g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geiselruote – geisticlich geiselruote swstF. geiselslac stM. geiselstap stM. geiselstat stF. geiselstreich stM. geiselunge stF. geiselvart stF. geiselville stF. geiselzeichen stN. ge|îseret Adj. geislich Adj. ge|îsôtet Adj. geist stM. geistâder swF. geistelich Adj. geistelôs Adj. geisten swV. geistenrîch Adj. geister stM. geisterin stF. geisteshalben Adv. geistförmic Adj. geistic Adj., Adv. geisticheit stF. geisticlich Adj. geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
geiselruote
swstF.
Rute, die als Peitsche dient, ‘Peitsche, Geißel’
ouch vuorten die unguoten / zwô geiselruoten / mit vingergrôzen strangen: /
den si dâ heten gevangen, / den triben si dâ mite / nâch vreislîchem site Er
5395;
ein getwerc, daz sî sluoc / mit sîner geiselruoten / daz sî
über al bluoten Iw
4925;
zwicket úch sin geischel ruͦte, / ze mines dienstens
huͦte / twinget úch mins dornes swang RvEWchr
33563;
SHort
1657.
– übertr.:
wir [...] suln ez [
dit
ungemach
] haben doch da bi / vor die minneste geiselrute
/ der zuchtunge gotes gute Judith
1351
(vgl. Idt 8,27);
der minne geiselruote / mich zuo den nœten twinget Reinfr
3198
MWB 2 291,39; Bearbeiter: Tao
geiselslac
stM.
‘Peitschenhieb’
unz daz im selben ein geiselslac / von dem schraze wart geslagen
UvZLanz(K)
436;
do er manigen geisel slac enphie StrKD
79,22;
min schoͤne lip wart so gar leitlich von dien
ungezogen geiselschlegen zerfuͤret und zermústet Seuse
204,18;
uz dem paradise vliuzet wazzer dræte, / daz sich uf eime ise mit geiselslegen
ein topf [Kreisel] versumet hete, / der mit snellecheit im
solt gelichen JTit
1676,2;
WvRh
12081;
Philipp
7423;
StNik
496.
– übertr.:
der ander gotes geiselslac / ouch alsô geschehen mac
RvEBarl
15183;
Vät
37091
MWB 2 291,53; Bearbeiter: Tao
geiselstap
stM.
‘Peitschenstiel, Peitsche’
man sal sine blanke hut brunen / mit geiselstebe sere alunen
Brun
9013.
– bildl.:
ein werrer mert der helle spil / unde ist ouch got ummere. / sin geiselstab
kan bruwen nit, / so kan vurgen [hervorschießen] sin
swippe [Peitsche, hier wohl bildl. für ‘böse
Zunge’]
Meissner
13:1,7.
– als Anrede an den Teufel:
du virfluͦchter geisel stab / mit aller jamers swere,
/ du virtumeter wizenere Vät
5110
MWB 2 292,1; Bearbeiter: Tao
geiselstat
stF.
‘Ort der Geißelung’
wenne sü nu woltent buͤßen, alse nantent sü daz geischeln,
[...] so zogetent sü zuͦ velde us
[...] und so sü koment an die geischelstat, so zugent
sü sich us barfus untze in die bruͦch ClosChr
107,5
MWB 2 292,10; Bearbeiter: Tao
geiselstreich
stM.
‘Peitschenhieb’
sînen geiselstreich er rach Er
950
MWB 2 292,15; Bearbeiter: Tao
geiselunge
stF.
‘Geißelung’
von herter geselunge, / die der süeze ivnge / enpfienc mit gedulde / fur alder
welte schulde / nam er mengen halslac / vf sinen minneclichen nac Martina
99,1;
die geiselunge an herten slegen / gibet da harte manichen schric / in der
vinsternisse dic / mit des tuuels anblic PassI/II
236,85.
