Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
      gesatznissede stF.
      gesatzunge stF.
      gesæʒe swM.
      gesæʒe, gesëʒ stN.
      gesâʒelîchen Adv.
      geschæchet Part.-Adj.
      geschâchzabelet Part.-Adj.
      geschaf stN.
      geschaffen Part.-Adj.
      geschaffenheit stF.
      geschaffenwësen stN.
      geschaft stF.
      geschaft stN.
      geschaftlîche Adv.
      geschal stMN.
      geschamic Adj.
      gescharen swV.
      geschaz stM.
      gësche (?) F.
      geschechen (?) V.
      gescheffe stN.
      gescheffede, geschepfede, geschefte stFN.
      gescheffic Adj.
      geschefnisse stN.
      gescheftbrief stMN.
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gesatznissede - gescheftbrief    


gesatznissede stF. ‘Verordnung, Bestimmung’ constitutum: gisazinussida Gl 4:48,34 (BStK1020)

MWB 2 530,17; Bearbeiter: Graën

gesatzunge stF. vgl. gesetzunge . ‘Satzung, Gesetz, Festsetzung’ er [...] sol das recht gehabt haben volkomen von gemain rechten [...] vnd mag kain gesaczung da wider stan [ jure communi uel statuto aliquo non obstante ] StatTrient 173

MWB 2 530,19; Bearbeiter: Graën

gesæʒe swM. ‘Eingesessener, Einwohner’ [es ist festgesetzt, dass man] dekeinen man, [...] ze Rapoltzwilr ze einem geseßem oder ze einem pfalburger empfahen sol UrkRapp 219,22 (a. 1313); wa dehein vsser, er sy vssburger oder gast, deheinen burger oder gesessen ze Bern anloͮfft frevenlich vnd den schlachen wil StRBern 1:222,23

MWB 2 530,24; Bearbeiter: Graën

gesæʒe, gesëʒ stN. nicht klar zu unterscheiden, ob Basis stV. oder swV.; s.a. sæʒe stN., bisëʒ stN. 2.3. 1 ‘Sitzgelegenheit’
2 ‘Wohnsitz’
3 ‘(Feld-)Lager, Belagerung’
4 ‘Einfassung’
5 ‘Situation, Lage der Dinge’
6 ‘Sitzung’
7 ‘Gesäß’
   1 ‘Sitzgelegenheit’ daz volc im do machen liez / ein geseze PassIII 657,91; Lanc 264,35; hin zu gesesze er sich geliez EvStPaul 3951. 4887; HeslApk 9687; Hiob 556. – die Gesamtheit der Sitze: mit tiurem pfellel vollen breit / daz gesæze was bereit ErnstD 2410; PfzdHech 231,5; Suchenw 25,125    2 ‘Wohnsitz’ in der burch [...] havitin ir gesez inne / Chaldêi die grimmin Anno 10,23; rîcheit sich in ir gesæze zôch Er 1585; dô sach man sich dî Tartren gar / mit irre menige vil rêze / irhebn ûz irme gesêze / kegn den Sarrazînen NvJer 22123; daz der mensch besæzze / daz himelische gesæzze [das Paradies] LebenChristi 46. – ‘Gebäude, Anwesen, Besitz’ hus vnde palas / vnde swaz da gesezis was, / von blute ez allez vol floz Herb 16217. 18129. – näher bestimmt: daz gesêz [der Gerichtssitz des Pilatus] Lithostrotos / was genant JvFrst 6849; daz gesaͤs ze Weidenholtz [...] vnd was dar zue gehoͤrt UrkCorp (WMU) 288,24. 937,34; das gesez von Loͧppon StRBern 2:30,33; UrkThurgau 7,858 (a. 1330); UrkEichst 2,254 (a. 1336); sin geseze, da he inne wonet, daz da heizet der Romer UrkFrankf 2,158 (a. 1322)    3 ‘(Feld-)Lager, Belagerung’ diu gezelt und ouch die hütten spien man an daz gras / anderthalp des Rînes, dâ daz gesæze was NibA 1455,2; rîchlîche herbergeten dise / ûzerhalbe des gesezzes an die wise Wh 240,6; die Crichen hetten manige list / zv dem gesetze erdacht Herb 14135; nu het der soldân des gedâht, [...] daz er [...] belêge die / cristen in ir gesezzen, sie / mohten sich sîn mit nihte / erwern Kreuzf 6346; ein stat hiez Artânâ. / die besaz der künec sâ. / Crâteren [...] hiez er des gesæzes phlegn RvEAlex 18666. RvEWchr 25026. 30561; [es ist vereinbart, dass die geislichen luͥte ] die burg Usponnen bedachtlich nit suͥllent angriffen mit brant, noch mit gesessuͥ StRBern 3:141,20; KvWTroj 38898; UvZLanz 7129. 6791; Wig 10772; Kudr 726,1    4 ‘Einfassung’ [ein Mann] legete [die Reliquien] reine / in silberin geveze: al umme daz geseze / von holze was gemachet wol PassIII 414,56    5 ‘Situation, Lage der Dinge’ do marcte daz geseze / der iunge ritter PassIII 489,68    6 ‘Sitzung’ sprach er vor uns im andern gesäß, daß ihm an vorgemeldtem hofe [...] zugehöre alle gerechtigkeit UrkRapp 111,3 (a. 1277)    7 ‘Gesäß’ salbe daz gesæz vaste mit der salben Barth 153,13

