g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst gebunt F. gebünt- stFN. gebuoseme Subst. (Pl.) gebur stF. gebûr stM. gebürde stF. gebûrdinc stN. gebûrekîn stN. gebûrendiet st. Subst. gebûrenhaʒ stM. gebûrenhërze swN. gebûrenschuoch stM. gebûrenwëc stN. gebûresliute Pl. geburgeze stN. gebûric Adj. gebûrin stF. gebûrkleinôt stN. gebûrknëht stM. gebûrman stM. gebûrmeister stM. gebürn swV. gebûrsame stF. gebûrschaft stF. geburst Adj. geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geiselruote – geisticlich geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
gebunt
F.
→
gebiunde
MWB 2 188,40;
gebünt-, gebündenisse
stFN.
in schweiz. Quellen in der älteren Sprache nur F. (vgl. SchweizId
4,1368).
‘Vertrag, Abmachung, Bündnis’
och sail eyn deyl sinre geborinre mage sin in dem selven gebuͦntenysse, as
de vuͦrgenante man und buͦrchmanne sint UrkSiegen
191
(a. 1348);
wir [...] sullen mit briefen vnd mit andern dingen ane
vffzug volzien vnd volfüren die eidgenössi vnd die gebündenische AbschEidgen
13
(a. 1323);
die wile si mit dien [Herzoge von Österreich] in eiden
und in gebuͥntnisse nu sint StRBern
3:127,14
MWB 2 188,41; Bearbeiterin: Herbers
gebuoseme
Subst. (Pl.)
‘Verwandte, Zugehörige einer Sippe’
consanguineos, qui gebuseme vulgariter appellantur GrimmRA
1,647
(a. 1282);
homines [...] cum eorum progenie quod vulgariter gebusine
dicitur UrkMoselQ
96,10
(a. 1288);
UrkFrankf
1,350
(a. 1297);
brenget schenke Cuͦnrat zu mit me gebosome, daz der gebor
[Bauer] hore in den hof zu Fronehouen UrkErbach
24
(a. 1324)
MWB 2 188,52; Bearbeiterin: Herbers
gebur
stF.
wie bur stF. (nur Pass ).
‘(günstiger) Fahrtwind’
si waren alle wol behut, / die in ir schiffen waren
[...]. / sie truc ein wol gliche gebur, / die in ein gute helfe
was PassIII
469,60
MWB 2 188,61; Bearbeiterin: Herbers
gebûr
stM. , gebûre
swM.
1
‘Nachbar’ (vgl.
nâchgebûre
) 2
‘Siedlungs-, Gemeinde-, Dorfgenosse, (Mit-)
Einwohner’
3
‘Bauer’ mit Bezug auf bäuerliche Arbeit, Bewirtschaftung von Hofstellen, Wohnsitz auf dem Land 4
‘Bauer’ als Stand 5
‘Bauer’ (meist abfällig) mit Bezug auf Grobheit (selten positiv: Einfachheit) in Aussehen, Benehmen, Verstand usw. 6 die Figur im Schachspiel
1
‘Nachbar’ (vgl. →
nâchgebûre
):
swâ brinnet mîns gebûres want, / dâ fürhte ich mîner sâ zehant Freid
122,5;
SM:Gl
3:10,9;
ir bulute, [...] den ewarten scult
ir gehorsame sîn unde scult iuch hoͮten, daz ir iweren geburen iht
uberert [den Pflug über die Grenze zu eurem Nachbarn
führt]
Spec
142,5;
der man en missetût nicht, ab her sînes gebûres vihe mit sîme în trîbet und
des morgens ûz trîbet SSp(W)
3:37,3
2
‘Siedlungs-, Gemeinde-, Dorfgenosse, (Mit-)
Einwohner’
daz wir bescirmet sin unter dinere
[Gottes] herscefte / noch von ime [dem
Teufel] abegeleitet werden ire [der 24
Alten] gnozscefte, / die si gerne here nach [im
Himmel] ze geburen haben wellent Himmelr
12,19;
zv der kirchen lief er vnd [...] lvte
die glokgen, [...] daz der schal / qvam in daz dorf vber
al, / daz die gebvre alle / qvamen zv dem schalle ReinFu
K,1575;
swer sîner gebûre gemeine ab eret oder grebet oder zûnet, wirt her vor deme
gebûrmeistere dar umbe gerûget oder beclaget, her muͦz dar umbe gewetten drî
schillinge SSp(W)
3:86,1;
der bûrmeister ist wol gezûg uber den gebûr binnen sîme gerichte ebd.
