genetzen
swV.
→
netzen, →
genecketzen
MWB 2 458,54;
ge|nëven
swM. (Pl.)
‘Neffen, Verwandte’
si wâren beide geneven / Helenôr unde Lîke [Lycus]
/ zwêne ritter hêrlîke En
6974;
si [Bysan und Arbazan, die Mörder des
Darius] wâren zwêne geneben SAlex
3925
MWB 2 458,55; Bearbeiter: Runow
geneʒ
stN. (?)
‘Arbeits- und Wohnraum der Frauen’ (vgl. gr.
gynaeceum):
geneceum, genicium: genez, geneztunc SummHeinr
2:320,149.7
MWB 2 458,60; Bearbeiter: Runow
geneʒtunc
stMF.
‘Arbeits- und Wohnraum der Frauen’ (vgl. gr.
gynaeceum; vgl.
tunc
):
geneceum, genicium: geneztunc SummHeinr
2:320,149.7
MWB 2 458,63; Bearbeiter: Runow
geneʒwîp
stN.
‘Frau im Frauengemach’
si [die Königin] enbôt Êtîô, / si
newurde niemer frô, / er nekôme in ir phiesel [beheizbares
Frauengemach] , / daz er die wolle
ziese [zupfe] / under andern
jenezwîben [La. ghenizwiben
]
Kchr
13953
MWB 2 459,1; Bearbeiter: Runow
genge
Adj., Adv.
1
‘gangbar, gut im Gange’
1.1 bezogen auf Pferde ‘zugeritten, gut zu reiten’
1.2
‘schnell (bei der Hand)’
1.3 geschickt (?) 2
‘gängig, üblich’ (vgl.
gengic
) 2.1
‘bekannt, (weithin) verbreitet’
2.2 von Münzen ‘im Umlauf, gültig’ (vgl. WMU 1,545 mit zahlreichen Belegen)
1
‘gangbar, gut im Gange’
gar genge waz ir worte pflug, / si menten [führten]
in her und dar MinneR480
292;
die gesoten ruoben waichent den leip und machent in geng
[lösen die Verstopfung]
BdN
419,11
1.1
bezogen auf Pferde ‘zugeritten, gut zu reiten’
ezn wart nie ros so genge, / wil manz ze allen ziten /
ungezoumet riten, / ane gerten und ane sporn, / elliu sin tugent si verlorn
StrKD
86,172;
‘wâ nû ros? ich wil rîten!’ / [...]
ein zelter schœne und genge / hiez der künic ziehen dar Flore(S)
2736
1.2
‘schnell (bei der Hand)’
Nectarius von Karnand / sprang uss dem getrenge, / zü
füss waz er genge / da er die minenklichen vand GTroj
6008;
mit präp. Erg.:
den bosen was er herte, / er strafte ir geverte / an gerichte strenge, /
zu ir straphe genge Elis
3994.
–
sô er wînglocken hœre liuten, / daz er kome ginge [Hs.
genge
] / und sîn silber bringe
Niemand
169.
–
Monagris waz strenge, / Paris unmassen
genge [streitlustig] . /
[...] mitt grossen schlegen manig valtt
GTroj
8414;
owê spotlîchez schimpfen, / wie bist du dâ sô genge Hadam
459,2
1.3
geschickt (?):
dô wundert’ vrouwen unde man, / daz der jung’ vürste wære /
ein genger videlære Bussard
464
2
‘gängig, üblich’ (vgl.
gengic
):
swer kunst in sînem herzen hât, / den kan si
[
valsche milte
] wol versmâhen, / swer
aber âne fuoge stât, / dem wil si balde nâhen. / si [Kunst âne
fuoge (?)] kan dur valsche missetât / die gengen gâbe
emphâhen KvWKlage
17,6
2.1
‘bekannt, (weithin) verbreitet’
din [Marias] lenge reichet von des hohen trones
vunt / mit voller kraft biz in der tiefen helle grunt: / ach Got, wa wart ein
maget ie so genge AveMaria9
8;
sein nam der wær noch genger / in manigen landen worden Suchenw
16,176;
sine [Platos] kvnst vnde sine
list, / die zv Paris genge ist / me denne anderswa: / daz ist dialetica
Herb
10672.
