Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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e – ëbenbürtecheit
ëbendol – ëbenguot
ëbenheilec (?) – ebenisch
ëbenjunc – ëbenmenden
ëbenmensche – ëbenstrenge
ëbensuoʒe – ëbenwette
ëbenwîch – êbrëchærinne
êbrëchec – eckerich
eckerlîn – edelkeit
edelkint – effede
effelîn – ege|sam
eges|bærec – êhaftec, ehtec
êhafteclîche – ehten
ehter – eichermel
eichgrabe – eidigen
eierære – eigenerge
eigengeborn – eigenschaft
eigenschaftlich – einbærkeit
einbærunge – einent
einenthalp, einenthalben – einhalp, einhalben
einhël – einlift
einlifthalp – einöuge
einöugec – einstirn
einstrîtec – einvach
einvalt – einworhte
einwort, einwürte – eischtac
eischunge – eiterbluome
eiterbrâme – eitertrache
eitervar – êkonvrouwe
ekub – elfenbein
elfenbeinîn – ellendeclich
ellenden – elmëʒ
elne, elle – emb-
ember – emʒlîche
en – enbicobe
enbieten – enbore
enbœrec – ende
endeblat – endeschaft
endeslac – enein hëllen
enein komen – engegenen
engegengân – engelkeiserinne
engelkôr – engelvürste
engelwësen – englîmen
englimmen – enhundert
enîdrus – enklieben
enklœʒen – enmitten
enmittenzwei – enphrüenden
enphüelen – ensîten
enslîbe (?) – ent-
ent|ænegen – enthalben
enthalt – enthitzen
enthiuten – entlegen
entlêhenen – entliutern
entlocken – en|toben (?)
ent|ordenen – ent|rigeln
ent|rîhen – entsagen
entsagunge – entschîben
entschicken – entsebelich
entseben – entslîchen
entsliefen – entspitzen
entsprëchen – entsüenen
entsunkenheit – entvëlhen
entvëlhigen – entvliehen
entvlieʒen – entwachen
entwâfenen – en|twelmen
en|tweln – entwësenen
entwëten – envalten
envar – ênzeclich
enzeichenen – enzückunge
enzündærinne – ephichwurz
ephimera – erargen
erarmen – erbarmen
erbarmhërze – erbeclîche
erbedienest – erbe|insigel
1erbeiten – erbelôsunge
erbeman – erbeschilt
erbeschrîn – erbeveste
erbevîent – erbieten
erbietunge – erblœʒen
erblüejen – erbrogen
erbrüeten – ërden-, ërtmëʒʒer
ërden-, ërtvruht – erdiuten
erdoln – êregîtec
êregîtikeit – êrenhüetære
êrenhüge – êrenvest
êrenvrëch – ergëben
ergëbenheit – ergetzen
ergëtzen – erglitzen
erglîʒen – ergrisgramen
ergriulen – erharn
erharten – erhogen
erhœhen – eringrieʒ
erinnern – erkennelich
erkennen – erklepfen
erklîben – erkræjen
erkrallen – erkuolen
erkuolunge – erlegen
erlêhenen – êrlich
erlîden – ér|lôn
erlônen – erlusten
erlustigen – ermelzipf
ermen – ernacken
ernaʒʒen – ërnesthaftic
ërnesthafticheit – erqueln
erqueschen – errîhen
erringen – erscheinunge
erschellen – erschrîben
erschricken – ersîhen
ersiht – ersnellen
ersnîden – erstandunge
erstarken – erstieben
erstîgen – ersuochære
ersuochærinne – ërtbærec
ërtber – ërtgerüste
ërtgruft – ertougen
ertouwen – ertücken
ertumben – ervære
ervâren – erviselunge
erviuhten – ervreisen
ervriesen – erwahsen
erwæjen – erwëgen
erwëgen – erwermen
erwern – erwîtern
erwîʒen – erzeigen
erzeigunge – erziugen
erziugunge – eschenbürnen
ê|schillinc – esellîp
eselmære – esser
estel, estelîn – ëtevil
ëtewâ – etzweide
etzwise – êwelich
ê|wëlten – ê|wise
ê|worhte – ëʒʒesac
ëʒʒic – eʒʒisch|türlîn

   erbœrunge - erbûwen    


erbœrunge stF. ‘Erhöhung’ swer sich selber höhet, der wirt gediemütigt, vnd wer diemütigt sich, der wirt gehöht. so er daz spriht so [...] erzeigt er vns daz alle erbörung [ exaltatio ] ein geschlacht der hochuart [ superbiae ] ist BrAlt 7

MWB 1 1824,31; Bearbeiter: Tao

erbôsen swV. ‘etw. schlecht machen, schädigen’ daz er Gamuret von im gescheiden / solt, verjagen sam die rehte losen, / ob er kuniges wirde und mænlich ere an im nicht wold verbosen [La. erbosen ] JTit 3855,4

