Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
      1gelende stN.
      2gelende stN.
      gelender stN.
      gelenke Adj.
      gelenke stN.
      gelenket Adj.
      gelenklîche Adv.
      gelenze stNM.
      gelenzezît stN.
      gelërnic Adj.
      gelëse stN.
      gelest Part.-Adj.
      gëlf Adj.
      gëlf stM.
      gëlfe stF.
      gëlfen stV. (IIIb)
      gëlfheit stF.
      gëlfrôt Adj.
      gëlfwort stN.
      gelîben stV.
      gelîbet Adj.
      gelîch Adj.
      gelîche Adv.
      gelîche stF.
      gêlîche Adv.
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   1gelende - gêlîche    


1gelende stN. Koll. zu lant. ‘Land, Gefilde’ er wolde / in dem heiligen gelende / hie sînes lebens ein ende / haben Kreuzf 8013; [die Schnabelmenschen waren] so schnell und so behende / das sy uff dem geleinde / erluffen [...] alls, daz da loffes pflag GTroj 15990; Hätzl 1:20,6

MWB 2 325,24; Bearbeiter: Bohnert

2gelende stN. zu lenden swV. ‘Landung’, gelende nemen ‘landen’ ein koufschif [...] sîn gelende dâ genam Tr 2154; dô si zÎrlande kâmen, / ir gelende dâ genâmen, / [...] Tristan den anker werfen bat ebd. 8676. 15566; KvWPart 3010. 12785; KvWTroj 7248 u.ö. vil maniger vf dem griesz / von Gaweins henden / nam vnselig gelende. / hie hatt der turnoy ein ende Krone 18584

MWB 2 325,30; Bearbeiter: Bohnert

gelender stN. Koll. zu lander . ‘Stangenzaun, Geländer’ swer gen dem chorn gelanter, tulle oder zaun hat, der sol daz chorn da mit befriden StRMünch 285,13; Hätzl 2:33,38

MWB 2 325,38; Bearbeiter: Bohnert

gelenke Adj. ‘gelenkig, biegsam, geschickt’ gelenke reht als einem kinde / wâren im [dem toten hl. Franziskus] der glider bein LvRegFr 4081; ein wîbel vil gelenke / nam mîn dâ [in der Badstube] mit dienste war Helbl 3,30. 1,1252; ich gevriesch nie kunder / sô starc noch sô gelenke Schrätel 107; die [ wizen beine ] lagen so gelenke ufem ors zebeiden siten JTit 5449,1; PrLpz(L) 36,5; PassI/II 367,19. 225,69; Freudenl 152. – übertr.: dri ecke sint der sele bi, / snel und gelenke, behende, die sint tiur Frl 7:9,12. – mit Dat. ‘folgsam’ diu Êre [...] was den rehten vuogen zam, / gelenke guoten dingen unt missewende widerbrühtec ie RvZw 77,6; Frl 5:10,3; FrlSuppl 12:206,59

MWB 2 325,42; Bearbeiter: Bohnert

gelenke stN. Koll. zu lanke . 1 ‘Lendengegend, Taille’
2 ‘Gelenk’
3 ‘Gewandtheit’
4 ‘Wendung, Verlauf’
   1 ‘Lendengegend, Taille’ si [Röcke der Frauen] wâren gefischieret vil / mit zwein gürteln an der krenke, / ob der hüffe ame gelenke Parz 232,30; irn gesâht nie âmeizen, / diu bezzers gelenkes pflac, / dan si was dâ der gürtel lac ebd. 410,3; KLD:BvH 1:3,4    2 ‘Gelenk’ der ander [ arzet ] diu gelenke, / diu sêric werdent oder wunt, / mit ander künste macht gesunt HvBer 7227; diu wât zuo den gelenken / stuont wol nâch im geschræmet KvWTroj 2980; gezieret wol zen orten / und mit gesteinten borten / an den gelenken umbenât ebd. 7485; Brun 4372 (iunctura femorum Ct 7,1). 5379; Minneb 195    3 ‘Gewandtheit’ ir sult [...] der vetre werc gedenken, / die sie taten mit gelenken Macc 1940. – bildl.: waz er [Dichter] dines [Maria] lobes grueze / schone mit gelenke / [...] kunde schallen Rumelant 3,53b; [Hochmeister Karl von Trier] konde mit gelenkis bunt / sô wol sîn rede machin, / daz sîne widdirsachin / in joch gerne hôrten NvJer 24095    4 ‘Wendung, Verlauf’ diz habe ouch ein gelenke / daz sich unser prîs iht krenke UvEtzWh 1995; des endes ouch gedenke / und suech ein gut gelenke, / daz der arme mensch zu ruͤ / kume uz der sunden dru TvKulm 652; Hiob 1311

MWB 2 325,56; Bearbeiter: Bohnert

gelenket Adj. ‘mit einem gelenke (Taille) versehen’ von Tenabroc [...] / stuont dâ Clârischanze ein süeziu magt, [...] / als ein âmeize gelenket Parz 806,26

MWB 2 326,18; Bearbeiter: Bohnert

gelenklîche Adv. ‘gelenkig, mit Leichtigkeit’ die [Reiter] sach man [...] / uͤberwerfen unde wenden, / die orss gelenchleich prauchen Suchenw 8,105

MWB 2 326,22; Bearbeiter: Bohnert

gelenze stNM. überw. glenz(e). ‘Frühling’ ver: glentz VocOpt 56.034; wenne die zit des gelenczes aller krefteklichest die natur des menschen zuͦ vnkúschekeit beweget ElsLA 178,7; wenne der glencze ist warm vnd fúhte ebd. 178,24. 180,1. – bildl.: von dem hilmenschen [himmlischen] glenze Martina Überschr. vor 249,69; daz glenze in glanzer wete / wirt zehimel iemer stete / fri vor allem vngewitter ebd. 250,51 u.ö.

