gluothert
stM.
1
‘häusliche Feuerstelle, Herd’
2
‘Glutpfanne’ (vgl.
gluothaven
und
gluotphanne
)
1
‘häusliche Feuerstelle, Herd’
der herre hat is gesprochen, des vuer ist zu Syon und
gluythert ist zu Jherusalem [
cuius ignis est in Sion et caminus
eius in Hierusalem
]
Cranc
Jes 31,9.
– hierher oder zu
2
:
nu gê hin und sitze dort / zuo dem gluotherde an daz ort. / mîn sin daz
wol kiuset, / daz dich sêre vriuset [friert]
Schlegel
242
2
‘Glutpfanne’ (vgl.
gluothaven
und
gluotphanne
):
der konig saz in dem wintirhuse
[...] und eyn hert vol gluindir kolin was vor in
gesatzt. und do Judi gelas drie versin adir vire, do reyz er is mit eynim
schribmessir und warf is in das vuer, das do was uf dem glutherde
[
proiecit in igne qui erat super
arulam
]
Cranc
Jer 36,23
MWB 2 841,47; Bearbeiter: Hansen
gluotphanne
swF.
ein mit glühenden Kohlen befüllbares, pfannenartiges Gefäß ‘Glutpfanne’ (vgl.
gluothaven
):
vatillum: gluͦtpfanna SummHeinr
2:547,01.15;
arula, vas prunarum id est gluͦtphanna, gluthauen ebd.
2:161,189.
batillus: glŏtphanne Gl
3:639,34
(BStK926);
arula: glutphanna ebd.
3:643,30
(BStK926)
MWB 2 841,61; Bearbeiter: Hansen
gluotschûvel
F.
‘Glut-, Kohlenschaufel’
batillus: gluͦt hauen oder gluͦt schu̍fel VocClos
Ba118
MWB 2 842,4; Bearbeiter: Hansen
gluotzange
swF.
eine Zange zum Greifen glühenden Materials:
forcipula: glvͦtzanga Gl
3:640,48
(BStK849)
MWB 2 842,6; Bearbeiter: Hansen
glûre (?)
swF.
zu lat. lora, lorea (vgl.
lûre
swstF.), anlautendes g- ungeklärt, AWB 5,1417
nimmt ahd. zugrundeliegendes gilûra an (vgl. auch DWB
4,1,4,7926f.).
‘Tresterwein, Nachwein’
trebern und glawrn / sind pezzer vil denn chriechisch wein Suchenw
45,78
MWB 2 842,9; Bearbeiter: Hansen
glust
stMF.
→
gelust
MWB 2 842,15;
glustic
Adj.
→
gelustic
MWB 2 842,16;
glutenîe
stF.
‘Gefräßigkeit, Schwelgerei’ (aus afrz. glotonie,
glotenie, Tobler/ Lommatzsch 4,394ff.):
wie glutenie [gebessert in
leckerie
] trakeit und versteynonge den pillgeryn ankomment
[Bildüberschrift]
Pilgerf
vor 10838(App.).
– mit sexueller Konnotation (vgl. die afrz. vereinzelt belegte Bed.
‘Liederlichkeit, Schamlosigkeit’, Tobler/ Lommatzsch 4,396):
vnkuscheit, willen, gewaldige dait, hurtuͤm, befleckonge, eebrechonge,
gluttenie [Überschrift eines Bildes der Frau
Leckerîe
]
Pilgerf
vor 10379(App.)
MWB 2 842,17; Bearbeiter: Hansen
gnaben (?)
swV.
Bed. unsicher, wohl lautmalend einen Bewegungsvorgang beschreibend (vgl. DWB
4,1,5,617ff. sowie
gnepfen
und
gnütten
; oder Bildung zu
nabe
stswF. i.S.v. ‘durchbohren’? vgl. BMZ
2,1:282,23ff.):
des sol dich [
herre
] loben, swaz âten
habe, / [...] swaz vliege, vlieze und drabe, / krieche unde
gnabe LobGesMar
57,13
MWB 2 842,28; Bearbeiter: Hansen
gnaister
stswFM.
→
ganeist
MWB 2 842,35;
gnaistli
stN.
→
ganeistelîn
MWB 2 842,36;
gnar (?)
Subst.
Bed. unklar (vgl. Glr.z.St.):
Petro geschach daz leit / von czweir meide uppescheit, /
[...]. / di erste mait ist vleisches ger, /
[...]. / gote vind, di ander mait, /
[...], / is der werelde wisheit gnar
[
:czwar
]
TvKulm
4209
MWB 2 842,37; Bearbeiter: Hansen
gnarren
swV.
→
knarren
MWB 2 842,42;
gnatz
stM.
Bed. unklar, möglicherweise übertr. zu (fr)nhd. gnatz
‘Krätze, Schorf’ (DWB 4,1,5,625f.; FWB 7,56f.); in Elis an zwei
Stellen, in denen eine Einbuße an Ansehen wegen Knauserigkeit, Geiz gemeint
ist:
er hette is ummer schande / unde an eren ummer gnatz, / daz siner jungen
dochter schatz, / ir wideme, ir cleinode / were alse rechte snode, / den si zu lande
hette bracht Elis
1141;
[Elisabeth] ein getruwe schefferin / des selben geldes
wolde sin / unde ouch sunder allen gnatz / wolde nit irs herren schatz / verbergen
in der erden ebd.
