gotmensche
swM.
‘Gottmensch’ als Bezeichnung für den menschgewordenen Gott, Christus:
geloubestû ouch, daz er hie / gotmensche ûf der erde gie /
vierzec naht, sô manigen tac? RvEBarl
6794;
eyn mensch sol eyn goͤtliche inbildunge von dem
lieplichen menschen Jesu Christo leren haben als von dem gotts sune und von
got-mensch und menschgot, nit creaturliche inbildunge, dann goͤtliche,
übernaturliche inbildunge Seuse
526,22;
Daniel
1016;
Vät
41366
MWB 2 874,27; Bearbeiter: Helmich
gotminnære
stM.
‘jmd., der sich ganz auf die Liebe zu Gott konzentriert’
man liset von einem wîsen man, der gieng zuo einem gotminnêre und frâgte in,
wie es umbe in stüende PrJvSterng
253
MWB 2 874,37; Bearbeiter: Helmich
gotminne
stF.
‘Liebe zu Gott’
unz ich minen bruͦdir alde mine swestir hazzen, son mac ich gotminne
niht han PrGeorg (Sch)
15,62
MWB 2 874,41; Bearbeiter: Helmich
gotminnen
stN.
‘Liebe zu Gott’
habe ware goͤtteliche minne, nút also wir
minne heissent in sinnelicher wise, sunder in wesenlicher wise in einem
allerindewendigesten got minnende; dis ist nút ein einvaltig ussewendig
sinnelich got meinen, also man gemeinlich heisset das man got meine, sunder es ist
ein anesehendes meinen mit dem gemuͤte Tauler
303,23
MWB 2 874,44; Bearbeiter: Helmich
gotschëltære
stM.
‘Gotteslästerer’
man sol einen gotscheltter oder einen, der einen valschen ayd swirt, dy zung
an einen haken datz den nakch aufziehen StRRegensb
55;
plasfemator: got schelter oder swerer VocClos
Pl32
MWB 2 874,52; Bearbeiter: Helmich
gotschëlten
stN.
‘Gotteslästerung’
vnreinickeit. bösez avge.
gotschelten [
blasphemia Mc 7,22] .
hochvart. torheit. disiv übel fürgent allev von innen. vnd di vnreinent den menschen
EvAug
94,10
MWB 2 874,57; Bearbeiter: Helmich
gotschouwære
stM.
‘jmd., der seinen Blick und sein Erkennen ganz auf Gott richtet’
dô gieng er [ein wîser man
] fürbas unde
vant einen gotschowêre PrJvSterng
254
MWB 2 874,61; Bearbeiter: Helmich
gotschouwic
Adj.
‘Gott schauend’
ir [Marias] sêle was gotformig. ir geist was
gotschowig PrJvSterng
257
MWB 2 875,1; Bearbeiter: Helmich
gotsëhære
stM.
‘der Gott sieht’ (vgl. Isidor, Etym. 7,7,5f.
Iacob subplantator interpretatur [...] Israel vir
videns Deum):
so ufschrechet der unterscuphære [Jakob] unde
frowet sih der got sehære [Israel]
PsWindb
52,7
MWB 2 875,4; Bearbeiter: Helmich
gotsene
Interj.
aus got segen (mich), vgl. Anm.z.St.:
die nature iz alse rechte schalkechtig und suchet daz ire
alse behendlichen, gotsene, si nemet iz wol und kan sich so wol intschuldigen, und
machent so vil mentil, si willent wiser sin dan got Seuse
531,5
MWB 2 875,9; Bearbeiter: Helmich
gotsüeʒe
Adj.
‘überaus lieblich’ (vgl.
got
-, gotes-):
sin [Gaweins] hertz weinte / der gotsüszer wijbe
not Krone
28670
MWB 2 875,15; Bearbeiter: Helmich
gotswerære
stM.
‘Gotteslästerer, Gottesverleugner’
ein rehter gotswerer mit niuwen swüren SchwäbWB
3,771
MWB 2 875,18; Bearbeiter: Helmich
göttele
stN.
→
götele
MWB 2 875,21;
göttingisch
Adj.
‘göttingisch, aus Göttingen’
so sal he vor daz morgenbrot geben unde vor di koste ses Gottingesche phennige
StRHeiligenst
71;
eyme slechtere sal men geben von eym swine czu machende czwene Gottinge phenge
unde eyne worst, unde von eyme bachen dry Gottinsche phenge unde czwo worste ebd.
69.
61.
97
MWB 2 875,22; Bearbeiter: Helmich
gotübelhandelunge
stF.
‘Gotteslästerung, Blasphemie’
plasphemia: got v̇belhandelunge VocClos
Pl33
MWB 2 875,29; Bearbeiter: Helmich
got|unkluoc
Adj.
‘sehr unverständig’ (vgl.
got
-, gotes-):
die frawe [die bekehrte Frau des
Kaisers] lange hiench, / doch sy denn tod nicht enphiench, / uncz
ainer cham got unchlug / und ïr daz haubt ab slüg Märt
25333
MWB 2 875,32; Bearbeiter: Helmich
gotunreine
Adj.
