Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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e – ëbenbürtecheit
ëbendol – ëbenguot
ëbenheilec (?) – ebenisch
ëbenjunc – ëbenmenden
ëbenmensche – ëbenstrenge
ëbensuoʒe – ëbenwette
ëbenwîch – êbrëchærinne
êbrëchec – eckerich
eckerlîn – edelkeit
edelkint – effede
effelîn – ege|sam
eges|bærec – êhaftec, ehtec
êhafteclîche – ehten
ehter – eichermel
eichgrabe – eidigen
eierære – eigenerge
eigengeborn – eigenschaft
eigenschaftlich – einbærkeit
einbærunge – einent
einenthalp, einenthalben – einhalp, einhalben
einhël – einlift
einlifthalp – einöuge
einöugec – einstirn
einstrîtec – einvach
einvalt – einworhte
einwort, einwürte – eischtac
eischunge – eiterbluome
eiterbrâme – eitertrache
eitervar – êkonvrouwe
ekub – elfenbein
elfenbeinîn – ellendeclich
ellenden – elmëʒ
elne, elle – emb-
ember – emʒlîche
en – enbicobe
enbieten – enbore
enbœrec – ende
endeblat – endeschaft
endeslac – enein hëllen
enein komen – engegenen
engegengân – engelkeiserinne
engelkôr – engelvürste
engelwësen – englîmen
englimmen – enhundert
enîdrus – enklieben
enklœʒen – enmitten
enmittenzwei – enphrüenden
enphüelen – ensîten
enslîbe (?) – ent-
ent|ænegen – enthalben
enthalt – enthitzen
enthiuten – entlegen
entlêhenen – entliutern
entlocken – en|toben (?)
ent|ordenen – ent|rigeln
ent|rîhen – entsagen
entsagunge – entschîben
entschicken – entsebelich
entseben – entslîchen
entsliefen – entspitzen
entsprëchen – entsüenen
entsunkenheit – entvëlhen
entvëlhigen – entvliehen
entvlieʒen – entwachen
entwâfenen – en|twelmen
en|tweln – entwësenen
entwëten – envalten
envar – ênzeclich
enzeichenen – enzückunge
enzündærinne – ephichwurz
ephimera – erargen
erarmen – erbarmen
erbarmhërze – erbeclîche
erbedienest – erbe|insigel
1erbeiten – erbelôsunge
erbeman – erbeschilt
erbeschrîn – erbeveste
erbevîent – erbieten
erbietunge – erblœʒen
erblüejen – erbrogen
erbrüeten – ërden-, ërtmëʒʒer
ërden-, ërtvruht – erdiuten
erdoln – êregîtec
êregîtikeit – êrenhüetære
êrenhüge – êrenvest
êrenvrëch – ergëben
ergëbenheit – ergetzen
ergëtzen – erglitzen
erglîʒen – ergrisgramen
ergriulen – erharn
erharten – erhogen
erhœhen – eringrieʒ
erinnern – erkennelich
erkennen – erklepfen
erklîben – erkræjen
erkrallen – erkuolen
erkuolunge – erlegen
erlêhenen – êrlich
erlîden – ér|lôn
erlônen – erlusten
erlustigen – ermelzipf
ermen – ernacken
ernaʒʒen – ërnesthaftic
ërnesthafticheit – erqueln
erqueschen – errîhen
erringen – erscheinunge
erschellen – erschrîben
erschricken – ersîhen
ersiht – ersnellen
ersnîden – erstandunge
erstarken – erstieben
erstîgen – ersuochære
ersuochærinne – ërtbærec
ërtber – ërtgerüste
ërtgruft – ertougen
ertouwen – ertücken
ertumben – ervære
ervâren – erviselunge
erviuhten – ervreisen
ervriesen – erwahsen
erwæjen – erwëgen
erwëgen – erwermen
erwern – erwîtern
erwîʒen – erzeigen
erzeigunge – erziugen
erziugunge – eschenbürnen
ê|schillinc – esellîp
eselmære – esser
estel, estelîn – ëtevil
ëtewâ – etzweide
etzwise – êwelich
ê|wëlten – ê|wise
ê|worhte – ëʒʒesac
ëʒʒic – eʒʒisch|türlîn