MWB 2 326,26; Bearbeiter: Bohnert

gelenzezît stN. ‘Frühlingszeit’ diz kvrze glenze zit / hie der welte frode git Martina 250,43

MWB 2 326,35; Bearbeiter: Bohnert

gelërnic Adj. ‘gelehrig, leicht und eifrig lernend’ wol gelernic und vernünftic / was der süeze fürste junge. / arâbischer zunge / mit lêre gie er vaste nâch UvEtzWh 3680; der jung herr gar gelernig was: / alles das man vor im loss, / das chund er pas alczu handt / denn dye andern alsandt Seifrit 601; WernhMl 827; sîn sin was âne zil / gelernic unde verstanden AristPhyll 79. – von Tieren: under den vierfüezigen tiern ist daz fräwel vil gelerniger wann daz mändel BdN 116,9; daz die hund gelernigiu tier sein zuo allen spiln ebd. 125,3. 3,10

MWB 2 326,37; Bearbeiter: Bohnert

gelëse stN. ‘Text’ die grossen buch und ir geles / tunt rehte meister schriben Physiogn 38; di wort und ir geles [Einsetzungsworte der Eucharistie] JvFrst 2086; Jesus weste al geles [auf ihn bezügliche Schriftstellen] / und swaz im zûkunftic was ebd. 3928

MWB 2 326,48; Bearbeiter: Bohnert

gelest Part.-Adj. glesten

MWB 2 326,54;

gëlf, gëlpf Adj. Adv. auch gelp MarHimmelf . 1 ‘helltönend, laut’
2 ‘glänzend, strahlend’
3 ‘gelb’
4 ‘munter, fröhlich’
5 ‘übermütig’
   1 ‘helltönend, laut’ diu [...] vogellin / uͦbeten also gelpfen braht [...], / daz holz berck unde tal / in geliche gegen gal Ainune 84    2 ‘glänzend, strahlend’ diu sunne liehter unde gelpfer ist danne wir dâ sehen PrBerth 1:391,26; MarHimmelf 1165; ein pfelle, gelpfer danne ein gluot Wig 10544; NibB 798,2(La.); JTit 990,2; ûz iegelîchem orte schein / ein alsô gelpfer rubîn Iw 625; Er 1562; Hawich 4334; ê wâren im vür wâr / diu ougen gelph unde klâr Greg 3436. 3391. – von Blüten, Blumen: in [den anger ] hete wol des meigen schîn / mit gelpfer bluot geschœnet KvWTroj 9613. 16223; vil bluomen blâ und gelfe Loheng 5680; KvWLd 7,3; TvKulm 34. liehte bluomen unde gras / hânt ir gelfen unde ir wünneclichen schîn verlorn KvWLd 12,3. 7,47; des vil liehten meigen bluot / gelpf in dîn herze glîzet KvWTroj 15697; MarHimmelf 1173; – von Farben: grüener danne ein gras / oder iht daz gelfe grüene hât KvHeimHinv 393; in gelpfer wîze Helbl 7,449; ieslich varwe ist gelfer in ir blüenden niuwe Marner 5,33; KvWTroj 10486. diu welt was gelf [lag in glänzendem Licht] , rôt unde blâ Walth 75,25    3 ‘gelb’ daz har [...] / noh gelpfer vil danne wahs Martina 219,26; der groze lowe gelf [: welf ] [...] mit der megde spilte ebd. 177,73    4 ‘munter, fröhlich’ gelpher tumber liute reit mit ir genuoc Kudr 12,1; vil manic gelfer man Bit 8789. 2447; subst.: vil gelfer fuor dar under Kudr 673,4. wie dû dînen gelphen muot / mit leide verkiusest Er 8105; daz dû dînen gelphen lîp / solt als unlange hân ebd. 8167; unheil was mir gevære. / des habe ich selten gelfen sanc HartmKlage 1713; iron.: gelphez lop RvZw 74,12    5 ‘übermütig’ haiden di gelfen / habent uns scaden getan Rol 6536; Teichn 521,40; sô mugen elliu wîp / [...] tragen gelpfen muot / gegen ir manne NibB 673,3; dû muost [...] wider mich sô gelfer worte enkelden Neidh SL 20:6,2; Ottok 76879