– in der Verbindung
~ mære:
ez waz ein gengez mære, / waz im âventiure was geschehen
UvZLanz(K)
7812;
daz was ein gengez mære / in allem dem lande
Iw
3374;
Dietr
2873;
präd.:
ouch wart des heilegen mære genge / an die breite und an die lenge
LvRegFr
1372
2.2
von Münzen ‘im Umlauf, gültig’ (vgl. WMU 1,545
mit zahlreichen Belegen):
zwai phunt phenninge, die ze Nvrenberch genge sint UrkCorp (WMU)
949,7;
die münze sint nu sêre genge worden Renner
13815.
– meist in paarigen Ausdrücken, v.a. mit gæbe:
swer einem phenninge gelobet, der sol enem phenninge geben die dâ
genge unde gæbe sint SchwSp(W)
251,3;
hundirt marc gengis vnd gæbis silbers UrkCorp (WMU)
150B,13;
sessuntryzig marg pening, gengir und gebir,
[...] an gereydeme gelde UrkFrankf
2,186
(a. 1323).
– mit gibe bzw. guot:
mit guten Regenspurger phenningen, die denn gib vnd geng sind ze
Regenspurch UrkCorp (WMU)
2823,33;
mit gvͦtem vnd gengem silber ebd.
1341,16
MWB 2 459,6; Bearbeiter: Runow
genge
stF.
unklar; vielleicht ‘vertraute Erscheinung’ (?):
doch so erstant si da [beim Jüngsten Gericht] gar /
die guoten vnd der svnder schar / mit ir ganzen liben / die man zvo den wiben / in
vollekomener genge / vnd in der selbin lenge / als in div nature verlech
Martina
199,57
MWB 2 460,1; Bearbeiter: Runow
genge
stN.
‘Ausgang, Ursprung’ (vgl.
anegenge
):
wiltu wizzen uon welcher vuchte iglich sichtum ein genge habe
SalArz
110,32
MWB 2 460,7; Bearbeiter: Runow
gengelære
stM.
‘Umherziehender’
daz bin ich, der arme gangelære Schlegel
545;
erbarme dich noch uver den armen gengelere, / so wirt noch vrolich sin herberg
Lilie
18,29.
33,18
MWB 2 460,10; Bearbeiter: Runow
gengelich
Adj.
‘im Umlauf, gültig’
da bi haͮn wir in oͮch gegeben funf schillinge haller
gengeliches geltes UrkHohenz
1,152
(a. 1340)
MWB 2 460,14; Bearbeiter: Runow
gengelîn
stN.
‘Äderchen’ (übers. lat. venula):
ander maister sprechent, daz sich daz kint [im
Mutterleib] fürb und sauber von wäzzriger überflüzzichait in ainem
gänglein, daz hât diu nâtûr gemacht zwischen dem pälglein, dâ mit si daz kint
umbhüllet in der muoter leib BdN
34,7
MWB 2 460,17; Bearbeiter: Runow
gengen
swV.
‘jmdn. zum Gehen bringen, antreiben’
herzog Wildhelm ersprangt / daz ros mit kraft er gangt
WhvÖst
14796;
den dieb er dannen gengete PrHess
42,134
MWB 2 460,23; Bearbeiter: Runow
gengic
Adj.
1
‘im Umlauf, gültig’ (vgl.
genge
2.2 ) 2
‘(weit) verbreitet, bekannt’ (vgl. genge
2.1 )
1
‘im Umlauf, gültig’ (vgl.
genge
2.2):
daz si vns dienen [...] zehen schillinge phenninge,
di danne gengich sint UrkEnns
4,124
(a. 1290).
