Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
      griffelære stM.
      griffelîn stN.
      griffelvuoter stN.
      griffic Adj.
      grîfhaft Adj.
      grîfic Adj.
      griflich Adj.
      grift stF.
      grifticlich Adj.
      grîfvalke swM.
      grîfzan stM.
      grille swM.
      grillen V.
      grim Adj., Adv.
      grim stM.
      grimel (?) Subst.
      grimheit stF.
      grimme Adv.
      grimme stF.
      grimme swM.
      grimmede stF.
      grimmelich Adj., Adv.
      grimmen stV. (IIIa)
      grimmen swV.
      grimmetât stF.
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   griffelære - grimmetât    


griffelære stM. Bed. unklar; möglich wäre in der Reihe der sonst genannten Schimpfwörter eine Bez. für jmdn., der stichelt, ‘Sticheler, Störenfried’ (anders Lexer: jmd., der tief eingreift, die Wahrheit aufdeckt): sag ich in hofelicher mêre, / sô bin ich ein sloterêre [Plappermaul, Schwätzer] ; / swîge ich mit zühten âne gevêre, / sô bin ich ein glîchsenêre [Heuchler] ; / spriche ich die wârheit nâch der swêre, / sô bin ich ein striffelêre [La. griffelere ] Renner 16178

MWB 2 925,3; Bearbeiterin: Baumgarte

griffelîn, griffelî stN. auch grüffelîn. Dimin. zu griffel : schœniu griffelîn von golde Flore (S) 829; dô nâmen sie ir grifellî, / beidiu er unde sî, / und gap er ir daz sîne; / ‘nû nement ouch daz mîne’ / sprach diu vil getriuwe ebd. 1321; dô zôch sî ûz ir griffelîn / ûz ir griffelfuoter. [...] sî wolte sich erstechen ebd. 1244; nâch dem grüffelîne muose ich senden Neidh WL 9:4,7

MWB 2 925,13; Bearbeiterin: Baumgarte

griffelvuoter stN. ‘Futteral für Griffel’ dô zôch sî ûz ir griffelîn / ûz ir griffelfuoter Flore (S) 1245

MWB 2 925,21; Bearbeiterin: Baumgarte

griffic Adj. gripfic

MWB 2 925,23;

grîfhaft Adj. ‘berührbar, anfassbar’ der teuffel ist nicht greiffhaft / und hat doch von got dw chraft / daz er nympt den leib an sich / als ein vogel und ein vich, / daz man waͤnt er sey ein tyr / oder ein mensch Teichn 336,83

MWB 2 925,24; Bearbeiterin: Baumgarte

grîfic Adj. 1 ‘(nach etw.) greifend, die Klauen in etw. schlagend,’
2 ‘berührbar, anfassbar’ (vgl. grîfhaft )
   1 ‘(nach etw.) greifend, die Klauen in etw. schlagend,’ wie durchvert die vogel grîfic are [Adler] Kreuzf 7674. – mit Gen.d.S.: daz mich die dörper mînes lônes iht verstiezen. / des ist Uoze grîfic Neidh WL 13:2,9    2 ‘berührbar, anfassbar’ (vgl. grîfhaft ): [das Feuer] vngreiffig / an im selben hat den sig, / daz ez toͤt und macht zuͦ mist / daz greiffig oder sichtig ist Teichn 325,194. 325,241

MWB 2 925,29; Bearbeiterin: Baumgarte

griflich Adj. ‘berührbar, anfassbar’ nu sich, ich bin ein menscheit, / griflich vleisch und bein Vät 34315; wir sullen irsten alle / (daz en ist kein lougen) / vor unses herren ougen / griflich und entsebelich [sinnlich wahrnehmbar] HeslApk 20233. 18110