MWB 2 326,55; Bearbeiter: Bohnert

gëlf, gëlpf stM. Pl. Kchr 16265. 1 ‘Brüllen, Bellen’
2 ‘Geschrei; Tumult, Lärm’
3 ‘Ausgelassenheit, Fröhlichkeit’
4 ‘Verwegenheit, Kühnheit, Übermut’
4.1 allg.
4.2 übertr.;
   1 ‘Brüllen, Bellen’ der [ lewe ] sinen toten welffe / mit sinem luten gelffe / lebendig machet Minneb 3488; Frl 3:17,1; der hunt, / des gelff kan wilt erkriegen FrlSuppl 11:208,4; Mügeln 381,8    2 ‘Geschrei; Tumult, Lärm’ michel wart ir gelpf, / von bûhurt und von springen, / von tanzen und von singen Kchr 180. 10054; vil michel wart der ir gelpf; / diu ougen si in ûz prâchen ebd. 14273; jener vûr mit gelfe / und hâte ein mehtigez her Eilh(L) 66; in disme schalles gelfe RvMunre 624; ir gelf, ir lut ist: ‘crona, künig, cröne’ Frl 1:8,5; Herb 1575. 5327; EbvErf 592; Rab 507,6. – ‘Kampfgeschrei, Schlachtruf’ ouch huoben di juden ir gelpf, / si bliesen ir wîchorn Kchr 10061; mit freyden vnd mit gelffe / ben ich kommen dy czuͦ hilffe KarlElegast 1482; GTroj 18444. 13617. 19015; SAlex 1434; GrRud Cb 19; UvZLanz 8349; Alph 1339    3 ‘Ausgelassenheit, Fröhlichkeit’ unz wir von schimpfes gelfe / hin zu dem ernste kumen PassIII 25,31; Vät 15648. 4452; daz si [gemarterte Heilige] gar zu gelfe / alle dise not vertruc. / swie vil man iren lib gesluc, / daz duchte sie ein gelucke PassIII 342,96. sint waren mit gelfe / die burgere vomme troste GrRud F 49; dô er was mit gelfe LBarl 15620. – ‘Spott, Hohn’ als si [Götzenpriester] zu ubeleme gelfe / [...] sin [hl. Dionysius] wolden ramen PassIII 551,10; so sul wir [...] / den licham [...] / schenden lesterlich genuc / und werfen in ein vuwer. / da sal im werden tuwer / allerhande helfe, / untz er nach unsem gelfe / verbrinnet PassI/II(HSW) 11580    4 ‘Verwegenheit, Kühnheit, Übermut’    4.1 allg.: haiden uermezen / ilten zu irn rossen [...]. / Roͮlant sach si zu uarn; / er sprach: ir gelph ist inoch so groz Rol 5241; die zît [unterdessen] wart disen recken in gelfe vil gedreut NibB 430,1; Terramêr [sein Heer zum Kampf aufrufend] mit gelpfe sprach Wh 44,1; HBirne 414; do nach valschem gelfe / der ungetruwen iuden diet / unseren herren verriet PassIII 215,4. 502,34; Kchr 16265; UvZLanz 3769; des wart Wellis benomen / der hoemoet mit dem gelpe Karlmeinet 494,23; auf ein Tier bezogen: in [Jäger] zerreiß der ber in zornes gelfe Mügeln 59,10. wa nu di mir [König Marsilie] heluen wellen, / daz wir die gesellen [Roland und seine Kampfgefährten] / ir gelphes widerprengen [davon abbringen] Rol 5701; StrKarl 6755; des [eines im Zweikampf besiegten Gegners] gelf der wart von im gesant / vil verre Bit 2550. – unsicher, ob hierher: ir [Maria] lîbes burde [d.h. Leibesfrucht] / nie bekuchet wurde / von deheines mannes gelphe Wernh 3683    4.2 übertr.; ‘übermütige Tat’ daz [Siegfried anzugreifen] was ein grôz übermuot [...]. / ez ist mir immer swære / daz ir den gelf habet begân Bit 12885. – ‘übermütige Worte, Reden’ [Rüdiger kommentiert die kampflustigen Reden der Berater Gunthers, dem er als Bote Krieg angekündigt hat:] möht ich dem gelfe entwîchen, / daz tæte ich [...]. / swie vil ich hœre der übermuot, [...] sô sol iu wesen widerseit Bit 6646. – ‘übermütiger Mensch’ man list von einem grozzen gelf [l. graffen gelf? vgl. Teichn 158,40. 603,32 (App.)] , / der waz ungerecht von jugent Teichn 158,32

MWB 2 327,31; Bearbeiter: Bohnert

gëlfe, gëlpfe stF. 1 ‘Glanz’
2 ‘Anmaßung, Übermut’
   1 ‘Glanz’ zuo der lûterkeit unde zuo der schônheit noch zuo der gelpfe die diu sunne hât, dâ kan sich niht zuo genôzen hie in dirre werlte PrBerth 1:539,29; von golde glîzet dîn wât, / diu maniger gelfe varwe hât KvHeimHinv 266    2 ‘Anmaßung, Übermut’ in übermuotiger gelfe / von Francrîch Philip sprach Ottok 32755. 47374; in maniger gelfe / der burgære jach, / swaz im der tiuvel vor sprach, / daz lobt er unde swuor ebd. 33589; ich bite dich sundir gelfe Brun 6968

