g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geiselruote – geisticlich geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge gewiste swFN. 1gewit stN. 2gewit (?) stN. gewîte stSubst. gewitere stN. gewitze stN. gewitzet Part.-Adj. gewiʒʒe stF. gewiʒʒede stFN. gewiʒʒen Part.-Adj. gewiʒʒen stFN. gewiʒʒende stF. gewiʒʒende (?) Part.-Adj. gewiʒʒenheit stF. gewiʒʒenlich Adj., Adv. gewollîche (?) Adv. gewon Adj. gewonde stF. gewone stF. gewonet Part.-Adj. gewonhaft Adj. gewonheit stF. gewonlich Adj., Adv. gewonlîche stF. gewonunge stF. geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
gewiste
swFN.
‘Wissen, Erinnerung, Verantwortung’
so shol dev begeunge des jartages baidev an messen vnd an guͦter
handelunge der samnunge vnd der tailunge der brot, der chæs, der pachen an vnser vnd
an vnser nachchomen gewisten ligen UrkCorp (WMU)
N748,31
MWB 2 741,30; Bearbeiter: Richter
1gewit
stN.
‘Strang, Galgenstrick’ (zu
wit
):
iegleich uͤbel muͦt / der von chinthait
uͤbel tuͦt / [...] / der gehoͤrt an
daz gewitt; / er gehoͤrt inn freythof ninder Teichn
466,88
MWB 2 741,36; Bearbeiter: Richter
2gewit (?)
stN.
→
gewihte
MWB 2 741,40;
gewîte
stSubst.
‘Erweiterung’
ist auch der grozzen zehen gelit, / knorrecht und slimpfes an
gewit [verknöchert und schräg ohne Erweiterung] / da
vorne gen dem balle, / derst torpellich [l.
dörperlich
] mitalle Physiogn
390
MWB 2 741,41; Bearbeiter: Richter
gewitere
stN.
allg. ‘Witterung, Wetter’ (Koll. zu
wëter
):
nu íst dív scárfe unte daz
úngeuvítere déro infidelitatis uv́re [l.
vure
‘vorbei’
] : uvánte sol iusticię nú
skînet. [...] in démo scônen uuétere
[La. geuuidere
] so sint nú
geuuássen flores uirtutum Will
39,9;
ir gartin und ir setin / muͤste got ze rehte ir regin
/ sendin und irs gewitirs pflegin, / das in wuͤhse ir erde vruht
RvEWchr
15363.
– spez. ‘Unwetter, Gewitter’
secht, wi ein gewitere quam / vil ungevuge unde groz. / darinne manic slac
erdoz / von donre und von winde Pass I/II (HSW)
36110;
si liden manigen sturm hart / von starken gewidere
SAlex
6705.
6757;
so dis gros gewitter [innerer Aufruhr und
Verzweiflung] in eime ufstot, so solte der mensche rechte
tuͦn also die lúte so ein wetter kummet, regen und hagel, so fliehent
sú under ein tach und beitent bitz das wetter vergat Tauler
93,26;
PrGeorg
327,23;
Pilgerf
282
MWB 2 741,46; Bearbeiter: Richter
gewitze
stN.
‘Verstand, Weisheit’
dirre was ir iegelich / dem andern also glich / an libe vnde
an antlitze, / doch schit sie daz gewitze Herb
3180;
ingenium: gewizze SummHeinr
2:342,01.14;
BambGlB
147,29;
DvASchr
371,4
MWB 2 742,1; Bearbeiter: Richter
gewitzet
Part.-Adj.
→
witzen
swV.
MWB 2 742,6;
gewiʒʒe
stF.
‘Gewissen, moralisches Bewusstsein’
so volgent si [
die reinen minnenden
juncfroͮwen
] ime
[Christus] mit wunnenklicher zartheit in die
bluͤjenden wise ir reinen gewissi Mechth
7: 37,13;
zur Wortfamilie: U. Störmer-Caysa: Gewissen und Buch. Über den Weg eines Begriffes
in die deutsche Literatur des Mittelalters. Berlin/ New York 1998.
MWB 2 742,7; Bearbeiter: Richter
gewiʒʒede
stFN.
s.a.
gewiʒʒende
1
‘Wissen, Kenntnis’
2
‘Gewissen, moralisches Bewusstsein’
1
‘Wissen, Kenntnis’
diu channusse des gotes. unte diu gewizzede der warhêite. diu scoltu auer
gelirnan durch die allichen [gänzlichen] geloube
Alkuin
17;
daz diu
caprea [
steingeiz
] so heiteriu ougen habet.
daz si die iagere so uerre sehen mach. daz bezeichinet unseren trehtin. also diu
scrift chût. er ist got aller gewizzide JPhys
14,16;
swer gihôrsame ist, in deme rîchesôt der gaist des êwigen
giwizedes [
scientia, eine der sieben Gaben des Hl.
Geistes]
TrudHL
146,12.
25,13;
VMos
70,26;
AvaLJ
213,1.
–
‘Bewusstsein’
nû merke, waz diu sêle meine mit iren wunderlîchen worten, daz si
sprichet: mîn heil stât dar an, daz dû mîn niemer gedenkest. dâ weiz si wol, daz
si nie ûzer sîner gewizzede enkom, unde daz ist ir sêlikeit Eckh (Pf)
526,32
2
‘Gewissen, moralisches Bewusstsein’
so grimmet sich ze ware der arme suntare, / deme sin gewizzede
daz saget, daz er gotes hulde niene habet AvaJG
9,7;
daz lutere gewizede, daz ist daz reine herze
AvaLJ
219,4;
uil lûter ist dîn gewizzede, wan dû allez daz uirsmâhet hâst
daz dich gesweren mach TrudHL
25,31;
Mechth
5: 22,28;
BambGlB
148,12.
