scolten si ersterben, [...] / ze wazzere ertrenchen Exod 194. – Tiere: die würm sament man des nahtes umb den augst und ertrenkt si in ezzich BdN 300,3; wenn diu sternslang ertrenket wirt in wein und dar inne erstirbt ebd. 280,30. – refl.: swie ir denne vunden werdet, ir ivch ervallet, ir ivch ertreinchet Spec 2,11; si wolten sich ertrenchen / in daz mer versenchen VMos 45,11; si ertrancten sich selben in dem wazzer Rol 5020; solt ich an dir die triu mîn / zerbrechen, ich wolt in dem Rîn / mich wærlîch [...] versenken / und mich selb ertrenken EnikWchr 19284; UvLFrd 366,1; WernhMl 7406. – übertr.: sin mütt waz im versenkett, / alle sin sine ertrenkett GTroj 17482; so werdent si [Sünden] mit der pihte uirsenket / in der riwe all ertrenket VMos 49,25; si wolt irs libes minne / in jamers wage ertrenken WhvÖst 9929; Vät 16710    2 ‘ertrinken’ div herte gink hin iehlinge in den se vnd ist dertrenket EvAug 150,14. – meist refl.:    3 ‘etw. (Schiff) im Wasser versenken’ dâ Sirtes, Caribde, Cillen / mit gewalt die schif ertrenken / und in des wâges tiefe senken UvEtzAlex 9817; daz dur myn valsch gemute / und dur myne sunde / die tobenden wazzers unde / daz schif nicht gar ertrencte / und uf den grunt ersencte Vät 34557. – ‘jmdn. zum Ertrinken bringen’ das si [ Sẏrenen ] noh ligen indem mer / und die lúte an alle wer / mit ir gedoͤne irtrenchen RvEWchr 26667    4 ‘etw. überschwemmen, überfluten (und damit vernichten)’ got sluoc daz mere zesamen und ertrancte liut unde guot BuchdKg 32,11; got die stete irtranchte, / virdarpte und virsanchte / in den ewigin tot RvEWchr 3742; Tauler 304,31. mit etw. ~ : er [Gott] wolte si [Welt] mit der sinvluote irtrenchen Gen 689; wirt die erde ertrenket mit dem miste, so enbringet sie deheinen wuͦcher Lucid 60,11. – übertr.: die sîdenen strâze [auf dem Gewand] [...] wâren [...] sô mit dem golde ertrenket / und in daz golt versenket, / daz man daz werc dâ kûme sach Tr 11111

MWB 1 2119,11; Bearbeiter: Pfefferkorn

ertrennen swV. 1 refl. ‘sich entzweien’
2 ‘etw. aufheben, brechen’
   1 refl. ‘sich entzweien’ kúngin, gern het ich das landt. / nu hand sich mein raͤt ertrant: / ainer rät hin, der ander her FrSchw 5528    2 ‘etw. aufheben, brechen’ der zauberer wol erkannt / das sein zaubry was ertrant / mit der gifft an dem trincken FrSchw 6240; solt meinem her’n misselingen, / deß ich wenig hab gedingen, / so wer ich geschannt / unnd mein froͤd ertrannt ebd. 7640