– in der Wendung
~ unde gæbic:
einen shillinch phennige, di daz [
da
ze
] Nvͦrnberch gengich vnd gebich sint
UrkCorp (WMU)
2887,20
2
‘(weit) verbreitet, bekannt’ (vgl. genge
2.1):
als ez des morgens wolde tagen, / do hort man in der stat sagen / (vil gengich
was daz mære), / man sagt, daz entrunnen wære / ouz der stadt chunich Ermrich
Dietr
6930
MWB 2 460,27; Bearbeiter: Runow
genibele
stN.
Koll. zu
nëbel
, ‘Nebel, Dunst’
naht vnd vinster vnd genibele [interl. zu nox et tenebre et
nubila
]
PsM
H 19,1;
div naht vnd ir genibele / was so groz hie nidene / daz man
si mohte greiffen Wernh
A 3617;
so vallit vil dicke / mit regne joch mit blicke / ein viurin genibile / mit
stinkindim swebile LAntichr
816;
dô was daz genibel sô dicke, / daz si kûme bî dem blicke /
die burc kuren nâch wâne UvZLanz
7589;
Kchr
4296;
Kudr
1134,1.
– bildl.:
si [Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem
Paradies] gingen in ellende / in dizze genibele / daz haizet
Babylonię / daz ist uinster unde blint VMos
10,20
MWB 2 460,38; Bearbeiter: Runow
genibelet
Part.-Adj.
‘neblig’
an aim genibelten morgen SHort
3276
MWB 2 460,51; Bearbeiter: Runow
genîc (genîge ?)
Subst.
‘Verneigung’ (?):
ich achte nicht auf ir genig, / ich will mit ine streiten Neidh(S)
2,33c12:5,7
MWB 2 460,53; Bearbeiter: Runow
genicke
stN.
1
‘Genick’
2
‘Niederbeugung, Besiegung’
1
‘Genick’
hartt uff sin genyke / wurde menger straich gegeben
GTroj
8006;
der kneht, der sînes [des römischen Triumphators]
genickes pflac [der ihn durch einen sanften Schlag in den Nacken auf
die nachfolgende Sentenz aufmerksam machte (vgl. V.
22665f.
]
Renner
22684
2
‘Niederbeugung, Besiegung’
so sy dir, ritter, wider saitt / uff vil stark genike, / dem
tödlichen strike / keme du nie so nache GTroj
979
MWB 2 460,56; Bearbeiter: Runow
genicsam
Adj.
‘wie gebeugt’ (vgl. Felder, Krone, S. 532):
es [das Pferd] was von allem dem tadel wunt, / das
ie roszen missezam: / krump vnd gnigksam, / kellig
[halskrank] vnd vnersam Krone
19859
MWB 2 461,1; Bearbeiter: Runow
geniete
stN.
gibt an einer Jesaja-Stelle, die von der Anfertigung ehener Götterbilder handelt,
lat. glutinum
‘Leim’ wieder; möglicherweise Koll. zu niet stM.
‘Niete’, dann etwa
‘Zusammenheftendes’
der ysensmit, der zu stocke
[Amboß] hemirt, wirt manen den, der denne wirt
tengiln, und wirt sprechen deme lutere adir deme
genyte [
glutino
] : is ist gut. und wirt
is [das geschmiedete Eisen] heften mit
naylen [mit Nägeln an den Holzkern des Götzenbildes] ,
daz is sich icht rege Cranc
Jes 41,7
MWB 2 461,6; Bearbeiter: Runow
genieʒ
stM.
1
‘(aus einem Gut, Geschäft o.ä. erwirtschafteter) Gewinn, Ertrag’
1.1 übertr. ‘Lohn’
1.2 phras. himelisch ~
, bezogen auf das Jenseits 2 allg. ‘Nutzen, Vorteil’ (materiell wie ideell; nicht immer
streng gegen 1 abzugrenzen)
1
‘(aus einem Gut, Geschäft o.ä. erwirtschafteter) Gewinn, Ertrag’
ir lêhen sie enphiengen, / ir lant, ir landes geniez
RvEBarl
14769;
kornnis geniez RvEWchr
7452;
ein ieclich burgere [...] sal abir dichein silbir
wechsiln, daz he vort virkofin wolle durch geniez UrkCorp (WMU)
1161A,45;
die ir geniez unde ir gut / den erzeten hete gar vergeben PassIII
499,32;
Parz
52,6;
PassI/II
6,21.