   êlîchen - ellenmëʒ    


êlîchen swV. ‘heiraten’ dô hin heim kam / der kunic Albreht, / sînem sun er gereht [richtete] , / swaz er haben solde, / sô er êlichen wolde, / [...] / allez, daz er solde haben, / was bereit ze sîner hôchzît Ottok 75198. – ‘jmdn. (Kinder) durch Heirat legitimieren’ sullen di vodern [vorehelichen] chint daz erbtail nemen mit den lesten [in der Ehe geborenen] ? [...] jâ, wan deu ê sôgetân chraft hât, dâ si geêligt sint mit der ê RbRupr 178; lude, dye do offenlichen sint unelich, sy ensin dan geelichet bit rechte StRWorms 38

MWB 1 1578,26; Bearbeiter: Diehl

elider stM. auch enidros. ein Edelstein (vgl. Engelen, Edelsteine, S. 25 u.ö.): von dem elider. elidros oder enidros ist ain stain, der geleicht ainer cristallen und tropft ân underlâz fäuht tropfen sam ob er switz, und die tropfen sint den fibrigen läuten guot BdN 446,24; [der agestein ] ist auch den hinvallenden guot, [...]. und alsô ist auch der elider in geleicher weis ebd. 447,20; enîdrus Parz 791,18; enidorium diezen sicht man zu allen stunden / und wazzer dar uz vliezen, und wirt an siner groͤz nicht minner funden JTit 41,1

MWB 1 1578,37; Bearbeiter: Diehl

elin stswF. elne

MWB 1 1578,48;

ëlintesel stM. ëlnte

MWB 1 1578,49;

eliotrop Subst. überw. lat. Formen, auch elitrop. ‘Heliotrop’, ein Edelstein mit verschiedenen Wirkungen (vgl. Engelen, Edelsteine, S. 25f. u.ö.): ein stein heizt elitrôpîe. / [...] / der man hât guot und êre, / der den stein bî im hât, / daz bluot ouch dâ von verstât Volmar 445; elitropia [...] / den sumer git er kuͤle, swie daz wazzer im winter von im wellet JTit 334,1; elitropius haizt sunnenwendel. ist daz man den in ain vaz mit wazzer tuot, sô macht er die sunnen pluotvar [...] der stain ist grüen sam ain smaragt und ist besprengt mit pluotvarben tröpfleinn BdN 445,26; eljotrôpîâ Parz 791,7; eleotropia HvNstAp 18155

MWB 1 1578,50; Bearbeiter: Diehl

êliute stM. (Pl.) ‘Eheleute’ ist daz zwai gemaechide sterbent, die elute sint, und lant aigen oder erbegut hinder in StRAugsb 140,8; ez sîn ledige oder êliute oder geistlîche oder werltlîche PrBerth 1:106,5; die êrsten êliute die gote liep sint, daz sint alle die zuht und mâze haltent an dem bette ebd. 2:191,1; Paulus / e lút leret leben sus / daz si gehorsam sunder strit / an andern sint in rehter zit SHort 5914; er [der Beryll] hât auch die art, daz er der êläut lieb widerpringt BdN 436,23

MWB 1 1578,63; Bearbeiter: Diehl

eljotrôpîa Subst. eliotrop

MWB 1 1579,10;

elle stswF. elne

MWB 1 1579,11;

ellecheit stF. allecheit

MWB 1 1579,12;

ellecliche Adv. alleclich

MWB 1 1579,13;

ellede stF. ‘Kühnheit, Mut’ sî wârin hellede / an menlîchir ellede / und got was mit in NvJer 17593