MWB 1 1824,36; Bearbeiter: Tao

erbœsern swV. ‘etw. schlechter machen’ swanne si [die Seele] sich aber her nider keret kegen der creaturen und sich zu vil bekummert mit zergenclichen dingen, so wirt sie irblendet und wirt irbosert und wirt zirstoret alles gutes HlReg 9,14

MWB 1 1824,41; Bearbeiter: Tao

erbôʒen stV. ‘etw. von jmdm. erzwingen’ also hat ez chain macht / waz man lert ein tumen leib, / [...] der von art ist unbeschaiden. / dem chan nieman sein weiz erlaiden / noch chain zucht ab im erpozzen Teichn 106,15

MWB 1 1824,46; Bearbeiter: Tao

erbrëchen stV. 1 intr.
1.1 ‘zerbrechen’ , übertr.
1.2 ‘sich erheben, erschallen’
2 tr.
2.1 ‘etw. (zer)brechen, zerstören’
2.2 ‘jmdm. Körperteile brechen, jmdn. peinigen’
2.3 ‘etw. gewaltsam aufbrechen, öffnen’ ,
2.4 ‘etw. von jmdm./etw. loslösen, -reißen’ , übertr.
2.5 ‘jmdm. ein Unrecht antun’
3 refl., meist mit sachl. Subj.
3.1 ‘hervorbrechen, (plötzlich und deutlich) hörbar, sichtbar werden’ , besonders von Stimme, Licht und Flamme
3.2 ‘über jmdn. hereinbrechen’
3.3 ‘Vergleichbares übertreffen’
3.4 ‘sich erheben’ übertr.
3.5 ‘sich von jmdm./etw. entfernen, loslösen’
   1 intr.    1.1 ‘zerbrechen’, übertr.: wann er rekcht dw hant dar / nach der chonschaft so getan [gemeint: eine Ehe, die nur aus materiellen Gründen geschlossen wird] , / da erpricht sein trewe an, / seint got selb mit seiner chraft / hat gestift dw chonschaft / so istz ein grozz missetat / der sew unordenleichen hat Teichn 426,138    1.2 ‘sich erheben, erschallen’ des schriens gehuce [= gehiuze ] / mit gedone wit erbrach Pass I/II 71,44    2 tr.    2.1 ‘etw. (zer)brechen, zerstören’ wie si sich gerâchen / und ime sîn hûs erbrâchen LaurinD 2752; er wirt nimmer geruͦt, / er woͤll häwen unnd stechen, / manig sper erbrechen FrSchw 5480. 6319. 8000. – übertr.: daz ir mich an im rechet, / sinen gewalt erbrechet, / den er dicke an mir ubet Pass III 523,84    2.2 ‘jmdm. Körperteile brechen, jmdn. peinigen’ durch dich bin ich [Jesus Christus] zustochen / vnde an dem cruce erbrochen / nach maniger villate Pass I/II 74,66. daz herz ~ : ach, / daz mir diz bitter ungemach / niht kan daz hertz erbrechen! WhvÖst 10623    2.3 ‘etw. gewaltsam aufbrechen, öffnen’, bildl.: ir ougen klâr, ir varwe glanz / diu erbrechent wünschen tür / in herzen Virg 230,12. – ‘etw. durch Aufbrechen entstehen lassen’ aldâ der regen unt des guz / erbrochen hete wîten vluz / an einer tiefen halden Parz 603,8    2.4 ‘etw. von jmdm./etw. loslösen, -reißen’, übertr.: hie bedorft ich helfeklîch / guotes râtes zuo, / wie ich getuo, / daz ich den muot, / lîb unde guot / muge erbrechen gar von ir / alde aber baz / âne allen haz / muge bringen wol hin zir SM:Gl 1: 3,15; sî [...] wolt ein klein dur ir gemach / gân in der ruowe lâge. / ‘ob iemen nâ mir frâge, / dem sagent sô, ich kum her wider, / swenn ich ein stunde mîniu lider / von dem slâfe erbriche’ Reinfr 2951    2.5 ‘jmdm. ein Unrecht antun’ ich stan an meins vaters statt: / was der an úch erprochen hat, / die búrdin wil ich fúr in tragen FrSchw 7642    3 refl., meist mit sachl. Subj.    3.1 ‘hervorbrechen, (plötzlich und deutlich) hörbar, sichtbar werden’, besonders von Stimme, Licht und Flamme – von Stimme: von aller craft er do schre / [...] man horte verre vnde bi / die stimme sich erbrechen Pass I/II 74,47. 182,3; Pass III 48,83. 200,58; swaz die apostelen sprachen / ir wort sich do erbrachen / daz ein iechelicher man / horte [...] / die zvnge siner geburte Pass I/II 113,94. – von Licht und Flamme: wie sich ein schone liecht erbrach / vnde uber dem heubete erschein Pass I/II 195,24; ein sulch geluchte sich erbrach / von sinen ougen her ab ebd. 304,19; er hiez Romam die stat / wit enzunden her unde dar. / [...] wie schone sich die vlamme erbrach [: sach ] ebd. 194,43; der vlamme sich alume erbrach / an daz lut. da von zuhant / ir vil und vil wart verbrant Pass III 343,34. – von Vorgängen (Streit, Wehklage): ‘ausbrechen, sich erheben’ bî sînen zîten ouch geschach, / daz sich ein misshellunge irbrach / zwischin dem pâbste Honôriô [...] und zwischin keisere Friderîche NvJer 1144. 1191; ô waz dâ jâmirs sich irbrach, / dô daz kint dî mûtir sach / in sô harten bandin! ebd. 23580    3.2 ‘über jmdn. hereinbrechen’ da was ein sunderlich getwanc, / daz uf die armen sich erbrach. / eine burnende bach / alsam gesmelzet isen vloz, / die sich in vil gruben goz / in den lute waren alda Pass III 238,19    3.3 ‘Vergleichbares übertreffen’ zu Jerusalem ein dinc geschach / daz sich do witen erbrach / an iemerlicher schowe Pass I/II 275,12    3.4 ‘sich erheben’ übertr.: waz sal ich von dir [Evangelist Johannes] sprechen, / din herze kunde erbrechen / so ho sich in die gotheit / daz allen zvngen ist virseit / da uon icht endelichen sagen Pass I/II 226,80    3.5 ‘sich von jmdm./etw. entfernen, loslösen’ do er sich mit lidene und mit schaden von den gwaltigen [der Obrigkeit] hat erbrochen Seuse 77,1. – subst.: sin wilder muͦt nam des ersten menges sterben von dem erbrechene, daz er tet von úpiger geselschaft Seuse 9,26; daz erbrechen [Loslösung vom Irdischen] daz tuͦt des ersten we, als billich ist ebd. 362,17; da er Ambrosium vernam / so wol von gote sprechen, / daz sich begonde erbrechen / sin irrekeit ein teil von ime Pass III 419,26