7545
MWB 2 842,43; Bearbeiter: Hansen
gneist(e)(r)
stswFM.
→
ganeist
MWB 2 842,55;
gnepfen
swV.
‘wackeln, schaukeln’ (vgl.
ûf gnepfen
):
darnach machentz [die Mönche] ain gewett
[bilden Paare] , / jeder man mit ainer zu bett, / da
werdent sy so gaͤmelich, / die kutten zipfel vbent sich. / die gnepfent vnd
gnuͤttent Barfüsser
143
MWB 2 842,56; Bearbeiter: Hansen
gnippe
swstF.
auch genippe.
‘Stechmesser, Dolch’ (vgl.
knîp
stM.
):
swer genippen und stechmezzer treit in cheiner stat
[...], der sol dem rihter
[...] ein pfunt geben und sol das mezzer flisen
UrkWittelsb
1,150
(a. 1255);
den [König] ich mit der gnippen
[La. gnippe
] stach, / daz er von dem orse
seik TürlArabel
*A 232,14;
sein swert das schneidet sere. / sein gnyppe die ist gut Neidh (S)
1,294 c83:7,4;
Helmbr
153;
Neidh
WL 35:6d,12
MWB 2 842,61; Bearbeiter: Hansen
gnippe
swSubst.
Abfälle von Textilfaser beim Tuchscheren (zur Sache vgl.
gnippinc
stM.
mit Lit.):
kein man, der daz hantwerk [des Tuchmachers]
erbeit, sol pflokken noch gnippen noch hâr noch keinerley bôsheit zu werke legen
StRZwick
40
MWB 2 843,6; Bearbeiter: Hansen
gnippinc
stM.
Abfälle von Textilfaser beim Tuchscheren (vgl.
gnippe
swSubst.
, vgl. zur Sache: F. Bech, in: Germ. 27
(1882), S. 181):
geswertz garn oder werck, gnippinc oder har under wolle gemischet, daz sol man
brennen fuͤr valsch NüP
93.
40.
– wohl hierher:
die tuch [der Wollweber] ir reht suln haben an allen
dingen, [...] vnd niht gefelschet soln sin mit gurppink
[l. gnippink (?)] noch mit walkhar
StRRotenb
496
MWB 2 843,11; Bearbeiter: Hansen
gnist (?)
stSubst.
Bed. unklar (zu
geniste
i.S.v. ‘Hort’? BMZ 2,1:329b,43 erwägen
dagegen Zusammenhang mit
neisen
‘bedrängen, plagen’):
ô lügener, / wes triugestu die kristenheit, / swenne du treist an dir daz
kleit / dem dîn leben ist ungelîch! / o tugenden arm, ô schanden rîch / ô genist
[La. gnist
] , ô maniger untriuwen hort
Renner
3891.
– bildl. zu
genist
4
(?):
sîn herze lügen entwirfet, / die sîn untriuwe wirfet / mit sage ûf
unschuldigen man, / [...]. / alsô mit untriuwen gnist
[La. genist
] / der untriuwen meister ist
UvEtzAlex
6621
MWB 2 843,20; Bearbeiter: Hansen
gnîten
stV. (Ia)
‘reiben’ (ahd. gnîtan AWB 4,319):
frico: [...] ribo, gnito SummHeinr
2:117,12.
2:304,193.
2:443,119;
MWB 2 843,32; Bearbeiter: Hansen
gnütten (?)
swV.
‘wackeln, schaukeln’ (wohl lautmalende Bildung, vgl. DWB 4,1,5, 658f. sowie
gnepfen
und
gnaben
; anders Lexer 1,866, vgl. auch
notten
):
darnach machentz [die Mönche] ain
gewett [bilden Paare] , / jeder man mit ainer zu bett,
/ da werdent sy so gaͤmenlich, / die kutten zipfel vbent sich. / die gnepfent
vnd gnuͤttent Barfüsser
143
MWB 2 843,35; Bearbeiter: Hansen
gockengoch
stM.
→
gucgouch
MWB 2 843,43;
gôdehse
swF.
ein Kleidungsstück slawischer Frauen:
ez hete der hôchgemuote man, / seht, eine gôdehsen an. / daz ist ein windisch
wîbes kleit UvLFrd
218,30.
MWB 2 843,44; Bearbeiter: Hansen
goder
stM.
‘Kehle, Schlund’
sô si [die Pelikane] kômen ze hûf,
/ sô teten si die goder ûf / und liezen die offen stên Ottok
96205.
– spez. zur Bez. des Kehlsacks der Pelikane:
sô hetens [die Pelikane] unden an
der kel / wîz als ein irchvel [weißgegerbtes Leder] /
einen goder wît und langen, / den sach man hin ab hangen Ottok
96186
MWB 2 843,48; Bearbeiter: Hansen |