MWB 2 328,31; Bearbeiter: Bohnert

gëlfen, gëlpfen stV. (IIIb) 1 intr.
1.1 von Tieren, ‘bellen, heulen, brüllen’
1.2 von Menschen
1.2.1 ‘schreien, rufen’ , subst. Inf.
1.2.2 ‘prahlen, übermütig reden’
2 tr.
2.1 ‘etw. laut aussprechen, ein Lied laut singen’
2.2 ‘etw. (wâfen, direkte oder indirekte Rede) rufen’
3 refl., ‘über etw. (Gen.) fröhlich sein’
   1 intr.    1.1 von Tieren, ‘bellen, heulen, brüllen’ sin bracke begunde gelfen WolfdD 798,1. 822,1; funff hundert hunde, / di machten ungefugen schal: / diser galph, diser pal HvNstAp 8795; kumt aber nicht der louwe sinem welfe / mit siner stimm in rechter stund zu helfe, / ab er ouch darnach [später] gelfe, / das hilfet nicht, es blibet tot Mügeln 278,11    1.2 von Menschen    1.2.1 ‘schreien, rufen’, subst. Inf.: Jesus schrei mit lûter stimme [...], / daz gelfen in di hôhe brach JvFrst 10125. 6028; FrSchw 5306    1.2.2 ‘prahlen, übermütig reden’ si [Feinde] gelfent nie sô vaste, / ich wil ez mînem gaste / volbringen an sîn êre [dass ich den Kriegszug nicht, meinem Gast zu Ehren, durchführen würde] Bit 5147; ich sol noch mit iu gelfen [Reizworte wechseln] / und vehten Virg 891,6. – subst. Inf.: din gelfen / ist mir ein wint PassIII 679,86; HeslNic 3460; so gelaub ich deiner wort gelffen FrSchw 4258    2 tr.    2.1 ‘etw. laut aussprechen, ein Lied laut singen’ und darnach [nach einer Vision] do kam sy wider, und sait mit beschaidnen wortten alles das sy vor gezaiget [mit Gebärden angedeutet] hat und das sy nit gelfen mocht Stagel 68,22; [Maria,] der lob [...] ich gelfe Mügeln 157,11; wê mir dis gedœnes / daz mir dur den lîp / und dur diu ôren dringet: / [...] si gelfent sînen [des Schenken] sanc tac unde naht / in dirre gazzen KLD:UvW 4:1,9    2.2 ‘etw. (wâfen, direkte oder indirekte Rede) rufen’ ich pring dich hie in todes pein, / das du must waffen gelfen Virg(St) 738,6; ir maug unnd man gunden gelffen / ‘wir seyen von hertzen fro [...].’ FrSchw 5096. – subst. Inf.: wir erhuͦben ain ander gelffen: / er solt mit uns keren zuͦ lannd FrSchw 1808; hoͤr meiner wort gelffen: / durch dich trag ich mein leben fail ebd. 4308    3 refl., ‘über etw. (Gen.) fröhlich sein’ ir list si [Ratte] nuͤt konde helffen. / dez sich der her gelffen / [...] gar froͤlich begunde. / sterben muost do duͤ ratte Ratte 34

MWB 2 328,42; Bearbeiter: Bohnert

gëlfheit, gëlpfheit stF. ‘Glanz’ dem vanken in dem viure / sölher gelpfeit ie gebrast Wh 33,21

MWB 2 329,17; Bearbeiter: Bohnert

gëlfrôt Adj. Adv. ‘glänzend rot, purpurrot’ (in Übers. von lat. coccin(e)um): ist iz daz uwir sunde sint gelfrot, si werden gewyeset als ein sne Cranc Jes 1,18. – adv.: di man des heres sint gelfrot gecleidit Cranc Na 2,3. – subst.: swenne du dich wirdist cleyden mit gelfrote Cranc Jer 4,30

MWB 2 329,19; Bearbeiter: Bohnert

gëlfwort, gëlpfwort stN. Pl., ‘lebhafte’ oder ‘vermessene Worte, Rede’ vil manic hoverede hoh, / die sich gen frúntschaft niendert zoh, / von in baiden [den verfeindeten Herzögen] gischach. / itweder mit gelphworten [La. geltworten ] sprach RvEWh 350

MWB 2 329,25; Bearbeiter: Bohnert

gelîben stV. ‘ruhen, aufhören’ die Criechen nie geliben [ruhten nicht eher] , / unz si in hin ze Pulle vertriben Kchr 15984

MWB 2 329,31; Bearbeiter: Bohnert

gelîbet Adj. ‘mit einem Leib versehen’ der [König Agors] ist so stark gelibet, / daz er niht vride noch suͤne gen vieren [Gegnern] gert, wan er si widertribet JTit 5606,1; daz nu niem chumpt zu den tagen [so lange lebt (wie Adam und andere alttestamentliche Personen)] , / da von muez er unrecht sagen / der uns [heutige Menschen] als di alten schreibet, / seint sey waren paz geleibet Teichn 427,80