MWB 2 530,31; Bearbeiter: Graën

gesâʒelîchen Adv. ‘besonnen, gemessen’ [wenn jmdm.Unrecht geschehen ist] so solte der mensche mit minneklicher senftmuͤtikeit guͤtlichen und gesasselichen recht ilen wie er eime einen minneklichen dienst getete Tauler 381,16

MWB 2 531,17; Bearbeiter: Graën

geschæchet Part.-Adj. ‘geschacht’, heraldisch die Bezeichnung für die Rasterung einer Fläche in mehrere gleichgroße quadratische Plätze (Schachbrettmuster), vgl. underschackieren und geschâchzabelet : des helm, schilt, decke und wâpenroc / was geschæchet blâ unde golt UvLFrd 277,23

MWB 2 531,22; Bearbeiter: Graën

geschâchzabelet Part.-Adj. ‘im Schachbrettmuster’ niden was der esterich / von marmelsteine gemaht. / diu mûre was der selben slaht. / geschâzavelt genôte, / wîz unde rôte, / wârn die steine gevieret UvZLanz 4107; diu mûr ist marmelsteine / geschachzabelt kleine / rôt, grüen, wîz und gel PleierGar 2732; HeidinII 216; geschâchzabelt stuont daz gemiure [...] von liehtem mermelsteine ErnstD 2026; JTit 6226,4. – heraldisch ‘geschacht’ (s.a. geschæchet ): ein geschâchzabelten arn / von rôter und von wîzer varbe / sach man [...] wæjen von dem winde Ottok 7265

