genôʒsame
stF.
‘Genossenschaft, organisierte Rechtsgemeinschaft grundherrlicher
Eigenleute’ (nur in schweiz. Rechtstexten):
ze Ludiswile ist ein dinghof; da hoͤret in die vrye gnozami von
Gundoldingen UrbHabsb
1:180,1.
1:518,11;
her Walther von Hallwil [...] hat ze pfand die
gnossame ze Egliswil ebd.
2,1:101,7;
swa ein man stirbet bi der gnossami UrkThurgau
7,830
(a. 1296)
MWB 2 471,16; Bearbeiter: Runow
genôʒschaft
stF.
‘Gemeinschaft, Gesellschaft’
1 allg. 2 bezogen auf die Gemeinschaft der Gläubigen im Diesseits und Jenseits 3 rechtsspr. 3.1
‘Genossenschaft’
3.2 bezogen auf den Stand ‘Ebenbürtigkeit’
3.3
‘Beistand’
1
allg.:
daz wîb [...] die du
[Gott] mir [Adam] ze
gnozsêfte gâbe, div gab mir daz obiz Spec
7,19;
daz er [Christus] unser nith
uergezze, der sanctum Matheum uon sinen sunden loste unde in in siner heiligen
zwelfpoten genozscaft erwelte ebd.
106,4;
die kùnigin [...] lehe yme hofes genoszschafft
Krone
12588;
Wh
159,5;
RvEWchr
26439.
–
dô der vater mîn verdarp / und in der werdekeit erstarp / daz er in sîner
genôzschaft / an lobe erwarp alsolhe kraft / daz man in wîte erkande
RvEGer
1133.
– bildl.:
ouch wont dem roten golde mit / oft pleicher messinch. / disiv misleichiv
dinch / behabent oft genozschaft, / da in gebristet werdes chraft Krone
62
2
bezogen auf die Gemeinschaft der Gläubigen im Diesseits und Jenseits:
ouwê, trûtgeselle. / got versperre dir die helle / und gebe
dir durch sîne kraft / der engel genôzschaft Iw
1474;
in der gnozschefte der heiligen engel Spec
19,7;
genozscaft der oberosten burgare ebd.
124,23;
PrWack
3,82.
–
daz ir ivch vroͮwet [...]
mit den heiligen patriarchen, in der gnozzeschâft ir mit dem heiligem
gloͮben, mit der heiligen toͮfe sit gelâdit Spec
16,19;
unser manich suͤnt, die habent uns gesundert von
der gnoscheft der rechten und der sæligen PrOberalt
39,32.
–
daz wir bescirmet sin unter dinere
[Gottes] herscefte / noch von ime
[dem Teufel] abegeleitet werden ire gnozscefte
Himmelr
12,18;
vnde [reuige Sünder] nu in diner
[Marias] genozschefte sint / geheizin di waren
gotis kint Litan
1239
3
rechtsspr.
3.1
‘Genossenschaft’
vnd zvͦ pênen sol man in scheiden von der andern broͮtbeckin
genôzschaft UrkCorp (WMU)
1653,19;
da nach in den ahte tagen sol men in scheiden von der andern burgere
genôzschaft vnd hin vsser den ciln der selbin stat ebd.
1653,31.
–
‘grundherrlicher Verband’
jst aber, daz er Cvͦnrat ald kain sin kint wirt fluhtik ald
kumt uz der gnoschaft wider minem willen UrkCorp (WMU)
2633,27;
eyn slos [...], daz von deme stifte
zuͦ lehene giͤnge, [...] vorlihen
luͦten von suͦlcher genozschaft, also diͤ waren, den
wir iz an gewonnen UrkErf
2,132
(a. 1337).