MWB 1 2120,3; Bearbeiter: Pfefferkorn

ertrëten, ertreten stswV. ‘jmdn. niedertreten und töten (meist zu Pferde im Kampf)’ daz ros er [ vogit ] mit den sporn twanc / unt wolte sumeliche [ armen ] ertretten Serv 2985; er [ Philemenis ] hette sie [ crichen ] benotet, / gewunt vnd ertotet / vnde ertrat vzzer mazzen Herb 12933; ir hettent nehelich dißen verwunten ritter ertrettet Lanc 362,2; SAlex 4442; StrKarl 10120. – wohl sprichwörtlich gense ~ : so du gedienes an daz zil, / des wære zit, daz man dir helfen solte, / so hastu gense ertrettet vil, / unt zihent dich, du sis ein man, der nieman volgen wolte Stolle 39,11. welicher da nider wart gerant, / der ward ertret alczu handt Seifrit 3365. der lac erschozzen; / der lac erstochen, / dirre zv broch, / dirre zv bletzet, / ienre zv quexet, / dirre ertruncken, der ertrat Herb 5863; dô lac ertret der werde / wol geborne sarrazîn Kreuzf 4414. – häufig erslahen unde ~ : do wurden erslagen vnde ertrat / tusent an eime houfe Herb 7042. 7819; die cristen suochten ze Babylonie / vast unz an daz burgetor. / die haiden dâ vor / wurden retret unt reslagen Kchr 16756. erdringen unde ~ : da wart solich gedrenge, / daz die swachen und iungen / ertreten und erdrungen / vil nach zetode warn StrKD 70,82. ze tode ~ : er wart ze tôd ertreten sâ EnikWchr 25219

