Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
      geweltigen swV.
      ge|wen stMN.
      gewende stF.
      1gewende stN.
      2gewende stN.
      gewendelach stN.
      gewendelîn stN.
      gewenen swV.
      gewenge stN.
      gewenguome (?) swM.
      gewenheit stF.
      gewenlich Adj.
      gewentschelieren swV.
      gewëppe stN.
      gewer stN.
      1gewer stF.
      2gewer stF.
      3gewer stF. (N.
      gewër stF.
      gewër swM.
      gewërære stM.
      gewërærinne stF.
      gewërbe stMN.
      gewërbede stN.
      gewërben stV.
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   geweltigen - gewërben    


geweltigen swV. gewaltigen

MWB 2 709,35;

ge|wen stMN. ‘Gewohnheit’ (s.a. gewone stF.): eine messe sîne tage / von unser vrouwen die sanc er [ein armer Priester] . / [...] / diu hebt sich rehte des gewens / ‘salve sancta parens’ MarGr 18 545

MWB 2 709,36; Bearbeiter: Hansen

gewende stF. ‘Gewohnheit’ (s.a. gewonde ): si solen in diser gulde bewisen bit gerehte und bit rehte nach aller der gewende, als iz her komen ist, also, daz er der gulde sicher sie UrkCorp (WMU) N531,13

MWB 2 709,40; Bearbeiter: Hansen

1gewende stN. 1 ‘Wende, Wendepunkt’ , als Ort des Umschwungs sowohl ‘Ende’ als auch ‘Beginn’ (nur HeslApk )
   1 ‘Wende, Wendepunkt’, als Ort des Umschwungs sowohl ‘Ende’ als auch ‘Beginn’ (nur HeslApk ): her ist [...] / genant ‘begin und ende’; / wen her ist ein gewende / dar daz begin an began / unde ende vorendet an HeslApk 1996; her ist ouch cirkelwis wol, / her hat kein gewende, / weder anevanc noch ende ebd. 7877. der cristenheit ist kumftic / grozer angest an dem ende / dan an dem ersten gewende [am Beginn] HeslApk 13706; nach des libes gewende [nach dem Tod] bi dem andern lebene ebd. 20602. 20306. – in der Wendung an etw. ~ nëmen ‘sich von etw. abwenden, mit etw. Neuem beginnen’ dar neme ich an gewende [dieses Thema verlasse ich nun] / daz ich die rede volbrenge, / wen min leben ist unlenge, / daz buch ist kurz, die glose stark / [...]. / hie beginnet Apocalipsis HeslApk 1262

MWB 2 709,45; Bearbeiter: Hansen

2gewende stN. vgl. gewande und anewande , anewende. 1 ein Längenmaß
2 eine Fläche
2.1 ein Acker
2.2 wohl allg. ‘Gegend, Gebiet’ (vgl. gewande 2 )
   1 ein Längenmaß: ein rechte daicze [deutsche] mail kuniges masse die schol vir ecker lenge haben, und iede ecker lenge sol haben czweliff gewende, das sint acht und vierzig gewende, und iedes gewende sol haben dreissig messruten StRBrünn 223; dô sie nû wâren der stat / sô nâhe ûf dem gelende, als man sprichet sehs gewende UvEtzAlex Anh. 470. Anh. 601. Anh. 1824; gein eins gewendes mâze / vuorte ich sie von der strâze UvEtzWh 7041. 2179. 7038    2 eine Fläche    2.1 ein Acker: der herre sol ouch haben das dritte gewende in der vogetigen [Vogtei] , und das alte gebreche [Brachland] zu dem heiligen berge, das ist sin alleine WeistGr 1,701 (a. 1336)    2.2 wohl allg. ‘Gegend, Gebiet’ (vgl. gewande 2 ): in ains waldes gewende / kam ich unversunnen / über ainen witten brunnen / lutter, külle und wol gestaltt GTroj 10268

MWB 2 709,62; Bearbeiter: Hansen

gewendelach stN. ‘Kleidung’ (zu gewant ): sô swenzelierent [stolzieren] sie danne an sô manigen enden mit ir gewendelech, daz man eht ir war neme unde daz sie îtelkeit und ir üppikeit vollebringen PrBerth 1:118,18

