ertumben
swV.
‘völlig unverständig, unbesonnen werden’
si was ertumbet als ein kint / von herzesüezer minne KvWTroj
8870
MWB 1 2124,53; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtval
stM.
‘Schlag, der jmd. zu Boden wirft’
swer in der stat ze Gewiler [...] in dem ertvalle
schuldig wirt [...] âne den tod WeistGr
5,344
(a. 1310)
MWB 1 2124,56; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtvar
Adj.
‘erdfarben’
melancolici, die leute, / sint ertfar Physiogn
90;
wan sô er [
regenvisch
] sich nâch der praiten an daz ertreich smucket, sô ist er oben auf dem
ruck erdvar BdN
247,8;
daz ein pfluoges schar [...] ertvar wirt als ander
mist / von roste, swenne ez müezic lît Renner
21054
MWB 1 2124,59; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtvellec
Adj.
in der Wendung jmdn.
~ machen: ‘jmdn. zu Boden schlagen, niederschlagen’
swelch burger den andern ertvellic machet, oder der den andern mit gewaffenter
hant ubellichen anloufet UrkEls
2,56
(a. 1293);
wer auch den andern sleht mit gewaffenter hand und jn pluetruns und herdfellig
machet DRW
3,167f.
(a. 1313)
MWB 1 2125,1; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtvluc
stM.
‘bodennaher Flug’, von der Schwalbe:
die swalewe vêt die mücken, vor dem valken des sie bâget. / den ertvluc unde
den swippersweif kan sie baz üeben Rumelant (R)
4:18,2
MWB 1 2125,8; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtvruht
stF.
→
ërdenvruht
MWB 1 2125,12;
ertwahen
stV.
‘jmdn. durch Abwaschen von etw. reinigen’, übertr.:
des wart der keiser Constantîn / gereinet unde wol getwagen [La.
ertwagen
] / von sünden und von siechtagen KvWSilv
1849
MWB 1 2125,13; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtwaʒʒer
stN.
‘Erdwasser’ als Etymologie des griech. Schlangennamens
cylidros:
cilydros ist in kriechisch sô vil als ertwazzer, wan citron
haizt erd in kriechischen, sô haizt ydros wazzer BdN
267,7
MWB 1 2125,17; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtweige
F. (?)
‘Erdbeben’
ie sâ mit disem worte / ein ertweige sich erbôrte WvRh
12361
MWB 1 2125,21; Bearbeiter: Pfefferkorn
ertweln
swV.
‘jmdn. kraftlos, betäubt machen’
des schuzzes beide [Gunther und
Siegfried] strûchten, die vil starken man. / si
[Prünhild] ertwelte si sô sêre, daz si den lîp nâch
heten lân NibC
468,4
MWB 1 2125,23; Bearbeiter: Pfefferkorn
ertwëln
stV.
‘die Lebenskraft verlieren, zugrunde gehen, sterben’
alle di an dem sceffe wâren / di retrunken unt ertwâlen
Kchr
2910;
si beuielen daz geuilde / unt fluhen an di perge. / si
erstichten unt ertwalen Rol
5187.
7071.
– mit Gen.:
suln wir des hungers ertweln hinne? / oder ze tôde
verbrinnen? Kchr
4627;
daz si so getânes tôdes retweln solten? ebd.
10526
MWB 1 2125,27; Bearbeiter: Pfefferkorn
ertwingen
stV.
1
‘etw. (von jmdm.) erzwingen’ , mit Akk. 2
‘jmdn. (im Kampf) bezwingen’
3
‘sich jmdn. unterwerfen’
1
‘etw. (von jmdm.) erzwingen’, mit Akk.:
ist daz ich [Paligan] in selbe
ersihe, / daz er unter minem swerte gelige, / oder flucht erdwingen
Rol
8381;
swer solhe helfe ertwinge / mit sîner ellenthaften hant, /
den mac man hân für prîs Parz
676,20;
swer mit leide wil ertwingen liep, der tœret sich vil gar
KLD:BvH
15: 4,1.
–
an jmdm. ~ (vgl. ane ertwingen):
vaste riefe du mich an: / waz woltste an mir ertwingen?