– übertr.: ‘Heimsuchung, Plage’
ez ist drierlæi vͦbel, die wir muͦzzen liden:
[...] daz drit ist div geiselunge vnsers herren
barmherz [barmherzig] . die suln wir an
muͤrmelunge vnd mit genadesagunge liden Baumgart
5,24
MWB 2 292,17; Bearbeiter: Tao
geiselvart
stF.
‘Umzug der Geißler’
ein geischelfart [Überschrift]
ClosChr
73,1;
do man zalte 1261 jor, do erhuͦb sich ein geischelvart ebd.
104,12.
105,1
MWB 2 292,29; Bearbeiter: Tao
geiselville
stF.
‘Peinigung mit der Geißel’
der Minnen gaisel ville / mich jagen mit kreften nah im kan:
/ ach, solt er werden min man! WhvÖst
12564
MWB 2 292,33; Bearbeiter: Tao
geiselzeichen
stN.
‘Spur der Geißelung’
und dô aber daz geschach, / daz si [Maria] diu
geiselzeichen [an Jesus] sach / berunnen mit bluote, / mit
weinen si wuote WvRh
10475
MWB 2 292,37; Bearbeiter: Tao
ge|îseret
Adj.
‘mit îser (Eisen, eiserner Rüstung) bedeckt’
frou Cunnewâre de Lâlant / greif an die gîserten hant
Parz
218,14;
sîne gîserten arme ebd.
449,2;
an gîsertem arm / bin ich selten worden warm ebd.
615,3
MWB 2 292,41; Bearbeiter: Tao
geislich
Adj.
→
geistlich
MWB 2 292,46;
ge|îsôtet
Adj.
‘mit Isolde verbunden,, von Isolde verzaubert’
mirst Îsôt verre und ist mir bî: / ich vürhte, ich aber
gîsôtet sî / zem anderen mâle Tr
19006
MWB 2 292,47; Bearbeiter: Tao
geist
stM.
Pl. auch -er (
Marner
13,39;
Frl
1:14,28;
Hiob
15529;
Minneb
3358
).
1
‘Seele’ von Menschen und Tieren 1.1
‘Seele, unsterblicher Teil der menschlichen Natur’ , im
Widerstreit mit dem lîp / vleisch , von dem sich der
beim Tode des Menschen trennt ( spiritus vs. caro , z.B.
Mt 26,41 ; Rm 8,5-13 ; Gal 5,16-23 ) 1.1.1 allg. 1.1.2 Wendungen für die Trennung von und Leib im Sterben 1.1.3 Rückkehr von und Leben ( Lc 8,55 ) 1.2
‘(sterbliche) Seele der Tiere’
2
‘Vernunft, Verstand, Vorstellungskraft, Vorstellung’
3
‘Geisteshaltung, Sinnesart, Gemüt’
3.1 allg. 3.2 als Gabe des Heiligen Geistes 3.3
ein ~ und ein herze / lîp / muot
‘völlig einig’
3.4
pauperes spiritu ( Mt 5,3 ) 3.5
vrîer ~
, vrîheit des geistes 4
‘Sinn einer Schrift’
5
‘göttlicher Atem’ ; 6
‘Heiliger Geist’ (vgl. auch oben 4.2 ) 7
‘körperlose Gestalt, Geistwesen’
8 im Pl., ‘Lebensgeister, spiritus vitales’
9
‘Naturgeist’
10
‘dienstbarer Geist, spiritus familiaris’
11
‘Weingeist’
1
‘Seele’ von Menschen und Tieren
1.1
‘Seele, unsterblicher Teil der menschlichen Natur’, im
Widerstreit mit dem lîp / vleisch, von dem sich der ~
beim Tode des Menschen trennt (spiritus vs. caro, z.B.
Mt 26,41; Rm 8,5-13; Gal 5,16-23)
1.1.1
allg.:
vil willeg ist der geist, unchreftich ist daz fleisk
AvaLJ
130,7;
unsir herischer geist / [...]
da bi daz diuliche vleisch Vateruns
119;
du rihtiz uber min fleisch, / daz der min arme geist /
iht verlorn werde SüklV
565;
der mensche hât in im zweierhande natûre: lîp und
geist Eckh
5: 109,8;
daz vleisch begert wider den geist und der geist
wider daz vleisch ebd.
