gramerʒîen
swV.
‘Dank sagen’ (vgl. Suolahti 1,100 s.v. gramazîen):
hie sol man gerne schowen von manger werden amien /
[...] wie si nach dienste kunnen gramerzien / ir lieben
vruͤnt, der ir da dienen wolde JTit
1968,2
MWB 2 892,62; Bearbeiter: Graën
grampieren
swV.
→
gampieren
MWB 2 893,3;
gramvogel
stM.
s.a.
krimvogel
.
‘Greifvogel’
gram vogel fliegent gerne aleine Renner
21328.
20065
MWB 2 893,4; Bearbeiter: Graën
gran, grane
stswF.
1
‘Barthaar’
2
‘Schamhaar’
1
‘Barthaar’
mit gestreichtem barte, / mit uf gewnden granen
Rol
1156;
die nase lac disem vf den granen Herb
5848;
daz im sîn munt was sô rôt / unt daz vor jugende niemen dran
/ kôs gein einer halben gran Parz
244,10;
[in deinem Gesicht] gewuohs noch nie dehein gran: / war
umbe hiez ich dich ein man? Wh
67,15
u.ö.;
dô er [Herzog Heinrich] herfür het
geschoben / sînes bartes gran, / sô daz er wart ze man / und daz er ritters amt
enphie, / ein hôchzît aldâ ergie Ottok
20972;
uf der obirstin lippin do han si eczliche gran MarcoPolo
19,15.
– übertr.:
schanden gran / unde ir zan / missezierent rîchen man
KvWLd
23,41;
Teichn
220,28.
– bei Tieren:
[Satan] hât alsam ein katze gran MarGr 18
61;
[des Drachen] munt hât gran
[Borsten] und niender zene Boppe
1:16,7;
Krone
988;
Mechth
4: 18,20.
4: 18,25
2
‘Schamhaar’
dô si den gimpel gempel / in die hant genam, / sî sazte in an daz wempel; / er
druhte in durch die gran Neidh (HW)
46,16
MWB 2 893,6; Bearbeiter: Graën
gran
Subst.
ein Meeresfisch:
granus haizt ain gran. daz ist ain mervisch
[...]. der visch hât ain aug oben auf dem haupt wider
aller anderr tier nâtûr BdN
252,28
MWB 2 893,26; Bearbeiter: Graën
grân
stF.
aus afrz. graine (vgl. Suolahti 1,100).
‘scharlachroter Färbestoff, Scharlachfarbe’
von der gran / truoc er einen roc an Wig
1425;
Iw
3454;
Tr
15827;
manig lache von gran, / diu in viures varwe bran Krone
507.
6838.
– übertr.:
schande ist ein gran, / dar inne wirt geverbet Frl
5:47,2.
– für Kleider dieser Farbe:
dar na in unlanger stunt / heis der busschoff dat men sy cleide / mit
scharlaichen ind gronen beide HagenChr (G)
4322
MWB 2 893,30; Bearbeiter: Graën
grânât
stM. (sw. BdN )
1 i.d.R. ein Edelstein ‘Granat’ (vgl. Engelen, Edelsteine, S. 57f., 116f. u.ö.; Vorderstemann, Fremdw., 97f.) 2
‘Granatapfel(baum)’
1
i.d.R. ein Edelstein ‘Granat’ (vgl. Engelen, Edelsteine, S. 57f., 116f. u.ö.;
Vorderstemann, Fremdw., 97f.):
granatus: granat, lapis preciosus VocClos
Gr21;
ein kleinez vingerlîn [...] dez
steinlîn was ein grânât Parz
438,6.
589,20;
JTit
5556,4;
von dem granaten. granatus ist ain stain gar schœner
varb, geleich ainem rubîn BdN
446,30.