– personif. (vrouwe
~ ):
wie bekantnisse sprichet zvͦ dem gewissede
[Überschrift]
Mechth
7: 17,1;
die bekentnisse: ‘vroͮ Gewissede, die
stetikeit an guͦten dingen, das ist ein arbeitende minne ebd.
7: 17,35.
7: 17,27
MWB 2 742,15; Bearbeiter: Richter
gewiʒʒen
Part.-Adj.
1
‘bekannt’
1.1 meist mit Dat.d.P. 1.2 ohne Dat.d.P. 2
‘wahr, anerkannt’
3
‘verständig, klug, weise’
4
‘wissend’ mit Gen.d.S.
1
‘bekannt’
1.1
meist mit Dat.d.P.:
den hiligen patriarchen den waz gewizzen wie getan laster
die ungelæubigen juden unserm herren erbiten scholten PrOberalt
8,21;
daz ist wol gewizzen mir GvJudenb
4288;
du soltt dir nichtt nemen götlich gerichtt, wann dir ist
gewissenn nichtt götlicheu taugen HvHürnh
21,2;
NibB
1459,1;
Iw
5486;
Kchr
13220.
– mit Pron.-Adv. oder Präp.:
saget durch gotes êre / waz iu dar an gewizzen sî
KvHeimUrst
1499;
nu sage uns [...], / wie dir
sî gewizzen umb der küneginne muot NibB
1729,4;
daz mich do vraget [...] min herre der
bischof [...] was mir gewissen wær vmbe den hof
UrkCorp (WMU)
2258,7.
– in der Wendung kunt unde ~
(zahlreiche weitere Belege
im WMU, S. 734f.):
dar vmb han ich [...] disen brief geben
[...] mit den zvͤgen, den daz chvnt vnd
gewissen ist UrkCorp (WMU)
1138,35;
wir [...] machent kunt vnd gewissen allen
den, die dis briefe [...] horent lesen, das
[...]
ebd.
1624,4;
UrkAltenb
150
(a. 1320)
1.2
ohne Dat.d.P.:
unde daz ist gewizzen [
constat
enim
] , daz dâvone das gût wirt geminneret unde die
cost gemêret StatDtOrd
101,14
2
‘wahr, anerkannt’
ob vns vil leicht dehain gewizzenev vnt redleichev not anchoͤm, daz
wier vnser erbe nicht versporen [bewahren] mochten von
rechter not dvrft UrkCorp (WMU)
3412,38
3
‘verständig, klug, weise’
ditz bvͦch ist gewizenen lvten vnd wisen lvten gvͦt vor
zelesenne wan die kvnnen ez versten SchwSp
223b;
ich erkenne wol ir reinen muot: / si ist gewizzen unde guot
Wig
3772
u.ö.;
er minnet tovgenliche, / vnt ist hofsch vnt gewizen, / vnt hat sich gevlizen,
/ daz er mit guten wiben / stæte chan beliben Bîspel (G)
23,63;
MF:Reinm
19: 5,5;
Lucid
61,18
4
‘wissend’ mit Gen.d.S.:
iz [das Nahen des Jüngsten Gerichts]
ist allen den forhtlich, die gewizzen sint der sunden ane sich [die sich
ihrer Sünden bewusst sind]
AvaJG
15,4;
do warn sumeliche engile da ze himile, die des nie gewizzin
wrdin [erfuhren] , daz got mennische was wortin, uon
div daz div gotheit ienti [immer] mit samt in was
Spec
69,17
MWB 2 742,43; Bearbeiter: Richter
gewiʒʒen
stFN.
auch gewiʒʒene.
Vgl.
gewiʒʒenheit
und
samewiʒʒecheit
.
1
‘Wissen, Kenntnis’
1.1
‘Bezeugung, Bestätigung’
1.2
‘Einsicht, Verstand’
2
‘moralisches Bewusstsein, Gewissen’
2.1 bildl.: nagendes, beißendes Gewissen (s.a. D. Lau: Vermis conscientiae. Zur Geschichte einer Metapher, in: A. Patzer (Hg.): Apophoreta. FS Hölscher, Bonn 1975, S. 110-121) 2.2 personif. vrouwe ~
3 zur Bezeichnung der Gesamtheit der Seelenkräfte (s. Störmer-Caysa: Gewissen und Buch, S. 121)
1
‘Wissen, Kenntnis’
do chom der heilige geist unde erschein den hêrin
botin [den Aposteln] mit viwerinin zungin unde gab in
daz gewizzin allir zvngin Spec
71,26
u.ö.;
swie wol christ wesse den tach, / daz sin tot anlach, /
[...], / diu gwizen moht in niht de(s) bewarn, / im
tæte diu angest so heiz, / daz er swizte blutigen sweiz StrKD
81,52;
ob da ist gewizzen in der hohe [interl. zu si est scientia
in excelso
]
PsM
72,11;
ez ist ein grôz gewizzen [es ist allgemein
bekannt]
Ottok
26860;
JPhys
23,13.
– in der Wendung der ~ vrî sîn
‘etw. nicht wissen’
wie ez im ergangen sî, / der gewizzen bin ich vrî / unde weiz dâ von niht
mêr Mai
138,18.
74,7;
der gewizzen sît ir niht frî, / wie ez darzuo komen sî. /
wand iu ist daz wol kunt Ottok
17541;
Neidh
WL 25:5,10.
–
mit/ âne (jmds.) ~ :
golt unde silber sal entphâhen der trisêrere mit der
gewizzene des meisteres unde des grôzen commendûres StatDtOrd
109,12.