MWB 1 1579,14; Bearbeiter: Diehl

ellen stN. (stF. HeslNic 3071) selten mit epithetischem t, z.B. Demantin . ‘Mut, Kühnheit, Tatkraft’ dâ mohte man scowen / manneglîchis ellen / under den gesellen / und degenis gebêre SAlex 4308; mit ellen er dar wác / manigen uermezenlichen slác Rol 4899; si tâten rîters ellen schîn, / der tjost ein ander si niht lugen Parz 37,24; der rîter ellens niht vergaz MF:Wolfr 2: 5,7; ûr hant hât daz ellent mîn / mit kreftin segelôs getân. / ich enkan ûch strîtes nicht irstân Demantin 5478; Frl 3:10,2. – in der Wendung ~ tragen ‘Mut zeigen’ ein man, der ellen truoc, / der gerne unde wol vaht Eracl 4604; ich wæn er selbe ouch ellen truoc Wh 301,5. 78,3; des hant vil mänlich ellen truoc Wig 10170; iwer manlichez ellen tragen / git reinen wiben herzen spil TürlArabel *A 25,8. – in (teils synonymen) Wortpaaren: ir ellen und ir sterke beider wâren grôz NibB 2359,1; daz gap im ellen unde kraft Iw 2999; sîn jugent het ellen unde kraft Parz 174,22; Wig 5610; Ottok 16796; dô wuohs im muot und ellen Tr 7006; er ist manheit und ellens hêr Parz 425,1; wie gar er sî volkomen / ellens unde manheit Ottok 11210; arme und riche / clagten do geliche / sin ellend und sin tegenhaitt GTroj 4071; vrecheit und ellen truoc sîn lîp Parz 26,16; swâ der vil zesamne kumt / den beidiu kunst und ellen vrumt; / dâ wirt gehurt unde geslagen Wig 8436; Parz 175,9. ich gap dem ellens vesten / der sunnen wider glesten Wh 355,5; in Verbindung mit rîche übergehend zur Lexikalisierung ( → ellensrîche )

MWB 1 1579,16; Bearbeiter: Diehl

ellenbërnde Part.-Adj. ‘tatkräftig, Mut verratend’ an dir man prîses ist gewon, / den dîn hant erworben hât / in strît mit ellenbernder tât UvEtzAlex 10928

MWB 1 1579,47; Bearbeiter: Diehl

ellenboge swM. 1 ‘Ellenbogen’
2 der Elle entspr. Maßeinheit
3 ‘Geschwisterkind, zweiter Verwandtschaftsgrad’ (in der Verwandtschaftszählung des SSp )
   1 ‘Ellenbogen’ ich saz ûf eime steine / und dahte bein mit beine. / dar ûf sazte ich den ellenbogen Walth 8,6; er saß uber der tafeln und wart gedencken. [...], er leit sinen backen in syn hant und leynte off synen ellebogen, er vergaß synes eßsens Lanc 306,9; siu bietent ime den herten rukken oder den stôzzenden ellenbougen odir daz wesse chinnebain TrudHL 70,5; er reit zu Galahot und stieß yn mit dem elebogen an die schultern als er mit im spielen wolt Lanc 483,22; diu hant was ûzsetzic zwâr / biz an den ellenbogen gar EnikWchr 7538; enilbogen OvBaierl 64,6. – zur Beschreibung der Stärke (?): ‘wer bestêt einen resen, der heizet Strûtân? / [...]’ / ‘den bestêt Heime, der hât vîr ellebogen.’ RosengP 320    2 der Elle entspr. Maßeinheit: mit einem eichinen garte, der drier oder zweier ellenbogen lang si SchwSp 85a; nimst du nu ain meil fuͤr vier tausent elenpogen, so sint an dem uͤmbkraizz dez ertreiches zwaintzig tausent und vir hundert meil KvMSph 19,4; ain mervisch, der ist zeitleich klain, wan er ist wênig mêrer denne ains elnpogen lang BdN 259,16    3 ‘Geschwisterkind, zweiter Verwandtschaftsgrad’ (in der Verwandtschaftszählung des SSp ): diu mâcschaft gât von brüeder kinden unde von swester kinden. diu in dem elbogen stânt, daz ist diu ander [erg. Verwandtschaftsebene] SpdtL 84,17; PrBerth 1:312,21

MWB 1 1579,51; Bearbeiter: Diehl

ellenbreit Adj. elne stF.