Parz
49,29;
ich [Siegfried] trouwe an in
ertwingen beide liute unde lant NibB
55,4;
ist daz iemen liep oder leit: / ich wil an iu ertwingen,
swaz ir muget hân ebd.
110,3;
HvdHageMarg
946
2
‘jmdn. (im Kampf) bezwingen’
dâ mit [
hervart
] ich [Siegfried] solde ertwingen die vil
wætlîchen meit NibB
58,4.
115,2;
der tiefel hat gesait / [...] / in
chünne niemand ertwingenn Märt
9005;
ob Orilus ertwunge die rotte groz, da mit er hie urliuget JTit
4525,2.
–
‘eine Stadt erobern’
Terramêr vil rehte ersach / daz deheines sturmes ungemach
/ Oransche möht ertwingen Wh
111,3;
Raben unde Meilan / han ich [Dietrich] wider
ertwngen Dietr
7442
3
‘sich jmdn. unterwerfen’
ich wilz sus versuochen, ob ich ertwingen kan / dich mir ze
einem gîsel NibB
2351,3
MWB 1 2125,35; Bearbeiter: Pfefferkorn
ertwungenlich
Adj.
‘erzwungen’
âne ertwungenlîche nôt / rîte er [Biterolf] swar in
dunket guot Bit
598
MWB 1 2125,60; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtwuocher
stMN.
‘Ertrag des Bodens, Feld-, Ackerfrucht’
sînen wuocher, der von sînem lîbe kom, der sî gesegent; unde sîn ertwuocher
unde sînes vihes wuocher sîn gesegent SchwSp (W)
172,136;
daz ich [Jacob] got wil einen mit allem muͦte meinen
/ unde im minen zehenten gibe uon ertwͦchir und uon uihe GenM
55,3;
si [Juden] musten geben primitias,
daz waz daz ertwuocher, daz musten si dem ewart bringen PrOberalt
49,19;
dô kâmen diu siben übeln jâr, unde wart niht ertwuochers
BuchdKg
17,9.
20,15;
dû verderbest uns den ertwuocher, wan dû gote widersagest alle sîne helfe
PrBerth
1:27,22.
1:258,29
MWB 1 2125,63; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtwurm
stM.
‘Regenwurm’
ain regenwurm oder ain ertwurm BdN
310,9
MWB 1 2126,12; Bearbeiter: Pfefferkorn
ërtwürmelîn
stN.
‘Regenwürmchen’, übertr.:
ach wie danckbar soͤln wyr menschen seyn das der herr sich so groͤßlich
erbarmet hat über vns arme erdtwuͤrmlein vnd sundige creatüren Eckh
2:386,8
MWB 1 2126,14; Bearbeiter: Pfefferkorn
eruca
Subst.
1
‘Weißer Senf (Sinapis alba)’
2 wohl ‘Kohlraupe’
3 ein Käfer
1
‘Weißer Senf (Sinapis alba)’
eruca heizet wiz senf. der ist heiz in dem andern grade unde
fucht in dem ersten Macer
46,1;
eruca genutzet vertribet den husten ebd.
46,4;
nim alene eine unze, wirouches zwo unze,
[...] des crutes eruce achte vnze SalArz
79,14;
BdN
398,28
2
wohl ‘Kohlraupe’
eruca haizt ain krautwurm. daz ist ain langer wurm und hât
gar vil füez und mangerlai varb BdN
301,3
3
ein Käfer:
der kefer erugô / kom mit solher kraft / sîner geselleschaft
/ unde frezze al ir heu Ottok
78421
MWB 1 2126,18; Bearbeiter: Pfefferkorn
erucasame
swM.
‘Samen des Weißen Senfs’
eruce samen getempert mit ochsen galle ist ouch
gut [für eine Krankheit der Nägel]
SalArz
79,41
MWB 1 2126,29; Bearbeiter: Pfefferkorn
erüeben
swV.
‘etw. einüben’
daz wir si [
tvgent
] chovm mit langer arbeit an vns ervͤben vnd mit hertem strit ervehten
DvAPatern
295
MWB 1 2126,32; Bearbeiter: Pfefferkorn
êrunge
stF.
1
‘Verehrung, Ehrerweisung’
2
‘Vergünstigung’
3
‘Abgabe’
1
‘Verehrung, Ehrerweisung’
die sach der erung ist von dem, daz der, der geeret wirt,
etwaz wirdikeit hat ThvASu
116,15.