5: 431,11;
MarlbRh
94,10;
Spec
122,2;
HvBurg
3091;
Mechth
1:10,5.
–
si [christl. Krieger]
waren uzen unt innen / beslozen mit uesten ringen. / der stal schirmtte
dem ulaische, / diu heilige minne dem gaiste.
[...] / daz der gaist gesigete, / hin ze
himele si digeten. / si manten ir schephare / daz er der sele fride ware
/ wider des tiueles nit Rol
4867;
daz was ain angestlicher champ, / da der gaist
daz ulaisc uͦber want [bei den
Aposteln]
ebd.
7892.
–
des geistes leben [eines
Eremiten]
RvEBarl
6283
1.1.2
Wendungen für die Trennung von ~ und Leib im Sterben:
vnd als er [Jesus] dyse wort gesprach, /
der geist vz sime libe brach EvStPaul
10504.
–
do was Margaritonis geist / von dem libe gefarn
Herb
10086;
der geist vur sine vart ebd.
4992.
807;
swenne sich daz fleisch und der geist / von
einander scheiden, / [...] so ist dehein ouge
sô gewar, / dazz wizze, war der geist var Eracl
556;
ich muoz dar, / swenne der geist von im var
KvHeimUrst
1786.
–
da si den gaist wider gaben / ir urlosare
Rol
3276.
6163;
unze wir den geist an dere hineverte widere geben
Himmelr
2,22.
–
mînen geist bevele ich dir / hûde, herre, in dîne hant
Erlös
4901;
din [Marias] liͤf
bevilt an sinem ende / sin geist in sines vader hende
MarlbRh
24,22.
–
dô hete si gote ûf gegeben / den geist dâ mite si solte leben, /
und starp StrKarl
11228;
alsus der brûdir reine / in der martir meine / mit des geloubin
volleist / gab ûf gote sînen geist NvJer
9114;
mit luder stymme rief er aber, / Ihesus, vnd sinen geist uf gab er
EvStPaul
2128;
Mechth
3:17,7.
–
mine [Hecubas] gote
sehen her: / Pluto, Mars, Jupiter, / [...]
swelicher welle, / der gebe mir die volleist, / daz er neme minen geist
Herb
13362
1.1.3
Rückkehr von ~ und Leben ( Lc 8,55):
und ir geist ist wider kârt, / und si stûnt zuͦhant ûf
EvBeh
Lc 8,55;
vnd ir geist ist widergechert in si
EvAug
152,13;
do quam ir geist wedir EvBerl
106,23
1.2
‘(sterbliche) Seele der Tiere’
den geist, den daz uihe hat, den nimet es uon dem lúfte.
der selbe geist ist vnstete. da uon stirbet er mit dem fleische
Lucid
65,2;
die engel mugen ersterben niht, / der sêle rehte alsam geschiht, / vische,
vogele, würme und tier / diu hânt niht geistes alse wir Freid
10,14;
got lobet drîer hande geist: / der eine ist uns unsichtlîch, / der ander
ist menschen bilde glîch, / der dritte vliuget unde vert Kröllwitz
1004;
die geiste, die dâ mit ir scharn, / in wazzere unde in luften varn, /
kriechen unde krimmen, / loufen oder swimmen ebd.
1045;
[gegen den Drachen, der das Goldene Vlies bewacht, gibt Medea
Jason] von beche einen kloz, / der dem wurme besloz / beide den
adem vnde den geist Herb
1043
2
‘Vernunft, Verstand, Vorstellungskraft, Vorstellung’
daz mir [Dichter] sin vnde geist / gemût
[tatkräftig] werdent beide Pilatus
1,28;
erziuge ich hie iht guotes mit [mit der
Dichtung] , / ob mîn geist gevüeget daz, / des sol man mir danken
baz Wig
49;
Cassander, / diu wîse Troiærinne, /
[...] der geist ze himele, als ichz las, / von den
goten gefeinet [mit den Gaben einer Fee, übernatürlichen Kräften
ausgestattet] was Tr
4959;
er ist von clugen geistes art Frl
9:20,9;
weren miner synnen geister / so wise als Alanus waz
Minneb
3358.