MWB 1 1580,15;

ellende Adj. md. auch enlende; häufig subst. 1 ‘fremd’
1.1 ‘nicht heimisch’ (im Ahd. überwiegend, vgl. AWB 3,256ff.)
1.2 ‘fern (einer Sache, Person/  von etw., jmdm.)’
1.3 rechtl.
2 ‘armselig, einsam, elend, beklagenswert’ (nicht immer klar von 1 zu scheiden)
   1 ‘fremd’    1.1 ‘nicht heimisch’ (im Ahd. überwiegend, vgl. AWB 3,256ff.): ouch sprach her nekunde / die sprache uon deme lande, / her were enelende Ägidius 783; er endiente vaste / dem ellenden gaste, / der mit sîner swestr geriten kam UvZLanz 2796; Parz 382,15; wâ sint die vriunde mîn, / die durch mîne liebe wellent ellende sîn, / die suln mit mir rîten in der Hiunen lant? NibB 1282,2; Domicius habet in versant / in ein ellentez lant, / in eine iselen, diu heizet Patmos HimmlJer 24; du woltest sîn ûf erden gast / und ein ellender pilgerîn KvWLd 1,70. swer Zürich zem zapfen win verkouffet, es si ellender win oder lantwin StBZürich 58; StRZürich 240. – subst.: daz ih die ellenden nien geherbergote BenedGlB 337,28; von den ellenden / wolt er den portenære / gerne vrâgen mære Iw 6234. – im Ggs. zum Himmlischen ‘diesseitig, irdisch’ unze got sinen sun sande ze den ellenden landen AvaLJ 139,3; swer dize ellente leben / umbe daz ewige hat gegeben HimmlJer 378    1.2 ‘fern (einer Sache, Person/  von etw., jmdm.)’ alse lange so wir in dirre werlte birn, so mvͦzen wir ellende sin von gote Spec 38,1; ThvASu 136,31; hôher muot ist her gewesen von uns lange ellende: / wol uns des, er ist nu wider komen KLD:UvL 34: 2,1; won sy was ellend des landes und der lút dannen sy geboren was Stagel 111,22. – subst. mit vorangestelltem Gen. zum Ausdruck einer Negation: ich freuden ellende [Freudloser] , / zem urteillîchem ende / beklage ich eine iuch alle Parz 788,1 u.ö.; der vröuden enlende, / der trôstlôse marke HvFreibTr 6726; der gnâden ellende / hât danne den bœsern teil erkorn Greg 24; WernhMl 11221    1.3 rechtl.: vnd in welhem gerichte ein mort geschiht, er sey gefreunt oder niht, vnd der niht clager hat von freunden noch von nimant, daz heisset ein ellender mort StRBamb 47; den ellendin eit zuͦ dune UrkMoselQ 170,6 (a. 1338) (vgl. ellende stN.)    2 ‘armselig, einsam, elend, beklagenswert’ (nicht immer klar von 1 zu scheiden): ein haus vnd ein hofstatt in der ellenten strazz [oder bereits Name?] UrkCorp 299,8; der man ist ellend âne guot, / swaz er kan od swaz er tuot Freid 57,12; SM:Had 7: 4,6; EnikWchr 15655; alsô, lieber mensch, wenne dû von disem ellenden mer diser armen werlt schaiden muost BdN 182,27; er wirt gefuͤrt einen gar wilden weg, der gar vinster und ellent ist Tauler 161,14; owe und owe, und minem ellenden herzen iemer we, waz han ich getan Seuse 211,18. – subst.: si gaben ez den armen und den ellenden, also Job tet PrOberalt 159,24