MWB 1 2120,12; Bearbeiter: Pfefferkorn

ërtrîche stN. 1 ‘die (gesamte bewohnte) irdische Welt, Erdkreis, Gottes Schöpfung’
2 die Erde als Himmelskörper ‘Erdkugel’
3 ‘Gebiet, Territorium auf der Erde’
3.1 ‘Reich, Herrschaftsgebiet, Land’
3.2 ‘Grundstück, Grundbesitz, Grund und Boden’
4 ‘Erdoberfläche, Erdboden’
4.1 allgem.
4.2 ‘Ackerboden, Ackerland, fruchtbarer, bewirtschafteter Boden’
4.3 ‘Festland, trockener Boden (im Ggs. zum Meer)’
5 ‘Erde, Lehm, Ton (als Material, Stoff)’
6 ‘Erde als eines der vier Grundelemente’
   1 ‘die (gesamte bewohnte) irdische Welt, Erdkreis, Gottes Schöpfung’ ich kerde mich zuͦ den riviͤren, / diͤ ich sach al erdrich ziͤren MarlbRh 98,24; di daz ertrich minnent mit aller minne, di mvzzen hin abe in die helle PrBerthKl 4,94; ich hatte willen, wenne ich dich [ herre ] gesehe, das ich dir von dem ertrich vil woͤlti clagen Mechth 3: 1,27; dis ertrich ist maniger strikke vol ebd. 1: 44,77. 3: 1,26; si [ chüniginne von Osterland ] kom von den enden des ertriches ze hörn div wisheit Salomonis EvAug 163,10. – häufig in den Wendungen in (allem) ërtrîche, ûf (dem/  allem) ërtrîche ‘in der Welt, auf Erden’ die wîle daz sanctus Nicolâus hie in ertrîche was, dô tet er manic ceichin in dem wazzere PrMd (J) 346,28; ie du [Gott] mich langer minnest ie ich heliger wirde hie in ertrich Mechth 1: 23,5. 7: 34,6. 7: 35,43; MarlbRh 20,14; der langeste gîgant, / der ie mit wârheit wart bekant / ûf allem ertrîche UvZLanz (K) 7537; ez ist ûf dem ertrîche / âne dîn muoter dehein wîp, / der dîn êre und dîn lîp / lieber sî Eracl 3272; got múß uch [ Kónig Artus ] mynnen als den besten konig der off ertrich lebet Lanc 128,35; dirre înganc [der Seele in die göttliche Natur] enist ûf ertrîche niht anders dan lûteriu abegescheidenheit Eckh 5: 428,6; daz tuot kain vogel noch kain tier auf ertreich mêr BdN 189,26. – seltener über allez ërtrîche, von ërtrîche: von der sechsten weil sint vinsternüsse worden über allez ertriche biz zv der stvnnde der non EvAug 73,12; die besten riter, die man vant / uber allez ert riche StrKD 30,11; in sinen [Jesu] namen hoffent di heiden von allem ertriche EvAug 26,1; an dem andern stúck [ des schiltes ] was die schönst frau von ertrich gemalet Lanc 342,31. – die irdische Welt im Ggs. zum Himmel: daz der schephær der himels und ertrichs geweltich ist PrOberalt 39,10; daz seil bezeichent die gotis minne, die in von himele her in ertriche zoch Lucid 86,1; dc [Wort von Christus] wart uirnomin in ertrîche unde in himilrîche̜ TrudHL 10,23; die aber des ertriches nihtesniht minnent, di varent vber sich ze himelrich PrBerthKl 4,99. – übertr. für die auf der Erde lebenden Menschen: do [im Gebet] kam diser selbe túfel in dem lufte gevaren und nam des súndigen ertriches vil grosse war Mechth 4: 2,79. 5: 23,161    2 die Erde als Himmelskörper ‘Erdkugel’ di vinster [...] geschach [...] von dem underval / des mânes, der dô legte sich / zwischen sunne und erdrîch JvFrst 9834; wan ez ist in [ in oriente ] e naht dan uns. daz en mohte niemer geschen, enwere daz ertriche niht kugeleht unde enmitten hoch MNat 1,7; daz aber daz ertreich sinbel sei als ain kugel KvMSph 14,9; daz daz halptail dez ertreichs alle zeit derleuht werde von der sunnen ebd. 58,19; daz si [Sonne] verr grœzer ist wann daz ganz ertreich BdN 60,23; daz der môn under allen planêten dem ertreich aller næhst ist ebd. 67,24    3 ‘Gebiet, Territorium auf der Erde’    3.1 ‘Reich, Herrschaftsgebiet, Land’ sine [ die buͦch ] zaigent dir [Roland] nehain gelichin, / noch nelebet in allen ertrichen, / noch newirt niemir mere Rol 7520; der kunic het lâzen / verwüesten den von Ôsterrîche / ir ungerischez ertrîche Ottok 39805; daz ertreich der morn [ Ethyopia ] wuͤrde von kainem reich gedruͤket KvMSph 47,13; MarlbRh 28,27    3.2 ‘Grundstück, Grundbesitz, Grund und Boden’ als ir man stirbet, sô sol si daz ertrîche rûmen inner sehs wochen SpdtL 95,12; ein stuck ertreich ob dem wege gen Eppan haizt der Traenter UrkSüdtirol 3,2:212 (a. 1330); das holz in dem Teufenpache mit samt dem ertereiche UrkCorp (WMU) 1548,11    4 ‘Erdoberfläche, Erdboden’    4.1 allgem.: doch ging er furter, und ducht yn wie der berg uff yn viel und wie sich das ertrich allumb kert Lanc 212,29; die sunne bark irn schin, / die steine worden zer cluben, / daz ertrich muste toben HvNstGZ 4254; ie langer er [Vogel] vlúget, ie er wunnenklicher swebet, kume als vil, das er das ertrich beruͤret, das er sich labe Mechth 7: 61,6; ouch liezen dâ zusamne gân / die helde sô nîtlîche, / daz man daz ertrîche / sach biben von ir orse louf HvFreibJoh 252; KvMSph 53,5; BdN 77,4. 218,2    4.2 ‘Ackerboden, Ackerland, fruchtbarer, bewirtschafteter Boden’ man gab in allis des genuoc / des daz ertriche truoc Athis C* 150; als ein sûzer regen des meien / fröut daz ertrîche und fruhtbêre tût Kreuzf 1015; kein ertrîche nie getruoc / baz korn unde wîn Bit 13308; daz ertreich ist gar fruhtpær, wann ez mag kain fruht gewahsen dann auf der erden BdN 106,32. 57,7. 378,10; der kirsboum wil habin kalde luft vnd vucht ertriche Pelzb 126,21. 128,19. 130,8    4.3 ‘Festland, trockener Boden (im Ggs. zum Meer)’ in vier und zweinzec wîlen / überloufet si [Sonne] gelîche / wâge unt ertrîche Georg 2964; da er zu der pfuczen kam, da enfand er da nicht dann slecht ertrich Lanc 213,36; bi dem dritten tag, do geschvf got daz dvͤrre ertrich vnd sampt daz wazzer an ein stat PrBerthKl 1,38; daz wazzer ist kalt und fäuht und gêt umb und umb daz ertreich, ân als vil daz ertreich enplœzt ist von dem wazzer an den steten, dâ die läut wonent und andreu tier BdN 100,34. 101,7    5 ‘Erde, Lehm, Ton (als Material, Stoff)’ ist aber daz ertreich sweflik, als do die haizzen pad enspringent KvMSph 17,27; daz wazzer ist daz pest ze trinken, daz durch velse fleuzt und durch sandigz ertreich BdN 103,36. 83,27 u.ö. daz dw hefen [Töpfe] sind geleich / dw aus ainem erdreich / sind getempert und geprant Teichn 441,10    6 ‘Erde als eines der vier Grundelemente’ vier element in dîner hant / sint eigenlîch betwungen, / luft wazzer viur ertrîche KLD:Kzl 2: 1,15; daz ertreich ist dem menschen daz aller gemachsamst element BdN 106,20; daz sych dy hycze dez fuͤrez myt der keldene dez wazzerez, vnde dy dorde dez hertrykez myt der fuͦchtnysse der lucht glych getemperyrt vnde gemenget OvBaierl 2,14; KvMSph 10,4