116,19.
– wohl auch ‘ehrendes Geschenk, Gabe’
dem kunic si [
Bêheimherren
] zuo dem zil / brâhten guotes vil, / dâ si mit êrten in. / dô ein
ende het der gewin, / den diu êrung brâhte, / der kunic dô erdâhte, / wes er
begunne, / dâmit er guotes vil gewunne Ottok
91059;
waz im erung kæm ze hant, / die behielt er
Teichn
479,32
2
‘Vergünstigung’
wir [Herzog Heinrich]
[...] haben in darvmb die besunderleich gnad vnd
[...] erung getan, daz si vnd ir gotzhaus
[...] vber ain gantzes jar frey vnd ledich sullen sein
[...] aller gastunge UrkEnns
5,367
(a. 1323)
3
‘Abgabe’
sol er iærlich suͦchen vnsers chelnærs taidinch mit siner êrvng mit einem huͦn
UrkCorp (WMU)
3182,21;
wir schullen auch weder apt, noch chelner [...]weder
steuer noch erung noch chainerlai hantraich geben noch raichen UrkHeil
2,183
(a. 1343);
UrkRait
507
(a. 1315)
MWB 1 2126,35; Bearbeiter: Pfefferkorn
ê|runs
stM.
‘vertraglich angelegter Wassergraben’
das da niemer einhein bu me werden sol, wan das ein offen êruns iemer sin sol
UrkCorp (WMU)
3049,38
MWB 1 2126,55; Bearbeiter: Pfefferkorn
ervallen
stV.
1
‘nach unten fallen’
1.1 von Gegenständen: ‘herab-, herunterfallen’
1.2 von Personen (und Tieren): ‘(zu Boden) stürzen, fallen’ , meist refl. 2
‘jmdn. fallen lassen’
3
‘(sich) herunter stürzen, zu Tode stürzen’ , refl. 4
‘jmdn. erschlagen, töten (im Kampf)’
5
‘im Kampf fallen’
6
‘einfallen’
7 rechtsspr. 7.1
‘jmdm. zufallen’ (Erbe, Lehen) 7.2
‘mit einer Rechtshandlung Misserfolg haben’ (vgl. DRW 3,177)
1
‘nach unten fallen’
1.1
von Gegenständen: ‘herab-, herunterfallen’
ir [Schuhe] was hie ein michel
teil geslagen / die han die knechte zo
tragin [fortgetragen] / ist ir dar ich
[=icht
] iruallen, / ich bringe der [=dir
] sie alle Roth
2139.
– bildl.:
daz herhorn, di posawn / offenlich erschellet, / so
daz der don ervellet / allen toten in den sin Vät
40440
1.2
von Personen (und Tieren): ‘(zu Boden) stürzen, fallen’, meist
refl.:
des sluc im Thoas / den schilt enzwei, zvm andern slage,
/ daz im erviel der phage [Pferd]
Herb
5446;
nach den leutten er do lieff / und saget den allen, / der maister hiet
sich ervallen. / er hies in gewinnen aus dem graben Seifrit
720;
do gienc er einen smalen stic
[...] der getrewe und der stete, / sich nach
ervallen hete. / uf dem stige er slipfte Rennew
36288;
der weise het sich ervallen sêr. / er sprach: ‘ich enmac
niemêr’ EnikFb
3633.
–
uf/ uber etw. /jmdn. ~ :
daz er von dem ross ze tal / hienc und erviel ûf daz
wal / unde man in dannen truoc EnikWchr
28360;
[das Kind] erviel sich, daz ez starp, / über den
velsen in daz tal WvRh
5349;
dv solt dich niht legen an den wech zeinem stæine, daz
man sich iht vber dich ervalle PrBerthKl
7,20.