MWB 2 925,38; Bearbeiterin: Baumgarte

grift stF. Wort der Deutschordenslit. 1 ‘Zugriff, Greifen’ (vgl. grif 1 )
2 übertr. auf das Verständnis der christl. Glaubenswahrheiten oder das Bemühen darum
2.1 verstandesmäßiger oder inspirierter, ungelehrter Zugriff auf das Verstehen oder eine Einsicht (meist des hërzen oder dessen wîsheit )
2.2 das Bemühen um christl.-religiöse Einsicht und Verständnis (mit wërfen oder Bildern/  Verben der Bewegung)
   1 ‘Zugriff, Greifen’ (vgl. grif 1): mit vil semfteclicher grift / gewunnen sie her uz den dorn Vät 27210    2 übertr. auf das Verständnis der christl. Glaubenswahrheiten oder das Bemühen darum    2.1 verstandesmäßiger oder inspirierter, ungelehrter Zugriff auf das Verstehen oder eine Einsicht (meist des hërzen oder dessen wîsheit): di Prûzin nicht irkantin got / noch diwedir sîn gebot; / tum und einveldic was ir sin, / des inmochtin sî nicht in / bevân mit der vornumfte grift [ cum ratione comprehendere non potuerunt ] NvJer 3987; dirre gûten lêre wort / und der noch vil vorgît dî schrift, / nâmen in des herzen grift / der meister und dî brûdre dô ebd. 27134; di wisheit sines herzen sin / was mit meisterlicher grift / wol kumen in di alden schrift, / doch blozlich als die andern. / wi man aber wandern / mit vernumft solde uffen grunt, / daz was im dannoch unkunt, / daran man Cristum solde spurn Pass I/II (HSW) 21351; swie vil er doch enttecte / mit siner scharfen sinne grift / die valscheit an irre schrift, / so wolden si doch blint sin Pass III 435,43; sus samte si in ir gehuge / beide an herze und an schrift, / an vrage manige tiefe grift [Erkenntnis, Einsicht] / und quam in Salomonis lant ebd. 267,88. – mit besonderer Betonung des Zupackens (im Bild der Klaue oder eines Greiforgans, vgl. grif 4): swem diz buͦch wirt gesaget / und gelesen an siner schrift, / der slet ie sines hertzen grift / dar an, als in geleret / diu art, diu an in keret Pass I/II (HSW) 42216; idoch hete er [der blinde Jude] von kindes jugent / - als noch die blinden vil wol mugent - / gelernet uzen di schrift. / sines herzen wise grift / in den grunt so verre brach, / daz er offenlichen sprach, / als di schrift hat gesaget, / Maria were ein kusche maget ebd. 13036    2.2 das Bemühen um christl.-religiöse Einsicht und Verständnis (mit wërfen oder Bildern/  Verben der Bewegung): alle sines herzen grift / warf er an gotes gelouben / und liez an im betouben / allen ungelouben do Pass III 423,78; Pass I/II (HSW) 15940; Vät 24007; den guten sal man schriben / in allen zungen die schrift, / wan ires herzen wise grift / dabi sal der rechten wec / wandern ane sunden vlec Hester 56

MWB 2 925,44; Bearbeiterin: Baumgarte

grifticlich Adj. ‘räuberisch’ (vgl. gripfic 1): dar vmme sint sie vil wol glich / hie deme walfische, sprechen ich, / dvrch ieren grifteclichen nit PrHess 8,459

MWB 2 926,25; Bearbeiterin: Baumgarte

grîfvalke swM. übers. lat. herodius ( → grîfant ): grifalcus haizt ain greiffalk und haizt auch herodius, sam diu glôs sagt über daz puoch Leviticum an der stat, dâ Moyses die unrainen vogel verpeut. der vogel ist der aller edlist under allen vogeln. [...] der vogel ist sô starch und sô grôz, [...], daz er den adlarn væht und im angesigt BdN 185,26; die alsô sprechent die wænent, daz herodius ain gemainer valk haiz, und daz ist niht wâr, als wir hie vor gesagt haben von dem greiffalken ebd. 207,31 u.ö.

