g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geifervrâʒ stM. geil Adj. geil stNM. geilære stM. geile stswF. geilen swV. geilerin stF. geilhaft Adj. geilheit stF. geilic|heit stF. geillîche Adv. geilsen swV. gein Präp. ge|ínbîʒen swV. geine stF. geinen swV. ge|infelet Adj. geintriften swV. ge|irre stN. geischlich Adj. geisel stswF. geiselære stM. geiselbanc stF. geiselen swV. geiselrieme swM. geiselruote – geisticlich geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
geifervrâʒ
stM.
‘Lästermaul’
abir ich habe var, das in lichte geyns gesche, daz in
krigischir [griechischer] zungen bedutlicher
gesprochen ist, das man sy heyse fagolidori, das ist geyvirvroze
Cranc
Vorr. Ez 180,23
MWB 2 285,47; Bearbeiter: Tao
geil
Adj.
1
‘fröhlich, lustig, ausgelassen’ , mit fließendem Übergang zu
2
1.1 ohne weitere Erg. 1.2 mit einer weiteren Erg.: ‘froh, erfreut über etw.; freudig bereit zu
etw., begierig auf etw.’
1.2.1 mit Gen.d.S. 1.2.2 mit Präp.-Erg. 2
‘übermütig, leichtsinnig, den (leiblichen) Begierden nachgebend,
gierig’
3
‘kräftig, stark, wild’
4
‘(vom Land:) fruchtbar; (von Pflanzen:) stark wachsend; (von Früchten:)
üppig’
1
‘fröhlich, lustig, ausgelassen’, mit fließendem Übergang zu
2
1.1
ohne weitere Erg.:
sô mich sende nôt bestât, / sô schîne ich geil und trœste selben mich
Walth
116,36;
ich [...] gibe im solher minne
teil / dâ von sîn herze wirdet geil Wig
8801;
so wirt mîn sendez hertze geil SM:Tu
6: 6,6;
guͦt ist ane mazen schade ze dem eweclichen heile
[...]: / da von wende drabe den muͦt,
wellestu dort [im Himmelreich] sin geile
Kirchenl
237,5;
owê, sprach ein geiliu magt, ich bin behuot. / ine getar / vrô gesîn niht
offenbâr Neidh
SL 13:4,4;
der [Vögel] bleip dâ lebendic
ein teil, / die sît mit sange wurden geil Parz
119,8;
seht wie kint ûf schocken varn, / die man schockes niht
wil sparn: / sus fuor [schaukelte] diu brücke âne
seil: / diun was vor jugende niht sô geil [d.h. die Brücke war
alt]
ebd.
181,10.
– mit ze:
der frouwen [Gen.] trûrec,
niht ze geil [litotisch für ‘sehr
traurig’]
Parz
257,5;
daz wir iht ze geil werden und ze übermüetic von disem trôste
DvASchr
338,11.
– in Verbindung mit vrô, vrœlich, vruot u.ä.:
er was dô geil unde vrô Tr
8315;
UvZLanz
6681;
StrDan
5289;
frœlich unde geil KvWTroj
1010;
fruot unde geil Flore(G)
4930;
frutig und gail HvNstAp
19769.
– vom Bauerntanz:
êrelôsiu vrouwe, wê [...] daz ich iu ze
dienest ie sô mangen geilen trit getrat, / daz ist mînes heiles, mîner sêle
ungewin Neidh
WL 30:5,5;
er muoz mich sîne geile sprünge lêren ebd.
SL 18:4,7.
SL 27:7,4;
dô huob sich der tanz von dem rûzze: /
[...] hôhe sprunge, geile baggenknûzze
SM:Go
2: 7,4.
– subst.:
Arnîve wart diu geile, / wand
[...]
Parz
652,26;
der trûrege, niht der geile ebd.
491,18;
daz er sît wart vil selten der geile Tit
154,3
1.2
mit einer weiteren Erg.: ‘froh, erfreut über etw.; freudig bereit zu
etw., begierig auf etw.’