‘sehr unrein, verkommen’ (vgl.
got
-, gotes-):
darin [in das Himmelreich] dü
nimmer sicherleich / chumst, got unrainer hünt [spricht Quiriacus zum
Kaiser] . / dein stat ist inder helle grunt Märt
6709
MWB 2 875,37; Bearbeiter: Helmich
gotvar
Adj.
‘gottähnlich, göttlich’
alle die von sîme gotvarwen liehte enzündet werdent, die erleschent ouch
niemer mêre PrBerth
1:391,23;
und ie di minne eintrechticlicher ist, ie si uns me in got setzit und got in
uns. und fon der einunge wirdit der mensche gotvar, also daz he gotliche werc wirkit
zu allin zidin Parad
133,6;
glîch gote und gotvar Eckh
2:124,7.
2:568,2;
das edele gotvar fúnckelin, das uns vil innewendiger
und noher ist denne wir uns selber Tauler
322,14.
376,8
MWB 2 875,42; Bearbeiter: Helmich
gotvergëʒʒen
Subst.
‘Andorn’, eine Pflanze (Marrubium vulgare, vgl. Marzell 3,58ff.):
brasium: got vergeßen, herba VocClos
Br16
MWB 2 875,52; Bearbeiter: Helmich
gotweiʒ
,
weiʒgot
Interj.
auch goteweiʒ.
bekräftigend, emphatisch ‘weiß Gott, wahrhaftig’
der heilige engel gotwaiz / den kaiser wol bewarte
Rol
7123;
doch ist ez swere goteweiz Macc
7569;
Saul di ochsen gote weiz / gar in stuckelin zureiz HistAE
1973;
ich ne han is weiz got nicht getan Roth
1987;
weiz got, niemer al die wîle ich lebe! MF:
Reinm
11: 3,16;
Ottok
12604;
ReinFu
K,857;
Eckh
5: 50,2
MWB 2 875,55; Bearbeiter: Helmich
gotzam
Adj.
→
gotezam
MWB 2 875,63;
götze (?)
swSubst.
eine Insektenart, Mücke (vgl. Gelse DWB 4,1,2,3052):
culices: goͤttzen [Lesung unsicher, Hs.
goltzen?]
UvLil
202rd(Glr.)
MWB 2 876,1; Bearbeiter: Helmich
göu, geu
stN.
auch gou, gæwe, gawe.
1
‘Verwaltungsbezirk, Gau’ (vgl. AWB 4,243f., zur Sache 2 HRG 1,940ff.) 2
‘ländliches Gebiet, Land’
1
‘Verwaltungsbezirk, Gau’ (vgl. AWB 4,243f., zur Sache 2HRG
1,940ff.):
deme daz liut sî undertân [...] der
setze sînen ambtman / uber iegelich gou [
per cunctas
regiones Gn 41,34]
Gen
2056;
was denn in dem geu gelegen ist, als eker, wismad, mairhöf, das sol man
verantwurten vor dem purkherren, dem das purkrecht dint StRWien
119
2
‘ländliches Gebiet, Land’
Jacobes tohter Dina [...] giench
after gouwe dei lantwîb scowen Gen
1596;
dû muost varen durch diu göu MarGr 18
808;
Neidh
WL 28:8,6;
EnikFb
1014;
den von Sahsen hôrt man klagen / eine sache swære, / daz
bûliut und burgære / ûf dem geu und in den steten / deheinen fride heten / noch ûf
des rîches strâzen Ottok
71622;
ez ensol auch niͤman auf dem gæwe schenchen pir, met noch wein, danne
in den etavern [zugelassenen Schenken]
UrkWittelsb
2,94
(a. 1296);
BdN
331,29.
385,23;
StRVilsh
87;
nieman [
enschol
] sinev tuch auz der stat
in daz gawe ze weben geben StRRegensb
95.
– metonymisch für die Landbevölkerung:
die geuvest [Zwingburg] brechet alle nider, /
sô dient daz geu den herren / gar ân allen werren
[Aufruhr]
Helbl
4,797.
2,93;
ez hat sich so gerochen, / daz sis noch alle enkolten, /
die daz gou twingen wolten StrKD
36,84
u.ö.
MWB 2 876,4; Bearbeiter: Graën
göubühel
stM.
‘Hügel, Anhöhe auf dem Land’
het ez [Rennewarts Schwert] hêr
Nîthart gesehen / über sînen geubühel tragen, / er begundez sînen vriunden klagen
Wh
312,13
MWB 2 876,30; Bearbeiter: Graën
gouch
Adj.
‘töricht’
obe ich so gauch [La.
torecht
] ware, / daz / ịh ez wolte gelovben, /
ez gienge / dir an div ovgen ReinFu
S1,600
MWB 2 876,34; Bearbeiter: Graën |