– in Verbindung mit jâchant als rote Untergattung des Hyazinth
(vgl. Engelen, Edelsteine, S. 316f.):
ez was ein grânât jâchant Parz
233,20;
Wh
188,26
(vgl.:
der grânât und der rôt jâchant, / die sint al ein beide
sant [d.i. beidesamt
]
Volmar
669;
der granât ist von des jâchants art und ist seines
geslähts BdN
447,7
)
2
‘Granatapfel(baum)’
vîgen boum, grânât, / öle, wîn und ander rât, / des wuohs dâ
ganziu rîcheit Parz
508,11;
der balsme und ouch der grânât bluot, / der blüete smac, der vrouwen zuht /
machten ein keiser wolgemuot Virg
426,10;
Minneb
3434
MWB 2 893,39; Bearbeiterin: Baumgarte
grânâtapfel
stM.
‘Granatapfel’
ein grânâtöpfel solt du hân, / der mir ervrische mînen munt Boner
48,114;
aphalter [Apfelbaum] von Punike, / diu wilde
granatephel treit, / rilicher smac ist uns bereit, / den uns din obz erteilet
KvWGS
1325;
malumpunicum: granathoͤpfel VocOpt
48.153;
VocClos
Ma76;
malum granatum: granot apfel ebd.
Ma75.
– übertr.:
min gelucke, min sußer tawe, / min edeler sußer granat
oͤpfel Minneb
1507
MWB 2 893,58; Bearbeiterin: Baumgarte
grânâtapfelboum
stM.
‘Granatapfelbaum’
der grânât aphelpoum uil chornelîne hât, diu sint
suͦzze TrudHL
129,13
MWB 2 894,3; Bearbeiterin: Baumgarte
grânâtapfelschelede (?)
swF.
Bed. und Ansatz unklar, ‘Granatapfelschale’ (?) (vgl. DWB 8,2066 s.v.
Schälete):
nim zwo vnze goltesche vnd zwo vnze granat oͤppfel schoͤlotten
ElsArz
222
MWB 2 894,6; Bearbeiterin: Baumgarte
grânâtbluot
stMF.
‘Blüte des Granatapfelbaumes’
balaustia: granot bluͦt VocClos
Ba38
MWB 2 894,10; Bearbeiterin: Baumgarte
grânâtenboum
stM.
unklar, ob Syntagma mit
grânâtîn
Adj.
‘Granatapfelbaum’
der wingarte ist zustoret, der vikbom ist vorgangen, der
granatenbom und der palmbom und der appilbom und alle boume des ackirs sint
vordorret Cranc
Joel 1,12;
der granatimboum und der oleboum ebd.
Agg 2,20
MWB 2 894,12; Bearbeiterin: Baumgarte
grânâtîn
Adj.
Bed. unklar, die Herleitung von
grânât
1 als dem Stein des Trostes ( ‘tröstlich’) oder von 2,
dem Granatapfel(baum), ist umstritten (vgl. FrlWB, S. 132):
vröut iuch alle, vröut iuch immer miner balsamiten! / ich volles wunsches
wurzesmac, / min mitsam granatin bejac / den brasem des trostes heilsam an iuch
strichen muz, / sust werdet ir des himels margariten Frl
1:20,34
MWB 2 894,18; Bearbeiterin: Baumgarte
grande (grant ?)
stSubst.
‘Not, Bedrängnis’ (vgl. Rosenqvist 1,113):
si teten ditz Jesu / zû laster und zû schanden, / daz si des
galgen granden / im ûf den rucke bunden JvFrst
8058;
swer nu in strites noͤten / hoͤrt gern
luͤte toͤten, / der biet mir sin ore! / den kuͤnc Melchinor /
wit ich [(über) den König verkünde ich (dass er ist)] in
strites grande / gein dem kuͤnge Agrande WhvÖst
7879
MWB 2 894,26; Bearbeiterin: Baumgarte
grande|wërre
swM.