1.2.1
mit Gen.d.S.:
er enphienc nie wîbes minnen teil, / ern wære al ir
vröuden geil: / in müete wîbes riuwe Parz
110,6;
sît dû diz wilt, ich bin es geil
RvEBarl
13431;
sie warn bede der verte geil Rennew
13326;
zum Kompositium übergehend:
der ern gail Teichn
668,30.
– selten mit Gen.d.P.:
diu frouwe was ir gastes geil Parz
33,12.
– subst.:
dâ lac inne veile, / daz ichs wære der geile, /
het ich alsô rîche habe Parz
562,26.
598,25
1.2.2
mit Präp.-Erg.:
wilt du [Frau minne oder
Geliebte] , sô wird ich an stæten fröiden geil, / daz mîn
herze alsô iht von dir brinne KLD:KvK
6:3,7;
ich wil, daz man mir wize, / wirt sin lob niht gar geseit, / sit ich
niht lebende an tugenden weiz so geiles Damen
6,3;
si waren darzu harte geil PassIII
473,82;
wis ouch dabi niht zu geil / uf dines nehesten
urteil [deinen Nächsten zu richten]
Vät
19549
2
‘übermütig, leichtsinnig, den (leiblichen) Begierden nachgebend,
gierig’
Rôme zwô tohtern gap ze man, / Megenze unde Kölne: dâ ist ir niht gelungen an:
/ nû sint der tohtern man [gemeint: die beiden
Erzbischöfe] ein teil ze tump unt da bî al ze geil RvZw
224,3;
also ist der tumen puezz / dw von reichait sind zu gail
Teichn
184,17;
da vacht in der teuffel mit / in eins viͤrharter
[eines falschen Spielers] sit: / der fleust mit willen
den ersten tail, / da mit macht er enen gail / daz er ye lenger ye mer auf setzt
ebd.
203,12;
sist [die Minne ist] worden sô geile, swer sich ir
wil nieten, / dem ist sie veile KLD:TSchreiber
3:1,5;
vort schob di geile babe [Eva] / di schult und di
missetat / uf den valschen losen rat [...] der slangen
TvKulm
302.
279;
do der alte slange mit sînen genôzen / von himel wart herab gestôzen, / sînes
lîbes wesen teilte er in driu: / [...] den leien daz houbt
ze teile wart: / daz houbt bezeichent die hôchfart; / den pfaffen wart daz mittel
teil: / daz machet si frêzic unde geil Renner
3062;
er [
der geischlich mentsche
] sol och
sinen lip mit discipline, mit vastenn, mit wachenne, [...]
kestigen und nit ze zart haben, daz er nit werde ze gaile PrGeorg
333,25;
so ist er als poz sam e, / ist chaez und ayr fuͤr sich
dar, / hat an sunten chainen spar / mit trunchenhait, mit weiben gail
Teichn
57,17.
– von Tieren: ‘brünstig’
die sien [Weibchen der
Schwalben] werdent fruhtbær allain von dem trahten des gailn
gelustes BdN
201,12
3
‘kräftig, stark, wild’
sô wart er ûz der ahte [über die
Maßen] / starc, küene unde geil UvZLanz
3969;
Crane der junge forste geil Crane
3078;
an chreften gail Suchenw
34,67.
–
daz phert [...], / daz was geil
unde snel Eracl
3883;
ez [das Ross] waz
freudig [l. freidig
] und geil
HvNstGZ
919;
ochsen, die waren wilde / vnde so geil, daz si nieman / enmochte an ein
ioch gevan PassI/II
222,33
4
‘(vom Land:) fruchtbar; (von Pflanzen:) stark wachsend; (von Früchten:)
üppig’
so vruchtber was daz teil / des ertriches und so geil, / daz Aser alda besaz
HistAE
952;
vnd ab her [der Weinstock] czu geyl
ist, so sal man den stok vmme grabin vnde sal di grube vullin mit sande
Pelzb
130,20;
die [Bäume] tragent alles wurmessig
obs, und das obs oder die oͤphel die stont und schinent als recht geil und
als schoͤn, etwenne vil geiler und vil schoͤner wan die guͦten
Tauler
188,15
MWB 2 285,52; Bearbeiter: Tao
geil
stNM.