MWB 1 1580,16; Bearbeiter: Diehl

ellende stN. md. auch elelende, enelende, enlende, inelende. 1 ‘Fremde, Fremdheit an einem Ort’ (oft im Hinblick auf Herkunft oder Folge von Verbannung)
2 rechtl. ‘Elendeneid’ , der Reinigungseid eines Beklagten ohne genügend Eideshelfer (vgl. ellende Adj., zur Sache DRW 2,1511 und 2 HRG 1,1791-98)
3 ‘Unglück, Not’
   1 ‘Fremde, Fremdheit an einem Ort’ (oft im Hinblick auf Herkunft oder Folge von Verbannung): an der stat ellentes mines [interl. zu in loco peregrinationis mee ] PsM 118,54; da heime vnde in ellende Herb 18447; Wahrh 10; nû fûre mich mit dir hinnin zû Alexandrîe, daz ich in deme ellende icht irsterbe PrMd (J) 353,30; Spec 29,3; di nu ir lieben sahen / inz inelende gahen Elis 4366; der sich durch godes ere / [...] / ergap ins enlende ebd. 4410; ellende frumt mirz herze kalt Parz 659,19; ich ne wille daz elelende / buwin immir mere Roth 2346; dar nach herzog Chuͦn [Konrad II.] wart von Payern von kayser Hainreichen vertriben daz er ellend ward und starb in dem ellend EnikWchr 541,36 ; swa sich ein gotzhusman verloft in das ellend WeistBa 240 (a. 1344); daz her si uns zu huteren sende, / wen wir in daz enelende / dort sullen mit angeste varn Brun 6898. – ‘Verbannung’ von dem aufgang [der Gestirne] schreibt Ovidius in dem puch, daz haizzet de Ponto, da er klagt di langen zeit seines ellendes, do in di roͤmer heten eingesant KvMSph 35,1; wo ainer um ein totslach von der stat vertailt wiert in daz ellent StRBrünn 344. – übertr. ‘Galgen’ hat er der zeichen [Diebszeichen] zwei, man sendet en in das enelende; das ist an eynen galgen RbMagdeb 341,12. – mit dem Ggs. zum Paradies ‘Diesseits’ gedenket an des himels wunne / diu dâ iemer wert ân ende; / merket daz der werlde ellende / unlange wernde fröude gît / unde in swacher fuore lît LvRegFr 133 u.ö.; herre, ich wone in eime lande, das heisset ellende, das ist disú welt Mechth 7: 48,3; duo er si dere wunnône bestiez ich weiz er si ûz deme paradîse liez / vile hart âmerende in ditz ellende Gen 501; Konr 18,46; AvaLJ 189,3; Ägidius 1577; nv hat got verhangt, daz [...] Ortlieb von Steten chvrtzlichen wart gezvchet von disem ellende [starb] UrkCorp (WMU) 1866,17; iedoch wartent si tæglichen, die sæligen, von disem ellende hintz himel ze dem hiligen Christ PrOberalt 24,28; PrGeorg 307,1. – bezogen auf die Hölle: diu genade ist daz paradise: / [...] / di anderen cherint / vil vreisliche / in daz tieffe hellewize. / [...] / daz ist daz ellente Wahrh 26; sie han sich gevlizzen / der warheit [...] / und han vorsuht vil ebene / des armen libes ende / und genez ellende, / dar wir nach disem libe varn HeslNic 2742    2 rechtl. ‘Elendeneid’, der Reinigungseid eines Beklagten ohne genügend Eideshelfer (vgl. ellende Adj., zur Sache DRW 2,1511 und 2HRG 1,1791-98): iz enmac nieman weder vmbe totslach oder vmbe wnde oder vmbe decheine schult dichein ellende geswern UrkCorp (WMU) 2265,29; ist er ein vremder, so swert er um das ellend StRBrünn 364    3 ‘Unglück, Not’ frowe reine, / wandels eine, / süezze, wende / mîn ellende, / lieber lîp SM:KvL 21: 5,4; mein clag hat ain ende, / da hin ist mein ellende HvNstAp 16794; daz ir icht gebrest in dem ellende ditz libes PrOberalt 136,29; man mochte iamer schowen / an deme kindeline / wie is mit quelender pine / vaste weinte vnde schre / dem vatere was vmmazen we / vmbe ein sulch ellende Pass I/II 380,34; die ime [Christus] nu aller werlichest nach volgent an uswendiger trostloskeit und an worem ellende von innen und von ussen [...], die koment aller adellichest und luterlichest dar do das rich [...] funden wirt Tauler 364,5