MWB 1 1824,51; Bearbeiter: Tao

erbrëhen swV. intr. ‘hervorleuchten, -strahlen’ durliuhteclichen sol erbrehen [: gesehen ] / din name zaller zite KvWGS 800. – refl. von Fußspuren: ‘sich zeigen’ in dem mermelsteine / sult ir vuzstaphen sen, / die sich gegen vch erbrehen, / als si ein mensche habe getreten Pass I/II 336,74

MWB 1 1826,7; Bearbeiter: Tao

erbreiten swV. 1 ‘etw./sich ausbreiten’
2 ‘etw. (Augen) weit öffnen’
   1 ‘etw./sich ausbreiten’ wande im [dem Gras] der sunnen gebrast / durch manigen bovm, der sinen ast / dar vmme hette erbreitet Pass I/II 35,86. – refl.: do sich do die christenheit irhub und erbreitete PrLpz 162,15; der werde kuͤnc von Orgalum / wær neben der schar drum / da si sich schol zerbraiten [La. solte erbrayten ] WhvÖst 8001    2 ‘etw. (Augen) weit öffnen’ vf daz ich nach der pine / [...] dort vor gote erschine / vnde in die schone forme gots / [...] mine ougen wol erbreite Pass I/II 119,83

MWB 1 1826,13; Bearbeiter: Tao

erbrennen swV. 1 tr.
1.1 ‘etw. anzünden’
1.2 ‘jmdn. heiß, fiebrig machen’ (?)
2 intr.
2.1 ‘in Brand geraten’
2.2 ‘verbrannt werden, den Feuertod sterben’
   1 tr.    1.1 ‘etw. anzünden’ in iegelichem hûse erbrant / was ein viur ân allen rouch KvWPart 906. – übertr.: ûf etw. erbrennet werden ‘von etw. heftig ergriffen sein’ dô wart sîn muot erbrennet / ûf sînen alten smerzen KvWPart 10848    1.2 ‘jmdn. heiß, fiebrig machen’ (?): in sein [des Kaisers Hadrian, der die hl. Symphorosa und ihre sieben Söhne töten ließ] tochter ein tiefel cham / andem achtenn tag darnach. / der tiefel vil laute aus ïr sprach: / ‘ir heiligen martrere / vil rain und lobebäre / erprennet mich vil sere: / habt mein genad durch ewer ere!’ Märt 11425    2 intr.    2.1 ‘in Brand geraten’ ûz ir slegen vuoren gneister grôz, / reht als erbrennet wære der walt Virg 1044,13    2.2 ‘verbrannt werden, den Feuertod sterben’ der muoz mit strô / vil jæmerlîch erbrennen, / der mich niht künic wil nennen EnikWchr 6213