– hierher oder zu 2:
Ysaac von godis gnade / gar dvgentliche sade / den samen sin vmme sinen
geniz PrHess
19,75
1.1
übertr. ‘Lohn’
der rehten werdekeit geniez, / des diu werlt was
gereinet, / het got an im [Ither] erscheinet
Parz
475,28;
Iohannes ein diaken hiez, / der durch tugentlich geniez / sante Gregorius
leben schreib PassIII
214,30;
durch hoher tugende geniez ebd.
333,15;
GTroj
23404;
WernhMl
8859.
–
solichen geniezz emphahen die hochferttigen mit sambt
jrm maister, dem tievel SchlierbAT(LS)
1,44
1.2
phras. himelisch ~
, bezogen auf das Jenseits:
daz gotes fiwer [...] enzundet
manigen man / der die werlt varen liez / durch den himelischen geniez
Vät
3406;
in den himelischen geniez / fuͦrten in mit vrouden
groz / die engel in der selden schoz ebd.
4944.
17532;
vgl.
do wisete got wie reine / zu himele were sin geniez PassIII
18,53.
–
werltlich ~
:
den vnuczen knecht [...] der
sich nicht fleizzt, sel zu dem himl gewynnen, nur wie er im vppigen lob vnd
welttlichen genies gesammen muͤg SchlierbAT(LS)
1,122;
vmb welttlichen lob vnd genies ebd.
1,116.
1,162
2
allg. ‘Nutzen, Vorteil’ (materiell wie ideell; nicht immer
streng gegen 1 abzugrenzen):
daz vervie niht zir genieze UvZLanz
7494;
wir cherten ze ir geniezze / alle unser chraft und unser maht
StrKD
66,30;
ieder mensch suͦchet sinen geniess
Seuse
380,14;
Teichn
280,45;
wohl hierher:
dit brengit schaden, keynen genis
[:proverbiis
]
PrHess
10,835;
wer daz dut, daz ist ein genis ebd.
10,829.
10,901.
19,75.
–
sie [...] gehielten daz wazzer [in
dem das Christuskind gebadet wurde und das heilende Wirkung
hat] dô / ûfen künftigen geniez WvRh
4386.
–
‘Genuss’
als er durch spîse genîz / krebze wolde vâhin NvJer
14566;
nicht enget der wegeman / durch genis willin [zum
Vergnügen] uf der ban / sundir daz he an di stat / kome da hin
he willin hat PfzdHech
173,28.
–
‘Zweck’
und swes muot begunde gern / jagen swîn oder bern, / der vant ze dem
genieze / vil starke breite spieze Er
7176
MWB 2 461,17; Bearbeiter: Runow
genieʒære
stM.
‘Selbstsüchtiger, nur dem Eigennutz Verpflichteter’
pei dem geir verstên ich die geitigen zucker
[Räuber] und geniezer [...],
die sich anderr läut schaden fräuwent, dar umb, daz si [auf
zucker zu beziehen] vol werden BdN
230,22
MWB 2 462,3; Bearbeiter: Runow
genieʒe
F.
‘Gefährtin’
die kinder [...], / di ir genieze waren / an aldere
unde an jaren Elis
711;
wi daz si [ungeachtet des Standesunterschiedes] ir
geniezen / ein ander solten nennen ebd.
7188.
875
MWB 2 462,8; Bearbeiter: Runow
genieʒe
stN. (?)
Ansatz unsicher, Bed. unklar, vielleicht ‘Gemeinschaft’ (vgl.
genieʒe
F.); oder zu ganeist
‘Funke’? (oder ist von enein genôzen
‘vereinen, versammeln’ auszugehen? Vgl. Glr.z.St.):
wer wazzer is sne zusamene stize / allentsamen in ein genize
/ und trebe daz zu vure, / di dru worden al eine nature Brun
4440
MWB 2 462,12; Bearbeiter: Runow
genieʒelîn
stN.