MWB 2 710,17; Bearbeiter: Hansen

gewendelîn, gewendel stN. Dimin. zu gewant . ‘Kleidung, Kleidungsstück’ dar zuo wil er sich glîchen / den edeln und den rîchen / und borget ein guot gewendelîn Renner 1773. – überw. von einfacher, ärmlicher Kleidung: Christ her nâch gelobet hât / ein snôde, dîmûtic wât, / als an dem toufêr wol was schîn, / dem er daz gewendel sîn / mit lobe vaste vurzôch JvFrst 9386; er [der Eseltreiber] zôh ûz sîn gewendelîn, / den [schiffbrüchigen] hêrren slouft [kleidete] er dar în Kchr 1744; KvWEngelh 6105; Hiob 11757. – von der Kleidung eines Kindes: da sah sie in [Christus] aber in siner minneclichen kintheit, und [er] het schon gewentlin an und spilt vor ir gar minneclich EbnerChrist 36,5

MWB 2 710,22; Bearbeiter: Hansen

gewenen swV. wenen ; → gewahen

MWB 2 710,37;

gewenge stN. Koll. zu wange . ‘Wangen, Gesicht’ do was im daz gewenge / me braiter denne ain wanne WhvÖst 11976

MWB 2 710,38; Bearbeiter: Hansen

gewenguome (?) swM. Bed unklar, wohl ‘Rachen, Schlund’ oder spez. ‘Nasenrachen’? (vgl. gewe ): daz fleuma wrbet sich tzu den orlugern [Ohrlöchern] di da gen dor den gewen gumen. vnde ouch da tzu den naselugern. so im der mensche snutzet SalArz 5,29

MWB 2 710,41; Bearbeiter: Hansen

gewenheit stF. ‘Gewohnheit, Herkommen’ (s.a. gewonheit ): daz deme clegere gerichtet werde nach des landes gewenheit UrkCorp (WMU) 494,25

MWB 2 710,47; Bearbeiter: Hansen

gewenlich Adj. ‘gewöhnlich, üblich’ (s.a. gewonlich ): wirn haben das vorginante silber vergolten und eine giwͤnliche suͦne [...] gischaffet UrkCorp (WMU) N35,34; als gewenlich is ebd. N301,29

MWB 2 710,51; Bearbeiter: Hansen

gewentschelieren swV. wentschelieren

MWB 2 710,55;

gewëppe stN. ‘Gewebe’, hier ‘Gespinst, Netz’ (vom Spinnennetz, vgl. spinnewëppe ): ein spinn er spynnen sach / ir gewepp Teichn 646,74

MWB 2 710,56; Bearbeiter: Hansen

gewer stN. 1gewer stF.; → 3gewer stF.

MWB 2 710,59;