1:13,2;
her Cedar [...] / der was sinen
geburen also lip / als undir guten luten ein dip. / her entorste nindert nirgen
bliben Brun
9890;
zwuschen den juden und den von Babilon / begonnen wart des
strites don, [...]. / von deses strites obirleste / so sint
getotet gebur [Einheimische] und geste ebd.
10811;
die [eine Jungfrau] wart von im [einem
zugezogenen Einsiedel] swanger eines kindes vnd sagetez alle irn
geburen VitasPatr(P)
49,2.
– im Pl. für die Dorfgemeinde, Bauernschaft:
daz [...] daz ober teil des selben wazzers des
uorgenanten closters und der gebure [sc.
ist
] eine gemene almende UrkCorp (WMU)
439,29;
ein ager stôzet vf der gebv́re mathe ebd.
N141,37;
daz er [der Schultheiß] sniden vn̄ lesen
erloben sol mit der geboren wille ebd.
679,8
3
‘Bauer’ mit Bezug auf bäuerliche Arbeit, Bewirtschaftung von
Hofstellen, Wohnsitz auf dem Land:
dâ wære zwein gebûren / gedroschen mêr denne genuoc
Parz
385,16;
ze jungest kam er über lanc, / da er einen gebûren vant, / der
het einen volen an der hant Eracl
1417.
–
swâ gebûre ein [nûwe] dorf besezzcen von wilder wurzceln, den mac des
dorfes herre wol gebn erbezinsrecht SSp(W)
3:79,1;
swer guot hât daz er umbe gelt hin lât daz man ez bûwe,
wil der den verkêren [verweisen] der ez bûwet
[...], sô sol er mit im bûweteidingen
[...]. / ist auch daz der gebûre daz guot wil
ûfgeben unde von dem herren wil [...]
SSpAug
217,1;
daz vnser vrowe dv ebtischinne die gibvren, die vfen dien drin
hvͦbin sizzent, ir lv́te, daz si die in allem dem rehte
[...] lat an dem vorste UrkCorp (WMU)
65,17.
–
ein gebvre vil rechte riche / der saz gemeliche / bi einem
dorfe vber ein velt ReinFu
K,13;
daz lant allez erschrac, / dorf, burg vnde stat / siner
sele gutes bat. / [...] beide burgere, / gebure vnde
koufman / lizzen sich daz claugen an / vnde daz volc alle Herb
10461;
knecht, gebur, koufman ebd.
9859;
ist aber, daz di pfant sint eines uzmannes, eines bercmannes oder eines
geburis oder wes si sint vonme lande StRFreiberg
37,24
4
‘Bauer’ als Stand:
wirt daz swert dâ zim vunden [Verbot des
Waffentragens:] , / man sol in vuoren gebunden / zuo dem kirhzûne:
/ dâ habe man den gebûren / unt slahe im hût unt hâr abe Kchr
14810;
were ich danne ouch immer kneht, / so gebe man mir gebouren
reht / und tete minem sun alsam: / daz wurde ein houbthafte scham / beide mir und
minen kinden StrKD
4,66;
niemal alsô nâhe schirt / so der gebûr, der hêrre wirt Freid
122,12;
der herre und der gebûr KvWLd
2,22;
ez sol auch kain burger dez andern gebaur nindert anders beclagen denne vor
seinem herren also, ob derselbe gebaur auf dez burger guͦt gesezzen ist
NüP
134;
ainen gebur [...], den hat gephandet
[als Pfand übernommen] der von Strubenhat, den selben
gebur zvͤ nizene in alleme rehte, als der vorgenante Herter
UrkCorp (WMU)
3460,42;
wær von geburt der ain gebur, / der tugent und zuht hat, /
der trait von reht des adels wat WhvÖst
5922.