MWB 1 2120,38; Bearbeiter: Pfefferkorn

ërtrîchgerüste stN. ‘Erdgebäude’ er [Gott] mahte daz himelgerüste und daz ertrîchgerüste mit einander PrNvStr 297,9

MWB 1 2122,29; Bearbeiter: Pfefferkorn

ertriegen stV. 1 ‘etw. durch Betrug erlangen’
2 ‘jmdn. durch Betrug zu etw. bewegen’
   1 ‘etw. durch Betrug erlangen’ mit der [Verwandtschaft zwischen Marke und Tristan] verkouften si [Tristan und Isolde] vil, / mit der ertrugens ir minnenspil Tr 13004; daz ei brâht im daz vogelîn: / der vogel muoz gelîchet sîn / dem wîsen zouberære, / des zouberlîchiu mære / im einen erben hânt ertrogn RvEAlex 1189    2 ‘jmdn. durch Betrug zu etw. bewegen’ und hât mich got gehaizzen dc ich dich mit mier hain fuͤre, dc du mit mier essest und also ertrôg er den wissagen dc er mit im wider hain fuͦr PrSchw 1,53

MWB 1 2122,32; Bearbeiter: Pfefferkorn

ërtrinc stM. ‘Erdkreis’ wir giloubin ani den Crist, / der gischuf alliz daz dir ist, / der dir hiz werdin / den himil joch di erdin; / sin ist al der ertrinc ÄJud 55; den himel unt den ertrinc / machit diu goteheit wise / ze eim eweclichin paradise LAntichr 1178