– übertr.:
swaz man lobet an dem man, / dâ kêrt er sînen flîz an. / da enlobe ich
niemens schallen, / dâ man sich mac ervallen Freid
62,1
2
‘jmdn. fallen lassen’
her [Teufel] hat durchtiefes
[sehr tief] irvallen / die mismuten lute
HeslApk
13352
3
‘(sich) herunter stürzen, zu Tode stürzen’, refl.:
swie ir denne vunden werdet, ir ivch ervallet, ir ivch
ertreinchet, swie getanes todes ir sterbet Spec
2,10;
liute ervallent sih vil, / ertrinkent unde werdent erslagen
Kchr
3324;
sleht mich der hagel oder ervalle ich mich oder swie ich stirbe, sô bin ich
verlorn und bin tôt PrBerth
2:243,5.
– absichtlich:
do gienc der rihtære, der in [den heiligen
Andreas] da gemarteret het, uf ein hohe unde eruiel sih dar ab
PrHoff
115,30.
–
an
‘in’etw. ~ :
[Ênîte] kêrte daz ort / engegen ir brüsten, / nâch
tôdes gelüsten, / als si sich wolde ervallen dran Er
6114.
– als Part.-Adj.:
wie si [Maria] betruͤbet wære /
umb dú zornlichen mære / dú sú horte sprechen, / und an im
[Jesus] weltint rechen / des ervallen kindes tot
WernhMl
4901.
–
sich ze tode
~ :
dîn gallentrunc / lêrt in den sprunc / an dem er sich ze
tôde erviel KvWLd
1,156;
daz ez [Rind] sich ze tode
erviele oder daz ez ertrunche StRAugsb
35,10
4
‘jmdn. erschlagen, töten (im Kampf)’
dô wolt er vor in allen / den ritter ervallen UvZLanz (K)
1944.
–
leide gedachte im Castor, / daz erfallen was Nestor / von
jeme iungelinge Herb
1440
5
‘im Kampf fallen’
vnde wer er [Hector] alleine
erlegen, / gefangen oder erfallen, / ez schadete in immer allen Herb
9163;
ich forchte, daz der erfalle, / der vns behutet alle ebd.
9602;
da wart erslagen vnde ertrat / funf / hundert vor der stat. /
die erfielen alle / nach Hectoris valle ebd.
10437.
10707.
13615
6
‘einfallen’
war umme zůrnes du und war umme ist din antlize alsus ervallen PrLpz
111,39
7
rechtsspr.
7.1
‘jmdm. zufallen’ (Erbe, Lehen):
lâzet ûch burge ind lant / sweren zô dem hêren mîn: / ir solt ir vormunder
sîn. / ûch irvellet die halve deil Crane
3984;
UrkFreiberg
1:43,35
(a. 1305)
7.2
‘mit einer Rechtshandlung Misserfolg haben’ (vgl. DRW 3,177):
wer iz abir, daz he irvile an dem eide oder an dem gezuge, alse davor
stet, so hette he di eigenschaft verlorn an dem erbe StRFreiberg
36,22;
irvellit aber der vorderer an sime gezuge, so verbuzet he sechcic
schillinge unde ienre ist der klage ledic ebd.
87,15
MWB 1 2126,59; Bearbeiter: Pfefferkorn
ervalten
stV.
‘vollständig falten, niederdrücken’, hier ‘überwinden’
alzuhant sin herze ervielt / die werlt Pass III
516,12
MWB 1 2128,1; Bearbeiter: Pfefferkorn
ervalwen
swV.
‘farblos, bleich, welk werden’
mit manigerhande bluͦmen, lilien vnde rosen, violen, die
niemer erualwent Lucid
144,4;
das edel obeß frisch / muß fulen und erfalben risch
Mügeln
266,6;
als daz tow erfroͤwet den lylien so er ervalwet von der hitze der sunnen, also
tuͦt únser herr der sele so si verdorret ist PrGeorg
71,34;
erswarzet und ervalwet / was im [armer Pilger] ein
teil sîn rôter munt RvEGer
3718.
– vom Haar ‘grau werden’
sîn varwe begunde bleichen, / sîn hâr schiere ervalwet was Tund
245
MWB 1 2128,4; Bearbeiter: Pfefferkorn
ervære
stN.
‘Angst, Schrecken’
en were Gerffyn neit so goet, / so kone ind so van hohem moet, / so soulde hey
is hauen groes ervere KarlGalie
11255;
Orie gewan ervere / ind schemeliche gebere ebd.
13927
MWB 1 2128,15; Bearbeiter: Pfefferkorn |