MWB 2 531,28; Bearbeiter: Graën

geschaf stN. auch gescheffe, geschepf, geschöpf. 1 ‘Geschöpf, Schöpfung’
2 ‘Werk, Tätigkeit’
3 ‘Gestalt’
   1 ‘Geschöpf, Schöpfung’ sich huop ein niuwer jâmer sider, / dâ von ir ougen gâben saf. / daz süeze minneclîch geschaf, / ir antlütze begozzen wart Wh 251,8; ein gewaldiger got, der da je was / ubir alle di gesceffe di da sint Litan 175; der selb war got der hat geschaffen mit sinem goͤtlichem gewalt himel und erd und alle geschepf PrOberalt 54,38. 114,2; das geschöpf [...] / das er [Gott] in der ersten wochen / hat beschaffen Teichn 693,52; Parz 319,15; SHort 1410    2 ‘Werk, Tätigkeit’ von einem appele er gesouc / dur des tubelis gescaf / daz vil bittere saf Glaub 811; so daden sunder wan / de zwey hundert wael gedaen / de mit Karll woulden usser lande. / ere eickelich do hem rande / ind bereiten vaste alle ire geschaff KarlGalie 1766. – hierher oder ‘Auftrag’ (vgl. geschaft stN. 3 und gescheffede 4): daz chome von der fleischacker rat oder von irm geschephe DRW 4,453 (Tomaschek, Wien; a. 1340)    3 ‘Gestalt’ vrouwe Alma, / din gescheffe [ statura Ct 7,7 ] glichet sich dem palma / und den wintrubeln dine breste Brun 11804

MWB 2 531,40; Bearbeiter: Richter

geschaffen Part.-Adj. zu schaffen stV. 1 ‘erschaffen’
2 ‘beschaffen, gestaltet’
   1 ‘erschaffen’ ez ist ein ungeschaffin geist, daz ist got, und ein geschaffin geist der da fluzit fon deme ungeschaffinen geiste, daz ist der engil und di sele Parad 65,29; geschaffene geist versincken und versmeltzen in dem ungeschaffenen geiste gottes [im innigsten Gebet] Tauler 68,7; als verre als si geschaffen und creaturen sint ebd. 278,14; Eckh 5:13,2; der geist der ist von gote komen [...] und nam in gote sin gesprinc / boben alle geschaffene dinc HeslApk 19920. 6425. – ‘von den Umständen bestimmt’ ez was in sô geschaffen Er 6630; waz si geschaffen [vom Schicksal bestimmt] , daz muez’ geschehen MinneR30a 24    2 ‘beschaffen, gestaltet’ wie was er geschaffen? Lanc 551,2; Seuse 201,17; nu han ich dir geseit, wie disu welt geschafin ist vnde wie sie geteilet ist Lucid 39,6; ir lîp was sô minnesam / geschaffen wol und schône Eracl 2015; EnikWchr 12475; ein lützel grande was si da, / smal geschaffen anderswa Tannh 3,46; daz ist übel geschaffen Ottok 14958. – mit Vergleich: trut herzeliche vrouwe, / din hals ist geschaffen an schouwe / alsam der turm Davidis Brun 248; WernhMl 9608; geschaffen als ein leitestap RvEAlex 4173; RvEWchr 2981; iz ist um di schrift also geschaffen, / als um ein elich wip Brun 953

MWB 2 531,63; Bearbeiter: Graën

geschaffenheit stF. ‘Kreatürlichkeit, Wesenhaftigkeit’ der gereht [...] ist ein gerehter mensch, genomen nah siner geschafenheit Seuse 157,15; da ist er [der Mensch] iez in siner gebresthaftigen geschafenheit, da er wol bedarf ellú schedlichú mitel ze miden ebd. 158,1. 162,28. 174,8; also als der mensche was eweklichen in gotte got in siner ungeschaffenheit, also sol er mit siner geschaffenheit sich al zemole wider in tragen Tauler 262,33. 69,19 u.ö.; allez, daz geschaffen oder geschepflich ist, daz ist niht, und disem ist verre und vremde alliu geschaffenheit und alliu schepflichkeit Eckh 2:88,9; sô sol dîn herze beslozzen sîn vor aller geschaffenheit und solt got nemen, als er in im selber ist ebd. 1:275,2. 1:94,3. 1:95,1

MWB 2 532,26; Bearbeiter: Graën

geschaffenwësen stN. ‘Geschaffen-Sein’ ouch enhæte got die werlt nie geschaffen, ob geschaffen-wesen niht enwære geschaffen [ auch hätte Gott die Welt nie geschaffen, wenn Geschaffen-Sein nicht mit Erschaffen eins wäre] Eckh 5: 44,3