1gewer stF. (stN. UrkCorp (WMU) 1979,3; swF. Mühlh 128,7. 120,5 ) ‘Gewere; Besitz, Besitzrecht, Innehabung von Gütern’ (zur rechtssprachlichen Differenzierung vgl. DRW 4,635-653; zur Sache 2HRG 2,347-352): 1 allg.
1.1 der aus einem Anspruch resultierende Nutzen
1.2 speziell ‘Besitz, Grundbesitz’
1.3 bildl.
2 in Wendungen
2.1 stille ~ ‘ungestörter, unangefochtener Besitz’
2.2 gewalt unde ~
2.3 nuz unde ~
   1 allg.: swaz varnde guot heizet unde hât daz ein man in sîner gewer driu jâr âne rehte widersprâche [...], sô hât er ez mit rehte SpdtL 123,7; wil aver er ez im gar stæte machen [will jemand einem Freund ein Gut dauerhaft übertragen] , sô setze [er] im einen zins drûz. dâ mit hât er [der Nutznießer] die gewer in sîner hant und enmac daz guot niht verliesen mit rehte ebd. 98,22. 227,20; SSpAug 227,20. 227,26; mansum unum [...] pro signo investiture, que vulgo gwere dicitur, possidendum in presenti et in proprietate omnimoda tenendum donavimus UrkSteierm 1,709 (a. 1190); suln die herren schaffen, daz in der rihter in sin gewer setze DRW 4,637 (Rockinger,Dm.; a. 1300); StRMünch 358,22; UrkBern 6,617 (a. 1341); GTroj 25105. – mit Angabe zur Art bzw. der Begründung der Gewere: geb auer ich in der fumf march silbers niht ze phinchsten, so schullen si die selbe hvͦbe inne haben in sazvnge [vertraglich] gewer UrkCorp (WMU) N757,31; den vorgnanten mulhof haben wir inn verkauft [...] als wir in in rechtes purkrechts gwer enher pracht haben UrkPölt 404 (a. 1348). 302 (a. 1332)    1.1 der aus einem Anspruch resultierende Nutzen: were ouch, das der walt eicheln truͤge oder ander gewer, genant eckern UrkCorp (WMU) 1047,45    1.2 speziell ‘Besitz, Grundbesitz’ vnd sweder teil wil, der sol vffen siner gewer ein mûr muron dur schirne [zum Schutz] UrkCorp (WMU) 550,29; wirdet ein man beklaget vmbe schult [...], vnd ne habet her [der Richter] des geweddes [Bußgeld] noch der schult nicht, her vronet [beschlagnahmt] sine [des Schuldners] gewere, daz ist sin hûs ebd. 51,8; der rat ist uͤber ein komen [...], das niemer enhain úberschutz ze Zúrich gemacht sol werden noch gebuwen gegen strazen noch gassen, von holze noch von gemúre noch mit stiffen tischen [stabilen Brettern] , stangen oder swirn [Pfählen] fúr die gewer [über die Grenzen des eigenen Grundstücks hinaus] StRZürich (B) 141,29    1.3 bildl.: ir minne hât an im gewer. / diu sol behalden sînen lîp: / wan sist im holt für elliu wîp Parz 87,14; wir sin wider geerbet / an unse alden wonestat, / da her Adam abe trat. / der tuvel ist da von getriben, / wir sin in den gewern bliben / [...] / so daz wir suln mit truwen / uf diser erden buwen HeslApk 10024    2 in Wendungen    2.1 stille ~ ‘ungestörter, unangefochtener Besitz’ swer stille gewer bringen wil an einem gvͦt UrkCorp (WMU) 475AB,21. – überw. in der Wendung in stiller ~ ‘unangefochten’ ob ein man kaufet âne sîn wizzen diubisch guot unde hât daz in stiller gewer lenger danne driu jâr: ist daz sîn ze reht oder niht? SpdtL 124,15. 123,19; wie lange ein man ein gut in stiller gewer an alle ansprache haben sol StRAugsb 7,23; swaz guͦtes ein burger besezsin hât vridelich vnd in stiller gewêr iar vnd tag UrkCorp (WMU) 1671,43; StRMünch 44,8. – übertr.: dri hundirt wepenere gutir freidiger rittere unde knechte [...] di zogen in daz stetichin daz undir der borg lag in stiller gewer [friedlich] unde leiten iz an mit fure Köditz 37,23; die frauwe in ir stillen gewer / truc die selben swere [Medea, äußerlich ruhig, war wie Jason in Liebe entbrannt] Herb 780    2.2 gewalt unde ~ : suilich man heit recht eigin [...] in giwalt undi giwerin iar undi tac unvirsprochin Mühlh 128,7. 120,5; vnd [wir] haben im dc dorf in sine gewalt vnd sine gewer geentwúrtet UrkCorp (WMU) 144,39; daz er uns des gab brieve dô / daz wir des landes wielten / und iemer ez behielten / beid in gewalt und in gewer KvWSchwanr 475; Erlös 1531; Lanc 516,5. ich wil die vil guoten flêhen umbe ein ding daz ich doch hân / in gewalt und in gewer, / daz si lîhe mir ze lêhen KLD: BvH 17: 1,3    2.3 nuz unde ~ : swer hat nvtz vnd gewer an aigen od an erbe UrkCorp (WMU) 1100AB,34; gebt mir wîsung unde rât, / wie ich der lande drât / kom in nutz und gewer Ottok 22228. 3927; wie man nuͤtzz und gewer auf aigen verantwurten sol StRMünch 317,14; waer aber iemant, der sein aigen oder sein lehen verantwurten wolt, dez er pey nutz und pei gewer gesezzen waer, als meins herren puͦch sait, dez sol er auch geniezzen ebd. 358,29 u.ö.; SpdtL 114,21