MWB 2 329,34; Bearbeiter: Bohnert

gelîch, gelîche, gelich Adj. 1 adj.
1.1 ohne Erg.;
1.1.1 ‘gleich, ähnlich’
1.1.2 ‘eben, gerade’
1.1.3 ‘ausgeglichen, ebenmäßig’
1.1.4 bildl. von einer Waage, ‘sich gleichbleibend; gerecht’
1.1.5 etw. ist jmdm. ‘etw. macht für jmdn. keinen Unterschied; etw. ist jmdm. gleichgültig, egal’
1.1.6 al gelîch i.S.v. ‘jeder, alle(samt)’
1.1.7 ‘rasch, sofortig’
1.2 mit Angabe einer Vergleichsgröße im Dat., Instr. ( diu ) oder Gen. ( des ), ‘jmdm./einer Sache gleich, ähnlich; entsprechend, gleichkommend’
1.2.1 mit Dat.
1.2.2 mit Instr.
1.2.3 mit Gen.
1.3 mit (zusätzlicher) Angabe eines tertium comparationis;
2 subst.
2.1 mit Gen. oder Dat.d.S.
2.2 mit Poss.-Pron. oder Gen. des Pers.-Pron., mîn, dîn gelîche usw. ‘der jmdm. (einer Sache) gleich ist, gleichkommt: meines-, deinesgleichen usw.’
2.3 gelîchen eine ‘ohne (seines-, ihres)gleichen’ (vgl. ein 1.2.4.2 )
2.4 den gelîchen tuon, als ‘so tun, als ob’
2.5 N., ‘etwas Ähnliches, Gleiches’ ;
2.6 N., ‘Gleichnis’
2.7 anders
   1 adj.    1.1 ohne Erg.; die Vergleichsgröße ist in einer Pl.-Form enthalten, mit und koordiniert (z.B. Walth 18,10 (nach C); Parz 117,5 ) oder implizit gegeben; überw. attr. (präd. z.B. Walth 18,10 (nach C); LvRegFr 3189; RvZw 67,12 )    1.1.1 ‘gleich, ähnlich’ die stimme gap in [singenden Vögeln] widere / mit gelîchem galme der walt Iw 619; nû rôt und danne bleich / wart si [...] / ze gelîcher wîse als ich iu sage Er 1716; wir [Menschen jedes Standes] wahsen ûz gelîchem dinge Walth 22,9; singent ir [Volcnant] einz, er [Walther] singet driu, / ir sît gelîch als ars und mâne ebd. 18,10 (nach C); Beda spricht, daz diu selb slang [im Paradies, Gn 3,1 ] ain junkfrawenantlütz hab gehabt, dar umb, daz si mit gleicher gestalt Evam zämt und zuolocket BdN 270,27; vnd sv́n si beidenthalb allewege gelichen schaden han UrkCorp (WMU) 2767,12; daz diz war sie vnd stete blibe, dar vmbe sint zwene gliche briefe geschriben ebd. N359,19. 879W,9; Barth 130,28    1.1.2 ‘eben, gerade’ si weizte in vf einen wech, / da lag ein glicher stech FabelCorp 37,230    1.1.3 ‘ausgeglichen, ebenmäßig’ der ist ains geleichen leibs [...], der ain mitel hât zwischen lang und kurz und zwischen mager und vaizt BdN 50,21; die küen, die gleichez flaisch habent, niht ze vil noch ze wênig ebd. 49,26. 43,11. 51,3; sîn ûzer lîp was getân, / als ich nû geseit hân. / sô was sîn innerz leben gar / gelîche unde wandels bar LvRegFr 3189    1.1.4 bildl. von einer Waage, ‘sich gleichbleibend; gerecht’ er was [...] / der milte ein glîchiu wâge AHeinr 66; Rab 910,3; Dietr 2338. 9971; swer al der werlde werdikeit / gein eines wîbes wirde ûf eine gelîche wâge leit RvZw 39,2; ein wâge [...], / diu glîche sî unt unveiles muotes ebd. 67,12; Neidh WL 23:6,10    1.1.5 etw. ist jmdm. ~ ‘etw. macht für jmdn. keinen Unterschied; etw. ist jmdm. gleichgültig, egal’ ir was gelîch naht unt der tac: / ir herze niht wan jâmers phlac Parz 117,5; sweme ir [...] welt geben / ûr tohter und ûr rîche, / daz is mir al gelîche En 9612. – ähnlich: jmdm. ist umbe etw. ~ : was sol mir nu krone und kunigrich, / mir ist umb alle welte ere / hinnen fur iemer glich SalMor 355,5    1.1.6 al gelîch i.S.v. ‘jeder, alle(samt)’ (unsicher, ob hierher oder zu gelîche Adv. 1.1): sî betten al gelîche / arme unde rîche JJud 769. 477; die nâmen al gelîche niwan ir zweier war NibB 297,2. 373,2 u.ö.; daz wizzent algelîche MF:Rugge Leich 2,6. Leich 4,3; En 5253    1.1.7 ‘rasch, sofortig’ din leven it is leider engestlich, / want dine sunden, inde dine pinen merrent sich. / dit inwere niet so guͦt alse de geliche doit, / want so wrde doch minre dine noit Lilie 10,36; an dem sal man nicht vristen, / man sule im sunder schemen / gelich sin halbez gut nemen PassIII 70,20    1.2 mit Angabe einer Vergleichsgröße im Dat., Instr. (diu) oder Gen. (des), ‘jmdm./einer Sache gleich, ähnlich; entsprechend, gleichkommend’    1.2.1 mit Dat.: unz daz der edele tôre / wart gelîch einem môre / an allem sînem lîbe Iw 3348; ez was ein küneginne gesezzen über sê, / ir gelîche enheine man wesse ninder mê NibB 326,2; daz niemen kunde / ein gewæfen dem gelîche / vinden alsô rîche Wig 5615; alsus man sîne reise den wisewazzern dicke gelîche siht RvZw 185,6. dâ was ir hâr und ir lîch / sô gar dem wunsche gelîch Iw 1334; sîn tât dem prîse ist gar gelîch Parz 717,28; die zwêne dem lône wâren gelîch, / den minne etswenne nâch dienste hât Wh 249,20; disiu rede ist wunderlîch / sist iedoch der wârheit gelîch Aneg 1192; sô daz ir site und ir sin / was gelîch der marcgrâvin Parz 403,30. 