MWB 2 926,29; Bearbeiterin: Baumgarte

grîfzan stM. in der Wendung jmdm. einen ~ ougen ‘jmdm. einen Greifzahn zeigen, jmdm. schaden’ ( ‘jmdm. die Zähne zeigen’ ?): ist daz mir niht geswichet / min gewalt noch entwichet / vnd sol ich daz lebin han / ich ovge ir einen grifzan / und tuon si frovden ane Martina 161,46 (vgl. jmdm. einen wolfzan ougen ebd. 215,9 )

MWB 2 926,40; Bearbeiterin: Baumgarte

grille swM. ‘Grille’ (zu lat. gryllus, vgl. DWB 4,1,6,315): cicada: grille Gl 4:213,46 (BStK926); der stolze grille niht anders gert / denne daz er loufe und springe snelle / [...] und lûte grelle Renner 5572 u.ö.; wer kan dirre werlte nâch ir willen / nû wol sprechen, [...], wes / müggen sûsent, schrîent ouch die grillen: / wer kann dirre tumben diet ir muot erwern Marner 6,20

MWB 2 926,47; Bearbeiterin: Baumgarte

grillen V. wie grëllen stV. (Anm.z.St.), hier von Hunden bei der Jagd ‘anschlagen, angriffslustig bellen’ Mâze, Lust, Gird, Willen [alleg. Jagdhunde] / gerehtez jagen machet. / für si ich hôrte grillen [vorne/  voraus hörte ich sie bellen (?)] , / ob si mit mezzen wæren nicht besachet [als ob sie nicht mit Zurückhaltung ausgestattet waren] Hadam 323,3

MWB 2 926,55; Bearbeiterin: Baumgarte

grim Adj., Adv. auch krim. 1 ‘zornig, wütend, kampfeswütig’
2 ‘wild, unbändig, grausam’
2.1 von Personen(gruppen)
2.2 von Tieren
2.3 als Attribut zu ende oder tôt
2.4 grimme geisel ein Folterinstrument
3 ‘schmerzerfüllt, verzweifelt, voll Jammers’
4 adv. auch intensivierend ‘in besonderem Maße, außerordentlich’
   1 ‘zornig, wütend, kampfeswütig’ die helde treip der grimme zorn / zem strîte Wig 10942; dâ wart vil grimme gestriten NibB 1608,4 u.ö.; herre [...], / sint [seid] niht sô grimmes muotes / noch al sô zornic wider mich! KvWSchwanr 1486; dâvon sol ich krimmer / nimmer gegen iu werden gesehen Ottok 6955; der [Christus] was zornig und grimm, ê er mensch würd, wider die hôchvart der engel und wider die ungehôrsam der läut auf erden BdN 161,31; Mechth 3: 21,53; Elmend A 985. – von der Stimme: Polidamas sin zeichen schrei / lute vnd grimme Herb 5248; lûte âne mâze / hôrter [Iwein] eine stimme / clägelich und doch grimme Iw 3830; EnikWchr 19614; Tr 9050; HvNstAp 2979    2 ‘wild, unbändig, grausam’ der sturm was grimme unde hart SAlex 3286; vil sere si in villent [quälen] , si marterent in vil grimme AvaLJ 62,5; ouch sluog im her Liudegast vil manegen grimmen [heftigen] slac NibB 187,1; in die grimmen helle LvRegSyon 1293; Mügeln 36,4    2.1 von Personen(gruppen): dehein man wær sô grimme / des muotes noch des herzen, / hêt er ir jâmers smerzen / und ir grôze klage ersehen, / im wær ze weinen geschehen Wig 7685; also loben wir dih [Christus] geborne / uze der grimmen judescefte Litan 253; Konr 19,62; sin [Cernubiles] lant daz was fraissam, / daz liut daz ist grimme Rol 3767; der kaiser ist also grimme: / erne gefluhet nimer hinne / durh dehainer slachte not. / ia suchet er den tot / unt alle di sine ebd. 8387; Iw 696. goͮte unde ubele sît Adames cîten sint alle tôt [...] unde erstent iedoch alle gemeinlichen, so der grimme [strenge] rihtare an der iungesten urteile zornlichen chumet Spec 128,11; alsus vert der grimme gottes vient vnd aller der cristenheite mit zorne vnd mit grozeme vbermvͦt UrkCorp (WMU) 93,40. – subst.: die vorvluchten und die grimmen, / die diser werlde walden HeslApk 22694; ÄJud 30    2.2 von Tieren: swenne in sin zorn ane quam, / als ein grimmer ber er bram Herb 2990; er [Isidor] spricht auch, daz der veigenpaum sô grôzer kreft sei, pinde man ainen gar wilden grimmen ochsen dar an, er werd zam und sänftig BdN 322,19. 132,4 u.ö.; Mügeln 214,3; Schrätel 234; Wh 317,6. – von Greifvögeln (vgl. krimvogel und gramvogel ): iedoch geschiht daz oft, daz diu üppigen hüendl vliehent auz den getrewen flügeln der muoter alsô verr, daz si die grimmen vogel hin füerent BdN 193,9. 200,15    2.3 als Attribut zu ende oder tôt: im hete der recke Hagene den grimmen ende getân NibB 2064,4; dînes [Christi] grimmen endes KvWLd 1,124; ir mûzit alle den grimmin tôt kiesin PrMd (J) 344,26; wol ahzec sîner degene beliben dâ zestunt / mit dem grimmen tôde NibB 1615,3; der liebe herre sîn / leit des grimmen tôdes pîn KvWHerzm 348; unz an den grimmen tôt BdN 308,1; Wahrh 76; Wig 6965; Mügeln 166,6    2.4 grimme geisel ein Folterinstrument: anguilla: grimme geisel VocOpt 30.024; scorpio: grimme geisel ebd. 30.025; scorpio: grime geischel oder geluppet [giftig] schos oder tarant VocClos Sc 108    3 ‘schmerzerfüllt, verzweifelt, voll Jammers’ diz ist ein grimmiu nôt, / daz alle mîne [Etzels] recken suln vor in [den Burgunden] ligen tôt NibB 2000,3; des grimmen herzeleides phnehen [Schluchzen] KvHeimHinv 187; si wainten uil grimme Rol 5620. 6745; swie sie vor leide wæren grimme LvRegFr 4346; KvWSchwanr 874; KlageB 1481    4 adv. auch intensivierend ‘in besonderem Maße, außerordentlich’ Adam sin wip erchande so noch sit ist in dem lande; / ich mein ez an die minne der man noch phlegit grimme GenM 21,5; den von Tenemarke was vil grimme leit, / ir herre was gevangen NibB 192,1; ouch ist sô grimme stark der wundernküene man ebd. 872,3 u.ö.; wan im [Jesus] so grimme we beschach WernhMl 9361