1
‘(ausgelassene) Freude, Fröhlichkeit’
2
‘Hoden’
1
‘(ausgelassene) Freude, Fröhlichkeit’
do er in sînem geile spranc / an dem umbeswanke [Drehung im
Tanz]
Neidh
WL 31:5,1;
mit grôzer [La. grossem
] geile / was daz
ezzen ergangen Flore(S)
7602;
so kan die werlt sich gefrien / zu freuden vnd zu manigem geile [
Io 16,20
]
EvStPaul
13880.
12775;
daz ist paider hertzen gail Teichn
190,40;
BuchdRügen
934
2
‘Hoden’
sô man in [den Biber] jagt
[...] : / er bîzet ab sîn geil und lât es vallen zeiner
miete, / für daz man in niht suoche mêr in holze noch in riete KvWLd
32,335
MWB 2 287,24; Bearbeiter: Tao
geilære
stM.
→
gîlære
MWB 2 287,36;
geile
stswF.
1
‘(ausgelassene) Freude, Fröhlichkeit’
2
‘Übermut, Hochmut’
3
‘Begierde, Zügellosigkeit’
4
‘Fruchtbarkeit, üppiges Wachstum’
5
‘Hoden’
1
‘(ausgelassene) Freude, Fröhlichkeit’
mit grôzer geile / was daz ezzen ergangen Flore(S)
7602.
– hierher, falls nicht zu
geil
stNM.:
alsô sprach ein altiu in ir geile Neidh
SL 9:4,6.
SL 1:3,1
2
‘Übermut, Hochmut’
si quâdin, daz her durch sîni geile / haviti virlorin des heris ein michil
deil Anno
24,3
(vgl.:
daz er durch sîn gail [oder stN.?] /
ir heres hête verlorn ain michel tal Kchr
457);
got ist ein ungeschaffen wesen, / der tüfel nit, daz red ich nit in geile
FrlSuppl
7:215A,19
3
‘Begierde, Zügellosigkeit’
swer wol got dienen wil, / der sol niht vasten sô vil / daz er kome von dem
lîp [...], / er sol von sîner geile komen / niht von sîm
lîbe WälGa
10352;
kawm pracht sy in [die Seele den
Leib] darzu / das er dy gail wold lon / und ir wurde undertan
HvBurg
4679.
5137;
nym die mirren der puͦzz, da mit du die vͤppigen gayl deinez
lebens prittelst [zügelst] vnd zæmest GestRom
44
4
‘Fruchtbarkeit, üppiges Wachstum’
ouch deret des boumes gäile / in dem sumer der chalt rîffe
Priesterl
234.
– übertr. ‘fruchtbarer Boden, Ackerland’, als
Bezeichnung eines Ortes:
diser brief ist gegeben bei der geile in dem dorf datz wechschaide vnder
dem Chrainperge UrkCorp (WMU)
2290,1;
in der Gail ist er gesezzen, / ain muͤller wol
vermezzen Teichn
586,31.
586,50.
586,137
5
‘Hoden’
sine [des Bibers] geil ist nuzze unde guot, ze
erzenie man si tuot MillPhys
112,3;
der biber muoz vil hôhe geben / sîne geilen für sîn leben Freid
139,6;
BdN
127,8.
153,29;
dô zeprach ez [das Pferd] im selber
sein gailn und ertôt sich selber ebd.
137,25
MWB 2 287,37; Bearbeiter: Tao
geilen
swV.
1 tr. ‘jmdn. froh machen’
2 refl. ‘sich freuen (über jmdn./etw.)’