MWB 2 532,41; Bearbeiter: Graën

geschaft stF. 1 ‘Schöpfung, Geschöpf’
2 ‘Gestalt, Beschaffenheit’
3 ‘Geschlechtsorgan’ (s.a. geschaft stN. 4 und gescheffede 3 )
   1 ‘Schöpfung, Geschöpf’ oberestiu magenchraft, / vater aller diner geschaft, / scouwe an dine christenheit! BenGeb 2; schepfære über alle geschaft Wh 1,3; sus sol der welte geschaft / ougen [zeigen] dir die gotes kraft RvEBarl 6163 u.ö.; die gescaft [...]. die got zuͦ sin selbes pilide gescaffen hete JPhys 23,11; KLD:Kzl 16:9,11; Lucid 149,10. – ein einzelnes Geschaffenes, ‘Erfindung’ ouh gedahter [er, Salomo, dachte sich aus] ein geschaft, / ein insigil, mit dem er twang / die tievele RvEWchr 32436    2 ‘Gestalt, Beschaffenheit’ Dauid was uil lutzeler gescaft Rol 8847; ir [tausender Menschen] lîbes bilde ist an geschaft / in mange wîs gesundert KvWLd 25,87; waz wirde und hôher êre got hât geleit an reiniu wîp! / ir nam der ist sô hêre / daz keiner crêatiure geschaft / mac wesen ir gelîch KLD:Kzl 2: 12,4; Flore(S) 470; RvEWchr 32667    3 ‘Geschlechtsorgan’ (s.a. geschaft stN. 4 und gescheffede 3): do sâtzte im got êine ê, daz er sich hiezze besnîdin an siner geschaft unde die gewonheit liezze sînen âftirchomin Spec 15,31; wirt daz wîp sô siech, daz si des dunchet, daz ir der lîp aller sî ersworn, unde [...] geswillet ir diu geschaft. des siechtuomes mahtû schiere helfen Barth 133,4. 133,11

MWB 2 532,46; Bearbeiter: Richter

geschaft stN. 1 ‘Geschäft, Tätigkeit, Schaffen’
2 ‘(Rechts-)Geschäft, Abmachung’
3 ‘Auftrag’
4 ‘Geschlechtsorgan’ (s.a. geschaft stF. 3 und gescheffede 3 )
   1 ‘Geschäft, Tätigkeit, Schaffen’ sîn [Josaphats] leben und al sîn geschaft / was über menslîche kraft LBarl 15796    2 ‘(Rechts-)Geschäft, Abmachung’ diser ordinunge vnde gischaftis sint gezuͤge vnd burgen [...] UrkCorp (WMU) 1235,34. 790,43. – ‘Auflage, Bedingung’ vnd haben daz vorgenant guet auf gegeben dem erberen prelat abt Chunrad [...] mit allen gschaft, also beschaidenleich, daz Wernhart vnd sein erben alleu jar dienen ein halbez phunt wachses UrkCorp 864,19    3 ‘Auftrag’ tuostû daz geschaft mîn, / ich wil dir holt mit triuwen sîn EnikWchr A II,1043; ez sol auch nieman richten uber dhein widem [Schenkung] an unser geschaͤfft UrkSalzb 4,380 (a. 1328); swer auch die sind, er sei arm oder reich, der wider unser geschæft [...] icht unbillichen redente StRVilsh 89    4 ‘Geschlechtsorgan’ (s.a. geschaft stF. 3 und gescheffede 3): sô dem manne sîn geschaft wê tuo, daz der zagel heizet, sô der vaste geswillet, sô nim phepher unde ingeber [...] unde bint daz umbe die geswulst Barth 138,22

MWB 2 533,7; Bearbeiter: Richter

geschaftlîche Adv. ‘schicksalhaft’ fatale: cascaftliho Gl 2:282,50 (BStK665)