– bezogen auf eine vertraglich begründete Einigung
‘Genoßsamevertrag’
es hant ouch min froͮwen ein gnoͮßschafft mit sant
Fridlin dem goczhus ze S. [...], dz wer den andern
behuset ode behovet, der sol ien auch vallen UrkAargau
2:3,153,9
(a. 1324);
wir [...] hein gemacht ein genoschaft mit den
geislichen UrkBern
6,343
(a. 1337)
3.2
bezogen auf den Stand ‘Ebenbürtigkeit’
ze besserunge, daz ich min vngenoessin genomen han vnde vs der genosschaft
widerm rehten wissentlich gegriffen han [unstandesgemäß geheiratet
habe]
UrkCorp (WMU)
2311,21;
dem [Angeklagten] sul der stadtrichter benennen
20 erbern manne der genossschaft sein DRW
4,232
(BlNÖLk; a. 1305).
– hierher (?):
die hohin edilckeit / dú ir geburt was ane geleit /
von Abrahamis samen, / da von dú geslehte kamen / und in der genoschefte
blibin RvEWchr
33185
3.3
‘Beistand’
vnd [
wir
] geben den vor genantden
gezvgen vnser genozschaft zvͦ einer gezugnuͤst in dir sach
UrkCorp (WMU)
2991,17
MWB 2 471,24; Bearbeiter: Runow
genôʒslahære (?)
stM.
‘Verwandtenmörder’
parricida: brudersleccho vel gnoslecko Gl
4:154,7
(BStK391)
MWB 2 472,23; Bearbeiter: Runow
genôʒunge
stF.
er [Christus] blickt in vremdem schîne
/ verborgen sô und nicht mit sîme [
lîbe
] / und hât
mit andern lîben nicht / eigner
genôzunge [
societas
] glîche phlicht
JvFrst
2360
MWB 2 472,26; Bearbeiter: Runow
gensebluome
swMF.
1
‘Gänseblume’
2 übers. lat. ligustrum
‘Rainweide’ (vgl. Marzell 2,1279 )
1
‘Gänseblume’
waz solten mir bi rosen gensebluͦmen? JTit
499C,3.
– als Bestandteil von Personennamen:
fro Gesz, sin muom, / Bentz der Genspluom, / Girstibrot und Backenstosz, /
[...] / disz was fro Mätzen geslächt Bauernh
88
2
übers. lat. ligustrum
‘Rainweide’ (vgl. Marzell 2,1279):
ligustrvm: gensebloͮme Gl
3:580,58
(BStK926)
MWB 2 472,30; Bearbeiter: Runow
gensebrâte
swM.
‘Gänsebraten’
luͦfe [Akk.Pl. von
luof
] , vresse, vaisse / tuͦnt gense
bratten [Subj.] haisse SHort
4836
MWB 2 472,38; Bearbeiter: Runow
gensedistel
stMF.
Pflanzenbezeichnung, ‘Gänsedistel’ (?), (vgl. Marzell
4,399):
endivia: gense tystel VocClos
En4;
scariola: gense tystel ebd.
Sc41;
Gl
3:541,13
(BStK808)
MWB 2 472,41; Bearbeiter: Runow
genseei
stN.
‘Gänseei’
gens eier. vnde entin eier deuwent sich nicht
SalArz
18,27
MWB 2 472,45; Bearbeiter: Runow
gensekorn
stN.
‘(geschältes) Gerstenkorn’ (wohl zu lat.
ptisana):
tipsana: genschorn Gl
3:617,12
(BStK926)
MWB 2 472,47; Bearbeiter: Runow
gensekrage
swM.
‘Gänsehals’
ein hamer unde ein krâ, / ein wambez unde ein pfâ, / die
[...] spilten mit dem gense kragen: / daz hôrte ich ein
meisen sagen Wachtelm(W)
1154,31
MWB 2 472,50; Bearbeiter: Runow
gensekrësse
swMF.
‘Gänsekresse’ (der blutbildende Wirkung zugeschrieben
wird?):
sanguinaria: gensecresse Gl
3:545,1
(BStK947)
MWB 2 472,54; Bearbeiter: Runow
gensel, genselîn
stN.
Dimin. zu gans
‘Gänseküken’
wenne ireu gensel noch krank sint, sô hüet ain gans allzeit
und rekt den hals auf BdN
168,32.