MWB 2 710,60; Bearbeiter: Richter

2gewer stF. ‘Gewahrsam, Verwahrung’ (vgl. gewar stF. und 1gewerde ): nuͦ herwuschte [ergriff] her Gawein das schochzabel brett / under dem zü wehre, / wann in der jumpfrauwen gewehre, / was sin swert und sin sarwat Krone 18870; an Gawein si [das wilde Weib] vil gah lief, / under arm si in swief, / da er stuont gen ir ze wer, / und nam in in ir gewer, / daz er sein nie wart gewar, / wie si wær chomen dar ebd. 9428a. 4957; er [Odysseus] hete ouch niht wen einen son, / der Thelemacus hiez. / den selben er vuren liez / harte verre in daz mer / vnde hiez in halden in einer gewer / mit sulcher hute, / daz er in niet en mvte Herb 18269

MWB 2 712,20; Bearbeiter: Richter

3gewer stF. (N. Reinfr 9340; VAlex 887 ) 1 ‘Abwehr, Verteidigung, Schutz’
1.1 ‘Wehranlage’
1.2 ‘Waffe, Bewaffnung’ (auch übertr.)
2 ‘Wehrhaftigkeit, Kampfkraft’
   1 ‘Abwehr, Verteidigung, Schutz’ sie [...] schuffen ir gewer / kegen dem kreftigen her En (FSch) 6345. 4540; den [Troilus] bat man leren / vn wisen daz her, / beide zv strite vnde zv gewer Herb 4678; der wahter sint viere / die den turn bewachent, / und sich in diu wer [La. gewere ] machent / sô sie werdent gewar / daz iht lebendes kume dar Flore (S) 4280; Jhesus, únser loͤser; der wiset die bekorten ie zuͦ der gewer [er fordert die in Versuchung Geratenen immer wieder zur Verteidigung auf] Mechth 4: 3,59; StRZürich (B) 136,10 u.ö.; Krone 13449. – in der Wendung sich zuo ~ setzen (vgl. 5wer stF.) ‘sich zur Wehr setzen, verteidigen’ do [...] sich der herre Eneas / vaste sazte zu gewer, / do quam Turnus her / beide zu rosz und zu vüsen En (FSch) 5003; [Penthesilea] lief gein Pirro wert. / do satzete sich Pirrus zv gewere Herb 14813 u.ö.    1.1 ‘Wehranlage’ Alexander steich ûf daz obrist gewer / unt gebôt den sturm uber al daz here VAlex 887; nû hâten die von der stat / ir türne werlîche besat / mit starkem geschütze guot / wâren ir gewer behuot / und wol bewart ze wer ir tor RvEAlex 8896. 3436; es solent oͮch die vorgenanten bruͦder dekaine mure noch dekaine gewer umbe den selben hof dez huses ze Uberlingen machen UrkCorp (WMU) 532AB,43; sô die mûre ûf getribin ist, sô vestint man die burc mit grabin, mit gewere, mit andirn dingin, die dâ zû hôrint PrMd (J) 352,18; Will 58,1 La.; Herb 8877. 16088; RvEWchr 27691. – hierher?: e er [Antenor] diz mere [Priamos’ Forderung, Hesione zurückzugeben] hette gesaget, / so wart er dannen vuriaget [von Castor und Pollux] / an sine alde gewer, / wider vf daz mer [ironisch: das Meer als einziges Refugium (?)] Herb 2009    1.2 ‘Waffe, Bewaffnung’ (auch übertr.): ieder man als er dâ was / gewâpent oder blôzer saz / ûf pherît ors gar sunder wân. / swaz er gewers dô mohte hân, / swert sper und geschütze, / swaz zuo der wer was nütze, / des wart dâ niht vergezzen Reinfr 9340; mit geschutze er [Xerxes] zv allen ziten streit; / er hette anders deheine gewer; / also enhette auch sin her Herb 4059. 2148. 4242; mit geczuge und mit gewer Hiob 11782; StRFreiberg 233,18; wir [...] suln stebe haben an den handen. daz ist die geistliche gewere PrLpz (L) 62,31. – ‘Rüstung’ von der gewer und von den waffen. [...] pei wem der richter begreift ein pantzier, ein platen, ein helm, ein peckelhauben oder semleich gewer, do man nicht mit sticht oder slecht, die nimt der richter StRBrünn 396; hierher ?: des gingen wir beide ane gewer / vnde ane waffen Herb 18045; an gewere vnde ane swert ebd. 18020    2 ‘Wehrhaftigkeit, Kampfkraft’ Ellegast [...] hyewe in den stunden / Eckerich dyeffe ferchwunden. / herczogen Eckerich wart sin gewer [Abwehr, Widerstand] kranck KarlElegast 1762; so was der buschoff ind syn her / mit harde starcker gewer / zo der muren yn gestegen KarlGalie 13225; dat sy balde mit gewere / den Vrantzosen zo helpe quemen ebd. 2427