–
daz was ein vrîer bûman, / der vil selten ie gewan / dehein grôz ungemach,
/ daz andern gebûren doch geschach AHeinr
272;
die dritten vrîen daz sint die lantsæzen und die gebûren
SpdtL
82,9;
der gebûre der vrî ist oder ander vrî liute die niht
ritter sint, die mugen gegeben ze morgengâbe ir wîben ros unde rinder ebd.
96,12.
163,13;
SchwSp
13a;
her Vͦlrich, der Gepvre von Rain UrkCorp (WMU)
3072,38
5
‘Bauer’ (meist abfällig) mit Bezug auf Grobheit (selten
positiv: Einfachheit) in Aussehen, Benehmen, Verstand usw.:
swie rûch ich ein gebûre sî Iw
3557.
432.
3573;
ein starker gebûr gienc dar für: / der was freislîch getân
Parz
569,30;
an kleidern und an hâre / schuof sich der trügenære / als er ein gebûr wære
StrAmis
1330;
du bist ein viereggot gebûr, des muost du holz an eime reine
houwen SM:UvS
22: 7,6;
die ungefüegen gebûre UvEtzAlex
3680;
ein ungehúre gebur Seuse
77,12;
ein großer gebure ungestalt Pilgerf
5008.
–
dar umb spricht man: knoblauch ist [in
seiner Eigenschaft als Gegengift] der gepaurn
triakers [Theriak]
BdN
384,5.
–
dem gebure ist wol mit missetat - / daz ist in angeborn
FvSonnenburg
31,3;
daz mich dez úmmer wunder nimt, / swaz den geburen misse
zimt, / daz sich dez nit die guͦten schament SHort
4956;
recht sol im geschehen als eim groben geburen, der nút
geschicket enist zuͦ des kúnges heimlicheit Tauler
157,29;
aber gebûr di tun gebûrlîchen HvFritzlHl
31,4.
–
ein sange [Gesang] ane wort, so ir ofte
uernomen habet uon den geburen iouh uone den chindelinen, die dennoh dere worte
gebiliden neweder nemagen nohne chunnen PsWindb
94,2
(Randgl.);
swer des wânde, daz tûsent werlte mit gote genomen iht mê genomen wære dan
got aleine, der enbekante got niht noch enweste ein hâr niht, waz got wære, und
wære ein gebûre Eckh
2:292,5;
die groben ungelerten [...]
lúte, die geburen Tauler
215,8;
[die Geißler] sint die wâren geleichsnær, die von
andern läuten wellent geêrt werden, als ob si kunst und gewalt und hailichait
haben, und sint doch rôch, ungelêrt, ungeweiht [...]
gepaurn, wan si tuont wider die offenne lêr unsers herren Jesu
BdN
218,31.
219,3.
–
niht ein
~
‘nicht unwissend, ungebildet in Bezug auf etw. (Gen.)’
wær ich der kunst niht ein gebur WhvÖst
5377;
der ist der buoche niht ein gebûre Renner
18690.
– positiv:
die selben [Apostel] alle wâren
/ gebûre und niht von hôher art RvEBarl
12977;
nâch gebûres orden / [...] zwêne gebunden
schuohe, ein dicker roc / âne tiurre kost gezoc, / sunder nâch rehter dêmuot
siten / wît, lanc genæjet und gesniten [als
Pilgerkleidung]
UvEtzWh
621.
607;
er was ein guot einvaltic man, / von art ein rechter gebûre. / swie ofte
im hart und sûre / wart sîn lîpnar mit nôt, / er gap doch guotlîch sîn brôt /
ietslîchem, der sîn geruochte / und in mit zühten suochte Schrätel
55;
also kam er zuͦ eime einualtigen geburen ElsLA
786,15;
HlReg
28,29
6
die Figur im Schachspiel:
Xerxes der diz spil ervant, / den ich iu vor oft hân genant, / der hiez den
venden snîden[...] nâch eins gebûren forme gar HvBer
3924
MWB 2 189,1; Bearbeiter: Plate
gebürde
stF.