MWB 2 533,29; Bearbeiter: Richter

geschal stMN. ‘lautes Rufen, Lärm’ si sont sich ziehen von allem geschalle und sont losen irs herren stimme PrGeorg 73,17; dô Moyses alsô sêre / die götlîchen êre / bat und die juden alle / mit gebet und mit geschalle, / des erhôrt er ir aller bet EnikWchr 8376; sy heden mit swerten soulch geschall / alda innen gemachet KarlGalie 1415. 13452; MorantGalie 2940; ReinFu S2,980. – unklar, vgl. ze schalle wërden ‘ins Gerede kommen’ (ausführlich zur Stelle K. Stackmann: Mhd. geschal in der Teichner-Rede 576. ZfdA 141 (2012), S. 472-477): wen der ber wirt ain geschal / daz er ain mensch hat verderbt Teichn 576,174

MWB 2 533,31; Bearbeiter: Richter

geschamic Adj. ‘beschämend, Schande bringend’ pudenda: schamiges [La. geschemiges ] gelide VocClos Pu13

MWB 2 533,44; Bearbeiter: Richter

gescharen swV. schërnen

MWB 2 533,47;

geschaz stM. ‘Abgabe, Steuer’ von der sazunge di da gischach schuoschen [zwischen] bischof Heinriche syme stifde vnde dir stat vnde din buͦrgeren von Wormezen: gischaz oder vngelt [Ungeld, Verbrauchssteuer] zusezene, alsi di briue sagent di dar vber giscriben sint UrkCorp 604,38

MWB 2 533,48; Bearbeiter: Richter

gësche (?) F. ‘klaffende Öffnung’, vgl. Anm.z.St.: den trachen he an dem schilde trûg, / dâr dorch he selhe gescen slûg / daz ez den voit gar vordrôt Demantin 6750; wî dâr di gesce wart getragin / ûf den gezîredin schilt! ebd. 7962

MWB 2 533,54; Bearbeiter: Richter

geschechen (?) V. unklar, vielleicht ‘etw. beschädigen’ die trunkenheit [...] machet einen also kuͦn, / daz er allein hundert bestuͦn, / der vor ein stoch nit torst geschechen, / der will dann alls sin leit rechen / und limet als ein wilder per TrunkenhG 7; vgl. der vor eyn bock nit dorfft stechen TrunkenhK 7

MWB 2 533,59; Bearbeiter: Richter

gescheffe stN. geschaf

MWB 2 534,1;