Dimin. zu
genieʒ
‘kleiner Gewinn/ Vorteil’
ir [der gîtikeit
] ist vil lieber ein
geniezelîn / denne got Renner
4679
MWB 2 462,19; Bearbeiter: Runow
genieʒen
stV.
1 mit Gen. ‘einen Nutzen oder Vorteil von etw./jmdm. haben, mit etw.
erfolgreich sein’
1.1 allg. 1.2
‘etw. innehaben; Einkünfte/Gewinn aus etw. haben’
1.3
‘in einer Streitfrage recht bekommen’
1.4
‘für etw. unbestraft bleiben, straffrei ausgehen’
2 mit Gen.d.S. und Gen.d.P. ‘jmdm. etw. verdanken’
3 mit Gen.d.S. und präp. Erg. d.P. ‘Anerkennung, Dankbarkeit finden bei
jmdm.’
4
‘unbestraft bleiben, davonkommen’ , meist als als Part.-Adj.
‘(von etw.) verschont, ungeschoren’
4.1 ohne Zusatz 4.2 mit Gen. 4.3 mit präp. Erg. 5 mit Akk.-Obj. 5.1
‘etw. genießen’
5.2
‘etw. zu sich nehmen, essen’
5.3 rechtsspr. (vgl. 1.3 ) ‘etw. innehaben’
6 mit Obj.-Satz 7 jagdspr. in der Verbindung genoʒʒen hân (ohne Zusatz), von Jagdhunden
‘durch den Genuss von Wildfleisch scharf gemacht die Witterung
aufnehmen’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, S. 60f.)
1
mit Gen. ‘einen Nutzen oder Vorteil von etw./jmdm. haben, mit etw.
erfolgreich sein’
1.1
allg.:
umbe Sampsônen merke, / waz gnôz er sîner sterke?
Eracl
2606;
nu volg aber ich, swie ich es niht genieze
MF:Reinm
4: 3,6;
sîner sælikheit er [Lanzelet]
gnôz, / diu benam im müeje UvZLanz
418;
der walt was sô grôz / daz si ir suochens niht genôz
Wig
5923;
NibB
2061,4;
KLD:GvN
9:5,10.
– häufig mit lâʒen:
bittet in [Christus] , das
er vns lazze geniezzen sines vil heren crûces Konr
11,50;
habe si wol ze iu getân, / des sult ir si geniezen lân
Tr
1622;
lâ mih der lobe geniezzen, diu ich hân von dir geseit
SM:We
1: 3,13;
MF:Reinm
2:3,6;
RvEBarl
4825.
– Ggs. zu
engëlten
:
ir soldet mîn geniezen, nu engeltet ir mîn
NibB
2175,3;
des engildet, der ez [in Hs. zu
es korrigiert] nie genoz
Herb
9505;
OberBairLdr
246;
so sol ein ieglich man oder frauwe einen guͦten
lumundes geniezzen und eins boͤsen engelten WüP
46,3;
Iw
940;
Teichn
439,50.
–
‘jmds. Unterstützung/Wohlwollen genießen’
jâ geniuzet man vil selten / der bœsen gesellen
Wig
2337;
cumit abir die tac vuri unde inis he nicht ein
bisezzin man, so sal he dis richteris gnizi Mühlh
164,3;
daz er vnser geniezze [
propter amorem
nostrum
]
UrkCorp (WMU)
1197B,18;
dur got vnd vmb ir sele heil vnd oͮuch fúr alle die selen, der
si ie genussen ebd.
1337A,22.
– nachteilige Folgen von etw. bezeichnend, auch ironisch:
dô Alexander Pâris / Menelâô sîn wîb nam, / dâ michel ubel abe quam, /
des maneger ubele genôz En
923.