773,29. – umschreibend: werde unser zweier kindelîn / [...] einem man gelîch Parz 55,29; so ir wænt daz ende habe genomn / iwer kumber grœzlîch, / alrêrst strîte ist er gelîch ebd. 562,6; MF:Kürenb 2:5,4; KLD:GvN 26:3,10; ähnlich: Volkêr der snelle zôch nâher ûf der banc / einen videlbogen starken, vil michel unde lanc, / gelîch einem swerte, vil scharpf unde breit NibB 1785,3    1.2.2 mit Instr.: daz was diu vil gelîch / als ob in erbarmôte Aneg 1495; KvWLd 32,129 (Konjektur)    1.2.3 mit Gen.: vasten, barvuoz gân und ander dinc des glîche, daz pênitencie heizet Eckh 5: 244,6    1.3 mit (zusätzlicher) Angabe eines tertium comparationis; im Gen.: der heidn unt der getoufte / wârn mir strîtes al gelîch Parz 495,29; geburt unde guotes rîch; / des alles wâren si gelîch Wig 5203; daz daz sîdîn gewant / daz si [...] / zuo ir kinde hete geleit / unde disses gastes kleit / gelîche wæren begarwe / der güete und der varwe Greg 1949; BdN 226,32. – durch eine Präp.-Gruppe: glîch antlütze und glîchez vel / Anfortas bî sîner swester truoc Parz 813,2; simia haizt ain aff. daz ist ain tier dem menschen gar geleich nâhent an allen gelidern BdN 158,21; SchwSp(W) 6,9    2 subst.    2.1 mit Gen. oder Dat.d.S.: diner froͤd ward nie gelich KvHelmsd 4388; ain goͤttlich kron, der nie ward glich ebd. 4731    2.2 mit Poss.-Pron. oder Gen. des Pers.-Pron., mîn, dîn gelîche usw. ‘der jmdm. (einer Sache) gleich ist, gleichkommt: meines-, deinesgleichen usw.’ diu was [...] schœne und alsô rîche / daz ich wæn ir gelîche / in dem lande iht wære Wig 2469; daz man dinin gilichin / nimag findin LobSal 39; daz er der werlte widerstuont [zuwider war] , / als alle sîne gelîchen [vom Aussatz Befallene] tuont AHeinr 136; stritis tu wider dinen gelichen [...]. / stritis tu wider den, der dir zu starc is [...]. / stritis tu wider einen cranken Elmend A 735; swer des uberredet wirt mit siben siner gelichen oder siner tiurern, daz er einen mainen eit gesworn hab, dem sol man die hant abslahen UrkWittelsb 1,148 (um 1255); UvZLanz 3021. 8451; Er 2759; HartmKlage 253; WernhMl 12425. den weisen [Edelstein der Reichskrone] ie vil hôhe wac / der keiser und daz rîche, / dur daz nie sîn gelîche / wart under manigem steine KvWTroj 22. – mit Angabe eines tertium comparationis durch eine Präp.-Gruppe: an manheit sîn gelîche / der was ninder in der schar Wig 2857; do lepte nieman sin gelich / an tugenden und an sælikait WernhMl 88; KvHelmsd 392    2.3 gelîchen eine ‘ohne (seines-, ihres)gleichen’ (vgl. ein 1.2.4.2): diu [Maria] ie stuont gelîchen eine SM:EvS 1: 1,7    2.4 den gelîchen tuon, als ‘so tun, als ob’ er az vil mæzlichen / vnd tet den gelichen / als er fleisch genuͦzte Albert 449    2.5 N., ‘etwas Ähnliches, Gleiches’; ohne Erg.: des gelîches ‘des-, dergleichen’ das ist so heimelichú suͤssekeit [...], das ich des gliches nit weis Mechth 3: 1,130; der tot unde hunger unde turst unde endrü ding dez glichez [ et alia huiusmodi ] ThvASu 86,30. 36,3; Tauler 272,28; Eckh 3:148,6. – mit Dat.: dem [Land des Königs Artus] was eht niht gelîch, / unde ist ouch unmügelîch / daz im [...] / iemer iht glîches werde Iw 2662; dar umbe sprichet ein meister: man envindet kein tier, ez enhabe etwaz glîches dem menschen Eckh 2:228,5. – mit Gen., des (selben) gelîch/-e(n) ‘Derartiges, Desgleichen’ und alsus tuot got: jâ, alsô süeze, daz alliu disiu werlt des glîch niht geleisten enmac Eckh 2:44,8; daz ouge, daz ôre, diu zunge, diu hant und des glîche ebd. 5: 109,15; des selben gelich mag hie beschechen WernhMl 14217; Seuse 469,16. 501,17; UrkCorp (WMU) 380,36; – mit Gen. des Pers.-Pron. oder Poss.-Pron. ‘seines-/ihresgleichen’ diu katz hât ir gleiches [...] liep BdN 152,4; ein gelîchez vindet sîn gelîchez PrBerth 2:143,2; PrGeorg 321,25 (s.a. TPMA 5,44f.)    2.6 N., ‘Gleichnis’ so wil ich ein gut geliche / uch sagen von dem hemelriche Brun 11326; vnd das pewärt er mit ainem geleichen vnd sagt, [...] Schachzb 96,44; als man merken mac bî glîchem Eckh 2:603,4; LvRegSyon 3913(Hss.); WernhMl 14473    2.7 anders: der guͦte [...] nimmet [...] gelich [gleichmäßiges, unbeschwertes Leben] und ungelich [Mühsal] und lot sich do inne gotte Tauler 116,16 u.ö.; daz geschiht dem verklerten geist, der verlúrt ungelich und gelich [Ungleichheit und Gleichheit] ebd. 121,3 u.ö.

