getrügede
stF.
‘Betrug, Täuschung’
swâ aber ich den orden hân zebrochen / der mâtêrie di ich ane
viench, / daz machent lästerlîchiu dinch / unt ditzes lîbes getrugde / der uns von
des tôdes gehugde / manigen ende läitet Erinn
443;
der die buͦch der hugede [Erinnerung] lesen
wil latine, / der hatz fur kein getrugede. die sagent war vil mange wirde sine, /
kronik zeBritanje und Kornevale JTit
4078,2
MWB 2 645,19; Bearbeiterin: Czajkowski
getrügenisse
stN.
auch getrûcnisse, getrognisse.
‘Täuschung’
vnde sol ich ez [den Tod meiner
Leute] vertragen / durch ein getrucnisse, / min minne ist gewisse,
/ [...], / ein elbisch vure vnde ein wan
Herb
12833.
–
‘Trugbild’
do si in sahen wandelenten vf dem mire [l.
mêre
] . do wanten si ez were ein fanthasie. daz ist
ein getrüchnüsse [übers. lat. fantasma
Mc 6,49
]
EvAug
92,10;
EvBerl
20,3.
137,3;
BiblMK
292;
BiblMK
274;
dâ was dehein man, / der des hete deheinen wân / daz ez sus wære ergân / daz
der ritter Mâbonagrîn / solde überwunden sîn, / und rieten die burgære / daz ez ein
trüge [Hs. getrŭgnus
] wære Er
9639
MWB 2 645,28; Bearbeiterin: Czajkowski
getruos
Subst.
‘Bodensatz’ (s.a.
trusene
):
fex: drvsna [La. getros, vgl. Bd. 3,60]
SummHeinr
2:302,152.
–
vinacia: lurrun [
lûre ‘Lauer,
Tresterwein’] vel gitros Gl
1:667,20
(BStK637)
MWB 2 645,41; Bearbeiterin: Czajkowski
getrüste
stN.
‘Schar, Auflauf’
des kam ein getrüst der vinde über inen und woltent in vohen ClosChr
40,35;
do wihet in der bischof von Kolle zuͦ eime romeschen kunige wol umbe
die mitte naht, und geschah daz darumbe daz deste minre getrustes wurde ebd.
63,24.
– hierher (?):
cohortem: gethrusche Gl
2:609,40
(BStK758)
MWB 2 645,45; Bearbeiterin: Czajkowski
gëtschen
V.
s.a.
gëschen
,
gischen
.
‘schwätzen, das Maul aufreißen’ (hier subst.):
ich hân dînen zorn nit wan vür getschen! [
:
stetschen
]
SM:Had
15: 1,6
MWB 2 645,52; Bearbeiterin: Czajkowski
getübele
Subst.
‘Verpflockung, Verzapfung’
incastratura: kitubila vel nvͦt Gl
1:333,30
(BStK863);
Gl
1:323,38
(BStK637)
MWB 2 645,56; Bearbeiterin: Czajkowski
getuht
stF.
‘geziemendes, angemessenes Verhalten’ (vgl.
tuht3
):
dô bevalch si sie gote: / des nigen si ir mit zühten. / mit
schœnen getühten / giengen si ze resten UvZLanz
896
MWB 2 645,59; Bearbeiterin: Czajkowski
getühtic
Adj.
‘tüchtig, gesittet’
Iblis und Wâlwein / diu riten sament ûf den wec. / anderhalp
der frowen reit Erec / als ein getühtic rîter sol UvZLanz
9023;
dô bekumberte in alsus / der getühtige Grêgôrius Greg
2142
MWB 2 645,63; Bearbeiterin: Czajkowski
getülle
stN.
‘(hölzerne?) Befestigung (um eine Stadt oder Burg)’, vgl.
dil
:
antemurale dicitur fossatum vel id quod vulgariter dicitur getvͥlle,
quod est defensio ante murum GlZfdW
5,2
(BStK324e);
vallum vulgariter dicitur getuͥlle ebd.
5,11
(BStK324e);
der ganch vor der kapelle bis an daz getûlle da vor vnd gemainlich vmb vnd vmb
den tvrn biz an die phistrin ist auch gemain UrkEnns
5,554
(a. 1329);
hinder ieren húsern gen dez spitals getúlle UrkEssl
554
(a. 1358)
MWB 2 646,4; Bearbeiterin: Czajkowski
getult
stF.