3352;
schiuzet er, sô stiche ich in, / sô sehe, waz ers
genieze [was er davon hat]
MF:Reinm
67: 5,6;
swer mir nimpt mîn êre, / der geniuzet es
borvil [dem nützt es gar nicht, d.h. es schadet ihm
sehr]
UvZLanz
1147
1.2
‘etw. innehaben; Einkünfte/Gewinn aus etw. haben’
er [der Fisch] was lanc unde grôz, / des er
[der Fischer] vil gerne genôz / an den phenningen
Greg
3286;
koufit abir ein phaffe odir ein ritter vffe winnvnge ettewaz, des he wolle
vort geniezin UrkCorp (WMU)
1161A,15;
UrkSalem
2,481
(a. 1295)
1.3
‘in einer Streitfrage recht bekommen’
moͤhte si daz bringen mit zwæin gezivgen zvͦ ir
[...], si genvͦzze sin UrkCorp (WMU)
39,13;
sagent aber mich di selben fvmf herren vnschvldich, des sol ich geniezzen
ebd.
2125,35
u.ö.;
StRWien
75
1.4
‘für etw. unbestraft bleiben, straffrei ausgehen’
dô sprach aber Sîfrit: «geniuzet es mîn wîp, / daz si hât
ertrüebet den Prünhilde lîp, / daz ist mir sicherlîchen âne mâze leit
NibB
861,1;
der ez [das Zücken von
Waffen] aber von im selber lezzet, der sol des geniezzen und sol
ledig sin WüP
41,10;
vnde swer das versessen hat, het er sich mit vnseren vrowen verslihtet,
dez sol er geniezen UrkCorp (WMU)
240,33.
–
nu ist wol recht das sie [die zum Tode
Verurteilte] mines herren des koniges daran
genieß [Gnade findet] , des gesellschafft sie
lang hat gehabt. darumb sol man sie leben laßen [aber schwer
bestrafen]
Lanc
525,8
2
mit Gen.d.S. und Gen.d.P. ‘jmdm. etw. verdanken’
daz ich daz lant niht verlos, / des genoz ich do sin
Herb
3941
3
mit Gen.d.S. und präp. Erg. d.P. ‘Anerkennung, Dankbarkeit finden bei
jmdm.’
–
gegen:
ich hân tal unde berc / mit maneger tjost überzilt
[...], / daz es die vînde an mir verdrôz, / swie
wênc ich des gein iu genôz Parz
787,30;
nu ist billich, daz er des gein rehten liuten wol genieze
SM:UvS
30: 3,3;
rechtsspr.:
mag er daz bereden mit sinen zwain vingern, des sol er
geniezzen [recht bekommen, vgl. 1.3
]
gen dem vogte unde gen dem clager StRAugsb
114,10.
–
wider:
ouch sulnt si geniezen / wider iu ein teil der reise mîn
UvZLanz
2424;
daz in heidenschaft doch eteslîch wîp / des clâren
Vîvîanzes lîp / mit mir sol beriezen [beweinen] , / des
muost dû geniezen, / bruoder, immer wider mich [das werde ich dir
nie vergessen]
Wh
208,12;
Eracl
5385;
Iw
3139.
– vereinzelt umbe:
sît daz mich dîn tumber sin / ze vriunde ersach, des ich
niht bin, / sô wil ich doch des wortes dich / lân geniezen umbe mich
RvEBarl
4842.
11862
4
‘unbestraft bleiben, davonkommen’, meist als als Part.-Adj.
‘(von etw.) verschont, ungeschoren’
4.1
ohne Zusatz:
lat stan, lat stan, lat disen man / geniessen! tuͦt
im laides niht! RvEWh
1439;
so suldir in geniezen lan / ob ich u ie dienest getete
GrRud
F 17.
–
des nemac sin: / dune scolt so genozin nicht hinnen
uaren Rol
4295.
