ê|schillinc
stM.
‘gültiger, guter Schilling’
dem wirte der da geheimsuchet ist dem sol man gaeben zwelf
eschillinge, unde ist ie des eschillinges drizzik phenninge StRAugsb
120,3.
21,16;
do ertailten die lantherren also, daz man vns anders wandels iht geben solde, dan
sechs êê schillinge phenninge avf daz gvͦt [bei Betreten des
Gutes] vnd sechs êê schillinge phenninge ab dem gvͦte
[beim Verlassen]
UrkCorp (WMU)
2802,5.6;
aber an dem gerihte, swer denne den scheppfen spricht an ir ait, der ist schuldic
der alten puͦze, daz ist dem rihter ain frevel und iedem scheppfen zwelf eschillinge
NüP
136;
swo dich [l. diz
] puch uon shillingen ist [l. seit
] , da sint ie zwelf phenninge ein shilling. daz heizent eshillinge
SchwSpM
149
(vgl.
SchwSp
13a )
MWB 1 2204,7; Bearbeiter: Plate
eschîn
Adj.
‘aus Eschenholz’, formelhaft meist von schaft und
sper:
dâ brast manich eschîner scaft Kchr
7060;
uil manigen eskinen scaft / gefrumten si uffe di cristen
Rol
4110
u.ö.;
StrKarl
5116;
man truoc ouch dar mit schilden vil manigen eschînen schaft
NibB
578,4;
Athis
C 120;
Tr
9168;
Wig
3544;
ParzRapp
384,27;
ein eschin sper Lanc
513,30.
– selten von anderem:
hin ûf man sande / heize flamme unde rouch. / daz fûre an die were flouch, /
sine mohtenz niht erleschen. / ir blanken [Pfahlwerk,
Palisaden] wâren eschen, / die vil liehte branden En
7010;
in dem eschen walde JTit
1711,1
MWB 1 2204,23; Bearbeiter: Plate
eschman
st.M.
→
ezzischman
MWB 1 2204,36;
eschritzboum
st.M.
‘Speierlingbaum’ (Sorbus domestica, Marzell 4,422ff., bes. Sp. 425 unter
3):
ir weingarten datze Hekkinge vnd einen eschritzpavm, der dar zv gehoeret
UrkCorp (WMU)
1625,15
(u.ö. in dieser Urkunde)
MWB 1 2204,37; Bearbeiter: Plate
eschtürlîn
stn
→
ezzischtürlîn
MWB 1 2204,42;
esel
stM.
‘Esel’
1 eigentl. 1.1 allgem. 1.2 typische Eigenschaften des Esels, oft in Vergleichen und Sprichw. (vgl. TPMA 3,57-85) 2 übertr. ‘Narr, Unverständiger’
1
eigentl.
1.1
allgem.:
ire fihe si brâhten: / rinder unt scâf, esil unt ros dâ
nâh Gen
2596.
dû bist ein starcher esil, dû wirdest vile
fesil [fruchtbar]
ebd.
2833.
1492;
der munt was im [einem ros
] als einem esele getân VAlex
243;
daz er [Samson] mit eines eseles
bachen ein tûsint liutes erslûch ebd.
1264;
mein vas haisst das wunderspil, /
[...] dem esel wechst daraus sein distel, / dem
ochsen häw gibt dise zistel KvMSph
1,12;
ain maul kümt von ainem pfärt und von ainem esel
BdN
141,19;
esils milch ist gut den di sich sin in der lunge
SalArz
18,49;
daz des kaisers Nerônis hausfraw sich padet in esels
milch BdN
120,5;
nym eynen nuen topf unde volle den halp mit esils miste
Albrant
3,40;
esels flaisch macht gar pœs pluot dem der ez izzet
BdN
120,5.
– als Reittier:
er heizet dich uahen, / uon einem esele uuͦren / an
sinen stul ze Ache Rol
2047;
Maria nam von Josephs sattel ein hertes tuͦch, das
der esel uf sinem ruggen under dem sattel truͦg Mechth
5: 23,56.