MWB 2 926,63; Bearbeiter: Richter

grim stM. , grimme stF. selten Pl. ( Gauriel 1894. 1982; Kchr 7090 ). 1 von heftiger Erregung und rohem, ungestümem Verhalten, nicht immer klar zwischen den Bedeutungen zu unterscheiden
1.1 ‘Zorn, Wut, Angriffslust’
1.2 ‘Wildheit, Heftigkeit, Ungestüm’
1.3 ‘Leid, Verzweiflung, Not’
2 ‘Bosheit, Grausamkeit’
   1 von heftiger Erregung und rohem, ungestümem Verhalten, nicht immer klar zwischen den Bedeutungen zu unterscheiden    1.1 ‘Zorn, Wut, Angriffslust’ dô der künic hôrte daz, / er begreif sô grôzen haz, / daz sîn gemüete in zorne bran / und er grisgramen began. / von zorne wart er missevar: / er sach vil zornlîche dar. / mit grimme er zürnende sprach RvEBarl 8423; in grimme wart gewâfent dô der helt guot NibB 2325,2; [des] kampfes grimme / verwandelt ir stimme, / daz sî dâ wâren unerkant Iw 7519; dô Gêrfridolt, dem enen sîn [dem Schwiegervater des Gefallenen] , / wart gesagt, in het gevalt der Antschouvîn, / man iach, daz er vor grimme wol îsen vraeze [zum ‘Eisen fressen’ s. TPMA 2,449] Loheng 5726; Rol 8975. 5713; EnikWchr 24579; StrKD 58,I 113. – ~ ûf/ zuo etw.: er [der fromme Mensch] hat oͮch enkeinen grim, wan alleine uf die súnde und uf gottes smacheit [Entehrung] Mechth 4: 18,63; was hilfet liebin zuͦ gotte und [gleichzeitig] grimmi zuͦ guͦten lúten? ebd. 6: 30,9    1.2 ‘Wildheit, Heftigkeit, Ungestüm’ hie liez er [der Löwe] sîne grimme / und erzeict im [Iwein] sîne minne Iw 3872; si [das Volk des Zernubele ] ezzent diu ros, / si lebent mit grimme. / der tuuil wont dar inne Rol 2691; sô möhte boum unde gras / und swaz ie grüenes bî mir was / dorren von der grimme / mîner [Gregorius’] unreinen stimme Greg 3525; dâ man ê hôrt vogellîn sang: / der klang in tal, in lüften erschal, / süezze stimme – / winters grimme [Härte] / tuot siu swîgen überal SM: WvH 7: 1,8; KLD:Kzl 12: 1,9; ez kumt ein wint, [...] / der sol mit grimme ervarn elliu künicrîche Walth 13,14; RvEBarl 15086. – hierher oder anzusetzen als krim ‘Klammergriff’ zu krimmen stV. (zur Vermischung der Wortstämme s. DWB 5,2307-2310): ez tut mir not / daz ich so in jamer lymme [schreie] , / wann mich hat in starkem grymme / in sinen clowen ein mechtig ar. / der drucket zu so vestlich gar, / daz ich den adem koume / gevahen mag Minneb 5072; sag an: wie ist ez kumen dar / daz dich in sin cloen ein ar / mit grymme hat derwischet? ebd. 5093 (vgl. waz arn ez sy, der mich da grymme, / daz saltu hie verhorn von mir ebd. 5104 ); sine spilende vreude was so starc / daz er mit vreuden uf spranc, / als in diu gotes liebe ouch twanc, / die in hete in ir grimme Vät 3247    1.3 ‘Leid, Verzweiflung, Not’ sus wart ir nôt sô rehte starc / daz si von herzenleide / ir blanken hende beide / mit grimme zuo einander vielt. / daz herze ir in dem lîbe spielt / von sender jâmerunge KvWHerzm 519; die vrouwe [Maxilla] erschrac, dô siez [ihre brennenden Kleider] ersach; / sie rief in grôzem grimme / mit wîssagender stimme: / ‘Jesûs, mîn got und hêrre mîn!’ HvFreibKr 755; diu bitter leides grimme UvZLanz 5261; mit grimme unde mit sere AvaA 2,5; Iw 1324; EnikWchr 282; WhvÖst 19066    2 ‘Bosheit, Grausamkeit’ ich [Susanna] nie der dinge dort / begienc, die sie [die beiden Alten] han geseit / uf mich und uz geleit / boslich in irme grimme Daniel 7697; alsô wurden si [die Römer] innen / des kuniges ubele unt sîner grimme Kchr 7583. 1077

MWB 2 928,12; Bearbeiter: Richter

grimel (?) Subst. Bed. unklar, vgl. Anm.z.St.: guldîn was sîn gügerel [Kopfschmuck des Pferdes] , / ein boum mit löubern niht ze breit. / ein grimel was dar an bereit / mit sîdînen weifieren [Spitzen] UvZLanz (K) 4440

MWB 2 929,12; Bearbeiter: Richter

grimheit stF. ‘Grausamkeit’ die ebdisse [...] bekenne daz daz sie sorge intfangen hat der sicher selen und ubir die gesunden keine grimheit [ non super sanas tyrannidem ] BrEb 27

MWB 2 929,17; Bearbeiter: Richter

grimme Adv. grim Adj., Adv.

MWB 2 929,21;

grimme stF. grim stM.