–
sô der mensche, diu sêle, der geist schouwet got
Eckh
5: 116,21;
daz si ir kunftic ungemach / in deme geiste vor gesach Elis
2462;
do vurte der meiste / mich in deme geiste
[...] / uf einen hoen grozen berk
HeslApk
20798;
DvAStaff
506
3
‘Geisteshaltung, Sinnesart, Gemüt’
3.1
allg.:
die noch den geist der schalcheit habent, daz sint die
raubær PrOberalt
41,14;
in sineme
[
Genelunes
] geiste / was ne hein truwe
Rol
1953;
ir wonet geist so rechter guoter
tiere [Art] , / si hât den liuten sich geliebet
schiere SM:Wi
9: 4,1;
bist als træges geistes, daz dv niht wilt fvr nemen
PrBerthKl
7,17;
alsô sulen sie bewaren unde behûten beide die gesunden unde
die siechen unde sulen alle ir dînest vollenbrengen in eime semften geiste
StatDtOrd
26,17.
48,28;
da von sprach der wissage Dauid: ‘minen mvnt den tet
ich vf mit dem gebette vnde zoch in mich den geist der andaht’
DvAStaff
147;
der getroͮbte geist unde daz deumoͮtige
herce [spiritus contribulatus, cor contritum et
humiliatum] sint gote genamez oppher [
Ps 50,19
]
Spec
120,17.
93,14;
und was dw dan wellest chlagen, / das solt dw im
[Gott im Gebet] baltichleichen sagen. / sei dein
geist nicht wol gesunt, / das tue im ane zweifel chunt HvBurg
2959;
getichtes geist auch verstarret / ist in mir
Minneb
4668.
–
in disem liehte virstet man die heiligen scrift
luterlichen, wan si ŏch in disem geiste gescriben ist
DvAStaff
319;
der geist, ûz dem daz werc geschiht Eckh(Pf)
72,24
3.2
als Gabe des Heiligen Geistes:
die siben gebe des heiligen geistes, die sint sus
genamet. ein geist der gotes uorhten, der ander der heiligen goͮte, der
dritte des gewizzenes, der uierde der sterche, der uiunfte des rates, der sehste
rehtiv uerstantnusse, der sibente ein geist alles wistoͮmes
Spec
149,25;
herre, du der unser not waist, / sent uns dinen sibenvalten
gaist SiebenZ
88;
HeslApk
22411;
daz ist geist der guote, der zuntet unser gemuote
AvaLJ
212,2;
mit dem geiste der forhte ebd.
211,2;
von disen geisten wart entzunt / din lip, din herze Frl
1:6,18
3.3
ein ~ und ein herze / lîp / muot
‘völlig einig’
die rehten sint / sine
[Gottes] bruoder unde siniu chint, / mit im ain gaist
unde ain muot [
cor et anima una Act 4,32 ]
BenGeb
37;
wir [die Freunde Euryalus und Nisus] sîn ein
lîb und ein geist / mit willen und mit werken En
6570;
ein geist vnde ein herce DvAStaff
154
3.4
pauperes spiritu ( Mt 5,3):
sêlic sint di armen des geistes, wan daz himelrîche ist ir EvBeh
Mt 5,3;
EvBerl
141,13;
Eckh
5:22,3.
Seuse
182,32;
ThvASu
166,15;
her ist selic [...], der arm ist
in dem geiste HeslApk
2600;
‘sælic sint die armen in dem geiste’.