– als Lasttier:
er esel ist ein geiteloses und ein unreines vich und
treit die puͤrde PrOberalt
165,18;
treit danne [in der Verkehrten
Welt] der sac den esel zuo der müln MF:
Reinm
63: 6
1.2
typische Eigenschaften des Esels, oft in Vergleichen und Sprichw. (vgl. TPMA
3,57-85):
– der Esel ist störrisch, träge:
wir süln ime sô rehte vlêhen, alsô man eim esel tuot, / sô er niht wil
secke tragen, mit eime knütel guot RosengD
172,1;
iz ist bose wider stocke streben: / dem dregen esel sal man
zwiefeldige slege geben SalMark
266;
ich tuͦn als [...] der den
esel da tribet: / so er in den lachen blibet, / er nimt in die hant den
zagel Rennew
22375;
daz ist ouch der esele pflege, / si enwîchent nieman ûz dem wege
Freid
83,25;
Jüngl
163;
SalMark
559;
nim dir der weil: gæher man schol esel reiten
BdN
286,22;
Freid
116,26;
FrSchw
5696.
– Stimme:
esels stimme und gouches sanc / erkenne ich âne ir beider danc
Freid
140,9;
den esel meltet sîn stimme Meissner
1:12,2;
do lief er schriende dar, / als noch ein geiler esel
tut StrKD
70,65.
– Ohren:
ze jungest do er den esel vant, / er wart im bî den ôrn erkant
Boner
67,37;
ein wîp ir wîpheit dannoch phligt: / so erkennet man den esel bî den
ôren RvZw
52,12;
Renner
7470;
AlbvHalbB
48.
69.
– Übermut, Leichtsinn:
swenn dem esel ist ze wol, / so gat er tanzen uf daz is
Frauenlist
282
2
übertr. ‘Narr, Unverständiger’
der wissage ist guneret, / swenne in der esel leret
StrKD
107,324;
dû bist vil lîhte âne vernunst, / ein tumber esel, âne kunst
RvEBarl
12996;
aber ich spriche, daz sie sint esel, die niht enverstânt götlîcher wârheit
Eckh
2:490,8;
alsô geschiht dike, daz von diemüetigen armen läuten ain gar
vernünftig witzig kint geporn wirt und von grôzen fürsten ain narr und esel kümt
BdN
184,13
MWB 1 2204,43; Bearbeiter: Plate
esel
Subst.
→ assel
MWB 1 2205,36;
eselære
stm
‘Eseltreiber’
duo frâcte der eselære, / waz im gescehen wære Kchr
1718.
1714.
1716.
1732;
her Chunrat der eseler, der ze den ziten schultheizze was UrkCorp
1323,22.
1323,19
MWB 1 2205,37; Bearbeiter: Plate
eselbære
Adj.
‘eselhaft’
von eselbæren herren sol man eselmære sagen Stolle
26,1
MWB 1 2205,41; Bearbeiter: Plate
esele
stF.
‘Eselin’
der [Saul]
[...] suͦchte Samuelen da, / das er im rehte tete kunt / wa er
funde do zestunt / sins vatirs esele [
asinas
] , die er verlos [1 Sam 9]
RvEWchr
22719
MWB 1 2205,43; Bearbeiter: Plate
eselen
swV.
‘sich zum Esel machen’
sîn vater nie angeleit / mit langen ermelzipfen roc, /
[...] dâ mit er [der Sohn] sich
eselt hie Helbl
2,1482
MWB 1 2205,47; Bearbeiter: Plate
eselgarte
swM.
‘Eselgehege’ (?):
da [in der verkehrten Welt] giengen fisch so schon
einzelt / in einem eselgarten Suchenw
45,29
MWB 1 2205,50; Bearbeiter: Plate
eselhâr
stN.
ist auch daz der stain
[Chrysolith] durchport ist und daz vensterl durchfüllt mit
eselshâr, sô schäuht er die pœsen gaist und verjagt si BdN
442,18
MWB 1 2205,53; Bearbeiter: Plate
eselheit
stF.