MWB 2 712,33; Bearbeiter: Richter

gewër stF. (sw. Mühlh 133,7; Ottok 17828 ) s.a. gewar , gewarheit und 1gewer . Die Zuordnung und Bedeutungsbestimmung ist nicht immer mit Sicherheit vorzunehmen. Meist in Rechtstexten. 1 ‘Gewähr, Gewährleistung, Bürgschaft, Sicherstellung’
1.1 allg.
1.2 ‘Gewähr, Gewissheit’
2 ‘Gewährung’
3 ‘Wert’
4 ‘Zustand’ (?)
   1 ‘Gewähr, Gewährleistung, Bürgschaft, Sicherstellung’    1.1 allg.: der ist eyn dieb oder eines diebs genosse. der eynen kauf bekennet und der gwær laugnet SchwSp 92b; swer um ungerichte beclagit wirt, die bidde zu êrst der gewere SSp 115,25; obligamus insuper nos faciendo eidem ecclesiae in Burgelino plenariam warandiam, que vulgariter dicitur gvere UrkBürgel 132 (a. 1283); DRW 4,649 (MünchenRArch.; a. 1321); is abir daz su giteilit han sogitan erbiteil, alsi su anigierbit is von vatir undi von mutir, so sulin su zu rechti giwerin tu ein mi andirin, alsi ein vremidi mi andirin Mühlh 133,7. 129,21; von kouffmannes gewere [...]: ‘ wer eyn phert vorkoufft, der ist nicht mehir phlichtig zu geweren, wen stetig [unwillig, zu gehen] unde starblint, unde unrechtis anfangis’, das ist: ungestolin und ungeroubit RbMagdeb 412,31 u.ö.; SpdtL 137,23. 231,11; er [der König] sol niht swern, / für daz er in gewern / daz rîche hât gevazzet [er soll das nicht beschwören, zu dessen Bekräftigung er den Namen des Reiches herangezogen hat] Ottok 17828; der kunic grobelich erschrac, / wand sich daz volc zu houfe nam / und mit gewalt uf in quam. / si sprachen ‘nu gib durch gewer / uns din tochter balde her, / oder du must ligen tot’ Pass III 255,17    1.2 ‘Gewähr, Gewissheit’ mensche, du salt des gewer / haben von gotlicher macht: / keine mezse wirt volbracht, / geschicht gesche darunder, / zwei wunderliche wunder Daniel 6790; engele sint ouch unse hutere, / des han ich an der schrift gewere: / angelis suis mandavit de te ut custodiant / te in omnibus viis tuis [Ps 90,11] Brun 6668. 6674; Salomôn der wânde nie / er wær ze wîs: sô wænent die / wîse sîn den nihtes niht / anders ze wizzen geschiht / wan sprechen nâch einer gewer [Aussagen von Gewährsleuten o.ä. wiederholen] WälGa 8971. – hierher?: die zit gie hin, der tot gie her / nach des ordens gewer, / den die gewonheit kunt uns tut Pass III 453,64; [Friderîch von Telramunt zum Kaiser:] ‘[...] / ich weiz wol, daz mir diu magt noch hiute wirt ze teile, / nâch der mîn herze lange her / ringet.’ der keiser sprach: ‘hetes dû sîn gewer, / dû möhtst ez dir wol zeln ze einem heile’ Loheng 2049    2 ‘Gewährung’ [ keiser Iulianus ] wolde ouch striten und darum / hiez er vrilich hin beneben / sinen solt sinen rittern geben / durch bereitschaft gewer Pass III 594,37; da pflac er / durch grimmes herzen gewer / zu rechene me die untat, / dan mit gehorsames rat / in guter barmeherzekeit ebd. 586,4; du salt mir wisen ein gewer [Antwort gewähren] , / des ich dich han gevraget ebd. 347,52; rechter vreuden ho gewer / traf den bischof so, daz er / dancte dem guten gote ebd. 497,61. – hier ironisch?: seht, do quam ouch der heiden / mit grozem vrevele dort her. / ieglicher vant vollen gewer / mit grimmigen widerslegen. / do wolde got der gute hegen / die sine cristenliche diet Pass III 281,22    3 ‘Wert’ wirt das wert verkouft under siner gewere, so gibt he diselben buze StRNordh 1,60    4 ‘Zustand’ (?): wie er [der Vormund] abir die gutere [des unmündigen Kindes] entphing, [...] in sollicher gewere [ohne die Substanz des verwalteten Vermögens zu schmälern] sal er en der gutere abetreten RbMagdeb 304,16