‘(kirchliches) Fest’
ze sant Michels gedult SchwäbWB
2,448
(a. 1314)
MWB 2 646,14; Bearbeiter: Tao
getumele
stN.
‘Getümmel, Unruhe, Aufruhr’
do wart allis gahis ein crâdim [
kradem
‘Lärm’] unde ein getumele uon himele also einis
heizmuͦtigin geistis Spec
77,32;
da quam czuͤ dem getummele von eyner brucken / daz smalcz von mucken /
und daz blut von eynem schlegele OsterSpI
742;
so wart uzermazen groz gedumele und gerumele in deme kirchofe van den dufelen,
daz di in dem munstere waren, wanten verloren sin an deme libe, und duchte si wi
allez ertriche irbibete HlReg
45,1
MWB 2 646,16; Bearbeiterin: Czajkowski
getumere
stN.
(zu
tummern
).
‘Lärm, Getöse’
dô wart in der selbin nacht / wol in dem êrstin slummere / ein sô grûwlîch
gedummere / vornumin obin in der luft, / recht als allir winde luft / sich zusamen
trûge / und ein dunre slûge NvJer
24781.
– übertr. ‘Aufruhr’
in dem selben sumere / ein michil getumere / hûb kein [l.
gegen
] Polênen sich NvJer
27710
MWB 2 646,27; Bearbeiterin: Czajkowski
getuoche
stN.
‘Tuch, Gewebe’
als er [Petrus] dar in [Jesu
Grab] sich neigete, / linen geduche erzeigete / sich ym
EvStPaul
14491
MWB 2 646,35; Bearbeiterin: Czajkowski
geturst
stFM. , getürste
stF.
auch getrost (
HeslApk
10942
).
‘Kühnheit, Verwegenheit’
der erwelde Baldewîn / ein menlich helt ist gesîn, /
[...] / in vollem geturste / durch der vînde lant er
reit Kreuzf
108;
die [Märtyrer] stuoten [l.
stuonten
] vor den vursten / mit michelen getursten
ArnoltSieb
10,6;
von eines mans getürste LvRegFr
572;
Kreuzf
2485;
ir sit so hoh ein fvͥrste ─ / ich weiz wol, ir habt
die getvͥrste ─ / mvͥget ir der heiden mich erwern, / vnd vier
fvͥrstinne mit mir ernern [...] ?
TürlArabel
*A 120,14;
der von Meinz ez wol darzuo bræhte, / daz der mêrer teil der
fursten / sich underwunden der geturste / durch daz reht ze werben / kunic Adolfs
verderben Ottok
69515;
Wernh
A 1616;
LBarl
3803;
HeslApk
13157
MWB 2 646,38; Bearbeiterin: Czajkowski
getürste
Adj.
‘kühn, verwegen’
Petrus der groze vurste / wart do vil geturste / do er sich hub vf ruen walt /
zv bosen tieren manichvalt PassI/II
169,38
MWB 2 646,53; Bearbeiterin: Czajkowski
getürstelîchen
Adv.
‘kühn, verwegen’
ouch half im craft der minnin / daz er geturstilichin streit
Athis
C 45;
wie geturstliche [Glr.z.St.
‘vermessen’] / verbrach er dem rîche, / daz er bî
sînem eide lobt! Ottok
17009;
etwenne koset der geist mit gotte heimlich fru̍ntlich vnd
getu̍rstlich [unbekümmert, mit Glaubensgewissheit]
RvBib
40,9
MWB 2 646,57; Bearbeiterin: Czajkowski
getursten, getürsten
stN.
auch getorsten ( HeslNic 4876 ).
‘Kühnheit, Verwegenheit’
dem [
fursten
] sagten si
mit getursten, / der kunic niht enwolde / enperen, er solde / im leisten sîn reht
Ottok
73494;
LBarl
16410;
der babest hat under sinem hove / kardinale und bischofe, / der konic hat sine
forsten, / die mit vrevelen getorsten / uf disem erdriche leben HeslNic
4876;
JTit
5487,2.
– semantisch abgeschwächt:
ich pin tochter eins edeln fursten / der noch lebt in dem
getursten / daz er treit dez reichez chron Teichn
397,48
MWB 2 647,1; Bearbeiterin: Czajkowski
getürstic
Adj.
auch getörstig (
Lanc
235,5
).