MWB 2 329,43; Bearbeiter: Bohnert

gelîche, gelîch, gelich Adv. auch -en ( PrSchw 2,31; HeslApk 1990. 11216 ). 1 ‘auf gleiche Weise, nach gleichem Maße’
1.1 ohne Erg.
1.2 mit Angabe einer Vergleichsgröße im Dat. (meist dem ), Instr. ( diu ) oder Gen. ( des, der ), vereinzelt durch eine Präp.-Gruppe
1.2.1 mit Dat.
1.2.2 mit Instr.
1.2.3 mit Gen.
1.2.4 mit Präp.-Gruppe
2 gelîche tuon ‘sich einen Anschein geben, sich stellen’
3 ‘ausgewogen, gerecht’
4 ‘sogleich, sofort’
5 ‘nahe, angrenzend’
   1 ‘auf gleiche Weise, nach gleichem Maße’    1.1 ohne Erg. (die Vergleichsgröße ist in einer Pl.-Form enthalten, mit und koordiniert oder implizit gegeben): naht unde tac / unser strît vil nâch gelîche wac Parz 30,16. 238,23; dîn erbe und ouch daz mîne sulen gelîche ligen NibB 114,1; nu wuͦsen glich in einer plege / zwa juncfrouwen here / nach furstlicher ere Elis 898; si truoc einen roc wîten, / von zwein samîten / gesniten vil gelîche, / eben unde rîche Wig 748. 3439. 8833; sô daz ir lop gelîche ob allem lobe schône als ein crône swebt RvZw 34,6; daz ein man minne ein wîp vor allen wîben gar / und daz si denne glîche var KLD:Hawart 3:4,6; daz vnse sune geleite, zolle vnd jarmerkete mit einander geliche teilen sullen UrkCorp (WMU) 1062,10. 319,9; wenne der môn geleich [geradewegs, völlig] gegen der sunnen über ist, sô ist er vol BdN 65,6; Elis 3855. 5645. – häufig in der Stellung hinter al (Belege mit unflekt. al, die auch adj. Auffassung zulassen, s. unter gelîch Adj. 1.1.6): und lobten alle gelîche / den rîter und die hôchzît Wig 1684; ez bluot allez gelîche, / bluomen unde boume ebd. 638. 11439 u.ö.; daz man [...] daz cruce [...] predigete [...] / den luden allen gliche / uber alle cristen riche Elis 4143. 4289. 4525; En 3689. 4132. – ein Adj. oder Adv. näher bestimmend: dise sorgen beide / die tâten im gelîche wê Iw 1535; ir [Frauen] stimme sint gelîche hel Parz 116,7; swer in hazte od wol enpfienc, / den was er al gelîche holt ebd. 289,21. 589,24; nement och zwene brvͦder zwo swestern vnd nimt der dritte brvͦder ein vromdez wip, iriv chint sint doch geliche nahen sippe SchwSp 7b; Elis 1686; MNat 6,28; Komp.: alles daz man hievon gesprechen mag, daz enhat nút worheit an ime, sunder es ist gelicher gelogen denne warheit Tauler 114,28. – mit Vergleichssatz: do gebârte sî gelîche / als sî mit bœsem mære / zuo im gesendet wære Iw 2218; Lucas ewangelista [...] malet ez [ein Bild der hl. Maria] wol geliche, / rechte als die tugenderiche / gestalt was PassIII 200,25. – mit Angabe eines tertium comparationis durch eine Präp.-Gruppe: [Elisabeth und Hermann sind] beide an eren glich gemuͦt Elis 1484    1.2 mit Angabe einer Vergleichsgröße im Dat. (meist dem), Instr. (diu) oder Gen. (des, der), vereinzelt durch eine Präp.-Gruppe    1.2.1 mit Dat.: du gebârest vil gelîche / einem man des werdekeit / ist mit mæren harte breit Parz 767,6; müet sî daz sî mîn enbirt / und daz sî mir gelîche swirt [dass sie ebenso wie ich Schmerzen empfindet] ZwBüchl 654; ich wil sî gelîch der sunnen mezzen, / die siht man allenthalp gelîchen KLD:WvMezze 2:3,8; Wig 3996. 11704; Elis 2850. ez was nâch Kûdrûnen Hartmuoten wê; / dem tet er wol gelîche mit allen sînen mâgen Kudr 748,3; doch hal er tougenlichen daz / und tet niht dem gelîche KvWTroj 10271; nu tuot schiere dem gelîch Wh 52,26; Parz 60,13. 808,25. – mit Vergleichssatz (als/  sam/  wie): si varent wol dem gelîche, sam ez sî Rüedegêr NibB 1180,3; ich muoz iemer dem gelîche spehen, / als der mâne tuot MF:Mor 3: 1,4; SM:Te 8:1,4; Wig 833; bes. dem gelîche tuon ‘sich so verhalten, als ob’, teilw. nur umschreibend: ir tuot dem gelîche und sît in der gebære, / sam diu edele Kûdrûn iu vil guoten helden sippe wære Kudr 1244,3; sô gebâre ich dem gelîche, / als ich sî maniger vreuden rîche Walth 120,30; und komen grôze winde [...] also dc dc schefelin [...] dem gelichen tet wie ez woͤlte undergan [ Mt 8,24 ] PrSchw 2,31; KvWTroj 17056. 16994; SM:Te 4:2,9; ähnlich: er tet dem gelîche schîn, / sam im leidete daz leben Ottok 64855. – ebenso mit daz-Satz: der lac wol dem gelîche [sein Lager war dem gemäß] , / daz Matusales sîn vater [erg. was ] Wh 98,16; si tet benamen dem gelîch, / daz si betrüebet wære KvWTroj 22576. 26340; dô si dem tâten niht gelîch, / daz si belîben wolden Ottok 630; Wh 129,6. 446,24; Kudr 619,4    1.2.2 mit Instr.: wer weiz, ern sî vil tugende rîch: / er gebâret diu gelîche wol Tr 4085. 135. 15914; wie stâtz um disiu armen wîp? / in sint die site und der lîp / gestalt vil wol diu gelîch, / wæren sî vrô und rîch, / sî wæren harte wol getân Iw 6269; En 1542; Walth 70,18; Mai 49,31. – mit Vergleichssatz: des antwurte im her Îwein / diu gelîche als er wær verzaget Iw 6621. 753; der marter zeichen [Christi Wundmale] / [...] zierten den lîp [des hl. Franziskus] diu glîche / sam von dem wîzen esterîche / glîzent swarziu steinelîn LvRegFr 4094; WälGa 477; JTit 5622,1. diu ~ tuon, daz ‘sich so verhalten, dass/als ob’ diu gelîche hân ich [Lavinia] [...] getân, / daz Ênêas [...] / mîn kleinôde [Minnepfand] nie gewan En 12219; LvRegFr 449; der wint sluoc sî [Beaflor in ihrem Schiff] [...] verre ûf des meres wâc [...]. / er tete an ir diu gelîch, / daz im ist niht unmügelich Mai 50,25    1.2.3 mit Gen.: die mit Gâreln wârn geriten, / des gelîche jâhen [sprachen ebenso, sagten das Gleiche] PleierGar 18869; OsterSpM 2,33; und anderweit gînc her [Besitzer des Weinberges] ûz umme sexte und nône stunde und tet des glîch [d.h. mietete Arbeiter] EvBeh Mt 20,5 u.ö. – mit Vergleichssatz: sie gebâren der gelîch, / sam sie unser niht entsitzen sich Kreuzf 5119. 6101; als si [Mönche und Priester] von anegenge ie wâren, / des gelîche siht man si wol gebâren Renner 18014    1.2.4 mit Präp.-Gruppe: dô nam er an sich / sehzec gesellen, die er gelich / zuo ime [wie sich, in seine Farben] kleite Er 2873. 1911    2 gelîche tuon ‘sich einen Anschein geben, sich stellen’ dû hâst ir [deiner Arme und Hände] anderen vlîz [d.h. pflegst sie anders (besser)] / an dîner heimelîche / dan dû hie tuost gelîche Greg 2934    3 ‘ausgewogen, gerecht’ vnd schuͦln beder tayl schydelevt loben [...], daz si sprechen vmb alle chryͤge, schaden vnd gebresten [...], so si geleychist mvͦgen [so gerecht wie möglich] UrkCorp (WMU) N594,4    4 ‘sogleich, sofort’ inde dat sine sele zuͦ deme vremeden gelich me wart gebunden, / in einer vile curter stunden, / wan si da vore were zuͦ deme alden vrunde Lilie 60,25. 60,37    5 ‘nahe, angrenzend’ ouch lâgen im gelîche / zwei rîchiu künicrîche Wig 10494