111,3;
SpitEich
12,11;
nach des burcgraven rate, vnde mit sinre gewizzen UrkHohenz
2,245
(a. 1297);
ich [...] pin vnderweist mit rechter gewizzen vnt
mit rechter chantnusse UrkCorp (WMU)
3371,31;
UrkAltenb
193
(a. 1337);
gewunne sei [
di purch
] aber iemen
dem pischolf ab in der vrist ane gunst vnd an gewizzen beder tail, den sullen
wir [...] bedwinngen, vntz daz si wider ganturtet werde
dem von Sekkowe UrkCorp (WMU)
840,1
1.1
‘Bezeugung, Bestätigung’
vnd (wir) setzen dar an die nam der gezevg, mit der gewizzen iz geschehen
ist UrkCorp (WMU)
1868,22;
mit gvͦeter gewizzen vrumer læut ebd.
2243,21.
1243,20;
ist daz diu frowe daz verworht hat unde von ir schulden
dar ist chomen unde daz mit rehter gewizzen dar wirt braht daz diu schulde ir
ist StRAugsb
164,25.
149,7;
StRPrag
74;
KLD:RvB
4:5,3.
–
‘Siebenerzeugnis, Übersiebenen’ (Überführungseid des Klägers mit sechs
Eideshelfern):
daz itwedertail sinen gezevg vnd sinen gewær, der im ertailet ist, auf
den tag vnd stad bringe mit der gewizzen, di im auch baidenthalben ertailet
ist, mit siben auz ainvndzwaintzeg UrkCorp (WMU)
631,42.
475,16
1.2
‘Einsicht, Verstand’
daz [
guot
] solde
man zehant / mit den gewizzen behalten / unde sîn alsô walten, / als si sîn
geniezen wolten Ottok
91437;
daz her Chvnrat der Pvllær [...] mit gewizzen vnd
mit ordenlicher beschaidenheit betraht [...] siner sele
heil UrkCorp (WMU)
937,28.
3182,14;
so si [die Menschen] geborn
werdent, so git er [der Schöpfer] in allen gelich
unterschide. [...] die dann gezogenlichen lebent
[...], der gewizzen und der underschied die in got
hat gegeben, die bezzernt si und get ir sælicheit und ir er fuͤr sich
PrOberalt
64,22
2
‘moralisches Bewusstsein, Gewissen’
gewizzen vnd consciencie, daz ist ein mitwizzen der ding, die dez menschen
redleichait vrtailt ze guͦt oder ze poͤz nach dem goͤtleichen
gesetz RechtssA
G37,4;
ein guͤtew gewizzen ebd.
G37,1;
daz irrsam gewizzen ebd.
G38,7;
herre, wis gedultic / gegen mir vil armem suntær / unt ring
mir meiner gewizzen swær GvJudenb
1152;
do rumde er des ersten siner gewúsni mit einer ganzen
bihte Seuse
99,25;
ein luter gewissen ebd.
251,23
u.ö.;
PrOberalt
172,24
u.ö.;
UrkCorp (WMU)
3190,33;
BdN
461,6.
–
maniger ein gewizzen hât, / daz ein grôz fuoder höuwes gât / durch si mit
guotem rûme Renner
21949.
–
da von [wegen der Entscheidung, nicht mehr zu
predigen] ich straffen vnd gewizzen
[Gewissensbisse] het vil groͤzleich in
meiner sel RechtssA
Prolog 25
2.1
bildl.: nagendes, beißendes Gewissen (s.a. D. Lau: Vermis conscientiae. Zur
Geschichte einer Metapher, in: A. Patzer (Hg.): Apophoreta. FS Hölscher, Bonn
1975, S. 110-121):
sô swinde nie kein wurm genuoc [nagte] / alz
der gewizzen, die niht sint / verzwîfelt noch gein gote blint Renner
5779.
2897;
swaz er [Ambrosius] az / mit der bescheidenheit
er maz, / daz er bleib ungebizzen / von murmulender
[murrendem] gewizzen, / die in pflac selden
strafen Pass III
249,36;
nu we dir, armer sunder, we! / nu we dir huͤte und
iemer me! / du sihst den rihter ob din / und under dir der helle pin / und in
dir din gewißen, / die dich bizzet und hat gebizzen HvNstGZ
6294;
Spec
36,4;
KvHeimUrst
1103;
Martina
117,47
2.2
personif. vrouwe ~
:
la dir nicht entwenkchen / frawn Gewissen, die kan wol
gedenkchen / aller deiner missetat! HvBurg
3028.
1631
u.ö.;
das bekantnisse sprach zuͦ dem gewissen:
[...] vroͮwe Gewissen,
[...]
Mechth
7: 17,2
u.ö.
3
zur Bezeichnung der Gesamtheit der Seelenkräfte (s. Störmer-Caysa: Gewissen und
Buch, S. 121):
wan also sol sih der wis mvͦt, der mit got bekvmbert ist, halten in der
gewizzen als ein hvswirt in sinem hvs. [...] allez daz
hvsgesind siner gedank sol er also zvhtigen vnd orden vnd im selben als ganzlih
vndertaenik machen WhvStTh
138,3.
Lit.: U. Störmer-Caysa: Gewissen und Buch. Über den Weg eines Begriffes in die
deutsche Literatur des Mittelalters. Berlin/ New York 1998.
MWB 2 743,22; Bearbeiter: Richter
gewiʒʒende
stF.
(N.
Mechth
7: 17,20)
s.a.
gewiʒʒede
1
‘Wissen, Kenntnis’
2
‘Gewissen, moralisches Bewusstsein’ (auch personif.)