MWB 2 713,30; Bearbeiter: Richter

gewër swM. ‘Gewährsperson, Bürge’, der für etw. oder jmdn. im Fall von Rechtsansprüchen oder auftretenden Mängeln einsteht (zur rechtssprachlichen Differenzierung vgl. DRW 4,656-659): swer eigen oder varnde habe verkaufet, des sol er gewer sîn die wîle er lebet SpdtL 228,21; daz ich des chlosters [...] ze Alderspach rehter gewer pin UrkCorp (WMU) 133,24; gewêr vnd versprecher [Fürsprecher] ebd. 1908,45; swer sich eines gewern vermisset ze stellen und den nicht stellt, als recht ist, dem ist pruch [Entkräftung seines Anspruchs] geschen StRMünch 353,8 u.ö.; Mühlh 118,4; StRAugsb 105,5; der selbe tiuvel Lucifer, / vil hôher sünden ein gewer [Garant] , / von vreuden disiu beidiu [Adam und Eva] schiet RvEBarl 2042. 9713; LvRegSyon 2073; Ottok 4534. – ‘Beschützer, Schirmer’ herre, iuwer gewer / wil ich des landes gerne sîn. / ich nim daz ûf die triuwe mîn / daz ichz iu behalte Wig 8517. – in Verbindung mit schirm/ schirmære: daz ich gewer vnd schermær wil sein des chlosters ze Furstencelle jar vnd tach, als aigens recht ist, eins aigens datz Auzheim UrkCorp (WMU) 944,23. 1143B,42; und pin auch ich vorgenante Margret des selben weingarten sein rechter scherm und gewer fur alle ansprache UrkPölt 302 (a. 1332). – ‘Zeuge’ der selben rede ist ein gewer / der heilige Jerêmîas, / der gotes wîssage was RvEAlex 17554; diu cristen e ist komen her / ein geziug und ein gewer / daz si die warheit kivnde Martina 182,86; debet esse gewer vel testis de proprietate MGHConst 2:579,32 (a. 1244)

MWB 2 714,35; Bearbeiter: Richter

gewërære stM. ‘Gewährsperson, Sachwalter’ (s.a. gewër swM.): vnd wand minev chint nicht sint chomen zv dem alter, vnd si daz gvet selbe avf geben, so setze ich den vor genanten frowen pvrgel [...], di von aigem willen [...] schvllen minev chind da zv pringen, daz si daz gvet avf geben, vnd sein gewerer sin vnd scherm mit samt, als landes recht ist UrkCorp (WMU) 3340,37; da die gewer gebrochen wͦrde, da quam Conrad uon Trimpberg wider fuͦr den kvnig vnd clagete daz aber also lange, biz ime aber ein ander gewerer geben wrde ebd. N408,7. N408,13; wir [...] sein auch desselben aygens ir gewerer, als aygens recht ist an dem gericht, da das selb gut inne gelegen ist UrkSchönfeld 356 (a. 1326)

MWB 2 715,3; Bearbeiter: Richter

gewërærinne stF. ‘Gewährsfrau, Sachwalterin’ du [ kawsche minne ] pist unser vorspreche in unserm herczen und unser gewererine in gotez herczen MvHeilFr 17