1
tr. ‘jmdn. froh machen’
minne sinne wil dem geilen, / dem si liebe wil verjehen / unde
im die mit triuwen kündet KLD:BvH
14: 2,3;
dâ geilent wîp / minnegernder manne lîp / alsam daz tou den
grüenen clê KvWLd
22,26;
manig knechtt gegailtt / in sins herzen mütte ward / daz er
mitt manigem ritter zartt / da soltte ze turner ritten GTroj
3138;
der kvnsteriche Ihesu Crist / der alle siecheit heilet / mit einem worte und
geilet / ze himel lip vnd och sel Martina
263,24.
143,2;
daz dû [Gott] von allir sundin wê / mîn armiz herze
heilis / unde an genâdin geilis / durch dîner tuginde gebot NvJer
64
2
refl. ‘sich freuen (über jmdn./etw.)’
wír sprúngezen unte fréuuen [La.
geilen
] únsih an dír [
exultabimus et
laetabimur in te
Ct 1,3
]
Will
7,1;
ir geilent iuch jungen, / [...] ir singent den reien
/ und wesent frœlich frô des liehten meien KLD:KvK
5:1,14;
KvWLd
9,25;
des sich ir herze geilet SM:Had
22: 2,3;
mîn muot dien valken tuot gelîch, / die durch ir adellichen art
/ sich geilent mit der sunne: / so hôher flük ist er nu rîch SM:Tu
3: 1,3;
swer sich sust frowet, gailet SHort
5982;
WvRh
7460.
–
swâ sich bescheidenheit / in wîbes herzen geilet, / diu
zwîget unde frühtet sælde und êre KLD:BvH
13: 5,5
MWB 2 288,5; Bearbeiter: Tao
geilerin
stF.
‘die fröhlich, ausgelassen ist’
ich heißen jugent, die lichte, / die geilerynne, die
leuffersse, / der sprincke und die sprengersse, / die alle leit achtet nit einen
hentschue Pilgerf
12056
MWB 2 288,30; Bearbeiter: Tao
geilhaft
Adj.
‘ausgelassen’
des vater unde muoter dô / geilhafter fröuden wurden frô WvRh
774
MWB 2 288,34; Bearbeiter: Tao
geilheit
stF.
1
‘Freude’
2
‘Wollust, Begierde’
3
‘Übermut’
4
‘Stärke, Kraftfülle’
1
‘Freude’
Wisheit [...] sprach: ‘hut die
wer gut gewesen, / [...] beßer dann offene gailheit
[...].’ Minneb
3682
2
‘Wollust, Begierde’
godes liebe an diesen zwein / verjagete brodelichen mein; / ir beider reine
otmudekeit / verdreip des fleishes geilheit Elis
1708;
noch prufent ouch [...] des ku͗schen jungelinges
muͦt, / [...] daz er nit sine minnen brut / zu
brodelicher geilheit, / [...] neigete ebd.
1443;
Köditz
28,18;
[Frau Buße mahnt die Seele:] liebew, wil du gesigen an /
dem leibe, so solt dw in han / vaste in deiner huͤte, / zuchtige in mit der
ruete / des gebrestes, welle er geil wesen [...]. / gib im
die speise mit masse, / das er iemer die geilheit lasse HvBurg
3372;
es ist pilleich und recht / das der leib, der selen knecht, /
sul sein dem geist undertan / und sein gailheit sulle lan ebd.
3092
3
‘Übermut’
wan der [außer wer] spot / tribet
in herzen geilheit Daniel
6523
4
‘Stärke, Kraftfülle’
einen vehet er [der Falke] in
[den Vögeln] abe / oder zuene durch sine geileit
GrRud
Fb 38
MWB 2 288,36; Bearbeiter: Tao
geilic|heit
stF.