‘Last’
diu edel tôt gebürde / in einen sarc geladen wart HvBer
1385.
– bezogen auf Amtspflichten:
[als] techan süllen sölich erwelt werden den der apt
sicherlich müg mit getäilen vn̄ enphelhen sein gebürd
[
onera
]
BrAlt
21
MWB 2 191,19; Bearbeiterin: Herbers
gebûrdinc
stN.
‘Bauerngericht’
hec sunt pene in geburdinc facte UrkSchles
3,151
(a. 1290);
non veniens ad geburdinc communis homo dabit sex denarios UrkBresl
254
(a. 1315)
MWB 2 191,24; Bearbeiterin: Herbers
gebûrekîn
stN.
flämelnder Diminutiv zu gebûr.
‘Bäuerlein’
waz snacket ir gebûrekîn Helmbr
764.
1696
MWB 2 191,28; Bearbeiterin: Herbers
gebûrendiet
st. Subst.
‘Stand der Bauern’
dem der fluech ward getan [Noahs Sohn Ham, Gn
9,25
] , / der den vater versmaecht hiet, / da von sind
gepawern diet Teichn
296,66
MWB 2 191,31; Bearbeiterin: Herbers
gebûrenhaʒ
stM.
‘Bauernfeind’ (als Spottname für einen Ritter):
Brichenfrid, Gebûrenhaz Helbl
13,145
MWB 2 191,35; Bearbeiterin: Herbers
gebûrenhërze
swN.
‘Bauernherz’, abwertend:
nû stêt etelîcher [in der Kirche] als im ein spiz in
dem rücke stecke [anstatt niederzuknien] , unde kumt im
[...] der huot niemer von dem houbte. pfî, gebûrenherze,
ungewizzener lîp! PrBerth
1:457,18
MWB 2 191,38; Bearbeiterin: Herbers
gebûrenschuoch
stM.
‘Bauernschuh’
culpo: geburenschuͦch VocOpt
17.144
MWB 2 191,43; Bearbeiterin: Herbers
gebûrenwëc
stN.
‘Gemeindeweg’ (vgl. → →
gebûr stM., gebûre
swM. unter 2):
[ein] acker vf dē gebv́ren weg nebent des von
Bvͤtenheim anewender UrkCorp (WMU)
N90,8
MWB 2 191,45; Bearbeiterin: Herbers
gebûresliute
Pl.
→
gebûrman
stM.
MWB 2 191,49;
geburgeze
stN.
‘Bürgschaft’
geschehez ouch des got nyt engebe daz vnser keyner an syme geburgeze vnd an syme
geluͦbede suͦmig wuͦrde so mag der [...]
abt [...] clagin UrkEberb
2,918
(a. 1330)
MWB 2 191,50; Bearbeiterin: Herbers
gebûric
Adj.
‘bäurisch’
mîn parit, mînen klâren lîf / sol dehein gebûric man / zewâre nimmer gegrîpen an
Helmbr
767
MWB 2 191,54; Bearbeiterin: Herbers
gebûrin
stF.
‘Bäuerin’
v́nsern crutgarten, der da was der gebúrinun ze Huntwiller UrkCorp (WMU)
2183,5;
die hennen [...] lâzent
[...] niht ab ze airn, wie lang man in neur ain ai an dem
nest læzt, und daz haizent die gepäurinne ain pilgai BdN
193,17.
– als Stand:
mit ir hôhvertigem gange / [...]
wellent sich die gebiurinne an allem ende / des rîchen mannes tochter ginôzzen
Erinn
330;
jâ sêt ir wol daz ich nicht bin / eine gebûrinne / daz ir mich bittet umme
minne / in sô gar korzir zît: / ich wêne ir ein gebûr sît Eilh(L)
6681;
wan sú [Venus] in liebes
oͮgen machet ein gebúrin zuͦ einer keiserin und ein keiserin machet
zuͦ einer gebúrin Seuse
420,23;
StrAmis
943;
Helbl
8,183.