‘Torheit’
gêt ot nâch der affenheit / und weset dar an unverzeit, / sô wirt iuwer eselheit /
ze beiden sîten vil breit / und werdet den narren gemeit / und den wîsen herzenleit
Schlegel
1195;
Teichn
635,99
MWB 1 2205,57; Bearbeiter: Plate
eselhût
stF.
‘Fell des Esels’
ez werdent auch peinn [Bienen] auz
ochsenhäuten, die man in der erden verpirgt, und auz eselhäuten werdent websen oder
vespen BdN
292,27
MWB 1 2205,62; Bearbeiter: Plate
eselîe
stF.
‘Eselei’
wie tumm da was sin eseli Mügeln
56,7.
57,14
MWB 1 2206,1; Bearbeiter: Plate
eselîn
Adj.
in eselîne bürde
‘Eselsbürde’, hier für mola asinaria
‘Mühlstein’ (einer vom Esel gezogenen Mühle):
wer abir ergirt einen von disen cleinen di in mich gloubin, dem wêre bezzir daz
ein eselîn burde worde gehangen an sînen hals und worde vorsenkit in di tûfe des meres
EvBeh
Mt 18,6.
Mc 9,41
MWB 1 2206,3; Bearbeiter: Plate
eselinc
stM.
‘Abkömmling eines Esels, Narr’, wortspielerische Bildung zu edelinc
(vgl. auch TPMA 1,30):
ein edeling tuot edellîchen, / ein eselinc tuot esellîchen, / doch siht man ofte
sich dringen / eselinge mit edelingen Renner
1422.
1420.
1427
MWB 1 2206,10; Bearbeiter: Plate
eselinne
stF.
1
‘Eselin’
1.1 allgem. 1.2 biblisch 1.2.1 Gn 32,16 (Jakobs Geschenk für Esau) 1.2.2 Gn 49,11 (Jakobs Segen über Juda) 1.2.3 Nm 22,22ff. (Bileams Eselin) 1.2.4 Mt 18,6 + Mc 9,42 (Übersetzungsfehler für mola asinaria
‘Mühlstein’ ) 1.2.5 Mt 21,2ff. + Io 12,14 (Palmsonntag) 2 übertr. ‘Närrin, Törin’
1
‘Eselin’
1.1
allgem.:
wil dû daz antluze unmâze scône machen, sô nim einer
eselinne milch unde twah daz antlüze dâ mit des âbendes Barth
137,13;
BdN
120,2;
die eslinne tragent iriu kint in dem leib ain ganzez jâr
ebd.
120,15;
diu eslinne gepirt selten zwai kint ebd.
120,17;
der burd [Maulesel] , der ze
latein burdo haizt, kümpt von ainer eselinne und von ainem pfärd ebd.
150,33
1.2
biblisch
1.2.1
Gn 32,16 (Jakobs Geschenk für Esau):
er gestalte ze chreizze zweihundert geizze,
[...] scâffe zweihundert,
[...] vierzich chuo,
[...] zweinzich esilinne,
[...] zuo iegelichem vihe einen hirte der iz
tribe Gen
1515
1.2.2
Gn 49,11 (Jakobs Segen über Juda):
der bintet der esilinnen sun an sînes wîngartan zûn,
/ die muoter an die wînrebe Gen
2761
1.2.3
Nm 22,22ff. (Bileams Eselin):
siner armen eselinnen was er do boreholt
VMos
73,7;
unser herre tet der eselinne munt ûf
BuchdKg
36,3.
36,11;
der der eselinne ir lüegen / in rehte sprache cherte Serv
46;
HeslApk
2911.
–
nû beleite [Gott] mîne sinne / sam dû
der eselinne / ûf tæte ir munt Aneg
10;
unde richte min gemute / der heilige geist durch sine gute, / der
einer eselinne / gab so getane sinne, / daz si menschlichen sprach
Brandan
7.