[...] der arm ist an dem geiste, der ist
enpfenclich alles geistes Eckh
5: 29,7;
die armen des geistes sint die, die gote alliu dinc
gelâzen hânt ebd.
5: 428,10;
dô unser herre von allen sæligen sachen wolte reden, dô
saste er die armuot des geistes ze einem houbete ir aller ebd.
5: 297,6;
wol swigente haben wir den armen geist alse du, herre,
wol weist, / den du unsich lertest AvaLJ
211,6
3.5
vrîer ~
, vrîheit des geistes:
swenne der vrîe geist stât in rehter abegescheidenheit,
sô twinget er got ze sînem wesene Eckh
5: 411,1;
aber doch muostû [...] dich halten in stæter
vrîheit des geistes âne snelle bewegunge unstæter dinge diu den klâren aneblik
des gotlîchen wesendes vermitelent [dazwischen tretend hindern ]
PrEkkewint
229;
Eckh(Pf)
416,13;
anders:
di warheit [Wahrhaftigkeit]
[...] wil nicht vurchte han, / sundir si hat allir
meist / war zcu saine [= sagenne] vrien geist
PfzdHech
292,6
4
‘Sinn einer Schrift’
die wedeütunge der rede ist sein geist, aber die wort sind
der leibe, die geschrift der rede ist ain gewant HvHürnh
70,1;
ich negetar nach deme geiste erbalden me baz, /
[...] geistlichiu dinch ersuochen / jouch dere ich
gwissiz urchunde vinde an den buochen Himmelr
5,1;
sant Augustînus sprichet, daz der allerbeste die geschrift
vernimet, der blôz alles geistes suochet sin und wârheit der geschrift in ir selben
Eckh
5: 42,22
5
‘göttlicher Atem’;
als Hauch des Schöpfergottes:
sînen geist er im în blies Gen
202;
er gap ime rehten sin. / er blêis ime sinen geist in, / daz er uirnunste
wîlte, / sine gehuht ime behilte. / er wolte ime mit deme willen / alles
guͦtes iruullen VMos
6,20;
du blies imo dinen geist in, / taz er ewic mahti sin
SEzzo
35;
VEzzo
73;
die himele sint geuestinit uon dem gotis worte unde alli
ir tûgindi uon dem gêiste sines mundis [
Ps 32,6
]
Spec
75,3;
RvEBarl
13176;
Rennew
337.
– anders:
got almahtig der irslehit in mit deme geisti sinis
mundis [2 Th 2,8]
JPhys
7,10;
hei waz dû genâden leist / an die sündesiechen! / wan du
lieze dînen geist / ûz dem munde riechen; / dô wart in gesunt / ir gemüete wunt.
/ âtem dîn verlüste gnuoc / schuof dem hellemôre KvWLd
1,79
6
‘Heiliger Geist’ (vgl. auch oben 4.2):
der vil heilige geist gewîste Dauidin, der herphare was, der
den saltir tichte Spec
76,2;
do sah er ob ime sweben, ─ daz nesul wir niht uberheben ─ /
den heiligen geist alse ein tuben, wir suln iz Johanni gelouben AvaLJ
43,7;
er saget ime [der Engel dem
Joseph] ze ware, daz daz chint von dem hailigen geiste enphangen wære
ebd.
11,5;
den heiligin geist sante er her nidir
[...] den zwelf apostolin PrMd(J)
344,20;
swenn aver der gaist der warheit chuͤmt, der gelert
euch alle warhait PrOberalt
97,28;
o Ihesu Criste, dinen geist / in blasen du mir
[Dichter] hie volleist EvStPaul
5438;
herre nu la mich den boten sin. / mit des heiligen geistes
gebe / wie ob ich etwaz da gerede? Rol
1334
7
‘körperlose Gestalt, Geistwesen’
die geiste bedurfent essendez nith noch trinkenez
Lucid
15,1;
ja nehat der geist weder bein noch fleisk [
Lc 24,37
]
AvaLJ
182,4;
der geist ist niht an der stat, da men in muge begrifen
Lucid
123,12;
si wanten ze ware, daz iz [die Erscheinung des
Auferstandenen] ein geist wære AvaLJ
182,2;
der im den lîp hât genomen, / daz ist ein unsihtic geist
Iw
1391.