1
‘kühn, verwegen’
2
‘begierig, (taten-) durstig’
1
‘kühn, verwegen’
daz ist vil grozzer, wizze Krist, / daz ieman so geturstick
ist, / daz er sich setzet wider got StrKD
1,50;
TrudHL
127,31;
si nam daz wunder, daz der hunt / wart alsô getürstec ie, / daz er betwanc den
beren hie, / der alsô michel was gesehen KvWPart
18407;
der nie gelernet ars que pars, / der wirt getürstiger denne her Mars, / der
aller vehter abgot was Renner
8790;
AugsbDritt
194,7.
– subst.:
sît ir iuch schuldec wizzet, vriunt Hagene, / sô sult ir belîben und iuch
vil wol bewarn, / und lâzet die getürstigen zuo mîner swester mit uns varn
NibA
1403,4
2
‘begierig, (taten-) durstig’
Schŷron der liez daz knebelîn [Achilles] / diu
grimmen tier niht vliehen. / er wolte ez dar ûf ziehen, / daz ez getürstic wære, /
und ez niht diuhte swære / strîtlicher sorgen bürde KvWTroj
6055.
6798.
11653;
jâ dâ ist er unser vatter nâch der gotheit und unser bruoder nâch der
menschheit. sô wir des gedenken, sô werden wir getürstig ze bittende PrNvStr
263,32
MWB 2 647,12; Bearbeiterin: Czajkowski
getürsticheit
stF.
auch getoͤrstikeit.
‘Kühnheit, Verwegenheit’
kunst vnd glu̍cke, / gedu̍rstikeit vnd mannes mu̍t, / dis
sint dem manne gewisse huͦt Krone
20513;
dis solt du dik an sehen und solt einen trehen wassers nút
mit friheit noch vermessener getoͤrstikeit getúrren nemen, denne mit
demuͤtiger vorchte Tauler
200,5;
do der legate gesach des bischofes getürstekeit und unlange mit im gekrieget
hette, do lies er die sache ligen vor schame und gesweig ir mit großen schanden
ClosChr
51,4;
BrZw
70;
BdN
28,29
MWB 2 647,33; Bearbeiterin: Czajkowski
getürsticlîche
Adv.
auch getörste-/getorsticlich, sowie -lîchen.
‘kühn, verwegen’
getorsticliche er [
Ioseph von
Arimathie
] in getrat / vnd vm den lycham Ihesu bat
EvStPaul
5322;
do kam der boͤs gaist zuͦ ir in den keller und sy vertraib in
getúrstiklich Stagel
23,4.
119,24;
swer under iu den allen gît / getürsteclichen sînen wec, / der dunket mich
frum unde quec KvWTroj
18569;
ClosChr
51,2;
Lanc
223,36.
–
di suze lere dine, / Crist reinir megede barn, / di ne wolde
din scalc nit ubiruarn, / do er uze sines uater lande / vil gestorticliche
irnande [sich traute] / in daz sware ellende
Litan
849
MWB 2 647,44; Bearbeiterin: Czajkowski
getürstige
Subst.
‘Mut, Kühnheit’
audacia: giturstige Gl
4:38,15
(BStK681);
Gl
4:132,22
(BStK391)
MWB 2 647,56; Bearbeiterin: Czajkowski
getusternisse
stN.
‘Gespenst, Trugbild’
des wanden si gwisse, / daz er were ein getusternisse, / daz den menschen
dicke trugit Glaub
1292
MWB 2 647,58; Bearbeiterin: Czajkowski
getwæde
Adj.
‘guten Willens, verständig’
horet [...] mine rede, / dy war ist
und gar getwede! Hiob
5018
u.ö.
– subst.:
di wisen und di getweden / uns sullen des entscheiden schir
Hiob
12666
u.ö.
MWB 2 647,61; Bearbeiterin: Czajkowski
getwædic
Adj.
‘gefügig, folgsam, zahm’
din volk daz ist dir undirtan /
[...] / wen biz iz werde getwedic, / so wiz im dar bi
genedic HeslApk
2315;
mache sô getwedic / dî heidin, daz sî icht durch spot / uns sprechin an:
‘wâ ist ir got?’ NvJer
9154;
di erste [gute Eigenschaft] ist gedult, daz der
mensche getwedic si undir der burdin des lidines Parad
62,28
MWB 2 648,1; Bearbeiterin: Czajkowski
getwædicheit
stF.
‘Sanftmut’
wirt einer suster it sweres ober [l.
oder
] it unmogeliches beuolen sie sal daz gebot intfan
mit getwedecheide [übers. lat. mansuetudo
]
vnde mit otmutkeide BrEb
68.
66
MWB 2 648,9; Bearbeiterin: Czajkowski |