–
er [Gott] hilfet doch eime vihe: / daz
schein an einer eselîn, / dô si wol tôt mohte sin, / sît si got des
übertruoc, / daz si Balâam niht ersluoc StrKarl
93
1.2.4
Mt 18,6 + Mc 9,42 (Übersetzungsfehler für mola asinaria
‘Mühlstein’):
ez frvmet im daz im gehencket würde ein chinenbacke
einre eselinne in sinem hals vnd gesencket würde in di tief des mires
EvAug
42,1.
100,22
(vgl.
ein stein der mülen [Lc
17,2]
ebd.
181,24)
1.2.5
Mt 21,2ff. + Io 12,14 (Palmsonntag):
du sante unser herre sine jungere zwene, / daz si ime
eine eselinne brahten [...] / do saz er uf die
eselin, mit ir lief daz jungedi. / du reit er ze Jerusalem
AvaLJ
108,1;
Spec
46,30;
PrSchw
2,127;
PrOberalt
8,8;
EvAug
49,6;
SHort
9184.
–
und Jhêsus vant ein eselîn und saz ûf iz, alse gescriben ist
[Za 9,9] : [...]
dîn kuͦnic kummit sitzende ûf eime nôze
[Fohlen] einer eselinne EvBeh
Io 12,14
2
übertr. ‘Närrin, Törin’
maneger wolte gerne sîn / ein esel oder ein eselîn, / daz man seite mære, /
wie wunderlîch er wære Freid
140,24
MWB 1 2206,15; Bearbeiter: Plate
eselisch
Adj.
‘töricht, dumm’
ain gar groß haubtt künndet ainen eslischen. gewelbet praa
wedeütten ainen lisstigenn HvHürnh
76,6;
kint, gere falscher eren nicht nach eselischer wise. / du
salt anzien dins vater wat, das ist min rat Mügeln
56,15.
40,5
MWB 1 2206,61; Bearbeiter: Plate
eselkeit
stF.
‘Torheit’
ez was zeimal ein iungelinc, / der [...] sich selber an
nam / durch eine valsche eselkeit, / daz sin sprache was geleit / und wolde stete swigen
Pass III
520,89
MWB 1 2207,1; Bearbeiter: Plate
eselküene
Adj.
‘kühn wie ein Esel’
dar umb ist er nicht ein zag / daz er sich bedencht in zoren. /
[...] ez ist ein weiser muͤt, / der sich vor bedenchen tuͤt
/ und der czeit iͤr weil chan lan; / [...] wer hin wider slecht
zu hant / unbedacht, der ist genant / ‘esel chuͤn’ und ‘der unbeis’
Teichn
433,95
MWB 1 2207,5; Bearbeiter: Plate
esellîche
Adv.
‘wie ein Esel’
ein ungelêrter künic gelîch / ist einem esel gekrœnet, / wan er ouch esellîch
dœnet HvBer
1507
(vgl. TPMA 7,127)
MWB 1 2207,11; Bearbeiter: Plate
esellîn
stN.
auch esellî.
‘Eseljunges’
da vindet ir ain eselinne gebvnden vnde ir ivngide
[...] div eselinne, div da gebvnden stvͦnt, bezaichent die
ivden [...] daz ivnge eselli [...]
bezaichent die haiden Spec
47,7;
gên Jerûsalêm er reit / mit dêmüetlîcher armekeit / ein vil
krankez esellîn RvEBarl
2771.
2781;
und Jhêsus vant ein eselîn und saz ûf iz, alse gescriben ist [Za
9,9] : [...] dîn kuͦnic kummit sitzende ûf
eime nôze [Fohlen] einer eselinne EvBeh
Io 12,14.
–
dô stuont dâ bî / ein vrowe, diu hât ir esellî / verlorn vor an dem dritten
tage Boner
82,16;
sô die jungen eselein geporn werdent BdN
153,28;
Joseph fuͦrt och mit im dar in / das rind und och das esellin
WernhMl
2584
MWB 1 2207,14; Bearbeiter: Plate
esellîp
stM.
‘Eselkadaver’
auz der tôten pfärd leib werdent webzen und harliz, auz
eselleiben werdent ainrlai vliegen, haizent scarabei BdN
292,35
MWB 1 2207,28; Bearbeiter: Plate |