MWB 1 1826,24; Bearbeiter: Tao

erbrësten stV. 1 ‘abbrechen’
2 ‘in etw. (Weinen, Schreien) ausbrechen’
   1 ‘abbrechen’ der engel zuht einen ast, / daz er alsô lûte brast [La. erbrast ] KvFuss 1500    2 ‘in etw. (Weinen, Schreien) ausbrechen’ do ward si als herzklich bewegt ze grosser erbermde, daz si erbrast an ein weinen und an ein húwlen Seuse 122,20

MWB 1 1826,42; Bearbeiter: Tao

erbrieʒen stV. ‘hervorsprießen’, übertr.: schiere wart der smac [Paradiesduft] sô grôz / daz mir mîn chraft zwispilde erbrôz KvHeimUrst 1940; min honigseym zu sure / ist mir leider worden, / in der ruͤwer orden / ist myn freud gesloßen, / unheyl het mir erbrossen / und ving myn heil in sorgen strik MinneR 444 80

MWB 1 1826,48; Bearbeiter: Tao

erbrimmen stswV. ‘anfangen zu brummen’ ez [ schretel, der Kobold] beiz, ez kratzte in [den Bären] unde kram, / daz er vor zorne lûte erbram / unde schrei in grôzem grimme / sîn angeborne stimme Schrätel 242. – übertr. ‘sich empören’ dô si [Akk.] Jhêsus sach weinen, unde di juden di mit ir kuͦmen wâren, di weineten, abir her irbrimmite in dem geiste [ infremuit spiritu ] und betrûbite sich selbir EvBeh Io 11,33

MWB 1 1826,55; Bearbeiter: Tao

erbringen V. ‘etw. zustande bringen’ er ein slechter lai was, / [...] und hat materig tzu deutsch erpracht [gelehrte Stoffe in deutscher Sprache wiedergegeben] , / die einem glerten nicht versmacht / hiet in der gramatica Suchenw 19,65

MWB 1 1827,1; Bearbeiter: Tao

erbrinnen stV. 1 ‘in Brand geraten’
2 übertr. ‘entbrennen’
   1 ‘in Brand geraten’ daz hûs von einem winde vil balde al erbran NibA 2048,3 (vgl. enbran NibB 2111,3 ); vil manic rîchiu tjoste durch schilde wart genomen. / daz velt begonde stieben, sam ob al daz lant / mit louge wære erbrunnen NibB 596,4    2 übertr. ‘entbrennen’ so da erbrinnet churzelichen zoren sin [interl. zu cum exarserit in breui ira eius ] , so sint sælich alle die da getruwent an ime PsM 2,13; PsWindb 2,13; sîn muot ûf ellentrîche tât / vil sêre was erbrunnen KvWPart 18821

MWB 1 1827,6; Bearbeiter: Tao

erbrochen swV. vgl. ahd. brohhôn (AWB 1,1416). – ‘etw. zerbrechen’, übertr. ‘jmdn. peinigen’ in dem [um des Glaubens willen] hat genuger sich lan / [...] zu tode erbrochen Pass III 99,55

MWB 1 1827,17; Bearbeiter: Tao

erbrogen swV. ‘sich gegen jmdn. erheben’ diz allis hat dem menschen got / in sin gewalt vnd sin gebot / gegebin vnd in zeinem voget / dar vbir gesat, swie dic erbroget / gein im der kranke stovp / der vil lihtir danne ein lovp / gen sinen hohin creftin wiget Martina 2,70

MWB 1 1827,21; Bearbeiter: Tao

erbrüeten swV. ‘jmdn. großziehen’ der uorsage Esaias der sprichit sus uon gote: ich gebar chint unt irbruͦte diu, si uermaneten mich JPhys 20,10

MWB 1 1827,27; Bearbeiter: Tao

erbsal F. ‘Sauerdorn’ (vgl. Marzell 1,575): berberis: erbsal VocOpt 48.086. – s. a. erbesip

MWB 1 1827,30; Bearbeiter: Tao

erbüegen swV. zu buoc stM. ‘die Schulter von jmdm./einem Tier ausrenken’ ir arme vz dem geleiche / vz den ahziln slichen, / [...] siv [Folterknechte] waren erbuoget Martina 186,45; manic ors erbüeget, / erstôzen und erlemet wart / ûf der ritterlîchen vart Reinfr 7388