‘große Not’
ob sie da sanfte lebten, oder lebten si mit grandewerren JTit
4107,4;
uz Tabrunit die geste, von den sach man hie noch grandewerren ebd.
4249,4
MWB 2 894,34; Bearbeiterin: Baumgarte
grandnein (?)
Subst.
Ansatz und Bed. unklar, erwogen wurden ‘eine Truppengattung’ (Anm.z.St.) und
‘Krieger’ (vgl. Rosenqvist 1,113):
herre, von zwain landen / für ich ane schanden, / von Tyro
und von Pentapolin, / wol viertzig tausent grandnein [La.
granducin, grantmentin
]
HvNstAp
20466
MWB 2 894,38; Bearbeiterin: Baumgarte
granducin
Subst.
→
grandnein
MWB 2 894,44;
grænen
swV.
‘mit grân färben’ (zu afrz. graine
‘Scharlach’, vgl. Rosenqvist 1,112.114):
wil er stete horden, / er wirt ein pluͦm in ritters orden. / sin lop
wirt rich gegrenet / ob er sich stete senet MinneR 444
425;
min trüwe schinet vnd ie schain / an stätte sam der marmel stain, / des herti
sich nit spänet, / durch lüchtiglichen gränet / oft miner trüwen varwe / geteltzet
[gefärbt] also garwe / nach minicklichem mine lon
LS 123
80
MWB 2 894,45; Bearbeiterin: Baumgarte
granhâr
stN.
‘Barthaar’ (zu
gran
stswF.):
ouwê daz sîniu jungen jâr / âne mundes granhâr / mit tôde
nâmen ende Wh
13,26
MWB 2 894,54; Bearbeiterin: Baumgarte
grânît
Subst.
Bed. unklar; in dieser Zusammenstellung wohl eine (mit grân gefärbte?)
Stoffart (vgl.
grân
und
grænen
):
beide koste und ouch kleit / diu wil ich nieman versagen. / heizet ouch von
kamer tragen / purpur, pheller und samît, / blîât und ouch grânît Heidin III
4226
MWB 2 894,57; Bearbeiterin: Baumgarte
grannen, grennen
swV.
zur Etymol. und Verwandtschaft mit
grînen
vgl. DWB 4,1,6,53f. s.v. greinen; vgl. ebd.
4,1,5,1873-76.
1
‘(laut) weinen, klagen’
2
‘jmdm. (knurrend) die Zähne zeigen, ihn schmähen’
1
‘(laut) weinen, klagen’
von grennen ir dú ogen rot / begunden aber werden
SHort
2662;
so moͤcht er wol switzen und
gran [
gran’n
] / der
si [Maria] schelten tuͦt und swachen /
[...] / der moͤcht sich wol fuͤrchten ser
Teichn
464,1484;
Bauernh
283
2
‘jmdm. (knurrend) die Zähne zeigen, ihn schmähen’
da [in der Hölle] der wirt zannet / gein sinen
gesten grannet / da der wirt lachit / da alle frovde swachit / vnd da enbleckit sine
zene / nach dem lahter [Lachen] ich niht sene
Martina
71,102;
mit schilhen ougen ane sach / Jêsum al diu menigîn / unde grenneten an in /
und begunden allesamen / gägen im von zorne grisgramen WvRh
9179;
WernhMl
10136
MWB 2 894,63; Bearbeiterin: Baumgarte
grans
stM.
wohl ‘hervorstehender Teil eines Körpers’ (s.a.