MWB 2 332,11; Bearbeiter: Bohnert

gelîche stF. 1 ‘Gleichnis’
1.1 (für etwas [ des , von etw., dannen ]) ein ~ haben, sagen, geben u.ä.
1.2 etw. in/mit ~ hân ‘gleichnishaft, bildhaft begreifen’
2 ‘Ähnlichkeit, Gleichheit’
3 ‘Erscheinung, Gestalt’
4 ‘Ebenbild’
5 ‘Billigkeit, Angemessenheit’
6 als Übers. des lat. astronom. Terminus aequans , hier nach dem Zusammenhang wohl i.S.v. ‘Norden’ ?
   1 ‘Gleichnis’    1.1 (für etwas [des, von etw., dannen]) ein ~ haben, sagen, geben u.ä.: vnde dez hain wir aine gelichi vf ertriche, iehint die maistire: [...]. ze gelichir wiz ist ez ze himilriche PrGeorg(Sch) 21,136; nu merche aine gelichi, die git uns ain wise man ebd. 34,42; dannen sage ich dir ain [La. eine ] gelîche Kchr 9071; LBarl 5595. – mit Angabe des Vergleichsgegenstandes (an, ): dez merckint aine gelichi an der creature PrGeorg(Sch) 22,85; da uon git er uns aine gelichi bi deme honige ebd. 28,128    1.2 etw. in/mit ~ hân ‘gleichnishaft, bildhaft begreifen’ si [Maria] marchte [...] / wie man sy [die hl. Schrift] konde wol verstan, / inwarhait und ingelichi han [in wörtlicher und bildhafter Bedeutung verstehen] WernhMl 836; der wissagen propheczien / sprachen von dir, Marien, / mit figuren mengen, die / si mit gelichi hettent ie [...], / das an dir vollekomen ist ebd. 14744    2 ‘Ähnlichkeit, Gleichheit’ als vil gelichi zwen mugent han / die von ainer muͦter sint / geborn sament, gelichú kint WernhMl 13382; ez sint drú ding dú an sich ziehent. daz erst ist glichi, alz ich da vor gesprochen han daz ain ieglich ding sin gelichez zuͦ im zúhet PrGeorg 321,25; di himelesche Jerusalem [ ist ] gelich eime clostere und hant eine niftelschaft und sunderliche heimliche zu samene durch di geliche dez lebenez HlReg 51,5; PrGeorg(Sch) 18,112; Eckh 1:329,4    3 ‘Erscheinung, Gestalt’ der hailig gaist kam offenbar / uf Ihesus hoͮbet von hymel dar / inainer wissen tuben glich WernhMl 6791. 6807    4 ‘Ebenbild’ ain wiss tuͦch nam Ihesus, / dar an er sich do strahte, / sin bild gelich da machte: / das tuͦch sin gelichi vieng [das hl. Mandylion (Christusbild von Edessa der Abgar-Legende, s. LexMA 6,189)] WernhMl 7637    5 ‘Billigkeit, Angemessenheit’ nach geliche und rechte [ Selonc ce que [...] droit et equité sera ] Pilgerf 1083    6 als Übers. des lat. astronom. Terminus aequans, hier nach dem Zusammenhang wohl i.S.v. ‘Norden’? [Heiden,] di do wonen in manchin endin der werlde, in landin [...], di do gelegin sint kegin dem ufgange der sunnen unde nidirgange, kegin dem mittage unde der glich MarcoPolo 1,8

MWB 2 334,7; Bearbeiter: Bohnert

gêlîche Adv. gæhelich

MWB 2 334,51;