‘üppiges Wachstum’
jst das in dem erstin iare bluyt der czwik, di blut sal man ab
brechin, das icht der czwik von geylikeit vorterbe Pelzb
121,9
MWB 2 288,57; Bearbeiter: Tao
geillîche
Adv.
‘fröhlich’
do nam sie [
ein ebtissinne
]
vrlovp da, / sie hvp sich danne sa, / geilliche sie vber den hof spranc
ReinFu
K,2133
MWB 2 288,61; Bearbeiter: Tao
geilsen
swV.
‘fröhlich sein’
siv trurent vnde geilsent Martina
126,74.
– refl., ‘sich über etw. (Gen.) freuen’
dez [Jahresanfang] sich die liute geilsent / und
och ein ander heilsent / mit gabe menger hande Martina
231,81
MWB 2 289,1; Bearbeiter: Tao
gein
Präp.
→
gegen
MWB 2 289,6;
ge|ínbîʒen, -biʒen
swV.
‘jmdm. etw. zu essen geben, jmdn. speisen’
an dem dritten tage do fraite [=
fragete
] unser herre einen sinen iungeren, s.
Philippum, wie er im riete, daz er die lute gimbizt. want si nu drie tage miner
genaden hie gewart habent; unt laze ich si nu also uastende uone mir uarn, so
uerwerdent si uf der straze PrRoth
42
MWB 2 289,7; Bearbeiter: Tao
geine
stF.
→
gegene
MWB 2 289,14;
geinen
swV.
vgl.
ginen
und AWB 4,181 s.v. geinôn.
–
‘gähnen’
sô dû sehest daz er gerne geine unde wach unde ime der arm
gerne pitement, dér siech sol [...]
Barth
157,13;
diu trâkeit hât ouch ir schar / gewâfent und bereitet gar. / wizzet daz an ir
schar ist / slâf, rensen, geinen, zaller vrist WälGa
7414
MWB 2 289,15; Bearbeiter: Tao
ge|infelet
Adj.
‘eine infele (Mitra) tragend’
der bischof [...], / den er geinfelt kumen sach
PassIII
580,75
MWB 2 289,22; Bearbeiter: Tao
geintriften
swV.
zur Wortbildung vgl. Leitzmann, Lexik. Probl., S.22.
‘(ein Heer) versammeln’
dâ geintrifte er daz her in sîner chrefte [vgl. Idt
3,15]
JJud
426
MWB 2 289,25; Bearbeiter: Tao
ge|irre
stN.
‘Hindernis’
impedimentum: geirre SummHeinr
2:341,01.11
MWB 2 289,29; Bearbeiter: Tao
geischlich
Adj.
→
geistlich
MWB 2 289,31;
geisel
stswF.
auch geischel (
MerswZM
8,10;
ClosChr
106,22;
Pilgerf
2119
).
‘Peitsche, Geißel’
1 eigtl. 2 übertr.
1
eigtl.:
– zum Antreiben (des Viehes, auch des Menschen):
mit der geiselen er in [den
Esel] uaste sluͦch VMos
73,18;
die ackirman mit dir ruitin, die enki
[Viehknecht] mit dir geisilin
Mühlh
109,13;
lobelich und schonne in zeltt / gieng
es [Pferd] völlenklichen gang. / mitt gaisslen es
dü raine twang / selten GTroj
21138;
HvNstAp
4144.
19892;
Lanc
604,13;
der heiden hers ein woldan [Zug,
Schar] / wol vünf hundert mennische vuorten, / die si mit
geiselen ruorten Wh
90,14;
er sah einen roten man [...] / mit einer geysel
trijben / von den schönsten wijben [...] ein grosze
schar, / die allerhande cleyder bar / vnd nackent warn Krone
28634.
14187;
EnikWchr
28168.
– zum Treiben des Kreisels:
hie helt diu geisel, dort der
topf [Kreisel] : / lâtz kint in umbe trîben
Parz
150,16;
er sluͦg in vaste uf den kopf, / daz von geiseln
nie kein topf / also vaste umme gelief Rennew
1230.