MWB 1 2122,43; Bearbeiter: Pfefferkorn

ertrinken stV. 1 ‘ertrinken’
1.1 eigentl.
1.2 in vielfältiger Weise übertr.
2 ‘in einer Flut untergehen, versinken’
3 von Schiffen ‘untergehen’
4 ‘etw. trinken’
   1 ‘ertrinken’    1.1 eigentl.: daz wazzer flôz uber al, iz fulte berg unde tal. / dei gebirge dô sunchen, dei lûte elliu ertrunchen Gen 705; daz sîner [Alexanders] scephe ein hundert versunchen / unt sîne helde all ertrunchen VAlex 772; also di haiden di da intsamt waren / alle ertrunchen unt ertwalen Rol 7071; der die rüder nicht beweget in der czeyt des vngewitters, [...] ein sölher ertrincket oft Gnadenl 3:M1,175; Seuse 78,12. in dem mer, see, wag, wazzer ~ : in dem grundelosen mere ist er ertrunken Tauler 176,11; siben hundert oder me [...] ertruncken in dem se Herb 4250; der visch mag in dem wasser nit ertrinken Mechth 1: 44,69; si [Juden] müezen vor uns sinken / und in dem wâg ertrinken EnikWchr 8304. – subst.: der [Stein] ist guot wider diu pœsen tier und wider ertrinken in wazzer BdN 471,2. uf dem mer ~ : sam er [ mergans ] sich fräw der läut, die auf dem mer ertrinkent [Schiffbruch erleiden] BdN 205,16. in dem blute ~ (oft hyperbolisch in Kampfschilderungen): die helede gûte / wûten in den [= dem ] blûte / vaste biz an di knî. / [...] / vil manich in den blûte ertranc SAlex 2149; da was die slachte so groz, / daz daz blut als ferre floz, / swelchen man von dem rosse dranc, / daz er in dem blute ertranc Herb 1486; es [Kind bei der Geburt] ertrunke och in dem bluͦte / das von der wunden kæme, / e das man es us næme WernhMl 13054    1.2 in vielfältiger Weise übertr.: er [Heinrich] was trûric und unvrô. / sîn swebendez herze daz verswanc, / sîn swimmendiu vreude ertranc AHeinr 150; von sînem hazze ich nâch versanc, / und ouch versunken wære, / des half mir, daz ich niht ertranc, / gedinge ûf liebiu mære HartmKlage 1717. in etw. (Dat.) ~ : daz ist daz süeze gebet, / dâ diu sêle inne / ertrinket in der minne LvRegSyon 1127; das si [ únsere magen ] des pfuͦles alze kleine haben, da si doch leider inne versinken und in den súnden ertrinkent Mechth 7: 27,18; von allem luste daz oberste wipfelîn der sêle niht enwirt geneiget her abe, daz ez niht ertrinke in dem luste Eckh 3:482,10; durh daz was herzenhalp sîn brust / wol hende breit gesunken / und sîn vreude in riuwe ertrunken Wh 177,14; la minne in unminne nicht ertrinken JTit 1906,4    2 ‘in einer Flut untergehen, versinken’ ich vurhte mir uile sêre / daz guͦt ist uirsunchen / dev werlt allev irtrunchen VMos 13,21; die stete waren virsunchin, / lút und lant irtrunchin RvEWchr 4869; ein so groz isil [...], / dú an des mers grunt versanch, / mit lútin und mit guͦte irtranch ebd. 3015. in dem wâge, wazzer ~ : diu hiuser, daz si sunken / und in dem wâg ertrunken EnikWchr 4176. 4096; swedir ez [ daz der man gewinnet ] versinchet, / in dem wazzir ertrinchet, / oder sus chumet ein unheil / unde enleibet im sin deheinen teil VRechte 81    3 von Schiffen ‘untergehen’ zwelve kiele al dâ ertrunken / und alzemâl versunken ErnstD 1955; von danne furt er ainen̄ pracken / wol mit dreyssig tausent marcken̄: / das ertranck mitten in dem wilden mer HvNstAp 1716; ob âne meisterschefte vert / ein schef, [...], / daz muoz durch nôt ertrinken / und vil gar ersinken LBarl 6535    4 ‘etw. trinken’ er [Holofernes] wart des schônen wîbes [Judith] alsô vrô, / daz er mêre ertranch dô / in mete jouch in wîne / danne er deheines tages î getrunche ze sînem lîbe JJud 1430. – ‘etw. völlig austrinken, leer trinken’ ein wurm wuchs dar inni [ in Hiersalem ] , / der irdranc alli di brunni, / di dir in der burch warin LobSal 60

MWB 1 2122,49; Bearbeiter: Pfefferkorn

ertropfen swV. ‘abtropfen’ als er nu̇ den staden gefie, / sin rosz er hertropfen lie Krone 21339; Scholls Konjektur ertraben ist unnötig, siehe Anm.z.St.