MWB 1 1827,32; Bearbeiter: Tao

erbunnen Prät.-Präs. konjugiert wie gunnen , vgl. 2 5Mhd. Gr. § M 97. 1 ‘jmdn. (um etw.) beneiden, jmdm. etw. missgönnen’ , auch ‘jmdm. etw. nicht gewähren, versagen’
1.1 mit Dat.d.P. und Gen.d.S.
1.2 mit Dat.d.P. und Obj.-Satz ( daz -Satz)
1.3 mit Dat.d.P., ohne Gen.-Obj.
1.4 mit Refl.-Pron. im Dat. und Gen.d.S.
2 ‘jmdm. jmdn. wegnehmen’
3 ‘jmdm. etw. zu ersparen wünschen’
4 ‘(wegen etw.) Mitleid mit jmdm. haben’
   1 ‘jmdn. (um etw.) beneiden, jmdm. etw. missgönnen’, auch ‘jmdm. etw. nicht gewähren, versagen’    1.1 mit Dat.d.P. und Gen.d.S.: duo begund er ime erbunnen der himelisken wunnen Gen 313. 1741. 669; er sol ouch nieman nihts erbunnen, / des er mit rehte hat gewunnen VRechte 181; waz frumt den rîchen argen man, / der al der werlt guotes erban [...] ? Wig 65. 116; wê im der uns fröide erbunne! KLD:GvN 3: 1,7; Tannh 4,134; SM:St 4: 2,3; KLD:SvL 2:1,5; KLD:RvR 1,15; swer mir des verban [La. erban ] , obe ich si minne tougen, / seht, der sündet sich MF: Mor 22: 2,1; diu [Stute] was so kostlich beclait / daz ich irs muͦz erbunnen WhvÖst 17863; dc si ierem nehsten erbunnen sinez geluͥckez PrSchw 2,49. 2,87. 1,33; DvASchr 331,18; KvWTroj 10263; nu tet der wol versunnen vil cleine dem geliche, / daz im diu kraft erbunnen kund ir helf als ungenedicliche JTit 3840,2. – mit daz-Satz, bezogen auf vorangehendes Gen.-Obj. des: des erbunde ir alsô harte / ain gotes widerwarte [...], / daz diu frowe den ruom / in dem hove habete Kchr 12103    1.2 mit Dat.d.P. und Obj.-Satz (daz-Satz): vrô Pallas und vrô Jûne / [...] erbunden im [Paris] [...], / daz Vênus [...] het ûf in hôhen vlîz gewant KvWTroj 3114; umbe waz er ime erbunde, / daz er sîniu chint und ire barn ê nemuose geruozzen / ê si von ime skieden Gen 1446; nû leidest dû mir daz leben / und erbanst mir daz ich frô sî HartmKlage 433. 1567; frow, sid mir duͤ kunst erban, / daz ich uch nit tancken kan / vwer gab nach myner ger KonstBrf 7,1. 35,83    1.3 mit Dat.d.P., ohne Gen.-Obj.: dô Rachel gesach daz si umbâre was, / ire swester si irbunde Gen 1327. – als Wiedergabe von detrahere: die da geltent daz ubel umbe daz gute, die erbunden mir, wande ich nah gie der gute [ qui retribuunt mala pro bonis detrahebant michi: quoniam sequebar bonitatem ] PsM 37,21    1.4 mit Refl.-Pron. im Dat. und Gen.d.S.: ich tete als die tôren tuont [...], / die êren unde guotes / in selben erbunnen Er 5968; wil dû danne gunnen mir, / des dû wilt selbe erbunnen dir RvEBarl 14650; im selbin er erbunde / dez cristenlichen tovfes Martina 218,42; (hier anzuschließen:) daz ich solches prises mime libe erban WolfdD (H) 1472,3    2 ‘jmdm. jmdn. wegnehmen’ ir geltet mîniu leit. / ir habt uns hinne [= hie inne ] erbunnen vil maneges recken gemeit NibB 2304,4 ( vgl. erbunnet NibA 2241,4 ); iuch endûhte niht der volle an der grôzen nôt, / dô ir uns Rüedegêren den helt sluoget tôt: / nu habet ir mir erbunnen aller mîner man NibB 2330,3    3 ‘jmdm. etw. zu ersparen wünschen’ ich erban iu des vil sêre / daz wir iu iuwer êre / müezen nemen untten lîp / umb ein sô ungetriuwez wîp Iw 5255; vrau, mir ist ungemach / diu rede, wan ir [= ich ir ] iu erban ! / ich bin ain ellender man, / so habt ir so grozz ere / an mich gelait, daz sere / iu missezimt al soͤlhiu rede WhvÖst 13097; der [der neuen Minne (Wankelmut)] gebott nu volget manic man / vnd frowen den ich [die alte Minne (Treue)] sin erban, / das sy sint in ir gebott MinneR 451 369    4 ‘(wegen etw.) Mitleid mit jmdm. haben’ der hof und al die sinen gar / erbunden im der aͤrebait [...], / und vragton was im waͤre, / ob si ze siner swaͤre / im iht geraten kunden RvEWh 4493; maniger hôher man, / der mir mînes leides erban / und dur mich ist für Troie komen, / [...] ze rechenne daz laster mîn KvWTroj 44454; swer beswaerde ald kumber leit, / dem was dîn [Marias] erbärmde bereit. / swaz leides ieman anegie, / des erbundest du im ie WvRh 15468. 2216. 9971; min herz erbander [= erban der ] / zarten kuͤnginne / daz der tot ir minne / wil so suͤrlich gelten WhvÖst 8618; o aller schoͤnstú magt, der kleglichen geberd menig hertze ze erberm bewagde [...], die dir erbunnen [= erbunden (vgl. Anm.z.St.)] , do sú saͮchen den grossen jaͮmer und leit, so du von dinem geminnten kinde hattost in dinem reinen hertze Seuse 546,6