– zum Vertreiben:
er gie in daz templum [...] und
treip si auz mit einer geiseln PrOberalt
145,4;
das er ain gaislen macht / uss hanff und da mit schluͦg / die da
tribend groͮss unfuͦg / in dem hailgen tempel guͦt
KvHelmsd
976;
EvBerl
36,5
( Io 2,15);
EvAug
213,2.
– als Züchtigungs-, Straf-, Folterinstrument:
swâ sie [die Untertanen] dîn
vater berte / mit geiseln, dâ soltû die schar / mit scorpîônen slahen
gar [vgl. III Rg12,10]
RvEAlex
16207;
PrBerth
1:152,15;
der zornig wirt da [in der
Hölle] mit fúrinen geisseln gesclagen Mechth
3: 21,58;
mit geiseln sie in [Jesus
Christus] vilten RvEBarl
2841;
MarlbRh
22,38.
27,32;
PassI/II
67,24;
unde viengin die herin botin unde sluͦgin si mit
gêisilin Spec
75,21.
– zur Selbstgeißelung:
ir buozliet si sungen, / [...]
und swan si kômen inder nâhen, / daz si eine kirchen sâhen, / sô sluogen si sich
selbe an / mit geiseln Ottok
9447;
dô stuont ain volk auf, daz hiez man die gaislær, die
sluogen sich mit gaiseln alsô nakent BdN
217,16;
er nam sin geisel her fúr mit den spizigen dornen, und
schluͦg sich selben úber den lip und umb die arme und dú bein
Seuse
43,16;
MerswZM
8,10.
– als Waffe (oder Reitpeitsche) der Riesen, Zwerge:
die riesen [...] / trogen liechte
helme / vnde brunien sne wize, / [...] die swert zo den
stangen, / de geislen also lange: / daz die riemin solden sin, / daz warin
ketenen iserin, / groze knopfe hingen dar an Roth
689;
helm unde ringe er [Alberich]
an dem lîbe truoc / unt eine geisel swære von golde an sîner hant
NibB
494,3;
daz getwerc [...] si mit der geisel sluoc / die
ez in der hant truoc Er
54.
97;
Parz
401,16;
UvZLanz
428
2
übertr.:
unser herre, der almæchtig got, wiset der arm sel manigen
weis. [...] oft mit sinem gebot, etwenn mit siner geiseln,
daz ist der sichtum und swaz unz ze leid geschiht, daz ist sein geisel
PrOberalt
146,35;
drú ding [...] : / der
muͦstu [David] einis duldin / durh dastu súnditist
an got / und úbir gienge sin gebot. / dirre geisiln der sint dri:
[...]
RvEWchr
31165;
es si enkein gabe uf disem ertrich, da lige ein geisel uffe
Mechth
3: 16,3;
er wart genant von gotes gebote / gotes geisel, wan er rach /
swaz gote unrehte dô beschach RvEAlex
10055;
du [Antichrist] bist aller welte
ein geisel, gesant von gotte dur der boͤsen bosheit und dur der guͦten
helikeit Mechth
6: 15,57;
diu neigunge ze den sünden enist niht sünde, aber wellen
sünden, daz ist sünde [...] wan diu neigunge
[...] trîbet in [den
Menschen] ze der tugent mit gewalt, und si ist ein strengiu geisel,
diu den menschen ze der huote und ze der tugent trîbet Eckh
5: 215,2
MWB 2 289,32; Bearbeiter: Tao
geiselære
stM.
auch geischeler.
‘Geißler, Flagellant’
dô stuont ain volk auf, daz hiez man die gaislær, die sluogen
sich mit gaiseln alsô nakent und vielen ir venie auf ir prust und nâmen ir hundert
oder zwaihundert [...] ainen maister, der ain lauter lai
was BdN
217,15.
219,14;
dernoch in der vasten koment geischeler [...] und
geischeltent sich an bloßen rücken ClosChr
73,2.