– in Vergleichen:
al senfte was ouch diu künegîn, / reht als ein jungez
genselîn Wh
100,12;
vil wisser denn ain gensel / waz [l.
was
] do der trutelloht lip SHort
7030;
als ein gans auf einem eis, / die ire genselein hat verlorn Neidh(S)
2,16c6:3,8;
Renner
3760.
12487
MWB 2 472,57; Bearbeiter: Runow
gensesmalz
stN.
‘Gänseschmalz’
der cresse gestossen mit gensesmalze vertribet den bosen
swern an dem houbte Macer
44,11;
mit genssmalz ist daz
kraut [
weizpapel
] guot dem smerzen, der
in der gelider zuofuog ist, dâ diu gelider auf ainander stôzent BdN
386,5;
SalArz
60,56;
OvBaierl
76,8
MWB 2 473,1; Bearbeiter: Runow
gensesmër
stN.
‘Gänsefett’
nim daz gensesmer. zirlazes. vnde trvofez in div oren
Ipocr
44;
nim artimesiam unde genssmer unde misch daz mit rôsenole unde
lege daz an die stat, dâ dû die geswulst habest Barth
133,7
MWB 2 473,7; Bearbeiter: Runow
gensevleisch
stN.
‘Gänsefleisch’
nvn merkch daz du die taeg nicht scholt [...]
gensfleysch ezzen Barth(H)
502
MWB 2 473,12; Bearbeiter: Runow
gensevuoʒ
stM.
‘Gänsebein’
frou, ich war nie sô siech, / ich viselet
[knabberte] iu ein ohsendiech / für ein kleinen
gensefuoz, / daz tet mir des hungers buoz Helbl
1,431
MWB 2 473,15; Bearbeiter: Runow
gensevurt
stF.
‘Gänsefurt’ (als Flurbezeichnung?):
ein [Acker-] stucke an der gensevurte
UrkCorp (WMU)
N101,24
MWB 2 473,19; Bearbeiter: Runow
genseweide
swF.
‘Gänseweide’ (als Flurbezeichnung?):
jn den ban ze Goͮdertheim ein acker an der genseweiden
UrkCorp (WMU)
N722,39
MWB 2 473,22; Bearbeiter: Runow
gensic
Adj.
‘nach Art einer Gans’
was ich dem tummen schrie, / doch liebet im sin gensig mut
Mügeln
271,12
MWB 2 473,25; Bearbeiter: Runow
gensîn
Adj.
‘von der Gans’
wirouch gestossen unde mit gensin- oder mit entensmalze
getempert, hilf den gebranten lidden mit bestrichen Macer
87,11;
mit gensiem smer Barth(H)
476
MWB 2 473,28; Bearbeiter: Runow
gensischen
Adv.
‘wie eine Gans’
der mensch ist aller ungeordenst in den
werken [beim Geschlechtsakt] , wan er verkêrt
menschleicheu werk und würkt iglischen oder gensischen BdN
139,33
MWB 2 473,32; Bearbeiter: Runow
genste (?)
stF.
zum Ansatz der zweisilbigen umgelauteten Form vgl. 2
5Mhd.
Gr. § M 19 (s.a.
enste
).
‘Wohlwollen, Zuneigung’
daz quam uon sinen gensten, / daz er [...] uon dem himele
her nider steich, / [...] vnde wart mensche Glaub
565;
dise rede [...], / di ih arme Hartman / uon deme heiligen
gelouben han getan / mit inniclicher genste ebd.
3739.
591.
2193
MWB 2 473,36; Bearbeiter: Runow
genster
Subst.
‘Ginster’ (vgl. Marzell 2,601f.):
genesta: genster SummHeinr
1:182,160
MWB 2 473,44; Bearbeiter: Runow
gensterlîn
stN.
→
ganeistelîn
MWB 2 473,46;
gent
stF.
‘Leute’ (zu afrz. gent, vgl. Suolahti
1,94):
das volk ysset lewte. / roes flaisch ist ir kost, /
[...] es ist gar ein mala gent HvNstAp
10961;
ir bringet die toten gente / von mir zu einer presente / dem
kuͤnge Terramere Rennew
12109.
14643;
Tr
16700
MWB 2 473,47; Bearbeiter: Runow |