MWB 1 1827,38; Bearbeiter: Tao

erbunst st.Subst. s.a. urbunst . 1 ‘Anfeindung’
2 ‘Mitleid’
   1 ‘Anfeindung’ in der cellen was sin site / daz er den lib zemte / und an im gar vorlemte / aller sunden erbunst Vät 30865; unser lieben vrouwen, / durch di im was verhouwen / aller sunden urbunst [La. sunder erbunst ] , / der truc er willicliche gunst MarLegPass 24,643    2 ‘Mitleid’ allermenlîchen buten si sich / in ir noeten sicherlich / ze helfe mit ir guote / ald mit erbünste muote WvRh 252; diu edel magt Marîa leit / aller menlîchez leit / mit erbünste smerzen / von allem ir herzen / und bôt in werke und worte trôst, / sô daz si wurden erlôst ebd. 1649

MWB 1 1828,54; Bearbeiter: Tao

erbünstec Adj. ‘mitleidend, -fühlend’ diz ûzerwelte tugende vaz / ärbeite erbünstec was, / erbärmec ûze und inne / und vol rehter minne WvRh 1636; er was erbünstec ärebeit, / senfte unde guot, vol reinecheit ebd. 6116

MWB 1 1829,1; Bearbeiter: Tao

erbürn swV. 1 tr.
1.1 ‘etw./jmdn. hochheben’
1.1.1 eigentl.
1.1.2 übertr.
1.2 ‘jmdn. aufstacheln’
2 refl.
2.1 ‘sich aufrichten (und wohin bewegen), sich erheben, aufsteigen’ , eigentl. und übertr.
2.2 ‘entstehen’
   1 tr.    1.1 ‘etw./jmdn. hochheben’    1.1.1 eigentl.: in den rinc spranc Rennewart, / daz er die stangen möht erbürn Wh 429,7; Rose [Ortnits Schwert] er erborte WolfdD 803,3. 862,3; Bit 10925; so mochte ot man sin [den Stein] nicht erburn Pass III 225,24; er [Christus] wart dem tôde zû gevûrt / als ein schâf und ouch erburt JvFrst 7610. – Part.-Adj.: mit erbürtem schilde Bit 10823. einen slac ~ ‘einen Schlag (von oben herab) ausführen’: ze jungst erburtte Hector / ainen schlag so hoch enbor / daz manig des helmes nietten brach GTroj 17603; ob er [Gott] den slach vf vns erbur, / daz du [Maria] in haldes da beneben Pass I/II 153,75    1.1.2 übertr.: die stimme ~ ‘die Stimme erheben, zu reden beginnen’ do Jhesus dese wort gesprach, do irborte eyn wyp ere stymme [ extollens vocem Lc 11,27] von der schare unde sprach EvBerl 30,31. den muot, daz herze ~ : swer sîner [Christi] marter reht entsebet, / dem erburt sie und erhebet / in solhen gedanc den muot, / der wê und doch wol tuot LvRegSyon 1036; sprich ich, daz er [der Geizhals] sîn herze erbür, / nein, spricht er, ob ich verlür / ein halbez scherf oder ein ort, / waz hülfe mich frumer liute wort? Renner 4521    1.2 ‘jmdn. aufstacheln’ mit bet si derpurtin / Rudolfin den Romischin Dalimil 92,20    2 refl.    2.1 ‘sich aufrichten (und wohin bewegen), sich erheben, aufsteigen’, eigentl. und übertr.: gein liebem liebe ich mich erbür [vgl. Ct 5,5 surrexi ] Frl 1:9,3; [Elisabeth zu Maria:] sich hat erpuͤrt [ exsultare Lc 1,41] in meiner prust / daz chint in frewdenreicher lust / von deiner tzuchunft Suchenw 41,211; swenn er [ der geistlîche sin ] des frides inne wirt, / den der heilig geist gebirt, / so erburt er sich. wâhin? aldar / dâ er der ruowe wirt gewar, / die diu sêl sol haben am ende, / sô sie gerûmet ditz ellende LvRegSyon 2589. 3304; weder engelisch sin noch menschlîch verstantnüsse mac sich niht alsô hôch erbüren mit sîn selbes maht, daz sie daz lûterlîchen ervinden waz dû [Gott] bist DvASchr 367,7    2.2 ‘entstehen’ din mutes phat verstrich und laß nicht spüren / den fint, von dem sich schade mag erbüren, / und laß dins herzen türen / den argen reten sin verspart Mügeln 213,10