1
‘Wissen, Kenntnis’
diu caprea [
steingeiz
] so heitirer ougen
ist, / daz si die jegir verre sehen mach, daz bezeichent unsiren herren den liehten
tach. / also diu scrift chot [spricht] : ‘aller
gewizzende ist er ein got.’ MillPhys
104,4;
vnd von swelichim guͦte sie nit von alter gigeben hant, da sol man sie
giruͦwet lan ân ansprache vf ir giwizzende UrkCorp (WMU)
680,45.
–
‘Bezeugung, Bestätigung’
wir suͤlln ouch alle die brife, die he hat von keysern und von
kunegn, swenne he die brenget, sehen unde sulln im die stetege von worte ze
worte als sie sten von unser waren gewizent MGHConst
5:259,35
(a. 1315).
–
‘Nachforschung (?)’
quod super culpis, excessibus et forefactis quibuslibet
[...] corrigendis per inquisicionem vulgarem, que
vulgariter gewizzende dicitur, erit [...] contra pacis
et patrie turbatores [...] procedendum MGHConst
3:222,18
(a. 1297)
2
‘Gewissen, moralisches Bewusstsein’ (auch personif.):
wer sin gewißende hat behuͦt, / der weiz wol wann er
ubel tuͦt HvNstGZ
6750;
vroͮ Gewissende, ir sint sere gebunden mit der werelte
súnden Mechth
7: 17,17
u.ö.
MWB 2 744,58; Bearbeiter: Richter
gewiʒʒende (?)
Part.-Adj.
‘bekannt, bewusst’
alhie so hat ein ende gar / daz dritte capitel, daz uch zwar
/ gesaget hat zu diser frist, / als verre ez mir gewissent ist, / waz mynne sy und
zirke [schaffe]
Minneb
2288.
5085
MWB 2 745,18; Bearbeiter: Richter
gewiʒʒenheit
stF.
1
‘Wissen, Kenntnis’
2
‘Gewissen, moralisches Bewusstsein’
1
‘Wissen, Kenntnis’
wie aber er [Jesus] die zît sîn / vertribe ûf niun
und zweinzec jâr, / der gewizzenheite sîn wir bar WvRh
6713;
als im [dem todkranken Adam] die
vröude nû wart schîn / und er het gewizzenheit / des öles der barmherzikeit, / er
rief gên gote unde sprach: / ‘hêrre, mich genüeget’
HvFreibKr
405.
–
‘Einsicht, Verstand’
guoter rede het er genuoc, / dar zuo allen den gevuoc / der rehter
gewizzenheite zimt Mantel
500;
si [
die vrouwen
] solden merken
schœne jugent, / gewizzenheit und ganze tugent / an einem ieglîchem man
Bîspel (Pf)
7,40;
Krone
17556
2
‘Gewissen, moralisches Bewusstsein’
gote eyne ist bekant / wy iz gewislich sy gewant / um des
menschen gewizzenheit / und um syne samwitzekeit Hiob
3371;
der iunger sprach: hant [...] die
v́bilen iemannen, der si ruͤge? do sprach der meister: niht. wen
iegelichez herzen gewissenheit Lucid
142,13;
Freid
5,21;
VMos
61,6.
– bildl.: nagendes, beißendes Gewissen (s.a. D. Lau: Vermis conscientiae.
Zur Geschichte einer Metapher, in: A. Patzer (Hg.): Apophoreta. FS Hölscher,
Bonn 1975, S. 110-121):
vil groz wirt unser smerze, die wurme ezzent uns daz
herze. / daz ist uns gewizzenheit, diu tuot uns also michel leit
AvaJG
28,12;
der wurm siner gewizzenheit Hiob
9800;
daz ist mîn gewizzenheit, / die mir an daz herze gneit [l.
genaget
]
EbvErf
3107
MWB 2 745,23; Bearbeiter: Richter
gewiʒʒenlich
Adj., Adv.
auch gewiz(z)e-, gewizenclich,
adv. auch -lîchen.
Vgl.
gewislich
und
wiʒʒenlich
.
1
‘bekannt, offenbar, klar’
2
‘reuig, das Gewissen betreffend’
1
‘bekannt, offenbar, klar’
von diu [weil die Handlungen eines nicht
geweihten Priesters nicht gültig sind] solt uns sîn wîhe sîn
gewizzenlîch, / sô wære sîn ampt nicht ungewislîch [unzuverlässig,
ungültig]
Priesterl
421;
er [Joseph] hiez im entwichen den livt gærlichen /
daz nieman da wære der sæhe sine gebære, / so si [Joseph und seine
Brüder, Gn 45,1] sich ein andir bechanten unde gewizzelichen
maneten GenM
98,18;
‘nu volge mir, Lamparte’ sprach aber Alberîch, / ‘und
suochen wir die tôten, daz ist gewizzenlîch. [...]’
OrtnAW
342,2;
En
4955a;
Mantel
505;
Himmelr
4,30.
–
‘wissentlich, bewusst’
wir lernen oͮch dâ die sinniclichen
minne [
amor sensualis, vgl. Ohly z.St.:
TrudHL (O) S. 687-702, bes. 694-697] daz
wir betrahten sînu mennisklichen werch, wir lernen oͮch die gewizzenliche
minnę [
amor rationalis
] daz
wir uirstên sînu gotelichen wundir. diu trite daz ist diu uirnunstlichu
minne [
amor intellectualis
] , die
nemach nieman gelernen wan uon deme geiste. die sinnichlichen die lernet man uon
der geloube der cristinheit, die gewizzenliche uon der giscrifte, dise die
nemach niemen kunnen newan uon gote TrudHL
29,13
2
‘reuig, das Gewissen betreffend’
den gaist des gewizzedes den sendit dir got bî sîneme boten.
dc ist diu hailige gehôrsame. die stâtiget in die suͦzzen trahene unde die
gewizenlichen [Hss. gewizeliche,
gewizenclichene
] trahene TrudHL
146,11
MWB 2 745,51; Bearbeiter: Richter
gewollîche (?)