MWB 1 1581,5; Bearbeiter: Diehl

ellendec Adj. ‘fremd, jämmerlich, arm’ (die ältere Hauptbed. ‘fremd, vertrieben’ [vgl. AWB 3,253] in jüngeren Belegen nur ausnahmsweise noch erkennbar): 1 ‘fremd’
2 ‘jämmerlich, arm’
   1 ‘fremd’ konig Foren lachen da began. / er sprach: ‘lant ruwen den ellenden man. / ich han an sinem libe uß erkorn / und prieff an sinen geberden, / er ist von hoher art geborn.’ SalMor 195,2; der guͦte Joseph der sente Marien vridel was, der was ellendich worden durch sine not und durch sin armuͦte und was cuͦmen zu Nazareth PrLpz 151,23    2 ‘jämmerlich, arm’ wer sal sich erbarmen / uber vns vil elendigen armen ThürJungfrSp B 676; in der diemuͤtigen einvaltekeit und in dem ellendigen armuͤte und in der verdrukten smacheit hat mir got sinú wunder erzoͤget Mechth 3: 1,40; alsust sprichet der gepineget licham zuͦ der ellendigen sele ebd. 7: 65,13 u.ö.; als unser herre denne sicht din ellendig liden, das du das vertreist und dich do inne tugentlichen haltest Tauler 152,30

MWB 1 1582,10; Bearbeiter: Diehl

ellendecheit stF. ‘Fremdheit, Verbannung’ in deser werelde ellendicheit Pilgerf Anh. 6; unde welches die rede der ellendikeit si [ quae sit ratio peregrationis ] ThvASu 136,31; daz wâre wort der êwicheit wirt aleine gesprochen in der einicheit, dâ der mensche verwüestet und verellendet ist sîn selbes und aller manicvalticheit. dirre verwüesteten ellendicheit begerte der prophête Eckh 4:482,70; [diejenigen] , die gote nâchvolgent in armuot und in ellendicheit ebd. 4:774,74; Mechth (M) 282

MWB 1 1582,30; Bearbeiter: Diehl

ellendeclich Adj., Adv. kontrahiert ellenklich; adv. auch -lîchen. 1 ‘fremd, verbannt’
2 adv. ‘jämmerlich, bedauernswert’
   1 ‘fremd, verbannt’ daz dirre lande ein fremde man, / [...] / mich dâ von wil vertrîben. / mîn ellendeclich belîben, / [...] / daz sol mîn volc mit triuwen clagen UvEtzAlex 15850    2 adv. ‘jämmerlich, bedauernswert’ ob du alsô erstirbest / und ellendiclich vertirbest UvEtzAlex 6420; Hierusalem, dir sÿ gesait / das du wirst uff die erd gelait / und ellentklich zerstoͤret gar / von diner grimmen vient schar KvHelmsd 931; der tiufel. so der dc sihet dc diu sele also wiselôse und also ellentclichen gât PrSchw 2,61; do er in einem froͤmden convent vil ellendeklich ze bet gelag und dez nahtes von noͤten des grimmen siechtagen nit mohte schlafen Seuse 69,4; so wirt min sele also vinster [...] unde min herze also kalt, das ich ellendeklich muͦs weinen und jemerlich klagen Mechth 5: 33,8. – ‘schrecklich’ dem frumptte der gaste sur / ainen all sölichen stich / mitt sinen kreften ellenklich / daz er nach gevallen was / nider uff daz grünne gras GTroj 5086