MWB 1 1829,6; Bearbeiter: Tao

erburnen swV. ‘etw. verbrennen’ diz ist iamerlich, / daz ir des guten mannes buch / werfen wollet in unruch [...]. / nu wizzet, daz ir widerschrift [Abschrift] / harte witen ist zuspreit, / des ist verlorn die arbeit, / daz man einez erburnet Pass III 211,89

MWB 1 1829,51; Bearbeiter: Tao

erburzeln swV. ‘jmdn. niederwerfen’ sin yllen mengen erbürseltt / alsam ain wolff by schaffen tütt GTroj 3232

MWB 1 1829,57; Bearbeiter: Tao

erbûwen, erbiuwen, erbouwen V. erbiuwen ( UvEtzAlex 8220 ). 1 auf die Landwirtschaft bezogen
1.1 ‘das Land, einen Acker, ein Feld bestellen’
1.2 ‘(Weingarten, Bäume) kultivieren; einen Baumgarten anlegen’
1.3 ‘etw. anbauen’
1.4 übertr.
2 ‘etw. (Land, Erdteil, Zelt usw.) bewohnen, besiedeln’
3 ‘etw. (Burg, Kirche, Stadt usw.) (er)bauen, errichten; etw. konstruieren, anlegen’
4 ‘etw. (Mühle, Bergwerk) für den Betrieb einrichten, in Betrieb nehmen’
5 ‘jmdn. (mit etw.) ausstatten, schmücken’
   1 auf die Landwirtschaft bezogen    1.1 ‘das Land, einen Acker, ein Feld bestellen’ do fur er schowen, wie daz lant wære erboͮwen. / [...] allez daz dehein boͮman ze boͮreht solde han, / [...] man muͦse imz vil balde geben GenM 87,7; daz wazzer wart da ze wîne [...]. / div ŵste wart erbuwen, / do disiv rede nivwe / vz wart gechundet Wernh D 97; wâ wart ie dehein acker [...] alsô zertlîche erbûwen [...] und als lieplîchen getunget PrBerth 1:358,21; (Part.-Adj.:) ia lazze ich ire wole erbuͦwen / manige breite hube, / scazes gnuͦge Rol 1717; ein erbuwen velt Rennew 730. – in Verbindung mit lant nicht immer deutlich von 2-3 abzugrenzen: daz wüeste lant erbûwen wart, / dâ krône truoc Parzivâl Parz 222,12; hêr, mirst niht bekant / daz weder wazzer oder lant / inre drîzec mîln erbûwen sî. / wan ein hûs lît hie bî ebd. 225,21; iuch möht des waldes hân bevilt, / von erbûwenem lande her geritn. / inre drîzec mîln wart nie versnitn / ze keinem bûwe holz noch stein ebd. 250,21. 398,23. 534,19; [der Steuermann:] got wil helfen uns von nôt: / ich hân erbûwet lant gesehen ErnstD 2001. – formelhaft ~ und unerbûwen: daz gvet ze Richartswiler mit allem dem, daz dar zve gehoret, æcher, wisen, wæide, holtz, wazer vnd wazersflvz, besvhtes vnd vnbesvhtes, erbvwens vnd vnerbvwens UrkCorp (WMU) 1910,42 u.ö.    1.2 ‘(Weingarten, Bäume) kultivieren; einen Baumgarten anlegen’ der weingart ist diu hilig christenheit, der selb weingart ist gepflantzet und erbawen von angeng diser werlt PrOberalt 47,24; die habent den weingarte / gotes niht erbowen Wernh A 3251; die paum habennt vil schüsling unnd esste unnd auf gerichtt stökk, ettlich wuecher unnd nütze samen zu der merunge irs geschlachttes, wann si wol erpauenn werdent und gerichttet HvHürnh 72,2; ein rilichir boungarte, / irbuwen alse harte / von ediln boumen manigvalt / reht als ez were ein dickir walt RvEWchr 32928    1.3 ‘etw. anbauen’ swaz man harte erbûwet, daz verderbest dû PrBerth 1:258,28; die helde nuzzen âne wer / swaz erbouwen hete daz lant Bit 5407    1.4 übertr. : der schaffenær den er da hete, der im sin guͦt hete oͤde geleit, dc ist ain ieglich lerær, der sin cristenhait versûmet vnde si niht erbuwet mit der gotes lere PrWeing (Pf) 188,29 (Auslegung zu Lc 16,1ff.).    2 ‘etw. (Land, Erdteil, Zelt usw.) bewohnen, besiedeln’ erde diniv wirt erbuͦwen [ terra tua inhabitabitur, vgl. Is 62,4] PsM Per 24,4; die uzeren zua strazen [Erd- oder Klimazonen] sint nith erbuwen Lucid 18,10. 