Adv.
übers. lat. rite
‘nach hergebrachtem Brauch’ (oder als Verschreibung zu
gewonlich
?):
he [Christus] bewiste sich wesse gewolliche ein got
[interl. zu monstraret se (esse) rite
deum
]
Sedulius
2v,6
MWB 2 746,18; Bearbeiter: Richter
gewon
Adj.
auch gewone (
Roth
2426;
Brun
3037;
PrLpz
113,31
), gewun (
Herb
13540
), gewan (z.B.
HvNstAp
1903.
3672;
KarlGalie
761;
Pilgerf
3842
).
1
‘gewohnt’
1.1 attr. 1.2 prädikativ (häufig mit Gen.) 1.2.1 mit präp. Erg. zur näheren Bestimmung 1.2.2 mit Inf. 1.2.3 mit Part. Präs. 1.2.4 mit daz -Satz 2
‘üblich, dem Brauch entsprechend’ (meist mit unpersönl. Subj.) 3
‘von einer bestimmten Art, beschaffen, veranlagt’ (mit sächl. Subj.) 4
‘wohnhaft, ansässig’
1
‘gewohnt’
1.1
attr.:
er sprach: ‘ Gawein, tùrer helt, / aller tùgende uszerwelt, /
erzeigent mir vwern gewonen sitten / vnd lat der bet, der ich bitt, / mich
werden von ùch gewert Krone
19546.
23451
1.2
prädikativ (häufig mit Gen.):
do [bei Tagesanbruch] quamen
sie zv den pherden / vnde riten vz zv felde, / vz den gezelden / vnde vz der
stat von Ylion, / als sie waren gewon Herb
12668;
den kerkenere man vf brach / dar in schein do der tac /
schire quam in daz liecht / des newarin sie gewone niecht Roth
2426;
diu ros von müede schûmden / mêre dan si wærn gewon
UvZLanz
2569;
swer wol gewon schœner frowen sî, / daz er in dik
mag wesen bî / mit fuoge [...] / der sol frô sîn von
schulden SM:Had
52: 12,7;
KvWLd
31,123;
Tr
951;
Pass III
32,9
1.2.1
mit präp. Erg. zur näheren Bestimmung:
si [die Diener des Roten
Ritters] wârn siges an im gewon Wig
3003;
wir warent froͮde an dich gewon: / wer het
geschaiden dich da von? RvEWh
4189.
4124;
dirre [Peleas] vntruwen was
gewon / vmb sines bruͦder svͦn [er war
betrügerisch gegenüber seinem Neffen Jason] , / dem frumen
ritter Herb
117;
du bist liebes von mir niht gewon ebd.
18100.
18264;
Priamvs sich versan / vnd ander sine rat man, / der
er zv rate was gewon, / wie er mochte sinen son / begraben mit eren ebd.
10727.
– einer Sache von kinde/ kintheit ~ sîn:
swer ir [der Armut] von
kinde ist gewon, / dern schamt sich ir sô sêre niht / als man hie an iu
gesiht Iw
6312;
RvEBarl
13344;
des er von kintheit ist gewon, / ez sî im schade, ez sî im vrum, /
dâ kumt er âne got niht von Winsb
37,8;
Gen
2549
1.2.2
mit Inf.:
ir sît von chintheite gwon mit deme fihe gên
Gen
2549;
[Isolde lässt bestellen] daz
ir [Tristan] si noch gespræchet
[...] / und ouch vil rehte
vâret [zum Treffpunkt] / der selben stunde
unde der zît, / als ir gewon ze komene sît Tr
14552;
daz wir ir guͦt ze Schorndorf [...]
ledik vnd fri lazzen [...] alles dez dienistes, dez
wir bis her gewon waren ze nemenne UrkCorp (WMU)
1993,9;
Ottok
28563
1.2.3
mit Part. Präs.:
darnach der kunic lien [l.
lîhen
] / begonde dissen
drien [den Männern, die den Feuerofen überlebt hatten (vgl.
Dn 3)] / wider daz lant Babylon, / als sie waren vor gewon
/ habende ez in wirde / dem libe zu begirde Daniel
1620.
8024
1.2.4
mit daz-Satz:
von im was man des gewon, / daz er nacht vnde tac /
an sime gebete gerne lac Herb
15609;
swâ daz swîn vant eine wurz, /
[...], / dâ jagete er ez balde von / und az sî.
des was er gewon, / daz er der spîse nerte sich RvEBarl
4252;
die frauwe was gewone das sie abendes nummer essens
enbeiß Lanc
90,32
u.ö.;
Walth
96,27;
PriestJohB
954,9
2
‘üblich, dem Brauch entsprechend’ (meist mit unpersönl. Subj.):
wan ez ist bi dem menschen gewon [übers. est
enim consuetum apud homines
] , daz die, die da zuo etwaz
erwelt werdent, die werdent geschriben in daz buoch ThvASu
288,21;
die arzenien mit der die sünde des fleischez gewon was
gereiniget zwerdenne [übers. consueverat
mundari
]
ebd.