gescheffede, geschepfede, geschefte stFN. auch gescaffede, geschopfede, geschepfte, geschæft. Wegen des Nebeneinanders von Affrikata (pf) und Frikativ (f) in der Wortgruppe schaffen/schepfen nicht immer klar zu trennen von → geschaft stF. und stN. 1 ‘Schöpfung, Erschaffung’
1.1 häufig ‘Geschöpf, Wesen’
1.2 ‘Gedeihen, Sprießen’
2 ‘Beschaffenheit’
2.1 ‘Gestalt, Aussehen’
2.2 ‘Eigenschaft’
3 ‘Geschlechtsorgan’
4 ‘Tätigkeit, Aufgabe’
5 ‘Geschäft, Handel’
6 ‘Rechtsgeschäft, rechtliche Regelung’ , häufig ‘Testament’
   1 ‘Schöpfung, Erschaffung’ nu du mir geseit hast uon deme schópher, nu solt du mir sagen uon der gescóphede dez himels vnde der erde vnde uon den dingen, die got dar inne geschaphen hat Lucid 4,14; ubeler tyfel / nu ist dir [durch die Verlockung zur Ursünde] uil libe an miner gescefte irgân VMos 10,5; SuTheol 85; scephære allere gescephede [interl. zu creator omnium elementorum ] PsWindb 73,Oratio    1.1 häufig ‘Geschöpf, Wesen’ ich gloͮbe an got vater almahtigin, der dir schephâr ist himilis vnde der erde vnde aller der geschephidi Spec 1,3; an die geschepfte [Marrien, ein Ungeheuer] lief er dô. / ouch was ir sô ger an in / daz si von dem slage hin / niht entweich den er tet Wig 6994; wann ain gescheppfd erschlecht ir geleichenn HvHürnh 21,3; KLD:Kzl 2:11,18; StrKD 66,90    1.2 ‘Gedeihen, Sprießen’ íh gîenk ín dén núz garton: dáz íh gesâhe [...] óbe dér uvîngarto in blûode uuâre: unte dîe rôton épfele uuâren in gescáffede [ si floruisset vinea et germinassent mala punica Ct 6,10 ] Will 107,4    2 ‘Beschaffenheit’    2.1 ‘Gestalt, Aussehen’ sîn geschepfede und sîn wât / die gehullen wunneclîche in ein: / si bildeten under in zwein / einen ritterlîchen man Tr 11098; ir gescheffede was riche, / beide hie vnd da Herb 3286; [Odysseus sieht ein Mischwesen, oben Gott, unten Mensch:] da enzwischen was ez ein, / als ez disen zwen, / weder got noch man, / hete ein svnderen gescheffede an ebd. 18219; vnser herre [...] erschinet den guͦten in der geschopfede als er erschein in monte Synai Lucid 139,2; HvHürnh 46,6; VAlex 242    2.2 ‘Eigenschaft’ sin drittiu gescepfide ist. daz diu lewin daz welf totez erwirfet JPhys 1,24; do nechant er si zewâre / an nehainer ir gescefte, / swi er die frowen ofte / ê gesehen habete Kchr 12058; sîne [des Rosses] vüeze und sîniu bein / diu behielten ouch vil wol in ein / al ir geschepfede unde ir reht Tr 6669; TrudHL 97,32    3 ‘Geschlechtsorgan’ hât man niht geziuge [Nachweis seines Alters] , sô sol man den knaben mit disen dingen überziugen: [...] man sol im grîfen zwischen diu bein oberhalp sîner geschäfte, vindet man dâ kleinez hâr, daz ist der [...] ziuge SpdtL 104,1    4 ‘Tätigkeit, Aufgabe’ von etelicher becv́mbernisse, da mit wir das herce vor bekvmbert haben mit rede oder mit gedenken oder mit geschepfede DvAStaff 124; der maister vnd die brvder svlen sich alain mit dem geschaͤft des spitals kvmeren SpitEich 35,5. 7,9; du [Ahab, III Rg 21] trûrest umb ein kleine geschäfte BuchdKg 54,9; NibC 1502,2; StatDtOrd 71,18 u.ö.; HvHürnh 1,3. – ‘Auftrag’ der vorgnanten taiding [...] sin wir fvͤnf [...] von vnser beder herren wegen von irem geschaͤfte vnd gehaizze vberain chomen UrkWittelsb 2,254 (a. 1317); durch des geschefte und gebot Ottok 47442; ein edel grâve dolde / von sînem geschefte [auf des Königs Betreiben] den tôt Tund 1679; UrkCorp (WMU) 3458,32; hierher ?: ob der richter den XIIer bvrgern wider ist irs gebotes vnd ir geschæftes, daz schulen si bereden mit dem richter StRBurgh 185    5 ‘Geschäft, Handel’ daz sie [die Ordensmitglieder] ouch unerloubeten gewin unde gescheffede [ negotiationes ] niht urboren StatDtOrd 52,31; den swarzen swalbenstain schol man auch in ainem leineinn tuoch tragen, der ist den läuten guot, die geschäfts pflegent, sam kaufläut BdN 440,20; er mêrt reichtum und gibt gnâd in allem geschäft ebd. 459,22    6 ‘Rechtsgeschäft, rechtliche Regelung’, häufig ‘Testament’ swas die welt geschäfftes mit einander hat, das sol man haißen schriben UrkGraub 2,168 (a. 1301); swâ ein mensch âne geschäfte stirbet, [...] swaz diu hinder in lânt guotes [...], daz sol man antwurten dem herren der des landes herre ist SpdtL 109,11; ist awer daz der nicht weib und chinder hat, der da stirbet, und vurschaidt an gescheft seins guetes [ sine testamento et ordinatione rerum suarum decedit ] StRBrünn 353; PrBerth 2:195,30; UrkHohenz 3,79 (a. 1341); StRAugsb 59,34. 145,14