–
er hiz werdin vuirin eingili, / geisti heri joch vil edili
SuTheol
38;
zem êrsten geschuof sîn meisterschaft / himel und aller
himele kraft / und ungeborner engel geist / ze sînes amptes volleist
RvEBarl
1997;
etisliche geiste sint da zv bekant / daz si dem mennischen
zv dieniste werdent gesant Litan
423;
tzwen geist sint die dein pflegent, ainer ze deiner
zesewen unnd der annder ze der winnstern, die wehüettent
[...] deine werch HvHürnh
22,6.
–
von der erde vnz an den manen sint die ubelen geiste, die
heizent cacodemones, id est malum scientes Lucid
12,3;
VAlex
1018;
die ubelen geiste sint sine [des
Antichrist] gesellen ze allen ziten Spec
143,34;
die gaiste ungehiure [Teufel]
AvaLJ
160,4;
umbe waz werdint die ubeln zuo den unreinin geistin
[in die Hölle] gestôzzin? Spec
41,12;
der unrein geist, der versucht unsern herren mit dem
vrazze PrOberalt
59,31.
43,28;
die boͤsen gaiste, so si den menschen
boͤsen gedanch an werffent ebd.
50,36;
nu gnade miner armin sele, / daz ir dehain boser gaist
níne werre Rol
6902;
daz die swarzen geiste einen man, der in sine chirchen
wolde gen beten, an uivrînen chetenen zugen Spec
110,26;
swaz nû der armen geiste vert, / die sint der chrefte gar
behert / und vor mînem [Christi] gewalte toup / als
vor dem winde der stoup KvHeimHinv
525;
ob ir tœtiges iht / trinchet, daz enschadet iu niht; / die
geiste müezen ir vaz / rûmen KvHeimUrst
1141;
die behaften er hiez / ledic wesen von den geisten
Ottok
49621;
wizzet, daz ez ist / ein geist oder ein
betroc [Trugbild]
ebd.
62834
8
im Pl., ‘Lebensgeister, spiritus vitales’
daz herz hât zwai kämerlein, [...]
und dar inne ist edelz pluot und die edeln gaist, dar an daz leben ligt. und die
gaist und daz pluot laufent in den âdern von dem herzen in die andern glider
BdN
26,10;
wan aber der mensche sitzit, so sinkit daz grobe bluit, und di lichtin geiste
dringint uf zu deme hirne Parad
37,19;
die sät werdent wachsent, der paum wuecher weginnent
zeitigenn, die geist nement ir krefft wider HvHürnh
18,5;
des lebens geiste ouch ußzüt / dem menschen das gestirne
[cometa] heiß Mügeln
265,3
9
‘Naturgeist’
dô kam ein sturnwint der steine brechen mohte, und in dem winde was niht got,
want soliche geiste fliuhet got, den die sturnwinte wægent PrEkkewint
225
10
‘dienstbarer Geist, spiritus familiaris’
ich hete in einem swerte / von aventiure einen geist, / daz er mir solte
kunden, / waz fürsten, herren allermeist / möchte an ir hochsten eren schaden
Frl
7:21,2.6;
daz die gaist zuo dem menschen gezämt werden mit mangerlai
stainen kräutern holz BdN
430,22;
dar umb list man, daz Salomôn ain vingerlein het, dâ gaist
inn beslozzen wâren under den edeln stainen ebd.
430,25
11
‘Weingeist’
susgetaner scheidunge nim war an dem moste. von dem wirt so he
girt uirslacht. [...] daz ander ist der geist. daz dritte
[...] daz ist hut uf dem moste geist. daz uirde ist der
reine win SalArz
1,58.
2,7
MWB 2 292,51; Bearbeiter: Plate
geistâder
swF.