8,371;
SHort
10566;
Renner
1567;
MarLegPass
2,169
MWB 2 191,57; Bearbeiterin: Herbers
gebûrkleinôt
stN.
‘Bauernschatz, Bauernschmuck’ (iron.):
dem vater er brâhte einen wetzestein, / [...] und eine
segense [...] / hei welh gebûrkleinât daz was Helmbr
1062
MWB 2 192,8; Bearbeiterin: Herbers
gebûrknëht
stM.
‘Bauer’
nun waren by den ziten vff der burg ze Tockenburg [...]
da zwen gebür knecht [...] die sprachent zuͦ vnserm
herren dem apt Kuchim
73,16
MWB 2 192,12; Bearbeiterin: Herbers
gebûrman
stM.
Pl. gebûr-, gebûresliute.
‘Bauer’
ez ist mir ubile komin, / sprach der geberte
[geschlagene] geburman, / nu lant mih iwer hulde han
ReinFu
S3,1727;
Gerffin ind syn man gemeit / hant sich so schere gewapent do, / dat sy weder dem
palase zo / gequamen do dan [l. ere dan, Anm. z.
St.] der gebur man KarlGalie
1406.
1426;
vnd swaz wir habn geburlute gemeine, die suln si dem gotzhuse ze Chur mit teilen
nach rehte UrkCorp
N742,2.
N132,19;
alsô tet her [Gott] den apostelen di dâ grobe gebûres
lûte wâren, und wurden [...] die besten pfaffen di dise werlt
ie gewan HvFritzlHl
220,1
MWB 2 192,16; Bearbeiterin: Herbers
gebûrmeister
stM.
‘Vorsteher einer Gemeinde’
swer sîner gebûre gemeine ab eret oder grebet oder zûnet, wirt her vor deme
gebûrmeistere dar umbe gerûget oder beclaget, her muͦz dar umbe gewetten drî
schillinge SSp(W)
3:86,1
u.ö.;
durch bete willen der vorgenanten geburmeister, gebuͤr vnd gemeinde dez
vorgenanten dorfs UrkWürzb
41,418
(a. 1349)
MWB 2 192,29; Bearbeiterin: Herbers
gebürn
swV.
md. auch -bor-, vgl. mnd. geboren (Schiller/Lübben),
gebören (MNDWB), mnld. geboren.
1 unpers., ‘sich zufällig ereignen, (jmdm.) geschehen, sich (für jmdn.)
ergeben’
1.1 ohne Dat.d.P.; nicht refl. 1.2 mit Dat.d.P.; nicht refl. 2 mit wec, vart, ganc, trit als Subj. und Dat.d.P. ‘jmdn.
zufällig wohin führen’ , nur im Pass 3 (von Besitz:) ‘jmdm. an-, zufallen, jmdm. zustehen (als Erbe, Anteil,
Abgabe)’
3.1
an jmdn. (vgl. ane gebürn ) 3.2 mit Dat.d.P. (vgl. bürn
3 ) 4
‘jmdm. (als Verpflichtung) obliegen’
5
‘jmdm. (als Recht) zukommen’
6
‘sich (für jmdn.) gehören, (jmdm.) wohl anstehen, (jmdm.) angemessen
sein’
7
‘(als Abgabe, Preis, Münzwert, Bußgeld u.ä. ) festgesetzt sein, gemäß der
Festsetzung gegeben, bezahlt, geleistet werden sollen’
7.1 unpers., refl. 7.2 von Geldbeträgen 7.3 mit Verschiebung der Bezugsgröße, von Waren:
‘kosten’
1
unpers., ‘sich zufällig ereignen, (jmdm.) geschehen, sich (für jmdn.)
ergeben’
1.1
ohne Dat.d.P.; nicht refl.:
nû geburt iz ûf ein zît, / daz her Swantopolc
[...] in einiz sîner dorfir quam NvJer
7861;
man sol daz ouge ze disem inwendigen werke kêren und dar
ûz würken, ez sî lesen, beten oder - ob ez gebürt [wenn es
anfällt] - ûzwendigiu werk Eckh
5: 291,9;
wat lidens mer doch geboirde MinneR497
1023.