104,16
MWB 2 290,40; Bearbeiter: Tao
geiselbanc
stF.
ein Gerät zum Abmessen von Tüchern, nähere Bed. unklar:
eyn wollenweber sal eyn tuch nicht me luyten, den funfen vorkoufen, unde sal
is in uf der geysilbanc messen UrkBresl
103
(a. 1324)
MWB 2 290,48; Bearbeiter: Tao
geiselen
swV.
auch geischeln.
‘mit der Geißel, Peitsche schlagen’
1 eigentl. 1.1 tr. 1.2 refl. 2 bildl. und übertr.
1
eigentl.
1.1
tr.:
– ein Pferd antreiben; subst.:
und ob man si [Pferde]
begunde jagen, / daz si von geiseln sîn snel Ottok
16133.
– jmdn. züchtigen, strafen, peinigen:
flagellabuntur: werdent [...] gegæiselt
PsM
72,5;
durch daz hiez er sie schenden, / geiseln unde
blenden, / durch die stat nackent jagen RvEBarl
11302;
Lanc
558,3;
dô Jêsus gegeiselt wart WvRh
9413;
vnd in irn synagogen gaiselnt si ivch [
Mt 10,17
]
EvAug
20,24;
der heilige sant Paulus wart mit vnzellichen uil ruͤten
gegeischelt ElsLA
408,22.
– subst.:
waz der suze got geliden / hat durch unser willen, / geiseln unde
fillen, / jemerlichen smerzen Elis
972;
daz Christ in smêher heit / daz geiseln an der
schreiât leit / und daz swinde slahen JvFrst
6948
1.2
refl.:
und sô der zorn wehset, sô gaiselt
er [Löwe] sich selber auf dem ruck mit dem sterz
BdN
144,7.
– im Sinne der Selbstgeißelung als Bußübung:
alse si sich geiselent, so soͤnt si gedenken
min Mechth
7: 53,15;
ez ist ain volk daz gaiselt sich und vellt auf die
erden und bekent seiner sünd offenleichen von allen läuten
BdN
217,23;
geischeler, die [...] geischeltent sich an
bloßen rücken ClosChr
73,4.
104,17.
– subst.:
ir buoze si darin [in der
Kirche] begiengen / mit geiseln unde mit gebet
Ottok
9452;
wenne sü nu woltent buͤßen, alse nantent sü daz geischeln
ClosChr
107,1
2
bildl. und übertr.:
ze Herode gesant mit dem spote, entkleidet mit dem ellende,
gegeiselt mit dem armuͦte, [...] din crúze getragen
in dem hasse der súnden Mechth
1: 29,10;
din ungeúbter lip wirt gegeiselt mit dem herten strengen
lebenne Seuse
205,22;
iz sint di mit den zungen zweiseln / und di werlt mit worten
geiseln, / [...] : / venenum aspidum super labiis eorum [
Ps 13,3
]
Brun
2770;
was, ab [...] der hagel nu das felt
/ geiselt und der blumen schar / und die kleinen vogelin weinen
Mügeln
390,5.
– von Gott und seiner Züchtigung:
dú warheit ruͤgete mich, dú vorhte schalt mich, dú
schamme geiselte mich Mechth
3: 15,19.
so kumt die goͤtliche vorhte und geiselet mich
ebd.
7: 6,10;
nv gæiselt er [Gott] siv genote Warnung
1749;
der uns den himel hât erkorn, der geiselt uns bî unser habe
WernhSpr
58,11
MWB 2 290,53; Bearbeiter: Tao
geiselrieme
swM.
‘Peitschenschnur’
die geiselriemen wâren grôz, / mit grôzen knopfen vor gebunden Philipp
6837;
er sô vaste gegeiselt wart / daz diu hût wart gar zezart / von den
geiselriemen grôz ebd.
6850.
6857.
7398
MWB 2 291,34; Bearbeiter: Tao |