MWB 1 1582,40; Bearbeiter: Diehl

ellenden swV. 1 tr. ‘jmdn. bedrücken’
2 refl. ‘sich in die Fremde begeben’
   1 tr. ‘jmdn. bedrücken’ der flvst mich svs ellendet TürlArabel *A 202,22; ebd. *R 207,22. – in unpers. Konstr. mit Dat. oder Akk.d.P.: des wortes mich ellendet GvJudenb 2058; herr, gewerlich, mir beginnet als ser ellenden, mich beginnet als inneklichen belangen nach mins einigen herzen wúnne Seuse 312,26. – subst. ‘Bedrückung’ daz mir ellú disú welt bringe ein ellenden, daz ich nach ime allein trage ein grundloses jameren Seuse 322,17    2 refl. ‘sich in die Fremde begeben’ vert der lîp in ellende [La. mvͦs sich min lip von ir ellenden ] , / mîn herze belîbet dâ MF:Hausen 13:2,7; MF:Hartm 17:2,5; owê, waz êren sich ellendet von tiutschen landen Walth 13,5; mir ist uf gelait das ich / in allen wis ellende mich / ane haͤmuͦt, ane lant, / an alle die mir sint erkant, / muͦs ich laider ane wesen / und in dem ellende genesen RvEWh 9592; daz sich mîn muot ellendet dar Reinfr 279; dar [Santiago de Compostela] sich manich man vnd wip hin ellendet duͦrch der sele willen PrLpz (L) 85,24; deheinrre, der sich vber mêr ellenden wil UrkCorp (WMU) 93,17. 93,10

MWB 1 1582,61; Bearbeiter: Diehl

ellenkraft stF. ‘kühner Mut’ ervraget [...], / wer hie, wer dort trage ellenkraft Frl 5:42,12

MWB 1 1583,20; Bearbeiter: Diehl

ellenlanc Adj. ‘eine Elle lang’ do gab man dem kecken / ainen elen langen stecken HvNstAp 20246; di klainen pigmey / sitzent in den pergen, / geleich den twergen / zwair daum prait, elen langk ebd. 10968; einer ellenlanger wunden / möhte er vil wol sîn bekomen Er 873; seinen elenlangen kragen Neidh (S) 1,137 c113:14,4

MWB 1 1583,22; Bearbeiter: Diehl

ellenmâʒ stN. ‘Messstab in der Länge einer Elle’ (vgl. elne , elmëʒ ): diu ellenmâz, die er da treit, / bediutet mit bezeichenheit / den koufman, der daz tuoch versnît HvBer 6282; sîn ellnmâz legt er niht dar an Georg 117; wer selber misset, ez sey mit ellenmassen, mit trinkmazen oder andern mazen StRBamb 28

MWB 1 1583,29; Bearbeiter: Diehl

ellenmëʒ stN. kontrahiert auch elmez. ‘Messstab in der Länge einer Elle’ (vgl. elne ): wie sol ich dich trügenheit lêren? [...] sô hât der ein unrechtez elmez; sô hât der daz wahs gevelschet PrBerth 1:16,22; amptluͤte, die des messes pflegent, / und ouch der, die mit der wâge wegent: / das kann das elnmess betuͤten wol Ammenh 16321. 16314

MWB 1 1583,36; Bearbeiter: Diehl