– refl. (vgl. bürn
2.4):
eines mâles geburt sich daz, / daz er die junkvrouwen wol getân / vant
an einem venster stân Bussard
196;
zeimal geburte sich ez so, / daz er liez machen
[...] eine vil groze wirtschaft PassIII
22,23;
PassI/II
246,89
u.ö.;
JvFrst
5857;
NvJer
3724;
Köditz
21,7;
GTroj
1588;
ClosChr
128,8
1.2
mit Dat.d.P.; nicht refl.:
zu varenne geburte in do / in eime schiffe ein teil der
vart Vät
2246;
swa in bi ein einlant / geburte mit ir schiffe gan PassI/II
331,67.
346,18;
er enwust auch nit wann im geburt wiedder zu komen
Lanc
23,30.
511,14;
in welher wîse der mensche mac nemen, als im
gebürt [wie sich’s ihm fügt] , zarte spîse
und hôhiu kleit und vrœlîche gesellen Eckh
5: 255,4;
UvEtzAlex
25085.
– refl.:
darnach in vil kurzen tagen / geburte sich ez Eulogio, / deme vursten,
daz in [...] sin wec uber ein wazzer truc
PassIII
191,77.
210,52
2
mit wec, vart, ganc, trit als Subj. und Dat.d.P. ‘jmdn.
zufällig wohin führen’, nur im Pass :
sin wech im do geburte / vur einen ensideln gut PassI/II
360,2;
ir wec geburte in schiffen in [sich einzuschiffen] ,
/ als sie daz gelege twanc PassIII
23,39;
uber ein wazzer lac ein stec, / dar uf sin trit geburte MarLegPass
10,39;
nu geburte sich ir ganc / vur den guten Thomam PassI/II
246,31.
– ohne Dat.:
sich geburte an ir wege / di vart vur eine capelle MarLegPass
20,166;
als sin wec geburte hin PassIII
97,90.
– hierher?:
doch dinge ich uz ouch diz eine / daz ich dicke zwene
kurze muz / dar setzen vor einen langen vuz, / swa mir der sin also geburt, /
und uz zwen worten muz ein kurt / machen HeslApk
1475
3
(von Besitz:) ‘jmdm. an-, zufallen, jmdm. zustehen (als Erbe, Anteil,
Abgabe)’
3.1
an jmdn. (vgl. ane gebürn):
stirbet aber jene, rechtes tôdes oder unrechtes, sô zîhe sich zu sîme gûte
mit rechte gein den erben, oder gein den richter, ab ez an in geburt
[wenn es als erbloses Gut dem Richter anfällt]
SSp(W)
2:60,2
3.2
mit Dat.d.P. (vgl. bürn
3):
suaz umi dan zu sinemi teili guburt, da mac he mite tu
suaz he wil Mühlh
140,3;
von aller hande vihe nimt der zehndenêre sînen zehnden, ab ers beiten wil
von jâre zu jâre, biz her ime gebure von deme hûse, dâr man in von gelden sal
[der Zinsherr stundet mehrere Jahresleistungen, die dann auf
einmal nachträglich gewährt werden]
SSp(W)
2:48,11;
und di en crûcigeten, di teilten sîne cleidere und lîzen lôsz dar ubir ûf
daz waz eime îclîchen geborete [zufallen sollte]
EvBeh
Mc 15,24.
–
‘zustehen’
swaz ouch gevellet von den genanten gerichten
[...], daz geburt halp der stat vnd halp dem
huse UrkCorp (WMU)
975,23;
swaz so des [Erbes] uze stêt vn̄ stunt
[verpfändet war] bi des toden mannes libe,
daz lose der, ob her wil, deme iz zuͦ rechte gebuͦre ebd.