MWB 2 929,22;

grimme swM. krimme

MWB 2 929,23;

grimmede stF. ‘Zorn’ Moyses bat sînen herren got: ‘herre, war umbe zürnet dîn grimmede wider dîn volk?’ [ Cur, Domine, irascitur furor tuus contra populum tuum Ex 32,11 ] Eckh 2:6,4

MWB 2 929,24; Bearbeiter: Richter

grimmelich Adj., Adv. s.a. gremelich . 1 ‘zornig, wütend’
2 ‘grausam, wild, fürchterlich’
   1 ‘zornig, wütend’ das tier gegen dem kunig spranck / mit grymlichem mute HvNstAp 5007; die [Drachen] kament mit grimlichem muͦte / gegen dirre samenunge guͦte WernhMl 3649. – von der Stimme ‘grimmig’ ein gespenste vil unrein, / sprach zu der helle gemein / in grimmeclichem [La. grimmelichem ] done Pass I/II (HSW) 9141    2 ‘grausam, wild, fürchterlich’ das [Unrecht an Samson] er doch grÿmmlich dar nach / gerochen hat mitt strenger rach KvHelmsd 1543; durch sîne [des heidnischen Herrschers Maximian] grimmelichen art / begunde er zornic schînen / und wolte vaster pînen / den jungelinc [Pantaleon] an sînen liden KvWPant 1296. 288; ich müeste ein ende hân genomen / und einen grimmelichen tôt KvWTroj 18265; zwen wurme grimelich SalMor 555,5; Pass I/II (HSW) 6704(La.)

MWB 2 929,28; Bearbeiter: Richter

grimmen stV. (IIIa) s.a. krimmen (zur Vermischung der beiden Wortfamilien s. DWB 5,2307-2310). 1 ‘brüllen, wüten, toben’
2 refl. ‘sich grämen, ärgern’
3 ‘(mit den Zähnen) knirschen’ (vgl. grinnen stV., grisgramen und grisgrimmen swV.)
   1 ‘brüllen, wüten, toben’ si begunden vaste grimmen / mit slegen durch und durch / und ouf ein ander limmen [mit Geheul aufeinander losgehen] Rab 760,1; darumbe sach man limmen / den bâbest unde grimmen / als ein eberswîn, / daz er den willen sîn / mohte niht volfüeren Ottok 53370; ir vanen si ûf bunden / under iegwederme here. / si grummen alse daz mere, / sô iz di starken winde / trîbent an den unden SAlex 2717; Herb 4575; BdN 121,22; Frl 2:15,1; Mechth 4: 4,39. und wan sie in im himel wizzent in sô grôzen vreuden sînde, sô grimmet ir herze mit bitterem jâmer DvASchr 351,6. – subst.: vor im muz nider vallen / sterbende vil manic man, / vursten ire riche lan / allez vor sime grimmen Daniel 6181; dô daz grimmen [Lärmen, Aufruhr] wart vernomen, / daz si mit einander heten Ottok 20557; in eyme grossen grymmen Pilgerf 10362; das brummen und das grimmen und das bissen und das nagen Mechth 7: 39,44; Hiob 1650; Vät 1088    2 refl. ‘sich grämen, ärgern’ so grimmet sich ze ware der arme suntare, / deme sin gewizzede daz saget, daz er gotes hulde niene habet AvaJG 9,6; daz [dass jmd. älter wirkt, als er ist] macht anders nicht dann pein, / daz ein mensch sich grimen tuͤt Teichn 321,9 – hierher (?): daz er [ mannes mut ] sich selwet [betrübt] , grimmet / von nötikeit Frl 7:28,9    3 ‘(mit den Zähnen) knirschen’ (vgl. grinnen stV., grisgramen und grisgrimmen swV.): do Lucifer disú mere vernam, do sas der gruntvient und gram mit sinen zenen und grein, das sines zornes fúr úber alle die helle schein Mechth 5: 23,94

MWB 2 929,46; Bearbeiter: Richter

grimmen swV. krimmen stV.

MWB 2 930,16;

grimmetât stF. ‘grausame Tat’ daz uns der tot berawͧbet hat / mit seiner vrechen grimmetat Suchenw 2,26

MWB 2 930,17; Bearbeiter: Richter