gränsel
)
1
‘Rüssel, Maul’ von Tieren und Ungeheuern, auch ‘Hals’ (anders als im DWB
4,1,5,1879 [mit BMZ/ Lexer] s.v. gransen beschrieben, keine
eindeutigen mhd. Belege für ‘Schnabel’ ) 2
‘Schiffsbug’
1
‘Rüssel, Maul’ von Tieren und Ungeheuern, auch ‘Hals’ (anders als im DWB
4,1,5,1879 [mit BMZ/ Lexer] s.v. gransen beschrieben, keine
eindeutigen mhd. Belege für ‘Schnabel’):
dâ quam vil grôzer elefant, / die racten ir granse UvEtzAlex
22045;
reht als ûz golde ein edel rinc, / der eime swîne wirt geleit / an sînen grans
KvWPart
8470;
vom Pferd:
KvWPart
5489;
vom Walfisch:
KvWGS
1628;
sie [die wolfsgroßen Ameisen hatten] ouch scharphen
grans: / etslich ein lemmel nâch ir dans [zerrte]
UvEtzAlex
23137;
vom Drachen:
Heidin III
1331;
ain geprattne gans / slickt er [der Riese
Kolkan] in seinen grans; / vier hennen zu ainem male
HvNstAp
4564.
– im übertr. Bild:
uil stete stichet der schalck / der [...] gein
dem rehten gelovben gaget / als ein vil tovbe gans / der sol snabel vnde grans
[Hals] / der [l.
dar
] werden [...] besenget
Martina
152,70;
si [die minnende Seele] hat dem
wolf der girheit sinen grans zerrissen Mechth
1: 38,6.
3: 21,86;
alsô des tiuvels luoder, / herzog Johans, / in Lucifer
grans / sich gesenket hât / mit der meintât Ottok
94783.
– auch abfällig vom Hals des Menschen:
den [Brei] soltu ezzen in den grans
Helmbr
455.
– Bestandteil eines Personennamens:
Lvdweich der grans von Vttendorf UrkCorp (WMU)
2430,23
u.ö.
2
‘Schiffsbug’
prora, anterior pars navis: grans SummHeinr
2:422,458;
ze dem schiffe gehœret maneger nagel. / er hiez den grans und den zagel
/ beslahen vil vaste / und sande nâchem maste Craun
670;
KvWTroj
25116;
der selbe ast die zullen [Zille, Boot mit flachem
Boden und vorn aufgebogenem, spitzem Bug] vienc / vor bî dem grans
Ottok
18855;
HvNstAp
5453
MWB 2 895,15; Bearbeiterin: Baumgarte
gränsel
stN.
Dimin. zu
grans
1 kleiner hervorstehender Teil des Körpers (vgl. grans 1 ), hier
‘Brustwarze’
2
‘kleiner Bug’ (vgl. grans 2 ), hier in der Wendung stiur vnd
gränsel
‘kleines Schiff’
1
kleiner hervorstehender Teil des Körpers (vgl. grans 1), hier
‘Brustwarze’
diu küngîn nam dô sunder twâl / diu rôten välwelohten mâl: /
ich meine ir tüttels gränsel: / daz schoup sim in sîn vlänsel. / selbe was sîn amme
/ diu in truoc in ir wamme Parz
113,7
2
‘kleiner Bug’ (vgl. grans 2), hier in der Wendung stiur vnd
gränsel
‘kleines Schiff’
swer stewer vnd grænsel hat, da sol der mavttnær hin rihtten wan vmbe gelt
alein vnd niht der stat rihttær UrbBayS
4,202
MWB 2 895,51; Bearbeiterin: Baumgarte
gransen
swV.
‘grunzen’
aper frendit [La. granseth, vgl. Bd.
3,63]
SummHeinr
1:169,791;
porcus grunnit [La. gransoth, vgl. Bd.
3,63]
ebd.
1:169,789
MWB 2 895,62; Bearbeiterin: Baumgarte
gransprunge
Adj.
mit Barthaar, das zu sprießen beginnt ‘zum Mann heranreifend, adoleszent’
(vgl.
gran
stswF.):
mich müet daz alter sêre, / [...] / ez sol der
gransprunge man / bedenken sich enzîte, / swenne er ze hove werde leit, / daz er ze
gwissen herbergen rîte MF:Her
2:2,4
MWB 2 896,1; Bearbeiterin: Baumgarte |