126,20;
[Die Sonne verbrennt die Erde, doch bekäme sie Nachwuchs, vergrößerte
sich auch die Bedrohung.] als ist ez umb den diep gewan, / der
einig grôzen schaden tuot. / gewint er kint, daz ist nicht guot. / man sicht dicke,
daz diu kint / vil bœser denn der vatter sint Boner
10,28;
als der gruesse do was gedaen, / ir hende sy do geweschen haen, / als da zo
hoff was gewon KarlGalie
3648
3
‘von einer bestimmten Art, beschaffen, veranlagt’ (mit sächl. Subj.):
der sezzel der was des gewon / von sines maisters listen, /
[...], / der het in so gemachet: /
[...]
WhvÖst
4976;
vor dese zene [der rücksichtslosen Fische im
Meer] also ich wene / hat di brut [Maria]
wol ander zene. / ir zene uns allen vrouwen, / si enbizen nicht, si
edekouwen [wiederkäuen] / und vuten uns mit irme
spone [ernähren uns mit ihrer Muttermilch] , / also daz
schaf ist gewone [wie es von Natur aus beim Schaf ist]
Brun
3037
4
‘wohnhaft, ansässig’
ouch gab er ime Akaron / mit allen deme daz gewon / was umme und umme die stat
[I Mcc 10,89]
Macc
5136
MWB 2 746,23; Bearbeiter: Richter
gewonde
stF.
‘Angewohnheit, Gepflogenheit’ (s.a.
gewende
stF.):
ein katze in dem hofe was. / von gewonde konde sie daz: / so man abents saz zu
dische, / [...] / eine kerze sie da hielt, / mit iren fuzen
umbe vielt, / biz daz ezzen was gedan SalMark
912;
vnd were in des fur lidic eigen vnd fur ein lidic gvͦt
[...] gegen maneglich, alse reth ist vnd nach des
landes gewonde UrkCorp (WMU)
N579,27;
van alder gewoinden her HagenChr (G)
6242
MWB 2 747,45; Bearbeiter: Richter
gewone
stF.
‘Gewohnheit’ (s.a.
gewen
stMN.):
dô er [der Gegner] von dem rosse saz, / der lewe
[Iweins] sîn selbes niht vergaz, / er erzeicte gâhes
sîn gewon: / ê er erbeizte dâ von, / dô hete er [der
Löwe] sîn begrifen genuoc Gauriel
1944;
er [der Mann] ist
charl [Ehemann] , si [die
Frau] ist chone [Ehefrau] , / daz ist ein
vil altiu gewone VRechte
398
MWB 2 747,54; Bearbeiter: Richter
gewonet
Part.-Adj.
→
wonen
swV.
MWB 2 747,62;
gewonhaft
Adj.
1
‘gewohnt’
2
‘ansässig’
1
‘gewohnt’
die andern die got vil frôwer machent [...], daz sint
die dâ guoter dinge gewonhaft werdent und in gotes dienste blîbent PrBerth
1:196,25
2
‘ansässig’
waz hietest dû des êre, / solde diu heidenschaft / werden dâ
gewonhaft / an der stat heiligen, / dâ wir niht wurden verzigen / betlicher bet?
Ottok
50058
MWB 2 747,63; Bearbeiter: Richter
gewonheit
stF.
auch gewoneheit.
‘Gewohnheit’ (s.a.
gewenheit
)
1
‘Brauch, Sitte, Gepflogenheit’
1.1 allg. 1.2 (individuelle) ‘Angewohnheit’
1.3
‘Gewohnheitsrecht’ (vgl. detailliert WMU 1,736f.) 2 von natürlichen, regelhaften Dingen 2.1
‘Art, Natur’
2.2 spez. ‘Menstruation’
3 im Sprichwort 3.1 Gewohnheiten sind schwer abzulegen (vgl. TPMA 5,4-6) 3.2 Gewohnheit ist mächtig (vgl. TPMA 5,6f.) 3.3 Schlechte Gewohnheit schadet viel (vgl. TPMA 5,7) 3.4 Gewohnheit verändert die Natur (vgl. TPMA 5,7) 3.5 Gewohnheit ist stärker als Natur (vgl. TPMA 5,8) 3.6 Gewohnheit wird zur (zweiten) Natur (vgl. TPMA 5,8-9) 3.7 Gewohnheit erzeugt Liebe und sittliches Verhalten (vgl. TPMA 5,11) 3.8 Gewohnheit bringt Fertigkeit (vgl. TPMA 5,11)
1
‘Brauch, Sitte, Gepflogenheit’
1.1
allg.:
meister [Jesus] , sage vns, wo wilt du, / daz
wir dir bereiden nuͦ / daz osterlamp nach der iuden side? / die gewanheit
were nit guͦt virmiden PassSpM
579;
nu schult ir uernemin, wannin div geuvonheit
erwͦchse, daz wir in disim osterlichem zîte uâstin Spec
62,10;
dar nâch dô mit gewonheit / Jôsaphât ze velde reit, / daz
er mit willen selten lie RvEBarl
1227;
ez ist ein alt gewonheit, / daz man dem sæligen ie /
gerne diende UvZLanz
8436;
HimmlJer
298;
PrLpz
8,42.
– oft ~
hân:
ze den selben czeiten do heten die romære eine
gewoneheit [...], das si begiengen an dem anegenge
des selben manodes ein hochczeit des kæiseres Augusti Konr
15,32;
nû hete der künec die gewonheit / daz er nimmer
deheinen eit / bî sînes vater sêle swuor / wan des er benamen volvuor
Iw
893;
Ägidius
292;
StrKD
61,3.