MWB 2 715,18; Bearbeiter: Richter

gewërbe, gewërp stMN. 1 ‘Tätigkeit, Streben, Vorhaben’
2 ‘Abmachung, Vertrag’
3 ‘Werben’
3.1 ‘(militärisch-politische) Werbung, Anwerbung’
3.2 Werben um eine Frau, ‘Brautwerbung’
   1 ‘Tätigkeit, Streben, Vorhaben’ mir ist lieb, swaz ir tut. / got lazze uwerme gewerbe wol geschen Herb 15483; nach manigem süezem gewerbe / giengen si [die feiernde Gesellschaft] slafen alle Serv 2826; aller der lúte getat vnd gewerb [ omnes actus mortalium ] UrkCorp (WMU) 26,47; der [Gott] wart von im [St. Ägidius] also begert, / daz er ie allergernst / warf sinen steten ernst / uf ein tugentlich gewerb Pass III 453,17; sîn gewerp und sîn gerinc / der ist umb ernestlîchiu dinc Tr 10457. 14602; er mag gewynnen v́bel zijt, / vf dem dis gewerb [das Königreich wieder zu gewinnen] lijt Krone 25726; KvWTroj 21973; werk ist, sô man sich üebet von ûzen an werken der tugende; aber gewerbe [besonnenes Wirken] ist, sô man sich mit redelîcher bescheidenheit üebet von innen Eckh 3:485,10; Parz 314,25. 774,18; UvZLanz 2397 u.ö.; Lucid 74,15; Seuse 437,20 u.ö. – Erwerbstätigkeit: jene [...] gîngen inwec, der eine in sîn dorf, abir der andere zuͦ sîme gewerbe [ ad negotiationem suam ] EvBeh Mt 22,5; unnd sol er doch von sim gewerb dienen mit stüren und mit wachen StRZürich (B) 213,18. – Anspruch: swas ouch aker an den [...] weg stossent, swenne man die buwet, so sun die buluͥte und die pfluͤge [Pflüger] gewerb uͥber den weg haben und drufe UrkZürich 8,62 (a. 1305). – Ergebnis des Tuns: der hie was in sulcher not, / daz er na tot was, / harte kvme er genas. / sus / getan gewerbe / ist aller der erbe, / die gerne in strite sint Herb 10987. – in der Wendung vrâgen, waʒ jmds. ~ wære (u.ä.): in vrâgete der rihtære, / waz sîn gewerbe wære SpdtL 156,26; er [der Habicht] sprach: ‘got grüez dich, gevätterlîn, / waz ist daz gewerbe dîn?’ / ‘ich brüet mîn eiger’ sprach diu krâ, / ‘als mîn geslecht tuot anderswâ.’ Boner 49,48; Iw 5818; Herb 907; Rennew 35607    2 ‘Abmachung, Vertrag’ swer dâ wêr sô vreche, / daz er den vridde brêche / oddir ir gewerbe / machte unbederbe / entwedir mit worden odir mit tât NvJer 26240; gezivge ditze chovfes vnd ditze gewerbes sint [...] UrkCorp (WMU) N303,7; dar umme, [...] daz mein gewerbe nicht ueraltene mit der zeit, so lacz ich Albrecht [...] mit dirre kegenworten [vorliegenden] hantveste wizen [...], daz ich [...] han meine teil ze Osterwiz uerchouft ebd. 627,1. – ‘Handel’ dy sone von Dedan warin dine [Tyrus’] koufluyte, vil werdir waren zu gewerwe dinir hant [ filii Dadan negotiatores tui; insulae multae negotiatio manus tuae ] Cranc Ez 27,15    3 ‘Werben’    3.1 ‘(militärisch-politische) Werbung, Anwerbung’ da [im Land Garmiler] solt samnen sich daz her / [...]. / do kert manic kuͤnc hin, / [...], / nach [des Marschalks] Wigrichs gewerbes tage WhvÖst 7696. 5969. 16121    3.2 Werben um eine Frau, ‘Brautwerbung’ zehant ich umbe ir minne warp. / der selbe gewerp ouch niht verdarp, / wande si mit mir entran Er 9479; den gewerp [um Kriemhild] man dem degene [Siegfried] sêre leiden began NibB 51,4; ir [Paris] wænent lîhte, daz ich [Helena] sî / gewerbes unde bete frî / biz an disen tac beliben? / nein, zwâre, manger hât getriben / red und bete wider mich KvWTroj 21762; Kudr 659,4; Walth 93,8; Neidh WL 18:3,5

MWB 2 715,22; Bearbeiter: Richter

gewërbede stN. s.a. gewërft . ‘Anliegen, Tätigkeit’ Artûs, nu wil ich biten dich, / deiz den hôhen niht versmâhe, / des gewerbes gein in gâhe [La. mins gewerbedes gabe ] , / und wis des lasters für si pfant Parz 785,16

MWB 2 716,22; Bearbeiter: Richter

gewërben stV. wërben

MWB 2 716,27;