MWB 1 2123,55; Bearbeiter: Pfefferkorn

ërtrouch stM. ‘Erdrauch’ (Fumaria officinalis, vgl. Marzell 2,50f.) vurbe dich [...] mit dem saffe fumi terre daz ist ertrouch SalArz 78,6; si [Tamarinde] ist ouch gut vur den grint di da ist uon der colera, so man si gibet mit ertrouch ebd. 82,35

MWB 1 2123,59; Bearbeiter: Pfefferkorn

ërtrouchsaf stN. ‘Erdrauchsaft’ vurbe im di vuchte mit nezzil windech saffe, oder mit ertrouch saffe SalArz 55,51

MWB 1 2124,1; Bearbeiter: Pfefferkorn

ërtrouchsôt stM. ‘Erdrauchsud’ der sal si zu triben in einem ciginem kesewazzer oder in ertrouche sot SalArz 82,55

MWB 1 2124,4; Bearbeiter: Pfefferkorn

ertruckenen swV. ‘trocken werden’ do al dú erde irtruchint schein, / Noe zoh uf die erde widir RvEWchr 832; daz sin geselle bi dem fúre wol ertruchnet were Seuse 76,19. – Part.-Adj.: das si [die Taube nach dem Rückgang der Sintflut] vant irtruhchent lant RvEWchr 828

MWB 1 2124,7; Bearbeiter: Pfefferkorn

ertrüeben swV. ‘jmdn. traurig, betrübt machen’ geniuzet es mîn wîp, / daz si [Kriemhild] hât ertrüebet den Prünhilde lîp NibB 861,2; weinen si began. / des hete michel wunder die Ezelen man, / waz ir sô snelle ertrüebet het ir hôhen muot NibC 1804,3; ez wirt ertrüebet, / der mit gemach wænt sein Krone 1327

MWB 1 2124,13; Bearbeiter: Pfefferkorn

ertrûren swV. (vgl. ane ertrûren) ‘jmdn. traurig machen’ edil jonffrou czairt, / ich moicht uch ommer dienen voirt / went an myns levens oirt, / sint uch myn liden hait erdrocht [La. erdrurt ] MinneR 497 1043. er svl etswenne von vblen vnsern werchin irtrurit werden BrZw Prolog

MWB 1 2124,20; Bearbeiter: Pfefferkorn

ërtscholle swM. ‘Erdklumpen’ einen rappen man dô sach / vliegen ob dem herren hin, / der lie vallen hin ûf in / einen ertschollen sâ RvEAlex 10205; swâ ein ertscholle hin vellet, dâ vellet diu erde alzêmâle hin, wan ein ertscholle bewîset, daz diu erde sîn rehtiu ruowestat ist Eckh (Pf) 236,37; wenn diu jungen rephüendl sich fürhtent, daz man si vâhen well, sô hebent si die ertschollen auf mit irn füezen und verpergent sich dar under BdN 215,26

MWB 1 2124,26; Bearbeiter: Pfefferkorn

ërtsnëcke swM. ‘Erdschnecke, Landschnecke’ limax haizt ain erdsneck, wan limus ist ain zæh erdreich sam laim, dar auz wechset der sneck BdN 302,33; ez sei ain wazzersneck oder ain ertsneck ebd. 308,20

MWB 1 2124,35; Bearbeiter: Pfefferkorn

ërtstadelec Adj. Bed. unklar, wohl: ‘in der (unterirdischen) Vorratskammer lagernd’ (vgl. Schiller/  Lübben 1, 717) swô ein gût erbelôs erstirbet von manne oder von wîbe, daz ertstatelêge korn ist sîn [des Fronboten] SSp (W) 3:56,3

MWB 1 2124,40; Bearbeiter: Pfefferkorn

ërtstift stMN. ‘auf der Erde errichtetes Bauwerk’ dâ lac ein burc, diu beste / diu ie genant wart ertstift Parz 403,19

MWB 1 2124,45; Bearbeiter: Pfefferkorn

ertücken swV. ‘etw. mit List erlangen’ er wolt ein brievelin schriben, / ob im diu sælde triben / wolt daz geluͤck / so daz er moͤht ertuͤck / die stunde daz er wuͤrde / der diu des jamers buͤrde / uf in geladen hæte WhvÖst 6682

MWB 1 2124,48; Bearbeiter: Pfefferkorn