18,12. 18,13; ez [ Ẏspania ] was das erste lant / das nah der ersten uz fart / irbuwin von dem kúnne wart / von Japhet RvEWchr 2699; ich hôrte ie sagen von kinde für ein wazzermære, / dâ ze Gîvers in dem berge ein wîtez künicrîche erbouwen wære Kudr 1128,4; si wirt ein michel wunne / aller der werlde, / so got erboͮwet ir gezelte Wernh A 566. – unsicher, ob hierher oder zu 3 oder 4: im walde vant er einen berc, / den hâten gar wildiu getwerc / erbûwen und besezzen Goldemar 5,3    3 ‘etw. (Burg, Kirche, Stadt usw.) (er)bauen, errichten; etw. konstruieren, anlegen’ ez enwart nie burc dehein / erbûwen baz noch alsô wol UvZLanz (K) 7119; ûz ir niwen veste, / die si heten erbûwen Ottok 34358; ich denke, erbuwe ich mir ein hus nach tumber liute rate Tannh 12,21; wie er [der Turm] innen wære erbûwen Flore 4995; die kirchen ~ LvRegFr 1096; den tempel ~ EnikWchr 12102; ein stat ~ EnikFb 39; EnikWchr 6162; aber zkloster [...] sol also erbovwen werden [ constitui ] , daz alliv notdurftigiv, daz ist wazzer, mvͤl, gart, pfister vnd mislih liste inner zklosters geworht werden, daz niht dvrft si mvnichen, vz ze gen BrAsb 66. – übertr.: in den strît spranc Hildebrant [...]. / dâ mohte vil wol der tôt / erbouwen sîne strâze Bit 10655; der stain beczaichent die glaubhëfftigen kristen, da die heilig krisstenhait mit erpawn ist, als sannd Pauls sprichtt [vgl. Eph 2,19-22] SchlierbAT (LS) 1,84; si [die Frauen] gebent wunnebernden solt, / ir lob ist wol erbouwen KLD:RvB 3:2,6; manic stolze vrouwen, / die mit ir süezen sprüchen rîch / kunden schôn enpfâhen den künic lobelîch, / dâ von sîn herze den muot kunde hôch erbouwen Loheng 1666; von dem alten vnd dem kinde / wart si [die Klage um die entführte Ginover] da wol erbowen Krone 11523. – ‘etw. mit Bauwerken versehen, bebauen’ vnde sol man den selben invanc vnzewuschont der selbun mure vnd dem hvse niemer bezimberren noh erbuwen weder mit holze noh mit stainon UrkCorp (WMU) 2209,24; wir gewinnen lîhte noch die kraft / daz wir erbouwen sô daz lant / daz unser ellen unde hant / vor allen künegen ez wol wer. / zwischen der Elbe und dem mer / stênt ninder bezzer burcstal Bit 13327; es ist auch das landt nit wuegst, / woll erpawen uber all / paid in perig und in tall / mit stetten und mit vesten guett Seifrit 6933; Estrelo, ain veld erkantt, / dar sitt ain statt ward gelaitt, / Constantinopel [...]. / ee hette es den namen wol [...]; / sid her es bas erbuwen ward / in richer coste unverspartt / von dem künge Constantin GTroj 23753. – ‘Geld verbauen, zum Bauen verbrauchen’ jch nim ez ouf mein triwe, daz ich ovf Charlstain erbvͦn han mines gvͦtes vierhundert phunt Salzpurgær oder me UrkCorp (WMU) 898,9    4 ‘etw. (Mühle, Bergwerk) für den Betrieb einrichten, in Betrieb nehmen’ vnd beschieden also, daz des aptes mvͤl vvͤrwaz nimmer mer schol erpavͤn werden UrkCorp (WMU) 3259,23; das man eczliche berge unde stollen in manchem jare nicht czu nuczcze irbuwen mag BgRIglauD 29    5 ‘jmdn. (mit etw.) ausstatten, schmücken’ Gynouer mit den frauwen, / nach wijbes reht erbuwen, / da in den sal gingen Krone 23030; einer schonen jumpfrauwen, / die auch was erbowen / mit kostlicher gezierde ebd. 26392; zwa ander jumpfrauwen, / die waren wol erbuwen / an libe vnd an gewand / sunder alle schand / mit richer gezier ebd. 29363

MWB 1 1829,60; Bearbeiter: Tao