– oft nâch ~
(auch mit Attr.):
man lûte dâ zem münster nâch gewoneheit
NibB
1005,1;
si satzten ûf vil schône / Lanzelete die krône / nâch
küniclîcher gwonheit UvZLanz
8375;
er [Antenor] bezeichente da
mite [mit dem Olivenzweig] / fride nach dem
site / vnde nach der alden gewonheit Herb
15281;
PrOberalt
84,9;
Tr
3006;
BrEng
53
1.2
(individuelle) ‘Angewohnheit’
sihstû danne daz im [dem
Kranken] diu ougen hol sint unde im der munt offen stêt sô er
slæphet, sô soltû in vrâgen, ob ez sîn sit sî daz er mit offem munde slâffe; ist
ez sîn gewohnheit niht unde zehert im daz winster ouge, sô stirbet er an dem
driten tage Barth
135,12;
Iw
4976.
6595;
dv́ ander ist von boͤser gewonheit, das wir
das herce niht gewennit haben mit stetem vlize an got gedenken
DvAStaff
118;
min herze vinster ist von gewonheit der súnden
Mechth
6: 37,10;
PrLpz
31,5;
HeslApk
13552.
–
~
(ze)brechen:
irn sult iuwer gewonheit / durch nieman zebrechen. /
der humbel der sol stechen Iw
204;
StrKD
41,4.
57,122;
MarlbRh
12,24.
– Gewöhnung, Erziehung:
die geprechen habent an der sêl werken, die sint
zwaierlai. etleich habent daz von gepurt und etleich von gewonhait
BdN
488,21;
die aber den geprechen habent von gewonhait, daz
sint die in den wälden erzogen werdent verr von den vernünftigen läuten und
lebent sam daz vieh ebd.
488,29;
die andern [Beizvögel] sint
gar edel, die vâhent von nâtûr mit klainer gewonhait [Übung,
Abrichtung]
ebd.
188,19
1.3
‘Gewohnheitsrecht’ (vgl. detailliert WMU 1,736f.):
guot gewonhait ist als guot als geschribeneu recht RbRupr
226;
sie sulen ouch geloben [...] zu
behaltene die regele unde dî gewonheit des ordenes StatDtOrd
128,2
u.ö.;
div gesetz der brvder vnd die gewonaiht des spitals
SpitEich
5,14;
diu vrävel ist ein phunt oder fünf schillinge, ie nâch
des landes gewonheit SpdtL
147,25;
daz sagen wir niht daz ez reht sî, ez ist ein gewonheit
ebd.
152,2
u.ö.;
er múst aber der statt ir gewonheit halten und
ir recht Lanc
376,26;
StRMünch
167,31.
– von Abgaben:
daz sie czollen, müten [ein Getreidemaß] ,
recht und gewonheit, di von alter her gewesen ist, berichten vnd tuen suln
UrkBresl
175
(a. 1349)
2
von natürlichen, regelhaften Dingen
2.1
‘Art, Natur’
alsô schiere er sich dâ nider / zuo der frouwen het
geleit, / nâch menschlicher gewonheit / wart sie swanger und enphie
Eracl
316;
porphirio [...] ist ain vogel
auz der gewonhait und auz der weis anderr vogel [
extra
consuetudinem et modum aliarum avium
] ,
[...], wan er hât ainen praiten fuoz ze swimmen und
hât ainen andern gespaltenen fuoz ze gên auf dem lande BdN
212,4.
122,31
2.2
spez. ‘Menstruation’
dar umb ist der mônâtleich fluz verslozzen an den swangern
frawen, ez sei dann daz kint tôt oder diu fraw hab gar vil übrigs pluots. der
hân ich ain gesehen, diu mit lebentigem kind ir gewonhait het BdN
33,26;
wer in [Myrrhe] clistiert mit
rautenwazzer, sô pringt er den frawen ir gewonhait, diu menstruum haizt ebd.
370,36
u.ö.
3
im Sprichwort
3.1
Gewohnheiten sind schwer abzulegen (vgl. TPMA 5,4-6):
wan des der mensche in gewonheit kumet daz klîbet im gerne ane
PrBerth
1:201,4;
swer wider die natûre / wil ungewonlîch kriegen, / daz wirt im dicke sûre,
/ wil er natûre nâch gewonheit biegen; / dar nâch tuot wê, swer muoz gewonheit
brechen Hadam
382,5;
dar vmb spricht ein weiser meister Aristotiles. difficile est consueta
relinquere. ez ist vnmuͤgleich die gewonhait ze verlazzen GestRom
15;
natúrlich neigung und alte gewonheit ist
muͤlich zuͦ lassen Seuse
456,17.
221,3
3.2
Gewohnheit ist mächtig (vgl. TPMA 5,6f.):
gewonheit diu ist rîche Helbl
8,1;
gewoneheit diu ist rîch, / tumben liuten schedelîch Freid
108,7;
gewonheit, diu ist michel: / swaz di jugent krumbet, daz wirt in alter
sten alsam ein sichel JTit
3308,3;
des sprechent die wîsen: vil tuot lêre, / sô tuot gewonheit dennoch mêre
Renner
10630.
16162
3.3
Schlechte Gewohnheit schadet viel (vgl. TPMA 5,7):
bœse gewonheit und bœse site / die sint gar des tiuvels seil
/ dâ mit er uns ziuhet zunheil WälGa
12018;
bœsiu gewoneheit / machet schaden unde leit Freid
108,9;
des wizzet daz bœsiu gewonheit / aller sünden insigel treit
Renner
9529.
21145.
13493
3.4
Gewohnheit verändert die Natur (vgl. TPMA 5,7):
iedoch gewonhait verändert vil der nâtûr an dem menschen
zuo guotem oder zuo pœsem BdN
29,3;
dar umb ist der spruch wâr, der dâ spricht: diu gewonhait
ist ain wechslerin der nâtûr ebd.