Blutgefäß, durch das die Lebensgeister fließen, ‘Arterie,
Schlagader’
die andern âdern sint gaistâdern und haizent ze latein
arterie, [...] und in den vliezent die nâtürleichen gaist
und die lebleichen gaist, und sint von zwain röcken und sint auch klainer dann die
runstâdern BdN
35,22;
und daz die gaistâdern alle entspringen von dem lenken tail
des herzen ebd.
35,31;
iedoch slahent die runstâdern niht sam die gaistâdern ebd.
36,9.
38,3
MWB 2 296,51; Bearbeiter: Tao
geistelich
Adj.
→
geistlich
MWB 2 296,61;
geistelôs
Adj.
‘ohne Geist, geistlos’
dv solt got minnen nichgeistliche [...]; wand die
wile din sel geistformig ist, so hat si bilde [...], so
geminnete si got nie rechte [...]. har vmbe sol din sel
nichtgeistig sin von allen geisten vnd sol stan geisteloz Eckh
3:448,5;
du solt [...] versinken in das
unbekante und ungenante abgrúnde úber alle wise, bilde und formen, úber alle die
krefte sich selber verlieren und al ze mole entbilden in disem, so enblibt nút in
diser verlornheit denne ein grunt der weselichen uf im selber stot
[...]. us disem mag man sprechen das man werde kennelos
und minnelos und werklos und geistlos Tauler
257,37
MWB 2 296,62; Bearbeiter: Tao
geisten
swV.
1
‘mit Geist (dem Hl. Geiste) erfüllen’
2
‘hauchen, blasen’ (lat. spirare , vgl. Ruh,
Trinitarische Spekulation, bes. S. 25 und 44). 3
‘als Geist wirken, geistig tätig sein’ , vom Hl. Geist, Gott
1
‘mit Geist (dem Hl. Geiste) erfüllen’
wie kunnen wir dir, hêrre, geleisten / iht guotes âne dîn volleist, / die uns
ze gebene hât dîn geist? / den selben geist lâ, hêrre got, uns geisten RvZw
10,12;
heiliger geist, nu geiste uns hie mit dime geiste Meissner
10:5,1;
Damen
4,2;
des muͦz ich gotes helfe gern / und biten,
[...] / daz sîn geist geiste mich Kröllwitz
3562;
ez ist daz wol schîn / an iu, daz got iuch triuwelîch hât gegeistet
Loheng
1650;
an dem worte [...] ‘in ime’
[
in ipso
Rm 11,36
] verstêt man den heiligen geist, in dem elliu
dinc behalten und gegeistet und widerbrâht werdent zuo irm ende Eckh(Pf)
174,26
2
‘hauchen, blasen’ (lat. spirare, vgl. Ruh,
Trinitarische Spekulation, bes. S. 25 und 44).
– vom innertrinitarischen Vorgang: ‘durch Hauchen hervorgehen
lassen’
der vater und der sun die geistent den heiligen geist, dâ der heilige
geist gegeistet wirt Eckh
2:84,11;
Parad
101,32;
da sprichit he [Gott] sin wort und mit dem
worte geistit he den geist ebd.
99,35;
alles das das in ime [dem himmlischen
Vater] ist, das ist wúrken, do er in dem bekenntnisse sin
selbes gebirt sinen geminten sun, und si beide geistend usser in beiden den
heiligen geist in einem unsprechlichen umbevange Tauler
156,25.
412,14.
–
‘(den Hl. Geist in die Seele) einhauchen’
sô wird diu sêle ein himelische wonunge der êwigen gotheit, daz er sîniu
götlichiu werc volbringet in ir [...], der vater unde
der sun geistent den heiligen geist in sî [die Seele]
Eckh(Pf)
215,20.