51,39;
diese vuͦnfhundirt marc inde zwenzech marc allir iairlichs, die
iere gebuͦrent vor iere guͦlde
[Rente]
ebd.
255,34;
deme sal he gebi sin erbiteil
[...], daz umi giburit Mühlh
141,2
u.ö.;
SSp(W)
1:14,1;
vatir, gîp mir daz teil der habe, daz mir gebuͦrit EvBeh
Lc 15,12
4
‘jmdm. (als Verpflichtung) obliegen’
vn̄ ie dem man geburt daz korngelt halb zvgebene UrkCorp (WMU)
N651,25;
ieclich sal gelden als vil als ime gebüret SSp(W)
3:85,1;
sô in geburt zu vastene zu wazzere unde zu brôte
StatDtOrd
81,17;
kerent úch zuͦ úch selber und nement úwer eigenen
gebresten war, und niemans anders. ist din stat also das es dir gebúrt ze
tuͦnde [ist dir durch dein Amt auferlegt zu
urteilen] , [...] das solt du tuͦn
von minnen und senftmuͤteklichen und mit einem suͤssen antlit und
worten Tauler
148,32
5
‘jmdm. (als Recht) zukommen’
so wanne oug der seluer vrouwen gebuͦrt [sie berechtigten
Anlass hat] ze maninne vͦmbe einicherhande
gebruͦchge [eine Vertragsverletzung zu beklagen]
UrkCorp (WMU)
255,2;
daz wir den rat nit ensulen irren, swanne in geburt, den friden ze richtene
ebd.
1831,27;
secht da geuil der kuninc an [stimmte der Einführung des
Christentums zu] / wande er es willekurte / als im do wol geburte
PassI/II
286,58;
den selben guoten knehten / geburet daz vorvehten EbvErf
658;
Teichn
466,129
6
‘sich (für jmdn.) gehören, (jmdm.) wohl anstehen, (jmdm.) angemessen
sein’
– refl.; ohne Dat.d.P.:
des nam der groze Chaam di kunigynnen czu ym und hilt sy, als es sich
geborte, in grozer wirdikeit MarcoPolo
41,2;
mit Dat.d.P.:
nu malte er einen ummehanc, / dar an sich im geburte, / als daz recht
willekurte, / di kunigin [sc. zu malen]
MarLegPass
16,9.
– nicht refl., mit Dat.d. P.:
er tet als im geburte / und sagete Nicolao danc PassIII
24,35;
ir [der Mönche] swigen wart do hin geleit, /
wand sie hin unde her / suchten iren glockener, / als in do wol geburte
[weil das Läuten ausgeblieben war]
MarLegPass
10,139;
war zuo dû allermeist sîst geneiget oder bereit:
[...] daz gebürt dir dicke mêr und unbekümbert ze
lâzenne, dan ob dû zemâle vastest aller spîse Eckh
5: 254,6;
Daniel
3809;
Lanc
155,14;
kan mir des nit geburen [wenn das ungehörig für mich
ist] nu, / daz ich bedeln muze gen, / durch not muz ich ime
abe sten Elis
6528
7
‘(als Abgabe, Preis, Münzwert, Bußgeld u.ä. ) festgesetzt sein, gemäß der
Festsetzung gegeben, bezahlt, geleistet werden sollen’
7.1
unpers., refl.:
verkauft er aber minner, so git er, als sich dofuͤr
gebuͤrt, von iedem bodem elsezzers, neckerwins oder biers 1 ℔
₰ WüP
14,4.
60,5;
der git ie von dem phunde, als vil er verkauft, 4 ß
₰, als ez sich gebuͤrt ebd.
25,5;
der sol geben 4 ß von dem phunde, als sich geburt ebd.
32,6
7.2
von Geldbeträgen:
den cins, so vil so er geburen mv́ge UrkCorp (WMU)
895,22.