MWB 2 534,2; Bearbeiter: Richter

gescheffic Adj. ‘tätig, produktiv’ daz ime ze senfte und ze vromen / und ze heile möhte komen, / dâ was si spâte unde vruo / betrehtic unde gescheffec zuo Tr 7924; ir wizzet selbe aller beste, wie lügenheit unde trügenheit an iuwerm koufe gescheffic ist PrBerth 1:150,11; LvRegFr 3197; Tauler 177,21

MWB 2 535,24; Bearbeiter: Richter

geschefnisse, geschepfnisse stN. (F. Eckh 3:25,2 ) auch gescheppenisse, gescafnisse, geschípnísse ( Athis Ab 2 ), geschoͤpfnisse; s.a. gescheftnisse . 1 ‘Geschöpf, Geschaffenes, Schöpfung’
2 ‘Gestalt, Beschaffenheit’
3 ‘Erschaffung’
4 ‘Geschäft, Angelegenheit’
   1 ‘Geschöpf, Geschaffenes, Schöpfung’ alle di dinc, di gescefnisse sint Glaub 220; din sele vnsvndeklich ist vnde ein geistliche gesheifnisse vnde ist gesazt vnde gemachit ein frowa vber alle vnsvndekliche creaturin SalHaus 31,30; sine [Gottes] gescheppenisse Lilie 26,36; Übervart 511,16; HeslApk 1037    2 ‘Gestalt, Beschaffenheit’ daz ros daz was wunderlîch, / irre und vil strîtich, / snel und starc von gescafnisse SAlex 274; die crone wart gesehen mit geistlichen oͮgen der minnenden sele in der ewigen ewikeit und wart bekant ir geschoͤpfnisse Mechth 7: 1,11. 3:9,49; [das Kind im Mutterleib] enpfæhet eine ander geschepfnisse von der sêle und eine ander varwe [Aussehen] nâch dem lebene der sêle Eckh 3:25,2; SalMark 75; Parad 100,21    3 ‘Erschaffung’ nû sprichet man von drîerleie geschepfnüsse. man sprichet, daz geburt sî geschepfnüsse Eckh(Pf) 534,8 u.ö.; bekenntnisse daz he di creature irkennit, enist nicht di sache des geschepnisses der creature, mer sin wille, wan da fon daz he si wil, so sint si Parad 97,23 u.ö.; SalHaus 41,19; HlReg 73,27    4 ‘Geschäft, Angelegenheit’ swer vorne den pfluk het / und sich wider umme set / zu der werlde geschefnisse, / der hat den himel nicht gewisse HeslApk 7687; daz dirte buch wiset uz wi om [Ludwig] sente Elyzabeth vortruwet wart, unde di grozen trucht der hochzit unde andir erbar geschefnisse daz sich dar undir vorlif Köditz 2,7. 31,32

MWB 2 535,31; Bearbeiter: Richter

gescheftbrief stMN. ‘schriftliches Testament’ wer abir, daz ain man ain gescheft tet, vnd daz nicht vorbrift vurde pei seim lebentigen leybe, so schol der furmund [...] mit den totpezleuten [Testamentszeugen] , als vil als er ir gepeten het zu gezevknusse seins geschefz, ain gescheft brief machchen mit der totpezleuten sigel StRPrag 43; ich lazze eu wizzen, daz ich noch einen chleinen geschefft brief han UrkRegensb 529 (a. 1341)

MWB 2 535,63; Bearbeiter: Richter