–
‘wehen’, vom Wind:
der geist geistet wô her wil [
spiritus ubi vult
spirat
] , und sîne stimme hôris du, abir du weist
niht von wannen her kuͦmet odir war her gêt EvBeh
Io 3,8;
EvStPaul
11244;
EvAug
214,8;
Eckh
4:486,11;
bildl., vom Hl. Geist:
wand von gote vluzet ebn / beide wesen und daz lebn / allen dingen sust
und so. / wen sin geist der geistet jo / wo er wil und wen her wil, / waz er
wil; der gab ist vil TvKulm
24
3
‘als Geist wirken, geistig tätig sein’, vom Hl. Geist,
Gott:
do got menschlich uf erden was, / do geiste dri ein geist Damen
4,2;
got ist ein licht und her hât deme geiste gegeben ein
unvorleslîch [= unverleschlich
] licht,
darinne her irkennen mac alle dinc, [...] und wie daz
gotlîche licht lûchtet und geistet in diz licht, und welich di fruchte sint und di
eigenheit di got wirket in disen geist HvFritzlHl
171,34
MWB 2 297,11; Bearbeiter: Tao
geistenrîch
Adj.
→
geistrîch
MWB 2 297,59;
geister
stM.
‘Bruder des freien Geistes’ (zur Sache vgl. LexMA
2,732f.):
dem herren ist geseit, ir habent im sin tohter als och vil
ander menschen verkeret in ein sunder leben, daz heisset der geist, und die in der
selben wise sind, die heissent die geister und die geisterin, und ist ime fúr
geleit, daz daz sie daz verkertest volg, dar uf ertrich lebt Seuse
83,14
MWB 2 297,60; Bearbeiter: Tao
geisterin
stF.
‘Schwester des freien Geistes’
(s. →
geister
stM.):
Seuse
83,15
MWB 2 298,4; Bearbeiter: Tao
geisteshalben
Adv.
‘im Geiste’
Johannes waz begriffen [entrückt] /
[...] geisteshalben in den tron, / dar sach her der
guten lon, / der argen vordamnisse / kumftic in dem abisse HeslApk
7511
MWB 2 298,6; Bearbeiter: Tao
geistförmic
Adj.
‘geistförmig’
dv solt got minnen nichgeistliche, dc ist: dc din sel sol nichgeistig sin vnd
entploͤzet aller geistekeite, wand die wile din sel geistformig ist, so hat
si bilde; die wile si bilde hat, so hat si mittel, [...] so
geminnete si got nie rechte Eckh
3:448,2
MWB 2 298,10; Bearbeiter: Tao
geistic
Adj., Adv.
‘geistig, auf geistige Weise’
die stett [= stæte
] ist gaistlich
gaistig, / rainer hertzen ain spiramen, / des hailigen gaistes flamen
MinneR332
180;
sie ensehent got, wan, dâ wirt got geistic gesehen, vrî von allen bilden
Eckh
3:486,8
MWB 2 298,16; Bearbeiter: Tao
geisticheit
stF.
‘Geistigkeit’
din sel sol nichgeistig sin vnd entploͤzet aller geistekeite
Eckh
3:448,1;
und dis ist daz hoͤhste zil und daz endlos wa, in dem
da endet aller geisten geistekeit, hier inne alle zit sich verlorn han ist ewigú
selikeit Seuse
185,3;
ouch lît diu geistlicheit der sêle dar an, daz si an irm ihte alse wênic sî
materie, als an irme nihte, von dem si geschaffen wart. diz ist diu geistekeit der
sêle Überschall(Pf)
520,29.
– mit Bezug auf den Heiligen Geist:
in zuckersüzen smackes bradem / mit geisticheit gewidemet, / durchtrechtic
wart der gotlich gadem [Maria] / driglestic vunkenricher
kunft Frl
7:1,9
MWB 2 298,21; Bearbeiter: Tao
geisticlich
Adj.
‘geistlich’
vmbe daz rebstuke ze Gruͦben in Munzinger banne, dar vmbe wir vor
geistiglichem gerihte kriegeton UrkCorp (WMU)
326,20
MWB 2 298,34; Bearbeiter: Tao |