29,17;
dik verwandelt diu gewonheit / die natûr, als man uns seit Boner
65,5
3.5
Gewohnheit ist stärker als Natur (vgl. TPMA 5,8):
gewonheit wirt nimer laz. / si greiffet vür nature Krone
1519;
gewonheit ist noch richer dann nature JTit
5403,3;
gewonheit ist etewenne rîcher danne diu natûre PrBerth
1:35,31
3.6
Gewohnheit wird zur (zweiten) Natur (vgl. TPMA 5,8-9):
gewonheit ist die ander natur Jüngl
1165;
wanne gewonheit ist wol halbiu nâtûre PrBerth
2:58,3;
der iunge muͦz striten mit siner iugent, der alte mit sinen sitten.
wan mit langir gewonihait muͦz der mensche striten alse mit der nature
PrGeorg (Sch)
22,139
3.7
Gewohnheit erzeugt Liebe und sittliches Verhalten (vgl. TPMA 5,11):
das menschlich natûre alsô stât: / swes si niht gewonet hât, / das si das
gerne schuͤhet / ze allen zîten, und es vluͤhet; / aber swas si
tuot von gewonheit, / das minnet si, als duͤ schrift seit Ammenh
16687
3.8
Gewohnheit bringt Fertigkeit (vgl. TPMA 5,11):
ist, daz duncket einem ungeuͤbeten menschen sin
zuͦmole unmúgelich, wan gewonheit machet kunst. das wir nu alle
diser edeler geburt gerum Tauler
12,14
MWB 2 748,6; Bearbeiter: Richter
gewonlich
Adj., Adv.
auch gewond- (
StRMünch
176,20
u.ö.); adv. auch -lîchen.
‘gewöhnlich, gewohnt, üblich(erweise)’ (s.a.
gewenlich
)
1 dem Brauch entsprechend 2 individueller Angewohnheit entsprechend 3 von natürlicher oder göttlicher Regelhaftigkeit 4
‘üblich, normal’
1
dem Brauch entsprechend:
ez was gewonlich in der alten e, swelh wib ein degenkint
gebære, daz si sich darbete der kirchen vierzech tage Spec
33,25;
ouch ist daz gewonlich / daz man dem sündigen man, / swie
swære schulde er ie gewan, / nâch riuwen sünde vergebe Iw
8104;
swan sô man gezzen hat, sô sulen die pfaffen ir gewonlichez
gebet sprechen StatDtOrd
42,9;
nach gewonlichen siten Pass I/II (HSW)
13383;
Pelzb
120,16.
– oft rechtsspr. (detailliert s. WMU 1,737f. u. DRW 4,822-827):
der rihter sol auch sînem herren büezen alse dâ gewonlîch
sî SpdtL
116,13;
ez sol och chain frow, als es von alten dingen gewonlich
und reht ist, ziuch [Zeuge] sin uͤber dehain
dinck, wan uͤber elichen heirat, notnunft und uber daz lest geschaeft an
dem tod StRMünch
46,29;
mit aller gewarsami, du nach geschribem oder nach gwonlichem recte an
kuͦfen durftich [bei Kaufverträgen
erforderlich] ist UrkCorp (WMU)
2915,21;
sechzich mv́tte kernen gewonliches mezzes ebd.
84,22;
sechshundert pfund municher pfenning, die sie uns
jaerleich geben suͤllen [...] ze irer
gewondleichen stewer StRMünch
176,17
u.ö.
2
individueller Angewohnheit entsprechend:
Lanzelet dô niht vergaz / der gewonlîchen slege sîn: / er
treip den künic Valerîn / umbe in manege kêre / und wundet in als sêre, / daz er vor
im muose ligen UvZLanz
5323;
dô bat in [Barlaam] dâ Jôsaphât /
die gewonlîchen wât / zeigen, die der guote man / truoc gewonlîchen an
RvEBarl
6466;
Pass I/II (HSW)
30820;
Kuchim
29,12
3
von natürlicher oder göttlicher Regelhaftigkeit:
dânâh [nach der ersten Geburt] uber gewoneliche zît
/ wart suanger daz selbe wîb Exod
419;
dú sunne zwúrend liechter
wart [zur Geburt Marias] / denne sú gewonlich
ist von art WernhMl
548;
daz unmügelich ist der undern natûre, daz ist gewonlich und
natiurlich der obern natûre Eckh
5: 43,13;
JPhys
4,3;
StrKD
153,32.
– von der Menstruation:
welheu frawe ir gewonleich haimleichait well pringen
[...], diu trink rautensaf BdN
417,25
4
‘üblich, normal’
diz [das Erfülltsein der Seele durch Gott] zwingt
die usser dinck ze lauzend [l. lâzend
] ,
gewonlich dinck ze mident, úber sich selber dringen und an die blozen
gotheit springen Eckh (J)
105,4
MWB 2 750,10; Bearbeiter: Richter
gewonlîche
stF.
‘Wohnung’ oder ‘Nähe, Vertrautheit’ (?):
vber das wort benedictus man ich dich [Maria] , das
dü gotlich fruht dines libes gesegnot was vor aller zit in sines vater ewiger
gewonlichi Eckh (B)
105,38
MWB 2 750,58; Bearbeiter: Richter
gewonunge
stF.
‘Gewohnheit, Gewohnheitsrecht’
jch [...] han dem vorgenanten Walther
[...] die vorgenanten reben verluhen ze eme rehten erbe
vnd nach des landes giwanvnge UrkCorp (WMU)
2115,15;
als von aldyr eyn gwonunge ist gwest UrkSchles (B)
135,11
(a. 1333)
MWB 2 750,63; Bearbeiter: Richter |