–
(sich) umbe / vür etw. ~ :
so sol ich in dîe selben phenninge wider geben, die vmbe daz selbe
guͦt sich gebúrnt UrkCorp (WMU)
1569,12;
vmbe eine marc gvͦtis vnd lvtirs silbers, oder vmbe die
phenninge, die dar vmbe gebv́rnt ebd.
87,19;
wer abir daz hern [er ihn (den Zins)]
versumite zv gebine biz daz man eme dru gebot getete, so were he die buze
schuldic, die da vure geburit UrkCorp
1161A,22.
– mit Dat. st. umbe / vür:
veltpherde, [...] die aber beneden iren jâren
sîn, die gilt man als in nâh irme aldere geburt SSp(W)
3:51,1
7.3
mit Verschiebung der Bezugsgröße, von Waren:
‘kosten’
wie sich daz brot gebuͤrt, oder wie man daz sol
geben, und auch waz ez gilt WüP
89,12;
wie sich der moͤz
[Salzmaß] einz geburt, und wie man daz sol geben
ebd.
101,8
MWB 2 192,37; Bearbeiter: Plate
gebûrsame
stF.
1
‘Bauernschaft, Dorfgenossenschaft’
2
‘nachbarschaftliches Verhältnis, Gemeinschaft’
1
‘Bauernschaft, Dorfgenossenschaft’
wer ein ehoffstatt buwen wil, dem sol der meygr und die geburssami nit
versagen, so vil holtzes als er bedarf ze dem buwe WeistGr
1,35
(a. 1347);
ein herre sol oͮch vier [Vorsteher] seczzen,
zwen nidenan in dem dorf, vnd zwen obenan, die dü gebûrsami erwelt WeistAarg
23
(a. 1348);
UrkCorp (WMU)
383,4.
311,25;
UrkThurgau
8,520
(a. 1260/1300).
– häufig mit Nennung des Ortes:
diu gebursami gemeinlich von Knoͤringen UrkBasel
2:111,20
(a. 1276);
ein keller ze Boswil mag ouch mit den anwalten und der gebursame ze Boswil
[...] holz und veld verbannen WeistGr
5,93;
gebursamj von Divrrehein UrkCorp (WMU)
1020,39
2
‘nachbarschaftliches Verhältnis, Gemeinschaft’
fride vn̄ guͦte gebursami in vn̄ jr lv́ten UrkCorp (WMU)
1204,23
MWB 2 194,48; Bearbeiterin: Herbers
gebûrschaft
stF.
1
‘Bauernschaft, Gemeinde’
2
‘(befestigte) Stadt’ , hier als Zweitglosse zu
burc 3
‘Bürgerrecht’
1
‘Bauernschaft, Gemeinde’
zû der selben wîs bezzert ein gebûrschaft der anderen mit drin schillingen und
gilt in iren schaden SSp(W)
3:86,2;
jr îeglicher von der geburschefte, der mag wol vn̄ sol sin vihe vffen dîe
almende slahen UrkCorp (WMU)
N109AB,27,24
u.ö.;
zwei rinder [...] sot er siner
gebuwerschaft RvEWchr
34823.
– mit Ortsangabe:
geburschaft von Ruͦst UrkCorp (WMU)
147,33
2
‘(befestigte) Stadt’, hier als Zweitglosse zu
burc:
sie [...] gesazten eine burch, geburscaft des buwes
[interl. zu ciuitatem habitationis
]
PsWindb
106,36;
wer beleittet mih in burch, geburscaft die geuesteneten? [interl.
zu ciuitatem munitam
]
ebd.
107,11
3
‘Bürgerrecht’
ius opidanorum, quod geburscaf vulgariter appellatur UrkNiederrh
2,438
(a. 1280);
wer dem andern in banwasser fert, [...] der sol sin
reht verloren han und sin geburschaft StrassbP
176
MWB 2 195,1; Bearbeiterin: Herbers
geburst
Adj.
‘borstig’
als ein tier und als ein swin / sint si,
[...] ruch und geburst und vil gehar RvEWchr
1649.
1724
MWB 2 195,19; Bearbeiterin: Herbers |