8581
u.ö.;
StrKarl
7091;
ir [Frau Minne] hât mich geschozzen, / und
gât sî [die Geliebte] genozzen, / ir ist sanfte,
ich bin aber ungesunt Walth
40,33;
swer mit lobe in [Gott] êrt der vert
genozzen Sigeher
11,13;
Serv
1022;
Lanc
230,5
4.2
mit Gen.:
hêr, mir tuot immer wê, / sol ers genozzen scheiden hin
Parz
290,9;
si megens uns jehen z’ unêre, / komen sis hin
genozzen Wh
43,23;
Jüngl
1187.
–
do wart gesmelzet bli bracht / [...] / und
nach des keisers gebote / in den munt gegozzen. / des bleib er noch genozzen
[am Leben] , / wand im half der gute got
PassIII
278,82
4.3
mit präp. Erg.:
nû haiz dû smide sizzen, / daz hûs wol besluzzen / mit
vil vesten slôzen. / sô birn wir genôzen / vor unsern vîanden
Kchr
11555
5
mit Akk.-Obj.
5.1
‘etw. genießen’
der [Sünder] ist in dem
riche [der irdischen Welt] / vil harte
werltlichen, / unz [solange] er daz guot geniuzzet
Hochz
628;
wie hastu [Sünder] alles dein
leben / unrecht genossen und verzert HvBurg
4397.
–
die selben heiligen froun [die Reliquien
der Hl. Hedwig] / wolt der kunic ouch
geniezen [sich zu Nutze machen] . / er lie sich
niht verdriezen, / er fuor dar mit andâht Ottok
9612
5.2
‘etw. zu sich nehmen, essen’
ein galle unsuͦzze, nieman chan si geniezzen GenM
6,13;
steinfar [Steinfarn] genozzen mit
prote ist den goͮt, den lanche [die Hüfte] we
toͮint PrüllK
11;
und sterbent die hüenr von des menschen mist, der die
nieswurz hât genozzen BdN
400,26;
VMos
51,15;
Konr
24,20
5.3
rechtsspr. (vgl. 1.3) ‘etw. innehaben’
also, daz wir noh enkein vnser erbe daz reht niemer svn geniessen me noh
getvͤn UrkCorp (WMU)
1730,17.
–
‘etw. (wirtschaftlich, gewinnbringend) nutzen’
was sy geniesen mvͤgen meines wælds cze czimmer, cze prennen
vnd cze caufen UrkCorp (WMU)
N123A,6;
swaz si mohten geniezen / des guots [in
der erstürmten Burg] , daz man darinne sach, / daz fuorte
man gen Friesach Ottok
61280;
also ez [das Lehen] der egenante Heinzelin
[...] het gehebet besessen vnd genossen
UrkBergh
33
(a. 1342).
– wohl hierher:
mit allem genieze, als er vnde sine kint
[...] nv oder immermer geniezen mvgen
UrkCorp (WMU)
777,10
6
mit Obj.-Satz:
si [Maria] gnoz, / du vil heiliger
Crist, / daz du so guot bist SüklV
664;
Diomedes genoz, / hern Tydeus son, / vnde daz Agomennon / ime
wol bi stunt Herb
9048;
lât mich geniezen, daz ich / durch iuwer êre und iuwern
vromen / her bin in iuwer rîche komen Tr
10470.
14887;
wê, daz ich niht geniezzen sol, / daz ichs ûz hân gesundert /
mir ze vrœden gar SM:UvS
33: 1,4;
Spec
6,6;
Wh
92,20;
MarseqM
50
7
jagdspr. in der Verbindung genoʒʒen hân (ohne Zusatz), von Jagdhunden
‘durch den Genuss von Wildfleisch scharf gemacht die Witterung
aufnehmen’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, S. 60f.):
einen bracken, der sô genozzen hât, / daz er die verte
erkenne der tiere durch den tan NibB
932,2;
Fürst [d.i. ein Hund] was unverdrozzen, / er het
wol genozzen, / im was von der vert niht gâch Helbl
4,412;
der hunt hât ûf der hiute vil genozzen Hadam
415,7;
Winsbeckin
25,6
MWB 2 462,22; Bearbeiter: Runow |